Ausgabe 
25.10.1930
 
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rückgezogen. Es könne nicht ausbleiben, daß eines Tages iSinntreirf) allein die Aufgabe einer dauern den Niederhaltung Deutschlands zufalle. Das lverdc über feine Kraft gehen und einen Krieg unvermeid­lich machen, der an Greuel den von 1914 weit in den Schatten stellen werde, für den jedoch Frank­reich allein vor der Welt die Verantmortuna tragen werde, wenn es weiter sich beharrlich einer Revision des Versailler Vertrages widersetze. Diese Revision müsse Frankreich deshalb unverzüglich anbieten, und zwar eine ehrliche und gründliche, die endlich den Weg für eine aufrichtige Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland frei mache.

HervS denkt sich, daß diese ain schnellsten und zu- verlässigsten durch eine Aussprache zwischen den deutschen und französischen Frontkämpserverbänden angebahnt werden könne. Aber er ist durch die Ver­mittlung des durch reichlich laute Betriebsamkeit etwas anrüchigen Arnold Rechberg nicht nur an Franz Seldte, den Bundesführer des Stahlhelm, sondern auch an fiugenberg und Hitler her- angetreten, um sie zu einer Stellungnahme zu seinen detaillierten Revisionsvorschlägen zu veran­lassen. Sie enthalten Streichung der Kriegsschulden im Ausmaße der amerikanischen Nachlässe, Rück­gabe des Saargebiets, Anschluß Oesterreichs, Rück­gabe Kameruns und Togos, Rückgabe des polni­schen Korridors gegen die Vereinigung Litauens und Polens und Rüstungsgleichheit mit Frankreich gegen ein deutsch-französisches Militärbündnis. Also im ganzen genommen ein umfassendes und tief­gehendes Programm, das sich ehrlich müht, dem Uebel an der Wurzel beizukommen. Nur eben schade, daß es nicht das Programm der französischen Regierung ist, wenn es auch immerhin als Fort- schritt gedeutet werden kann, daß ein Mann von der Stellung Herväs es wagen darf, mit einem solchen Vorschlag an die Oefsentlichkeit zu treten, ohne sich bei seinen französischen Landsleuten unmöglich zu machen. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, und Herr Gustave Hervä noch nicht die öffentliche Meinung Frankreichs, gewiß, aber die deutschen Politiker, an die Hero6 sich mit seinen Vorschlägen gewandt hat, werden ihm wohl eine Antwort geben, die ihm eine Fortsetzung seiner Propaganda zugunsten einer Revision ermöglicht. Scheitert dann die Verständigung an dem kurzsichtigen und reak­tionären Machtwillen des amtlichen Frankreich, dann fällt jedenfalls nicht auf uns die Verantwor­tung für die unsagbaren Folgen einer solchen Politik.

Der Berliner Melallarbeilerkonflikt.

Ruhige Beurteilung im Reichsarbeits- Ministerium.

(Berlin, 24. Okt. (CAB.) Die Lage in der Metallindustrie beurteilt man im Reichsarbeits­ministerium absolut ruhig. Schon die Tatsache, daß die Verhandlungen der Kommission Anfang nächster Woche fortgesetzt werden, ist als ein Zei­chen dafür zu werten, daß man aus beiden Sei­ten die Fäden nicht abreißen lassen, sondern zu einer Verständigung gelangen will.

Die Schwierigkeiten liegen vor allen Dingen, in der psychologischen Seite der Situation. Die Gewerkschaften halten es offenbar für un­möglich, die Arbeiter ohne ein greifbares Ergebnis wieder in die Betriebe hineinzubrin- tgen. Dadurch wird ein Kompromiß, das eine Lohnherabsehung bringen würde, außer­ordentlich erschwert. Deshalb hat auch die Frage eines Schiedsgerichtes «ine große Volle gespielt, dem sich beide Parteien, ähnlich wie dem Spruch Severings für die Gruppe Rordwest von vornherein unterwerfen.

