Llternrentenanspruch und Znflablauf.
Von Mgierungsrat Weishaupt, Äreslau.
ii.
Oie Voraussetzungen.
Der Anspruch auf Elternrente (G.R.) kann zur Vermeidung des Ausschlusses nur b i s zum Ablauf von drei Jahren nach dem Tode des Beschädigten erhoben werden. Der Lauf der Fristen für die Erhebung des E. R.-Anspruches begann mit dem 1. April 1920, dem Zeitpunkt des Inkrafttretens des Reichsversicherung-gesehes (RDG.). Der Ablauf der Frist tritt frühestens mit dem 31. März 1930 ein. Diese Fristvorschrift ist vom 31. März 1922 auf den 31. März 1926 und endlich auf den 31. März 1 930 verlängert worden.
E. R. wird nur auf Antrag gewährt. Dersorgungsansprüche von Eltern, die auf Grund früherer Gesetze und Dorschristen ablehnend be- schieden werden muhten, können nur berücksichtigt werden, wenn sie erneut geltend gemacht werden. In diesen Fällen handelt es sich um Ansprüche auf Krieg Zelterngeldgcwäh- rimg nach dem Mil. H. Ges. 1907 oder Zuwendungen an Eltern, denen kein Kriegselterngeld zustand.
Bei der Entstehung des RDG. war man im Hinblick auf die zweijährige, jetzt dreijährige Ausschluhsrist davon ausgegangen, dah der gefallene Sohn innerhalb dieser zweijährigen Frist, deren Lauf erst mit dem 1. April 1920 begann, der Ernährer geworden sein mühte. Diese kurze Frist schloß jedoch nicht die Eltern aus, deren Sohn erst später an den Folgen einer Dienstbeschädigung (D. B.) starb. Sie konnten immer noch Ansprüche innerhalb zwei, jetzt drei Jahren nach dem Tode des Derstorbenen erheben. I st Kriegselterngeld, Zuwendung oder E.R. einmal vor dem 1. April 1930 beantragt bzw. bewilligt gewesen, so sind alle späteren Anträge auf E. R. - Gewährung nach der Einheitlichkeit des Vers or g u n g s a n sp r uchs fristgemäh auch nach dem 31. März 1 930 geteilt Für Eltern, deren Sohn erst nach dem 31. März 1927 an den Folgen von D. B. oder nach dem 1. Oktober 1927 an seinem Rentenleiden verstorben ist oder noch stirbt, hat der Fristtermin des 31. März 1930 keine Bedeutung. Doch müssen auch sie die dreijährige Frist nach dem Tode des Sohnes für den E. R.-An- spruch innehalten. Die Fristversäumnis kann gegebenenfalls auch behoben werden (§ 53 Ziffer 4 und 5 und Absatz 2 RDG.), wenn die Eltern an der Anmeldung ihres Anspruches durch Der- hältnisse verhindert worden sind, die außerhalb ihres Willens lagen, z. B. solange der Nachweis des Todes eines vermißten Sohnes bis zur gerichtlichen Todeserklärung nicht erbracht werden kann, liegt ein objektives Hindernis in den Verhältnissen vor, die vom Willen der Eltern unabhängig waren. Bei unfreiwilligem Aufenthalt im Ausland könnte in Unkenntnis der gegebenen Fristvorschriften die Frist versäumt werden. Doch gilt die Fristversäumnis als behoben, wenn die Anmeldung des Anspruchs innerhalb von sechs Monaten nach Wegfall der Hindernisse erfolgt. Unfreiwilliger Aufenthalt im Ausland liegt bei den in den abgetretenen Gebieten wohnhaft gewesenen Reichsdeutschen nicht vor. Die Gewährung von Eltern-Beihilfen (E. D.) ist an keine Frist gebunden.
