Ausgabe 
25.8.1930
 
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Die Deutsche Volkspartei an ihre Wähler.

Mit Hindenburg für Rettung des Vaterlandes, für deutsche Freiheit und Kultur

Berlin-Cladow entstand -wischen Mitgliedern des Berliner Arbeiter-Fuhballbundes und National­sozialisten eine Schlägerei. Der Lastkraftwagen der Nationalsozialisten wurde später in Spandau angehalten und die 32 Insassen, weil sie Wider­stand leisteten, -wangsgestellt.

Oie wachsende

Liste der Wahlvorschläge.

Die nationalen Minderheiten.

Bezirksvorjchläqc.

Berlin, 23.2Iuq. (BB.) Wie wir von un­terrichteter Seite hören, sind in der letzten 3dvt im Reichsinnenministerium eine ganze Reihe neuer Wahlvorschläge einge­gangen. Während es Ende 3uli nach der offi­ziellen Mitteilung 17 Listen waren, hat sich deren Zahl inzwischen um 6 weitere vermehrt. Damit ist aber die Zahl der Parteien, die sich für die Wahlen am 14. September auftun, noch nicht erschöpft. Einmal ist damit zu rechnen, daß eine ganze Reihe örtlicher Dezirkslisten vorliegen, über die die Mitteilungen erst ver­spätet nach ^Berlin gelangen, und weiter rechnet man noch mit einer Reihe weiterer Vorschläge für das Reich, so daß nach Ansicht der zu­ständigen Stellen ein wirklicher Lleberblirk über die immer noch wachsende Parteienzersplitterung erst kurz vor dem Wahltermin möglich sein kann.

Unter den sechs neuen Wahlvorschlägen, die das politische Leben Deutschlands bereichern, be­findet sich übrigens auch eine Liste der natio­nalen Minderheiten. Eine solche Liste ist bei den letzten Wahlen regelmäßig aufge­taucht, aber es gelang den Minderheiten nicht, die erforderliche Stimmenzahl für einen Kan­didaten durchzudrücken. Deshalb machen sich er­neut Bestrebungen geltend ein Sonderwahl­gesetz für die Minderheiten zu schaffen, die aber wenig Aussicht auf Erfolg haben. Dos neue Wahlgesetz wird ^urch die Erhöhung der Stimm­quote für einen Abgeordneten von 60 000 auf 70 000 den nationale^ Minderheiten die Aus­sichten auf einen Wahlerfolg nicht verbessern, so daß im Zusammenhang mit der parlamentarischen Erledigung dieses Reformgesetzes wohl erneut die Frage einer Sonderregelung zur Diskussion kommen wird.

Aus dem Wahlkampf.

3n dem Verfahren des Schriftstellers Hall- Halfen gegen Mahraun, Koch-Weser und Höp- ker-Aschoff beim Landgericht II auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung gegen den ,M i ß - brauch des Namens DeutscheStaats- Partei" ist der Antrag auf Erlaß einer einst­weiligen Verfügung zurückgewiesen worden.

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Die Deutsche Volkspartei hat folgende Reichswahlliste ausgestellt: 1. Reichsmini­ster a. D. Dr. Scyolz; 2. Frau Oberstudiendirek- torin Dr. Else Matz; 3. Generaloberst v. S e e ck t; 4. Geheimrat Prof. vr. v. KahI; 5. Beamtenführer Morath; 6. Dr. h. c. v. Staust, Direktor der Deutschen Bank; 7. Frank Glatzel, Reichsgemein­schaft der jungen Volksparteiler.

Hessen im Wahlrefonn-Entwurf.

