rückgezogen. Es könne nicht ausbleiben, daß eines Tages iSinntreirf) allein die Aufgabe einer dauern den Niederhaltung Deutschlands zufalle. Das lverdc über feine Kraft gehen und einen Krieg unvermeidlich machen, der an Greuel den von 1914 weit in den Schatten stellen werde, für den jedoch Frankreich allein vor der Welt die Verantmortuna tragen werde, wenn es weiter sich beharrlich einer Revision des Versailler Vertrages widersetze. Diese Revision müsse Frankreich deshalb unverzüglich anbieten, und zwar eine ehrliche und gründliche, die endlich den Weg für eine aufrichtige Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland frei mache.
HervS denkt sich, daß diese ain schnellsten und zu- verlässigsten durch eine Aussprache zwischen den deutschen und französischen Frontkämpserverbänden angebahnt werden könne. Aber er ist durch die Vermittlung des durch reichlich laute Betriebsamkeit etwas anrüchigen Arnold Rechberg nicht nur an Franz Seldte, den Bundesführer des Stahlhelm, sondern auch an fiugenberg und Hitler her- angetreten, um sie zu einer Stellungnahme zu seinen detaillierten Revisionsvorschlägen zu veranlassen. Sie enthalten Streichung der Kriegsschulden im Ausmaße der amerikanischen Nachlässe, Rückgabe des Saargebiets, Anschluß Oesterreichs, Rückgabe Kameruns und Togos, Rückgabe des polnischen Korridors gegen die Vereinigung Litauens und Polens und Rüstungsgleichheit mit Frankreich gegen ein deutsch-französisches Militärbündnis. Also im ganzen genommen ein umfassendes und tiefgehendes Programm, das sich ehrlich müht, dem Uebel an der Wurzel beizukommen. Nur eben schade, daß es nicht das Programm der französischen Regierung ist, wenn es auch immerhin als Fort- schritt gedeutet werden kann, daß ein Mann von der Stellung Herväs es wagen darf, mit einem solchen Vorschlag an die Oefsentlichkeit zu treten, ohne sich bei seinen französischen Landsleuten unmöglich zu machen. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, und Herr Gustave Hervä noch nicht die öffentliche Meinung Frankreichs, gewiß, aber die deutschen Politiker, an die Hero6 sich mit seinen Vorschlägen gewandt hat, werden ihm wohl eine Antwort geben, die ihm eine Fortsetzung seiner Propaganda zugunsten einer Revision ermöglicht. Scheitert dann die Verständigung an dem kurzsichtigen und reaktionären Machtwillen des amtlichen Frankreich, dann fällt jedenfalls nicht auf uns die Verantwortung für die unsagbaren Folgen einer solchen Politik.
Der Berliner Melallarbeilerkonflikt.
Ruhige Beurteilung im Reichsarbeits- Ministerium.
(Berlin, 24. Okt. (CAB.) Die Lage in der Metallindustrie beurteilt man im Reichsarbeitsministerium absolut ruhig. Schon die Tatsache, daß die Verhandlungen der Kommission Anfang nächster Woche fortgesetzt werden, ist als ein Zeichen dafür zu werten, daß man aus beiden Seiten die Fäden nicht abreißen lassen, sondern zu einer Verständigung gelangen will.
Die Schwierigkeiten liegen vor allen Dingen, in der psychologischen Seite der Situation. Die Gewerkschaften halten es offenbar für unmöglich, die Arbeiter ohne ein greifbares Ergebnis wieder in die Betriebe hineinzubrin- tgen. Dadurch wird ein Kompromiß, das eine Lohnherabsehung bringen würde, außerordentlich erschwert. Deshalb hat auch die Frage eines Schiedsgerichtes «ine große Volle gespielt, dem sich beide Parteien, ähnlich wie dem Spruch Severings für die Gruppe Rordwest von vornherein unterwerfen.