Wenn die Voraussetzung für die Gewährung von E.-R. im Einzelfall nach Ablauf der Aus- schlußfrist des 31. März 1930 für die im Felde gebliebenen Söhne, oder nach Ablauf der dreijährigen Ausschluhsrist für die nach dem 31. März 1927 an D. V. oder ihrem Rentenleiden verstorbenen Söhne eintritt, und die Fristversäumnis durch die vorgezeichneten Ausnahme-Frist
vorschriften nicht behoben werden kann, so bestände immer noch, ohne Aenderung des Gesetzes, zur Verlängerung oder Aushebung der genannten Fristbestimmungen die Möglichkeit, in diesen Fällen den Eltern eine Versorgung in gleicher Höhe einer E. R. einschl. Zusatzrente (Z. R.) durch die Bewilligung der vollen Elternbeihilfe nach § 45 Abs. 3 RVG. zu gewähren. Eine Vorschrift, daß die E. B. Abs. 3 unbedingt geringer sein müßte als E. R. und Z. R. zusammen betragen, gibt es nicht.
Zur Begründung ist zunächst auf den Härte- paragraphen 14 des Altrentner- g e f e h e s (ARG.) Bezug zu nehmen, nach dessen Ausführungsbestimmungen in den Fällen Versorgung im Härteausg'eich an Hinterbliebene gewährt werden kann, in denen sie nach altem Recht, weil in ihm nicht vorgesehen, ablehnend beschieden werden mußten. Hierzu gehört auch die Elternversorgung, wenn ehemalige Angehörige der Wehrmacht an den Folgen einer vor dem 1. August 1914 erlittenen D. V. verstorben sind oder noch sterben. Der § 14 ARG. enthält keine Fristvorschrift; denn Härte - ausgleiche sind an keine Frist gebunden. Es ist nicht einzusehen, warum Kriegereltern des Weltkrieges schlechter als der Personenkreis des § 14 ARG. gestellt werden sollen. Es erscheint daher angebracht, den gleichstehenden Härteparagraphcn 113 RVG. heranzuziehen.
Abgesehen davon, daß das Reichsarbeitsministerium im Einvernehmen mit dem Reichsfinanzministerium auf Grund des § 113 RVG. — nach dem Härten, die sich nach den Vorschriften des RVG. ergeben, ausgeglichen werden können — zugelassen hat, dah bei Versäumnis der Ausschlußfristen, aber Erfüllung der sonstigen Voraussetzungen des Gesetzes im Falle des Bedürfnisses, Rentenbewilligungcn für K. B. und sonstige K. H. zum Härteausgleich erfolgen können, wären die Bedingungen für die Gewährung einer E. B. Abs. 3 im Falle der Fristversäumnis bei Erfüllung sämtlicher sonstiger Voraussetzungen eines E. R.-Anspruchs ohne weiteres erfüllt, denn: Ernährerfragc ist bejaht, Altersgrenze erreicht, ausreichender Unterhalt kann nicht bloß nicht unter besonderen Schwierigkeiten, sondern überhaupt nicht oder nicht ausreichend gewährt werden, die Einkommengrenze ist nichtüberfchritten. Mit anderen "Ißorcn: stände E. R. zu, so steht E. B. Abs. 3 selbstverständlich auch zu. Kann E. R. wegen Versäumnis der Ausschluhfristen nicht bewilligt werden, so wäre gegebenensalls E. B. Abs. 3 zu gewähren, da die Gewährung einer E. B. nicht einer Fristbindung unterliegt, sondern im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften in das pflichtmähige Ermessen der Versorgungsbehörde gestellt ist, die bei Ausschöpfung des sozialen Inhalts des RVG. in Fällen der' Frist- vcrsäumnis bei Erhebung von E. R.-Ansprüchen einen Standpunkt einnehmen wird, der diesem sozialen Inhalt entspricht. Es ist nicht Zweck der Auslegung sozialer Gesetze, die formalrechtlichen Vorschriften in den Vordergrund zu schieben. Auffallend hervorgetreten ist jedoch schon, daß die Fälle immer seltener werden, in denen selbst bei wohlwollendster Auslegung des Gesetzes E. R. bewilligt werden kann. Man nähert sich also der Auffassung wieder, die zur Zeit der Entstehung des Gesetzes vertreten wurde, nach der sich nach einer Rei.-e von Jahren nach Kriegsschluß die Ernährungsfrage, sogar trotz Einbeziehung der nach dem Tode des Beschädigten eingetretenen Umstände, immer seltener bejahen lassen wird. Daher kann zumeist schon jetzt nur mit der Deh i lf e v o n e/z der E. R. und Z. R. geholfen werden, weil nur angenommen werden
Die gefiederle Schlange.
