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Lin Wahlmanifest der Deutschen Staatspam

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Eine verschollene Nordpolexpedttion nach 33 Jahren im Eise erfroren entdeckt.

sie kehrte aber bereits am 21. November nach Tromsö zurück, ohne daß sie irgend etwas ge­funden hatte. 2n der Folgezeit sind noch f)äu<4 fig Nachrichten über das Schicksal Andrees auf- getaucht, aber sie haben sich fast immer als un­richtig herausgestellt. Das Geheimnis, daS fast 33 Iahte über der Expedition lag, ist jetzt zum Teil gelüftet wordeni

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gäbe von Staat, Lehrerschaft und Eltern. Es ist die Pflicht des Staates, die Erziehung der Jugend im Sinne der Volksgemeinschaft und der staatsbürgerlichen Pflichterfül­lung sicherzustellen. Die Einheitlichkeit der Schulgesetzgebung für das Reich ist eine Grundforderung der Zukunft.

WirtsHafis- und Sozialpolitik.

Im dritten Abschnitt, StellungzurWirt- schafts-undSozialpolitik, heiht es: Die Deutsche Staatspartei bejaht das Privat­eigentum als Grundlage einer gesunden Wirt­schaft und Vorbedingung für den sozialen und kulturellen Aufstieg. Sie lehnt alle sozia­listischen E xperimente ab. Sie be­kämpft jede Wirtschaftspolitik, die gesunde Kapi­talbildung verhindert oder vorhandenes Kapital vernichtet. Aber sie hält die kapitalistische Wirt­schaftsordnung nur für lebensfähig, wenn Be­sitzlosigkeit zur Ausnahme wird und die wirtschaftlichen Führer sich der sozialen Verpflichtung, die mit dem Eigentum ver­bunden ist, bewußt sind. Der soziale Kapitalis­mus muh getragen werden von Millionen selbständiger Existenzen und einer selb st bewußten Arbeiter- und An­ge st elltenschaft. Ein wirksamerSchutz des Mittel st andes ist eine Lebensfrage des gesunden Volkstunis. Die zu starke Belastung des gewerblichen Mittelstandes durch die Gewerbe­steuer wird verworfen. Weiter wird gefordert: Wiederherstellung der finanziellen S e l b st- verantwortlichkeit der Gemeind en, staatliche Förderung der genossenschaftlichen Selbsthilfe aller Stände, eine Politik, die K a r - tellenundTrustsdie Llnterjochung der selb­ständigen Existenzen und eine unwirtschaftliche Preisgestaltung unmöglich macht, eine Handels­politik, die sich der Verflechtung mit der Welt­wirtschaft bewußt bleibt, Beschränkung der öffentlichen Hand auf die Aufgaben, die von ihr besser und billiger bewältigt werden können, schärf st e Kontrolle der öffent­lichen älnternehmungen und ihre steuer­liche Gleichstellung mit der Privatwirtschaft, eine Agrarpolitik, die die deutsche Land­wirtschaft in die Lage verseht, der Konkurrenz des Auslandes erfolgreich Widerstand zu leisten, Verteidigung des Systems des sozialen Schuhes mit allen Mitteln, lebendige und ver­antwortungsbewußte Gewerkschaften, Aufrecht­erhaltung des Schlichtungswesens zum Schuh des sozialen Friedens und Reform der Schlich­tungsordnung, die einen einseitigen Miß­brauch zum Schaden der Wirtschaft oder der sozialen Wohlfahrt ausschlieht.

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Dse Staatspartei sch ießt sich dem Sammlungsaufrus an.

Die Antwort ..»ayrauns.

