Ausgabe 
24.9.1930
 
Einzelbild herunterladen

Partei tue, könne nur auf verfassungs­mäßigem Wege geschehen.

Der Vorwurf national» sozialistischer Zellenbildung.

Ludin wird darauf hingewiesen, daß ihn die Aeußerung, er wolle möglichst in jedem Wehrkreis einige zuverlässige Leute haben, besonders schwer belaste und den Schluß auf die Absicht einer na« tionalsozialistischen Zellenbildung innerhalb der Reichswehr nahelege. Weiter wird von dem Vorsitzenden an Ludin die Frage ge­richtet, was die Aeußerung bedeute, die Entwicklung werde sich über mehrere Jahre erstrecken, weil alle Teile aus dem Hitlerputsch ge­lernt hätten. Ludin erklärte, daß gerade diese Aeußerung g e g en die Absicht eines gewaltsamen Umsturzes spreche, da der Zusammenbruch des Hit- ler-Putsches den Beweis dafür erbracht habe, daß auf illegalemWege nichts zu erreichen sei. Der Vorsitzende bezeichnete diese Schlußfolge­rung als wenig glaubwürdig, zumal in der gleichen Unterredung von Ludin weiter erklärt worden sei, die Nationalsozialisten und nationalen Verbände würden sich dann auf keinUnterne hm e n e i n l a s s e n , wenn sie wüßten, daß sie dabei d i e Reichswehr nicht hinter sich hätten. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob der Angeklagte auch heute noch den cingeschlagenen Weg für richtig halte, gab er unumwunden zu, daß er das ver­neinen müsse. Auch Wendt erklärte, daß ihm und seinen Kameraden e i n e U m st u r z a b s i ch t ferngelegen habe. Sie hätten lediglich von un­ten her die wahre V o l k s st i m m u n g, die gegen den Versailler Vertrag und gegen den young- plan gewesen sei, zur Kenntnis des Reichs­wehrmini st eriums bringen wollen, das dann seine Konsequenzen hätte ziehen können.

Scheringer gibt zu, seine Kameraden für ihre Reise aus eigenen Mitteln unterstützt zu haben. Das Geld komme also nicht von der RSDAP. Man habe nur die Offiziere anderer Garnisonen dazu bestimmen wollen, gemeinsam zum Ausdruck zu bringen, daß der Kurs der Armee falsch sei und der Geist der Truppen durch die Haltung des Reichswehrministeriums leiden müsse. Die Verhandlungen seien auch durch dchl Gewissenskonflikt ausgelöst worden, daß man im Falle innerer Hnruhcm gezwungen wäre, auch auf Angehörige nationaler Verbände zu schie­ßen. Als der Vorsitzende Scheringer vorhielt, er habe einem Leutnant Wolf gegenüber aus­drücklich von einer nativnalsozialisti- sch en Zellenbildung gesprochen, ver­wahrte sich Scheringer dagegen mit der Bemer­kung, es müsse sichhier um einen ungeheueren Orr tum handeln".

Hitler wird als Zeuge geladen

Zum Schluß stellte Rechtsanwalt Frank als Verteidiger Wendts den Antrag, den Führer der R. S. D. A. P., Hitler, als Zeugen darüber zu vernehmen, daß die R. S. D. A. P. davon ab- ; ife^c, auf illegalem Wege die Verfassung av ! ändern. Denn von dieser Aussage hänge sehr viel für die Angeklagten ab. Reichsanwalt Dr. R a g e l hielt diese Ladung dagegen für die Be­urteilung der Schuldfrage völlig unerheblich, da der Prozeß ja nicht darum gehe, welche letzten Ziele die R. S. D. A. P. habe; in dem vorlie­genden Prozeß handele es sich vielmehr darum, was die Angeklagten getan hätten und was ihre Ziele gewesen seien. Auch Rechtsanwalt Dr. Sack wandte sich namens seiner Klienten ge­gen die Vernehmung Hitlers. Er jedenfalls habe kein Interesse an dieser Vernehmung. Dr. Frank hielt aber seinen Antrag aufrecht. Kurz nach 7 Ähr abends erging ein Beschluß rdes Gerichtes dahin, dem Anträge Dr. Franks stattzugeben. Hitler der sich zur Zeit in "Berchtesgaden zur Erholung aufhält, soll vom Reichsanwalt auf schnellstem Wege für Donners­tagvormittag als Zeuge geladen werden.

