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2 Fortsetzung.
Nachdruck verboten.
letzten Jahre auch wieder Steuerabbau herbeizuführen. sobald günstigere Verhältnisse ihn für unser Gemeinwesen ermöglichen.
hältnisse — gesetzliche Stabilisierung der Realsteuern nach dem Stand vom 31. Dezember 1930 durch die Verordnung des Reichs- Präsidenten vom 1. Dezember 1930 und die starke Dedrohung kommunaler Selbstverwaltungsrechte durch die Einrichtung der Staatskommissare für hessische Gemeinwesen — ist nun auch der Stadtrat und die gesamte Gießener Kommunalpolitik vor eine völlig veränderte Sachlage gestellt worden. Es ist jetzt die sehr
eines Slaatslommissars zuvorkommen wird, oder ob durch eigene Entschlußkraft der gewählten Dürgervertretung unsere Finanzgebarung auch weiterhin auf der Grundlage der kommuna.en Selbstverwaltung zu gestalten ist. Wer diese Fragestellung und alle dabei in Betracht kommenden Gegenwarts- und Folgeerscheinungen so gründlich und mit vollstem Verantwortungsbewuhtsein ' prüft, wie es in den letzten Tagen in Stadtratskreisen und auch bei uns geschehen ist. der wird Wohl ebenfalls zu dem Ergebnis kommen, dah es für
unser Gemeinwesen und besonder« auch für den Mittelstand am besten ist, wenn der Stadtrat einem Stoatskommissar keine Betä- tigungsmöglichkeit in Gießen verschafft. Wir wollen selber Herr in unserem Hause bleiben, auch wenn dabei noch einige Opfer mehr erforderlich sind: jedenfalls ist das immer noch besser als dar Diktat eines Staatskommissars; deutlicher brauchen wir wohl nicht zu werden. Ein solcher Entschluß des Stadtrats, oder einer Mehrheit dieser Körperschaft, wird freilich die Preisgabe des bisherigen Standes der Steuersätze bedingen. Ob dabei der Standpunkt der VeNval- tung nach ihren Anträgen wirklich unantastbar sein wird, dürfte wohl noch sehr, sehr ernstlich von der Dtaotverwaltung und dem Stadtrat nachzuprüfen sein. Uns erscheint eS z. B. als eine außerordentliche Härte. to:nn dir Realsteuer-Erhöhung vom 1. April 1930 ab nach- erhoben werden soll. Eine solche rück-
Aus der Provinzialhauptstadi.
G i e ß e n, den 23. Dezember 1930.
O, Tannebaum!
häusliche Vorweihnachts-Tragödie.
Eine Axt, ein Bphrer, eine Säge, ein Hammer, ein Plagen, Verstecken, ein Jagen und hasten, und dann noch dazu ter übliche Jammer über den scheußlichen Nagelkasten.
Sechs Bretter und Brettchen, zwei hölzerne Keile, zwölf Nägel, acht Schrauben, ein blutender Daumen. Zwei Finger, zerkratzt von den Zähnen der Feile und Tannennadeln an Zunge und Gaumen.
Im neuen Parkett viel heftige Schrammen, und von der Frau viel ernste Belehrung. Diel Zornesworte und lodernde Flammen, viel Reden von einer schönen Bescherung.
Diel heimliches Kichern der wartenden Kinder, viel Lust, den Baum aus dem Fenster zu werfen.
Viel Worte und Aerger und dann nicht minder viel Aufwand an Arbeit, an Kraft und an Nerven.
Jetzt steht die Tanne! — Nach kurzer Pause da fällt sie zur Erde, die Zweige krachen.
Vater rast wutentbrannt aus dem Hause.
Mutter verzweifelt. — Die Kinderchen lachen.
Puck.
Bezirkssparkaffe Gießen.
Oie ordentliche Mitgliederversammlung. - Oer Bericht für 1929.
