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sah zu Deutschland zu Land und zu See noch in Waffen starren, nicht gesonnen sind, ihre kriegerischen Machtmittel aus der Hand zu geben. Don einerAbrüstungskonferenz^ im wahren Sinne deS Wortes kann nach diesen teilweise geradezu gequälten Verhandlungen und Abreden nicht mehr die Rede sein.

Reform der hessischen Gemeindebeamtenversicherung.

Darmstadt. 23. April. (WHD.) Der Gesetz- gebungsausschuß des Hessischen Land« lags, der morgen Zusammentritt, wird sich wahr­scheinlich schon in dieser Sitzung mit dem von der 'Regierung vorgelegten Gesetzentwurf über d i e Aenderung des Versicherungsge­setzes für gemeindliche Beamte beschäs- Hgen. Diese Versicherungsanstalt besteht bereits seit l»08 und hat rund 4600 gemeindliche Beamte, An­gestellte und sonstiae Bedienstete, sowie auch Bür­germeister der Landgemeinden als Aktiv-Versicherte und etwa 1000 Rentenbezieher. Im letzten Jahre zahlte sie 2,3 Millionen Mk. an Pensionen und Hin- terbliebenenversorgung. Die Mittel werden im we­sentlichen aufgebracht durch die Beiträge der Ver­sicherten und durch Umlagen der Anstellungskörper- schäften (Gemeinden und Gemeindeverbände, Kreise und Provinzen) in der Weise, das; die Versicherten jährlich 3 o. H die Anstellungskörperscl/aften zuletzt 13 vH. des leistungspflichtigen Diensteinkommens zahlten. Außerdem hat noch der Staat bisher einen jährlichen Zuschuß in Höhe von etwa 170 000 Mk. gezahlt, der in diesem Jahr im Rahmen des Spar­programms wegfallen soll. Diese Einnahmen haben sich als unzureichend erwiesen. Eine sci)ematische Er­höhung des Umlagesatzes der Anstellungskörper­schaften von 13 auf 14 v. H., die im Vorjahre von der Versicherungsanstalt vorgeschlagen worden war, ist vom Landtagsau<sfchuß abgelehnt worden. Zur 3eit liegt n o ch k e i n D e f t z i t bei der Anstalt vor. Es muß aber schon vom nächsten Jahr an mit Fehlbeträgen von durchschnittlich einer halben Million gerechnet werden. Der Gesetzentwurf soll nun die notweMge Abhilfe brin­gen und für die kommenden Jahre die erforderlichen Einkünfte sicherstellen, insbesondere durch Ausmer­zung zweier Fehler, die als Hauptursache für die schlechte Finanzentwicklung anzusehen sind: 1. durch die schärfere Heranziehung der schlech­ten Risiken zur Beitragsleistung und Umlage, weil viele Anstellungskörperschaften die Gepflogen- heit haben, Personen in vorgerücktem Lebensalter zur Versicherung zu bringen; 2. durch die Besei­tigung der bisher unentgeltlich er­folgten Anrechnung der früheren Dienstzeit bei Eintritt in die Versicherungs­anstalt, weil den meisten Personen, die in die An­stalt aufgenommen werden, gemäß den bisherigen Bestimmungen in weitgehendem Maße Dardienstzeit unentgeltlich angerechnet werden mußte.

Der Gesetzentwurf schlägt zu diesem Zweck vor, bei einem Gintrittsalter bis zu 30 Jahren (den besten Risiken) die Sätze von 3 bzw. 13 Prozent alS untere Grenze zu belassen, für jedes Jahr deS späteren Gintritts aber sowohl von dem Versicherten, wie von der Anstellungskörperschaft i c Vto Proz. Beitrags- und Umlage- erhöhung au verlangen. Außerdem ist eine ' Sonderleistung für den Fall des Eintritts t bei besonders hohem Alter vorgesehen. Zum anderen soll die unentgeltliche Anrechnung der 7 Vordienstzeit künftig grundsätzlich in Wegfall kommen. Statt dessen soll für jedes Dienst* fahr, das den Versicherten in Anrechnung ge­bracht wird, drei Jahre lang von beiden Teilen, vom Versicherten wie von der Anstel* lungskörperschast 1 Proz. Zuschlag gezahlt werden. Schließlich soll noch der Zuschuß, der von den Anstellungskörperschaften zu den einzelnen Renten gezahlt wird, von 10 auf 15 Proz. erhöht werden, so daß die Anstalt selbst statt bisher 90 Proz. der Pensionen oder Htnterblie* benenbezüge künftig nur noch 85 Proz. zu leisten hätte. Diese individuelle Erhöhung ist insofern gerechtfertigt, als sie gerade diejenigen Gemein­den trifft, die durch besonders zahlreiche Herein-

Die sieben Brüder."