DjeTötungdesStudentenWessel vor Gericht.

B e r l i n, 23. Sept. (ERB.) Der Andrang des Publikums zu der Schwurgerichtsverhandlung des Wessel-Prozesses war heute noch größer als am ersten Tage. Schon beim Morgengrauen hatten sich d i ch t-e M e n s ch e n m a s s e n auf der Frei­treppe vor dem alten Kriminalgerichtsgebäude Altmoabit angesammelt. Darunter waren recht dunkle Elemente, und es kam während des Wartens zu sehr w ü st e n Szenen, die schließlich so ausarteten, daß die Polizeibeamten einschreiten und mit Gummiknüppeln Ordnung schaffen muhten. Frauen, die vorne standen, wurden hochgehoben und von radaulustigen Bur­schen über die Köpfe der Dahinterstehenden nach hinten befördert. Als dann die Cingangstore geöffnet wurden, entstand ein förmlicher Kampf unter den Wartenden, um zuerst hineinzugelangen.

Änter allgemeiner Spannung wurde

der Hauptangeklagte Albrecht Hoehler vernommen.Ali" ist einer großer, blonder und trotziger Mann im Alter von 32 Oahren. Er bestätigte die Frage des Vorsitzenden, daß er vielfach vorbestraft sei. Er habe Wessel nicht gekannt und nicht gewußt, wo er wohnt. Er habe auch nicht gewußt, daß Erna Oaenicke, die er von früher kannte, seine Braut war. On der Küche der Wohnung habe dann die Frau Salm erklärt, wir möchten vorsichtig mit We s s e l sein; denn er sei leicht mit der Waffe bei der Hand. Er habe dann seine Pistole hervorgeholt, sie geladen, gesichert und wieder in die Manteltasche gesteckt. Als Wessel die Tür öffnete, habe er offenbar die Situation sofort erkannt und unwillkürlich nach seiner Ge­säßtasche gefaßt. Der Angeklagte erklärte weiter: Och rief:Hände hoch!"; Wessel hat aber in der Aufregung eine weitere Bewegung nach der Gesäßtasche gemacht, so daß ich glaubte, er wolle eine Waffe ziehen. Och riß nun meine Pistole heraus, die in die Tasche hineinge- drückt war. Diesem Ämstande schreibe ich allein zu, daß ich dabei in der Aufregung dem Abzug zu nahe gekommen bin, und daß der Schuß losging. Der Obduktions­befund muh erweisen, dah nach der Richtung des .Einschuhkanals von einem Zielen keine Rede sein kann. Och beugte mich nach dem Schuh über Wessel, um in seiner Gesäßtasche nach einer Waffe zu suchen; er hatte aber nur eine Stahlrute oder einen Gummiknüp- vel. die ich nicht herausnahm. Erna Oaenicke fragte mich was ich suche, und als ich erklärte, Waffen zu suchen, wies sie auf den Schrank' Dort sand ich eine Pistole, die ich an mich nahm.

Hindenburg gegen die Krisenmacher.

Oer Reichspräsident erklärt, daß keinerlei Putschgefahr vorliege und er der Durch­führung des Sanierungsprogramms der Reichsregierung ausdrücklich zustimme.

Berlin, 23. Sept. (IeL-Un.) Der Reichs- Präsident ist von verschiedenen Vertretern der nordamerikanischen Publizistik gebeten worden, zu den Atarmnachrichten Stellung zu nehmen, die in den letzten Tagen über die deutsche Lage gerade in Amerika verbreitet worden sind. Seiner Gewohnheit entsprechend hat der Reichspräsident eine unmittelbare Antwort nicht gegeben. Er hat jedoch in seiner am Montag mit dem Reichskanzler geführten Unterhaltung diesen ermächtigt, zu erklären, dah er die vom Reichs- kanzler am letzten Samstag dem Berliner Vertreter eines amerikanischen Rachrichtenbüros gegebenen Ausführungen vollinhaltlich teile. Auch der Reichspräsident ist der Auffassung, daß eine Putschgesahr in irgendeinem Bezirk Deutschlands in keiner Weise vor­

liege. Uebrigens würden die vorhandenen Voll­zugsorgane durchaus ausreichen, in kür­zester Zeit Ruhe und Ordnung wiederherzustellen.

