Ausgabe 
25.2.1930
 
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schwindet m einer Zeit, in der auch der asiatische Kaufmann zu modernen Methoden übergehen muh: der Gütertransport nach Rishnij-Rowgorod, der bei vernünftigen HandelSmethoden durch eine Musterschau billig ersetzt werden kann, ist in un­serer Zeit ein Unbing. Seit Jahrhunderten hatte sich der Handelsstand des Ostens an diese In­stitution gewöhnt, und an 300 000 Besucher durchwanderten regelmäßig zur Messezeit die Ba­zare. Während des Bürgerkrieges, in der Zeit des Kriegskommunismus, verfielen die Messe­hallen und die Lagerhäuser. Die frierenden Ar­beiter zogen in die verödete Messestadt, plün­derten alles, was brennbar war, und steckten das Holz in die Oefen. 3m Jahre 1922 wurde wieder mit dem Aufbau der Messe begonnen. Damals beteiligten sich nur 23 orientalische Fir­men an der Ausstellung ihrer Güter: aber zwei Jahre darauf waren es schon 307. Auch die

die Wolgast abt befördert, um dort verkauft und unter Umständen den halben Weg zurück­transportiert zu werden.

Nähert man sich Rishnij-Rowgorod im Auto, so glaubt man aus der Ferne auf eine orientalische Stadt zu schauen. Hunderte von Kuppeln überragen die Wohnhäuser, steile Hügel, von Schluchten unterbrochen, geben dem Ganzen einen landschaftlich schönen Rahmen. Die W o l ga­sch i f f e r , die oft chre Reise in Astrachan be­gonnen haben, die durch deutsche Siedlungen fuhren und kurz vorher in Kasan, der Hauptstadt der Tatarenrepublik anlegten, freuen sich, toeil nun ihre Fracht gelöscht wird und Geld zum Verjubeln in chre Finger gelangt. Aber das Innere der Stadt enttäuscht. Lieblos errichtete Häuser, nur ganz selten ein historisch bemerkens­wertes Gebäude. Der Fremde kommt nur auf seine Kosten, wenn er gerade zur Messezeit dort

Die Srandkatastrophe des haoagdampfers ..München" im Reuyorker Hafen: Das Feuer ist niedergekämpft. Das letzte Aufflackern wird von den Neuyorker Löschbooten abgclöscht

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weilt und nun durch die Bozarstrahe wandert, dos farbenprächtige Kinderspielzeug betrachtend, das in russischen Dörfern entstanden ist, sich an den gold- und silberbestickten Pantöffelchen aus dem Kaukasus freut und von einer schwarzäugi­gen Ukrainerin Süßigkeiten kauft. 3n Lastkähnen, mit den Eisenbahnen und sogar hin und wieder noch im Karawanenzug sind die Stoffballen, der Reis, der Tee, die Felle, die Häute, das kostbare Pelzwerk noch Rishnij-Rowgorod ge­bracht worden. Bauern lassen sich landwirtschast- liche Maschinen erklären, die sie zum erstenmal in ihrem Leben sehen, und in den Lokalen suchen Zigeunerkapellen die Kaufleute zu er­freuen. die mit chrem Geld nicht knausern, wenn die Tscherwonzen auch sparsamer ausgcgeben wer­den als früher die Zarenrubel. Sekt ist in den letzten Jahren in Äishnli-Rowgorod nicht mehr getrunken worden, und das Bergnügungsviertel der Messestadt hat überhaupt an Reiz eingebüßt, seit die Staatswirtschaft an die Stelle des reichen russischen Kaufmanns den Sowjetbeamten gesetzt hat. Die Behörden denken puritanisch, und der Wiederaufbau der Messe sollte nicht dem Ver­gnügen, sondern der Stärkung der Sowjetwirt­schaft dienen.

