Ausgabe 
23.7.1930
 
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D e Volkspartei bW zum Sammeln.

Ein Aufruf zur Zusammenfassung -er Mitte im kommenden Wahlkampf.

Berlin, 22. 3ull. (Iel.-2ln.) Der Parleivorsland der Deutschen Volksparlei hat am Dienstag ein­stimmig die Absendung des folgenden Brieses be­schlossen, der auch dem Reichskanzler übersandt wurde:

Die politischen Erfahrungen der letzten Jahre, das trostlose Bild der parlamentarischen Verhand­lungen. die heillose Zersplitterung der politischen Kräfte haben dazu geführt, dah die unerläßlichen Mittel zur Rettung der deutschen Wirtschaft und zur Abwendung der erschreckenden Arbeitslosigkeit nicht zur Verfügung g e - skellt werden konnten. Aeberaus ernste Gefahren drohen für den kommenden Winter!

In allen Bevölkerungskreisen, nicht zuletzt in den überparteilichen Organisationen lebt ein starkes Seh­nen nach Zusammenfassung aller staats- bejahenden Kräfte.

Der Parteioorstand der Deutschen Volkspartei hat daher in seiner Sitzung vom 22. Juli 1930 einstim- mig beschlossen, die Zusammenfassung aller derjenige» herbeizuführen, die, unter Zurückstellung des Trennenden, bereit sind, sich aktiv in den Dienst des Staates zu stellen. Romens des Parteioorfkandes richtet der Unterzeichnete an die nachstehend genannten Parteien und Parteigruppen des Reichstages die Aufforderung, ihm mit möglich­ster Beschleunigung mitzuteilen, ob sie bereit sind, on einer zu diesem Zwecke einzuberusenden B e - s p r e ch u n g teilzunehmen. Diese Einladung ergeht zunächst an die folgenden Parteien und Gruppen des Reichstages: Lhriftllch-Rationale Arbeitsgemein­

schaft, Deutfche Demokratische Partei, Gruppe we- starp, Dirlschaflspartei.

In vorzüglicher Hochachtung der Parteivorstand der Deutschen Volkspartei

gez.: Scholz, Reichsminister a. D.

Das erste Echo.

Berlin, 23.3uli. (CAB. Eigene Meldung.) Das Schreiben der Deutschen Dolkspartei hat in der Berliner Presse bereits ein st a r k e s Echo gefunden. Je nach Parteistellung der ein­zelnen Blätter wird das Schreiben mehr oder weniger zustimmend oder ablehnend besprochen. Scharfe Ablehnung erfährt der Aufruf durch die B o f s i s ch e Zeitung" (linksdem.), sie schreibt: Die Deutsche Volkspartei seht sich dem Verdacht aus, daß sie weniger um des Ideals als um ihrer selbst willen der Reichsregierung zuvor­kommen und sich die Führung in einer Kombina­tion sichern wolle, die ihr den Wahlkampf er­leichtern, eine Mehrheitsbildung im neuen Reichs­tage aber unendlich erschweren würde. Sehr begrüßt wird die volksparteiliche Aktion von der D. A. Z.". Auch dieGermania" (Zentr.) bespricht das Schreiben in zustimmendem Sinne und weist darauf hin, daß die Vorgänge in der liberalen Mitte und auf der Rechten zeigen, wie stark die Parteien durch die Auflösung des Reichstages in Bewegung geraten sind. Heber den Erfolg des volksparteilichen Aufrufes äußern sich die Blätter fast übereinstimmend dahin, daß die Reugründung einer großen» Sammelpartei der politischen Gruppen der Mitte im gegenwärtigen Zeitpunkt außerhalb der politischen Möglichkeiten stehe, dah aber schon viel erreicht sei, wenn wenigstens ein Burgfriede zustande käme.

OieBilbung derGroßen Rechten"

Bemühungen um ein Zusammengehen von Landbund und konservativen Gruppen

Der Landbund stellt eigene Listen auf.

Berlin, 22. Juli. (LRB.) Der Bundesvorstand des Reichslandbunder hat eine Entschließung gefaßt, in der es heißt:

Am 18. Juli Hal im Reichstage der Machlwille der Sozialdemokratie mit Hilfe falsch geführter Kräfte der Rechten über den versuch des Reichs- Präsidenten von Hindenburg gesiegt, das in feiner Märzbotschaft verkündete Rettungsprogramm auch gegen einen verantwortungslosen Parlamentarismus durchzuführen und da­mit dem Landwirt inmitten härtester Lrntearbeit einen neuen Wahlkampf aufgezwungen.

