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durch auch neue Arbeitsmöglichkeiten geschaffen würden.

Nach den Beratungen der Fraktionen der Ar- beitsgemeinschoft der Mitte und der Wirtschaft­lichen Bereinigung steht folgender

Antrag zur Abstimmung:

1. Dem Ferngasbezug der hekoga von der Ruhr-Saar wird grundsätzlich 3 u - gestimmt.

2. Das vorliegende Vertragswert befriedigt jedoch nicht in allen Punkten.

3. Die Vertreter der Stadt Gießen In der General­versammlung werden beauftragt, den Vorstand der hekoga zu veranlassen:

a) in weiteren Verhandlungen mit der Ruhr- Saar die erhobenen Einwände zu be­seitigen und Zweifelsfragen zu klären:

b) bi» Verträge alsdann einer erneut e i n - zuberufende u Generalversamm­lung oorzulegen.

4. Diese neuen Verträge sind v 0 r der Ge­neralversammlung dem $ tobtraf zur end­gültigen Beschlußfassung vorzulegen.

Die Ziffer 1 des Antrages wird geaen die Stimmen der Sozialdemokraten und der Kommu­nisten angenommen.

Bei der Ziffer 2 verkündet der Vorsitzende e i n st i m m i g e Annahme.

Die Ziffern 3 und 4 werden mit allen Stimmen gegen die der beiden Kommunisten ange­nommen.

Der Rest der Tagesordnung.

Ein Baugesuch von Heinrich Möser, Zu den Mühlen 16, zur Herstellung eines Kamins wird befürwortet.

Die Vergebung von Arbeiten für das Schalt­haus des Elektrizitätswerkes in Kostenhöhe von 10 911 Mk. und 3830 Mk. wird genehmigt.

Der freihändigen Vergebung der Lieferung von Dürgersteigplatten und Bordsteinen für den Bürger st eig in der Klinik st raße an die Firma 3ean Dern & Co. in Gießen im Betrage von 5548,88 Mk. wird zugestimmt.

Für die Beschaffung von drei Feuer­löschern für die Bühne der Liebigs- h ö h e wird ein Betrag von 350 Mk. zur Ver­fügung gestellt."

Der Errichtung einer A u t 0 h a l l e durch D. Schiff, Alicenstraße 18, und der Aufstellung einer zerlegbaren Autogarage durch Dr. Schneider, Lonystraße 20, stimmt das Haus zu.

Eine Ergänzung d's § 4 der Verkeh rs- Ordnung in der Stadt Gießen (Bestim­mung weiterer Straßen als Einbahnstraßen) findet gegen die Stimmen der beiden Kommu­nisten Annahme.

Steuerer eichterungen für die Landwirtschaft.

WSN. Das Landesfinanzamt hat die F-nanz- ämter angewie'en, wegen der Ernteschäden durch Trockenheit auf begründeten Antrag im Einzelfall im Rahmen ihrer Zuständigkeit auf steuerlichem Gebiet Entgegen­kommen zu üben. In einem weiteren Erlaß des Landesfinanzamtes wird angeordnet, daß auf Antrag eines Steuerpflichtigen bei der Einkommensteuer der Llnlerschiedsbetrag zwischen der Vorauszahlungsrate vom 15. No­vember 1929 nach dem Cinkommensteuerbeschrid für 1927/28 und demjenigen für 1923 29 zinslos bis zur Veranlagung 1929 3D zu stunden ist, wenn die Einkommcnsteuerschuld für 1927 23 diejenige für 1929/29 wesentlich überstiegen hat. Das Lan­desfinanzamt weist ferner auf den Erlaß des Reichsfinanzministers vom 26. März 1929 hin,

Ser Traum vom SM.

Vornan von E. Lovett und M. v. Weißenthurn.

Copyright by Marie Brügmann, München.

20 Fortsetzung. Raddruck verboten.

Während der Mahlzeit bestimmte der Onkel, daß die Feldflaschen der Jäger mit Kognak ge­füllt werden sollten, und Bertram Vater tief laut über den Tisch:

Fräulein, möchten Sie sich wohl noch einmal nach meiner Feldflasche umschauen? Sie werden sie wahrscheinlich in der Seitentasche meines äleberrocks im Vorhause finden!"

