einer Hast überstürzen, die nicht mehr beschrieben werden kann. Was gestern noch neu war ist heute schon längst überholt, und die Zeitgesch.chte Rußland ist in eine Periode eingetreten, daß jedem, der nicht abseits steht (und das ist schier unmöglich, da man die Entwicklung täglich am eigenen Leibe verspürt), genau wie den Leuten im SXreml der Atem vergeht. — Wo wird das Geld Herkommen? Wer soll Steuern zahlen? Wer soll die Lasten der Verwaltung tragen? Was soll noch alles enteignet und „sozialisiert werden, wenn (wie es jetzt schon der Fall ist) nicht nur die Wohnungen, sondern auch schon die Wohnungseinrichtungen „verstaatlicht" sind? Was wird man noch alles beschlagnahmen, wenn lwie es schon heute geschieht) durch die Straßen Moskaus Mühen. Mäntel und selbst — Hosen spazieren geführt werden, die den Kuckuck der Pfändungsbeamten tragen? Diese Fragen interessieren den „Bürger" im gleichen Maße wie den Proletarier. Sie interessieren vor allem aber auch die Sowjetleute und werden maßgebend sein bei der Beurteilung der weiteren Aussichten des Fünfjahresplan. Dahinter steht aber die große Schicksalsfrage- wird es, auch wenn Stalin letzt die Rotwendigkeit einer Atempause zur „Untermauerung der bestehenden Kollektive anerkennt, möglich sein, diese Mammutwirtschaften zu qualitativem, ökonomischem Arbeiten zu erziehen, wird es gelingen, den Bauern auch für die Kollekttv- idee zu gewinnen?
Auch nach Der Anlegung Der Stalinschen Bremse bleibt alles zweifelhaft und ungewiß, während jedem „Klassenfeind" auch weiter als letztes Mittel der Karabiner der GPäl-Leute droht, in dem die Kugel recht locker sitzt. Die ganze Radikalisierung des inneren Wirtschaftslebens wirkt sich auch natürlich auf die Wirtschaftsbeziehungen mit dem Ausland, mit England. Amerika und vor allem mit Deutschland aus. Oa, es find bereits so unzweideutige Anzeichen dieser zu- nehmenden Radikalisierung auch in dieser Hinsicht vorhanden, daß für Deutschland die dringende Frage unmittelbar auf der Tagesordnung stehen sollte, wie unter diesen Umständen überhaupt an eine Fortsetzung der Wirtschaftsbeziehungen zu denken ist. Zur Zeit ist eine Flucht der Deutschen aus der Sowjetunion im Gange, die von den deutschen Kolonisten nur eingeleitet wurde. 12 000 bis 14 000 deutsche Reichsangehorige leben noch auf den weiten Flächen Der Union verstreut, teils als HanDwerker. als Ge- toerbetreibenDe. als Bauern usw. Gegen sie geht man nicht weniger rigoros als gegen Die eigenen Bürger vor. Die Steuerwillkür, die von den vertraglich verbotenen Enteignungen beim besten Willen nicht zu unterscheiden ist. die Dekrete und Berordnungen Der verschicDensten BehörDen. das Verbot, privaten Handel zu treiben, und anderes mehr macht ihnen Das Leben zur Hölse. Das 1921 abgesch.ossene RieDcrlassungs- ablonimen ist bei Dem Vertragsabschluß 1925 nicht rcüiDiert worden, inzwischen aber Durch Die Verhältnisse in einem Maße überholt, Daß sein Bestehen heute nur noch ein Hohn auf Die wahre Lage ist. Was will Berlin tun, um Die Deutschen vor Dem Terror übereifriger Stalinanhänger zu schützen? Die „Oswestija" berichtete vor kurzem, daß die in Berlin zwischen Curtius und Krestinski stattgefundene Unterredung — sowjetistischen Beschwerden gegolten habe. Wer die hiesigen Verhältnisse kennt, muß das als einen Schlag in das Gesicht der hiesigen Deutschen auffassen. Der Fall Der Konzession Drusag. Der unter faDenscheinigem VorwanD übergroße Strafen zudiktiert tourDen und von Deren bevorstehenDen Aneignung Durch die Sowjetregierung man offen spricht, ist ein Beweis für sowjetrussische „Loyalität". Ist die „Frcund'ch. ft" Den sch . nds für die S w'ets wirk- lich so groß. Daß man Diese Sprache nicht versteht? Auch in Der neuen Aera Stalins wird fein Wort Geltung behalten' „Wir brauchen keine ausländischen Kapitalisten!"