Hiergegen bestehen die Hauptbedenken bei den Arbeitgebern, da sie befürchten, daß die Tendenz der Lohnherabsehung, die sie im Interesse der gesamten Wirtschaft für notwendig halten, durch einen neuen Spruch verwischt . werden könnte. Die Metallindustriellen sind der Ansicht, daß ihre Stellung aus Grund des vorliegenden Schiedsspruches sehr stark ist, zumal der Streik angesichts der gegenwärtigen Deschäfti- gungs- und Absatzmöglichkeiten für viele Betriebe keine Schädigung bedeutet.
Es wird versucht, die Arbeitgeber für ein Schiedsgericht zu gewinnen, in dem ihnen Sicherungen fät die Durchführung ihres Standpunktes gegeben werden, während den Gewerkschaften durch zeitliche und soziale Staffelung des Lohnabbaues entgegengekommen würde. Der Schiedsspruch vom 10. Oktober würde dann durch den Spruch des Schiedsgerichts erseht und dieser verbindlich erklärt werden. Im gleichen Augenblick wäre wieder ein tarifmäßiger Zustand hergestellt, und die Gewerkschaften mühten, entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen, den Streik abbrechen, wenn sie sich nicht der Gekahr von Aegreßansprüchen aussehen wollen.
Bundestag
des Oerttschen Beamtenbundes.
Der Bundestag des Deutschen Beamtenbundes nahm eine Entschließung zum Wirtschafts- und Finanzplan der R e i ch s r e g i e r u n g an, in der «S u. a. heißt: In Verkennung ihrer wirtschaftlichen Lage sollte der Beamtenschast ein besonderes drückendes Opfer auferlegt werden. Da die beabsichtigten Maßnahmen der Reichsregierung sogar eine Heranziehung hoher und höchster Privateinkommen außer Betracht ließen, rechtfertige sich schon hieraus eine Ablehnung der Gehaltskürzung, die überdies des notwendigen sozialen Einschlages entbehre. So sei weder die unbedingt erforderliche Freilassung eines bestimmten Gehaltsteiles, etwa in Anlehnung an die in der Einkommensteuergesetzgebung getroffene Regelung, noch eine ausreichende Bemessung der Freigrenze für kleine De- amteneinfommen vorgesehen. Unter Entlastung bestimmter Kreise und unter Vermeidung politisch vielleicht schwer durchzubringender Maßnahmen sollten für die Sanierung der öffentlichen Finanzen in erster Linie die Beamten herangezogen toer- ocn. Der Bundestag lehne die Tendenz des Planes ab. Außer der wirtschaftlichen fei auch die rechtliche Stellung der Beamten stark erschüttert. In steigendem Maße sei die Zurückdrängung des Berufsbeamtentums und der Ersah von Beamten durch Angestellte und Arbeiter zu beobachten. Der Bundestag nahm weiter folgenden Antrag an: „Das deutsche Derussbeamtentum hat kein Interesse an einem über das sachlich« Bedürfnis hinaus ausgebauten Derwaltungsappa- rat der öffentlichen Hand. Der Deutsche Beamtenbund erklärt erneut seine Bereitwilligkeit zur positiven Mitarbeit an einer gesunden Staatsreform und Verwaltunasvereinfachung. Schematische Maßnahmen, die ohne gleichzeitige Vereinfachung und Verringerung der Verwal- tungSaufgaben nur auf eine Dezimierung des Be- imfsbeamtenlmns abzielen. lehnt der Deutsche Beamtenbund erneut mit aller Entschiedenheit ab."
Sin preußisches Arbeiisbeschassungsprogramm.
Teilweise Streckung der Arbeitszeit. - Verlängerung der Schulpflicht. Ausschluß ausländischer Wanderarbeiter.