Ich werde nach dem Diener klingeln!" ant­wortete Doris, während ihr heiße Rote in die Wangen stieg.

Sie erhob sich und war im Begriff, die Glocke zu berühren, als der Rechtsanwalt aussprang und schnell an ihre Seite trat.

Nein, Sie werden das nicht tun, Fräulein Horter", sagte er, ohne seine Stimme besonders zu dämpfen.Ich bitte Sie, Ihren Platz wieder einzunehmen!" Uni) in leisem, dringendem Ton sügte er hinzu:Ich verbiete Ihnen, jenen Un­verschämten zu bedienen!"

Doris hob ihre Augen in grenzenlosem Er­staunen zu ihm auf.Sie verbieten cs mir?" wiederholte sie dann, jedes Wort betonend, langsam.

Ja, ich verbiete cs Ihnen! Wollen Sie mich nicht verstehen?"

Jetzt glaubte sie ihn zu verstehen; denn plötz­lich vermochte sie seinem Blick nicht länger stand- zuhalteiu

Ditte, sehen Sie sich nieder!" wiederholte er noch einmal, und Doris setzte sich, wie er ver­langte, ohne noch ein Wort einzuwenden.

Rach beendetem Frühstück traten die Herren hinaus in die Vorhalle, wo die Gewehre stan­den und alle Vorbereitungen für einen sofortigen Aufbruch getroffen waren.

Ein wenig später folgte Doris und blieb im Rahmen der Tür stehen, um das bunte Treiben zu beobachten.

Vor dem Portal des Schlosses standen die Treiber mit den an den Riemen zerrenden, un­geduldig bellenden Hunden; in der Halle selbst liefen die Diener eilfertig zwischen den Jägern hin und her, während Herr von Wildhofen senior die Iagdordnung bckanntgab und über die Lei­tung des Ganzen noch einmal mit seinem Sohne verhandelte. Alles war Leben und Geschäftig­keit.

Plötzlich stand der Rechtsanwalt neben dem jungen Mädchen. Er war eifrig bemüht, seine kurze Pfeise in Brand zu sehen und benutzte die kleinen Pausen zwischen den einzelnen Zügen zu einigen schnell hervorgestoßenen Fragen.

Was ist gestern abend geschehen?^

wonach in besonderen Fällen Steuerbeträge, deren Einziehung nach Lage derr Sache unbillig wäre, e rm ä h i g t oder erlassen werden können. Hier handelt es sich außer um die Ein­kommensteuer auch um die Umsatzsteuer und die Vermögenssteuer; unter Umständen kann auch, bei sehr ungünstigen Verhältnissen, eine Ermäßigung oder ein Erlaß der Renten­bankzinsen aus Billigleitsgründen in Frage klommen, nach Erachten der Landwirtschafts­kammer auch dann, wenn die vier enggezogeiien Voraussetzungen im ersten Teil der Richtlinien für den Erlaß von Rentenbankzinsen nicht er­füllt sind. Anträge wegen Steuerstundung oder -ermäßigung sind sachlich begründet an das zuständige Finanzamt zu richten.

Krastpoffwünsche des Hüttenbergs.

