Nr. 47 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)
Dienstag. 25. Zebruar 1950
den nächsten Wochen die endgültige Klärung dieser Frage gelingen werde. Sodann erinnerte der Redner an die zahlreichen Besichtigungen anderer Viehhöfe, um daraus fruchtbringende Anregungen für das hiesige Projekt zu gewinnen Er wies weiter auf die außerordentlichen Schwierigkeiten hin, die durch die unglückliche Beschaffenheit unserer Bahn- hofsverhältnisse nun einmal gegeben sind, erwähnte die in die Viehhoffrage hineinreichenden Projekte der Lahnkanalisierung, der Güterbahnhofverlegung usw usw. Die Stadtverwaltung sei nicht etwa untätig gewesen, sondern sie habe unablässig gearbeitet an der Durchführung des Projektes und zu diesem Zwecke u. a auch vielfache Verhandlungen mit den verschiedensten Behörden bis hinauf zur preußischen Regierung und zur Reichsregierung, sowie zur Reichsbahnhauptverwaltung geführt. Immer aber seien neue Schwierigkeiten entstanden, die man bis jetzt noch nicht habe überwinden können. An Projektentwürfen seien bis jetzt mindestens 15 für die verschiedenen Arten der ang^strebten Lösungen ausgearbeitet worden. Nach all den vielen Arbeiten sei nun
als vorläufige Lösung eine Regelung dahingehend ins Auge gefaßt worden, daß man einen Platz für den viehhos auserfehen habe, bei dem man zunächst ohne unmittelbaren Bahnanschluß vielleicht auskommen könne. Zu diesem Zwecke sei der Plan entstanden, den Viehhof zu bauen mit zunächst einem kurzen Anmarschweg von der Bahnrampe aus, und im zweiten Telle des Bauprojektes dann den Bahnanschluß selbst herzustellen.
Vielleicht sei es auch der Reichsbahnverrvaltung möglich, bei dieser Art der Lösung tatkräftig mitzuhelfen. Die reinen Hochbaukosten und außerordentlichen Geländeschwierigkeiten, sowie der Grunderwerb machten einen Geldaufwand von nicht unter einer Million Mark erforderlich. Für den zweiten Bauabschnitt, die Herstellung des Gleisanschlusses, sei dann noch einmal eine halbe bis drei Viertel Million Mark
rechnen. Bei der endgültigen Gestaltung des Pro- zektes sei es natürlich von großer Bedeutung, daß der Unkostensatz nicht zu hoch und dadurch für den Viehhandel untragbar werde Es müsse vielmehr eine Lösung gefunden werden, die den Unkostensatz in einem ohne weiteres tragbaren Ausmaß halte.
Die Stadt hab« in den jetzigen Diehmarktplatz in den letzten Jahren noch über 21 000 Mark hineingesteckt. Es sei aber verfehlt, noch mehr Geld dafür
aufzuwenden, richtiger sei es vielmehr, auf da s große Ganze loszugehen, nämlich die Schaffung des Viehhofes, und dazu sei die Unteistützung aller Intorcssei.tenkrcise besonders auch bei der Geldbeschaffung dringend erforderlich. In diesem Sinne appelliere er auch an die Mit» Hilfe der Viehhändler.
Sic weitere .usfprache
brachte die Meinungsäußerungen zahlreicher Red» ner. Präsident Daniel hob besonders hervor, daß die Ausführungen des Beigeordneten Dr. Hamm den Eindruck absoluter Ehrlichkeit seitens der Stadt Gießen gemacht hätten, daß jedoch nach wie vor die Schwierigkeiten in der Geldbeschaf- f u n g noch oestünden. Er teilte dazu mit, daß jetzt von einer am Viehhandel interessierten Seile ein Schritt zur Beschaffung von Geldmitteln für dieses Projekt in die Wege geleitet worden sei. Die übrigen Redner, die Herren L i p p m a n n (Hausen), Kaufmann (Kirtorf), Strauß (Lauterbach) usw., gaben ebenfalls zu erkennen, daß sie von den Ausführungen des Vertreters der Gießener Stadtverwaltung befriedigt waren und daß sie ihrerseits gewillt sind, im wohlverstandenen Interesse aller Interessenten mitzuarbeitcn an der Lösung dieser dringlichen Aufgabe. Im Sinne der einführenden Ansprache des Präsidenten Daniel wurde allgemein der Erwartung Ausdruck gegeben, daß auch die Stadt Gießen weiterhin mit allem Nachdruck sich um die Lösung dieser Frage bemüht und daß die maßgebenden Stellen sich dabei vergegenwärtigen, daß durch den Viehhandel allmonatlich große Geldbeträge in die Gießener Wirtschaft herein st römen, ohne die Stadt deswegen zu einer kostspieligen Fremdenoerkehrs- werbung zu veranlassen.