Ein finnischer Roman.

Ein deutscher Verlag, Heinrich Minden in Dresden, hat diesen Roman*) und den Dichter entdeckt, der ihn schrieb: A l e k s i s K t v i, von dem bisher bei uns nur wenige Eingeweihte et­was wußten, der 1834 bis 1872 lebte, ein ver­schollener Rachfahr der europäischen Romantik, dessen spanische Dämonie heute kein europäischer Dichter mehr erreicht, den einzigen Knut Ham­sun ausgenommen.

In prächtiger Prosa (wundervoll ins Deutsche übertragen) strömt dies bäuerliche Heldenlied von den sieben Brüdern dahin, durchstickt von den dramatisch direkten Reden ihrer Unterhal­tungen. Diese Unterhaltungen sind ein Triumph der Kivlschen Schaukraft und Gestaltungsstärke, denn im Dialog, ohne beschreibende Regiebemer­kungen, werden diese sieben Profile scharf und deutlich: von Juhani, dem Aeltesten, der bei Beginn 25 Jahre, bis zu Gero, dem Jüngsten, der 18 Jahre alt ist. So hausen sie auf dem Hof von Jukola, der immer mehr herunter­kommt. Vater und Mutter sind längst tot. In ihre sorglosen Jungmännertage voll Jagd und Rauserei bricht die erste dunkle Wolke: sie müssen lesen lernen, sonst droht der Propst des Kirchspiels ihnen die öffentliche Schande des Fußblocks an.

Gefaßt und bedrückt gehn sie zum Küsten, dem ^'^brälentanten von Staat und Obrigkeit, Zwang und Zucht, der ihnen unter Schimpfen und Zausen daS ABE in die zoitlgen Schädel trichtert. Aber da brechen sie aus, die Ungebärdigen; sie fliehen, verpachtnr ihren Jukolahof auf zehn Jahre an Den Gerber und ziehen mit Schießzeug und den Hunden, dem Hahn, der Katze und dem ein­äugigen Schimmel Walko, der den kleinen Haus­rat fährt, in den Urwald am Fuß de« Jrnpi- waara. Sie bauen sich ein Blockhaus und feiern eine wilde, verhängnisvolle Weihnacht. Bei einem Kübel schäumenden Bieres, von dem auch die Tiere, weil es Weihnacht ist, ihr Teil bekommen, geht es bald hoch her. Ihr jugendlicher Kräfte­überschwang tobt sich im alten Reckenspiel im Ringkampf, au«, Spottverse fliegen, Juhani stampft einen Tanz zu Geros Gesang. Zwischen Brodem von Jugend, Blut und Erde und dem D'.nst von Gerstensaft und Ruhgeflacker, von

*) Alekfis Kivi: Die sieben Brü­der. Roman. 323 Seiten 8°. Verlag Skinrld) Minden, Dresden und Leipzig. (124.)

Der Kampf um den Milchpreis in Gießen

r

Konsumentenpreise

Datum

Stallpreise

Spanne

Seit dem Jahre 1927 hat der Handel im Vergleich zum Konsumentenpreis frei Haus feine Spanne jährlich um 1 Pf. vergrößert, b. h. von 12 auf 16 Pf. erhöht.

Während noch in der Zwangswirtschaft die Han- delsspanne etwa 30 v. H. oes jeweils gültigen Klein- Verkaufspreises der Stadt betrug (der Landwirt be­kam z, der Händler z des Kleinverkaufspreises), hot

Bon dem Milcherzcugcr-Verband, Sitz Friedberg, wird uns geschrieben:

Seit Jahr und Tag werden die Milchpreise der Stadt Gießen von den Vertretern der Landwirtschaft und des Handels gemeinsam fest­gesetzt. Verhandlungsgrundlage für die Preisbildung war bisher die Abmachung der Arbeitsgemeinschaft landwirtschaftlicher Organisationen und des Milch- Handels im Rhein-Mainismen Wirtschaftsgebiet un­ter Berücksichtigung von Angebot und Nachfrage.