Berlin, 24. Oft. (ERD. Amtlich.) Das preu- rische Staatsministerium befd)äftigtc sich mit Vor- chlägen zur wirksamen Bekämpfung der steigenden Arbeitslosigkeit. Die Beratungen gingen davon aus, daß die materielle und seelische Rot, in die Millionen deutscher Volksgenossen durch die langanhaltende Arbeitslosigkeit verseht werden, dazu zwingt, neben der Unterstützung der Arbeitslosen mehr als bisher die Frage der Arbeiterhaltung und Arbeit sbe- ch a f f u n g in 'den Vordergrund zu stellen. Dabei fand der Vorschlag einer allgemeinen Senkung der Arbeitszeit zur E r m ö fl- lichung von Reueinstellungen eine eingehende Würdigung. Man verkannte dabei die Schwierigkeiten und Bedenken nicht, die einer allgemeinen Durchführung eines solchen Gedankens entgegenstehen, und kam überein, der Reichsregierung die Prüfung der Frage zu emp- ehlen, ob nicht auf dem einen oder anderen Wirtschaftsgebiet eine vorübergehende Herabsetzung der Arbeitszeit ohne Schädigung gesamtwirtschaftlicher Interessen möglich sei. Alle Betriebe, die äu einer Einschränkung ihrer Arbeit gezwungen sind, sollen solange keine Verminderung ihrer Belegschaft vornehmen dürfen, als die von der Arbeitseinschränkung betroffene Delegschaftsgruppe bei einer Verminderung der Arbeitszeit noch mindestens 40 Wochenstunden oder fünf Tagesschichten Beschäftigung finden kann. Durch eine vorübergehende Verlängerung der Schulpflicht um ein weiteres Jahr soll ein Zuströmen von
neuen Arbeitskräften auf den Arbeitsmarkt verhindert werden. Es wäre damit zu rechnen, daß mindestens 250 000 von den Ostern 1931 die allgemeine Schulpflicht beendenden Jugendlichen Arbeitsplätze in der Wirtschaft außerhalb der Landwirtschaft, für die diese Regelung n i ch t g e l te n soll, in Anspruch nehmen würden. Das weitere Schuljahr soll der Vorbereitung des Jugendlichen auf seinen künftigen Beruf dienen. Die erwachsenden Kosten sollen aus den vielfach hohen Ersparnissen bestritten werden, die bei der Arbeitslosen unter st ühung bei der Durchführung dieser Maßnahme gemacht werden.
Ferner sollen im nächsten Iahre keinerlei ausländische Wanderarbeiter für die deutsche Landwirtschaft zugelassen werden dürfen. Dadurch tonnten etwa 110 000 deutschen Arbeitslosen Arbeit verschafft und dem unerträglichen Zustand ein Ende bereitet werden, daß bei einer solchen Arbeitslosigkeit von fast 3 Millionen Menschen über 100 000 Arbeitsplätze wieder von Ausländern eingenommen werden. Der Ginwand, daß genügend deutsche Ersahlräfte für diese Landarbeit nicht zur Versügung ständen, wird widerlegt durch die Feststellungen der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitswsenversicherung, nach der sich die fch'vn jetzt in der Landwirtschaft in erheblichem Umfang vermittelten berufsfremden Arbeitskräfte und namentlich die jugendlichen i m a 11 g c m e i n e n gut bewährt haben.
Oie Tragödie von Alsdorf.
262 Todesopfer geborgen. - Oie amtliche Untersuchung schreitet fort. Vorbereitungen für die Traversier.
Alsdorf, 24. Okt. (TU.) Im Laufe des Freitags wurde noch ein Bergmann im unterirdischen Betrieb tot aufgesunden. Ebenfalls wurde unter den Schuttmassen des eingestürzten Fördergerüstes noch ein weiterer Bergmann geborgen. Im Krankenhaus sind zwei weitere Bergknappen ihren schweren Verletzungen erlegen. Somit weist die Totenliste von Alsdorf nunmehr 2 6 2 Opfer auf. Unter den Trümmern des eingestürzten Verwaltungsgebäudes wurde Freitagnachmittag die Kartothek gefunden. Damit können allerdings genaue Angaben über die Zahl der Eingefahrenen nicht gemacht werden. In dem Verwaltungsgebäude befanden sich zur Zeit des Unglücks auch drei Bergleute aus der Rachlschicht, die vor der Lohnabteilung auf ihren Restlohn warteten. Zwei von ihnen sind jetzt unter den Trümmern geborgen worden. Auch wurden verschiedentlich Geldbeträge aufge- funden.