Das Ergebnis der Bersammlunq
war einerseits der freiwillige Verzicht auf die Annahme einer vorbereiteten Entschließung, anderseits aber die Bekundung der bestimmtesten Erwartung, daß die Stadt Gießen baldmöglich st einen Viehhof schafft, durch den auf dem Gießener Diehmarkt erträgliche Handelsverhältnisse herbeigeführt werden. Die Versammlung bekräftigte nachdrücklich die in diesem Sinne gehaltenen Erklärungen des Präsidenten des Viehhändlerbundes und der übrigen Redner des Abends.
Oberveterinärrat Dr. M 0 n n a r d vom Kreis- veterinäramt Gießen bat die Versammlung um noch etwas Geduld und um volles Vertrauen, und versicherte, daß in Gießen niemand daran denke, diese bedeutsame Angelegenheit irgendwie zu verschleppen.
Viehhändler und Gießener Viehhosprojekt.
Eine überfüllte Viehhändler-Versammlung erwartet baldmöglichst Schaffung des Viehhofes. - Beigeordneter Or Hamm berichtet über den gegenwärtigen Stand der Vorarbeiten.
Eine außerordentlich stark besuchte Dieh» Händler-Deriammlung, die auf Einladung des Präsidenten des Bundes der Viehhändler Dcutlchlands, Hermann Daniel. Koblenz, gestern abend im Saale des Gewerkschafts- hauses stattfand, beschäftigte sich in mehrstündiger Aussprache mit den Verhältnissen aus dem Gießener Diehmarkt, insbesondere mit der Frage der Errichtung eines Viehhos es.
Als Vertreter der hei-sischen Regierung wohnte Ministerialrat Dr. G a 0 0 w - Darmstadt den Verhandlungen bei, die Gießener Stadtverwaltung war durch die Beigeordneten Dr. Hamm und Oustizrot Dr. Rosenberg vertreten, ferner waren Ober-Veterinärrat Dr. M 0 n n a r d und Veterinärrat Dr. Schneider vom hiesigen Kre ^-^'et r n^t'-mt Sch^chkh-'B re't-r^ber-Ve
Berbandsvorfitzendcr Kausmann-Kiriors sprach als Üertreter des Hessischen Viehhändler- Verbandes dem Bundespräsidenten Dank aus für die Einberufung dieser Versammlung und betonte, daß man über den Wert und die Zweckmäßigkeit neuer Einrichtungen aus dem Gießener Viehmarkt nicht mehr zu sprechen brauche. Das Verhältnis zwischen dem Viehhandel und den zuständigen Behörden in Gießen, wie auch bei der Regierung könne nicht besser sein als jetzt. Stets habe man den Wünschen und Beschwerden der Viehhändler willig ein offenes Ohr geschenkt und sei immer bestrebt gewesen, berechtigten Anforderungen nachzukommen. Der Redner bat die Versammlung, im Sinne der Darlegungen des Präsidenten Daniel E frun-i zu nehmen Die
Die erste Ausfahrt der „Europa", des neuen großen Lloyddampfers.
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terinärrat Dr. M 0 d d e und Vertreter der beiden Gießener Tageszeitungen, sowie der Fachpresse zugegen.