JJ Groß-Rechtenbach, 23.Jan. Die Der» kehrsoerhältnisse im Hüttenberg bilde­ten in der letzten Amtsoersammlung den Gegenstand eingehender Erörterungen. Gestern nachmittag sand auf dem hiesigen Bürgermeisteramt unter dem Vor­sitz des Bürgermeisters Dr. Neumann eine Be­sprechung statt, in der man sich mit der V e r b e s s e - rung des Verkehrs auf der Teilstrecke Wetzlar Groß-Rechtenbach derKraft- p 0 ft ft recke Wetzlar Hochelheim beschäf­tigte. An der Besprechung nahmen teil: Postdirektor S e y s a r t h (Wetzlar), die Gemeindevorsteher von Groß- und Klein-Rechtenbach, Amtsverordneter Lehrer Gerhards (Groß-Rechtenbach), Kreistags- abgeordneter Langsdorf (Groß-Rechtenbach) und Amtsobersekretär Sänger (Groß-Rechtenbach). Bürgermeister Dr. Neumann trug die Wünsche der Gemeinden Groß- und Klein-Rechtenbach vor, die dahin gingen, den Verkehr auf der Teilstrecke WetzlarKlein-Rechtenbach dadurch zu verbessern, daß je eine Frühsahrt, Mittagsfahrt und Abendfahrt eingelegt werden möchte. Dies könne in der Weise durchgeführt werden, daß die jetzt bis Büblings­hausen stattfindenden Fahrten am Morgen, Mittag und Abend bis Klein-Rechtenbach fortgeführt wer­den. An den Markttagen (Mittwochs und Samstags) müßten außerdem die bisherigen Fahrten, die für den übrigen Verkehr zu spät gelegt seien, bestehen bleiben. Es komme hauptsächlich darauf an, daß auch den in der Stadt Wetzlar beschäftigten Arbeitern und Angestellten eine Verkehrsmöglichkeit nach ihrem Ar­beitsort geschaffen werde. 14« arbeitet hätten sich bei einer Rundfrage bereit erklärt, das Postauto dauernd zu benutzen. Der Antrag löste eine lebhafte Aus­sprache aus, an der sich alle Besprechungsteilnehmer beteiligten. Postdirektor Seyfarth schilderte die technischen Schwierigkeiten, die einer sofortigen Ver­wirklichung des Planes gegenüberständen, sagte jedoch wohlwollende Prüfung und Unterstützung des Antrages bei der Ausarbeitung des anfangs Mai in Kraft tretenden Sommerfahrplanes zu. Die Neichspostverwaltung gehe im allgemeinen von dem Grundsatz, daß die auf 1 Mark je Kilometer sich be­ziffernden Betriebskosten durch Einnahmen aufge­bracht werden müßten, nicht ab. Auch die Einstel­lung eines besonderen Wagens stoße wahrscheinlich auf Schwierigkeiten, weil dieser erst dann wirtschaft­lich werde, wenn er täglich 150 Betriebskilometer zu­rücklege, diese jedoch im vorliegenden Falle bei wei­tem nicht erreicht würden. Die Besprechung endete mit dem Ergebnis, daß die beteiligten Gemeinden mit einem eingehend begründeten Antrag an die Oberpo st Direktion in Frankfurt heran- treten wollen.

Daten für Sonntag, 26 Januar.

Sonnenaufgang 7.47 Uhr, Sonnenuntergang 16.39 Uhr. Mondaufgang 6.09 Uhr, Mond- untergang 13 Uhr.

1781: der Dichter Ludwig Achim v. Arnim in Berlin geboren (gestorben 1831); 1860: die Opernsängerin Wilhelmine Schröder-Devrient in Koburg gestorben (geboren 1804); 1920: der Maler Fritz August von Kaulbach in München gestorben (geboren 1850).

Gestern abend?" Doris wurde blaß und gleich darauf dunkelrot; aber sofort ertappte sie sich auf falscher Fährte, als er schnell hinzufügte:

2a, als sie Kurt zu einem Zusammentreffen mit Fräulein von Rechten veranlaßten?"

Sie Sie wissen davon?" rief sie in höch­stem Erstaunen.Wie in aller Welt..."

Ich habe Sie, trotz aller auf gewendeten Vor­sicht, im Speisesaal auf Kurt warten sehen, und als mein Freund solange unsichtbar blieb, mir das andere hinzugedacht."

Wie, Sie sahen mich? Sie müssen ja merk­würdig scharfe Augen haben!"

Lachend sah er ihr ins Gesicht.Nun, mein gnädiges Fräulein, wie Sie wissen, gehört das zu meinem Berus scharfe Augen und ein wenig Kombinationsgabe. Wer hat nun recht gehabt, bitte? Habe ich es Ihnen nicht prophe­zeit, daß die junge Dame bald genug ihren Ent­schluß ändern würde? Ich nehme an, sie hat cs bereits getan und damit bewiesen, daß ihr an­fängliches Sträuben nur Berechnung war. Ich möchte mit Ihnen wetten, daß die beiden feit jener geheimen Unterredung verlobt sind."

