Partei tue, könne nur auf verfassungsmäßigem Wege geschehen.
Der Vorwurf national» sozialistischer Zellenbildung.
Ludin wird darauf hingewiesen, daß ihn die Aeußerung, er wolle möglichst in jedem Wehrkreis einige zuverlässige Leute haben, besonders schwer belaste und den Schluß auf die Absicht einer na« tionalsozialistischen Zellenbildung innerhalb der Reichswehr nahelege. Weiter wird von dem Vorsitzenden an Ludin die Frage gerichtet, was die Aeußerung bedeute, die Entwicklung werde sich über mehrere Jahre erstrecken, weil alle Teile aus dem Hitlerputsch gelernt hätten. Ludin erklärte, daß gerade diese Aeußerung g e g en die Absicht eines gewaltsamen Umsturzes spreche, da der Zusammenbruch des Hit- ler-Putsches den Beweis dafür erbracht habe, daß auf illegalemWege nichts zu erreichen sei. Der Vorsitzende bezeichnete diese Schlußfolgerung als wenig glaubwürdig, zumal in der gleichen Unterredung von Ludin weiter erklärt worden sei, die Nationalsozialisten und nationalen Verbände würden sich dann auf keinUnterne hm e n e i n l a s s e n , wenn sie wüßten, daß sie dabei d i e Reichswehr nicht hinter sich hätten. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob der Angeklagte auch heute noch den cingeschlagenen Weg für richtig halte, gab er unumwunden zu, daß er das verneinen müsse. Auch Wendt erklärte, daß ihm und seinen Kameraden e i n e U m st u r z a b s i ch t ferngelegen habe. Sie hätten lediglich von unten her die wahre V o l k s st i m m u n g, die gegen den Versailler Vertrag und gegen den young- plan gewesen sei, zur Kenntnis des Reichswehrmini st eriums bringen wollen, das dann seine Konsequenzen hätte ziehen können.
Scheringer gibt zu, seine Kameraden für ihre Reise aus eigenen Mitteln unterstützt zu haben. Das Geld komme also nicht von der RSDAP. Man habe nur die Offiziere anderer Garnisonen dazu bestimmen wollen, gemeinsam zum Ausdruck zu bringen, daß der Kurs der Armee falsch sei und der Geist der Truppen durch die Haltung des Reichswehrministeriums leiden müsse. Die Verhandlungen seien auch durch dchl Gewissenskonflikt ausgelöst worden, daß man im Falle innerer Hnruhcm gezwungen wäre, auch auf Angehörige nationaler Verbände zu schießen. Als der Vorsitzende Scheringer vorhielt, er habe einem Leutnant Wolf gegenüber ausdrücklich von einer nativnalsozialisti- sch en Zellenbildung gesprochen, verwahrte sich Scheringer dagegen mit der Bemerkung, es müsse sich „hier um einen ungeheueren Orr tum handeln".
Hitler wird als Zeuge geladen
Zum Schluß stellte Rechtsanwalt Frank als Verteidiger Wendts den Antrag, den Führer der R. S. D. A. P., Hitler, als Zeugen darüber zu vernehmen, daß die R. S. D. A. P. davon ab- ; ife^c, auf illegalem Wege die Verfassung av ! ändern. Denn von dieser Aussage hänge sehr viel für die Angeklagten ab. Reichsanwalt Dr. R a g e l hielt diese Ladung dagegen für die Beurteilung der Schuldfrage völlig unerheblich, da der Prozeß ja nicht darum gehe, welche letzten Ziele die R. S. D. A. P. habe; in dem vorliegenden Prozeß handele es sich vielmehr darum, was die Angeklagten getan hätten und was ihre Ziele gewesen seien. Auch Rechtsanwalt Dr. Sack wandte sich namens seiner Klienten gegen die Vernehmung Hitlers. Er jedenfalls habe kein Interesse an dieser Vernehmung. Dr. Frank hielt aber seinen Antrag aufrecht. Kurz nach 7 Ähr abends erging ein Beschluß rdes Gerichtes dahin, dem Anträge Dr. Franks stattzugeben. Hitler der sich zur Zeit in "Berchtesgaden zur Erholung aufhält, soll vom Reichsanwalt auf schnellstem Wege für Donnerstagvormittag als Zeuge geladen werden.