Berlin, 22. Aug. (Tel.-Un.) Auf das Schreiben, mit dem der Vorsitzende der Deutschen Volkspartei, Dr. Scholz, die Staatspartei aufforderte, dem gemeinsamen Aufruf der Konservativen Volkspartei, der Wirtschaftspartei und der Deutschen Volkspartei beizutreten, hat der chauptaktionsausschuh der Deut­schen Staatspartei bereits am Freitagmittag ge­antwortet. Außer den bekannten Bedenken, daß d i e Person des Reichspräsidenten nicht als Vorspann in der Wahlbewegung benutzt werden dürfe, wird noch formell bemerkt, daß die Staats­partei im letzten Reichstag noch nicht vertreten war und deshalb nicht davon gespro­chen werden könne, daß sie sich im letzten Reichstag für das Reformwerk eingesetzt habe. Es wird daher vorgeschlagen, den ersten Satz des gemeinsamen Wahlaufrufes entsprechend zu ändern. Zum Schluß wird bemerkt, daß der Vertreter der Staats­partei aus den Verhandlungen über einen gemein­samen Aufruf nur deshalb ausgeschieden sei, weil die übrigen Parteien damals mit dem gemeinsamen Aufruf die Ankündigung einer Frak­tionsgemeinschaft verbinden wollten. Nach­dem dieser Plan an dem Widerspruch anderer Par­teien gescheitert sei, hätten keine Beden- k e n bestanden, an den Verhandlungen wieder teil- Hunehmen. Das Schreiben trägt die Unterschrift des xungdeutschen Hochmeisters M a h r a u n.

Versuche zu einer staatsbürgerlichen Einigung in Seffen gescheitert.

Die Bolkspartei lehnt eine einseitige Bindung ab.

WSN. Darmstadt, 22. Aug. Der Landes­verband Hessen der Deutschen Volks­partei hat am 18. und 19. August die Kon- fervative Volkspartei und die Deut­sche Staatspartei in Hessen aufgefordert, in Verhandlungen über eine gemeinsame Wahlliste der hinter dem Reformprogramm der Reichsregierung stehenden Parteien einzu- treten. Dieses Angebot ist von der Konser­vativen Volkspartei ohne Angabe von Gründen und von der Staatspartei mit der Maßgabe abgelehnt worden, daß sie es ablehnen müsse, mit der Konservativen Dolkspartei zusammen­zugehen, daß sie aber grundsätzlich bereit sei, lediglich mit der Deutschen Volks­partei in Verhandlungen einzutreten. Diesen Vorschlag der Deutschen Staatspartei hat die Deutsche Volkspartei mit einem längeren Schrei­ben abgelehnt. In dem Schreiben heiht es u. a.: Gerade wenn man die Sammlung aller staatsbürgerlichen Kräfte für eine vaterländische Notwendigkeit im gegenwärtigen Zeitpunkt an­sieht, muß man eine Aktion, die eine neue Scheidewand gegenüber denjenigen Kräften aufrichtet, die nun gerade mit im Begriff sind, sich auf dem Boden der Staats- verfafsung zu v e r a n t to o r tu n g i d o l- lerMitarbeitzurDerfügungzu st ei­len, entschieden ablehnen. Die Deutsche Volkspartei muß sich für die Zukunft bereit­halten, um durch ihre Mittelstellung eine Ver­einigung aller der zur Mitarbeit in Frage kommenden Kräfte mindestens im Wahl­kampf zu sichern. Diesem Gedanken würde eine einseitige Bindung der Deutschen Volks­partei nach links und eine neue Aufrichtung von Scheidewänden nach rechts entschieden zuwider­laufen.

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vor Eis und Schnee zu schützen. Skeletteile lassen vermuten, daß auch die Ueberreste des dritten Mitgliedes der Expedition in unmittelbarer Nähe des Lagers gefunden werden können.

Großer Eindruck in Stockholm.