Darmstadt. 23. Aug. Rach dem Entwurf des neuen Reichswahlgesetzes werden 162 Wahlkreise ge­bildet mit einer durchschnittlichen Bevölkerungszahl von 385 000. Für den Volksstaat Hessen ist geplant, daß es mit vier Wahlkreisen den 3 0. W a h l k r e i s- verband bildet. Hessen wird aufgeteilt in einen Wahlkreis D a r m st a d t mit 385 000 Einwoh­nern, der sich aus den Kreisen Darmstadt, Offenbach rmd Dieburg zusammensetzt, den Wahlkreis Gießen .mit 328 000 Einwohnern aus den ober» hessischen Kreisen, den Wahlkreis Mainz mit ,316 000 Einwohnern aus den Kreisen Mainz, Bin- gen, Oppenheim und Groß-Gerau, sowie den Wahl­kreis Worms mit 316000 Einwohnern. Er um­faßt die Kreise Worms, Alzey, Bensheim, Heppen­heim und Erbach. Mit der Provinz Hessen- Nassau (ohne die Kreise Grafschaft Schaumburg und Schmalkalden) sowie dem Kreis Wetzlar wird das Land Hessen wieder zu einer Landes- gruppe Hessen zusammengefaßt.

Ealonder tritt zurück.

Schwerer Verlust für die Deutschen in Oftoberschlesien.

K a t t v w i tz, 23. Aug. (TU.) 3n einem Schrei­ben an das Generalsekretariat des Völkerbundes erklärte Calvnder seinen Rücktritt als Präsident der Gemischten Kommis­sion für Oberschlesien. Der Rücktritt er­folgt aus privaten Gründen. Präsident Ealonder wird noch bis Ende 3uli 1931 im Amte bleiben.

Die Nachricht von dem Rücktritt des Präsi­denten der Gemischten Kommission für Ober^chle- sien, Ealonder, hat in allen Kreisen der deut­schen Minderheit größte Lleberraschung hervorgerufen. Der Rücktritt wird überall lebhaft bedauert, um so mehr, als Ca- londer in seiner achtjährigen Tätigkeit in Ober­schlesien es verstanden hat, sich eine um­fassende Kenntnis von Land und Leuten anzueignen, wodurch es ihm wesentlich erleichtert wurde, seine Entscheidungen zu treffen. Die Bestellung eines Nachfolgers wird um so größere Schwierigkeiten machen, als der neue Präsident über eine so gute Kenntnis der ober­schlesischen Verhältnisse, wie sie Ealonder besaß, Wohl nicht verfügen dürfte.

Die Begründung des Rücktrittgesuches mit Fa­milienverhaltnissen wird als die übliche diplomatische Formel angesehen. Es läßt sich nicht leugnen, daß politische Gründe Ealonder veranlaßt haben, auf sein Amt zu verzichten. Die Schwierigkeiten, denen er seit 1926 immer wieder begegnete, haben ihm eine positive Arbeit im Interesse der beiderseitigen Minderheiten so gutwie unmög­lich gemacht. Dazu kam noch, daß seine Stel­lung, die bis zum Regierungsantritt des Wojwoden Dr. Graczinski autoritativ unerschütterlich war, durch die Haltung des Völkerbunds- rotes gegenüber feinen Entscheidungen sehr ge­schwächt wurde. Der Völkerbundsrat hat unver- ständlicherweise stets vermieden, eine klare Entschei­dung über die Stellung Ealonders zu treffen, wo­durch er selbstverständlich seine Rechtssprüche ernst­lich in Frage stellte. Hier kann Deutschland ein Vorwurf nicht erspart werden, da es sich immer wieder auf politische und diplomatische Verhand­lungen einließ, anstatt sich auf den Boden der Ent­scheidungen Calonoers zu stellen.

Der Rücktritt Ealonders, der zweifellos auf die minderheitenfeindliche Einstellung der hiesigen pol­nischen Behörden zurückzuführen ist, ist um so be- merkenswerter, als Ealonder Mitschöpfer des

Berlin, 24. Aug. (WTB.) Der Zentral- vorstand der Deutschen Volkspartei trat zusam­men, um den Wahlaufruf der Deutschen Volkspartei zu beschließen.