Vornan von Edgar Wallace.
7 Fortsetzung 'Jlathbru(f verboten
Zuerst dachte er, sie wäre prüde, aber dann lachte sie.
„Kommen Sie auf jeden Fall — aber ich halte Sie von Ihrer Arbeit ab."
Er wartete, bis der Wagen langsam verschwand, dann bahnte er sich einen Weg durch die Menschen und ging die Treppe hinauf Er erkannte die stattliche Gestalt des Oberinspektors Clarke, der in der Halle stand. Der Detektiv ging ihm bis zur Treppe entgegen.
„Ich kann Ihnen noch nichts mitteilen, Dewin", sagte er. „Wie haben Sie denn von dieser Sache erfahren? Wir sind doch selbst eben erst angekommen?"
„Das hat mir ein kleiner Vogel verraten", sagte Peter. „Ist er tot?"
Clarke nickte.
„Es wäre besser, wenn Sie mich am Morgen besuchen." Er sägte das in einem bestimmten Ton, und Peter wußte, daß dagegen nichts zu machen war.
Er besah aber schon bedeutend mehr Informationen, als der Inspektor ahnen konnte. Er kannte jenes wichtige Ende einer Mordtragödie, den Damen des toten Mannes, und wußte außerdem, daß er in Bloomsbury wohnte, denn er hatte ifn dort in seinem Junggesellenhaushalt verschiedentlich besucht. Es hauste nur noch eine ältere Frau bei ihm, die ihm den Haushalt führte, kochte und die Aufwartefrauen beaufsichtigte, die täglich kamen, um die Wohnung in Ordnung zu halten.
Peter rief unterwegs eine Droschke an, er halte die Absicht, unter allen ümftänben die Wohnung Joes vor der Polizei zu erreichen. Er mußte irgendeinen Anhaltspunkt sinden, der Licht auf das Verbrechen werfen konnte, mochte es biegen oder brechen. Zu diesem Zwecke war er bereit, jedes Opfer zu bringen, selbst seinen guten Ruf und seine Ehrenhaftigkeit. Die Haushälterin kannte er von früher her sehr gut. Als er ankam, wollte sie eben die Wohnung verlassen, um au einer Filmvorstellung zu gehen. Sie hatte an diesem Abend Ausgang, auch erwartete sie Mr. Farmer erst spät abends zurück.
„Das ist schon alles in Ordnung, Mrs. Cur- tin," sagte Peter leichthin. „Ich werde so lange warten, bis er kommt."
Die alte Frau ließ ihn ohne Widerrede ein, denn es war nichts Ungewöhnliches, daß Farmers Freunde in der Wohnung auf ihn warteten, und Peter nahm eine Ausnahmestellung unter feinen Bekannten ein. Er konnte sich manches
herausnehmen, was anderen nicht gestattet war.
Er wartete, bis sich die Tür hinter der alten Frau geschlossen hatte, dann begann er eine schnelle Durchsuchung der Räumlichkeiten. Die Wohnung bestand aus vier Zimmern und einer Küche, die sich alle auf einen Korridor öffneten. Dieser führte zu einer verschwindend kleinen Eingangshalle und der Haustür. Reben der Küche lag das Speisezimmer. Es enthielt nichts, nur wurde Peters Achtung vor dem verstorbenen Farmer insofern größer, da es den Beweis lieferte, daß er ein Kenner guter Weine war. Dann kam das Zimmer der Haushälterin, das er nicht betrat Die beiden anderen Räume waren augenscheinlich Farmers Schlaf- und Arbeitszimmer. Das letztere hatte er immer seine „Höhle" genannt.
