Ausgabe 
25.7.1930
 
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Nr. 172 Erstes Blatt

180. Jahrgang

Sreitag, 25. Juli 1950

Erschein, täglich,außer Sonntags und Feiertag».

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Die Illustrierte Gießener Familienblätter

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General-Anzeiger für Oberhessen

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Dr. Friede. Wilh. Lange. Derantworllich für Vohtik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THgriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.

Ungeheurer Umfang der Erdbebenkatastrophe in Süditalien.

Fast 2000 Todesopfer. - Fn vielen Gemeinden kein Stein auf dem andern. - Schwierige Bergungsarbeiten.

Ueber 1700 Tote.

Hom, 24.3ull. (ÖIB.) Rach amtlichen 2HH- kilungen beträgt die Gesamtzahl der Toten im süd- italienischen Erdbebengebiet 1778, die der verwun­deten 4264. Vollkommen eingestürzt sind 3188 hau- ser. 2757 Häuser wurden beschädigt, von den Bergungsarbeiten im Erdbebengebiet werden tra­gische Szenen berichtet. GanzeFamiliensind um» Leben gekommen. Line Frau war müh­sam lebend au» den Irümmermaffcn befreit wor­den. Bevor sie jedoch weggetragen werden konnte, trat plötzlich ein Nachbeben ein, ein Quader­block kam ine Rollen und zerfchlug der Frau den Schädel. Auch unter dem Retfungsperso- n a l, da» unter Einsetzung des eigenen Lebens sich um die verunglückten bemüht, sind bereits Opfer zu verzeichnen. Die im Hauptbebengebiet fast völlig zerstörten Gemeinden bieten einen trostlosen, er­schütternden Anblick. Abgesehen von den sehr weni­gen erdbebensicher gebauten Häusern sind eine ganze Zahl von Gebäuden nunmehr Stein- und Schutthaufen, aus denen gespensterhaft die dicken, hohen ITlauern jahrhundertealter Paläste herausragen. Auch der Schaden an den Kirchen ist sehr grob. Line beträchtliche Anzahl von Kirchen ist in sich zusammengebrochen und in Stein- und Schufthausen verwandelt. 3n dem Dorfe San Bar­tolomeo, in dem faft kein Stein auf den anderen geblieben ist, wurde seltsamerweise ein mittelalterliches Schloß von dem Erdbeben oer- schont. Die Wirkung de» Erdbeben» in dem Hauptgebiet war überall so stark, daß fast alle Häuser, selbst wenn sie den heftigen Stützen stand- hietten, bedenkliche Mauerrisse zeigen. 3n einzelnen Gemeinden, wie Aquilonia und Villanova, in denen kein Haus mehr be­wohnbar ist, gibt es keine einzige Familie, die nicht mindestens eines ihrer Mitglieder unter den loten zu beklagen hat. viele Paläste R e a p e l » , so auch der Privatsih des Kardinal-Lrzbischofs Ascalesi sind beschädigt. Aus Lapri und den dem Golf von Jleapel vorgelagerten 3nfcln wird kein Schaden gemeldet. Die Bevölkerung Neapels, die auch in der vergangenen Nacht zum Teil im Freien blieb, begab sich gestern den ganzen Tag hindurch in dichten Scharen in die Kathe­drale, um den Neapeler Stadtheiligen Gennarv zu verehren. Zwischen 4 und 7 Uhr wurde auf dringendes verlangen der Bevölkerung seine in feierliche Gewänder gehüllte Statue a u f dem D o m p l a tj a u f g e ft e 111, die die Waffen weinend und betend umgaben.

Oie Hilfsaktion.