Don der Bezirkssparkasfe Gießen wird uns geschrieben:
Am 17. d. M. fand unter dem Vorsitz des Direktors Zach eis die diesjährige Mitgliederversammlung der Ve^irkssparkasse Gießen statt. Rach Vegrüßungsworten deS Vorsitzenden an die Herren Vertreter der De- zirksgemeinden, an den Vertreter der Aufsichtsbehörde. Herrn Oberregierungsrat Ritzel, und den Vorsitzenden des Hessischen Sparkassen- und Giroverbandes. Herrn Iustizrat Dr. Reh. wurde
der Geschäftsbericht für 1929 vorgetragen und in allen seinen Teilen von der Versammlung genehmigt.
Aus den, Geschäftsbericht ist zu erwähnen, daß im Jahre 1929 die Entwickelung der Sparkasse als durchaus günstig zu bezeichnen ist. Die Spareinlagen weisen gegen das Voriahr wiederum eine Zunahme von 2 457 000 Mk. auf. sie sind von rund 9 385 000 Mt. auf 11 842 000 Mark gestiegen. 3m Kontokorrentverkehr erfuhren die Debitoren eine Zunahme von 89263 Mk. Der Umsatz im Sparver- kehr betrug rund 11 000 000 Mk.. der Umsatz im Giro -(Kto. - Kor r. -) Verkehr betrug im Berichtsjahr in 158 333 Posten 55 752 498 Mk. Gegen da« Vorjahr war also eine Steigerung von über 10 Millionen Mark zu verzeichnen. Der Gesamtumsatz betrug 147 385 939 Mk.. erhöhte sich also gegen das Vorjahr um 29 182 821 Mk. Die Bilanzsumme stieg von 12 097 996 Mk. auf 14 280 316 Mk.. sie hat sich somit gegen das Vorjahr um 2 182 350 Mark erhöht. Die Rechnung schließt mit einem Rechnungsrest von 343 633 Mk.
Die Ausleihungen im Hypotheke n- Geschäft erfuhren eine Zunahme von über 400 000 Mk.. sie betrugen Ende 1929 4 146 000 Mark, während die Darlehen an Gemeinden und öffentliche Körperschaften um 1 Million Mark gestiegen sind.
Der Reingewinn betrug nach allen Abschreibungen 1 00 51 6 Mark.
Die Versammlung beschloß, entsprechend einem Vorschlag des Vorstandes und Aufsichtsrates, aus dem Reingewinn einen Fonds für eine anläßlich des hundertjährigen Bestehens der Sparkasse zu
Hoffs Stück kein Kassenstück? Es war ein bißchen sehr romantisch geraten — gewiß. Aber — gerade die Relson konnte doch da am Platze sein, Wörde- boffs Frau! Kassenstück? Rorma Relson mochte das wohl sehr gleichgültig fein, obwohl sie schon eine feine Rase für Effekte hatte. Der war doch nur an einer guten Rolle gelegen! Allerdings — eine gute Rolle durfte nicht zu sentimental sein! Mußte voll Leben — auch ein bißchen voll Aeußerlichkeiten stecken! Hm — eine verrückte Sache!
„Krüger!"
Er halte die Tür zum Vorzimmer geöffnet.
„Herr Direktor?"
„Rufen Sie mal zur Bühne an. Ich lasse Herrn Wördehoff und Dr. Römer zu mir bitten."
„Sofort."
Rorma Relson betrachtete die Spitzen ihrer eleganten Schuhe und lächelte fein. Etwas katzen- artig-Verhaltenes war jetzt in der Haltung ihrer Gestalt, die sich in den Sessel schmiegte.
Hollmann pendelte weiter auf und ab. Brummte ab und zu vor sich hin, was sich wie das Knurren einer Dogge anhörte.
Dann ein kurzes Klopfen an der Tür. Wörde- hofs und Dr. Römer traten ein. Hollmann begrüßte sie mit schmeichlerischer Höflichkeit. Er kannte seine Pappenheimer. Hier hieß es, von Anfang an freundlich zu sein, keine tragische Miene aufsehen, ganz den guten, alles verstehenden, alles verzeihenden Direktor spielen.