Die Landwirtschaft kann und will es nicht mehr ertragen, daß sie das Opfer der p a r t e l t a k - kikvoninfichuneinigenundzurUeber- nahme der Verantwortung unfäh l.g en politischen Parteien wird. So wertvolle Dienste der von der Grünen $conf in das Parla­ment übernommene Gedanke der Querverbin­dungen geleistet hat, in der nunmehr enlstandenen gefamtpolitischen Lage reicht er allein nicht aus. In her außerparlamentarischen wirtschaftspolitischen Auseinandersetzung Hal sich für die gesamte Land­wirtschaft der geschlossene Block des im R e i ch sla n db u n d e z u sa m m en g efa ß te n Landvolkes als starkes, schlagfertiges, unab­hängiges Kampfmittel bewährt. Der deutsche Dauer will nicht, daß diese bewährte Kampforganisatlon von gewissen Parteien und Parteigruppen miß­braucht wird. Abgesloßen von diesem Parteihader stellt sich das Landvolk nunmehr auch für den par­lamentarischen Kampf auf eigene Füße. Der Bundesvorstand des Reichslandbundes hat beschlos­

sen, unter bewußter Abkehr von der bisher geübten Methode für die kommenden Dahlen seine Mit­glieder aufzufordern, der Sammelparole des Be­rufsstandes zu folgen und, soweit es die örtlichen Verhältnisse irgend zulassen, einzutreten für die Wahl auf Landoolkllsten in ollen Provin­zen und Ländern. Rach wie vor bleibt die Unab­hängigkeit und Selbständigkeit der Landbundorganl- sation gegenüber jedem Parteigebilde oberstes Ge­bot! Wenn das deutsche Landvolk unter seiner eige­nen Fahne in den Wahlkampf marschiert, so will es dabei nicht neue Zersplitterung, sondern Stärkung aller Kräfte, die im Kampfe für die von Hindenburg gewiesenen Ziele in einer Front stehen.

Die Gammelbewegung.

Vorbereitende Besprechungen.

Berlin, 23.3ult. (ERD.) 3n den Bespre­chungen, die gestern zwischen dem Grafen Westarp und den Volkskonservativen geführt wurden, soU ein grundsätzliches Einvernehmen über die Bil­dung einer einheitlichen Gruppe erzielt worden sein, die alsKonservative Dolkspar- t e i" in den Wahlkampf und in das Parlament ziehen will. Ein gemeinsamer Aufruf soll den Kampf einleiten, und gemeinsame Listen sollen unverzüglich aufgestellt werden. Obwohl in der Entschließung des Reichslandbundes der berufs ständische Gedanke besonders scharf zum Ausdruck kommt und viele Kreise deshalb die Ansicht vertreten, daß an eine Listen­verbindung der Oandvolkpartei mit den Gruppen Westarp und Treviranus nicht mehr zu denken sei, betonen die Zeitungen verschiedener Partei­richtungen dennoch, daß mit einem Zusam­mengehen der beiden bzw. der drei Gruppen durchaus noch gerechnet werden kann.

Dieses Zusammengehen denkt man sich in der Weise, dah in den rein landwirffchaftlichen Wahl­

Gießener Gtavttheater.

Restroh:Einen Zux will er sich machen".

Raimund und Restroh, der gute und der böse Stern am heiter blauen, auch noch durch Tränen lächelnden Himmel des Wiener Vorstadttheaters der vierziger 3ahre, so haben wir's einst gelernt, so schreiben's die Literaturgeschichten. 3m Laufe der 3ahrzehnte hat der ethische Maßstab an Kurswert verloren, und was heute noch von Restroh lebt, immer noch zugkräftig ist und wohl noch auf lange hinaus bühnenwirksam bleiben wird, das ist die klassische Posse, bestes Theater, von einem Manne gemacht, der einst selbst ein Mime von Rang war und mit dem unfehlbaren Instinkt für die Bedürfnisse des Theaters das sichere Gefühl für den Geschmack seines Publi­kums verband. Die Ansprüche, die man an die Posse stellt, haben sich feit den Tagen Restroys nicht wesentlich geändert. Die gleichen Ginfälle, die gleichen Verwechslungen, die gleichen gro- tesren Figuren entzücken uns heute so gut wie unsere Llrgrohväter im vormärzlichen Wien vor bald hundert Iahren. Das naive Schauspielen un tiefsten Sinne des Wortes, das Theater­machen, die urmenschliche Komik des Possen­reißers sind zeitlos, sie überdauern wie die großen ewig jungen, ewigaktuellen" dramati­schen Gestalten der Geistesgeschichte Revue und Tonfilm so gut, wie die Riesenproduktion an mittelmäßigen Schwänken und schlechten soge­nannten Lustspielen, mit der man uns heute überschüttet.