Rom. 25.3ulu <WTB. Funkfpruch.) Die Be­richte der Morgenblätter aus dem Erdbeben­gebiet geben ein anschauliches Bild von der ein­geleiteten Hilfsaktion, für die die einzelnen Heeresverbände mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln und Menschenkräften heran­gezogen worden sind. Nicht weniger als 60 000 Tieberlebende müssen im Hauptbebengebiet unter­stützt, verbunden und mit Nahrungsmitteln ver­sorgt werden. Militärambulanzen von Hilfs- spitälern wurden eingerichtet, Medikamente aller Qltt in großen Mengen herbeigeschafft. Den traurigsten Anblick bietet M e l f i. das ganz wie eine völlig zerschossene Stadt hinter einer Kampf­front ausfieht. BiS jetzt sind 150 Leichen im Dom von Melfi eingesegnet und zur D o - stattung freigegeben worden. Da der Friedhof von Melfi die Loten nicht fassen kann, muhte ein Schiff mit der traurigen Last von 200 Toten nach Potenza geleitet werden. Man fürchtet, daß aus den Trümmern, besonders in den bis jetzt nur schwer zugänglichen Dörfern, noch eine erhebliche Anzahl von weiteren Opfern geborgen werden müssen. Aus allen Gemeinden wird gemeldet, dah die Häuser, soweit sie dem Erdbeben nicht sofort zum Opfer gefallen sind, vielfach von Einsturzgefahr bedroht und damit unbewohnbar sind. Auffallend viele Kirchen muhten wegen Einsturzgefahr ge­schlossen werden. 3n Aeapel hat gestern unter lebhafter und zahlreicher Beteiligung der Be­völkerung und der Behörden die Beerdigung Der Erdbebenopfer Reapels stattgefunden.

Erkundungsflugzeuge über dem Erdbebengebiei. Rom, 24. 3uli. (TTl.) Aach den bis Donners­tagmittag vorliegenden Meldungen aus dem Erdbebengebiet muh mit einem w e i t e r en Steigen der bisher bekanntgewor- denen Verlustziffern gerechnet werden. Da die Telephon- und Telegraphenlinien stellen­weise unterbrochen waren, hat man erst ver- hältnismähig spät von den verheerenden Folgen des Erdbebens in einer Reihe dichtbevölkerter Ortschaften erfahren. Während bislang ange­nommen wurde, dah Melfi in der Provinz Potenza am stärksten mitgenommen war, steht jetzt fest, dah der südöstliche Teil der

Kreuzungspunkten kampiert die obdachlose Bevölkerung, teilweise stumm vor Schmerz, teilweise laut jammernd. Die Kinder, die von der Schwere des Unglücks, das ihre Heimat betroffen hat, noch keine richtige Vorstellung haben können, weinen in dem allgemeinen Durcheinander und flehen um Hilfe. Stellenweise sieht man Leute, die wahnsinnig an den cin- gestürzten Häusern graben in der Hoffnung, die Bergungsarbeiten befchleunigen zu können. Ein aus Villanova gebürtiger 3ngenieur, der mit dem ersten Hilfszug eintraf, um bei den 'Ber­gungsarbeiten zu helfen, fand unter den Trüm­mern seines elterlichen Hauses seine tote Mut­ter. Eine herzzerreihende Szene spielte sich ab, weil man bem3ngenieur kurz zuvor versichert hatte, dah seine Mutter bereits vor dem Erdbeben das Haus verlassen hatte.

Provinz Avellino, also Dillanova, Aqui- uma und Umgebung im weiteren Mähe betroffen wurden. Gemäh den Vorschriften für Ratur- katastrophen hat das Luftfahrtministerium das betroffene Gebiet von Erkundungsflug­zeugen überfliegen und photographische Aufnahmen anfertigen lassen. Rach den Be­richten der Flugzeugführer haben auch im Mit­telpunkt des Erdbebengebietes zahlreiche Ort­schaften das Erdbeben verhältnismähig gut überstanden. Die Bergungsarbeiten werden tn- zwischen mit den zur Verfügung stehenden Kräf­ten fortgesetzt. Es scheint jedoch, dah noch nicht ausreichende Hilfs ko lonnen zur Stelle sind. Die A u s rn a h e des verheerenden Erd­bebens sind erst zu spät richtig erkannt worden, die Strahen sind ü b e r f ül lt von Autokolonnen. Verwundetentransporten. An den

Blick auf den Golf von Salerno, das schwer unter dem furchtbaren Erdbeben litt.