Infolge der ungeheuren Absatzschwierigkeiten für landwirtsck-astliche Produkte und des damit ver­bundenen Preisrückganges war die Milch während der letzten Jahre das einzige Produkt, aus dessen Erlös die laufenden Ausgaben der Betriebe beftrit- ten werden mußten. Es wurde daher großer Wert auf restlose Abnahme und Verwertung der Milch gelegt. Hierbei wurde auch dem Han­del dadurch Rechnung getragen, daß sich seine Spanne bei Aufschlägen vergrößerte, da ja bei rest­loser Abnahme nicht alle angelieferte Milch zum Frischmilchverkauf verwandt werden kann.

Sehr Interessant Ist in diesem Zusammenhang eine Aufstellung über die Entwicklung der Kon­sum e n t e n p r e l f e, der an den Landwirt gezahlten Preise und nicht zuletzt der Han­delsspanne:

Daß die Landwirtschaft eine derartige Preispolitik nicht mehr mitmachen kann, ist selbstverständlich. Um die Versorgung der Stadt aufrecht zu erhalten, muß daher von feiten der Landwirtschaft mit allen Mitteln versucht werden, die Erzeugnisse direkt an die Verbraucher abzusetzen, auch in den Fällen, wo Umwandlungen vor sich gehen müssen. Jede Verteuerung vom Produ­zenten zum Konsumenten muß zum Vorteil beider Gruppen ausgeschaltet werden.

Vielleicht Interessieren sich auch Stadt und Behör­den einmal für diese unhaltbaren Zustände.

sich das Verhältnis im Laufe der Zeit sehr zuun­gunsten der Landwirtschaft verscho­ben. Gibt es doch heute Gemeinden, wie Lang- Göns und Leihgestern, die vor den Toren der Stadt Gießen liegen und nur noch d i e Hälfte des in Gießen gültigen Kleinoerkaufs- Preises für ihre Milch erzielen.

Aus obiger Aufstellung ist auch ersichtlich, daß sich die Erzeugerpreise in umgekehrtem Sinne entwickelt haben wie die Handels- spanne: während der Bauer von Jahr zu Jahr weniger für seine Milch bekommt, wird die Handelsfvanne stets größer. Auch trägt der Handel nicht mehr, wie In früheren Jahren, das Risiko der Verbutterung, sondern jeder überständige Liter Milch wird heute den Bauern auf dem Lande stehengelassen.

Die Auswirkungen dieser katastrophalen Erzeugerpreise'bedeuten für die &J, mllchversorgung Gießens eine große Gefahr, da die Landwirte bei dem geringen Er­lös aus der Milch nicht mehr in der Lage find, die entsprechende Sorgfalt bei der Gewinnung der Milch anzuwenden und die Erzeugung in ausreichendem Maße aufrecht zu erhalten. Selbst wenn die Milch heute in den Schweinestall pder in die Kälbermagen wandert, läßt sich In vielen Gemeinden noch eine bessere Rente als bei dem Frischmilchverkauf an die Händler erzielen.

26. 8.27

30 Pf.

18 Pf.

12 Pf.

7.11.27

32

19

13

16. 1.28

32

18

14

1. 6.28

32

17

15

1. 3.30

32

16-17

1516

nähme von Personen In vorgerücktem Lebens­alter die Anstalt auch besonders belasten.

Die Regierung hat es aus grundsätzlichen Gr- wägungen abgelehnt, die Kasse etwa durch Her­absetzung der Leistungen aus die erforderliche unanfechtbare finanzielle Grundlage zu stellen.

Oderheffen.