„Ich wollte gerade zur Probe runtertommen. meine Herren, mal selber nach dem Rechten sehen, da überraschte mich Frau Nelson. Ra — erzählte mir so allerlei seltsame Dinge — ich war wirklich bafs. Wirklich baff! Bitte — Platz zu nehmen, meine Herren. Herr Wördehoff — hier Ihre Lieblingdz.garre — Herr Doktor, die neueste Zigarette von Ihrer Leib» und Magenfirma. Ganz was Exquisites — hab' in der Rächt Dutzende davon geraucht. Ganz famose Mischung —"
Schon standen Kiste und Schachtel auf dem Rauch.isch, von Hollmann mit fabelhafter Fixigkeit aus dem Schrank herausgeholt. Wie der liebe Mond strahlte sein Gesicht.
„Bitte, Frau Relson —"
Auch sie nahm eine Zigarette, und Hollmann ging mit dem elektrischen Anzünder herum.
So, Gott sei Dank — man rauchte wenigsten« schon!
Er rückte fick den Sessel zurecht. Behaglich blickte er von dem einem zum andern.
„Ra — nu schießen Sie mal los, Wördehoff. 3hre liebe Gattin ist ja fuchsteufelswild auf Sie. Will nicht spielen, wenn Sie nicht die Dolle ändern. Ra?"
Wördehoff stäubte die Asche der Zigarre alx
^Fortsetzung folgt)
ernste Frage zu prüfen, ob durch Ablehnung der Anträge der Stadtverwaltung, d. h. Beibehaltung der bisherigen Steuersätze, eine starke Erschütterung der künftigen städtischen FinanzMirtschast
mit ihren unabsehbaren Auswirkung^
werden soll, der aber sicherlich die Einsetzung
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Ul,toanö schwer
Die kleine Alcolette
Vornan von Paul Hain
fort gehen Sie rein und melden mich. Basta!" Ausstampfen der Füs;e.
Krüger fiel förmlich in sich zusammen angesichts der kleinen, geballten Fäuste, die vor feiner Rase drohten.
.Gehen Sie! Herrgott — was sind Sie für eine Schlafmütze —"
Da hatte sich Hollmann schon aus dem Sessel erhoben und öffnete selbst die Tür zum Allerheiligsten.
„Ah — Frau Relson — bitte! Ich horte Die sprechen."
Er lächelte gutmütig über sein dickes Gesicht.
„Ditte — was haben Sie denn auf dem Herzen? S.e waren schon zweimal oben —"
Rorma Relson rauschte ins Zimmer. Ihr schönes, hochmütiges Gesicht war vor Erregung getötet, was ihm einen besonderen Reiz gab. Die Augen funkelten Ihre elegante Gestalt in dein flotten, mondänen Schneiderkostüm war gestrafft.
Die schritt nervös in die Tiefe de« Zimmers, fast bis zum Fenster, und wieder zurück, während Hollmann die Tür schloß und ergeben die dicken Hände über den Bauch faltete.
„Ja — waS gibt eS denn, Frau Relson? Die sind ja so aufgeregt —"
Die lieh sich in einen der Sessel fallen, schlug temperamentvoll ein Dein über das andere und brach nun los:
-Krach gibt«, Direktor! Krach! Sagen Sie mal, wissen Sie überhaupt, was „Das vergessene Königreich" für ein Stück ist?"
Kurze Pause.
„Ru natürlich —" konnte Hollmann gerade noch herausbringen, dann fuhr Rorma schon wütend fort:
„Ein Zugstück ist das nicht! Keine Spur von Kassenstück! Aeberhaupt keine gescheite Rolle! Mein Mann ist ein Esel, dah er - das nicht einliebt! Haben Sie überhaupt eine Ahnung davon, was wir unten auf der Bühne schon für Szenen aufgeführt haben? Vorgestern — da war der Teufel los! Hubert droht, das Stück zurückzuztehen! Gestern dasselbe Theater! Du lieber Gott! Direktor — ich mach' nicht mehr mit! Ich bin fertig! Römer schmeißt die Sache auch!"
Hollmann war plötzlich nicht mehr schläfrig Seine rundliche Gestalt reckte sich, soweit das möglich war
„Ja - was denn? Was ist denn loS? Warum will Römer schmeißen? Warum sind Sie fertig? Was ist denn überhaupt?"