Ai»'«- . .

Der Erdbebenherd: Wachen und Wirkung.

Don Or. Carl Olbers.

3n den groben Erdbebengebieten der Welt vergeht kein Fahr, fast möchte man sagen: kein Monat, ohne dah die Seismographen Erschüt­terungen des Untergrundes verzeich­nen. Die Stötze, die aus dem 3nnem der Erd­kruste an die Oberfläche gesendet werden, sind zum Glück meist zu schwach, als dah sie nen­nenswerten Schaden anrichteten. Zuweilen reichen sie gerade aus, um von den Erdbebenwarten als leichte Schwingungen registriert zu werden. Wenn sie sich etwas verstärken, werden sie schon von sehr empfindlichen Menschen wahrgenommen ^ns

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Eine neue Karte des Unglucksgebietes.

Erdbeben ist noch immer harmlos, wenn nur die Bilder an den Wänden zu schwingen beginnen, Uhren stehen bleiben und Schläfer im Bett er­wachen. 3n den Zeitungen wird jedoch gewöhnlich nur von solchen Erschütterungen berichtet, bei denen zumindest Risse in den Häusern entstehen, Baumstämme abbrechen, Schornsteine einstürzen. Die großen Katastrophen, die zur Ver­nichtung von vielen tausend Menschen, zur Zer­störung von Städten, Aur Hebung oder Senkung ganzer Landstriche führen, sind, verglichen mit der ungeheuren Zahl kleiner Erdstöße, ä u h e r st selten und meist auf bestimmte Erdbeben­gebiete beschränkt.

On Europa treten katastrophale Beben eigent­lich nur auf dem Balkan, besonders in Grie­chenland. und auf dem südlichen Teil der A p e n- ninhalbinsel auf. Die alten Kulturgebiete Siziliens. Apuliens, Kalabriens und der Cam­pagna. die in jedem 3ahr von vielen taufenb Deutschen bereist werden, haben im Laufe der Geschichte furchtbare Raturereignisse über sich er­gehen lassen müssen. Kaum ein Ort, der nicht dreimal, viermal zerstört worden wäre! Dabei erfolgen die vernichtenden Stötze immer wieder von Zentren, die sich nur auf eine gewisse Zeit beruhigen, um nach einer Reihe von Fahren er­neut dieselben Gegenden zu bedrohen. Ein solches besonders gefährliches Gebiet ist z. B. die Straße von Messina: sowohl auf der sizilianischen Seite wie in der Umgebung von

Reggio zuckt die Erdrinde immer wieder, und wer sich etwa in Messina dauernd niederlätzt, kann mit Sicherheit daraus rechnen, im Lause weniger Fahre zumindest mehrere leichte Erdbeben mit- erleben zu können. Ein anderes Erdbebenzentrum ist der M o n t e V u l t u r e , ein erloschener Vul­kan, in dessen unmittelbarer Rachbarschaft die beiden soeben nahezu vernichteten Städte Melfi und R i o n e r o liegen. Aus lange zurückliegen­der Zeit sind die Berichte über Erdbeben dieser Gegend natürlich ungenau und nicht ganz zuver­lässig: immerhin besitzt man Aufzeichnungen, aus denen hervorgeht, dah rings um den Dulture die Erde in der Zeitspanne von 981 bis 1910 in 27 Fahren heftig erschüttert wurde.