Der Reichspräsident hat ferner in seiner Unter­redung mit dem Reichskanzler der Absicht der Reichsregierung, alle Kräfte dafür einzu­sehen. um die seit längerer Zeit in Angriff genom­menen umfassenden Sanierungsmaßnah- m en z u m Besten der deutschen Wirt­schaft und des deutschen Volkes zu Ende zu führen, seine ausdrückliche Zustim- m u n g erteilt. Er vertraut hierbei auf den gesunden Sinn des deutschen Volkes und erwartet, dah trotz der ungewöhnlich schwierigen innen- und außenpoli­tischen Lage Deutschlands diese grohen Aufgaben auf dem Boden der bestehenden Ver­fassung gemeistert werden können.

Sie Forderungen des Rerchslandbundes.

Rentabilität der Landwirtschaft als Voraussetzung für eine Behebung der Wirtschastsnot.

Berlin, 23. Sept. (XU.) Der Bundesvorstand des Reichslandbundes faßte am Dienstag eine Ent­schließung zur politischen Lage, in der es u. a. heißt:

Der Reichslandbund begrüßt die bei der Reichs­tagswahl vom.14. September d. I. zum 2lusdruck gekommene Stärkung nationalpoliti­schen Willens im Gcsamtvolk und er­wartet, daß im Reich und Preußen die Hindernisse für die Arbeit aller einsatz- und verantwortungs- vereiten nationalen Kräfte baldigst beseitigt werden. Der Reichslandbund erwartet die Rettung Deutsch­lands und seiner Landwirtschaft nickt von Partei­koalitionen und Parteiarithmetik, sondern von der Berufung unabhängiger, willens­starker, tatbereiter nationaler Füh-, rer durch den Reichspräsidenten. Das seit der Revolution in Deutschland herrschende System von Parteien st aat und Parteiregierung hat sich als unfähig zur Erfüllung der deutschen Führungsaufgaben erwiesen. Das ßanöoolf wird nur einer Regierung die Folgschaft leisten, die über den Parteien und über den Interessen­gegensätzen in Unabhängigkeit und Verantwortung die Notwendigkeiten des Staates und des Gesamt- volkes verkörpert. In einer weiteren Entschließung sprach der Bundesvorstand des Reichslandbundes Neichsminister Schiele einstimmig seinen Dank da­für aus, daß er seine aanze Persönlichkeit zur Ret­tung der Landwirtschaft eingesetzt hat.

Zur wirtschaftspolitischen Lage faßte der Reichs- landbund folgende Entschließung: Dah die im Voungplan festgesetzten Lasten von Deutsch­land nicht getragen werden können, ist durch die Entwicklung der Lage (Rückgang der Steuer­einnahmen. Zusammenbruch der Kaufkraft der Landwirtschaft, Zunahme der Arbeitslosigkeit, Zu­nahme der Ausgaben und damit des öffentlichen Defizits usw.) erwiesen. Durch den Preis stürz auf fast allen Gebieten ist eine Wertsteigerung des Goldes und damit eine Verschärfung der ziffernmäßig fe st gesetzten Re- parationslasten eingetreten. Unbeschadet des grundsätzlichen Kampfes gegen jede Repara­tionsbelastung fordert der Reichslandbund die sofortige Erklärung des Zahlungs­aufschubs. Die Bekämpfung der Arbeits­losigkeit kann nachhaltig nicht durch Herum­kurieren an Symptomen, sondern nur durch Be­seitigung der Ursachen gelöst werden. Wenn der Landwirtschaft für ihre Produkte wieder an*

feite, insbesondere auch eine Zinsentlastung ver°i schafft werden, so nimmt sie nicht nur selber in vermehrtem Maße Arbeitskräfte auf, sondern bietet auch der Industrie eine stärkere Siche­rung des Absatzes, die Möglichkeit der Pro­duktionsvermehrung und erhöhter Beschäftigung von Arbeitskräften. Daraus ergibt sich die For­derung nicht zuletzt im Interesse der Arbeits­losen selbst die RentabilitätderLand­wirt schäft wieder herzustellen. Ein Land, das wie Deutschland ausländische Agrarprodukte, die entweder nur dem Luxuskonsum dienen oder durch heimische Erzeugnisse erseht werden kön­nen, einführt, ist stets in der Lage, die Preisbildung im Inlande den Produktionskosten anzupassen.