Präsident Daniel-Koblenz
betonte in seiner einleitenden Ansprache, daß man diese wichtige Angelegenheit am besten in aller Ruhe und Sachlichkeit behandle. Er begrüßte insbesondere die Gäste und bat sie, mitzuhelfen an der Beseitigung der jetzigen Zustände auf dem Gießener Diehmarkt, die schon so viele Klagen gezeitigt hätten. Die Verhältnisse auf dem Gießener Viehmarkt seien unhaltbar, der Vieh- Handel brauche einen Handelsplatz, der mit modernen Einrichtungen versehen sei, damit sich das ViehhandelSgrschätt stets in geordneten Bahnen abwickeln könne. Die Viehhändler wollten ihren Berufsgeschäften nachgehen als Dieh- k a u f l e u t e , sie möchten nicht länger den Handel aus der Straße abwickeln. Sie verlangten, daß man ihnen zeitgemäße Einrichtungen wie in Lübeck, Osnabrück, Leer, Emden. Dortmund. Dinslaken zur Verfügung stelle. Der bisherige Gießener Diehmarktsbetrieb sei nicht mehr länger aufrechtzuerhalten. Zwar werde vom Viehhandel die Finanznot der Städte nicht verkannt, aber es müsse trotzdem nach Mitteln und Wegen gesucht werden, um der dringlichen Gießener Viehmarkt-Angelegenheit eine gedeihliche Lösung zu schaffen.
Der Gießener viehmarkt sei in Südwestdeutschland der größte Markt geworden, den so groß zu erhalten auch der viehbandel als seine Ausgabe mit ansehe.
Darüber herrsche Hebereinstimmung zwischen der Gießener Stadtverwaltung und dem Viehhandel. Jahrelang hätten die Viehhändler den schwierigen Verhältnissen Rechnung getragen, aber es müsse nun endlich alle Kraft angespannt werden, hier eine moderne Diehmarktanlage zu schaffen. Dabei sei es gar nicht nötig, eine so kostspielige Anlage wie in Leer zu schaffen. Rur gemeinsame I und vertrauensvolle Zusammenarbeit könne die | Lösung der schwierigen Aufgabe ermöglichen, dazu sei aber auch die Mitarbeit jedes einzelnen Viehhändlers erforderlich. Besonders erfreulich sei es, daß auch die hessische Regierung durch die Anwesenheit des Ministerialrats Dr. G a ° d 0 w ihr Interesse an dieser wichtigen Frage bekunde.
Herr Buchßeim-Dauborn
übte zunächst Kritik an polizeilichen Maßnahmen auf dem Viehmarkt und brachte einen Vorgang von gestern zur Sprache, der Anlaß zu Klagen über einen Gießener Polizeibeamten gebe. Die Maßnahmen der Gießener Polizei seien viel strenger als in anderen Städten. Kleber die veterinärpolizeilichen Maßnahmen könnten sich die Viehhändler dagegen nicht beschweren. Der Stadtverwaltung sei zu sagen, daß die Viehhändler sich als Kunden der Stadt Gießen betrachten und wünschten, die Stadt möge sich dafür einsehen. daß auch die Polizei die Viehhändler als Kunden der Stadt betrachten möge. Das Verhältnis zwischen der Polizei und den Viehhändlern habe sich vor einiger Zeit einmal gebessert leider sei es heute nicht mehr so gut. Hoffentlich werde es wieder so gut gestaltet, wie es im Interesse aller Beteiligten sein solle. Gerne wolle die Viehhändlerschaft dazu beitragen, daß der Viehmarkt in Gießen einer der größten in ganz Mitteldeutschland werde.
Präsident Daniel-Koblenz
betonte, die von dem Vorredner vorgebrachten Klagen würden verschwinden, sobald man hier einen Viehhof habe. Deshalb sei es notwendig, auf baldige Erreichung dieses Zieles bedacht zu sein.
Pläne für einen Viehhof seien fertig, und die Vertreter des Viehhandels seien darüber auch gehört worden. Die Verwirklichung sei bisher nur daran gescheitert, daß bislang die Verhältnisse stärker waren als der gute Wille der Gießener Stadtverwaltung.
Berbandsvorsjtzender Löwenstein-Kassel
als Vertreter des Kurhessischen Viehhändler-Verbandes begrüßte die Anwesenheit der Behördenvertreter als Zeichen des Interesses an den Wünschen und Beschwerden des Diehhandels. Auch er betonte die Dringlichkeit einer grundlegenden Aenderung der Verhältnisse auf dem Gießener Viehmarkt, an der nicht nur der Dieh- handel, sondern auch die Allgemeinheit ein starkes Interesse habe.