Stockholm, 22. Aug. CSU.) Die Nachricht von der Auffindung der Leiche des Polarforschers Andree hat in ganz Skandinavien größtes Aufsehen erregt. Alle Stockholmer Zeitun­gen haben Extrablätter herausgegeben. Obwohl noch keine endgültige Bestätigung vorliegt, zwei­felt man nicht daran, daß die Meldung richtig ist. Der bekannte schwedische Forscher Professor de Geer äußerte, daß die geographischen und sonstigen Angaben durchaus glaubwürdig sind. Da der DampferBrattvaag" mit Dr. Horn an Bord frühestens am 10. September in Nor­wegen eintreffen kann, und keine Funkeinrichtung besitzt, und da sich auch keine anderen Schiffe mit einem Funksender im Fahrwasser derBratt- vaag" befinden, find Einzelheiten erst in etwa drei Wochen zu erwarten.

Die Tragödie im Eise.

Die Geschichte der Andreeschen Expedition.

Die Nordpolexpedition des schwedischen In­genieurs Andree, dessen Leiche jetzt aufgefunden worden ist, hat in der ganzen Welt außer­gewöhnliches Aufsehen erregt. Schon die Ver­wendung eines Freiballons war Grund genug, um dem Unternehmen ein ungeheures Interesse zu sichern. Die Notwendigkeit be­sonderer Vorbereitungen verzögerten das Unter­nehmen bis in den Sommer 1897 hinein. Andree' hatte dann die Absicht, mit seinen beiden Ge­fährten Fränkel und Strindberg am 1.Iuli von Spitzbergen aus aufzusteigen. Ungünstige Windverhältnisse verzögerten den Start bis zum Sonntag, den 11. Iuli, nach­mittags 2.30 Uhr. Um 10.30 Uhr vormittags erst begann man mit den letzten Vorbereitungen, die etwas übereilt durchgeführt wurden. In den alten Depeschen wird erzählt, daß der Abschied ergreifend war, aber auch daß gleich zu Beginn die Gefahr einsetzte. Der Ballon stieg auf 200 Meter, wurde jedoch bis auf die Nähe des Meeresspiegels wieder niedergedrückt, so daß schleunigst Sandsäcke ausgeworfen werden mußten, damit der Ballon sich wieder erhob. Mit diesem ge­ringen Ballast machte der Ballon mindestens 35 Kilometer in der Stunde, und zwar in Rich­tung Nord-Nord-Ost.

Bald schon setzte die Sorge um das Schicksal der Expedition ein. DaS einzige Lebens­zeichen, daS von ihr eintraf, war ein ver­siegeltes Brieftaube ntelegrarnrn an die Stockholmer ZeitungAftonbladet", mit der Andree ein Nachrichtenabkommen getroffen hatte. Diese Depesche wurde am 20. September bekannt und lautete:13. Iuli 12.30 Uhr nachmittags, 82,2 Grad nördlicher Breite, 15,5 Grad östlicher Länge. Gute Fahrt gegen Ost, 10 Grad Süd. Alles wohl an Bord. Dieses ist die dritte Bbief- taubenpost. (gez.) Andröe."

Im September wollte dann der Kapitän eines Fangschiffes im Eisfjord am Prinz-Karl-Vor- land einen großen rotbraunen Ge­gen st and treibend gesehen haben, den man für die Ballonhülle hielt. Angeblich waren auch Hilferufe gehört worden. Darauf rüstete Norwegen eine DettungS- c x p e d i t i o n mit dem DampferVictoria" auS,

B e r I i n , 22. Aug. (Tel.-Un.) DerJungdeutsche" veröffentlicht ein ausführliches Manifest der Deut­schen Staatspartei.

Die staaispoliiische Erneuerung.