Oer Parteiführer

Reichsminister a. O. Or. Scholz

gab einen Ueberblick über die Sammlungsbestre­bungen, für die vor allem die Frage bedeutsam sei, worum es eigentlich bei diesem Wahlkampf gehe. Die Grundlage der Weimarer Verfassung sei die Privatwirtschaft. Deshalb sei es die Deutsche Volkspartei, die auf dem Boden der Weimarer Ver­fassung arbeite, nicht aber die Sozialdemokratie. Die Sammlung des Bürgertums dürfe nicht ein­seitig nach Li n 15 oder rechts gehen. Die Deutsche Volkspartei müsse ihren Kern bilden. Bis­her schon sei eine Zukunftshoffnung für die bürger­liche Sammlung in Form des gemeinsamen Aufrufs vorhanden. Im kommenden Reichstag müsse sich dieser Gedanke der Sammlung durch­setzen, sonst stände man am Grabe des deutschen Bürgertums, der deutschen Intelligenz und der deut- schen Privatwirtschaft. Eine Einigung mit der Staatspartei auf der von ihr gewünschten Basis würde jede Verhandlung mit den Parteien rechts von uns ausgeschlossen haben und hätte in unseren eigenen Reihen stärk st e Zer­rissenheit gebracht. Weil es Aufgabe der Deut­schen Volkspartei sei, die Verteidigungsarbeit des Bürgertums auf breitester Grundlage zu leisten, werde sie den Wahlkampf nicht gegen die anderen verantwortungsbewuß­ten staatsbürgerlichen Parteien führen dürfen. Die Spitze dieses Wahlkampfes solle sich ge­gen die radikalen und staatszerstörenden Elemente auf der äußersten Linken und Rechten, aber auch gegen die sozialistischen Ideen wenden. Notwendig sei gegenüber der mächtigen Sozialdemokratie eine starke Front des Bürgertums.

Oer Wahlaufruf.

Der Sinn der Wahl ist, für die bürgerliche Regierung eine Mehrheit zu schaffen, mit der sie ihre Aufgabe lösen kann. Die Deutsche Volks­partei hat den Versuch unternommen, die zer­splitterten bürgerlichen Parteien zu sammeln, um in geschlossener Front dies Ziel zu erreichen. Noch ist der Versuch nicht gelungen, unser Wille zum Zusammenschluß bleibt bestehen und muß zum Erfolg führen. Wir haben seit 3ahren die Reformen verlangt, die jetzt in Angriff genommen worden sind. Wir haben zuerst betont, daß die Gesundung nicht

in Oberschlesien geltenden Minder­heit e n r e ch t s ist. Es dürfte nicht unbekannt sein, daß Ealonder nach dem Botschafterbeschluß über Oberschlesien im Jahre 1921 mit der Führung der deutsch-polnischen Verhandlungen beauftragt wurde, deren Ergebnis das Genfer Abkommen über Oberschlesien war.

Rücktritt der polnischen Regierung.

Pilsudfkis heimliche Diktatur. Wird der Marschall das neue Kabinett bilden?

Warschau, 23. Aug. (WTB.) Ministerpräsident S l a w e k hat heute die Demission eingereicht. »Die Demission wurde angenommen. Der Staats­präsident hat Marschall Pilsudski ersucht, die Bildung der neuen Regierung zu übernehmen. Mar­schall Pilsudski erklärt, daß er für den Fall der Uebernahme der Regierungsbildung die Zusammen­arbeit mit sämtlichen Mitgliedern der zurücktretenden Regierung wünsche.

Die Regierung Slawe! ist nach etwa fünfmona­tiger Amtszeit zurückgetreten. Sie gelangte nach dem parlamentsfreundlichen B a r t e l am Ende der Budgetsession zur Macht unter der Losung, den gegenwärtigen Sejm nickt mehr zu Worte kommen zu lassen. Gleichzeitig scheute aber Slawek, offenbar in richtiger Erkennt­nis der Stimmung im Lande, davor zurück, den Landtag aufzulösen und Neuwahlen auszuschrei­ben. So kam es zu dem roenip würdigen Schauspiel der Dertagunaen und Sessionsschließungen. Die oppositionelle Mehrheit, durch diese Winkelzüge ihrer Tribüne beraubt, zogaufdieStraße. Es kam dann der Krakauer Kongreß mit regierungsfeind­lichen Entschließungen.