DjeTötungdesStudentenWessel vor Gericht.
B e r l i n, 23. Sept. (ERB.) Der Andrang des Publikums zu der Schwurgerichtsverhandlung des Wessel-Prozesses war heute noch größer als am ersten Tage. Schon beim Morgengrauen hatten sich d i ch t-e M e n s ch e n m a s s e n auf der Freitreppe vor dem alten Kriminalgerichtsgebäude Altmoabit angesammelt. Darunter waren recht dunkle Elemente, und es kam während des Wartens zu sehr w ü st e n Szenen, die schließlich so ausarteten, daß die Polizeibeamten einschreiten und mit Gummiknüppeln Ordnung schaffen muhten. Frauen, die vorne standen, wurden hochgehoben und von radaulustigen Burschen über die Köpfe der Dahinterstehenden nach hinten befördert. Als dann die Cingangstore geöffnet wurden, entstand ein förmlicher Kampf unter den Wartenden, um zuerst hineinzugelangen.
Änter allgemeiner Spannung wurde
der Hauptangeklagte Albrecht Hoehler vernommen. „Ali" ist einer großer, blonder und trotziger Mann im Alter von 32 Oahren. Er bestätigte die Frage des Vorsitzenden, daß er vielfach vorbestraft sei. Er habe Wessel nicht gekannt und nicht gewußt, wo er wohnt. Er habe auch nicht gewußt, daß Erna Oaenicke, die er von früher kannte, seine Braut war. On der Küche der Wohnung habe dann die Frau Salm erklärt, wir möchten vorsichtig mit We s s e l sein; denn er sei leicht mit der Waffe bei der Hand. Er habe dann seine Pistole hervorgeholt, sie geladen, gesichert und wieder in die Manteltasche gesteckt. Als Wessel die Tür öffnete, habe er offenbar die Situation sofort erkannt und unwillkürlich nach seiner Gesäßtasche gefaßt. Der Angeklagte erklärte weiter: „Och rief: „Hände hoch!"; Wessel hat aber in der Aufregung eine weitere Bewegung nach der Gesäßtasche gemacht, so daß ich glaubte, er wolle eine Waffe ziehen. Och riß nun meine Pistole heraus, die in die Tasche hineinge- drückt war. Diesem Ämstande schreibe ich allein zu, daß ich dabei in der Aufregung dem Abzug zu nahe gekommen bin, und daß der Schuß losging. Der Obduktionsbefund muh erweisen, dah nach der Richtung des .Einschuhkanals von einem Zielen keine Rede sein kann. Och beugte mich nach dem Schuh über Wessel, um in seiner Gesäßtasche nach einer Waffe zu suchen; er hatte aber nur eine Stahlrute oder einen Gummiknüp- vel. die ich nicht herausnahm. Erna Oaenicke fragte mich was ich suche, und als ich erklärte, Waffen zu suchen, wies sie auf den Schrank' Dort sand ich eine Pistole, die ich an mich nahm.
Hindenburg gegen die Krisenmacher.
Oer Reichspräsident erklärt, daß keinerlei Putschgefahr vorliege und er der Durchführung des Sanierungsprogramms der Reichsregierung ausdrücklich zustimme.
Berlin, 23. Sept. (IeL-Un.) Der Reichs- Präsident ist von verschiedenen Vertretern der nordamerikanischen Publizistik gebeten worden, zu den Atarmnachrichten Stellung zu nehmen, die in den letzten Tagen über die deutsche Lage gerade in Amerika verbreitet worden sind. Seiner Gewohnheit entsprechend hat der Reichspräsident eine unmittelbare Antwort nicht gegeben. Er hat jedoch in seiner am Montag mit dem Reichskanzler geführten Unterhaltung diesen ermächtigt, zu erklären, dah er die vom Reichs- kanzler am letzten Samstag dem Berliner Vertreter eines amerikanischen Rachrichtenbüros gegebenen Ausführungen vollinhaltlich teile. Auch der Reichspräsident ist der Auffassung, daß eine Putschgesahr in irgendeinem Bezirk Deutschlands in keiner Weise vor
liege. Uebrigens würden die vorhandenen Vollzugsorgane durchaus ausreichen, in kürzester Zeit Ruhe und Ordnung wiederherzustellen.