Rorma Relson lachte beinahe belustigt auf.
„Meine Rolle
„Aha — also das! Wieder mal die Rolle —“
..'21 d) — lassen Sie mich doch ausreden! Ra- türlich - meine Rolle taugt nichts - Ist Humbug — ein Richts —"
-Das alte Leiden! Ick denke. Sie sind mit Ihrem Manne schon längst einig —"
gegen vielleicht noch härtere Steuerauflagen durch einen Staatskommissar aus- sprechen, keine unberechtigten Vorwürfe erhoben werden, da keiner zur Entscheidung in dieser Sache berufenen Person ein positiver Entschluß, wohl je so außerordentlich schwer werden wird, als der am nächsten Samstag nach Lage der Dinge erforderliche. Wobei sich se-lbftverständ- lich jeder verantwortungsbewußte Mitarbeiter: an unseren kommunalen Geschäften mit Recht Vorbehalten wird, nach dem Steueraufbau der
2.
Direktor Hollmann sah förmlich versunken in der weichen Lederpolsterung des Schreibtisch- fessels. Er war heute etwa« später als sonst ins Thealerbureau gekommen, und sein Sekretär, der spindeldürre Sebastian Krüger, platzte gleich mit der Reuigkeit heraus.
„Die Relfon hat schon zweimal nach Ihnen gefragt, Herr Direktor. Sie war wieder mal sehr aufgelöst!"
Hollmann machte sein „Direktorgesicht".
„Hat wohl wieder ihre „Rerven", die Rorma. Es >st doch Probe, nicht wahr?"
„Ja — gewiß. Schon seit zwei Stunden."
„Ra also."
Hottmann winkte gnädig ab und plumpste dann mit seiner Leibesfülle in den Sessel. So — Gott fei Dank! Er saß! Und das tat gut. Ein bißchen schläfrig war ihm ja noch immer zumute nach der sehr vergnügten Rächt, die er — ein lebenslustiger, wenn auch älterer und allzu wohlgenährter Junggeselle — im Buhnen- und Filmklub. und nachher in unterschiedlichen Dars verbracht hatte.
Etwas mißgestimmt griff er nach den Aktenstücken, die Krüger chm allmorgendlich auf den Schreibtisch zur Unterschrift vorlegte. Verträge, Abiagebriee von Engagement suchenden Künstlern, Steuerabrechnunaen und nochmal Steuerabrechnungen. Dazwischen ein paar Fachaufsätze, Kritiken, Presseoriefe und ähnliches.
Hollmann war nicht recht in der Stimmung, sich mit all dem zu beschäftigen.
Er schmauchte an seiner Zigarre und überlegte, ob er nicht den so wundervoll bequemen Sessel verlassen und zur Dühne heruntergehen sollte, um einmal der Probe beizuwohnen. Er hatte sich nun schon eine ganze Woche lang und noch länger nicht darum gekümmert.
Hm — was batte denn die Rorma wieder mal von ihm gewollt? Etwa schon wieder ein paar Tage Ferien? So zum frühen Frühlingsanfang?
Er horchte auf.
Hallo — war sie das nicht schon wieder? Da — die Stimme KrügerS im Rebenzimmer — getreu der allgemeinen Anweisung:
„-Sv r Direktor ist beschäftigt, Frau Relson — vielleicht in einer halben Stunde —"
Aber die Relson dachte nickt daran, nach einer halben Stunde noch einmal die Treppe zum DirektiönSbureau hochzuklettern.
„Reden Sie keinen Unsinn, Krüger. Wa« denken Die eigentlich — bin ich ’ne Statistin? So-
zwischen Mainz und Gießen gewisse Unterschiede bestehen, durch die den Gießener Sätzen ein höherer Stand Angewiesen wird, als aus der Ausstellung ersichtlich ist. Rach diesen Informationen find i n dem Mainzer Satz Leistungen mit enthalten, die in Gießen neben dem Sah gesondert zu zahlen find: rechne man diese Sonderleistungen dem Gießener Satz hinzu, so erhöhe er sich auch, ja vielleicht sogar noch etwas über den Stand des Mainzer Satzes. Im ganzen erscheint die Sachlage auch hier so, dah eben jedes Ding feine zwei Seiten hat.