Nun rüstet die Opposition zu einem neuen Schlage. Für den 14. September sind in 20 größeren Städten, darunter auch in Warschau selbst, Massenveranstaltungen der Zentro-Links- Opposition gegen das Pilsudski-System geplant. Da nun die oppositionellen Fraktionen in den ersten Septembertagen den Antrag auf neuer­liche Einberufung einer außerordent­lichen Sejmtagung einbringen wollen, so ist verfassungsmäßig die Antwort des Präsidenten ge­rade um den 14. September herum fällig. Es ist also klar, daß die Opposition, die gegenwärtig unter dem Zeichen:Beseitigung der Diktatur und Wieder­herstellung der Demokratie" kämpft, durch diese Massenkundgebungen die Absicht hat, den Präsiden­ten zur Einberufung des Sejm zu zwin­gen, und daß er dann von seinem ihm verfassungs­mäßig zustehenden Recht abermals Gebrauch macht, den Sejm noch vor seiner ersten Sitzung wieder zu vertagen. Man kann der Opposition nicht Unrecht geben, wenn sie behauptet, daß dieser chronische Ver- tagungs- und Schließungsvorgang wohl dem Buch­staben, aber sicherlich nichtdem Geist derVer- f a f f u n g entspricht. Die Volksvertretung ist tatsächlich gegen ihren Willen praktisch ausgeschaltet. Und nur darauf kommt es an.

Noch fein Friede im nordfranzösischen Gtreikgebiei.

Paris, 24. Aug. (WTB.) Der Arbeitsminister L a v a l ist nach erfolglosen Bemühungen, den Streit zu schlichtem aus Roubaix nach Paris zurückge- kehrt. In Roubaix streiken noch immer 23 750, in Tourcoing 11 400, in Halluin 7335 und in anderen Bezirken insgesamt rund 20 000. An der Grenze bei Tourcoing und Mousseron kam es zu Zwischen- fällen. Streikende versuchten, die auf Lastautos über die Grenze zurückkehrenden Arbeitswilligen aufzuhalten, indem sie Drahtseile über d! e Straße spannten und die Straße mit Nageln bestreuten. Auf Fahrrädern heimkehrende Arbeiter wurden mit Steinen beworfen, so

durch neue Steuern und Lasten, sondern nur durch Belebung der Wirtschaft und äußerste Sparsamkeit herbeigesührt wer­den kann. Wir haben uns immer eingesetzt für den Schutz des privaten Eigentums, die Erhaltung des Berufsbeamten­tums und die Sicherung seiner verfassungs­mäßigen Rechte, die Stärkung des Mittel- st a n d e s und die Rettung der Landwirt­schaft. Wir haben uns eingesetzt für die Stär­kung der Selbstverwaltung und der Selb st Verantwortlichkeit im sozialen Versicherungswesen. Wir haben ge­kämpft und werden weiter kämpfen für große und umfassende Reformen auf allen Gebieten der Finanzen, der Wirtschaft und der Staatsordnung, die erforderlich sind zur Rettung von Volk und Staat aus Verelendung und Arbeitslosigkeit, in die uns die Verantwor­tungsscheu der Sozialdemokratie hineingebracht hat.

Unsere nächsten Aufgaben sind: Fortsetzung der nationalen Desreiungspolitik Siresemanns, Revision der Friedens- und Tributverträge, Kampf gegen die Kriegsschuldlüge, Wieder­gewinnung der vollen Gleichberech­tigung Deutschlands unter den Völkern der Erde, Wiedervereinigung des Saargebietes mit dem Reich, Vereinigung der Oft» grenze, Schutz der deutschen Minderheiten, Wiedererlangung kolonialer Betätigung, Ausbau der Osthilfe zur Rettung des deutschen Ostens, Erhaltung und Stärkung des Wehrgedankens im deutschen Volke, Reichsresorm, Derfas- sungsreform, Parlamentsresorm; Schaf­fung einer übersichtlichen und billigen Verwal­tung, Wahlreform und Finanzresorm mit dem Ziele des Abbaus der Steuern und der Wiederherstellung wirklicher Verantwortlichkeit der Körperschaften für die Deckung der von ihnen bewilligten Ausgaben. Sicherung der so­zialen Errungenschaften unter Berücksichtigung der Leistungsfähigkeit der Wirtschaft, Umbau auf berufsständiger Grundlage; Schuh des deut­schen Familienlebens und Verteidigung unserer christlichen Kultur gegen die vor dringende Hetze des Bolschewismus.