Büi-germeister-Zubi'äum in Leihgestern

x» Leihgestern, 23. April. Nicht jedem Bür­germeister einer Landameinde ist es vergönnt, e i n Vierteljahrhundert hindurch das Vertrauen der Mehrheit der Gemeindebürger zu besitzen und 25 Jahre lang als Bürgermeister Im A m t zu stehen. Dieses Vertrauen genießt unser der­zeitiger Bürger m ei st er Johs. Heß XXIV., der am 22. April sein silbernes Amtsjubi- läum feiern konnte. Das Kreisamt Gießen über­sandte dem Jubilar ein Glückwunschschreiben, in dem es ihm seine Anerkennung für die langjährige ge- wissenhafte Amtsführung aussprach, ferner gingen zahlreiche Gratulationen aus Freundes- und Be- konntenkreisen ein. Auf den besonderen Wunsch des Jubilars, von einer größeren Veranstaltung abzu- sehen, beschloß der Gemeinderat einstimmig, den Jubilar auf J)cm Rathaus In einer schlichten, aber würdigen Feier zu ehren. Neben den gesamten Ge- melnbeDcrtretern hatten sich Abordnungen aller Orts- vereine dazu eingefunden. Den Arbeitsplatz des Bürgermeisters hatte man zu einem Ehrenplatz hergerichtet und mit Blumen geschmückt. Sichtlich gerührt betrat der Jubilar den Rathaussaal, und alle Anwesenden erhoben sich zum Gruß von ihren Plätzen. Beigeordneter Gg. Waldschmidt über­reichte dem Jubilar ein kunstvolles Diplom, sowie einen in feinstem Leder gebundenen und prächtig ausgestatteten Ehrenbrief. Die Druckzeilen bei­der Geschenke sprachen von der gefälligen Dienst- bereitschaft des Jubilars, der gewissenhaften Amts­führung und den herzlichen Wünschen der Gemeinde,

daß es dem Jubilar auch fernerhin vergönnt sein möge, zur gedeihlichen Entwicklung unserer Ge- rneinde an deren Spitze zu stehen. Der Beigeord­nete hob in seiner Ansprache die Verdienste des Gefeierten hervor und wies besonders darauf hin, unter welch schwierigen Verhältnissen er das Ge- rneindeschisslein über die Kriegs- und Jnflatlons- jähre hinweggefteuert habe. Nachdem sämtliche Ge­meindevertreter den Jubilar beglückwünscht hatten, sprachen die Vorsitzenden folgender Vereine Glück­wünsche aus und Übersichten jeder einen prachtvollen Blumenkorb: GesangvereinEintracht", Gesangver­einLiederkranz", Arbeiter-GesangvereinHarmo­nie", Turnverein 1893, TurnvereinFrisch Aus" und der Arbeiterturnoerein, der Kriegerverein und die Freiwillige Feuerwehr. Der Turnverein 1893, dessen Mitglied der Bürgermeister war, ernannte den Ju­bilar bei dieser Gelegenheit zum Ehrenmitglied. Inmitten der vielen Blumengaben erhob sich bann der Jubilar und dankte mit gerührter Stimme, aber Innerlich erfreut für diese schlichte, würdige Feier, die ihm zu Ehren in schönster Eintracht aller Ver­eine und der Gemeindevertretung veranlaßt wor­den war. Er führte in feiner Dankrede aus, daß es Ihm ein Bedürfnis fei, allen Gemeindeoertretern, die ihm während feiner Amtsführung mit Rat und Tat zur Seite gestanden hätten, besonders zu danken, und er gedachte auch derer, die von ihnen schon in kühler Erde ruhen. Mit dem 'Gelöbnis, daß er auch fernerhin bemüht fein werde, nach bestem Wissen und Können für das Wohl unserer Gemeinde zu wirken, schloß der Jubilar seine Worte. Bürger­meister Heß steht Im 62. Lebensjahre; er wurde im Jahre 1925 auf 9 Jahre wiedergewählt. Schon sein Vater und sein Großvater versahen hier das Amt des Bürgermeisters, das nunmehr feit 88 Jahren in der Familie des Jubilars sich befindet.

Landkreis Gießen.

> Al ken - Duseck, 23. April. Eine unge­wöhnlich kleine Anzahl von Konfirmanden wurde am 2. Ostertag hier eingesegnet, nämlich 12,