Und wenn sie es wären," erwiderte sie gereizt, so würden Sie wahrscheinlich alles tun, um sie wieder auseinanderzubringen und beide unglück­lich zu machen. Ich glaube, Sie würden das nach Ihrem Prinzip nur recht gehandelt nennen.

Aber was für eine schlechte Meinung Sie doch von mir haben! Können Sie sich denn gar nicht denken, daß auch ein streng nach Prinzipien handelnder Fachmann sich gelegentlich freut, ein­mal von Grundsätzen abweichen zu dürfen?"

Was meinen Sie damit? Ich verstehe Sie nicht."

Nicht? So soll ich mich also näher erflären?

Sie sah ihn erwartungsvoll an, senkte aber gleich darauf die Augen unter dem bewundern­den Blick, der sie aus den feinigen traf.

.Ich meine also," erklärte er ihr in herzlichem Ton,daß, wenn Sie den wirklichen Wunsch hegen, Kurt mit dem Mädchen seiner Wahl ver­bunden zu sehen, ich Ihnen hiermit das Ver­sprechen gebe, nichts dagegen zu tun, so wenig wünschenswert mir selbst diese Heirat erscheint. Sind Sie sich aber auch ganz klar, daß es Sie wirklich freuen würde, wenn Ihr Vetter sich ver­heiratet? Lassen Sie mich das zuerst genau wissen!"

.Ich wünsche ihm von Herzen, daß er glücklich wird!"

»Eie hegen großes Interesse für ihn?"

Dei dieser Frage konnte er ein leises Vibrieren seiner Stimme nicht unterdrücken; auch fühlte Doris, wie seine Blicke sie förmlich durchdrangen, obwohl sie viel zu verlegen war, um ihn anzu­sehen.

Einen Augenblick schwieg sie, bann wiederholte sie leise, mit flüchtigem Lächeln:

Wirtschaft.

Wochenbericht

vom Frankfurter Effektenmarkt.

Die neue Woche eröffnete in schwächerer Hal­tung, da der Auftrag Zeingang erheblich nach­gelassen hat und die Ausnahmelust sehr gering war. Enttäuscht war man über den unver­ändert belassenen englischen Diskont» satz. Obwohl die Schlußsitzung im Haag bevorstand und mit einem befriedigenden End­ergebnis gerechnet wurde, ging hiervon feine Anregung aus. Der Angriff Dr. Schachts im Haag auf den Vaungplan, der bekanntlich auf die Börse einen ungünstigen Eindruck machte, ließ immer noch keine bessere Stimmung aufkommen. Die Kurse gaben leicht nach. Hinsichtlich der nicht gerade günstigen innerpolitischen Verhält­nisse war man aber später etwas beruhigter, so daß sich doch wieder Anzeichen einer etwas freundlicheren Grundstimmung bemerkbar machen formten. Das Geschäft blieb aber gering, da die Spekulation vorsichtig geworden war und nur vereinzelt zu Deckungen schritt. Doch er­holten sich die Kurse wieder leicht, so daß unter Schwankungen in den meisten Fällen wieder ein Ausgleich hergestellt werden konnte. Die ge­fundene Lösung in der M ob ili s ier u n g s- frage machten auf die Börse einen günstigen Eindruck, und die Allgemeinsituation wurde vor­teilhafter beurteilt. In Spezialaktien konnte sich daraufhin das Geschäft etwas leb­hafter gestalten. Die Geldmarkterleichte­rung schreitet weiter kräftig fort, aber trotzdem konnte kein größeres Geschäft zustande kommen. Der Ordcrmangel hielt an. Darnach wurde die Tendenz sehr fest, da die Aussicht auf das Ende der Haager Konferenz einen gewissen Optimismus nicht verfehlte. Der Auftragsein­eingang nahm etwas zu, auch konnte man ver­schiedentlich bemerken, daß das Ausland Interesse für Deutschlands Werte zeigte. Doch war die Festigkeit von nicht allzu langer Dauer. Unter Führung der Farbenaktie wurde die Börse erneut schwächer, da Stick st ofspläne von Gelsenkirchen als Konkurrenz der I.-D.» Farben gelten. Die Spekulation schritt zu Ent­lastungsverkäufen, und gerade I.-G.-Farben hatten hierunter am stärksten zu leiden. Von diesem Moment an war.die Stimmung lustlos, und das Geschäft stockte zeitweise fast voll­kommen. Hinzu kam Ordermangel und bei sich bemerkbar machender Aufnahm'unlust ergaben sich recht erhebliche Verluste. Nachdem wieder eine Erholung eingetreten war, wurde die Ten­denz erneut schwächer. Veranlassung hierzu boten die sich mehr verdichtenden Gerüchte, die mit den Stickstoffplänen von Gelsenkirchen in Zusam­menhang zu bringen waren. Die Spekulation schritt zu Abgaben. Die neu geschaffene Situa­tion bot aber trotzdem keinen Anlaß zur Be­sorgnis; denn es wurde angenommen, daß die Gerüchte von Baisseseite aufgebauscht waren. Man konnte gegen Ende der Woche auch eine Beruhigung bemerken, und die Grundstimmung sah wesentlich freundlicher aus. Erholungen konnten wieder eintreten. Doch trat bald wieder ein Tendenz Umschwung ein, obwohl ungünstige Nachrichten nicht vorlagen. Aber der unver­ändert belassene Diskontsatz der Bank von Eng­land enttäuschte. Eine Ausnahme machten die ganze Woche hindurch die K a l i a k t i e n, die von französischer Seite gesucht wurden und von 10 bis zu 20 Proz. gewannen. I.-G.-Farben ver­loren besonders stark (insgesamt minus zwölf Prozent). Rheinische Braunkohlen waren bevorzugter und gewannen 9 Prozent. Ilse Bergbau plus 10 Prozent. S chucker t und Siemens wenig verändert. QI tu verloren bei zunehmendem Angebot 10 Proz. An­leihen wenig verändert. Am Devisen­