Dieser größte Raum der Wohnung war mit vielen Kosten, aber wenig Geschmack eingerichtet. In einer Ecke stand im Gegensatz zu den vielen vergoldeten Möbeln, den Drokattapeten und Vorhängen ein ganz einfacher Schreibtisch aus Tannenholz mit einem Rol ja ou'ie.er'chluß. Cr w Ute ihn öffnen, fand ihn aber verschlossen. Einfache Schreibtische aus Tannenho.z mit Roll- jalousien find jedoch alle nach einem Schema gebaut Der erste kleine Schlüssel, den er aus seinem Schlüsselbund versuchte, paßte schon in das Schloß. Er öffnete es und durchsuchte systematisch sämtliche Schubladen. Trotzdem Farmer nur geringe Bildung hatte, war er doch ein Mann, der ordentlich und methodisch arbeitete. Er fand ein dickes Bündel Abrechnungen über feine verschiedenen Lokale, Kneipen und anderen Unternehmungen. Sie waren sauber geordnet, zusammengebunden qnb in verschiedenen Fächern untergebracht Er entdeckte auch dicke Bücher, hie offenbar seine Privatabrechnungen enthielten. Am meisten interessierte den Zei- tungssachmann aber eine Schublade, die später in Den Tisch eingebaut worden fein mußte. Sie war mit einem Patentschloß gesichert, aber er hatte Glück, denn der Schlüssel steckte in dem Schloß. Es schien, daß Joe Farmer gerade an diesem Tag den Inhalt kontrolliert haben mußte, wie er später entdeckte.
Er schloß auf und zog die Schublade heraus. Sie war innen mit Stahlblech ausgeschlagen und hatte einen Metalldeckel in Scharnieren, der nicht verschlossen war. Er hob ihn auf und war aufs höchste erstaunt, daß der Inhalt nur aus zwei zusammengelegten Papieren bestand. Er faltete sie auseinander und betrachtete sie.
Der erste war offenbar ein Grundriß für einen großen Block von Arbeiterwohnungen. Peter brummte mißmutig, denn er wußte, daß Ioe Farmer seine Hand in vielen spekulativen Unternehmungen hatte. Wahrscheinlich gehörte dieser Bauplan auch dazu.
fann, dah der Verstorbene nur teilweise der Ernährer geworden wäre.
Rach der dargelegten Sachlage erscheint eine Gesetzesänderung zur Verlängerung der Frist des 31. März 1930 und der dreijährigen Ausschluhsrist nicht notwendig, denn außerdem noch eine Erweiterung des materiellen Rechts der Elternrentenversorgung zu erreichen, dürfte in Anbetracht der Finanzlage des Reiches aussichtslos fein.
Rach allem brauchen auch Kriegereltern, die zur Zeit eine Versorgung noch nicht erhalten, bzw. aus irgendwelchen Gründen noch gar nicht beantragt haben, keine Besorgnis zu hegen, daß ihnen der Fristablauftermin des 31. März 1930 den Weg zu einer Versorgung in Höhe einer E. R. einschl. Zusatzrente abschneidet, wenn auch ein klagbarer Anspruch in einem Teil der Fälle nicht mehr besteht.
Aus der provinzialhoupistavt
Gießen, den 24. März 1930.
Krei el und Kreide.
Natürlich weiß man, daß es jetzt Frühling ist. Man hat doch leine Schulbildung und feinen Kalender. Man wäre sich der neuen Jahreszeit aber noch nicht so recht bewußt, trotz der Sonne und der Blattknospen, wenn nicht die Kreisel wären.
Eine Schwalbe macht bekanntlich noch keinen Sommer, und e i n Kreisel noch keinen Frühling. Aber wenn er auf allen Ecken und Enden tanzt und springt, dann ist Frühlingsanfang.
Die Kinder fühlen ihn, und die Kreisel. Zu Hun- berten hüpken sie über den Asphalt, über die Plätze, springen auf Bürgersteige, über Bordschwellen, zwischen den Füßen hindurch, prallen von Häuserwänden zurück, und die Peitschen geben den Rhythmus.
Zu den Kreiseln tritt die Kreide in Aktion. „Himmel und Hölle" — ein paar Kreidestriche zaubern im Nu die Grenzen ihrer Wirksamkeit. Und gänzlich problemlos gelangt die Jugend von einem zum andern: ein Sprung in den Himmel, ein Sprung in die Hölle — hoppla — das ist das Leben!
Man kann es sich auch erschweren. Das Leben und die Sprünge. Im Humpelparadies. Ebenfalls durch Kreidestriche. Striche, Zahlen und Granitplatten ergeben da eine Formel, die sonnenklar (für den Wissenden) aufzeigt, wohin nach rechts oder links und ob mit einem Bein ober auf zwei Füßen gleichzeitig nach wo zu springen fei. Gar fein einfaches Spiel. Natürlich nicht, benn Seitenfpriinge zu regeln — versuchen Sie es mal!
