Nr. 197 Erstes Blatt
180. Jahrgang
Montag, 25. August 1950
Giehener Anzeiger
Dnirf und Verlag: vrühl'sche UniverNILIr-vuch. unö Stehtörnderei B. £awge in Gießen. Sdfriftkttung und GefchästrNelle: Zchnlftraße 7.
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Andrees Tragödie in der Arktis.
Oer erste Polflieger. - Andrees Unternehmen vor 33 Fahren. - Ein kühnes Wagnis mit dem Tode bezahlt. - Oer traurige Kund im Eise der Arktis.
DiT NachrrHt, daß die Leiche des Nordpol- flieget» Andree und feines Begleiter- eben von einem norwegischen Srpeditioirsschiff gefunden wurde, erinnert an da- tragische Schicksal der ersten Nordpolunternehmung, die es wagte, dem Pol durch die Luft zu nahen. Andröe, 1854 zu Grenna in Schweden geboren, besuchte die technische Hochschule in Stockholm und beschäftigte sich früh mit Ballonreifen, deren einige er über Gotland, Finnland und die Ostsee unternahm. Hierdurch ermutigt, plante er den Dallo n f lu g nach dem Pol, al- die „Fram" Nansen- im August 1896 an Spitzbergen von ihrer berühmten Expedition zuruckkam. Seine mit größter Energie durchgeführte Unternehmung stieb zunächst auf groben Zweifel, aber er muhte alle $inbemiffe zu überwinden, und die umfassenden Borbereitungen wurden schliehlich eine Angelegenheit de- ganzen schwedischen Bolke-, das durch Sammlungen die für den Bau de- Ballon- nötigen 130 000 Kronen mit aufbringen half: die Hälfte der Summe hatte Alfred Nobel, ein Diertel König Oskar von Schweden gezeichnet. Als der gefüllte Ballon 1896 in einer riesigen Halle auf der Däneninsel am Ufer der Noten Dai untergebracht war, da wartete Andree mit seinen beiden Gefährten vergeben- aus die günstigen Südwinde, die ihn über den Pol tragen sollten: er muhte unverrichteter Sache nach Stockholm zurückkehren, kehrte aber schon im Frühjahr 1897 auf die Däneninsel zurück.
Aber al- er am 11. 3ult endlich mit dem Ingenieur Fränkel und dem Physiker Strindberg die Gondel des Ballon- zur Absahrt betrat, da stand schon ein ungünstiger Stern über dem Unternehmen. Bon den riefigen Schlepptauen, mit denen er sich gewissermahen immer mit einem Fuh auf der Erde halten wollte, muhte er im letzten Moment mehrere hundert Meter zurücklassen: der Ballon fließ an die Halle und sank infolgedessen, so dah man neun Ballastsäcke abwerfen muhte. Dann aber schwebte schliehlich der „Adler" — wie der Ballon hieh — nach Norden fort, ward kleiner und kleiner und verschwand im lichten Aether. Bon den 5 0 'Brieftauben, die Andree mitgenommen halte, kehrte nur eine nach vier Tagen zurück und meldete, dah der „Adler" nach 46 Stunden noch flog und sich an Bord alle» wohl befand. Das war die einzige und letzte Nachricht.
Der Flieger hoffte, sein Ziel, die Küste von Sibirien, bei glücklichem Verlauf des Fluge- in 115 Stunden zu erreichen. Was aus ihm geworden, ahnte niemand. Man nahm nach den damaligen klimatischen Verhältnissen an, dah der Ballon nach Spitzbergen oder Franz-Ioseph-Land getrieben worden fein müsse, wo auch Proviantniederlagen errichtet worden waren, aber die verschiedenen NettungSexpeditionen, die unter Weltmann nach Franz-Ioseph-Land. unter Nath- horst nach Ostgrönland, unter Peary nach dem Smith-Sund und unter Etadling nach Sibirien ausginaen, führten zu keinem Ergebnis. Die Gillis- oder White - Insel an der Südseite des Franz-Ioseph-Landes, auf der jetzt die Entdeckung Sicht worden ist, wurde damals nicht betreten.