Im Vordergründe des kommunalen Interesses steht nun die schwerwiegende Frage, was aus den ©teueranträgen de r Stadtverwaltunawerdensoll. Die Stadtverwaltung beantragt die Erhöhung derReal steuern mit Wirkung vom 1. April 1930 ab, also um e t w a neun Monate rückwirkend. Von führenden StadtratSmilgliedern und auch In diesen Spalten ist in den letzten Monaten unter Hinweis auf die ständige Verschlechterung der Wirtschaftslage mehrfach ole große Gefahr, ja die teilweise Unmöglichkeit weiterer ©teuerer öhungen beton! worden, zumal die weitere Umdrehung der Steuerschraube In striktem Gegensatz zu den Preisabbau- > Bestrebungen stehen wird. Durch den unausweichlichen Zwang der jüngsten Gestaltung der Ver- |
errichtende Stiftung 30 000 Mk. zu wohltätigen Zwecken zu überweisen und den Rest der Rucklage zuzuführen. Genehmigt wurden ferner der Voranschlag über die Verwaltungskosten für 1931, sowie die vorliegenden Aufwertungsrechnungen für 1924/28 und 1929.
Durch Verfügung des Herrn Ministers des Innern ist der
endgültige Aufwertungsfah
für die bei der hiesigen Sparkasse eingelegten alten Spareinlagen aus 21,6 Prozent des Gold- markwertes festgesetzt worden. — Bei der durch die Versammtung vorgenommenen
Wahl des Vorstandes und Aufsichlsrats , wurden die seitherigen Mitglieder des Vorstandes Herr Kaufmann August Noll, Gießen, Herr Bürgermeister Jung, Klein-Linden, wiedcrge- wählt. Ebenfalls wurden die seitherigen Mitglieder des Aufsichtsrates wiedergewählt. Der Aufsichtsrat besteht somit wieder aus den Herren Bürgermeister Dr Selb, Gießen, Kirchenrat Strack, Gießen, Prof. Dr. Ebe f, Gießen, Landgerichtspräsident Neuenhagen, Gießen, Kaufmann Röhr sen., Gießen, Kaufmann Will). Horn, Gießen, Rektor Kling, Gießen, Rektor Schmidt, Gießen, Bürgermeister Horn, Annerod, Bürgermeister i. R- Leun, Großen-LInden, Bürgermeister Kreiling, Heuchelheim, Bürgermeister Schmidt, Lollar.
Ferner beschloß die Versammlung, die Kürzung der Gehälter der Beamten, Angestellten und Nuhegehaltsempfänger der Sparkasse, den Bestimmungen des Staates Hessen bzw. der Stadt Gießen entsprechend, oorzunehmen.
Der Vorsitzende des Hess. Sparkassen- und Giro- Verbundes, Herr Justizrat Dr. Reh, nahm das Wort zu einem kurzen
Vortrag
über die Entwicklung des Spareinlagengeschäfts bei den deutschen und hessischen Sparkassen in dem verflossenen Jahr, während Herr Oberregierungs- rat Ritzel den Organen und Beamten der Spar« lasse Anerkennuna und Dank der Aufsichtsbehörde für die Geschäftsführung der Sparkasse aussprach.
Nach kurzen Schlußworten des Vorsitzenden wurde die Versammlung geschlossen.