Run soll die Messe von Rishnij-Rowgorod a b a e s ch a f f t werden. Ein uralter Markt ver­

staatliche Industrie wurde veranlaßt, in den Messehallen ihre Erzeugnisse zur Schau zu stellen, und schließlich konnte sogar das westliche Aus­land wieder heranaezogen werden. 1925 nahmen etwa 5 0 deutsche Firmen-» an der Messe teil, und die elektrotechnische Abteilung wurde fast ausschließlich von deutschen Häusern gestellt. Aber den Russen war weniger an einer Teil­nahme der westlichen Industrie gelegen als an einer stärkeren Verbindung mit dem Orient "

Die radikale Politik Stalins, die seit einiger Zeit in der ©otojetunion mit größter Energie durchgeführt wird, will nun dem privaten Handel einen neuen Streich spielen. Für die Genossen­schaften und die staatliche Industrie sind die Ge­schäfte auf der Messe nicht von großer Bedeu­tung und an einer Forderung der Privat­wirtschaft liegt heute den Russen selbst dann nichts mehr, wenn dadurch ihre Beziehungen zu den Völkern und zu den fernen, von Moham­medanern bewohnten Sowjetrepubliken an den Grenzen Asiens verbessert werden. So verschwin­det eine Institution, die in der ganzen Welt durch ihre Eigenart berühmt geworden war, und eine unersetzliche Drücke zwischen Europa und Asien wird abgebrochen. Rishnij-Rowgorod wird nun eine unbekannte und uninteressante russische Provinzstadt werden.

Stirnen, Sport uni) Spies.

Handvallrunde an der Universität.

An der diesjährigen Handballrunde der Korpo­rationen beteiligten sich insgesamt drei Ver­bindungen mit je einer Mannschaft Adelphia, Darmstadtia. Frankonia. Die Spiele wurden nach dem Einrundensystem ausgetragen. Universitäts- meister des W. S. 29/30 im Handball wurde Burschenschaft Frankonia. Rachstehend die Ergebnisse: Frankonia Adelphia 3:3. Adelphia Darmstadtia 1:1. Frankonia Darmstadtia 8:3.

Spielvereinigung 1900 Gießen.

1900 Gießen 1. $ <£. 02 Frankfurt-Rödelheim 3:0 (1:0).

ö. Trotz des heftigen Nordostwindes ein Spiel voll Schönheit, dazu von ausgezeichneter Fairneß! Beide Parteien lieferten ein glänzendes, ausgegliche­nes Feldspiel. Während die Gäste das schönere, flachere Kombinationsspiel vorführten, spielten die Platzbesitzer ein schnelles, technisch hochstehendes er­folgreicheres Spiel. Die 1900er warteten wieder ein­mal mit einer recht guten Leistung auf. Ueberragenb hielten sie sich besonders in der ersten Spielhälste gegen den heftigen Wind. Die besten Leute waren die beiden Außenläufer. Bei den Süddeutschen ge­fielen die verblüffende Sicherheit des Torwartes und der hervorragende Linksaußen am besten. Die junge Mannschaft spielt zu weich. (5s fehlte die Ent­schlossenheit vor dem gegnerischen Tor. Beide Mann- schäften spielten komplett. Bei den Einheimischen verzichtete der Mittelläufer Langsdorf frei- willig auf die Teilnahme. Sein Platz wurde von Katz gut ausgefüllt. Spielverlauf: Be­günstigt durch den heftigen Rückenwind setzt Rödel­heim sich zu Beginn in der Gießener Spielhälfte fest. Die aufmerksame Gießener Deckung läßt aber keinen Erfolg zu. Sack im Gießener Tor meistert hervorragend die Bälle, die auf sein Tor kommen. Auch zwei Eckbälle bringen den Gästen nichts ein. Schon der erste geschloßene Angriff der Ein- heimischen hätte zum Erfolg führen müssen. Knapp kann der Gästehüter die Gefahr bannen. Einzig­artige Chancen lassen die Blauweißen aber aus bei zwei vorzüglichen Hereingaben des Linksaußen. Die erste lenkt ein Gießener im Uebereifer aus dem Gästetor zurück, bei der zweiten ist man sich nicht einig, wer den sicheren Treffer einschießen soll. In­zwischen sind die Gäste auch nicht müßig und geben der Gießener Hintermannschaft schwere Aufgaben zu erledigen. Zu Erfolgen reicht es aber nicht. Auf sonderbare Weise kommt Gießen zum Führungs­treffer. Eine Steiloorlage des frei gespielten Gieße- ner Rechtsaußen will ein Rödelheimer Verteidiger dem eigenen Torwart zurückschieben, sieht aber nicht, daß dieser schon das Tor verlassen hat. Der Gießener Mittelstürmer setzt nach und schießt ein. Kurz darauf Halbzeit. 1900 spielt in der zweiten Hälfte mit Rückenwind, der allerdings nicht mehr so stark ist. Rach kurzer Drangperiode der Frankfurter kommt Gießen zu einem geschlossenen Angriff, den her Mittelstürmer erfolgreich abschließt. Das Spiel steht 2:0 für die Hiesigen und geht vollständig aus­geglichen weiter. 1900 leitet jetzt fortgesetzt gefähr­liche Angriffe ein. Rach schönem Zusammenspiel bucht der Gießener Halblinke den dritten Treffer und entscheidet damit das Spiel endgültig zugunsten des Platzvereins, da alle Anstrengungen der Gäste zur Verbesserung des Resultats scheiterten. Schieds­richter Philipp (Großen-Buseck) leitete recht gut