egen tauchten immer neue Gerüchte auf. So ten Schiffer den Ballon im Weihen Meere treibend gesichtet haben, andere hatten Flintenschüsse gehört, die von einer Eisscholle nahe der Küste Grönlands tarnen Verbannte auf Sachalin teilten mit, sie hätten den Ballon als einen dunklen Punkt am Himmel hängen sehen. Die Fahrt Andrees wurde so zur Mothe, die die Menschheit immer weiter beschäftigte.
Unter den vielfachen Behauptungen, Spuren gefunden au haben, machten besonders zwei grohes Aussehen. Om November 1W8 meldete der Kapitän Thalker des amerikanischen Schisses .Pelops". dah er im nördlich st en Teil Labradors unweit der Küste am Kap Mugsord ein einfaches Kreuz mit dem Namen Andree gefunden habe: unter dem Kreuz habe eine Leiche gelegen sowie ein Kasten mit Papieren. Die Nachricht, die mit großer Bestimmt- ßeit auftrat, wurde schon damals mit Zweifel auf genommen, denn Andree befand sich, als er die einzige Taubenpost ablieh, auf 82 Grad nördlicher Breite und 15 Grad westlicher Länge: es erschien also sehr unwahrscheinlich, dah er in eine Gegend unter dem 58. Breitengrad und 62. Längengrad gekommen fein sollte.
Dafür tauchte 1910 eine andere wahrscheinlichere Geschichte auf, die man geglaubt hat, bis fic jetzt auch in das Reich der Fabel verwiesen worden ist. Unter den Eskimos Grön- 1 a n d s erfuhren Trapper und Missionare eine merkwürdige Sage, die mit dem Ballonflug des Schweden in Zusammenhang zu stehen schien. Die Sskunos erzählen, dah sie ein .grohes Weihes Haus" in den Wolken erbt i d t hätten, das langsam daherfuhr und schließlich herunterkam. Sie sahen, wie weihe Männer, in Pelze gehüllt, aus dem Hause her- austraten. Da nach dem Eskimoglauben der Himmel von bösen Geistern bewohnt ist, so erwartete man von den Ankömmlingen nichts Gutes und die Furcht vor ihnen stieg, als sie mit merkwürdigen Geräten, die sie in der Hand trugen. Remitiere auf weite Entfernung töteten. Der
Links: Der Freiballon fernen", mit dem Andrse den Nordpol erreichen wollte. — Rechts: Der schwedische Ingenieur August Andrse, der seit 1897 mit zwei Begleitern verschollen war.
dabei erfolgende Knall erinnerte sie an den Donner, und die ganze Sache war ihnen so unheimlich, dah sie sich zusammenrotteten und die fremden Dämonen erschlugen. Diese Eskirnoge- schichte von dem .weihen Haus" und den „bösen Dämonen" ist auch noch von einem so vorzüglichen Kenner der Eskimos, wie Knud Rasmussen, als Erklärung für da- Schicksal An- dröes und der Seinen herangezogen worden, zumal er in Nordgrönland einen Eskimoschlitten entdeckte, der mit Ballonstoff bespannt war.
Was sagen die Polarforscher?
Oslo, 24. Aug. (Tel.-Un.) Der bekannte norwegische Flieger Risser Larsen, der die Der- hältnisse im Polargebiel gut kennt, erklärte zu der Nachricht über die Auffindung der Leiche des Polarforschers Andc.ee und seines Lagers, dah die „Weihe Insel" gewöhnlich mit einer dicken Eisschicht bedeckt sei und daß in diesem Sommer eine derartige Anstauung des Eises ftattgefunben habe, wie noch nie. Damit sei das späte Auffinden des Lagers zu erklären. Bei den Nachforschungen nach der verschwundenen Arnundsen- Erpedition im vorigen Jahre sei das norwegische Schisf Desle Kari in den Gewässern um die „Weihe Insel" gewesen. Damals sei die Insel jedoch völlig mit Eis und Schnee bedeckt gewesen.