Aber ben Kindern gelingt es. Und den Kreiseln. Und den Peitschen. Und den „Kullern", die iy (ach, so mühsam gekratzte!) kleine Löcher vor den Schwellen der Vorgärten kullern. Also, keine Sorge, wenn es noch etwas kalt ist, ober noch einmal kalt wirb — Frühlings Anfang ist ba, unb nun wissen wir — Fortsetzung folgt.
E. v. Massow.
Taten für Dienstag, 25 März.
1801: der Dichter Friedrich Freiherr von Hardenberg, Rovalis, in Weißenfels gestorben (geboren 1772); — 1860: der Politiker Friedrich Raumann in Störmthal bei Leipzig geboren (gestorben 1919).
Neu? Kraftomnibus ime der Aeichöpost.
Wie wir zuverlässig erfahren, übernimmt die Reichspost vorn 1. April ab die bisher in Privathand befindliche Kraftomnibuslinie Gießen — Steinberg — Grüningxn— Holzheim — Gambach. Der seitherige Detriebsinhaber dieser Linie, Herr Schneider (Gambach), wird vom 1. April ab auch seinen Wagenpark und die in Gambach neu errichtete Autohalle an die Reichspost mit übertragen. Der bisherige Fahrplan soll auch in Zukunft im wesentlichen beibehalten werden.
Das zweite Schriftstück bestand aus zwei Blättern Aktenpapier, Seite 3 und 4. Die Seiten 1 und 2 fehlten. Aus dem ganzen Stil ging hervor, daß diese beiden Seiten zu einer Zeugenaussage in einem Kriminalprozeh gehörten. Er las:
Der besagte William Lane war mir bekannt als ein Mann, der falsches Papiergeld vertrieb. Ich traf ihn zum erstenmal in dem Gasthaus „Rose und Krone", das ich gepachtet hatte. Er erzählte mir, daß er früher Matrose gewesen und noch nicht oft nach England gekommen sei. Dann fragte er mich, ob ich nicht gut gedrucktes, falsches Papiergeld von ihm übernehmen würde. Er gab an, daß er selbst Drucker sei und mir soviel falsche Pfundnoten liefern könne, als ich imstande fei, unterzubringen. Er habe bereits zwanzig Stück davon im Westen verausgabt, ohne daß es entdeckt worden sei. Ich dachte, er mache einen Scherz und erwiderte, daß ich nicht einmal im Traum ein solches Verbrechen auf mich nehmen würde. Dann lachte er und sprach nicht mehr davon. Aber zwei Tage später kam et in meine Privatbar, die im Westend liegt, und fragte den Darhalter, ob er ihm nicht eine Füns- pfundnote wechseln wolle. Mein Angestellter nahm das Geld und wechselte es. Als ich am Abend hinkam, berichtete er mir die Sache. Ich dachte auch nicht mehr daran, bis ich spät abends meine Abrechnung machte und die Einnahmen zur Ablieferung an die Bank zurechtlegte. Ich erinnerte mich an meine Unterhaltung mit William Lane und untersuchte die Banknote genau. Sie schien mir vollständig echt zu sein, aber ich nahm trotzdem am nächsten Morgen die Fünfpfundnote und ging zu meiner Depositenkasse und fragte den Kassierer, ob sie echt fei. Der sagte mir, dah es eine Fälschung wäre, und daß in den letzten Sagen schon mehrere Klagen eingelaufen seien. Auch die Polizei hatte bereits Mitteilung gemacht, dah falsches Papiergeld im Umlauf sei und sie vor der Annahme warne. Ich brachte die Banknote sofort zu dem Divisionsinspektor Brad- burh und erzählte chm von meiner Unterredung mit William Lane. Ich sagte ihm, daß er sich gerühmt hatte, mir Banknoten zu verschaffen, die jeder Entdeckung Trotz bieten würden. Der Inspektor gab mir den Rat, darüber zu schweigen und schickte einen Detektiv in meine Bar. William Lane kam nicht zurück, und am 17. wurde ich von dem Inspektor benachrichtigt, dah seine Wohnung durchsucht worden sei. Man hatte dort eine Presse, Druckmaschinen und falsches Papiergeld gefunden.