Herr Llrautz-Lauterbach
trat mit Rachdruck dafür ein, daß die Viehhändler unter den gegenwärtigen Umständen aus dem Gießener Viehmarkt ihrerseits alles tun sollten, um dort Marktordnung zu halten, insbesondere den Handel auf der Straße zu vermeiden. Diese strenge Marktdisziplin sei notwendig, wenn man den Schuh der Verbandsleitung gegenüber unberechtigten behördlichen Maßnahmen in An* spruch nehmen wolle.
Herr Bcrnttem-Hachcnburg
erklärte, alle unliebsamen Verhältnisse aus dem Gießener Viehmarkt seien wirksam nur dadurch zu beseitigen, daß die Stadt eine Diehmarkthalle schaffe. ®iefe Einrichtung sei jetzt mit ollem Rachdruck zu fordern. Werde diese Halle geschaffen, dann sei aller Anlaß zu Klagen beseitigt.
Beigeordneter Dr Hamm
als Vertreter der Gießener Stadtverwaltung betonte in seiner ausklärenden Ansprache zunächst, daß alle die sich in einem großen Irrtum befänden, die der Meinung seien, das Interesse der Viehhändler und das Interesse der Stadt in der Viehhoffrage seien entgegengesetzt. Die Stadtverwaltung sei vielmehr der Auffassung, daß die Interessen beider Teile durchaus identisch seien, denn die Stadt wisse ganz genau, was Gießen an der Wirtschaftskraft des Viehhandels und am Viehmarkt habe. Das Bestreben der Stadtverwaltung gehe dahin, für den Diehmarktbetrieb eine wirklich einwandfreie Diehmarkthalle zu schaffen.
Bisher habe die Stadtverwaltung bei ihrem Bemühen ständig mit ungeheuren Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt, und vor allem fehle das wichtigste zu dieser Aktion, nämlich das Geld. Wenn eine Großstadt die füt ein solches Viehhofprojekt erforderlichen Mittel von 1,50 bis 2,50 Millionen Mark verhältnismäßig leicht aufbringen könne, so sei das für eine Stadt wie Gießen nicht in der gleich schnellen Weise möglich, zumal ja die Stadt auch noch andere große Verpflichtungen im Interesse der Bürgerschaft zu erfüllen habe (Derkehrsverbesjerungen, Stra- ßenherrichtungen, Wohnungs-, Schulhausbauten und so weiter).
Der Redner schilderte hierauf den bisherigen Gang der Entwicklung in der Viehhoffraoe. Er erinnerte dabei an die unermüdlichen Bestrebungen des verstorbenen Oberveterinärrats Professor Dr. Knell zur Schaffung eines Viehhofes, erinnerte dann an die vielfachen Schwierigkeiten bei der Behandlung der Platzfrage und des Eifen- bahnanfchlufses. wobei er betonte, ba&_ die Reichsbahnverwaltung den Bemühunaen der Stadt Gießen zur Schaffung eines Viehhofes mit guten Gleisanschlüssen in anerkennenswerter Weise stets die nachdrücklichste Förderung habe zuteil werden lassen. Leider fei die Platzfrage bis heute noch nicht so einwandfrei zu lösen gewesen, wie man es gewünscht habe; es sei aber zu hoffen, daß in
Der größte Markt der Welt verschwindet!
Oie berühmte Messe von Nishnii-Nowgorov wirb abgeschafft.
Don Or Franz Herbach.