Die Fabel, die Herr Iohann Restroh füv seinenIux" brauchte, war schon 1842 nicht mehr originell, aber was er aus dem machte, was er vhne Skrupel älteren Schriftstellern entlehnte und wie er es machte, das ist es, was heute noch unsere Lachmuskel unwiderstehlich reizt. Der aufgeblasene, eitle tyrannische Gewürzkrämer, der sein hübsches Mündel nicht dem gönnt, der sie lieb hat, selbst aber in der Hauptstadt eine inter­essante Liebschaft hat; die beiden lebenslustigen Heringsbändiger, die hinter dem Rücken des Chefs sicheinen Iux machen" wollen, bei dem natürlich alles holterdiepolter durcheinander ge­worfen wird, bis es schließlich doch wieder seinen Schick bekommt und Ende gut, alles gut. drei obligate Brautpaare sich vom Publikum

verabschieden dürfen, das tollt mit Temperament und Humor über die Bühne und erreicht feinen Höhepunkt, wenn Melchior, derklassische" Haus­knecht, die tiefen Aussprüche seiner Lebens­weisheit an den Mann bringt.

e

Auf den Melchior, den philosophischen Vaga­bunden, hat Restroy seine ganze Liebe verwandt und L. Linkmann, den man in der Gießener Aufführung gestern nach allzu langer Pause wie­der, soweit wir uns entsinnen, mit einer großen Aufgabe betraut hatte, schöpfte alle Möglich­keiten dieser Bombenrolle bis zur Reige aus. Schon um seines Melchior willen dürfte niemand sich diesenIux" entgehen lassen, den im übrigen das Dreigespann Löffler, Keim und Hu­be r in echt Wieanerischem Biedermeier reizend inszeniert hatten. Heinrich Hubs Regie hatte bei den ersten Aufzügen für straffe Zusammen­fassung und flottes Tempo gesorgt, beide» hielt aber nicht bis zum Schluß an, vielleicht könnte man in den letzten Szenen durch einige Striche und schärferes Herausarbeiten der Spannungs­momente noch etwas tun. Hubs lustiger Kom­mis zeichnete sich im besonderen durch forsch vor­getragene Couplets aus, Curt D o rn m i s ch als Lehrjunge war ein fideler Fahrtgenosse, Lise­lotte Fuhrmann und Marianne MeweS (die übrigens auch ein hübsches Couplet besteuerte) zwei lustige, sich veränderten Verhältnissen über­raschend schnell anpassende Großstadtweiblein, Karl D o l ck, ein behäbiger, selbstbewußter Ge­würzkrämer und Haustyrann. In kleineren Rol­len u.a. die Damen Doering, Schubert- Iüngling und Iahn, die Herren Ritter, Wes en er und Zingel; musikalische Leitung Fritz C u i £. Das Publikum angeregt und bei­fallsfreudig. -e

Oiebesjagd im Wasser.

Der Anblick eines Schutzmannes imDadekostüm, der einen ebenfalls so leicht bekleideten Dieb weit ins Meer hinaus verfolgt, um ihn dem Arm der Gerechtigkeit zu überliefern, ist gewiß unge­wöhnlich, aber die Badegäste von Iuan-les-PinS an der französischen Riviera konnten dieser Tage diese neueste Form der Derbrecherjagd mit Span­nung beobachten. Das Opfer dieser Bemühungen war ein internationaler Dieb namens Baler«

kreisen eigene Listen der Dauern- und Landvolk- partei aufgestellt werden sollen, während man in städtischen Wahlkreisen den Wahlkampf mit Listen der Konservativen Partei unter dem Gra­fen Westarp führen will. Auch dieDeutsche Tageszeitung" äußert sich über eine Verbin­dung der Landvolkpartei mit der Westarpgruppe durchaus optimistisch. Berufs ständische Sammlung gegen politische Zerstö­rung sei der Weg, den der Reichslandbund beschreite, in sicherem Bewußtsein, damit am besten auch dem weiteren, höheren Ziele zu dienen. Auch im Landvolk sei man sich bewußt, daß die berufsständische Sammlungsparole nur d i e erste Etappe zur Gesamtlösung des Problems einer großen konservativen Rechten darstellen kann. Letztes Ziel sei die Zusammen­fassung aller konservativen Kräfte in Land und Stadt, Stein auf Stein aufzusetzen zu einem neuen festgefügten Dau des nationalen boden­ständigen Deutschtums, wobei als tragendes Fun­dament das Landvolk sich jetzt zu einem uner­schütterlichen Block zusammenschweihe.