Bei der Gegenüberstellung sagte der Gefangene aus: Cs sei nicht wahr, dah Wllliam Lane nur einmal in dem Gasthaus „Rose und Krone" war, um die Fünfpfundnote zu wechseln. Es habe zwischen ihm und Farmer auch keine
„Der letzte Lord'
von Ugo Falena
ipieiB. „^er icijic uorv von .ugo gaiena .i (deutsch von Otto Eisenschih) mit Marianne ton W'L < Mewes in der Hauptrolle. Spielleitung Peter j Fassot. — Am Mittwoch, 26. März, wird die nf, amüsante Komödie „Die Sache, die sich Liebe { * nennt“ von Edwin Burke, Spielleitung: Karl |l$. <m(i Dolck, zum zweiten Male wiederholt. Das unter» ' haltsame Stück fand bei seiner Erstaufführung $
pirtpn fofir CRpifnn — Olm 'Slnnnffrdfnn "
' Jer ® Stichtag bei ndrMr b übet bet U 0.2 'Nicn ist die 3nbi auf 108,81 renb die 3 Halbwaren angezogen Fertigware weiter nach
einen sehr herzlichen Beifall. — Am Donnerstag. 27. März, spricht Professor Dr. Viktor im kunstwissenschaftlichen Seminar um 8 Uhr über Georg Büchner, den hessischen Dichter, dessen
Stücke „Leonce und Lena" und „Wohzeck" als Büchner-Abend am Freitag, 28. März, im Stadttheater zum ersten Male aufgeführt werden.
Bornotizen.
— Tageskalender für Montag. Lichtspielhaus Bahnhofstr.: „Der Gefangene der Bernina" (Spuren im Schnee) unb „Das letzte Souper" (Der Schuß in der großen Oper). — Astoria-Lichtspiele: „Die Goldmine von Santo Pari" unb „Varicte- Sterne".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Der Spielplan der Woche wird sich folgendermaßen gestalten: Am Dienstag, 25. März, ist die erste Wiederholung des am
vorigen Mittwoch zum erstenmal als südwestdeutsche Erstaufführung herausgebrachten Lustspiels: ~
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** Ablehnung eines Sachverständigen oder Steuerbeamten wegen Besorgnis der Befangenheit gibt es — wie wir im Rundschreiben Rr. 6 1930 der von dem Steuersyndikus Hermann Will (Gießen) herausgegebenen „Aktuellen Steuerfragen" lesen — im Steuerverfahren nicht (Reichsfinanzhof 21. März 1929 — II A 147/29 und 16. Februar' 1929 — II A 34/29). Es hängt von dem Ermessen des Beamten ab, ob er sich der 2llntsausübung wegen Befangenheit enthalten will oder nicht (§ 49 der Reichsabgabenordnung). Lediglich Aus- schuhmitglieder, die ein gleiches oder ähnliches Geschäft betreiben, tote der Steuerpflichtige, oder in einem solchen Geschäft angestellt sind, können zur Wahrung von Geschäfts- oder Betriebsgeheimnissen abgelehnt werden, wenn der Ausschuß über Erwerbs- oder Vermögensverhältnisse des Steuerpflichtigen Auskunft wünscht, die nicht ohne Offenbarung von solchen Geheimnissen gegeben werden kann. Aus denselben Gründen ist eine Ablehnung ' enarntlicher Mitglieder der Finanzgerichte möglich. Das Able^tunasgesuch ist beim Finanzamt bzw. dem Vorsitzenden der Kammer des Finanzgerichts anzubringen.
** Schneegänse. Am Samstag nach Sonnenuntergang flog ein Zug von annähernd 120 Schneegänsen mit lautem Geschrei über unsere Stadt hinweg. Die Tiere kamen aus der Richtung Klein-Linden und flogen über den Trieb nach Alten-Buseck zu weiter.