Das Tarif- und Schlichtungswesen in Verbindung mit dem Achtstundenarbeitstag und Auswüchsen auf dem Gebiete der sonstigen Sozialpolitik nimmt, da überwiegend politisch ge­handhabt, keine Rücksicht auf die Leistungsfähig­keit der Betriebe und eine für die gesamte Be­völkerung tragbare Preisbildung. Die hierdurch erzwungenen Rationalisierungsmahnahmen haben erfahrungsgemäß das Heer der Erwerbslosen ver­stärkt. Die Auflockerung und baldigste Beseiti­gung der Zwangsbewirtschaftung der Arbeit und Bereinigung der sonstigen Sozialpolitik ist daher eine für die Ueberwindung der Arbeitslosigkeit, Entlastung des Sozialetats kund Ankurbelung der Wirtschaft unerläßliche Forderung. Weiter ist aber eine Reform der öffentlichen Ausgabenwirtschaft zu fordern, die auch vor Derwaltungs- und Ver­fassungsänderungen nicht zurückschrecken darf. Das Ziel dieser Reform muh die Vereinfachung der Verwaltung, der Abbau von Aemtem und Aufgaben wie auch eine Verringerung des Beamtenapparates fein. Durch die Einfüh­rung des Vetorechts einer zweiten Kammer ist der Ausgabenbewilligungsfreudig­keit der Parlamente ein Riegel vorzuschieben. Bis zum Wirksamwerden derartiger Mahnahmen sind die Befugnisse des Reichssparkom­mis s a r s erheblich zu verstärken, so dah seine Ermittlungen nicht nur Vorschläge bleiben, son­dern auch verwirklicht werden können. So­fortige Anpassung aller Gehälter an die ge­sunkene Leistungsfähigkeit der Wirtschaft ist un­bedingt geboten.

gemessene Preise und Entlastung der Ausgaben-

Den Frauen sagte ich noch, sie sollten einen Arzt holen und rief in die Küche hinein:Alles raus!" Darauf verliehen wir die Wohnung. Ihm sei später von verschiedenen Personen geraten worden, anstatt seiner Vorstrafe (Zuhälterei) die Tat als Eifersuchtstat hinzuftellen, weil Wessel ihm seine Braut abspenstig gemacht habe.

Auf die Frage des Vorsitzenden:Sie hatten alle bei der Sturmabteilung Waffen?" erwiderte der Angeklagte:Von der Partei war es verboten, aber ich hatte mir drei bis vier Wochen vor der Tat eine Pistole gekauft, weil es so gefährlich in unserem Bezirk war. Sie diente meinem per­sönlichen Schu tz." Der Vorsitzende wies den Angeklagten darauf hin, dah er im Vorverfahren nichts davon gesagt habe, dah der Schuß ver­seh en tlick losgegangen sei. Der Angeklagte gab zu, daß im Lokal verabredet worden sei, Wessel eineproletarische Abreibung" zu geben, wenn er die Wohnung nicht verlasse. Der Angeklagte Rückert erklärt, niemand habe an eine Tötung gedacht, nur wegen der Miete habe man der Frau Salm helfen und Wessel hinausbefördern wollen. Rückert erklärte, daß er in den Jahren 1914 bis 1930 nur drei Jahre in Freiheit gewesen sei. Die übrige Zeit habe er entweder in Fürsorgeanstal­ten oder in Gefängnissen verbracht.

(Sine Sabotage-Verschwörung gegen die Gowjetregierung.

K o w n o. 22. Sept. (TU. Funkspruch.) Wie aus Moskau amtlich gemeldet wird, hat die OGPU. eine große sowjetfeindliche Or­ganisation entdeckt, die in verschiedenen Städten Hungersnöte Hervorrufen wollte, um dadurch Aufstände gegen die Sow­jetregierung herbeizuführen. Insgesamt wurden bisher 31 Personen verhaftet, darun­ter der ehemalige Generalmajor Rjasan- ze w, der Industrielle R o p o w und zwei Priester. Den Verhafteten wird außerdem zur Last gelegt, wichtige Geheimnisfe der Sow- zetindustrie ausländischen Mächten verraten und mit gegenrevolutionären Or­ganisationen in Verbindung gestanden zu haben. Bei ihnen sollen Sprengstoffe und zahlreiche Schriftstücke gefunden worden sein. Sie werden nicht vom obersten Gerichtshof, sondern von einem Sonderausschuß der OGPU. abgeurteilt werden. Den Hauptangeklagten droht die To­desstrafe. Der verhaftete Rjasanzew hat ein Ge- ständniS abgelegt, daß er im Solde der englischen Industrie gestanden habe. Er fei im Jahre 1924 mit einer britischen Dele­