Im ersten Teil,D i e st a a t s p o l i t i s che E r - Neuerung", wird die Fortentwicklung der deut­schen Republik zum wahrhaft sozialen und nationalen deutschen Volks st aat gefor­dert. Die Deutsche Staatspartei soll eine lebendige Selbsthilfeorganisation des Staatsbürgertums werden. Cie lehnt jede Bindung an Sondergruppen kon­fessioneller, wirtschaftlicher, ständischer oder klassen­mäßiger Natur ab. Gefordert werden weiter Wahl­reform, gesunde Reichsreform und Verwal­tungsreform auf der Grundlage Höch, st er Sparsamkeit. Die Partei wird alle Mög­lichkeiten ausnutzen, um sine Revision der im Poung- plan aufgebürdeten unerträglichen Verpflichtungen herbeizuführen. Gefordert wird ein neues Wahlrecht, ein von dem unberechtigten Macht­willen einzelner Stände und Klaffen befreites Par­lament, Beseitigung sinnlos gewordener Länder­grenzen und Länderparlamente, Aufhebung der Staatshoheit der Länder bei voller Anerkennung einer lebendigen Selbstverwaltung, eine Verwaltungsreform, deren Grundlage größte Sparsamkeit auf allen Gebieten sein soll, Schaffung eines in seiner Lebensstellung ge­sicherten und unbestechlichen Beamtentums, Herbei­führung aller Möglichkeiten, um eine Revision der dem deutschen Volke im Doungplan aufgebürdeten Verpflichtungen herbeiguführen, eine Siedlungs- Politik zum gesunden Ausgleich zwischen dem übervölkerten Westen und dem menschenleeren Osten und die Ueberwindung der kästen- und klassenmäßi­gen Vorurteile und Ueberheblichkeiten.

Die kulturpolitische Klärung.

Zum Problem der kulturpolitischen Klärung fordert daS Manifest, daß die Ach­tung vor den Traditionswerten deut- scher Vergangenheit mit dem stolzen Glauben an die Zukunft der Natron verbunden sein muh. Da die deutsche Kultur wesentlich durch die Kräfte des Christentumes besttmmt und geformt werde, habe der Staat die Aufgabe, die religiösen und sittlichen Kräfte zu pflegen und zu schützen. Ab­zulehnen sei jeder Gewissenszwang. Die Rege­lung des Verhältnisses zwischen Staat und Kirche soll durch die Reichsgewalt erfolgen. Die Reli- gions- und Kulturgemeinschaften sind vom Staat zu schützen und paritätisch zu behandeln. Die Er­ziehung der Iugend ist gemeinsame Auf­

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Oslo, 22. Aug. (IBIB.) von einer norwegischen wissenschaftlichen Expedition ist auf W h l l e 3 6 - land, auch Gillisland genannt, nördlich vom 80. Breitengrad zwischen Nordostspihbergen und Franz- 3osephs-Land die Leiche des schwedischen Ingenieurs Andräe gefunden worden, der im Jahre 1897 mit zwei Begleitern auf Spitzbergen i n einem Luftballon aufftieg, um den Nord­pol zu erreichen, und seither verschollen war.

Das Lager, in dem die Leiche gefunden wurde, ist am 6. August von der von dem norwegischen Geologen f) o r n geleiteten arktischen Expedition an der Südwestküste von White Island entdeckt wor­den. Das Lager befand sich etwa 150 Meter von der Küste entfernt. Man sand e i n Boot und einen S chli tten und in dem BooJ die Ueberreste eines menschlichen Ske­letts. Auch Logbuch und einige Ausrüsiungsgegen- siände, die die AufschriftAndrsesPolarexpe- d i t i o n 1 8 9 6 trugen, wurden aufgefunden. Wenige Meter von dem Boot entfernt lag d i e Leiche AndrLes völlig im Eis einge­froren, aber nur von einer dünnen Eisschicht be­deckt. Sie war völlig bekleidet und gut erhalten. In den Taschen fand man Andrees Tagebuch und neben anderen Gegenständen auch einen Pedometer. Nicht weit von Andree lag die gleichfalls gut erhaltene Leiche eines Mitglie­des der AndrLefchen Expedition, die jedoch noch nicht mit Sicherheit identifiziert werden konnte. Das Lager war augenscheinlich von Eisbären h e i rn g e s u ch 1 worden, befand sich aber im großen und ganzen in gutem Zustande. Die Leichen und die gefundenen Ausrüstungsgegenstände werden an Bord des norwegischen Robbenfängers gebracht, der Anfang September in Norwegen eintreffen dürfte.