Der norwegische Polarforscher Dr. Knud Rasmussen, der Andröe sehr gut kannte, äußerte u. a.: Es fei durchaus möglich, dah die Tagebücher, die gut aufbewahrt waren, selbst nach so vielen Jahren leserlich sein könnten. Als An- bree startete, flog er in nörblicher Richtung mit einer Geschwindigkeit von etwa 35 Kilometer. Er hätte den Pol in etwa 24 Stunden und die
Deringftrahe in etwa 80 Stunden erreichen können. Andree habe kurz vor seinem Flug Fridtjof Nansen gefragt, waS er von dem bevorstehenden Fluge halte, und ob er ihm einige Saten_ über die Windverhältnisse am Pol geben könne. Nansen habe damals dringend ab gerat en, da er geglaubt habe, der Flug sei mit den technischen Miteln der damaligen Zeit nicht ausführbar gewesen. Andröe hätte sich aber bereits so feftgelegt, dah er feinen Flug nicht aufgeben wollte. Aus die Frage, ob vielleicht eine Verwechslung zwischen Andrees und Nobiles Leuten vorliegen könnte, erklärte Rasmussen, daß er daran nicht glaube, da die Tagebücher nach den vorliegenden Nachrichten wohlerhalten aufgefunden feien.
Es wird angenommen, baß die Expedition auf demEiselanden muhte und daß die Mitglieder dann den Ballon getragen Haden und in südlicher Richtung auf White Island über Treibeis notgedrungen find. Infolge der starken Strömung wurden weder im Zelt noch in der Hütte, noch im Lager irgendwelche Spuren von Lebensmitteln gefunden, aber in der Nähe des einen Schlittens das Skelett eines Eisbären, den Anbiss und feine Kameraden anscheinend erlegt haben. Es wird weiter Der- mutet, dah fienur nodjein paar Tage, nachdem sie White Island erreicht haben, am Leben geblieben find. Die norwegische Expedition baute ein Grabmal aus Steinen an der Stelle des traurigen Fundes. Die schwedische Regierung hat beschlossen, ein Äricgsfthiff in bie Arktis zu ent- senden. Das Schiff soll der „Bratvaag", auf der Dr. Horn die Leichen der Andräe-Expedition zurück- bringt, entgegenfahren. Die Leichen sollen dvnn auf das Kriegsschiff übernommen und nach Stockholm gebracht werden, wo ein Staatsbegräbnis statt finden wird.
Die Reichsregierung im Wahlkampf.
Schiele spricht in Magdeburg für die Landvolkpartei.
In Magdeburg sprach der Reichsminister Dr. h. c. Schiele, der bereits vor dem Kriege als konservativer Abgeordneter und feit 1919 als deutschnationaler Abgeordneter den Wahlkreis 10 Magdeburg-Anhalt im Reichstag vertreten hat, und der letzt als Spitzenkandidat der L a n d v o 1 k l i ft e in Magdeburg ausgestellt ist, zu feinen Wählern. Um das deutsche Landvolk geschloffen auf den Weg der Rettung durch a k - tive. verantwortungs bewuhte Mitarbeit führen zu können, haben wir schweren Herzens die Trennung von der Deutsch- nationalen Partei vollzogen, in der wir bi- zum 18. Juli die wirksamste Vertretung unserer landwirtschaftlichen und damit untrennbar verbunden auch unterer staatspolitischen Forderun-
n erblickt haben. Den Gedanken, aus denen raus in Deutschlands schwersten Tagen die
Deutschnationale Partei gegründet wurde, bleiben wir treu. Aber wir trennen uns von denjenigen, die sich mit ihrem Wollen in nebelhaften Femen bewegen, statt im Sturm der Zeit auf d i e Schanze zu steigen und den Grund und Boden zu verteidigen auf dem ein neues und lebensstarkes Deutschland erstehen soll. Untere Ausgabe ist es, der Gegenwart, so lebensfremd sie uns auch manchmal scheinen mag, unsere Kraft zu leihen und sie zu erhebm über den dürftigen Standpunkt einer aivmisieren- den, mechanischen Weltanschauung. Schiele schloß
seine Rede mit der Parole des Landbunde-: Heran an die Verantwortung, heran an die harte Ausgabe, die vor uns liegt und die uns die Rettung bringen soll, heran an den Wiederaufbau unseres Vaterlandes!
