Ein Sparprogramm des Hessischen Landbundes
hingen des Staates auch vom Staat weiter-
Stellen Neubauten errichtet. Im besonderen in der Gegend des Gaswerks ist im Laufe der Zeit ein neues Viertel entstanden.
3 Steinfurth, 20.DEL Ein seltener Genuß wurde uns am Sonntag durch Herrn v o n d e r A u aus Mainz geboten, der in unserer Kirche eine religiöse Drgelfeierstunde veranstaltete. Der Künstler bot Evangeliumsmusik und brachte in historischer Folge unsere großen Meister in ihren Tondichtungen zu Gehör. Jedes Tonbild wurde den Zu- Hörern durch beigefügte Erläuterungen nähergebracht und so tieferes Verständnis in das Wirken der großen Meister ermöglicht. Der Künstler wußte durch geschickte Registrierung die wundervollsten Klangwirkungen zu erzeugen. Die Darbietungen fanden andächtige und dankbare Zuhörer.
Kreis Büvingen.
rl. Ortenberg, 22. Oft. Der Bezirks- lehr erverein Ortenberg hielt hier eine Versammlung ab. Der Kreisobmann, Lehrer V i e r h e l l e r (Düdelsheim), berichtete über die Arbeit des Ausschusses, die neuen Satzungen des Landes-Lehrervereins und schnitt Rechtsfragen des Schulvorstandes an, die auf der nächsten Versammlung des Kreisvereins beraten werden sollen. Lehrer Messerschmidt (Heldenbergen) führte nach theoretischen Ausführungen über die Methodik des grundlegenden Rechenunterrichtes eine von ihm entworfene und gebaute Rechenmaschine vor.
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
g. Klein-Linden, 22. Oft. Die gestrige Gemeinderatssitzung beschäftigte sich mit der Vergebung von Materiallieferungen für den Vau der Wasserleitung und der Kanalisation. Die Lieferung der Steinze?6' röhren wurde den beiden hiesigen Firmen W11 - beim Jung IN. und Ludwig Hildebrand zum Angebotspreis von 39 965,76 Mk. gemeinsam übertragen. Die Drainagerohren sollen von den gleichen Firmen zum Preis von 4055,44 Mark bezogen werden. Die Lieferung Der Zementröhren wurde zum größeren Teil den Gießener Firmen Jean Dem & Co. und Sack & Iughardt, zum kleineren Teil der Firma I. V r a u n, Großen-Linden, zugesprochen. Der Angebotspreis für die Zementrohre belauft sich auf 31 524,75 Mk. Heber die Vergebung der notwendigen Eisenteile konnte noch kein Beschluß gefaßt werden. Die Leitung des Baues der Wasserleitung und der Kanalisation hat das Kulturbauamt Gießen übernommen.
X Wieseck, 22. Oft. Ihre golden e H o ch- zeit können am Freitag, 24. d. Vd, die Eheleute Heinrich Weller IX. und Mari a g e b. D a u p e r t in körperlicher und geistiger Frische begehen. Der Jubilar steht im 73., seine Gattin im 72. Lebensjahr.
<Durkhardsfelden,22. Oft. Am 1. Oft. sollte unsere Kleinkinderschule eine neue Schwester auS Ronnenweiher erhalten, da unsere jetzige Schwester. ElisabethStoh.die bereits seit 49 Jahren in unserem Dorfe treuen Dienst an Den Kleinen versieht, sich zur wohlverdienten Ruhe zurückziehen wollte. Die Reubesetzung der Schwelt evnstelle würde aber gegenüber seither eine erhebliche Mehrbelastung für unsere Gemeinde bedeuten so daß infolge der ungünstigen wirtschaftlichen Lage vorläufig davon Abstand genommen werden mußte. Entgegenkommenderweise hat sich deshalb unsere Schwester Elisabeth Stotz bereit- erklärt, noch für einige Zeit den Dienst zu ver- sehen. — Das Erntedankfest wurde in unterer Gemeinde am .vorigen Sonntag bei vollbesetztem Gotteshause begangen. Altar und Kirche waren mit den Früchten des Feldes schön gc- schmückt. In seiner Predigt wies unser Pfarrer Frank auf die diesjährige gute Ernte hin, die uiis zu Dankbarkeit gegen Gott und vor aUem auch zur Unterstützung unserer notleidenden Mitmenschen verpflichtet. ,
i. Hattenrod, 23. Oft. Heute wird unser ältester Mitbürger Adolf Fritz 90 Jahre alt. Der noch sehr rüstige Greis verlebt in guter Gesundheit seinen Geburtstag im Hause seines Schwiegersohnes mit Kindern, Enkeln und Hrenfdht. Die Gemeinde wünscht ihrem Börger einen weiteren schönen Lebensabend.