Hiergegen bestehen die Hauptbedenken bei den Arbeitgebern, da sie befürchten, daß die Ten­denz der Lohnherabsehung, die sie im Interesse der gesamten Wirtschaft für notwendig halten, durch einen neuen Spruch verwischt . werden könnte. Die Metallindustriellen sind der Ansicht, daß ihre Stellung aus Grund des vor­liegenden Schiedsspruches sehr stark ist, zumal der Streik angesichts der gegenwärtigen Deschäfti- gungs- und Absatzmöglichkeiten für viele Betriebe keine Schädigung bedeutet.

Es wird versucht, die Arbeitgeber für ein Schiedsgericht zu gewinnen, in dem ihnen Siche­rungen fät die Durchführung ihres Standpunktes gegeben werden, während den Gewerkschaften durch zeitliche und soziale Staffelung des Lohn­abbaues entgegengekommen würde. Der Schieds­spruch vom 10. Oktober würde dann durch den Spruch des Schiedsgerichts erseht und dieser ver­bindlich erklärt werden. Im gleichen Augen­blick wäre wieder ein tarifmäßiger Zu­stand hergestellt, und die Gewerkschaften mühten, entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen, den Streik abbrechen, wenn sie sich nicht der Gekahr von Aegreßansprüchen aussehen wollen.

Bundestag

des Oerttschen Beamtenbundes.

Der Bundestag des Deutschen Be­amtenbundes nahm eine Entschließung zum Wirtschafts- und Finanzplan der R e i ch s r e g i e r u n g an, in der «S u. a. heißt: In Verkennung ihrer wirtschaftlichen Lage sollte der Beamtenschast ein besonderes drückendes Opfer auferlegt werden. Da die beabsichtigten Maß­nahmen der Reichsregierung sogar eine Heran­ziehung hoher und höchster Privateinkommen außer Betracht ließen, rechtfertige sich schon hier­aus eine Ablehnung der Gehaltskürzung, die über­dies des notwendigen sozialen Einschlages ent­behre. So sei weder die unbedingt erforderliche Freilassung eines bestimmten Gehaltsteiles, etwa in Anlehnung an die in der Einkommensteuer­gesetzgebung getroffene Regelung, noch eine aus­reichende Bemessung der Freigrenze für kleine De- amteneinfommen vorgesehen. Unter Entlastung bestimmter Kreise und unter Vermeidung politisch vielleicht schwer durchzubringender Maßnahmen sollten für die Sanierung der öffentlichen Finan­zen in erster Linie die Beamten herangezogen toer- ocn. Der Bundestag lehne die Tendenz des Pla­nes ab. Außer der wirtschaftlichen fei auch die rechtliche Stellung der Beamten stark erschüttert. In steigendem Maße sei die Zurückdrängung des Berufsbeamtentums und der Ersah von Beamten durch Angestellte und Arbeiter zu beobachten. Der Bundestag nahm weiter folgenden Antrag an:Das deutsche Derussbeamtentum hat kein Interesse an einem über das sachlich« Bedürfnis hinaus ausgebauten Derwaltungsappa- rat der öffentlichen Hand. Der Deutsche Beamtenbund erklärt erneut seine Bereitwillig­keit zur positiven Mitarbeit an einer gesunden Staatsreform und Verwaltunasvereinfachung. Schematische Maßnahmen, die ohne gleichzeitige Vereinfachung und Verringerung der Verwal- tungSaufgaben nur auf eine Dezimierung des Be- imfsbeamtenlmns abzielen. lehnt der Deutsche Beamtenbund erneut mit aller Entschiedenheit ab."

Sin preußisches Arbeiisbeschassungsprogramm.

Teilweise Streckung der Arbeitszeit. - Verlängerung der Schulpflicht. Ausschluß ausländischer Wanderarbeiter.