wilden Humoren überleuchtet, eine Szene von so schäumendem Leben, daß man homerischer Mähler gedenkt oder der Dauernschankenbilder der Hol* länder. Und gerade in diesen blitzenden Jubel hinein fährt das Verhängnis; schon liegen die Brüder, zum Schlaf entkleidet auf der Pritsche, als noch einmal Rauferei ausspringt, der Kien­span stürzt inS Stroh, die Hütte flammt, nur im kurzen Wergleinenhemd umstehen die Brüder den Brand; da dreht der Rachtwind, Frost fällt ein und die sieben halbnackten Menschen rennen im Mondschein Stunde um Stunde je zwei auf dein ausgreifenden Walko, die andern mit bloßen Füßen, von den blutigen Schnauzen der Wölfe umheult, über die Heide, über schneeige Straßen und sumpfige Wiesen dem fernen Jukolahof zu. Keiner, der diese wilde heldische Szene gelesen hat, wird sie je wieder vergesfen können. Wie eine Mutter nimmt der Heimathof die Ver* sprengten auf. Aber zum zweiten Male ziehen die Beharrlichen aus, bauen ein zweites Haus am Jmpawaara. Der unerschöpfliche Strom der dichterischen Phantasie trägt Immer neue Aben­teuer und Farben heran bis auf der sprühenden Jugendhöhe die Bahn der Erzählung sich nieder­senkt und nach hundert Abenteuern im warmen, aber wurzeltiefen Kreise des Menschlichen mün­det. Zehn Jahre sind verstrichen. Der bäuerliche Hof wird wieder sichtbar, nun aber Im vollen Sonnenglanz erprobter Reife und männlicher Bewährung. Gin neuer Hof ist am Ginödwald des Jmpawaara entstanden, Katen und Vorwerke gliedern sich an, geschlichtet ist aller Menschen­streit, sogar das schwere Hindernis deS Lesen­lernens ist genommen, und als sie nun auch im geliebten Jukolahof wieder einziehen, sind die heldenhaften Abenteuer nachschwingender Klang eines Liedes von Trotz und schäumenden Ueber- schwängen und entschwundener Jugend. Der be­leuchtende Strahl der Erzählung, der das ganze Epos hindurch mit einem Blick die Sieben im gemeinsamen Geschick und Gespräch band, wandert am Schluß prismatisch zerteilt von einem zum andern, nun da ein jeder auf Angewiesenem Sondersitz sein Männerschicksal in eigene Hand nahm und Stammhalter neuer Geschlechter wurde. Der letzte Strahlenschein deS Bereichs trifft Gero, dcir Jüngsten, und schwillt noch einmal, bevor die Dichtung erlischt, zu stiller inniger Glut.Zur Gattin hatte er die schlanke Tochter uuS Seunala, die flachshaarige, scheuäugige Anna..

Ginmal an einem Sonntagabend im Sommer, als sich die Sonne nach Rordwesten neigte, und Luft und Wald still ruhten, saß sie allein mit ihrem Kind auf der Bank. ES herrschte

tiefer Frieden in der sonntäglichen weiten Stube der Kätnerei, und die laubgeschmückte Diele lächelte. Es herrschte Stille und Schweigen; bloß dgnn und wann tönte aus der Ferne vom Birkenhügel hell eine Viehglocke herüber. Und sie singt ihrem Kinde ein leises, schwermütiges Lied.Als sie aber aufgehört hatte, schaute sie lange schweigend durchs Fenster zur Höhe. Rur eine Sommerschwalbe schwebte, dem Auge kaum erkennbar, im Fluge dort hin und her, leicht und munter wie der Gedanke eines Glück­lichen. Da sah sie, und ihre Wange, die sonnen­gebräunte, senkte sich auf die Schlafe des schlum- mernden Kindes."

Weit und groß ist der dichterische Raum dieses Buches, düsterraunend wie Waldestiefe, klar-durchsichtig, wie die Luft über den see­hellen Hochflächen des Rordenö; durchströmt vom Rauschen einer Melodie, die an die Fahrten des ithakasuchenden Odysseus gemahnte oder an die Prosaballaden von Gösta Berling, ge­füllt von Gestalten wurzelnder Echtheit und saf­tigster Plastik kurz Weltliteratur wie Grim­melshausensSimplizifsimus" oder Charles be CosterSUlenfpiegel" ober GogolsAbende".

Werner Deubel.