Der Reichspräsident hat ferner in seiner Unterredung mit dem Reichskanzler der Absicht der Reichsregierung, alle Kräfte dafür einzusehen. um die seit längerer Zeit in Angriff genommenen umfassenden Sanierungsmaßnah- m en z u m Besten der deutschen Wirtschaft und des deutschen Volkes zu Ende zu führen, seine ausdrückliche Zustim- m u n g erteilt. Er vertraut hierbei auf den gesunden Sinn des deutschen Volkes und erwartet, dah trotz der ungewöhnlich schwierigen innen- und außenpolitischen Lage Deutschlands diese grohen Aufgaben auf dem Boden der bestehenden Verfassung gemeistert werden können.
Sie Forderungen des Rerchslandbundes.
Rentabilität der Landwirtschaft als Voraussetzung für eine Behebung der Wirtschastsnot.
Berlin, 23. Sept. (XU.) Der Bundesvorstand des Reichslandbundes faßte am Dienstag eine Entschließung zur politischen Lage, in der es u. a. heißt:
Der Reichslandbund begrüßt die bei der Reichstagswahl vom.14. September d. I. zum 2lusdruck gekommene Stärkung nationalpolitischen Willens im Gcsamtvolk und erwartet, daß im Reich und Preußen die Hindernisse für die Arbeit aller einsatz- und verantwortungs- vereiten nationalen Kräfte baldigst beseitigt werden. Der Reichslandbund erwartet die Rettung Deutschlands und seiner Landwirtschaft nickt von Parteikoalitionen und Parteiarithmetik, sondern von der Berufung unabhängiger, willensstarker, tatbereiter nationaler Füh-, rer durch den Reichspräsidenten. Das seit der Revolution in Deutschland herrschende System von Parteien st aat und Parteiregierung hat sich als unfähig zur Erfüllung der deutschen Führungsaufgaben erwiesen. Das ßanöoolf wird nur einer Regierung die Folgschaft leisten, die über den Parteien und über den Interessengegensätzen in Unabhängigkeit und Verantwortung die Notwendigkeiten des Staates und des Gesamt- volkes verkörpert. In einer weiteren Entschließung sprach der Bundesvorstand des Reichslandbundes Neichsminister Schiele einstimmig seinen Dank dafür aus, daß er seine aanze Persönlichkeit zur Rettung der Landwirtschaft eingesetzt hat.
Zur wirtschaftspolitischen Lage faßte der Reichs- landbund folgende Entschließung: Dah die im Voungplan festgesetzten Lasten von Deutschland nicht getragen werden können, ist durch die Entwicklung der Lage (Rückgang der Steuereinnahmen. Zusammenbruch der Kaufkraft der Landwirtschaft, Zunahme der Arbeitslosigkeit, Zunahme der Ausgaben und damit des öffentlichen Defizits usw.) erwiesen. Durch den Preis stürz auf fast allen Gebieten ist eine Wertsteigerung des Goldes und damit eine Verschärfung der ziffernmäßig fe st gesetzten Re- parationslasten eingetreten. Unbeschadet des grundsätzlichen Kampfes gegen jede Reparationsbelastung fordert der Reichslandbund die sofortige Erklärung des Zahlungsaufschubs. Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit kann nachhaltig nicht durch Herumkurieren an Symptomen, sondern nur durch Beseitigung der Ursachen gelöst werden. Wenn der Landwirtschaft für ihre Produkte wieder an*
feite, insbesondere auch eine Zinsentlastung ver°i schafft werden, so nimmt sie nicht nur selber in vermehrtem Maße Arbeitskräfte auf, sondern bietet auch der Industrie eine stärkere Sicherung des Absatzes, die Möglichkeit der Produktionsvermehrung und erhöhter Beschäftigung von Arbeitskräften. Daraus ergibt sich die Forderung — nicht zuletzt im Interesse der Arbeitslosen selbst — die RentabilitätderLandwirt schäft wieder herzustellen. Ein Land, das wie Deutschland ausländische Agrarprodukte, die entweder nur dem Luxuskonsum dienen oder durch heimische Erzeugnisse erseht werden können, einführt, ist stets in der Lage, die Preisbildung im Inlande den Produktionskosten anzupassen.