** Die Neubauten auf bem Hinteren ©elänbe der Neuen Kaserne (hinter ber städtischen Kaserne), Waffenmeisterei unb Reithalle, bie im vorigen Jahre begonnen mürben, finb nun-
fen. D"»
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mehr fertiggestellt. Durch bie Errichtung biejer beiden Bauten war bie Nieberlegung eines großen Teils ber Hinteren Kasernenmauer erforberlidj. Gegenwärtig wirb auf einem Betonsunbament eine hohe Umfassungsmauer aus bunklen Zieg Isteinen in ber Fluchtlinie ber beiben neuen fiskalischen Gebäude an ber neuangelegten, in die Straße „Am Kugel», berg" einmünbenben Straße aufgeführt. Hierdurch wirb bas gesamte, zum Teil noch unbebaute Gelände nach dem Kugelberg zu eingefaßt. Die neue Straße ist an ber Baustelle für Fuhrwerke nicht passierbar. Ein Kraftwagen, besten Führer vor einigen Tagen — wohl in Unkenntnis ber dort zur Zeit herrschenden Verhältnisse — ben Stra'jenteil von ber Startseite her passieren wollte, war gezwungen, an der Kasernenmauer zu wenden; hierbei kam er aber ber an bieser Stelle mehrere Meter abfallenden Böschung zu nahe unb rutschte babei in ben am städtischen Obstbaumstück vorbeiführenben Hohlweg. Die bas Obstbaumstück umgebenbe hohe unb starke
Unterhaltung über Vertrieb von falschen Banknoten stattgefunden. Auch entspreche es nicht der Wahrheit, daß seine Aussage in der Hauptverhandlung ein Gewebe von frei erfundenen Unwahrheiten fei.
Rachdem er noch einmal vorn Staatsanwalt befragt worden war: Es ist nicht richtig, wenn Lane behauptet, dah er fein Freund war. Er hat höchstens zwei- oder dreimal mit ihm gesprochen und kannte ihn jtuc als einen Gast der „Rose und Krone". Er wußte nicht einmal, wen er beherbergte, mit wem oder wo er lebte und wer seine Freunde waren.
Hier endete das Manuskript. Offensichtlich fehlten ein oder zwei Seiten. Peter untersuchte die anderen Blätter sorgfältig, aber ohne Erfolg. Zufällig drehte er eine Seite um unb fand auf der Rückseite eine Bleistiftbemerkung, die scheinbar die Fortsetzung der Zeugenaussage darstellte. Es war Ioes unleserliche Handschrift. Peter konnte sie aber entziffern.
,Ich bin sicher, daß dieser Mann William Lane war, weil gerade über feinem linken Handgelenk die Rarbe einer alten Schnittwunde lief, die ihm nach feiner Erzählung ein Reger auf einem Schiff beibrachte/
Am unteren Rand des Blattes standen noch drei Zeilen in blauer Bleistiftschrift:
,A. Bone starb am 14. Februar 1922. Harry, der Barmann, 18b Calle Rosina, B. A., sehr krank/
Peter Dewins Augen glänzten vor Erregung. Ohne Zögern faltete er die Papiere zusammen, steckte sie in seine Tasche und nahm den Plan wieder auf. Er wollte ihn eben wieder in die Schublade legen, als er den Hamen des Architekten und das Datum 1917 las. Warum hob Ioe Farmer diesen Plan all die Iahre aus? Das war ein Punkt, der vielleicht ein neues Licht auf die Angelegenheit werfen konnte. Der Plan wanderte deshalb auch in seine Tasche. 3n dem Augenblick hörte er ein Klopfen an der Tur. Er schaute sich schnell noch einmal um zog bie Schublade zu und schloß die Rolljawusie wieder, bevor er Inspektor Clarke die Haustür öffnete.
Das Gesicht dieses großen Mannes nahm plötzlich einen anderen Ausdruck an, als er den Reporter erblickte.
„Sie sind aber schnell bei der Arbeit," sagte er. „Wer ist außer Ihnen hier in der Wohnung?"
„Riemand,“ antwortete Peter ruhig. „Die alle Frau, die des Farmers Wirtschaft führt, ist ins Kino gegangen. Es ist doch merkwürdig, dah der Film so anziehend auf die Leute der niederen Klassen wirkt, Clarke."
(Fortsetzung folgt)
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