markt war Spanien wieder schwächer. Olm Geldmarkt war Tagesgeld sehr leicht.

Wochenbericht

vom Frankfurter produktenmarkt.

Auch die neue Woche lieh den Frankfurter Prv- duktenmarft wieder in ausgesprochen schwacher Haltung eröffnen, wozu namentlich der un­aufhaltsame Rückgang des Aoggen- preises wesentlich beitrug. Die Händler und Besucher übten wieder die größte Zurückhaltung und nahmen lediglich nur Dedarfskäufe vor. Auch die wieder meist schwächer liegenden Aus­landmärkte trugen zur Zurückhaltung bei. Aber auch einige feste ileberfeemelbungen konnten fei­nen Einfllih ausüben, da eben der Rückgang der Roggen- und Haferpreise fast jedes Geschäft un­terband. Für Auslandgetreide bestand ebenfalls kaum Interesse.

In Inlandweizen war das Angebot wei­ter gering, aber es bestand auch kaum einige Nachfrage. Nur vereinzelt nahmen größere nie­derrheinische Mühlen etwas Ware aus dem QUarft. Der Preis für prompte Ware konnte sich zwar ziemlich gut behaupten, aber im Liefe­rungsgeschäft gaben die Preise im Einklang mit dem flauen Roggenmarkt nach.

Roggen war weiter sehr stark offeriert, ohne daß die geringste Kaufneigung bestanden hätte. Auch das große Angebot von russischem Roggen auf den deutschen Märkten trug zur weiteren Verflauung der Preise für Roggen bei. Die manipulierenden Stellen zeigten zwar Be­reitschaft zur Aufnahme des großen Angebots, aber nur bei Preisen, die erheblich unter der amtlichen Notierung lagen. Verstimmend wirkte ferner eine Verlautbarung, nach welcher die Rog­generzeugung nicht geringer als im Vorjahre sei, vielmehr 30 bis 40 v. H. großer.

Mehle verzeichneten nur geringes Geschäft. Lediglich in Weizenmehlen war der Qlbruf infolge der Zollerhöhung befriedigend, jedoch kamen Neuabschlüsse kaum zustande. Roggen­mehle stark vernachlässigt.