Das Schiff der norwegischen Expedition, das Andrse auffand, war nicht mit einer Funkeinrich­tung versehen. Die Nachricht wurde von dem nor­wegischen WalfischfängerT e r n i n g e n, der die norwegische Expedition getroffen hatte, nach Tromsö gebracht. Der Kapitän derierningen erklärt, daß nach seinen Mitteilungen von dem Ballon 21 n- dr 6 es keine Spur gefunden wurde.

Andrees letztes Lager.

Oslo, 23. Aug. (WTB. Funkspruch.) Nach der Schilderung, dis der Kapitän des SeglersTerningen" über die Auffindung der Leiche Andrses gegeben hat, steht es mit ziemlicher Sicherheit fest, daß die Expedition nicht etwamitdem Ballon ver­unglückt ist. Alle Anzeichen deuten daraus hin, daß man es mit den Ueberresten eines ordnungsgemäß angelegten Lagers zu tun hat. Andrse und feine Begleiter müssen die Stelle entweder zu Fuß oder in ihrem Segeltuch­boot erreicht haben. Auf eine lange Wände- r u n g deutet u. a. hin, daß die aufgefundenen Mo­kassins und andere Ausrüstungsgegenstände sehr abgenutzt sind. Andröe, dessen Leiche, wie be­reits tzemeldet, außerordentlich gut erhalten ist, hat anschemend am längsten gelebt. Die Wissenschaft- lichen Instrumente und die Feuerwaffen der Exve- dition lagen neben ihm. Er ist auch derjenige, der die letzten Eintragungen in das Expedi- tionstagebuch gemacht hat. Einer feiner Begleiter '|t von ihm in einem improvisierten Grabhügelbeigesetzt worden, um die Leiche

Verschwörung in Nanking.

Die ganze Hauptstadt sollte in die Lust gesprengt werden.

London, 22. August. (TU.) Die Polizei in Nanking hat eine großangelegte Verschwö­rung gegen die Nankinger Regie­rung auf gedeckt. Das Ziel der Attentäter war, die Bureaus der Regierung und das Polizei­hauptquartier in die Lust zu sprengen. Die Polizei kam der Verschwörung durch eine Anzahl von Gerüchten auf die Spur und ver­anlaßte darauf eine Durchsuchung sämtlicher Häuser in einem ganzen Bezirk. 20 Studenten, Soldaten und Angestellte des Telegraphenamtes wurden zunächst verhaftet. Später nahm die Polizei eine Anzahl weiterer PersonTn-Hest, die als Führer der Verschwörung galten, unter ihnen ein Mädchen, das Spionage­dienste in den Regierungsämtern geleistet haben soll. Die polizeilichen Nachforschungen haben fer­ner zu einer Aufdeckung großer Mu­nitionslager und Pläne geführt, in denen die Stadt Nanking in vier Bezirke eingeteilt wird, die ganz systematisch in die Luft ge­sprengt werden sollten.

Aus aller Welt.

Schweres Flugzeugunglück in der Tschechoslowakei.

Das mit 13 Passagieren besetzte Ford-Flugzeug der tschechischen staatlichen Aerolinie, das nach Prehburg unterwegs war, stürzte in der Nahe von 3 g 1 a u Zechen dem Hauptbahnhof und einer Ziegelei ab un° egrub sämtliche 3n- fassen unter ben Trümmern, die in Flammen aufgr4ll;en. vier Personen waren sofort tot. Neun Personen wurden so schwer verletzt, daß sechs von ihnen fdjon auf dem Trans­port zum KrankenhclUL starben. Zwei von den drei übrigen Schwcri'^chlen ringen mit dem Tode. Das Flugzeug geriet bei jg(an jn eine Gewitter­zone. 3nfolge des ü^ichtigen Wetters wollte der Führer eine Notlandung vornehmen. Dabei streifte der eine Flügel das Dach eines Holzschup­pens der Z-egelei. Das Flugzeug überschlug sich, wobei der Benzintank explodierte. Der Apparat war erst vor drei Monaten für zwei Millionen Kronen von der Aero-Linie ausgekauft worden.