gation in Verbindung getreten, und habe durch die Vermittlung eines Industriellen 10 000 Pfund erhalten für den Aufbau einer Organi­sation. die die russische Eis- und Kälteindustrie zerstören sollte. Ihm sei die Gründung einer solchen Organisation gelungen, die auch Fäden in die Provinz ge­habt habe. Rjasanzew erklärte weiter, daß er dem englischen Rachrichtendienst nicht nur wirtschaftliche, sondern auch poli­tische Rachrichten geliefert habe. Die eng­lischen diplomatischen Kreise in Moskau stehen diesen Angaben sehr skeptisch gegenüber und erklären, daß eine Verbindung Rjasanzews mit der englischen Industrie nicht in Frage komme.

Aus aller Well.

Antideutsche Kundgebungen in Prag.

Im Kino Avion auf dem Prager Wenzelsplatz kam es bei der Vorführung des deut­schen TonfilmsDer unsterbliche Lump" zu Demonstrationen jugendlicher faschistischer Ele­mente. Die Vorstellung mußte unterbrochen werden, bis die Polizei die Ruhestörer aus dem Kino entfernt hatte. Vor dem Kino sammelten sich zahlreiche junge Leute, besonders Mädchen, an und belästigten d eu t s ch spr e ch en d e Gäste in dem in dem gleichen Hause unter­gebrachten Cafe. Die Demonstranten umlager­ten das Kino und riefen u. a.:Es lebe das tschechische Prag! Rieder mit den Deutschen! Rieder mit den Iuden!" Als die Demonstran­ten der Aufforderung des Polizeikommandanten, auseinanderzugehen, nicht Folge leisteten, wurde das Kommando zur Benutzung des Gummi­knüppels gegeben. Vor dem Polizeikommissariat setzten neuerliche Demonstrationen ein, denen die Polizei durch energisches Vorgehen ein Ende setzte.

Ausweisung eines nationalsozialistischen Arztes.

2(uf Antrag der Polizeidirektion in Hamm ver­fügte der Regierungspräsident die Ausweisung des Arztes Dr. Jrsigler aus Deutschland. Dr. Jrsigler, ebenso wie seine Familie, ist von Ge­burt Tschechoslowake. Er hat in der tschecho­slowakischen Armee gedient und ist Ende des Jahres 19 28 nach Deutschland ein- gewandert. Zur Zeit ist er als Arzt an einem Hammer Krankenhaus angestellt. Dr. Jrsigler hat den Ausweisungsbefehl durch seine aktive Propa­ganda in nationalsozialistischen Wahlversammlungen und Straßcndemonstrationen zur Bekämpfung des deutschen Staatsrvesens hervorgerufen. Die Natio- nalfozialisten haben zu Protestkundgebungen gegen

die Ausweisung aufgerufen. Dr. Jrsigler hat gegen die Ausweisung Berufung beim Bezirksgericht eingelegt.

In einer Mitteilung der Polizeidirektion heißt es: Es ist bekannt, miL^welcher Schärfe im Auslande vielfach gegen Deutsche vorgegangen wird, die sich in irgendeiner Weise mißliebig gemacht haben. Da­her konnte auch die politische Betätigung des Tsche­choslowaken Jrsigler im preußischen Staatsgebiet nicht geduldet werden und seine Ausweisung als lästiger und unerwünschter Ausländer war aus Gründen der Staatsautoritat geboten. Das Verhalten des Dr. Jrsigler stellt eine um so größere Verletzung der ihm als Ausländer gewährten Gastfreundschaft dar, als er im Gegensatz zu vielen deutschen notleidenden Volksgenossen hier gewinnbringende Ar­beit und Beschäftigung hatte. Die Natio­nalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei vertritt ja sonst den Standpunkt, daß kein Ausländer im Inland Brot und Arbeit finden soll, solange noch ein Deut­scher arbeitslos ist. Dieser Grundsatz muß deshalb auch im vorliegenden Falle zur Anwendung kom­men.

Schloß Tarasp wird Jamilienffiftung.