Das Tarif- und Schlichtungswesen in Verbindung mit dem Achtstundenarbeitstag und Auswüchsen auf dem Gebiete der sonstigen Sozialpolitik nimmt, da überwiegend politisch gehandhabt, keine Rücksicht auf die Leistungsfähigkeit der Betriebe und eine für die gesamte Bevölkerung tragbare Preisbildung. Die hierdurch erzwungenen Rationalisierungsmahnahmen haben erfahrungsgemäß das Heer der Erwerbslosen verstärkt. Die Auflockerung und baldigste Beseitigung der Zwangsbewirtschaftung der Arbeit und Bereinigung der sonstigen Sozialpolitik ist daher eine für die Ueberwindung der Arbeitslosigkeit, Entlastung des Sozialetats kund Ankurbelung der Wirtschaft unerläßliche Forderung. Weiter ist aber eine Reform der öffentlichen Ausgabenwirtschaft zu fordern, die auch vor Derwaltungs- und Verfassungsänderungen nicht zurückschrecken darf. Das Ziel dieser Reform muh die Vereinfachung der Verwaltung, der Abbau von Aemtem und Aufgaben wie auch eine Verringerung des Beamtenapparates fein. Durch die Einführung des Vetorechts einer zweiten Kammer ist der Ausgabenbewilligungsfreudigkeit der Parlamente ein Riegel vorzuschieben. Bis zum Wirksamwerden derartiger Mahnahmen sind die Befugnisse des Reichssparkommis s a r s erheblich zu verstärken, so dah seine Ermittlungen nicht nur Vorschläge bleiben, sondern auch verwirklicht werden können. Sofortige Anpassung aller Gehälter an die gesunkene Leistungsfähigkeit der Wirtschaft ist unbedingt geboten.
gemessene Preise und Entlastung der Ausgaben-
Den Frauen sagte ich noch, sie sollten einen Arzt holen und rief in die Küche hinein: „Alles raus!" Darauf verliehen wir die Wohnung. Ihm sei später von verschiedenen Personen geraten worden, anstatt seiner Vorstrafe (Zuhälterei) die Tat als Eifersuchtstat hinzuftellen, weil Wessel ihm seine Braut abspenstig gemacht habe.
Auf die Frage des Vorsitzenden: „Sie hatten alle bei der Sturmabteilung Waffen?" erwiderte der Angeklagte: „Von der Partei war es verboten, aber ich hatte mir drei bis vier Wochen vor der Tat eine Pistole gekauft, weil es so gefährlich in unserem Bezirk war. Sie diente meinem persönlichen Schu tz." Der Vorsitzende wies den Angeklagten darauf hin, dah er im Vorverfahren nichts davon gesagt habe, dah der Schuß verseh en tlick losgegangen sei. Der Angeklagte gab zu, daß im Lokal verabredet worden sei, Wessel eine „proletarische Abreibung" zu geben, wenn er die Wohnung nicht verlasse. Der Angeklagte Rückert erklärt, niemand habe an eine Tötung gedacht, nur wegen der Miete habe man der Frau Salm helfen und Wessel hinausbefördern wollen. Rückert erklärte, daß er in den Jahren 1914 bis 1930 nur drei Jahre in Freiheit gewesen sei. Die übrige Zeit habe er entweder in Fürsorgeanstalten oder in Gefängnissen verbracht.
(Sine Sabotage-Verschwörung gegen die Gowjetregierung.