Für diese Ziele, die auch die Ziele unse­rer 3ugend sind, wollen wir uns gemein­sam einsehen. Stärker und einflußreicher als bisher soll die 3ugend an der politischen Gestal­tung der deutschen Zukunft mitarbeiten. Gegen alle staatszerstörende Hetze! Mit Hinden­burg für Rettung des Vaterlandes, für deutsche Freiheit und Kultur.

daß verschiedene leicht verletzt wurden. Polizeiliche Verstärkungen konnten schließlich größeres Unheil verhüten.

Gronaus Attantikflug geglückt.

Der deutsche Flieger von Gronau hat seinen Etappenflug von Deutschland über Island und Grönland nach Kanada glücklich beendet und ist am Sonntag um 22 Uhr Berliner Zeit in Hali­fax glatt gelandet, von Eartwright (Labra­dor) aus hatte er in ständiger Verbindung mit den kanadischen drahtlosen Stationen gestanden. Der Flug ist glatt verlaufen, die Motoren arbei­teten vorzüglich. Die Stimmung an Bord war glän­zend, obwohl an der ganzen atlantischen Küste rauhes und regnerisches Detter herrschte, von Gronau hatte die Zwischenlandung in Eartwright dazu benutzt, um seine Brennffoffoorräte wiederauf­zufüllen.

Die amerikanischen Blätter bringen ausführliche, sehr freundlich gehaltene Schilderungen des Atlantik­fluges. Da der fast schnurgerade Nord-Süd-Flug von Jvigtut nach Halifax über Orte führte, die keine Verbindung mit der Außenwelt haben, waren ein­gehendere Meldungen nicht möglich. Aus den ersten Unterredungen mit den Ozeanfliegern in Queensport heben die Blätter die Bescheidenheit Gro­naus und seiner Begleiter rühmlich hervor.

Revolution in Peru.

Plünderungen von Arequipa. Die Regierung zurückgetreten.

N e u t) o r f, 24. Aug. (WTB. Funk.) Die Blätter berichten ausführlich über eine Revo­lution in Peru, die immer größeren Um­fang annimmt. Die Hauptstadt ist bereits be­droht, der Polizeichef verschwunden. Die See­kadetten haben sich schutzsuchend den Revolutio­nären angeschlossen. Die 4. Division in Arequipa, die teilweise in den Nachbarstädten untergebracht war, ist zu den Revolutionären übergegangen. 3n Arequipa sott unter Führung von Guillermo Lira eine ßofalregierung eingesetzt worden sein, die von allen Klassen der Bevölkerung unterstützt werde. Der Präsident L e g u i a hat bet der Gesandtschaft von Venezuela Schutz ge­sucht. Sämtliche Polizeistreitkräfte haben sich den Ausrührern angeschlossen. Aus beiden Seiten sind zahlreiche Tote und Verletzte zu verzeichnen. Die Aufständischen haben sich der Stadt Arequipa be­mächtigt. Sie drangen in das Rathaus ein und vernichteten viele offizielle Dokumente. Hunderte von Bewohnern der Stadt vermehrten bald die Reihen der Aufständischen und nahmen eine regelrechte Plünderung der großen Waren­häuser vor. Gegenwärtig sind die in die Hände der Aufrührer gefallenen Geschütze auf den die Stadt umgebenden Höhen postiert und der Führer der Rebellen hat Befehl gegeben, auf jede Regie­rungstruppe, die gegen die Stadt vorrücken sollte, zu feuern.