Der deutsche Amerikaflieger v. Gronau auf Grönland gelandet.

Aus Jvigtut auf Grönland wird gemeldet, daß der deutsche Flieger von Gronau am Freitagnach- mittag um 3.30 Uhr MEZ. auf Grönland ge­landet ist. Gronau, der während des Fluges West­wind hatte, erreichte um 13 Uhr Kap Farvell. Von Kap Farvell aus stand er noch in Funkverbindung mit Reykjavik. Dann aber reichte sein Radioapparat nicht mehr aus. Er beabsichtigt am Sonntag weiter­zufliegen. Er werde wahrscheinlich nach Labrador oder Neufundland und von dort nach Quebeck fliegen.

Schweres Brandunglück bei der Vernichtung von Feuerwanzen.

In Glumbowih (Schlesien) wollte der Haupt­lehrer in der Schule die Feuerwcrnzen vernichten. Er goß zu diesem Zwecke Spiritus darüber und zündete ihn an. Eine plötzlich auflodernde Stichflamme ergriff dabei nicht nur ihn, sondern auch einige in der Nähe stehende Schulkinder. Der zweite Lehrer, der zur Hilfe­leistung herbeieilte, erlitt ebenfalls Brand­wunden. Der Hauptlehrer und vier Kinder haben so schwere Verletzungen davongetragen, daß ihrs lleberführung ins Krankenhaus erfolgen mußte. Ein Mädchen ist inzwischen ihren schweren Ver­letzungen erlegen, während die drei anderen noch in Lebensgefahr schweben. Das älnglück ist darauf zurückzuführen, daß der Hauptlehrer in dem Glauben, die Flammen feien erloschen, noch einmal Spiritus nachgegossen hat. Da­bei explodierte die Flasche.

Brand auf einem deutschen Passagierdampfer.

Jn den Jnnenräumen des 2000 Tonnen großen deutschen PassagierdampfersN o r d l a n d" einer Stettiner Reederei brach in Riga ein Brand aus. Beim Eintreffen der Feuerwehr standen die Passa- gierkabinen der ersten und zweiten Klasse und der über ihnen liegende Speisesaal sowie der Gesell­schaftsraum bereits in Flammen. Die weitere Ausbreitung des Brandes konnte verhindert wer­den. Zwei Mann der Besatzung konnten sich nur mit knapper 91 o t retten.

Muller und Kinder vom Strom getötet.

In der Gemeinde Bucheisdorf bei Neustadt (Oberschlesien) wurde ein Knabe, der mit einem Draht spielte, der von einer abgerisse­nen elektrischen Leitung herabhing, von dem elektrischen Strom getötet. Als d i e Mutter den Iungen vom Draht fortreißen wollte, sank sie gleichfalls tot um, da die Hände des Verunglückten den unter Span­nung stehenden Draht noch immer umklammerten. Ein Säugling, den die Mutter auf dem Arm trug, fand ebenfalls den Tod.

DieBornholrnische Krankheit.