Treviranus spricht für die Konservativen in Bremen.
In Bremen sprach Reich-Minister Trevira- nuS als Spitzenkandrdat der Konservativen Dolksparteifür den Wah.kreis Weser- Ems: Seine Rede über den polnischen Korridor habe darum einen solchen Widerhall in der Welt gefunden, weil die Well darüber erstaunt gewesen sei, dah ein Vertreter eines wehrlosen Volkes trotz der fehlenden Wacht zu sagen wage, was er enchfinde. Die Verhandlungen über ben Boungplan hätten ein Jahr zu früh ein- geletzt. Er selbst habe sich mit aller Energie dagegen gestemmt. Heute schon würden die deutschen Unterhändler den gegnerischen mit ganz anderem Rückhalt gegenüberitefjen. — Der Redner forderte dann eine Reform der Ge - meindesinanzen durch Umbau der ®e- meindeselbstverwaltung und Abbau der bisherigen Politisierung auch der kleinsten Gemeinschaft als Grundbedingung für eine Gesundung der Reichsfinanzen. Nur durch eine Beseitigung der öffentlichen Zwangswirtschaft könne man zu gefunden inneren Verhältnissen gelangen. — Auf Zwischenrufe auS der Derfammlung, die dem Redner Treubruch und
Verrat vorwarfen, erinnerte er daran, daß von den 78 früheren deutschnationalen »Reichstags- abgeordneten nur 35 bei der alten 5irmi geblieben feien. Die Weimarer Verfassung, deren Inhalt aus vier ausländischen Verfassungen zusammengetragen sei, sei nicht organisch und müsse umgebaut werden.
Gtegerwald spricht in Karlsruhe für das Zentrum.
In Karlsruhe sprach in einer Zentrumsoersamm- luna Reichsminister Dr Stegerwald über Wirt- Ichufts- und Sozialpolitik. Er betonte, daß für die nächste Zeit ein Doppelte» notwendig fei: 1. die deutsche Landwirtschaft muh zur dauernden Rentabilität gebracht werden, damit sie einmal mehr Menschen auf dem Lande f e ft t> a (• ten kann und weiterhin kaufkräftig wird, so dah sie die einheimischen industriellen Erzeugnisse kaufen kann: 2. unsere gesamte Wirtschaftspolitik muh so gestaltet werden, dah in absehbar-«» Zeit 15 bis 18 Mill. Menschen vom deutschen Außenhandel leben können Der Wahlkampf gehe darum, ob wir den Willen, den Mut und die Entschlossenheit aufbringen, Staat und Wirtschaft unter allen Umständen in Ordnung zn bringen. Beide mühten als Einheit angesehen werden. Da es u n m öa I i ch sei, neue Steuern aufzutreiben und die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung beliebig zu erhöhen, bleiben nur Einsparungen auf der ganzen Linie und Drosselung der Ausgaben übrig Die Lage fei sehr ernst: trotzdem könnte sie gemeistert werden, wenn wir wollten. Das deutsche Volk mühte sich nur solidarisch als eine Einheit fühlen lernen. Sparsamkeit auf der ganzen Linie beim Reich, den Ländern und den Gemeinden sei jetzt da» Gebot der Stunde. Das Reich habe diesem Problem bereits Rechnung getragen durch die Streichung von 150 Millionen im laufenden Etat. Der nächste Reichsetat werde um weitere 200Millionen zusarnrnenge strichen werden. Die Länder und Gemeinden würden sich zu ähnlichen Mah. nahmen schon durch den Ausfall an Einnahmen gezwungen sehen. Notwendig sei auch der Abbau der Produktion »hemmenden Steuern. Die auf eine Senkung der Steuersätze abzielenden Gesetzentwürfe würden dem Reichstag im Herbst vorgelegt werden Dor allem notwendig fei ein arbeitsfähiger Reichstag, die Reichsregierung fei nicht gewillt, die Zügel schleifen zu lassen.