Die gefiedMe Schlange.
Vornan von Edgar Wallace.
9 Fortletzunq Nachdruck verboten
„Warum hat er Denn Ohren Rock gestohlen, wenn er nicht einmal Ohre goIDene Uhr mitgenommen hat?" fragte Der nüchterne Beamte.
„Weil er keine Zeit hatte, ihn zu Durchsuchen." Ölber Der Sergeant war Damit nicht einverstanden.
„Sie kennen Diese Kerle Doch genau so gut wie ich, Mr. Dewin. On Dem Augenblick, als er sich cntDedt sah. mußte er Doch zuerst an seine Flucht Denken, und es war Doch Dumm von ihm. sich mit einem Rock zu belasten. Sicherlich hätte er nicht Ohre Uhr un> Kette zurückgelassen, wenn er stehlen wollte."
Später am Morgen wurde der Rock Denn auch tatsächlich von einer Polizeistreife in einem benachbarten Hof gcfunDcn. Man konnte sich Den UmftanD nicht erklären, Daß noch ein silbernes Zigarettenetui in Der Tasche war, obwohl Das Kleidungsstück grünDlich Durchsucht sein mußte.
Peter hörte Diese Reuigkeit verwunDert an, aber Die Lösung Des kleinen Rätsels erhielt er erst, als er zufällig Das Kissen seines Bettes umdrehte und Die kleine Börse sah. Cs wurDe ihm plötzlich klar. Daß Der nächtliche Besucher nur nach diesem Gegenstand gesucht haben konnte. On seinen kühnsten Gedanken hätte er sich nicht eingebildet, daß Daphne Olroyd für diesen nächtlichen UeberfaU verantwortlich sei — und trotzdem war es so.
7.
Daphne Olroyd hatte Peters Dersprechen ernst genommen, daß er sie besuchen wollte und hatte in ihrem Stuhl bis ein Uhr nachts gewartet. Dann schreckte sie plötzlich mit einem Kältegefühl auf und entdeckte, daß ihr Feuer aus- gegangen war. Sie war mit Recht auf Peter böse, und ihr Unwille über sein Verhalten überschattete die Erinnerung an den ereignisvollen Abend. Offenbar hatte er sie vollkommen vergessen. Cs war überhaupt absurd, ihn zu erwarten. Was für eine wichtige Mitteilung hätte es fein müssen, daß er sie noch um Mitternacht in ihrer kleinen Wohnung aufsuchen durfte!
Sie nahm ihr Bad und schlüpfte gerade aus ihrem Schlafrock, als die Klingel ertönte. Hastig warf sie ein Kleid über und ging zur T^r, da sie glaubte, daß es Peter sei. Als sie aber das Licht andrehte und öffnete, starrte fie verwundert auf den Besuch. Es war Mr. Leicester Crewe. Sie erkannte ihn zuerst nicht, denn sein Gesicht war eingesunken und verzerrt.
„Kann ich eintreten?“ fragte er unvermittelt.
Stirnen, Sport und Spiel.
Handball der Sp.-Dg. 1900.