wurden soeben gefilmt!^

Doris Piccard in Paris wollte unbedingt zum Film. Die war jung, schlank, schön, und darüber hinaus felsenfest von ihrer Begabung überzeugt. Von dieser Einbildung beseelt, klapperte sie alle Filmstudios von Paris ab und versuchte, eine noch so kleine Anstellung zu ergattern. Die Aermste hatte aber ausgesprochenes Pech; die kunstunverständigen Regisseure gaben wohl gern Ku, daß sie einsüßes Mädel" sei, vertraten jedoch übereinstimmend den Standpunkt, daß Do­ris kein sogenanntes Filmgesicht besitze und sich keineswegs für die Leinwand eigene. Rach dem letzten Mißerfolg betrat die verkannte Film­größe eine Bar, um Ihren Schmerz mit diversen, nicht gerade alkoholfreien Getränken zu kühlen. Mit dem Erfolg, daß sie eine Stunde später milde gesagt in mehr als angeregtem Zustande die Aufmerksamkeit der Straßenpasfanten auf sich lenkte. Run bekämpft die Pariser Polizei die Trunksucht auf eine originelle, in vielen Fällen alänzend bewährte Weise: die Betrunkenen wer­ben auf Staatskosten gefilmt Kaum hat ein sol­cher seinen Rausch auf dem Polizeirevier aus­geschlafen, wird ihm dann unverzüglich der Streifen vorgesührt, auf daß er sich selbst davon überzeuge, wie menschenunwürdig er sich unter

je 6 Knaben und Mädchen, davon 2 Knaben, 1 Mädchen aus Trohe, während sonst die Zahl der Konfirmanden hier 30 bis 40 beträgt. Die Höchst^ahl hatte bis jetzt das Jahr 1891 mit 47. Vor 121 Jahren, nämlich im Jahre 1809 war es einmal eine ähnlich kleine Zahl, nur 11. Freilich in noch früheren Zelten war die Kon­firmandenzahl mitunter noch geringer, so im 3a6re 1721 nur 6 und aus dem Jahre 1674 berichtet das Konfirmationsregister: Cs sind keine Konfirmanden dagewesen. Im nächsten Jahre werden es wieder 22 sein. Am Sonntag Pal­marum wurden in der hiesigen Kirche neue schwarze Paramenten, zum Teil vom hiesigen Frauenverein gestiftet, und für die Passions­zeit und das Totenfest bestimmt, in Gebrauch genommen, die von der Paramentenanstalt des Elisabethenstiftes, Darmstadt, in mustergültiger Weise ausgeführt worden sind.

< Daubringen, 23. April. _,$n der letzten Gemeinde ratssitzung wurden folgende Be­schlüsse gefaßt: Es wurden zum Schulvorstand n: Wilh. Braun, Wilh. Schäfer VIII., nun und Wilh. O p p e r. Die Gemeinde übernimmt die Bürgschaft für ein Baudarlehen. Die Finanzkommission wird ermächtigt, mit der Firma Scheidhauer & Gießing wegen Er­höhung der Abgabe für gebrochene Steine in Ver­handlungen zu treten. Die Abgabe der von besagter Firma im hiesigen Ouarzitbruch gebrochenen Steine geschieht nämlich noch zu dem in dem Vertrag 1910 festgesetzten Preise. Die Gemeinde Bedangt nun eine den heutigen Verhältnissen angepaßte Abgabe.

V. Londorf, 23. April. Am Dienstagabend veranstaltete der Posau-nenchor Großen- B u s e ck ein schönes, wohlgelungenes Konzert. Der Vortrag zeugte von guter Schulung und hohem Können. Das zahlreich erschienene Publi­kum dankte mit wohlverdientem Beifall. Dirigent war ein Sohn von Pfarrer Kalbhenn, Großen-Buseck.

Beits berg, 23. April. Die Kinder unsere« Kirche wurden am zweiten Ostertage im Rach­mittagsgottesdienst durch den Pfarrer von Wir- berg konfirmiert. Die Zahl der Konfirman­den betrug 5. Unter reger Beteiligung der Ge­meinde fand die Feier statt, zu der Herr Lehrer Krämer die Chöre eingeübt hatte. Die Kollekte fürs Krüppelheim ergab 10 Mk., die Haussamm­lung für den Gustav-Adolf-Verein 16,25 Mk., die Konfirmandengabe 4 Mk.

6 Wir berg, 23. April. Die Konfirma­tion der Kirche des Kirchspiels fand am zwei­ten Osterfesttage statt. Während es vergangenes Jahr noch 24 Konfirmanden waren, wurden diesmal nur 10 Minder tonfirmiert, und zwar aus Beltershain 2, Göbelnrod 2, Reinhardshain 4, Harbach und Wirberg je 1. In den letztens 100 Jahren war die geringste Zahl der Konfir­manden des engeren Kirchspiels 16, und zwar 1841 und 1845, während die höchste Zahl 45 betrug im Jahre 1837. Der Konfirmationsgottes­dienst war, wie immer, aus allen Kirchspiels­gemeinden gut besucht, die Schüler von Göbelnrod sangen unter Leitung des Lehrers und Organisten: Allendörfer zwei Chöre. Der Pfarrer pre­digte über das Wort aus der Offenbarung: Halte was du hast, daß niemand deine Krone nehme, die Konfirmationsscheine waren aus dem Rauhen Haus mit dem Bild Per crucem ad lucem durchs Kreuz zum Licht. Die Sammlung fürs Krüv- pelheim ergab 20 Mk.» die Haussammlung für den Gustav-Adolf-Verein 45 Mk., die Konfir- mandengabe 8 Mk.