K o w n o. 22. Sept. (TU. Funkspruch.) Wie aus Moskau amtlich gemeldet wird, hat die OGPU. eine große sowjetfeindliche Organisation entdeckt, die in verschiedenen Städten Hungersnöte Hervorrufen wollte, um dadurch Aufstände gegen die Sowjetregierung herbeizuführen. Insgesamt wurden bisher 31 Personen verhaftet, darunter der ehemalige Generalmajor Rjasan- ze w, der Industrielle R o p o w und zwei Priester. Den Verhafteten wird außerdem zur Last gelegt, wichtige Geheimnisfe der Sow- zetindustrie ausländischen Mächten verraten und mit gegenrevolutionären Organisationen in Verbindung gestanden zu haben. Bei ihnen sollen Sprengstoffe und zahlreiche Schriftstücke gefunden worden sein. Sie werden nicht vom obersten Gerichtshof, sondern von einem Sonderausschuß der OGPU. abgeurteilt werden. Den Hauptangeklagten droht die Todesstrafe. Der verhaftete Rjasanzew hat ein Ge- ständniS abgelegt, daß er im Solde der englischen Industrie gestanden habe. Er fei im Jahre 1924 mit einer britischen Dele
gation in Verbindung getreten, und habe durch die Vermittlung eines Industriellen 10 000 Pfund erhalten für den Aufbau einer Organisation. die die russische Eis- und Kälteindustrie zerstören sollte. Ihm sei die Gründung einer solchen Organisation gelungen, die auch Fäden in die Provinz gehabt habe. Rjasanzew erklärte weiter, daß er dem englischen Rachrichtendienst nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Rachrichten geliefert habe. Die englischen diplomatischen Kreise in Moskau stehen diesen Angaben sehr skeptisch gegenüber und erklären, daß eine Verbindung Rjasanzews mit der englischen Industrie nicht in Frage komme.
Aus aller Well.
Antideutsche Kundgebungen in Prag.
Im Kino Avion auf dem Prager Wenzelsplatz kam es bei der Vorführung des deutschen Tonfilms „Der unsterbliche Lump" zu Demonstrationen jugendlicher faschistischer Elemente. Die Vorstellung mußte unterbrochen werden, bis die Polizei die Ruhestörer aus dem Kino entfernt hatte. Vor dem Kino sammelten sich zahlreiche junge Leute, besonders Mädchen, an und belästigten d eu t s ch spr e ch en d e Gäste in dem in dem gleichen Hause untergebrachten Cafe. Die Demonstranten umlagerten das Kino und riefen u. a.: „Es lebe das tschechische Prag! Rieder mit den Deutschen! Rieder mit den Iuden!" Als die Demonstranten der Aufforderung des Polizeikommandanten, auseinanderzugehen, nicht Folge leisteten, wurde das Kommando zur Benutzung des Gummiknüppels gegeben. Vor dem Polizeikommissariat setzten neuerliche Demonstrationen ein, denen die Polizei durch energisches Vorgehen ein Ende setzte.
Ausweisung eines nationalsozialistischen Arztes.
2(uf Antrag der Polizeidirektion in Hamm verfügte der Regierungspräsident die Ausweisung des Arztes Dr. Jrsigler aus Deutschland. Dr. Jrsigler, ebenso wie seine Familie, ist von Geburt Tschechoslowake. Er hat in der tschechoslowakischen Armee gedient und ist Ende des Jahres 19 28 nach Deutschland ein- gewandert. Zur Zeit ist er als Arzt an einem Hammer Krankenhaus angestellt. Dr. Jrsigler hat den Ausweisungsbefehl durch seine aktive Propaganda in nationalsozialistischen Wahlversammlungen und Straßcndemonstrationen zur Bekämpfung des deutschen Staatsrvesens hervorgerufen. Die Natio- nalfozialisten haben zu Protestkundgebungen gegen
die Ausweisung aufgerufen. Dr. Jrsigler hat gegen die Ausweisung Berufung beim Bezirksgericht eingelegt.
In einer Mitteilung der Polizeidirektion heißt es: Es ist bekannt, miL^welcher Schärfe im Auslande vielfach gegen Deutsche vorgegangen wird, die sich in irgendeiner Weise mißliebig gemacht haben. Daher konnte auch die politische Betätigung des Tschechoslowaken Jrsigler im preußischen Staatsgebiet nicht geduldet werden und seine Ausweisung als lästiger und unerwünschter Ausländer war aus Gründen der Staatsautoritat geboten. Das Verhalten des Dr. Jrsigler stellt eine um so größere Verletzung der ihm als Ausländer gewährten Gastfreundschaft dar, als er im Gegensatz zu vielen deutschen notleidenden Volksgenossen hier gewinnbringende Arbeit und Beschäftigung hatte. Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei vertritt ja sonst den Standpunkt, daß kein Ausländer im Inland Brot und Arbeit finden soll, solange noch ein Deutscher arbeitslos ist. Dieser Grundsatz muß deshalb auch im vorliegenden Falle zur Anwendung kommen.