ö. Die erste H a n d b a l l m a n n s ch a f t der Spielvereiniäung 1900 vermochte sich am Sonntag im Rückspiel gegen Den T. - D. Garben- teich nicht erfolgreich Durchzusetzen. Sw muhte auch erfahren, Daß Den Garbenteicher A.-D.-^.- ßeuten auf eiger em Platz kaum beizukommen ist unD sich 5:3 genügen bekennen. Auf Dem schräg liegenden Platz spielten die 1900er zuerst bergauf und muhten dadurch den Einheimischen im großen und ganzen das Kommando überlassen. Das hätte aber bis kurz vor Halbzeit nicht zu drei Toren für den A.-D.-T.-Meister zu fuhren brauchen, wenn die Gießener Hintermannschaft nicht verschiedene Deckungsfehler begangen hatte. Die Garbenteicher waren besser auf der Hut und liehen nur 1900s Halblinken zum Erfolg kommen. Rach bem Wechsel erwartete man von den Gästen. daß sie den Spieß umdrehen würden. Erne Feldüberlegenheit war auch dank des besser werdenden Zusammenspiels festzustellen, jedoch ha- perte es vor dem Tore sehr, und manche gute Chance wurde durch die geringe Wurfsicherheit der Gießener Fünferreihe ausgelassen. Hier hätte sehr leicht der Sieg sichergestellt werden können. Die Garbenteicher gingen gegen Schluß noch einmal aus sich heraus und sahen chre Bemühungen ebenfalls durch zwei Tore belohnt. Das Spiel war hart — die Spielvereinigungsleute schienen anfangs nicht recht darauf geeicht — jedoch frei von unfairen Handlungen. Ergänzend fei noch bemerkt, daß die 1900er mit drei Mann Ersah gefahren waren, während Garbenteich seine vollständige Elf zur Stelle hatte.
1900s erste Ougend fand in der gleichen Mannschaft des T. -B. Londorf nicht den erwarteten Widerstand und siegte leicht mit 7:1 (6:0).
Handball im Turnverein 1846 Gießen.
Die ziemlich ersatzgeschwächte 1. Mannschaft mußte in Friedberg eine 3:0-Rie- Derlage hinnehmen. Die erste Halbzeit zeigte verteiltes Spiel. Die Gießener waren mit ihren Torwürfen vom Pech verfolgt, Friedberg war in
dieser Beziehung glücklicher und konnte zwei Tore vorlegen. Rach Der Pause lagen Di» Gastgeber mehr im Angriff, kamen aber nur noch zu einem Erfolg, Da Der jugendliche Gießener Torhüter im Verein mit der Verteidigung sehr Gutes leistete.
Die 1. Ougend konnte die gleiche der Tg. Friedberg mit 8:3 abfertigen. Sie war den Platzbesitzern in jeder Hinsicht überlegen und siegte in dieser Höhe verdient.
Die Schüler, die ein Rückspiel in Treis austrugen, verloren gegen den körperlich stärkeren Gegner 4:0.
Faustball.
Die 1. Mannschaft weilte ebenfalls in Friedberg und trug Spiele gegen Tg. Friedberg und Tv. Homburg aus. Während Homburg mit 39:25 Punkten hoch geschlagen wurde, verlor die Mannschaft nach gleichartigem Spiel gegen Den Gaumeister FrieDberg 27:30.
Arbeiter-Turn- und Sportbund.
Kreis-Futzballiag.
On Frankfurt a. M. fand am Sonntag der ordentliche Kreisfußballtag des 9. Kreises statt. Nach Entgegennahme der Geschäftsberichte, die kurz erläutert wurden, setzte eine lebhafte Aussprache ein. Ganz besonders wurde hierbei auch das bestehende Kreisklassensystem einer Kritik unterzogen. Hierbei wurde ein Antrag angenommen, der die Aushebung der Kreisklasse und die Einführung der Einheits- klasse im Kreisgebiet bezweckt. Das Referat des Bundesspielleiters Riedel (Leipzig) über „Vergangenes und Gegenwärtiges" in der Arbeiter-Turn- unD Sportbewegung wurde mit lebhaftem Interesse aufgenommen. Dabei streifte er auch den Bundestag in Köln und die vom Bund dort vorliegenden Anträge. Die Wahl der Delegierten der Kreisfußballsparte zum Bundestag fiel auf Schmidt (Frankfurt), Klein (Dietesheim) und Kegel (Wetzlar). Nachdem noch der Kreisvertreter Bauer auf den ordentlichen Kreistag und das Kreisfest hingewiesen hatte, brachte die Neuwahl die einstimmige Wiederwahl des seitherigen Kreisspartenvorftandes.
Einigung zwischen Turnen und Sport.
Aus dem Vertrag.