Gerste bei unbedeutenden älmsätzen zumeist schwächer.

Hafer lag bei großem Angebot weiter schwach, desgleichen Mais.

Von Kleien gaben Weizenkleie stärker nach, während Roggenkleie ziemlich unver­ändert lag. Versuche, für spätere Termine festere Preise zu erzielen, scheiterten bisher.

Hülsenfrüchte unverändert, dagegen Rauhfuttermittel im Einklang mit dem Rückgang der Kleiepreise ebenfalls schwächer.

Auch zum Wochenschluß änderte sich an der ruhigen Haltung nichts. Die Meldungen, wonach der Vermahlungszwang für Februar mit 50 v. H. beibehalten wird, fstoie die Stützung des Roggen­preises von Regierunge seite machte kaum einen Eindruck. Nur für Terminware machte sich einiges Deckungsbedürfnis geltend. Intere'se bestand nur für Weizenmehle, während Fu11ermit - t e l weiter schwächer lagen. Im Vergleich mit den Preisen der vergangenen Woche gaben Gerste, Hafer, Mais und Roggenmehl je 0,25 Mark, und Weizenkleie 0,50 Mark nach. Während Wei­zen, Doggen und Roggenkleie behauptet biteben, konnten Weizenmehl 0,50 Mark anziehen. Die Woche schloß zu folgenden Notierungen: Weizen 26,75; Roggen 18,50; Gerste 19,50 bis 19,75; Hafer 17 bis 17,25; Mais 16,75 bis 17; Weizenmehl, süddeutsches und niederrheinisches, 39,50 bis 40,50; Roggenmehl 26,25 bis 27,50; Weizenkleie 8,40 bis 8,50; Roggenkleie 9 bis 9,50; Erbsen 31 bis 44; Linsen 55 bis 100, Heu 10,50; Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt und gebündelt 5,50; Treber 14, Kartoffeln per Zentner 3,20 Mark.

Ich interessiere mich so warm und aufrichtig für ihn, als wäre er mein Bruder!"

Er schien zufriedengestellt. War es ihm doch nur zu wahrscheinlich erschienen, daß Doris ihr Herz an ihren schonen Vetter verloren hatte und daß dessen Eltern wohl auch aus diesem Grunde eine anbertoärtige Versorgung ihrer Schutzbefohlenen so dringend wünschten.

älnd von diesem Standpunkt aus begann Ha­genau jetzt mit sehr befriedigtem Ausdruck: Würden Sie sich also über diese nichts weniger als günstige Heirat Ihres Vetters freuen?

Ja, weil ich der festen äleberzeugung bin, daß Sabine ihn liebt. So falsch und ränkesüchtig ihre Mutter auch sein mag, so halte ich Sabine zunächst für das bemitleidenswerte Opfer schlim­mer Verhältnisse. Eine ernste, sie ganz erfüllende Neigung ist sicherlich ihre Rettung, und ich glaube bestimmt, daß sie mit allem, was sie herabwürdigt, brechen und ein neues Leben be­ginnen wird.

ilnb wie steht es mit dem falschen Namen und dem verbrecherischen Vater? Wie glauben Sie, daß sie über diese kleinen Schwierigkeiten hinwegkommen wird?"

Oh, Herr Rechtsanwalt, können Sie denn bei Ihrem Kombinieren gar nicht auf die ein­fachste Lösung verfallen? Glauben Sie nicht, daß Sabine dem Manne, den sie liebt, alles offen darlegen wird, bevor sie seine Hand annimmt? Gerade weil sie ihn liebt, hat sie ihn jetzt zurück- gewiesen. Sagen Sie, was Sie wollen, ich kann es nicht glauben, daß sie gestern abend ihren Entschluß geändert hat. Mit der Zeit aber würde sie es tun, wenn Kurt beharrlich und treu bleibt. Ich bitte sie dringend, Herr Rechtsanwalt, über­lassen Sie die beiden sich selbst, und glauben Sie mir, daß Sabine meinem Detter nicht mit einer Lüge auf den Lippen ihr Jawort geben wird. Ich glaube sicher, daß ihnen schwere Kämpfe nicht erspart bleiben; aber wann hätten diese Kämpfe wahre Liebe zu erschüttern vermocht?"