Die Revolutionäre haben an das peruanische Volk ein Manifest gerichtet, in dem es heißt, die gegenwärtige Bewegung suche den Frieden der Nation zurückzuerwerben. Die Aufständischen hät­ten kein anderes Ziel als die Wiederherstellung der Ordnung im Lande. Die telephonischen Verbindungen mit Buenos Aires sind unter­brochen. Nach Nachrichten von der Arica-Grenze breitet sich die Ausstandsbewegung auch auf die östlich und nördlich von Arequipa gelegenen Gegenden aus. Alle Militärschulen und weitere Regimenter sotten sich der Bewegung angeschlos­sen haben. Man rechnet mit dem Angriff der Flotte auf Mollendo. Nach einer amtlichen Meldung aus Lima ist die peruanische Re­gierung zurückgetrelen.

Generaloberst Heye hat sein Entlassungsgesuch eingereichi.

Berlin, 25. Aug. (CNB.) Der Chef der Heeres­leitung Generaloberst Heye besichtigte am vergange­nen Freitag und Samstag das bayerische Jnfan- terieregiment 19 auf dem Truppenübungsplatz Mun ft erläge r. Anläßlich einer Ansprache an die Offiziere des Regiments erklärte Generaloberst Hene, daß er den Reichspräsidenten um feinen Abschied zum 1.November 1930 gebeten habe. Generaloberst Heye verabschiedete sich mit herzlichen Worten von den einzelnen Ba­taillonen. Ihm zu Ehren wurde am Abend ein großer Zapfenstreich veranstaltet.

Aus aller Wett.

Ein Denkmal

für die gefallenen Studenten von Langemark.

Die Abordnung der deutschen Studentenschaft, die die Internationale Studententagung in Brüs - f e l verließ, begab sich am Samstag vor ihrer Rück­kehr nach Deutschland nach Langemark, wo sie der Grundsteinlegung des Heldendenkmals der Langemark-Stiftuyg zur Erinnerung an die in Flandern gefallenen Studenten beiwohnten. Wäh­rend der Feierlichkeiten, an der auch eine Abord­nung des Volksbundes für Kriegsgrä­berfürsorge und Vertreter des Deutschen Gräberdienstes teilnahmen, wurde ein Kupfer- gefäß mit den Urkunden in deutscher und holländi­scher Sprache in den Stein gemauert. Die Studen- ten fangen daraus das LiedIch hatt' einen Käme- radcn" und die Feier wurde mit Niederlegung eines Kranzes aus Elchenblättern an dem Ort, wo sich das Denkmal einst erheben wird, beendet.

Die erste Gasschuhübung in Deutschland.

3m Rahmen des 8.Bayerischen ©anitätS- kolonnentages wurde eine große Gasschutz­übung vorgeführt, die von Dr. Büscher, Ham­burg. und Ewert, Berlin, geleitet und von befl Feuerwehr und der Sanitätskolonne Kaisers­lautern durchgeführt wurde. Unter Verwen­dung von Gasmasken und Wiederbe­lebungsgeräten wurde mit Hilfe farbiger Aebel die Wirkung der 3ndustriegase und der gefürchteten Gase der Kampfgastruppe verdeut­licht. Die Hebung sollte einen feindlichen Fliegerüberfall au f eine deutsche Stadt darstellen, wobei diese mit Gasbomben belegt wird. Zur Anwendung kamen Kohlen­oxydgase, Phosgengas sowie Blaukreuz, Gelb­kreuz und Grünkreuz. Wie Direktor Raquet, Kaiserslautern erläuternd ausführte, diente diese in Deutschland zum erstenmal gezeigte Hebung dazu, den Schutz gegen alle Giftgase zu studieren. Die Vorführungen, die über drei Stunden in Anspruch nahmen, wurden von einer riesigen Zuschauermenge mit größter Aufmerk­samkeit verfolgt. Sie fanden ihren Abschluß durch einen wirklichen Gasangriff, bei dem Reiz­gas zu Hilfe genommen wurde.

Ein Riesenschwindel.