Berlin, 24. Oft. (ERD. Amtlich.) Das preu- rische Staatsministerium befd)äftigtc sich mit Vor- chlägen zur wirksamen Bekämpfung der steigen­den Arbeitslosigkeit. Die Beratungen gingen da­von aus, daß die materielle und seelische Rot, in die Millionen deutscher Volksgenossen durch die langanhaltende Arbeitslosigkeit verseht werden, dazu zwingt, neben der Unterstützung der Ar­beitslosen mehr als bisher die Frage der Arbeiterhaltung und Arbeit sbe- ch a f f u n g in 'den Vordergrund zu stellen. Da­bei fand der Vorschlag einer allgemeinen Senkung der Arbeitszeit zur E r m ö fl- lichung von Reueinstellungen eine ein­gehende Würdigung. Man verkannte dabei die Schwierigkeiten und Bedenken nicht, die einer allgemeinen Durchführung eines solchen Ge­dankens entgegenstehen, und kam überein, der Reichsregierung die Prüfung der Frage zu emp- ehlen, ob nicht auf dem einen oder ande­ren Wirtschaftsgebiet eine vorüber­gehende Herabsetzung der Arbeits­zeit ohne Schädigung gesamtwirtschaftlicher Interessen möglich sei. Alle Betriebe, die äu einer Einschränkung ihrer Arbeit gezwungen sind, sollen solange keine Verminderung ihrer Belegschaft vor­nehmen dürfen, als die von der Arbeitseinschrän­kung betroffene Delegschaftsgruppe bei einer Ver­minderung der Arbeitszeit noch mindestens 40 Wochenstunden oder fünf Tagesschichten Beschäf­tigung finden kann. Durch eine vorübergehende Verlängerung der Schulpflicht um ein weiteres Jahr soll ein Zuströmen von

neuen Arbeitskräften auf den Arbeitsmarkt ver­hindert werden. Es wäre damit zu rechnen, daß mindestens 250 000 von den Ostern 1931 die all­gemeine Schulpflicht beendenden Jugendlichen Ar­beitsplätze in der Wirtschaft außerhalb der Landwirtschaft, für die diese Regelung n i ch t g e l te n soll, in Anspruch nehmen würden. Das weitere Schuljahr soll der Vorbereitung des Jugendlichen auf seinen künftigen Beruf dienen. Die erwachsenden Kosten sollen aus den vielfach hohen Ersparnissen bestritten werden, die bei der Arbeitslosen unter st ühung bei der Durchführung dieser Maßnahme gemacht werden.

Ferner sollen im nächsten Iahre keinerlei ausländische Wanderarbeiter für die deutsche Landwirtschaft zuge­lassen werden dürfen. Dadurch tonnten etwa 110 000 deutschen Arbeitslosen Arbeit verschafft und dem unerträglichen Zustand ein Ende bereitet werden, daß bei einer solchen Ar­beitslosigkeit von fast 3 Millionen Menschen über 100 000 Arbeitsplätze wieder von Ausländern ein­genommen werden. Der Ginwand, daß genügend deutsche Ersahlräfte für diese Landarbeit nicht zur Versügung ständen, wird widerlegt durch die Feststellungen der Reichsanstalt für Arbeitsver­mittlung und Arbeitswsenversicherung, nach der sich die fch'vn jetzt in der Landwirtschaft in er­heblichem Umfang vermittelten berufsfrem­den Arbeitskräfte und namentlich die jugend­lichen i m a 11 g c m e i n e n gut bewährt haben.

Oie Tragödie von Alsdorf.

262 Todesopfer geborgen. - Oie amtliche Untersuchung schreitet fort. Vorbereitungen für die Traversier.

Alsdorf, 24. Okt. (TU.) Im Laufe des Freitags wurde noch ein Bergmann im unter­irdischen Betrieb tot aufgesunden. Ebenfalls wurde unter den Schuttmassen des eingestürzten Fördergerüstes noch ein weiterer Bergmann ge­borgen. Im Krankenhaus sind zwei weitere Berg­knappen ihren schweren Verletzungen erlegen. So­mit weist die Totenliste von Alsdorf nunmehr 2 6 2 Opfer auf. Unter den Trümmern des eingestürzten Verwaltungsgebäudes wurde Frei­tagnachmittag die Kartothek gefunden. Da­mit können allerdings genaue Angaben über die Zahl der Eingefahrenen nicht gemacht werden. In dem Verwaltungsgebäude befanden sich zur Zeit des Unglücks auch drei Bergleute aus der Rachlschicht, die vor der Lohnabteilung auf ihren Restlohn warteten. Zwei von ihnen sind jetzt unter den Trümmern geborgen worden. Auch wurden verschiedentlich Geldbeträge aufge- funden.