wir ebenfalls In unserer Rr. 295 vom 17. Dezember zur Kenntnis der Bürgerschaft brachten. In vieler Begründung beschäftigt sich die Verwaltung rückschauend zunächst mit der Steuerpolitik der DiadtratSinehrheit In den letzten Jahren, an der sie eingehend Kritik übt. Besonders» wird dabei der StadtratSinehch-elt zum Vorwurf gemacht, sie habe sich „in den letzten Jahren immer weiter von den von der Stadtverwaltung für richtig gehaltenen Finanzgrundsätzen entfernt- und namentlich die Realsteuern erheblich unter dem Durchschnitt der übrigen hessischen Städte festgesetzt". Als Beweis für diesen Vor- wur) wird In der Begründung eine ziffernmäßige Gegenüberstellung der Realsteuer,ätze in 13 heiiischen ©tädten veröffentlicht. Gegen diesen Vorwurf dürfte sich die Stadtratsmehrheit in der kommenden öffentlichen Sitzung vermutlich zur Wehr setzen. Es wird niemand ernstlich bestreiten können, daß die Stadtverwaltung, auch bei den jetzt vorliegenden Anträgen, nur von dem verantwortungsbewußten Willen zur Intakthaltung unserer städtischen Finanzen geleitet wird, wobei sie in der Begründung ihre verständnisvolle Einsicht in die Ungunst der Zeitverhältnisse kundgibt und dabei ihr Bedauern darüber äußert, „daß sie eine Erhöhung der Realsteuern in einer Zeit beantragen muß, In der das Wirtschaftsleben einen wenig günstigen Stand aufweist". Man wird aber auch Der Stadtrots Mehrheit gerechlcrweise ohne Vorbehalt zugestehen müssen, daß sie sich ebenso ernstlich und verantwortungsbewußt um die Gesunderhaltung der kommunalen Finanzen bemüht hat und fernerhin bemühen will, wobei sie natürlich nicht immer mit der Verwaltung den gleichen Weg gehen kann, weil sie eben in stärkerem Maße als die Stadtverwaltung zur Rücksichtnahme auf die berechtigten Wünsche der Wählerschaft gezwungen ist. Wer als neutraler Beobachter die Arbeit unserer städtischen Körperschaften in den Jahren feit der Stabilisierung der Mark wertet, muß die bisherige gute Finanzwirtschaft, für die doch auch die Dtadtratsmehrheit mitbestimmend ist, anerkennen. Man kann dabei feststellen, daß unsere städtischen Haushalte trotz niedrigerer Realsteuersätze als in anderen hessischen Städten bisher immer ausgeglichen waren und ordnungsgemäß eingehalten wurden, ja sogar in den Rechnungsjahren 1925, 1926 und 1927 laut den Rechnungsabschlüssen, sowie auch 1928 nach onde- ren Verlautbarungen sehr ansehnliche Ueberschüsse ergaben, die zum Teil auf wesentlich höhere Bewilligungen in wichtigen Abteilungen des Voranschlags und erheblich geringere Ausgaben zurückzuführen waren. Diese gute Finanzwirtschaft, bei der allerdings der Steuerzahler manchmal fd>arf ongepackt wurde, soll hier natürlich niemandem zum Vorwurf gemacht werden: man muß aber sagen, dah die Stadtratsmehrheit als mitverantwortliche Beschlußkörpersck>aft sich mit Der Stadtverwaltung in dieses Verdienst um unferc Finanzen teilen kann. Es darf hier weiter gesagt werden, daß die Stadtratsmehrheit, häufig auch der Stadtrat in seiner Gesamtheit, unter möglichster Anspannung aller Kräfte stets die erforderlichen Geldmittel bewilligt hat: wenn manchmal eine noch stärkere Leistung gewünscht wurde — auch wir haben dies wiederholt gc- tan —, so ist hierbei natürlich die Urteilsbildmrg über diese oder jene Aufgabe maßgebend, aber auch unter den an der kommunalen Arbeit beteiligten Personen verschieden: im übrigen sprechen die oben angegebenen Abschlüsse der letzten Rechnungsjahre und die in diesen Jahren gegifteten produktiven Arbeiten der Stadt für die bisherige Tätigkeit des Stadtrats. Wie bei dieser rückschauenden Betrachtung im allgemeinen, so dürften auch gegenüber der ziffernmäßigen -Aufstellung der Verwaltung über die verschiedenen Steuersätze vielleicht einige spezifizierte Klarstellungen im ©tabtrat zu erwarten fein. 11 a werden wir daraus aufmerksam gemacht, ?>aß z. D bei der Grundsteuer für Gebäude