1 900s Reserven siegten gegen die l.Elf Steinborfs 2:0. Die Gäste brachten eine scharfe Rote in bas Spiel. Die Begegnung war als Gesellschaftsspiel zu hart. Die Hiesigen spiel­ten zunächst mit dem Wind unb' lagen beim Seitenwechsel 2:0 in Führung, bie sie bis zum Schluß trotz größter Anstrengungen des Gegners nicht abgaben.

Vor bem Ligaspiel sah man die Alten Herren ber Spielveremigung wieder einmal

auf dem Plan. Die Fußballmannschaft deÄ RuderklubsHassia" stellte den Gegner. Bei diesem Treffen spielte der Wind eine be­sonders große Rolle, da beiderseits sehr hoch gespielt wurde. In der ersten Hälfte drängte dieHassia" unb führte beim Wechsel auch 1:0. Vach ber Pause würbe 1900 aber weit überlegen unb siegte schließlich 4:1. Beiberseits waren bie brei Schlußleute ber beste Mannschaftsteil. Da» Spiel war sehr fair. Der Schiri hatte ein leich­tes Amt.

1. Jugend: Auf eigenem Platz konnte sie trotz Ueberlegenheit gegen die spielstarke 1. Igd. des Wetzlarer Sportvereins im Pflicht-- spiel nur ein Unentschieden (1:1) erzwingen. In der ersten Halbzeit hatte W. den starken Wind für sich, 1900 hielt jedoch das Spiel offen. Die zweite Halbzeit brachte, bis auf einzelne gefähr­liche Durchbrüche, ein Spiel vor dem Wetzlarer Tor mit sich, ber blauweihe Sturm war aber nicht energisch genug, um seine Ueberlegenheit in Toren auszubrücken. Die Tore fielen erst kurz vor Schluß. 1900s Mittelstürmer verwandelte durch schönen Kopfball einen Strafstoß, im An­schluß daran glich W. durch Handelfmeter aus.

2. Jugend: Diese weilte in Aßlar zu einem Gesellschaftsspiel gegen die 1. Igd. des dortigen V. f. D. Rach A) Minuten hatte 1900 schon 3:0 gewonnen, wegen der schlechten Boden­verhältnisse ließ der Schiedsrichter aber nicht weiterspielen.

3. I u g end: Sie verlor das Gesellschaftsspiel in Steindorf gegen die 1. Jugend des DD« mit 3:2. In ber ersten Halbzeit hatte 1900 den QBinb zum Bundesgenossen unb erzielte zwei Sore, in der zweiten Halbzeit konnte Steindorf ausgleichen unb durch ein Selbsttor der Gießener den Sieg erringen.

2. Schüler: Sie mußten in Wetzlar den 1. Schülern des dortigen SV. mit 0:1 den Sieg überlassen. Dem Spielverlauf nach hätte 1900 gewinnen müssen, doch fein Sturm versagte vor dem Tor.

B. f. B.

v. f. V. Ockershausen 0:1. (EckenVerhältnis 6:1.)