Ein tragisches Bild bietet die Waschkaue von Anna I", in der nunmehr alle Särge auf­gebahrt sind. Vor dem großen Altar in der Mitte liegen schon viele Kranzspenden, darunter auch Kränze ausländischer Grubenverwaltungen. Auf jedem Sarg liegt ein Kranz des Eschweiler Bergwerkvereins. In einzelnen Gruppen, nach

Gemeinden geordnet, sind die Toten hier auf* gebahrt. Die Angehörigen werden von Sani­tätern hereingesührt und zu ihren Toten ge­bracht. Immer wieder brechen Frauen mit lauten Wehrufen zusammen. Da und dort läßt man die Deckel öffnen und betrachtet noch ein letztes Mal den toten Ernährer oder den verschiedenen Sohn. Das katholische Seelenamt wird am Samstag- Dormittag Weihbischof Dr. Straeter (Aachen) halten. Um 8.45 Uhr folgt eine von der Ge­meinde veranstaltete Trauerfeier im Rat­haus. Um 9.30 Uhr findet die erste Trauerfeier im Betriebsgebäude vonAnna l" statt. Hier werden Vertreter der Zeche und die Mi­nister sprechen. Die Beerdigung schließt sich an. Die Opser aus Kellersberg und Schaufen­berg werden auf den Friedhöfen in ihren Heimat­orten beigesetzt. Am Donnerstag fand man auf der 360-Metersohle einen Grubenhund, an dessen Wänden ein junger Bergmann folgende Ab­schiedsworte geschrieben hatte: 20. Oktober 1930. Ioses Fuchs, geb. 14. Iuni 1910. Wenn ich hier nicht mehr herauskomme lebend, dann grüßt mir den lieben Vater, Geschwister und auch meine lieben Verwandten und Bekannten. Ich gehe zur Mutter. Lebt wohl!

Sieg der Revolution in Brasilien.

Oie Truppen von 2Rio de Janeiro gehen zu den Aufständischen über. - Absetzung des Bundespräsidenten Washington Luiz. - Sin Militärkabinett übernimmt die Regierungsgewalt.

Rio de Janeiro, 24. Okt. (TU.) Der Präsi­dent der Bundesregierung Washington Lui) ist endgültig zurückgetreten und ge­flüchtet. 2tn feiner Stelle hat ein Utilitär- t ab ine II die Regierung übernommen. Washing­ton Luiz trat erst zurück, nachdem die Garnison der Festung Copacabana, die über die stärksten Artilleriestützpunkte In unmittelbarer Röhe der Hauptstadt versügt zusammen mit dem 3. Infan­terieregiment ; u den 'Uusständifchen über­gegangen war. Die Kadettenschule in Rio de Janeiro, unter Anführung von höchsten Offizieren des brasilianischen Heeres, hat sich den Aufständischen angeschlosfen, desgleichen geht bereits der größte Teil der Flotte über. In JJernam- b n c o verkündeten Extrablätter den erfolgten Rück­tritt des Präsidenten Luiz, woraus die Banken und Ladengeschäfte ihre Betriebe schlossen. Ueberall wird das bedeutsame Ereignis gefeiert.

Es wurde in Rio de Janeiro ein aus drei Gene­rälen und drei Admiralen zusammengesetztes 2H i - titärfomltce eingesetzt, das den General ZUenna B a r r e t o zum Schuhdiktator er­nannte. Barrets soll die Regierungsgeschäste bis zur Durchführung der Reuwahlen führen. Er erließ sofort eine Kundgebung an das brasilianische Volk und ordnete die Demobilisierung der Truppen an. In einem weiteren Aufruf er­mahnte er die Bevölkerung, die Ruhe und Ordnung zu bewahren. Rach der durchgreifenden Säube- tungsaktion des neuen Polizeipräsidenten ist d i e Ruhe in Rio de Janeiro wiederherge­stellt worden. Sämtliche öffentlichen Gebäude und die Banken, insbesondere die brasilianische Staats­bank, werden von Waschinengewehrposten bewacht. Die provisorische Regierung hat ein großzügi­ges Reformprogramm bekanntgegeben. Da­nach sollen der Bundeskongreh und die Provinzkon­gresse a u f g e l ö ft und die Bersassungszusähe von 1925 wegen demagogischen Charakters ausgehoben werden. Ferner sieht der Entwurf die Sicherstel­lung der geheimen Wahl, eine oberste Justiz- und llnlerrichtsbehörde für ganz Brasilien mit dem Sitz in der Bundeshauptstadt und neue Einwande- r u n g ß - und Raturalisierungsbestim- mu ngen vor. Der neue Kongreß, dem die Auf­gabe der Verfassungsänderung obliegt, wird aus je 12 Vertretern bet einzelnen Bundesstaaten bestehen.