Hagenau horte ihr aufmerksam zu. Ihre Worte berührten sein innerstes Herz; doch er hatte keine Zeit mehr, seinen Empfindungen Ausdruck zu geben, da er als Säumiger bereits mehrmals zum Aufbruch gemahnt worden war. Als Aller- letzter verlieh er endlich das Haus.

Ich werde ganz nach Ihrem Wunsche han­deln; das verspreche ich Ihnen!" rief er Doris noch zu, bevor er den Ausgang erreichte.

Zehn Minuten später befand er sich an Kurts Seite und schritt mit diesem die breite Land­straße hinunter, die in das nahe, für heute in Aussicht genommene Jagdrevier führte.

Die beiden befanden sich zufällig ohne Zeugen. Hagenau warf einen prüfenden Blick auf seinen Freund und sand ihn angegriffen und nieder­geschlagen aussehend, woraus er schloß, daß Doris mit ihrer Ansicht nicht unrecht hatte.

Kurt machte keineswegs den Eindruck eines glück­lichen Bräutigams. Hagenau war entschlossen, sich über diesen Punkt Gewißheit zu verschaffen.

Darf ich dir gratulieren, lieber Freund?" fragte er ohne jede Vorbereitung.

Kurt fuhr herum, wie von einem Schlage ge­troffen.

Ja, mein lieber Konrad, gratuliere mir nur von ganzem Herzen, daß ich noch mit heiler Haut einer großen Gefahr entronnen bin.

Einer Gefahr entronnen? wiederholte der andere erstaunt in fragendem Ton, auf diese Antwort am allerwenigsten vorbereitet.

Was für eine Gefahr?"

Der Gefahr, ein Mädchen zu heiraten, das nur nach meinem Geld Verlangen trug.

Hagenau konnte einen Ausruf der Heber- raschung nicht unterdrücken.Was sagst du da?" begann er dann.Wie, zum Kuckuck, hast du das herausgebracht?"

Nun, sie du weiht, wen ich meine be­findet sich in einer solchen Geldverlegenheit, daß sie mich gestern abend, trotz des mir kurz vorher erteilten Korbes, um ein beträchtliches Darlehen ersuchte. Wie findest du diese Keckheit?"

Was? Lieber Freund, das verstehe ich absolut nicht!"

Nicht? Mir aber ist alles vollkommen klar. Sie hat, wie du erfahren wirst, ihre Beweggründe deutlich genug durchblicken lassen. Wenn in dem Leben eines weiblichen Wesens ein Schurke figu­riert, der seine Erpressungen auf sie ausübt es gibt ja leider nur diese Erklärung dafür. so geschieht es meistens in der Erwartung, daß irgendein verliebter Narr sich findet, der, von seinem Opfer angelodt, diesem zuliebe seine Taschen offnen wird.

Mein lieber Kurt, welche Vorstellungen machst du dir von diesem Manne!" suchte Hagenau zu ergründen.In welchen Beziehungen mag er zu Fräulein von Rechten stehen?"

Kurt von Wildhofen zuckte verächtllch die Schultern.

Ihr Liebhaber was sonst?" antwortete er dann erbittert.

Der Rechtsanwalt blickte emst auf seinen Be­gleiter, und ein warmes Wort zugunsten deS jungen Mädchens drängte sich auf feine Lippen. Seinem Gerechtigkeitssinn war die, wie er teuftte, ganz unzutreffende Beschuldigung unerträglich; sie erregte den Widerspruch seines ehrlichen Her­zens. Jetzt zögerte er nicht länger, sondern stellte sich mit Leib und Seele auf Sabinens Seite, das heiht, eigentlich auf die ihrer tapferen Ver­teidigerin, und suchte nach den richtigen. Worten, um Kurt über seinen Irrtum aufzuklären; doch es war anders beschlossen, und die traurige Familiengeschichte der armen Sabine sollte dem Erben von Wildhofen noch verborgen bleiben.

(Fortsetzung Mgt)