Die Kriminalpolizei ist in Köln einer Betrugs­affäre auf die Spur gekommen. Eine Friseursfrau Felschner hat im Lause von drei 3ahren es ver- standen, ihren Kunden Beträge in Höhe bon 300000 Mark abzuschwindeln mit der Begründung, daß sie Bankgeschäfte mache und sie in der Lage fei, bei einem Einsatz von 6000 Mk. in zwei Monaten 8000 Mk. zurück- zuzahlen. Auf diesen Schwindel sind innerhalb von zwei Jahren 21 bekannte Kölner Kaufleute und Gastwirte hereingefallen. Frau Felschner be­zahlte den Gewinn für ein Geschäft stets mit dem Einsatz auf ein anderes. Allein ein Gast­wirt hat mehr als 100000 Mk. bei Frau Felschnerumgesetzt". 3n Wirklichkeit lagen die Einsätze der vertrauensseligen Kapitalisten i n der Kommode von Frau Felschner, wo die Kriminalpolizei Barbeträge in gebündel­ten Hundert- und Taufendmarkscheinen bis zur Höhe von 70 000 Mk. vorfand. Vor kurzer Zeit ereilte Frau Felschner das Verhängnis. Sie, die 40jährige, lernte vor kurzem einen 28jährigen Eintänzer, den Polen Glowinka, fennen, in den |ie sich verliebte. Glowinka beutete feine Geliebte in raffinierter Weise aus. Nachdem er ihr 100 000 Mk. entlockt hatte und das Geld auf der Rennbahn und beim Spielen verloren hatte, erschoß er sich. Frau Felschner, die zufällig in der Wohnung von Glowinka war, als dieser Selbstmord verübte, geriet in Mordverdacht und wurde verhaftet. Durch ihre Festnahme kam der Riesenschwindel an den Tag.

Tödlich obgestürzl.

Eine Gruppe von acht Engländern au8 Arolla unternahm eine Besteigung der Dischofsspitze an der italienisch-schweizeri­schen Grenze. Als sie sich dem Gipfel näherten, riß das Seil, und zwei Touristen, ein Herr und eine Dame, stürzten 400 bis 500 Meter tief und verschwanden in einer Gletscher­spalte. Bergungsversuche blieben erfolglos.

Der Tod in den Bergen.

In den Zillertaler Alpen werden drei Touristen, darunter die Söhne des Generaldirektors Hoffmann einer Kasseler Fabrik, vermißt. Sie sind mit einem Bergführer uor einigen Tagen von der Berliner Hütte abmarschiert, trafen jedoch auf der Greizenhütte nicht ein. Eine Rettungsexpedition mußte wegen 1% Meter Neuschnee und schwerer Lawinengefahr umkehren. Es wird angenommen, daß alle vier erfroren sind. Die 48jährige Witwe Jenny Kuehne aus Berlin-Steglitz ist im Gamperdonatal tödlich abgestürzt.

Ein Serum gegen Hundestaupe.

Auf dem diesjährigen internationalen tierärztlichen Kongreß, der augenblick­lich in London tagt, ist neben anderen wichtigen Fragen auch die Hundestaupe und deren Bekämpfung sehr eingehend erörtert worden. Vor allen Dingen wurde erneut darüber beraten, welche gemeinsamen Maßnahmen die Staaten ergreifen können, um auch einen noch wirksameren Schuh gegen Die Hundetollwut gewähr­leisten zu können. Interessant waren die Aus­führungen, die die deutschen Tierärzte Dr. Kan­torowicz und Prof. Dr. Hinz von der Der- liner Tierärztlichen Hochschule machten. Diesen ist es gelungen, ein wirksames Serum gegen die Hundestaupe zu finden, mit dem bei Versuchen in der Berliner Tierärztlichen Hochschule schon außerordentlich gute Ergebnisse erzielt werden konnten.

3m Faltboot von Frankfurt nach Barcelona.

Die Sportsleute Wagner, Schloen und Stock­mann, die am 15. Juni mit einem Faltboot von Frankfurt a.M. abgefahren waren, find, wie aus Barcelona gemeldet wird, dort eingetroffen. Sie wollen bis nach Sevilla weiterfahreu.