Besonders verheerend war in neuerer Zeit der Stotz vom 14. August 1851; bei diesem Erd­beben gingen allein in Melfi 700 Menschen zu­grunde. Dieselbe Gegend, die jetzt unter dem Erdbeben so heftig zu leiden hat, wurde am 5. Dezember 1456 von mächtigen Stößen schwer erschüttert. Auch damals spürte man die furcht­baren Schwingungen in Reapel und in Foggia. 3n einer Minute sollen damals 30000 Menschen den Tod gefunden haben. Am 5.3uni 1627 wurden in Benevento und der fruchtbaren Umgebung dieser Stadt etwa 20 000 Menschen erschlagen, nachdem schon kurz vorher in einiger Entfernung 4000 Menschen bei einem Erdbeben getötet worden waren. Die runden Ziffern, die überliefert worden sind, lassen frei­lich darauf schließen, daß die Zahl der Toten nur geschäht worden ist, und solche Schätzungen früherer Zeiten gefielen sich gern in lieber» treibungen. Am 8. September 1649 verheerte ein Erdbeben die Gegend von Avellino und die Basilicata, also Landstriche, die auch diesmal schwer heimgesucht toutben. Grausig war das Erdbeben von Kalabrien , dem im Fe­bruar 1783 nahezu 30 000 Menschen zum Opfer fielen. An jenem 5. Februar wurden zahlreiche Ortschaften vollständig verstört'. 3m 3ahre 1857 entstand der größte Schaden in der Umgebung von Salerno und in der Basilicata; man be­klagte damals 12 000 Zote. Freilich sind alle diese Erdbeben nicht fo furchtbar gewesen wie die schweren Erschütterungen, die das östliche S i - z i l i e n mehrmals betroffen haben. Das größte Erdbeben, das 3talien wohl jemals erlebt hat, vernichtete im 3ahre 1693 im Bannkreis des Aetna 54 Städte und 300 Dörfer. Sizilien ver­lor 300 000 Menschen, und allein in Catania muh­ten 18 000 Tote begraben werden. Kalabrien auf der andern Seite ber Straße von Messina, wurde wie schon erwähnt, besonders schwer im 3ahre 1783 betroffen; fünf 3ahre hindurch kam dieser äußerste Zipfel der Apenninhalbinsel damals nicht zur Ruhe. Seither haben sich die Kata­strophen dort in gewissen Zwischenräumen i m - mer wiederholt, und zuletzt waren diese Landstriche in den Fahren 1905, 1907, 1908 und 1913 furchtbaren Zerstörungen durch unter­irdische Gewalten ausgesetzt. Am 28. Dezember 1908 wurden in Messina durch ein grausiges

Erdbeben und eine gleichzeitig einsetzende Spring­flut 83 000 Menschenleben vernichtet; die Be­völkerung Reggios und der benachbarten Städte, die Bewohner der gesamten Küste an der Straße von Messina wurden dezimiert. 1913 erschütterte ein neues Erdbeben dasselbe Gebiet. Roch heute hat sich Messina von der Katastrophe vor 20 Fahren nicht ganz erholt.

Richt nur Süditalien ist Erdbebengebiet. 3m 3ahre 1915 wurde auch der mittlere Teil des Landes von einer schweren Katastrophe betroffen, und mehrere hundert Orte wurden damals beschädigt. Die Stadt Avezzano ist sogar vollkommen zerstört worden. An jenem 13. Ja­nuar 1915 starben in Mittelitalien etwa 28 000 Menschen. Fünf Fahre daraus zitterte die Tos­cana, und am Reujahrstag 1926 spürten Triest, Venedig und der nördliche Teil des Apennin bis hinunter nach Florenz heftige Erdstöße. Aber die schwersten Erdbeben ereignen sich doch regel­mäßig nicht im nördlichen, sondern nur im süd­lichen Ftalien. Schon vor mehr als zwanzig Fahren hat einmal der Wiener Professor Süß die Tleberzeugung ausgesprochen, daß ganz Tinter­italien vom Golf von Gaeta und Monte Gargano südwärts und dazu ganz Sizilien eines T a g e s vom Meer verschlungen werden könnten« Rach der Ansicht des Wiener Forschers muh sich in beträchtlicher Tiefe zwischen dem erlosche­nen Vulkan Monte Dulture und dem noch immer tätigen Vulkan eine gewaltige Höhlung befinden, die hinabreich^n soll bis zur Meerenge von Messina, und die Erdbeben werden durch! häufige Einstürze in diesem Hohlraum hervor­gerufen. Es ist dies eine Theorie, die vorläufig unbeweisbar ist, und an die man glauben kann oder nicht. Tatsache ist jedenfalls, daß in Süd­italien nicht nur die Vulkane gefährlich find, sondern auch die unausgeglichenen Spannungen in der Erdrinde, die zu furchtbaren Debenkata- strophen führen. Sicher ist ferner, dah der schon in vorhistorischer Zeit erloschene Monte Dulture, der einst gewaltige Mengen Lava ausgeworfen hat, bei diesen Beben in irgendeiner Weise eine gefährliche Rolle spielt.