Reist man durch unwirtliche Gegenden Asiens, besucht man die mohammedanischen Völker, die im großen russischen Reich wohnen, etwa die Teppichweber in Buchara, die Jäger der Kirgisensteppe oder die Kaufleute am Rande der Mongolei, so hört man überall eine Stadt preisen, die den Bewohnern Mittelasiens den Glanz des Abendlandes darstellt: das ist Rishnij- Rowgorod, der große Marktplatz an der Wolga, tief im Innern des europäischen Rußlands. Der Ruhm dieser Stadt mit etwa über 100 000 Einwohnern ist erstaunlich genug. Moskau, etwa zwanzigmal größer, ist von Inner- .asien nur wenig weiter entfernt, Kiew ist viel schöner, und Städte von der Größe Rishnij-Row- gorods sind in der Sowjet-Hnion nicht selten. Aber Rishnij-Rowgorod ist der große Marktplatz, an dem sich — mit einer Hnterbrechung von wenigen Jahren in der Zeit des Bürgerkrieges — die Kaufleute Asiens und Europas seit Iahr
die großen chinesischen und persischen Kaufleute gehen, wenn sie nach Rußland fahren, längst im Sakko und fallen auf den Straßen durch eine europäische Eleganz auf, die im Sowjetstaat sonst nicht häufig anzutreffen ist. wenn man von dem außerhalb der Türkei noch überall üblichen Fez der Mohammedaner absieht. Die Bürger Rishnij-Rowgorods können an einem vornehmen Mann aus Charbin viel eher feststellen, was heute in der Welt modern ist. als bei der Mu- sterung eines Genossenschaftsvertreters aus Moskau oder eines hohen Funktionärs des Sowjetstaates.
Mit großem Recht konnte man Rishnij-Row- gorod eine Drücke zwischen.Asien und Europa nennen. Die Messe, die dort im Hochsommer abgehalten wurde, vereinigte alle wichtigen am Austausch zwischen Europa und Asien interessierten Kaufleute der Welt. Die großen Handelshäuser Amerikas. Englands. Deutschland-
Die Beisetzung des Gesandten Dr. Köster.
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hunderten getroffen haben, und es ist der einzige Ort. den alle großen Handelsherren jenseits des Ural und des Kaukasus gut kennen, an dem sie sich in gewisser Weise zu Hause fühlen.
Der Deutsche, der früher nach Rishnij-Rowgorod zur Zeit der Messe kam, glaubte freilich nicht, an einem repräsentativen Ort Europas zu weilen. Die bunten Kuppeln der Kirchen und Kapellen berührten ihn schon merkwürdig genug. Döllig fremdländisch war jedoch der Eindruck der Menschenmenge, die sich durch die Messestraßen schob. Dem Westeuropäer muhte daher Rishnij- Rowgorod stets als eine halbasiatische Stadt erscheinen. als ein Ort. in dem man fast alle orientalischen Dölker studieren und den Gewerbe- fleih der orientalischen Heimindustrie bewundern konnte. Die Pracht der orientalischen Kostüme ist freilich nach dem Krieg aus den Straßen Rishnij- Rowgorods verschwunden. Man sah Wohl noch irgendeinen turkestanischen Kaufmann, dessen buntes Gewand einem Schlafrock glich, mit einer anliegenden bunten Kappe ein wenig schief auf dem Kopf, und ein paar malerisch gekleidete Tscherkessen, Kalmücken oder Kirgisen, die feingewebte orientalifche Schal- verkauften; aber
und Skandinaviens waren dort ebenso vertreten wie die asiatischen Handelsherren. Ohne Heber* treibung konnte man aber auch sagen, daß Rishnij- Rowgorod der größte Marktplatz bet Welt überhaupt gewesen ist. Während sich nämlich die Messen anderer Länder immer mehr zu einer Art von Musterschau entwickelt haben und die Einkäufer dort nur ihre Bestellungen aufgeben, die einem vorgelegten Muster entsprechend ausgeführt werden sollen, wurden in Rishnij-Rowgorod bis zuletzt fast nur die Waren gehandelt, die in den Lagerhäusern der Stadt wirklich untergebracht waren, und die die Einkäufer besichtigen und auf ihre Güte prüfen konnten. Es war also die größte Häufung von Waren, die man irgendwo finden konnte. Der Orientale ist ein mißtrauischer Kaufmann, der nur bezahlt, was er sieht und mit sich nehmen kann. Er ist noch von dem überholten Grundsatz überzeugt, daß es ein reeller Kaufmann nicht weit im Leben bringen könne. Da er selbst stets geneigt ist, ein wenig zu „beschummeln", setzt er dasselbe Der* fahren bei seinem Geschäftsfreund voraus — und sucht sich dagegen zu sichern. So wurden denn von alkersher zur Wesse gewaltige Gütermengen