Ein tragisches Bild bietet die Waschkaue von „Anna I", in der nunmehr alle Särge aufgebahrt sind. Vor dem großen Altar in der Mitte liegen schon viele Kranzspenden, darunter auch Kränze ausländischer Grubenverwaltungen. Auf jedem Sarg liegt ein Kranz des Eschweiler Bergwerkvereins. In einzelnen Gruppen, nach
Gemeinden geordnet, sind die Toten hier auf* gebahrt. Die Angehörigen werden von Sanitätern hereingesührt und zu ihren Toten gebracht. Immer wieder brechen Frauen mit lauten Wehrufen zusammen. Da und dort läßt man die Deckel öffnen und betrachtet noch ein letztes Mal den toten Ernährer oder den verschiedenen Sohn. Das katholische Seelenamt wird am Samstag- Dormittag Weihbischof Dr. Straeter (Aachen) halten. Um 8.45 Uhr folgt eine von der Gemeinde veranstaltete Trauerfeier im Rathaus. Um 9.30 Uhr findet die erste Trauerfeier im Betriebsgebäude von „Anna l" statt. Hier werden Vertreter der Zeche und die Minister sprechen. Die Beerdigung schließt sich an. Die Opser aus Kellersberg und Schaufenberg werden auf den Friedhöfen in ihren Heimatorten beigesetzt. — Am Donnerstag fand man auf der 360-Metersohle einen Grubenhund, an dessen Wänden ein junger Bergmann folgende Abschiedsworte geschrieben hatte: 20. Oktober 1930. Ioses Fuchs, geb. 14. Iuni 1910. Wenn ich hier nicht mehr herauskomme lebend, dann grüßt mir den lieben Vater, Geschwister und auch meine lieben Verwandten und Bekannten. Ich gehe zur Mutter. Lebt wohl!
Sieg der Revolution in Brasilien.
Oie Truppen von 2Rio de Janeiro gehen zu den Aufständischen über. - Absetzung des Bundespräsidenten Washington Luiz. - Sin Militärkabinett übernimmt die Regierungsgewalt.
Rio de Janeiro, 24. Okt. (TU.) Der Präsident der Bundesregierung Washington Lui) ist endgültig zurückgetreten und geflüchtet. 2tn feiner Stelle hat ein Utilitär- t ab ine II die Regierung übernommen. Washington Luiz trat erst zurück, nachdem die Garnison der Festung Copacabana, die über die stärksten Artilleriestützpunkte In unmittelbarer Röhe der Hauptstadt versügt zusammen mit dem 3. Infanterieregiment ; u den 'Uusständifchen übergegangen war. Die Kadettenschule in Rio de Janeiro, unter Anführung von höchsten Offizieren des brasilianischen Heeres, hat sich den Aufständischen angeschlosfen, desgleichen geht bereits der größte Teil der Flotte über. In JJernam- b n c o verkündeten Extrablätter den erfolgten Rücktritt des Präsidenten Luiz, woraus die Banken und Ladengeschäfte ihre Betriebe schlossen. Ueberall wird das bedeutsame Ereignis gefeiert.
Es wurde in Rio de Janeiro ein aus drei Generälen und drei Admiralen zusammengesetztes 2H i - titärfomltce eingesetzt, das den General ZUenna B a r r e t o zum Schuhdiktator ernannte. Barrets soll die Regierungsgeschäste bis zur Durchführung der Reuwahlen führen. Er erließ sofort eine Kundgebung an das brasilianische Volk und ordnete die Demobilisierung der Truppen an. In einem weiteren Aufruf ermahnte er die Bevölkerung, die Ruhe und Ordnung zu bewahren. Rach der durchgreifenden Säube- tungsaktion des neuen Polizeipräsidenten ist d i e Ruhe in Rio de Janeiro wiederhergestellt worden. Sämtliche öffentlichen Gebäude und die Banken, insbesondere die brasilianische Staatsbank, werden von Waschinengewehrposten bewacht. Die provisorische Regierung hat ein großzügiges Reformprogramm bekanntgegeben. Danach sollen der Bundeskongreh und die Provinzkongresse a u f g e l ö ft und die Bersassungszusähe von 1925 wegen demagogischen Charakters ausgehoben werden. Ferner sieht der Entwurf die Sicherstellung der geheimen Wahl, eine oberste Justiz- und llnlerrichtsbehörde für ganz Brasilien mit dem Sitz in der Bundeshauptstadt und neue Einwande- r u n g ß - und Raturalisierungsbestim- mu ngen vor. Der neue Kongreß, dem die Aufgabe der Verfassungsänderung obliegt, wird aus je 12 Vertretern bet einzelnen Bundesstaaten bestehen.