O Holzheim, 22. Ott. Gestern wurde der Landwirt Johannes Engel!. 86 Jahre alt. Er ist der älteste Einwohner unserer Gemeinde und des ganzen Kirchspiels. Trotz seines hohen Alters erfreut er sich noch außergewöhnlich guter körperlicher und geistiger Rüstigkeit und verrichtet noch landwirtschaftliche Arbeiten im Felde. Lange Jahre hindurch war er Kirchengemeindevertreter. — Dieser Tage veranstaltete die hiesige „Jagdgesellschaft" eine Waldtreibjagd. Zur Strecke gebracht wurden 56 Hasen und etliche Rehe.
! Hungen, 22. Oft. In unserer Stadt wurde ein V e r e i n f ü r E i n h e i t s k u r z s ch r i f t gegründet, dem sofort 23 Mitglieder beitraten. In einer kurzen Ansprache gab Herr Steiger einen Rückblick auf die bisher gescheiterten Ver- . suche einer solchen Gründung. Der Verein wird unter Leitung von Herrn Karl Schäfer sofort einen Anfängerlehrlursus abhalten. Bürgermeister Fendt, der der Gründungsversammlung beiwohnte, begrüßte die Schaffung einer Stenographenvereinigung.
Kreis Friedberg.
WSR. Friedberg, 22. Oft. Aus dem Privatbesitz des früheren Grohherzogs von
WHP. Darmstadt, 22. Oft. Rach mehr- I tägigen Verhandlungen hat der Hessische Land- | bund dem Landtag folgendes Sparprogramm vor- gelcgt:
Die Wirtschaftslage wird mit jedem Tag trostloser. Die Beschäftigungslosigkeit nimmt zu, der Absatz stockt, die Preise fallen, die Lage der Landwirtschaft ist unerträglich. Trotz dieser Lage hat die hessische Regierung bisjehtkeinedurch- greifenden Maßnahmen getroffen, um der Lage Herr zu bleiben. Die Untätigkeit der Regierung erscheint um so weniger verständlich, als der Landtag nur verlängert worden ist, damit die erforderlichen Sparmaßnahmen im laufenden Rechnungsjahr durchgeführt werden. Angesichts dieser Lage ist der Hessische Landbund gezwungen, erneut mit folgendem Sparprogramm an den Landtag heranzutreten.
a) Sparmaßnahmen in der Zeniral- verwattung.
1. Herabsetzung der Zahl der Mini- st e r i e n von 5 auf 2.
2. Verringerung der oberen, mittleren und unteren Stellen in den Ministerien um ie 30 Prozent. Die burd) diese Maßnahme in Der Zentralverwaltung sreiwerdenden Beamten sind, soweit fest angestellt, in der 2o* lalverwaltung zu verwenden.
b) Sparmaßnahmen im Kultusministerium.
1. Die Volksschulklassen mit erweiterten Lehrzielen sind aufzuheben.
2. Die staatliche Fortbildungss ch u l e ist unter Zurückführung der hauptamtlichen Fortbildungsschullehrer und -lehrerinnen in den Volksschuldienst aufzuheben. Die Fortbildung der schulentlassenen Jugend ist durch Einrichtung von Abendkursen im Winterhalbjahr durchzuführen.
3. Die landwirtschaftlichen Winterschulen sind der Landwirtschaftskammer zu übertragen, die gewerbliche Fortbildungsschule und Gewerbeschule der Handwerkskammer, die kaufmännische Fortbildungsschule der Industrie- und Handelskammer anzugliedern. Dabei ist Sorge zu tragen, daß die aus der Besoldung und Anstellung der seitherigen Lehrkräfte an diesen Schulen sich ergebenden Derpflich-
Hesfen konnte die hiesige Stadtverwaltung 18 alte Oelgemälde ehemaliger Friedberger Burggrafen, sowie eine Anzahl Pläne der Burg und Stadt Fnedberg aus früheren Jahrhunderten erwerben.
• Butzbach, 22. Oft. Hier tagte eine stark besuchte Versammlung der Fischerei- Geschädigten. Pächter, Gemeinden und Aemter befaßten sich mit dem Fisch sterben in der Wetter unterhalb von Lich und der hieraus entstandenen Entschädigungsansprüche. Zwei Sachverständige gaben ihr Gutachten und erläuterten den Sachverhalt. Dem Vorstand des Abwasser-Kampfbundes für das Riddagebiet wurde, unter Erklärung des Beitritts zu dem Bunde, auch in diesem Falle zur Durchführung des die Entschädigung betreffenden Verfahrens Vollmacht erteilt.
WSR. Dad-Rauheim, 22. Oktober. Das Gebäude der Kerckhoff-Stiftung ist jetzt im Rohbau fertig und präsentiert sich heute schon als ein monumentales Werk. Mit dem Erweiterungsbau des Konehki-Stiftes wurde begonnen. Auch hier handelt es sich um em Projekt das wohl eine Million Mark in Anspruch nehmen wird. Von privater Seite wird noch ein großerGeschäftsbauander Fürstenstrahe errichtet. Die Stadtverwaltung ist damit beschäftigt, ntue Wohngelegenheit SU schaffen. Gegenwärtig werden für sie an verschiedenen
hin erfüllt werden.