Schloß Tarasp wird Jamilienffiftung.
Der Odolfabrikant ßingner in Dresden hatte bekanntlich bei seinem Ableben das ihm gehörige Schloß Tarasp im Engadin ßem früheren König von Sachsen vermacht, der aber "dieses Vermächtnis ausgeschlagen hatte. In zweiter Linie war derfrühereGroßherzogvonHes- f e n bedacht worden. Dieser hatte das Erbe angetreten. Wie verlautet, sind jetzt Verhandlungen eingeleitet worden mit dem Ziele, diese aus- - ländische Besitzung in eine Familienstiftung umzuwandeln.
Eröffnung der Evangelisch-lutherischen Konferenz in Augsburg.
In Augsburg wurde die allgemeine evangelisch-lutheriiche Konferenz feierlich eröffnet. Im Goldenen Saal des Rathauses fand ein Empfang durch die Stadt Augsburg statt. Der Präsident der Konferenz, der sächsische Landesbischof Dr. I h m e l s, hob hervor, daß die Konferenz sich der verborgenen Einheit aller Christgläubigen bewußt sei. Der Eröffnungsgottesdienst in der Darfüher-Kirche mit der Predigt des bayerischen Kirch en Präs identen Dr. Veit (München) gestaltete sich zu einer erhebenden Feier. Auf einem Degrühungsabend in der Sängerhalle behandelte Generalsuperintendent Dr. Zöllner (Münster) in einem Vortrag „Die Rechtfertigung allein durch den Glauben" als Zentralthema der Augustina und Apologie.
Generalversammlung des (Evangelischen Bundes.
Im Rahmen der Generalversammlung des Evangelischen Bundes fand nach einem Fest- gottesdienste in der Stadtkirche im Kongreßsaal der Feste Koburg ein Festakt statt. Rach einleitenden Musikvorträgen tat Ministerialdirektor Dr. Conze den entschlossenen Willen des Evangelischen Bundes kund, zusammenzustehen zur Verteidigung des evangelischen Glaubens und der evangelischen Weltanschauung, von denen die Zukunft des deutschen Vo'lkes abhänge. Hieran schloß sich der Festvortrag von Äniversitäts- professor Dr. Schumann über den „Sinn evangelischen Bekennens". Im Anschluß an seine Rede nahm Professor Dr. Schumann im Auftrage der theologischen Fakultät der Universität Tübingen die Ehrenpromotion des langjährigen Führers des Evangelischen Bundes in Bayern, Stadtpfarrer Fikenscher, Rürnberg, zum Doktor der Theologie vor. Auf einer Kundgebung im Festungshof sprach Oberkirchenrat Dr. Kühn über „Unser Bekenntnis zum evangelischen Glauben", worauf Prof. Höfler, Rürnberg, das Bekenntnis zur protestantischen Tat forderte. Eine Festaufführung von Strindbergs „Luther" im Landestheater beschloß die Generalversammlung.
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Wettervoraussage.
Die Nordmeerstörung zieht nach Skandinavien ab und der Einfluß der Randstörungen erstreckt sich infolgedessen mehr nordwärts. Wohl hat die Warmluft ihr Bereich bis nach dem Festlande ausaestreckt und auch über dem westlichen Deutschland Temperaturanstieg gebracht, sowie Bewölkung und vielfach Nebel und Dunstbildung, ferner vereinzelte Niederschläge verursacht. Eine weitere Beeinflussung der Wetterlage durch die Störung ist nicht mehr zu erwarten, vielmehr bleibt der hohe Druck, welcher sich namentlich im Nordosten weiter aufbaut, bestimmend für die Wetterlage.
Aussichten für Donnerstag: Bewölkt mit Aufheiterung, etwas kühler, trocken.
Lufttemperaturen am 23. September: mittags 15,6 Grad Celsius, abends 13,3 Grad; am 24. September: morgens 12,2 Grad. Maximum 15,6 Grad, Minimum 11,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 23. September: abends 16 Grad; am 24. (Septembers morgens 13,9 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 2)4 Stunden,