Die Bewegung, die mit dem Stur; der Regierung Luizendete,machte sich bereits in den frühen 211 o r g c n ft u n b e n bemerkbar. Um 10 Uhr vor
mittags drang die Wenge in die Straßen der Unterstadt ein. In den Mittagsstunden brach an verschiedenen Stellen der Unterstadt Feuer aus. Fünf Zeitungsgebäude einer Agentur, die die Regierung Lutz unterstützt hatte, wurden angegriffen und in Brand gesteckt. Infolge mangelnden Wasserdrucks war die Feuerwehr nahezu hilflos. Mehrere Brände wurden in der Rachbarschaft des Wolkenkratzers angelegt, in dem das amerikanische Generalkonsulat seinen Sih hat. Die Menge hatte freie Hand, sie plünderte u. a. Waffen- und Juwellerläden. Mil roten Fahnen zog eine Gruppe der Liberalen, ohne von der Polizei behindert zu werden, durch die Straßen. Jeder sonstige Verkehr hatte ausgehört. 3m Lause des Rachmittags, als die Ausschreitungen zahlreicher wurden, schritt die Polizei ein.
Der zurückgetretene Bundespräsident Washington Luiz hat sich dem General Azevedo anvertraut, der die Verantwortung für die Sicherheit des gestürzten Staatsmannes übernommen hat. Washington Lui; wurde unter schwerer Bewachung nach dem bei Rio de Janeiro gelegenen Fort Copacabana gebracht, wo er gefangen gehalten wird. Der Kriegsminister, General de Passos, sowie der Vizepräsident des Senats, Azevedo, und der Senator Jrine Machado, sollen verhaftet fein. Die Bevölkerung, heißt es, habe die politischen Gefangenen befreit. Präsident Lutz soll mit feinen Kablnettsmit- gllebern wegen Unterschlagung von Staatsgeldern und Korruption vor ein Sondergericht gestellt wer- den. Der Bundesgeneral Barrov, der mit 100 000 Dollars Regierungsgelder flüchten wollte, wurde im letzten Augenblick verhaftet. Zahlreiche Gruppen von Bewohnern durcheilen die Straßen und jubeln den Soldaten zu. Zivilisten und Militär- perfonen haben roteBlumenundAbzelchen angefteckt. Ernste Zwlfchenfätte find bisher nicht gemeldet worden. Die militärische Bewegung ist aus keinen widerstand gestoßen, sondern hat die säst einmütige Begeisterung der Bevölkerung gesunden.
Bestürzung in USA.
Washlngton, 24. Okt. (WTB.) Rach Blättermeldungen hat der Sturz der brasilianischen Bundesregierung Im Staatsdepartement große B e ft ü rzung erregt. An dl« amerikanische Botschaft In Rio de Janeiro, die noch zwei Stunden vorher gedrahtet hatte, daß alles ruhig sei und nichts von einem Rücktritt des Präsidenten berichtet hatte, wurde eine telegraphische Anfrage gerichtet. Mangels einer amtlichen Bestätigung
der Meldungen lehnte der Staatssekretär seMche Stellungnahme ab.
Di« Rachricht von dem Rücktritt deS Präsidenten Luiz hat auch in Reuhork wie eine Bombe eingeschlagen, um so mehr, als die Washingtoner Regierung durch das Verbot von Waffen - und Munitionsverkauf an die Aufständischen die Regierung Luiz unterstützt hatte.
Beamtenbesoldung und Finanzausgleich.
Thüringen gegen eine Herabsetzung der Steuerübcrweisungen an die Länder.