Blutige Zusammenstöße in Bunzlau.
Mit Steinen gegen die Polizei. — Drei Tote und ,echo Schwerverletzte.
3m Bunzlauer Odeon-Saal fand eine groß« nationalsozialistische Wahlversammlung statt, wobei es zu schweren Zusam- men st ö he n mit Kommunisten kam. Die Zusammenstöße wurden dadurch heroorgerusen, dah die Kommunisten die umliegenden Straften besetzt hielten, so baft die Lage gegen 21 Uhr Ziemlich bedrohlich wurde. Eine eingesetzte Motor- spritze wurde von den Kommunisten schwer bedrängt. Das Personal wurde angegriffen und die Schläuche in einen Teich geworfen. Dem ver- hältnismäftig kleinen Aufgebot der kommunalen Polizei und der Landjägerei gelang es nur mit äußerster Mühe, der andrängenden Menge standzuhalten. Einer nur lOföpfigen Postenkette standen über 1000 Demonstranten gegenüber. Als der Kriminalbeamte Melcher einen der größten Aufwiegler festnehmen wollte, wurde er durch einen Steinschlag zu Boden gestreckt. Sein Begleiter war sofort von der Mcnge umringt, die unter dem Ruf: „Drauf auf die Halunken" unter einem Steinhagel gegen b i e Polizeikette anftürmte. Da der Steinhagel gegen die Beamten immer heftiger wurde und die Demonstranten trotz aller Warnungen der Beamten immer wieder auf die Postenkette eindrangen, muhten die Beamten auf Befehl von der Schuh- muffe Gebrauch machen, da sie sonst überrannt morden wären Die Menge ging darauf zurück, nahm aber nach kurzer Zeit das Steinbombardement gegen die Beamten wieder auf. Erst mit Hilfe der Schutzpolizei aus Görlitz gelang es, die Ruhe wieder herzustellen. Nach dem amtlichen Bericht sind bei den Zusammenstößen drei Personen getötet und sechs verletzt worden, darunter drei schwer. Don den Beamten sind drei durch Steinwürfe erheblich verletzt worden.
Somttaasradau in Groß-Verlin.
2lm Sonntag kam cs an verschiedenen Stellen Grob-Berlins zu politischen Zwischenfällen, bei denen die Polizei einschreiten und Verhaftungen vornehmen muhte. Es handelte sich um nationalsozialistische und kommunistische Demonstrationszüge, bei denen verbotene Uniformen und Verein-abzeichen getragen, Tranparente mit aufreizenden Inschriften mitgeführt, verbotene Lieder gesungen wurden ulw. In Schöneberg muhte die Polizei beim Dorbeiziehen eines nationalsozialistischen Derrronstrationszuges zur Vermeidung von Zufammenstöhen das dort gelegene kommunistische Versammlungslokal absperren. Die Beamten wurden aus dem Lokal heraus mit Bierseideln, Kaffeekannen und Tassen beworfen. In dem Lokal wurde ein Beamter von einem Rädelsführer derart bedrängt, dah er von dem Seitengewehr Gebrauch machen muhte. Auf dem Kaiser- Wllhelm-Platz bildete sich eine Ansammlung von etoa 300 Kommunisten, die unter Anwendung bon Gummiknüppeln zerstreut wurde. 3u