wirkende Zahlung hat doch niemand in seine Waren- und Arbeils- kalkulation einstellen können, ferner dürfte wohl auch kein Abnehmer, ebenso-keine Verwaltung bereit fein, einem Lieferanten für abgeschlossene Leistungen eine Rachzahl un^ au? den Rechnungsbetrag wegen der Rückdatierung von Steuern zu leisten. Hier sollte auf beiden Seiten der Wille zur Verständigung auf einer anderen ©tichtaggrund- lage bemerkbar werden! Welter wäre zu wünschen, daß man überall da, wo die Unmöglichkeit: zur Hebernahme weiterer Abgaoelasten wirtlich einwandfrei zutage tritt, mit weitgehendstem Entgegenkommen verfährt, gegebenenfalls auch vor Steuererlässen nicht zurückschreckt. And schließlich wäre noch der Wunsch am Platze, dah von der Bürgerschaft gegen diejenigen, die sich nur sehr schweren Herzens für die neuen Lasten, Damit aber auch
„Hat sich was von einig! Ein Starrkopf ist er. Bin ich eine Raive? Oder eine Sentimentale? Ich brauche Blut in der Rolle! ilmge- schrieben muß sie werden! Das verlange ich! And Römer ist der gleichen Meinung! Auch Gerson und die Iesitza — na, was soll ich viel sagen. Die lrtegen den Mund natürlich nicht auf, obwohl sie auch nicht recht zufrieden sind."
Sie stampfte mit den hübschen Füßchen auf.
„D rektor — reden Sie mit meinem Mann! Machen Ste ihm die Sachlage Lar. Mit der Rolle kann ich das Stück nicht rausreihen! Es wird ein Versager!"
Hollmann war sehr ernst geworden.
„Das — sagen Sie jetzt erst?"
„Pah — ich hab's von Anfang an gesagt. Aber wer hat denn gehört? Die Proben haben mir recht gegeben. Fragen Die Römer!"
Der Direktor drehte die goldne Ahrkette um den Finger. Es sah aus, als wollte er sie zerreißen. Diese Rorma! Mit ihren Launen! Sie konnte einen verrückt machen! Was sollte man zu all dem sagen? Vorsichtig begann er:
„Sie haben sich wohl mit Wördehofs gezankt?"
..Ansinn! Denken Sie, ich schmeiße einer Privat- käbbelei wegen eine gute Rolle? Direktor — Ich spiele nicht, wenn Hubert nicht ändert! In Ihrem, in meinem Interesse!"
Hollmann sprang aus dem Sessel auf mit einer plötzlichen Elastizität, die man Ihm kaum zugetraut hätte. i
„Donnerwetter — ist denn plötzlich der Teufel los? Sie spielen nicht, wenn — ja, wer hat denn hier z-u bestimmen? Sie spielen!"
Rorma Relson sah ihn groß an.
„Direktor — ich spaße nicht! Ich habe seit zwei Jahren keinen Vertrag mehr gebrochen — es könnte sein, daß ich wieder mal Lust verspürte, mich zu verändern —"
Sie sagte das höchst gelassen. Verschränkte die Hände um das Knie.
Hollmann klappte den Mund zu. Teufel — das hörte sich ja sonderbar ernst an. Standen die Dinge schon so? Verrückte Künstlereitelkeit! Der Leidtragende war natürlich immer der Direktor.
„Dr. Römer ist unten?" fragte er kurz.
„Ratürlich. Wir haben die Probe unterbrochen."
„Hm — und Herr Wördehoff?"
„Ist auch unten und hat vor einer Stunde zum hundertsten Male erklärt, er zieht das Stück zurück, wenn nicht gaiu nach feinen Intentionen gespielt wird. Das bezieht sich insbesondere auf mich."
„Hm
Hollmann pendelte auf feinen fugen Beinen eine Welle im Zimmer auf und ab. Run hieß es also wieder mal diplomatisch sein! Die erhitzten Gemüter beruhigen! Der Himmel mochte wissen, wie das so schlimm hatte werden können. Wörde-