Der Odolfabrikant ßingner in Dresden hatte bekanntlich bei seinem Ableben das ihm gehörige Schloß Tarasp im Engadin ßem früheren König von Sachsen vermacht, der aber "dieses Ver­mächtnis ausgeschlagen hatte. In zweiter Linie war derfrühereGroßherzogvonHes- f e n bedacht worden. Dieser hatte das Erbe an­getreten. Wie verlautet, sind jetzt Verhandlungen eingeleitet worden mit dem Ziele, diese aus- - ländische Besitzung in eine Familienstiftung um­zuwandeln.

Eröffnung der Evangelisch-lutherischen Konferenz in Augsburg.

In Augsburg wurde die allgemeine evangelisch-lutheriiche Konferenz feierlich eröff­net. Im Goldenen Saal des Rathauses fand ein Empfang durch die Stadt Augsburg statt. Der Präsident der Konferenz, der sächsische Landes­bischof Dr. I h m e l s, hob hervor, daß die Kon­ferenz sich der verborgenen Einheit aller Christ­gläubigen bewußt sei. Der Eröffnungsgottesdienst in der Darfüher-Kirche mit der Predigt des bayerischen Kirch en Präs identen Dr. Veit (Mün­chen) gestaltete sich zu einer erhebenden Feier. Auf einem Degrühungsabend in der Sänger­halle behandelte Generalsuperintendent Dr. Zöllner (Münster) in einem VortragDie Rechtfertigung allein durch den Glauben" als Zentralthema der Augustina und Apologie.

Generalversammlung des (Evangelischen Bundes.

Im Rahmen der Generalversammlung des Evangelischen Bundes fand nach einem Fest- gottesdienste in der Stadtkirche im Kongreßsaal der Feste Koburg ein Festakt statt. Rach ein­leitenden Musikvorträgen tat Ministerialdirektor Dr. Conze den entschlossenen Willen des Evan­gelischen Bundes kund, zusammenzustehen zur Verteidigung des evangelischen Glaubens und der evangelischen Weltanschauung, von denen die Zu­kunft des deutschen Vo'lkes abhänge. Hieran schloß sich der Festvortrag von Äniversitäts- professor Dr. Schumann über denSinn evangelischen Bekennens". Im Anschluß an seine Rede nahm Professor Dr. Schumann im Auftrage der theologischen Fakultät der Universität Tü­bingen die Ehrenpromotion des lang­jährigen Führers des Evangelischen Bundes in Bayern, Stadtpfarrer Fikenscher, Rürnberg, zum Doktor der Theologie vor. Auf einer Kund­gebung im Festungshof sprach Oberkirchenrat Dr. Kühn überUnser Bekenntnis zum evange­lischen Glauben", worauf Prof. Höfler, Rürn­berg, das Bekenntnis zur protestantischen Tat forderte. Eine Festaufführung von Strindbergs Luther" im Landestheater beschloß die General­versammlung.

Oie Wetterlage.

4

ßö/t

jtO

M

Jan

ewomenlos.® neiter. <> naro oeaecxt »wenig. eoeotcxxiteoen * Schnee Oraupem neoei H Gewitter.@wmd$tiiiL«O-' seh# leichter Ost £ massiger Südsüdwest Q stürmischer «ordwesl öle Pfeile fliegen mit dem winde Oie oeioen Stationen dienenden Zah­len oeDen die Temperatur an. Pie Limen verpindeo Orte mit gleichet» tuf rteeresnii/eau umgerechneten Luftdruck

Wettervoraussage.

Die Nordmeerstörung zieht nach Skandinavien ab und der Einfluß der Randstörungen erstreckt sich infolgedessen mehr nordwärts. Wohl hat die Warm­luft ihr Bereich bis nach dem Festlande ausaestreckt und auch über dem westlichen Deutschland Tempe­raturanstieg gebracht, sowie Bewölkung und vielfach Nebel und Dunstbildung, ferner vereinzelte Nieder­schläge verursacht. Eine weitere Beeinflussung der Wetterlage durch die Störung ist nicht mehr zu er­warten, vielmehr bleibt der hohe Druck, welcher sich namentlich im Nordosten weiter aufbaut, bestim­mend für die Wetterlage.

Aussichten für Donnerstag: Be­wölkt mit Aufheiterung, etwas kühler, trocken.

Lufttemperaturen am 23. September: mittags 15,6 Grad Celsius, abends 13,3 Grad; am 24. September: morgens 12,2 Grad. Maximum 15,6 Grad, Minimum 11,4 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 23. September: abends 16 Grad; am 24. (Septembers morgens 13,9 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 2)4 Stunden,