Die zwischen Der Deutschen Turnerschaft, Der Deutschen Sportbehörde für Leichtathletik unD Dem Deutschen Fußball-BunD vorbehaltlich Der Zustimmung Des am 12. und 13. April tagenDen Hauptausschusses Der D. T. gegründete A r - beitsgemeinschaft mit Dem EnDz el Des Zusammenschlusses Der Deutschen Turn - unD Sportverbände ist nach Dem jetzt vorliegenDen Wortlaut Des Vertrages vor- läusig auf Die Dauer von Drei Oahren geschlossen worden und tritt am 1. M a i d. O. in Kraft.
Gemeinsame Durchführung der Meisterschaftskämpfe wurde bezüglich der Leicht- a^ h l e t i k und des Handballspieles beschlossen. Von den übrigen Bewerbern werden Die Sommerspiele (Schlagball, Faustball) von Der D. T., Die Fußballmeisterschaft von Dem DFB. allein veranstaltet, jedoch finD zu Diesen Spielen Vereine der anderen Verbände auf Antrag als Gastvereine zugelassen. Oertliche Freundschaftsspiele in Handball, Schlagball, Faustball, Fußball nach Beendigung der Pflichtspiele in Den einzelnen BerbänDen werden grundsätzlich freigegeben. Freundschaftsspiele während der Pflichtspiele bedürfen besonderer
Genehmigung. Schwarze Listen werden gegenseitig ohne Rachprüfung für das gleiche Fachgebiet anerkannt. Gehört ein derart Bestrafter gleichzeitig einem anderen Ver- tragsverbande an, so entscheidet Der andere Verband selbst. Bei Verbandswechsel tritt eine Sperrfrist von sechs Monaten in Kraft, die mit Einverständnis des bisherigen Verbandes verringert werden kann.
Bezüglich der Vertretung in den internationalen Verbänden zeichnet der DFB. für die FOFA. nach wie vor allein verantwortlich. Die internationale Vertretung in Der Leichtathletik unD im Handball soll Sache der Arbeitsgemeinschaft werden, jedoch behält die DSV. mit Rücksicht auf ihre bisherige ausschließliche Zugehörigkeit die internationale Vertretung für die Dauer Der ersten Drei Oahre Der Vertragszeit. Sieber Die Auswahl Der deu t- schen L ä n d e r m a n n s ch a s t e.n in der Leichtathletik und im Handball entscheidet der Sport- toart bzw. der Spielwart der DSB. unter Mitwirkung des Volksturnwarts bzw. Spielwarts der D. T. Zur Bearbeitung der gemeinsamen fachlichen Angelegenheiten in diesen Disziplinen werden zwei Ausschüsse, bestehend aus je zwei
Mitgliedern von D. T. und DSD., dingeseht. Del den Handballern führt die D. T., beim Athletik- Ausschuß Die DSB. Den Vorsitz.
Für alle Meinungsverschiedenheiten, die nicht auf Dem Wege unmittelbarer Verhandlungen beseitigt werben können, ist ein paritätisch zusammengesetztes Schiedsgericht zuständig, das sich einen unparteiischen Vorsitzenden selbst wählt. Kommt eine Wahl nicht zustande, so ist das Reichsministerium des Onnern um Benennung eines solchen Vorsitzenden zu bitten.
Pfarrdienst-Iubiläum in Treis a. b. Lda.
y. Treis a. d. Lda., 23. März. Heute waren es 25 Oahre, daß Pfarrer Böchner seinen Dienst in unserer Gemeinde antrat. Er ist mit seiner Familie während dieser langen Zeit und besonders in den vergangenen schweren Oahren mit Der Gemeinde auf Das innigste verwachsen. Allgemein bedauert wurde es deshalb, daß wegen Der Derzeitigen Erkrankung des»- Oubilars von Der beabsichtigten öffentlichen Ehrung im GottesDienst der Gemeinde abgesehen werden mußte. Trotzdem gestaltete sich Der stille Ehrentag zu einer freunDlichen unD ehrenden Kundgebung weitester Kreise. Das Lehrerkollegium, der Kirchenvorstand, Der evang. Frauenverein, der Kirchenchor, Der Gesangverein, die Konfirmanden und viele Freunde brachten mündlich oder schriftlich ihre Wünsche im Pfarrhause Dar, und viele Blumen zeugten von Der Liebe und Wertschätzung, die sich Der Oubilar in 25 Oahren treuer Arbeit erworben hat. Der Kirchenvorstand überreichte ein sinniges Geschenk, nämlich ein von einem Kunstmaler angefertigtes BilD der Kirche mit näherer Umgebung.