* Obbornhofen, 23. April. Die Arbeiten an der Anschluhwasserleitung von Inheiden in die hiesige Hauptzuführungs­leitung zu dem Schwel-Kraftwerk (Gefrag) in Wölfersheim sind jetzt so weit vorge­schritten, daß man hofft, die Zuleitung anfangs nächsten Monats übergeben zu können. Mit der Fertigstellung dieser Arbeiten werden leider wie­der eine größere Anzahl Arbeiter aus der Umgegend beschäftigungslos. Der seitherigen Gemeindeschuldienerin Marie Kammer Witwe, die nach 27jähriger Tätigkeit am 1. April in den Ruhestand getreten ist, wurde auf ein­stimmigen Beschluß des Gemeinderats in An­erkennung ihrer treuen Dienste ein Liegestuhl Überreicht. Bürgermeister Philippi hob in

Einwirkung des Alkohols benahm. So kam es auch im Falle von Fräulein Piccard. Sie sah sich im Vorführungsraum der Polizei haltlos durch die Straßen torkeln und zeigte ehrliche Reue. Sie flehte den zuständigen Beamten in­brünstig an, ihr den Film auszuhändigen; de« Streifen sollte künftig ihr Talisman werden, um sie zeitlebens vom Trinken abzuhalten. Dem frommen Wunsche des bekehrten Schäfchens tourte gern entsprochen, und Doris lief mit ihrem Talisman" schnurstracks in ein Filmatelier. Da­selbst bekniete sie den Spielleiter solange, bi» dieser sich bereit erklärte, sich den Polizeifilm anzusehen. Dann fällte er sein fachmännisches Urteil:Alle Hochachtung, kleines Fräulein! 3n berauschtem Zustande sind Sie in der Tat eine famose Filmschauspielerin. Ich hätte nicht übel Lust, Sie sofort zu engagieren. Ob Sie jedoch auch nüchtern etwas können...?"Darauf können Sie Gift nehmen, mein Lieber", erwiderte Doris verschmitzt lächelnd.Denken Sie ia nicht, daß ich ernst! ch berauscht war. Ich wollte Ihnen: lediglich beweisen, was ich kann; der ganze Rausch auf der Straße war Komödie!" Der Regisseur machte große Augen, klingelte den (von vorn­herein eingeweihten) Barbesitzer an und erfuhr, das Doris am Tage ihres Schwipses in der Tat nur eine Flasche Selterswasser getrunken hatte. Da wurde die verkannte Filmgröße tatsächlich mit einem dreijährigen Vertrag angestellt. In Kürze wird sie sich wohl auch dem deutschen Kino­publikum vorstellen. Wie denn anders als in einer Rauschszene...

Hochfchulnachrichien.

Der Ordinarius der Mathematik an der Universität Frankfurt a. M. Dr. Earl Siegel, ist vom Kultusminister beauftragt worden, im bevorstehen­den Sommersemester an der Universität Göttin- gen Vorlesungen und Uebungcn abzuhalten. Mit seiner Vertretung ist Frl. Emmy N o e t h e r, nicht- beamteter a. o. Professor In Göttingen beauf- tragt. Ernannt wurde der nichtbeamtete a. o. Pro. feffor Lic. Otto Piper in Göttingen zum ordentlichen Professor der systematischen Theologie in der evangelisch-lheologischen Fakultät der Universität Münster als Nachfolger von K. Barth. Pro- icJ|O£ Oskar Schmieder von der University of California in Berkeley (U.S.A.) fjat einen auf den Lehrstuhl der Geographie an der Uni- oerfität Kiel als Nachfolger von Prof. L. Waibel erhalten und angenommen und bereits feine Er­nennung zum Ordinarius in der Kieler philosophi- jchen Fakultät erhalten.