Die Bewegung, die mit dem Stur; der Regierung Luizendete,machte sich bereits in den frühen 211 o r g c n ft u n b e n bemerkbar. Um 10 Uhr vor­

mittags drang die Wenge in die Straßen der Unter­stadt ein. In den Mittagsstunden brach an verschie­denen Stellen der Unterstadt Feuer aus. Fünf Zeitungsgebäude einer Agentur, die die Re­gierung Lutz unterstützt hatte, wurden angegriffen und in Brand gesteckt. Infolge mangelnden Wasserdrucks war die Feuerwehr nahezu hilflos. Mehrere Brände wurden in der Rachbarschaft des Wolkenkratzers angelegt, in dem das amerikanische Generalkonsulat seinen Sih hat. Die Menge hatte freie Hand, sie plünderte u. a. Waffen- und Juwellerläden. Mil roten Fahnen zog eine Gruppe der Liberalen, ohne von der Polizei behin­dert zu werden, durch die Straßen. Jeder sonstige Verkehr hatte ausgehört. 3m Lause des Rachmittags, als die Ausschreitungen zahlreicher wurden, schritt die Polizei ein.

Der zurückgetretene Bundespräsident Washington Luiz hat sich dem General Azevedo anvertraut, der die Verantwortung für die Sicherheit des ge­stürzten Staatsmannes übernommen hat. Washing­ton Lui; wurde unter schwerer Bewachung nach dem bei Rio de Janeiro gelegenen Fort Copacabana gebracht, wo er gefangen gehalten wird. Der Kriegsminister, General de Passos, sowie der Vizepräsident des Senats, Azevedo, und der Senator Jrine Machado, sollen verhaftet fein. Die Bevölke­rung, heißt es, habe die politischen Gefangenen be­freit. Präsident Lutz soll mit feinen Kablnettsmit- gllebern wegen Unterschlagung von Staatsgeldern und Korruption vor ein Sondergericht gestellt wer- den. Der Bundesgeneral Barrov, der mit 100 000 Dollars Regierungsgelder flüchten wollte, wurde im letzten Augenblick verhaftet. Zahlreiche Gruppen von Bewohnern durcheilen die Straßen und jubeln den Soldaten zu. Zivilisten und Militär- perfonen haben roteBlumenundAbzelchen angefteckt. Ernste Zwlfchenfätte find bisher nicht gemeldet worden. Die militärische Bewegung ist aus keinen widerstand gestoßen, sondern hat die säst einmütige Begeisterung der Bevölkerung gesunden.

Bestürzung in USA.

Washlngton, 24. Okt. (WTB.) Rach Blät­termeldungen hat der Sturz der brasilianischen Bundesregierung Im Staatsdepartement große B e ft ü rzung erregt. An dl« amerikanische Bot­schaft In Rio de Janeiro, die noch zwei Stunden vorher gedrahtet hatte, daß alles ruhig sei und nichts von einem Rücktritt des Präsidenten be­richtet hatte, wurde eine telegraphische Anfrage gerichtet. Mangels einer amtlichen Bestätigung

der Meldungen lehnte der Staatssekretär seMche Stellungnahme ab.

Di« Rachricht von dem Rücktritt deS Präsi­denten Luiz hat auch in Reuhork wie eine Bombe eingeschlagen, um so mehr, als die Washingtoner Regierung durch das Verbot von Waffen - und Munitionsverkauf an die Aufständischen die Regierung Luiz unterstützt hatte.

Beamtenbesoldung und Finanzausgleich.

Thüringen gegen eine Herabsetzung der Steuerübcrweisungen an die Länder.