Die Ligamannschaft unterlag im erster» Entscheidungsspiel um die Meisterschaft bet Gruppe Lahn mit 0:1 und vergab bamit ihre größte Chance. Obgleich sie mit dem knappsten aller Resultate verlor, so ist die Riederlage für sie doch recht peinlich, um so mehr, als sie diesmal den Vorteil des eignen Platzes hatte, während sie zum Rückspiel auf dem gefürchteten Ockershausener Platz antreten muß. Die D. f. D- Elf enttäuschte insofern stark, als sie nach an­fänglich sehr guten Leistungen nachlieh und zum Seil zeitweise auch den ernsten Willen, bas möglichste zu tun, um den Sjeg zu erringen, vermissen ließ. Bei etwas mehr Energie unb Kampfeseifer hätte sie das Spiel für sich ent­scheiden können. Ockershausen zeigte zwar auch keine Meisterleistung, brachte aber entschie­den mehr Eifer und Siegeswillen auf unb war vor allen Dingen auch viel schneller. Den heraus­gearbeiteten Torgelegenheiten nach hätte bas Resultat mindestens in ber gleichen Höhe auch für Gießen lauten können. Schon in den ersten Minuten hatte V. f. B. zweimal sichere Gelegen­heit, in Führung zu gehen, die aber beidemal verpaßt wurde. Gießen war weiterhin im Vorteil unb führte bei flottestem Tempo ein sehr ge­fälliges Kombinationsspiel vor, das ihm eine gewisse Feldüberlegenheit verschaffte, bie aber infolge mangelnder Durchschlagskraft des Stur­mes nicht zu zählbaren Erfolgen reichte. Ockers­hausen wehrte sich mit Schneid und Ausdauer und drückte seinerseits noch auf das ungewöhn­lich schnelle Tempo. Etwa eine halbe Stunde lang war der Kampf äußerst intereffant unb

Die blonde Sklavin.

Vornan von Hermann Weick.

15. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Aber ihr Weinen wurde stärker, verzweifelter. Es war, als bräche in dieser Stunde bie letzte Kraft, bie sie bis jetzt noch aufrechtgehalten hatte, in ihr zusammen.

Schulhofs führte sie zum Divan. Er setzte sich neben sie unb hielt sie umschlungen. All seine bitteren, hassenden Gedanken waren ver­weht.

Plötzlich hob Eva den Kops. Ihre Züge waren wie im Schmerz versteint

,Ich wollte dich noch einmal sehen..sprach sie mit fremder Stimme. .Ich hätte nicht fort« gehen können, ohne aus Deinem Munde zu Horen, daß du nicht schlecht von mir denkst..

Schulhofs sah sie bestürzt an.

Su willst fort, Eva?^

Sin harter, entschlossener Zug war in ihrem Antlitz.

Ich bin auf der Flucht. Ich ertrage dieses Dasein nicht mehr! Der Mann, mit dem du mich gesehen hast, hat mich in seiner Gewalt! Was mich in feine Macht gegeben hat, kann ich dir nicht sagen. Lange habe ich dieses fürchter­liche Leben ertragen: aber jetzt kann ich nicht mehr!"

Sie machte eine Pause. Ein Zittern ging durch ihren Leib.

(Sr wird mich verfolgen, aber lebend bringt et mich nicht mehr in fein Haus zurück!"

Fassungslos hatte Schulhofs ihr zugehört. Gr begriff dies alles nicht.

Eva in ber Gewalt dieses Mannes?... Die Geliebte auf ber Flucht vor diesem Menschen?...

Sr faßte Eva am Arme.

CEer ist der Mann?" fragte er erregt.

Sie gab keine Antwort.

»Ich will ihm gegenübertreten, ich will um dich kämpfen. Eva!... Und wenn ich ihn töten müßte, er muh seine Hände von dir lassen!"

Sie schrak zusammen.

5>u kennst ihn nicht! Er ist viel gefährlicher, als du meinst! Er würde dich vernichten, wenn du dich ihm entgegenstellst!"

3<f> fürchte ihn nicht! Ich will für unser Glück kämpfen!"

Mit wehem Blick umfing sie sein Antlitz.

»Genügt es nicht, daß mein Leben zerstört ist? Soll auch noch das deinige zugrunde gerichtet werden .. durch meine Schuld?"

Schulhofs sprang aus.

Unb ich soll hier tatenlos mitansehen, wie ihres er Mensch dich forttreibt?... Wer ist er?

Sage es mir, Eva!... Kennt er mich?... Weih er, dah du mich liebst?"

Eva Witte schüttelte den Kopf.