4. Die ZahlderhöherenSchulenist um mindestens ein Drittel zu vermindern.
5. Der zur Zeit für die Hoch sch ulen auf- gewendete Staatszuschuh in Höhe von rund 5 Millionen ist um mindestens eine Million durch Verringerung der Personal» ausgaben und andere Einsparungen zu senken.
6. Der Staatszuschuh für das Landestheater ist au ft reichen.
7. Alle überflüssigen Schulaufsichtsorgane in der Zentral- und Lokalverwal- tung sind mit sofortiger Wirkung aufzu- heben.
c) Sparmaßnahmen im Bereiche des Verwaltungs- und Gerichtswesens.
1. Sie Verwaltungsarbeiten der Zentralverwaltung sind durch Heberweisung von Aufgaben an die Lokalverwaltung einzuschränken. Der Instanzenweg ist zu verkürzen.
2. Die Provinzialverwaltungen sind als besondere Behörde aufzuheben.
3. Die Ausgaben für Kreisverwaltungen und für Gerichte sind durch eine starke Ver- minderungdesVerwaltungs-und Gerichtspersonals zu senken. Der schwerfällige Geschäftsgang an den Gerichten ist durch Qkrminberuna des Schreibwerks und durch organisatorische Maßnahmen zu vereinfachen.
4. Das Rotariatswesen ist einer grundlegenden Aenderung zu unterziehen.
5. Sämtliche lokalenVerwaltungsstel- l e n sind den zuständigen Kreisämtern zu unterstellen.
6. Die Vermes s un g s ä m t er sind unter starker Verminderung ihrer Zahl mit den Feldbereinigungsämtern zusammenzulegen.
7. Die Kosten für die Orts Polizei in den hessischen Städten sind den Sihgemeinden aufzuerlegen.
d) Sparmaßnahmen auf dem Gebiete der Beamtenbesoldung.
I.Dis auf weiteres tritt ' eine Einstei- lungs >, Anstellungs- und Deför- derungssperre für alle Deamtengrup- pen mit sofortiger Wirkung ein.
2 . Die Altersgrenze für die Ruhestands- versehung ist vom 65. auf das 68. 2e« bensjahr hinaufzusehen.
3 .Die Regierung hat sofort eine neue De - soldungsordnung vorzulegen, in 6er folgende Gesichtspunkte berücksichtigt sind: Das Aufrückungsshstem ist zugunsten des D e- förderungssystems aufzuheben. Jede Deamtengruppe kommt in eine Besoldungsgruppe. Die weiblichenDeamtenund Angestellten bekommen Gehälter und Vergütungen, die 25 Prozent unter denen ihrer männlichen Berufskollegen liegen. In der Frage der Besoldung werden „wohlerworbene" Rechte der Beamten im Sinne des Artikels 129 der Reichsverfassung nicht anerkannt. Die Bezüge der Beamten und Angestellten sind auf den Stand vom Jahre 1 926 zurückzu- führen. Die Gehälter der Minister und die Aufwandsentschädigung der Landtagsabgeordneten sind um 20 Prozent zu senken.
e) Der Landtag wird zum Zwecke der sofortigen Erledigung vorstehenden Sparprogramms sofort einberufen.
Tagung desDeutschenBeamtenbunbeö
Berlin, 22. Oft. (TH.) Der Bundestag des Deutschen Deamtenbundes wurde durch einen B^ richt des Bundespräsidenten eröffnet, der sich gegen die Beamten Hetze wandte, die aus Wirtschaftskreisen komme. Es heiße töricht handeln, wenn man eine Käuferschicht vom Umfang der Beamtenschaft zu äußerstem Widerstand reize. Der Bund habe Versuche zurückweisen müssen, das Staatsbürgerrecht und die staatsbürgerliche Freiheit der Beamten einzuschränken. Gewiß dürfe sich auch im Volksstaat der Beamte nicht hemmungslos und zügellos politisch betätigen. Aber keineswegs dürften die Beschränkungen so weit gehen, daß die Beamten unter dem Stichwort der Entpolitisierung der Beamtenschaft von parteipolitischer Betätigung oder gar von der Politik überhaupt ausgeschaltet würden. Weiter wandte sich Flügel gegen den Erlaß des preußischen Staatsministeriums, der die Zugehörigkeit von Beamten zur kommunistischen oder nationalsozialistischen Partei verbietet. Wenn die Organisation einer Partei nicht verboten und die Partei sogar in Regierungen vertreten sei, so heißt es, den Beamten als Staatsbürger minderen Rechts Behandeln, wollte man ihm auch schon die bloße Mitgliedschaft verbieten. Der Beamtenbund erwarte allerdings, daß sich seine Mitglieder bei der Wahrnehmung ihrer politischen Rechte gewisser Z urückhaltung befleißigten.
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