Trauerfeier für Bürgermeister Or Kayser (Bad-Nauheim).
4 Bad-Rauheirn, 23. März. Heute mittag fand auf dem Friedhof Die Trauer feier für Den verstorbenen Bürgermeister i. R. Dr. Kay - s e r statt, an Der Die StaDtverwaltung, Der gesamte StaDtrat, Die Vertreter der BehörDen. Die Fahnenabordnungen der Vereine und eine große Trauergemeinde teilnahmen. Rach feierlicher Trauermusik aus Der Peer Gynt-Suite zeichnete Pfarrer Schäfer im Anschluß an Psalm 4, Vers 9 das verdienstvolle Wirken des Verstorbenen, Das alle z^r Tat im Dienste Der Stadt und der Allgemeinheit mahne. Bürgermeister Dr. A h l dankte feinem Amtsvorgänger für alles, was er in unermüdlichem Fleiß und vorbildlicher Pflichttreue für das Gemeinwesen getan habe, das unter seiner weitblickenden Leitung Die Entwicklung Der KleinstaDt mit noch stark dörflichem Einschlag zur Weltstadt vollzogen habe. Die Schulen ließen durch Ober* studiendirektor Dr. Molz und Rektor 'Stau* bad) ihrem väterlichen Freund den letzten Gruß entbieten. Für Vorstand, Aufsichtsrat und Beamtenschaft der Butzbach-Licher Eisenbahn sprach Medizinalrat Dr. Vogt (Butzbach), der Dem Verstorbenen für seine mehr als zwanzigjährige Tätigkeit im Aufsichtsrat Der Bahn herzlichen Dank sagte und ihn als einen Freund Der Verkehrshebung und den Vater Der Teilstrecke ©rieöel—Bad-Rauheim ehrte. Weiter legten Kränze mit ehrenden Rachrufen u. a. noch nieder: Pfarrer Knodt für die Kinderheilanstalt Elisabeth-Haus, Verwaltungsoberinspektor ©tarn in für Die städtischen Beamten und Angestellten. Oberamtsrichter i.R. Dr. Fuhr für Den Deutschen Osfiziersbund. AnschließenD erfolgte in Friedberg die Einäscherung der Leiche, später findet in Worms Die Beisetzung Der Asche statt.
Die Kommunalpolitik Dr. Kaysers kann vielleicht in einer späteren Zeit voll getoürDigt werden, wenn Der bedeutungsvolle Abschnitt Der Wirksamkeit Des ersten Derufsbürgermeisters ©e-
Da ihr im Augenblick Die Stimme versagte, nickte sie nur unD schloß Die Türe hinter ihm. Er fplgte ihr in Das Wohnzimmer.
„Wo ist Die Börse?"
Seine Stimme war rauh unD herausfordernd. Sie sah, wie seine Hand zitterte, als er sich über das Gesicht fuhr.
„Die Börse?"
Om Augenblick wußte sie nicht, was er meinte. Plötzlich besann sie sich aber wieder auf den kleinen Vorfall.
„Meinen Sie die kleine Ledertasche, Die Mr. Farmer gehörte?"
Er nickte nervös.
„Es ist unmöglich, Ohnen Die ganze Sache kurz auseinanderzusetzen. Och dachte, ich hätte Das Täschchen Mrs. Staines gegeben, erst später fiel es mir ein, Daß Sie hinter mir standen. Wo haben Sie Die Börse?"
Sie schüttelte den Kopf und sah Die Enttäuschung in seinem Gesicht.
„Haben Sie Das Ding Der Polizei aus- geliefert?" fragte er mit heiserer Stimme.