Er kennt dicht nicht, Felix... er weih auch nicht, dah du es bist, den ich liebe... Und er soll auch niemals etwas von dir erfahren! Ich hätte sonst keine ruhige Stunde mehr, weil ich dich immer in Gefahr wüßte!"

Erregt ging Schulhofs hin und her. Ohnmäch­tige Verzweiflung peitschte ihn.

Eva Witte trat an seine Seite. Sie legte den Arm um seinen Hals.

Wir wollen uns nicht quälen, Felix! Ich muß meinen Weg gehen! Schlimmer, als es bisher war, kann es nicht werden!"

Ihre Stimme begann zu zittern.

»Rur das eine will ich dir sagen, bevor ich gehe Ich habe dich lieb und werde dich immer lieben! Ich habe anfangs gegen diese Liebe ge­kämpft, ich wollte dich nicht Wiedersehen, weil es ja für uns beide kein dauerndes Glück geben kann. Aber ich muhte immer wieder zu dir kommen!"

Sie rih sich von ihm los und eilte zur Tür.

Eva!" schrie Schulhofs.

Sie drehte sich um. Bebend lehnte sie an der Tür.

Warum machst du es mir so schwer?" sagte sie todestraurig.

Wohin willst du gehen. Eva?"

Ratlos gingen ihre Augen umher.

Irgendwohin ... wo er mich nicht findet."

Schulhofs sprang auf sie zu und riß sie in seine Arme

Ich lasse dich nicht so gehen, Eva! Wenn du fort muht, so will ich mit dir gehen! Du sollst nichi allein sein in deiner Olotr

Ungläubig sah Eva ihn an.

Du willst mit mir gehen?..."

Ich will bei dir bleiben, bis ich dich irgendwo in guter Hut und in Sicherheit weih! Ich will von jetzt ab über dein Leben wachen, Eva! Ge­hören wir nicht für immer zusammen?"'

In überströmender Liebe sah sie ihn an. Hoff­nung keimte in ihrer gemarterten Seele.

Wie gut bist du zu mir! sprach sie dank­erfüllt.

XVI.

Die Ostsee schimmerte im Glanz der Morgen­sonne. Leichter Wind kräuselte die Wogen, die spielerisch zwn Ufer sprangen.

In der Ferne zogen einige Fischerboote träge dahin. Ihre Segel hoben sich scharf gegen den tiefblauen Himmel ab.

Eva Witte räkelte sich im Sand.

Wenn ich nicht zu bequem wäre, würde ich nochmals ins Wasser gehen!"

Schulhofs faßte sie lachend um bie Hüften.

Auf mit dir Faulpelz! Jetzt wird qeschwom- men!"

Sie eilten über den Stranb, stapften durch das Wasser, das mit jedem Schritt tiefer wurde, und schwammen dann ins Meer hinaus.

Ein jauchzendes Frohgefühl war in ihnen. Sie riefen einander zu, schwammen zur Wette mit­einander und bemerkten plötzlich, dah sie in ihrer übermütigen Stimmung weit vom Land ab» gekommen waren.

Zurück!" rief Schulhofs.

Er schwamm zu Eva hin.

Bist du müde?"

Sie schüttelte den Kops unb stieß mit raschen, elastischen Bewegungen vorwärts, so daß sie vor Schulhofs den Strand erreichte.

Lächelnd drehte sie sich nach ihm um. Als er ankam, rannte sie davon, den Strand hinaus.

Aber schnell hatte Schulhofs sie eingeholt. Er riß sie in seine Arme und kühle sie stürmisch. Bebend lag sie an seiner Brust: heiß erwiderte sie seine Küsse.

Dann lagen sie wieder im Sand, liehen sich von der Sonne wärmen und genossen in trun­kener Seligkeit das Glück des Beisammenseins.

Seit fünf Sagen weilten fie nun schon in dem kleinen Fischerdorf. Hier,, wo kaum einmal ein Fremder auftauchte, fühlten sie sich sicher und geborgen.

Wie in geheimer Verabredung sprachen sie nicht von vergangenen Dingen. Unb wenn die Zukunft frageheischend ihr Haupt erhob, so ver­scheuchten sie diese Gedanken.