Der materielle Schaden, der durch die Erd­beben entstanden ist, wird sich nie berechnen lassen. Was ist die Stadt Messina wert? Wie soll man auch nur den Wert der Kunstwerke schätzen, die bei italienischen Katastrophen ver­nichtet werden! Wenn man sich nun fragt, warum die Menschen nicht so gefährliche Gegenden mel­den, so ist die Antwort sehr einfach: gerade das vulkanische Süditalien ist ein besonders fruchtbares Land. Auf dem Lavaboden gedeihen die Ernten besonders üppig, und die Straße von Messina wird von herrlichen Gär­ten eingerahmt. Bis zur halben Höhe des DesuvS haben sich Menschen angesiedelt, sogar der Strom­boli, ein Felskegel, der mitten aus dem Meer auftaucht und ununterbrochen in Abständen von ein bis zwei Stunden Eruptionen hat, ist von 2000 Menschen bewohnt. Aus der vulkanischen Ratur des Landes machen die Bewohner ein Geschäft. Sizilien ist der Schwefelliefe­rant der ganzen Welt, und wenn mait Catania oder den kleinen Hafen Porto Gmpe- docke in Südsizilien besucht, so findet man als nahezu einzige Schiffsladungen den grünlich­gelben Schwefel in Säcken verpackt, und Schwefel­staub liegt auf dem ganzen Hafengelände. Dis Insel L i p a r i, auf der jetzt die Derbannten des Faschismus leben, versorgt ganz Europa mit weißem Bimsstein, der dort aus erloschenen Kratern abgebaut wird, und wenn man sich den Ufern Liparis nähert, so sieht man rings um die Küsten Massen von grauem Bimsstein schwimmen. Tleberall gibt es heiße Mineralquellen, überall läßt sich mit den heilkräftigen Wassern Geld verdienen. An die Gefahr denkt der Bauer, der am Fuß des Aetna Apfelsinen und Zitronen pslanzt, nur in dem Augenblick, in dem der Berg­riese in heftiger Tätigkeit ist. Der unruhige Boden raubt nicht nur Güter, sondern schenkt auch neuen Reichtum.

Deutschlands Anteilnahme.

Berlin, 24.Juli. (WTB.) Reichspräsi­dent v. Hindenburg hat dem König von Italien seine und des deutschen Volkes herzliche Anteilnahme anläßlich der Erdbebenkatastrophe zum Ausdruck gebracht. Reichsaußenminister Dr. Curtius hat an den italienischen Botschafter das nachstehende Beileidsschreiben gerichtet:

Ich erhielt mit aufrichtigem Bedauern die Nach« richt von dem großen Erdbeben in Süditalien, das so vielen Ihrer Landsleute Leben und Gesundheit gekostet hat. Ich darf Eurer Exzellenz versichern, dah das deutsche Volk, selber in Betrübnis über zwei verhängnisvolle Heim­suchungen, durch das schreckliche Ereignis tief erschüttert ist und an der Trauer der Hinter­bliebenen aufrichtig teilnimmt. Gestatten mir Euer Exzellenz gleichzeitig, der Anteilnahme der Reichsregierung an dem schweren Unglück herz­lichst Ausdruck zu geben."

Die deutsche Minderheit in Slowenien.

Genf, 25. Fuli. (TTl.) Die deutsche Bevölke­rung der Stadt Cilli in Slowenien (Sübsteier- marfj hat durch Rechtsanwalt Riebel eine Ein­gabe an das Dölkerbundssekretariat gerichtet,