„Och gab es Mr. Dewin —“
„Dem Zeitungsreporter? Warum haben Sie das getan?“ fragte er ärgerlich.
„Och bat ihn, Die Börse Der Polizei zu geben,“ sagte sie. „Och traf ihn Draußen vor Dem Hause. Hat er es nicht getan?“ Sie war so erregt, daß ihr GeDächtnis sie im Stich ließ.
Ein tödliches Schweigen folgte. Leicester Crewe war sich ganz klar Darüber, Daß Die Börse Dem Onspeltor Clarke nicht übergeben toorDcn sein konnte, Denn er hatte gesehen, wie Der Onhalt Der Taschen Des Toten auf seinem Bibliothekstisch ausgebreitet und von einem Polizeibeamten ausgenommen wurDe.
„Haben Sie — in Die Börse hineingesehen?" fragte er plötzlich.
„Rein, ich habe sie nur Mr. Dewin gegeben. Aber ich nehme an. daß ein Schlüssel Darin war - ich fühlte es von außen. Auf keinen Fall hätte ich sie geöffnet, und selbst wenn ich so neugierig gewesen wäre, war Doch gar keine Zeit Dazu, Den Onhalt zu untersuchen."
Seine Hand zitterte heftiger, und fein mageres, unangenehmes Gesicht zuckte vor Furcht unD Wut.
„Wer hat Ohnen Denn gesagt, Daß Sie Die Börse Dem Reporter geben sollten? Es war ja eigentlich nichts von BeDeutung, nur... ich Denke Doch, Daß das mich zuerst angeht, Denn Farmer wollte sie mir zur Aufbewahrung übergeben ... Können Sie sich nicht auf meine Worte besinnen?"
Sie wollte ihm schon sagen, daß er ihr Den Auftrag gab, Die Tasche ins Feuer zu werfen, aber sie gehorchte einer inneren Warnung unD schüttelte nur den Kopf. Die Lüge fiel chr um so schwerer, als er fie mit scharfen und mißtrauischen Blicken fixierte.
„Wo wohnt dieser Dewin?"
„Och weiß es nicht — ich denke, Sie können seine Adresse im Telephonbuch finden — er wohnt irgendwo in Kensington und hat eine eigene Rümmer."
„Sie haben ihm doch nicht etwa gesagt, welchen Auftrag ich Ohnen gab — ich meine, daß Sie die Börse verbrennen sollten? Sie können sich doch tatsächlich nicht Darauf besinnen!"
Der Mann war vollständig fassungslos und konnte weder logisch denken noch sprechen. Sie las in seinem Gesicht eine grauenhafte Furcht, und fein Schrecken teilte sich ihr mit. Als er sah, welchen Eindruck er machte, gewann er allmählich seine Selbstbeherrschung zurück und sah sich mit Verachtung in dem Zimmer um.
„Hier wohnen Sie? Gerade nicht sehr repräsentativ!" sagte er in feinem arroganten Ton. „Och werde jetzt wieder gehen — es tut mir leid, daß ich Sie gestört habe, Miß Olroyd."
Bis zu diesem Augenblick schien er sich nicht bewußt geworden zu sein, daß er eine Persönlichkeit vor sich hatte; aber jetzt blickten seine leeren Augen ein wenig menschlicher.
„Cs ist kein Palast, in dem Sie wohnen, nicht wahr?" fragte er in seiner abgerissenen Art. „Sind Sie nicht doch zu der Ueberzeugung gekommen, daß es besser wäre, bei mir zu bleiben? Och gehe bald außer Landes — schon nächste Woche. Die Sache mit Farmer ist mir auf die Rerven gegangen, ich werde lange Zeit fort- bleiben. Wahrscheinlich bringe ich den Winter in Afrika zu. Durban ist eine große Stadt..."
Sie machte der Unterredung ein Ende, indem sie aus dem Zimmer ging und die Tür öffnete.
„Wahrscheinlich werde ich Sie morgen Wiedersehen", sagte er und ließ sich durchaus nicht ein- schüchtem. „Vermutlich werden Sie sich sehr wundern, daß ich soviel Aufhebens von einer so einfachen Börse mache, aber es handelt sich um..