Der dänische Arzt Dr. Eynar Shlvest ver­öffentlicht in der dänischen Wochenschrift für Aerzte einen Artikel, in dem er auseinandersetzt, daß auf Bornholm in der Gegend zwischen Melstedt und Cudhjem, einem Touri st en- zentrum ersten Ranges, wo sich neben Schwe­den und Dänen auch Hunderte von Deutschen aufhalten, eine epidemische Krankheit ausgebrochen ist, an der mindestens jeder Zehnte erkrankt sei. Cs handele sich um eine Erkrankung der Tlnterleibsmuskulatur, die die sich besonders beim Atemholen schmerzhaft bemerkbar mache. Die Erkrankung fei an den oberen Tellen der Tlnterleibsmuskulatur lokali­siert. Es handele sich um eine sehr an* steckende Krankheit, die aber keinen dauernden Schaden zurücklasse. Er selbst habe während eines dreimonatigen Aufenthaltes zahlreiche^ Fälle dieser Krankheit festgestellt. Der Arzt befürchtet, daß binnen kurzem in ganz Dänemark und den anliegenden Ländern diese Krankheit auftreten werde. Er nennt sie die Bornholrnische Krankheit".

dienen, die Verbindung zwischen Abgeordnetem und Wähler persönlicher zu gestalten und die üb­len Parteikliquen- und Interessentenwirtschaft ab­zubauen, die unter dem herrschenden Wahlsystem in bedrohlichem Maße eingerissen ist. Aber es sind natürlich nur Ansätze zu einer wirklich durchgreifenden Reform. Für eine Zurückdam- nurng des Radikalismus wäre eine Herauf­setzung des Wahlalters dringend er­forderlich gewesen. Auch im Zeichen des ®in- rückens derjungen Generation" in die politische Front bleibt es ein llnbing, Leute, die nach dem bürgerlichen Recht noch nicht mündig gesprochen sind, für politisch reif genug zu halten, durch Ausübung des höchsten Staatsbürgerrechts die polittsche Linie mitzubesttmmen. Aber da das Wahlalter in der Verfassung festgelegt ist, hat die Vorlage Wirths hier von einet Aenderung abgesehen, um nicht das ganze Reformwerk zu gefährden.

Die zweite Vorlage, die die Reichsregierung auSgearbeitet hat, betrifft die Errichtung eines Reichsverwaltungsgerichts, das mit dem preußischen Oberverwaltungsgericht verbunden werden soll und auch in seiner wei­teren Organisation die Anfänge zu einer Vsr- reichlichung der Iusttz zeigt. Lieber die technischen Einzelheiten wurde schon berichtet. Grundsätzlich möchten wir aber doch die Frage aufwerfen und das gilt in noch höherem Maße von den Reformplänen Dietrichs auf dem Gebiet der Finanzverwallung: laufen wir bei diesem Vorgehen nicht Gefahr, das Pferd beim Schwänze aufzuzäumen, wenn in allen möglichen Einzelressotts mit Seilrefarmen be­gonnen wird, die nichts Halbes und nichts Ganzes werden können und vielfach in der Luft hängen bleiben, bevor nicht die große Reichs - und Derwaltungsreform in Angriff ge­nommen ist ober wenigstens darüber Klarheit geschaffen wurde, wie das unerträgliche Ver­hältnis von Reich und Ländern in Zusammen­hang mit einer etwaigen Neugliederung des Reichsgebiets und einer Reform der Länder­verfassungen bereinigt werden kann? Wir haben kaum noch Hoffnung, daß die hohe Ministerial- bureaukratte in Reich und Ländern, gleichgültig zu welcher Parteifahne sie schwört, die Reichs­reform, die sie nun einmal unglückseligerweise an sich gerissen hat, aus den Aktenschränken irgend­welcher Verfassungsausschüsse zu fruchtbarem Leben erwecken wird. Aber Sache des neuzu- wählenden Reichstags muh es fein, hier end­lich vorwärts zu stoßen. Auch deshalb wäre es gut, wenn die Reichsregierung ihre Gedanken über die Reichsreform, wenn sie überhaupt als Ganzes sich schon darüber klar geworden ist, bekannt gäbe, bevor das große Reformwerk in kleinlichem Flickwerk an Llnubersichtlichkeit und Gegene.ncmd^rreformieren gänzlich versackt.