Weimar, 24. Okt. (TTl.) Der thüringische Staatsminister Baum hat an die Regierungen der anderen deutschen Länder ein Schreiben gerichtet, in dem auf die Absicht des Reiches hingewiesen wird, dem Reichsrat in Verbindung mit dem für die Reichsbeamten zu erlassenden Gehaltskür- zungsgeseh den EMtwurf eines Gesetzes zur Einschränkung des Personalaufwandes in deröffentlichenVerwaltung zu unterbreiten. Danach sollen die Dienstbezüge der Beamten der Länder und sonstigen öffrn tilgen Verwaltungen in g le ichem Ausmaße gekürzt werden wie die der Reichsbeamten. Hierdurch werde indirekt die Frage der A u s w ir - kung dieserKürzungenausdieSteu- e rü b e r we i s u n ge n d e s R e iche s andie Länder berührt. Es liege Grund zu der Annahme vor, daß das Reich beabsichtige, die künftigen Heberweisungen an die Länder im Hinblick auf deren Einsparungen bei den Personallasten herabzusehen. Einer derartigen Absicht müßten die Länder in ihrem eigensten Interesse zur Vermeidung schwerer Schädigungen ihrer Finanzen mit allem Rachdruck entgegentreten. Gin derartiges Verlangen des Reiches sei auch in keiner Weise zu rechtfertigen, denn das Reich habe anläßlich der Reuregelung der Beamtenbesoldung vom 1. Oktober 1927 ab den Ländern keine erhöhten Ueberwei- Jungen zukommen laßen, sondern im Gegenteil ständig erklärt, daß es ureigenste Sache der Länder sei, den durch die Erhöhung notwendigen! Mehrbedarf aus eigenen Mitteln aufzubringen. Außerdem würde das Reich mit einer solchen Maßnahme neben der Einsparung bei seinen eigenen Beamten noch einen weiteren Vorteil auf Kosten der Länder ziehen, "^ie thüringische Regierung glaubt dem Reichsentwurf nur dann zu» stimmen zu können, wenn die Sicherheit bestehe, daß die aus der Gehaltskürzung bei den Ländern und Gemeinden ersparten Aufwendungen auch diesen selb st zugute kommen. Die thüringische Regierung bittet schließlich die Landesregierungen um Stellungnahme, ob sie geneigt seien, sich dem lediglich von finanziellen Erwägungen getragenen Standpunkte Thüringens an- zuschließen.
Hepp zum Wechsel im Landbundpräsidium.
Limburg, 24. Okt. Reichstagsabgeordneter Hepp begründet in der „Rassauischen Bauernzeitung" seinen Austritt aus dem Präsidium des Reichslandbundes. Mit der Ablehnung seiner Forderung, daß je ein Vertreter des bäuerlich:n Besitzes im Westen und des Sroßgrundbesihes im Osten als gleichgeordnete Präsidenten des Reichslandbundes gewählt w r- den. Dieses System entspreche der ursprünglichen Satzung des Reichslandbundes und sei 1928 nur mit Rücksicht auf die Persönlichkeit Schieles verlassen worden, der eine „ungeteilte Verantwortung" für sich beanspruchte. Rach Aufhören dieses besonderen Zustandes habe er pflichtgemäß Veranlassung genommen, die Rückkehr zu jenem früheren FührungsTustand zu fordern.
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Wettervoraussage.
Im Bereich des tiefen Druckes hat die Wil- tcrung Deutschlands ihren regnerischen Charal'er bctbehalten. Zwar flacht sich der Kern des Tiefs etwas ab, aber trotzdem liegen die Jsvbaren an der Rückseite ziemlich enger, was in lebhafter nordwestlicher Luftbewegung über den britischen Inseln zum Ausdruck kommt. Der Kaltluftvorstoß wird sich nach dem Festlande hindrängen und das Wetter wechselhaft gestalten. Wohl nimmt dabei das dichte Regengewölk schon ab und Böenwolken, welche Schauer mit sich bringen, ziehen vorüber. Die bereits eingesetzte Abkühlung schreitet fort und dürfte bei nächtlichem Aufklaren die Temperaturen bis in Gefrierpunktnähe bringen.
Aussichten für Sonntag: Veränderliches Wetter, wolkig, dabei vorübergehendes Auf- tlaren, Regenschauer, weitere Llbkühlung, westliche bis nordwestliche Winde.