Das Denken fiel chm schwer, und er konnte bn" Augenblick keinen glaubwürdigen Grund für seine Aengstlichkeit finden. Er murmelte noch etwas über wichtige Schlüssel und sensationshungrige Zeitungreporter, als sie die Tür schloß.
Sein Wagen wartete vor Dem Hause, er stieg ein unD fuhr zurück. Als er in seine Bibliothek trat, fanD er Paula Staines und Ella Creed, die von den Aufregungen Der Rächt vollständig erschöpft waren. Paula lag halb schlafend auf Dem Sofa. Ella stand vor Dem Kamin und starrte Düster in die Flammen. Sie wandte sich um, als er eintrat. ,, „
„Hast Du Den Schlüssel?" fragte sie schnell.
„Welchen Schlüssel?" knurrte er._
„Benimm dich doch nicht so närrisch, Billy", sagte die Schauspielerin ärgerlich. „Du bist doch fort gewesen, um Die Börse mit Dem Schlüssel zu holen! Hatte Daphne fie noch?“
„Sie hat fie weitergegeben — Dewin — Dem Zeitungsreporter.“
Ellas Züge wurden hart.
„Was? Dewin, diesem falschen Kerl?! Run sitzen wir aber schön in Der Tinte!"
„Was gibt es Denn?" fragte Paula, die aus dem Schlafe auffuhr, als sie den Klang Der Stimmen hörte. „Hast Du Den Schlüssel bekommen, Billy?“
Ella Creed lachte bitter.
„Die Olroyd hat ihn Dewin gegeben! Dewin! Mein Gott! Der arme, alte Ooe hat immer gesagt, daß er der schlimmste Spürhund für Verorechen in London ist und so viel heraus* bringt wie vier andere Detektive zusammen — und ausgerechnet der muß den Schlüssel haben!"
„Sei ruhig", fuhr Leicester sie an und schaute vom Telephonbuch aus, in dem er Dewins Adresse suchte. „Wie sollte ich auch nur ahnen, daß Daphne hinter mir stand? Och dachte, es sei Paula."
Ella sah ihn verächtlich an.
„Och mochte wetten, daß diese Puppe für die gefiederte Schlange arbeitet. Du hättest fie langst hinauswerfen sollen — schon damals, als ich es dir vor Monaten sagte!"
Leicester Crewe erwiderte nichts. Er fuhr mit bem Finger die Ramen einer Seite herunter. Plötzlich hielt er an.
„Hier steht es. Peter Dewin,„ Oournahft, 49 Harcourt Gardens, Bayswater."
Er schrieb die Adresse auf em Stuck Papier und klappte das Buch zu.
„Was hast Du vor?" fragte Paula.
Sie öffnete ihre HanDtafche und frischte ihr Gesicht mit einer kleinen Puderquaste auf.
„Och werde Den Schlüssel wieder besorgen. Das ist "doch das Wichtigste, was jetzt geschehen muß."
„Kannst du ihn denn nicht auswecken und ihn einfach danach fragen?" begann Ella.
„Ohn aufwecken!" explodierte Crewe. „Was würde der wohl Clarke für eine Geschichte erzählen, wenn ich ihn wegen einer Börse, Die aus Ooes Tasche fiel, mitten in Der Rächt aus dem Schlafe störte? SlnD was würde Clarke mir sagen, wenn ich ihm berichte, daß die Börse nicht vorhanden ist?"
Er verließ das Zimmer und kam nach zehn Minuten zurück. Onzwischen hatte er sich um* gezogen, er trug jetzt einen dunklen Anzug und ein schwarzes Halstuch.
„Och weiß nicht, ob ich den Schlüssel wieder beischaffen kann, aber ich werde es versuchen. Ohr wartet am besten, bis ich zurückkomme, denn wir müssen irgendeinen Plan fassen. Wenn der Schlüssel in Die Hände der Polizei gelangt, kommt die ganze Geschichte heraus, und bevor Die Bombe platzt, mochte ich doch ein paar tausend Meilen zwischen mir und London wissen."
(Fortsetzung folgt.)