Weimar, 24. Okt. (TTl.) Der thüringische Staatsminister Baum hat an die Regierungen der anderen deutschen Länder ein Schreiben gerichtet, in dem auf die Absicht des Reiches hingewiesen wird, dem Reichsrat in Verbindung mit dem für die Reichsbeamten zu erlassenden Gehaltskür- zungsgeseh den EMtwurf eines Gesetzes zur Ein­schränkung des Personalaufwandes in deröffentlichenVerwaltung zu un­terbreiten. Danach sollen die Dienstbezüge der Be­amten der Länder und sonstigen öffrn tilgen Ver­waltungen in g le ichem Ausmaße ge­kürzt werden wie die der Reichsbeamten. Hier­durch werde indirekt die Frage der A u s w ir - kung dieserKürzungenausdieSteu- e b e r we i s u n ge n d e s R e iche s andie Länder berührt. Es liege Grund zu der An­nahme vor, daß das Reich beabsichtige, die künf­tigen Heberweisungen an die Länder im Hinblick auf deren Einsparungen bei den Personallasten herabzusehen. Einer derartigen Absicht müß­ten die Länder in ihrem eigensten Interesse zur Vermeidung schwerer Schädigungen ihrer Finan­zen mit allem Rachdruck entgegentreten. Gin derartiges Verlangen des Reiches sei auch in keiner Weise zu rechtfertigen, denn das Reich habe anläßlich der Reuregelung der Be­amtenbesoldung vom 1. Oktober 1927 ab den Ländern keine erhöhten Ueberwei- Jungen zukommen laßen, sondern im Gegenteil ständig erklärt, daß es ureigenste Sache der Län­der sei, den durch die Erhöhung notwendigen! Mehrbedarf aus eigenen Mitteln aufzu­bringen. Außerdem würde das Reich mit einer sol­chen Maßnahme neben der Einsparung bei seinen eigenen Beamten noch einen weiteren Vorteil auf Kosten der Länder ziehen, "^ie thüringische Regie­rung glaubt dem Reichsentwurf nur dann zu» stimmen zu können, wenn die Sicherheit bestehe, daß die aus der Gehaltskürzung bei den Ländern und Gemeinden ersparten Aufwendungen auch diesen selb st zugute kommen. Die thü­ringische Regierung bittet schließlich die Landes­regierungen um Stellungnahme, ob sie geneigt seien, sich dem lediglich von finanziellen Erwä­gungen getragenen Standpunkte Thüringens an- zuschließen.

Hepp zum Wechsel im Landbundpräsidium.

Limburg, 24. Okt. Reichstagsabgeordneter Hepp begründet in derRassauischen Bauern­zeitung" seinen Austritt aus dem Präsidium des Reichslandbundes. Mit der Ablehnung seiner Forderung, daß je ein Vertreter des bäuerlich:n Besitzes im Westen und des Sroßgrundbesihes im Osten als gleichgeordnete Präsi­denten des Reichslandbundes gewählt w r- den. Dieses System entspreche der ursprünglichen Satzung des Reichslandbundes und sei 1928 nur mit Rücksicht auf die Persönlichkeit Schieles ver­lassen worden, der eineungeteilte Verantwor­tung" für sich beanspruchte. Rach Aufhören dieses besonderen Zustandes habe er pflichtgemäß Ver­anlassung genommen, die Rückkehr zu jenem früheren FührungsTustand zu fordern.

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Wettervoraussage.

Im Bereich des tiefen Druckes hat die Wil- tcrung Deutschlands ihren regnerischen Charal'er bctbehalten. Zwar flacht sich der Kern des Tiefs etwas ab, aber trotzdem liegen die Jsvbaren an der Rückseite ziemlich enger, was in lebhafter nordwestlicher Luftbewegung über den britischen Inseln zum Ausdruck kommt. Der Kaltluftvor­stoß wird sich nach dem Festlande hindrängen und das Wetter wechselhaft gestalten. Wohl nimmt dabei das dichte Regengewölk schon ab und Böenwolken, welche Schauer mit sich brin­gen, ziehen vorüber. Die bereits eingesetzte Ab­kühlung schreitet fort und dürfte bei nächtlichem Aufklaren die Temperaturen bis in Gefrierpunkt­nähe bringen.

Aussichten für Sonntag: Veränder­liches Wetter, wolkig, dabei vorübergehendes Auf- tlaren, Regenschauer, weitere Llbkühlung, west­liche bis nordwestliche Winde.