Sie wollten nur dem Augenblick leben... sich nicht sorgen und quälen... Waren sie nicht glücklich... namenlos glücklich!...

Am Rachmittag wanderten sie stundenlang durch die Dünen. Müde, hungrig kehrten sie am Abend heim.

Run kam ihre schönste Stunde. Wenn sie auf der kleinen Veranda des Hauses sahen, in dem sie wohnten. Langsam senkte sich bie Rächt auf Land unb Wasser herab. Ringsum war Stille. Rur bas leise Rauschen der Wogen, die den Strand heraufliefen, drang zu ihnen.

Alics umher lag jetzt im Dunkel. Aber im Meer, das sich geheimnisvoll draußen ausbrei­tete, spiegelte sich das glitzernde Licht der Sterne.

Eng aneinander gelehnt, sahen Felix Schulhofs unb Eva Witte. Sie gaben sich ganz dem Zau- brischen dieser milden, weichen Sommernacht hin. Rur selten sprachen sie ein Wort. Was hätten sie auch sagen sollen! Wuhte nicht eines um die Gedanken des andern?... teilte nicht eines des andern Fühlen und Sehnen?

Am nächsten Morgen war Schulhofs schon frühe auf Als er vors Haus trat, kam gerade der Briefträger des Weges Er hatte einen einge­schriebenen Brief für Schulhofs.

Erschrc ckt blickte Schulhofs auf das Kuvert, daS von der Hand seines Prokuristen Dendler ge­

schrieben war. Er hatte Dendler vor einigen Tagen seine Adresse für den Fall mitgeteilt, bah im Definben seines Vaters eine Verschlim­merung eintreten ober sonst Wichtiges sich da­heim ereignen sollte.

War ber Vater kränker geworden?

Schulhofs rih den Briefumschlag auf.

In wachsender Erregung las er das umfang­reiche Schreiben. Dein Gesicht zeigte den Ausdruck! größter Bestürzung.

Bendler schrieb, dah die Europabank einen Seil des bewilligten Kredits für das Westen d- Projekt wieder gäünbigt habe: er habe sich sofort mit dem Maller Ricolas in Verbindung gefetzt. Diesem sei daS Vorgehen der Bank ganz unver­ständlich, es müsse unbedingt ein Mißverständnis vorliegen, doch halte Ricolas für alle Fälle die unverzügliche Rückkehr des Herrn Schulhofs für geboten, um auch seinerseits mit der Dank zu verhandeln.

Erregt ging Schulhofs vor dem Hause hin und her.

Das war eine schlimme Botschaft! Ein Teil des Kredits gekündigt... bas brachte unter Um« ftänben sein ganzes Bauprojekt ins Wanken!

Wie kam bie Bank plötzlich zu dieser unbegreif­lichen Maßnahme?... Auch Bendler schien die näheren Ursachen dieses Vorgehens nicht zu kennen, er hätte sonst in feinem Briefe davon gesprochen.

Selbstverständlich muhte er, Felix, sofort nach Berlin zurückkehren I Keine Stunde Länger durfte er säumen, um die Sache möglichst schnell wieder ins Reine zu bringen.

Felix!" klang es da vom Hause her.

Eva Witte erschien unter der Türe.

Sie bemerkte sofort Schulhoffs verstörtes Wesen.

Ist etwas geschehen?"

Er sah die Angst, das Entsetzen in ihren Augen.

Richts Besonderes," antwortete er, um sie zu beruhigen.Ich habe Rachricht von zu Hause bekommen. Geschäftlich llappt etwas nicht recht."

Er zögerte. Es fiel ihm schwer, das Folgende zu sagen:

Ich muh leider für einen oder zwei Tage nach Berlin fahren."

Eva Witte zuckte zusammen. Voll Schreck sah sie Schulhofs an.

Du muht fort?* stieß sie hervor. Dann rasch, wie gejagt von einem dunkeln Verdacht:Handelt es sich wirklich um etwas Geschäftliches, Fäix?.., Ober breht es sich... um mich?..."

Er verstand sie. Sorgsam legte er den Arm um sie.

Du kannst meinen Worten glauben, Eva! Mit unserer Bank ist etwas nicht in Ordnung i Wein Prokurist schreibt mir, daß meine Anwesenheit in Berlin notwendig sei!"

(Fortsetzung folgt)