DieDAZ." teilt mit, daß bereits heute Besprechungen zwischen der Landvolkpartei und den anderen Gruppen, Westarp und Trevi­ranus, stattfinden, in denen nicht nur die Fragen der Liftenverbindungen, fondern auch das Pro­blem einer neuen konservativen Gemeinschaft und einer gemeinsamen Reichslifte erörtert werden sollen. Wenn diese Besprechungen scheitern, so würde sich voraussichtlich Graf Westarp, der stets die große Sammlung zur Voraussetzung sei­ner Teilnahme gemacht habe, einer Einzelgruppe nicht zur Verfügung stellen. DieBorsenztg." erwartet ebenfalls eine gemeinsame Reichsliste, zumal sich maßgebende Persönlichkeiten wie Mi- nister Schiele, Dr. Gereke und der Vorsitzende der Christlich-Rationalen Bauernpartei Höfer eindeutig für die große Sammlungsbewegung auf der konservativen Rechten ausgesprochen hät­ten, so dah der Gedanke einer derussständischen Abschließung nicht widerstandslos Fuß fassen könnte.

Die Sezession bei den Denischnallonalen.

D r e s d e n , 22. Iuli. (CRB.) Die vier s ä ch - s i s ch e n deutschnationalen Reichstags abgeord­neten Gutsbesitzer Do m s ch , Gewerkschaftssckre- tär Hartmann, Studienrat Dr. Philipp und Bergwerksdirektor Dr.Rademacher ha­ben an den Landesausschuh der Deutschnationa­len Volkspartei für Sachsen ein Schreiben ge­richtet, in dem sie ihren Austritt aus der Partei erklären. Sie sahen in der Arbeit des Kabinetts Brüning trotz vieler sachlicher und persönlicher Bedenken den ehrlichen Willen, eine von sozialistischen Einflüssen befreite, der Gesundung der Wirt­schaft dienende Finanz- und Wirt- ichaftSpolitik wenigstens einzuleiten, und 'sahen die Möglichkeit eines Wiederaufstie­ges ohne katastrophalen Zusammenbruch. Sie glaubten eine Politik nicht verantworten au kön­nen, die unter Zerschlagung der vorgeschlagenen Reform und ihrer Ansätze diese Wege v e r - sperrte und Volk und Wirtschaft in unüber­sehbare Wirrnisse stürzte. Der bekannte Ge­neral und Adjutant des früheren Kronprinzen, Gra, von der Schulenburg, und der bisherige Reichstagsabgeordnete H a m p e, Rechtsanwalt und Syndikus des Hotelierverban­des, haben ebenfalls ihren Austritt aus der Deutschnationalen Dolkspartei erklärt, ferner der Reichstagsabgeordnete Geheimrat Dryan - der, der den Reichstagswahlkreis Düsseldorf- West vertritt.

Ergebnisloser Wahlgang in Gachsen.

Kommunisten und Nationalsozialisten beantragen ^andtagsausiösung.

D r e s d e n, 22. Iuli. (WTB.) In der heutigen Landtagssihung wurde die Wahl a um M i - nisterpräsidenten wiederholt. Im zweiten Wahlgang erhielten Lipinski (Soz.) 32, We­ber (Wirtsch.) 31, Dr. Fritsch (Rats.) 14, Dr. Renner (Komm.) 13, Dr.Külz 3, Minister

Kolly, nach dem seit langem gesucht wird, da er die Besucher der eleganten Seebäder mit Vorliebe um ihre Geldtaschen und Iuwelen erleichtert. Als zwei Detektive aus Antibes den Badestrand von Iuan-les-Pins herabschlenderten, um nach Kolly zu suchen, lag dieser in gemächlicher Ruhe Im Sande und bot ein Bild idyllischer Llnschuld. Trotzdem fiel er den Hütern der Gerechtigkeit auf und sie erörterten den Fall mit einem dritten Detektiv, der wie Kolly selbst im Badekostüm ein Sonnenbad nahm und ebenso unschuldig und un­beteiligt zu sein schien wie der Gesuchte. Die Gruppe der drei erregte den Argwohn des auch beim Dösen stets wachsamen Verbrechers, und er beschloß daher, einmal nachzusehen, wie kalt das Wasser heute sei. Er spazierte also langsam zum Meere herunter, und im Ru war er in den Wogen verschwunden. Aber dieses Verhalten be­stätigte nur den Verdacht der Polizisten, und.der im Badekostüm sprang mit langen Sähen eben­falls ins Wasser und schwamm hinter Kolly her, während seine Kameraden eiligst nach einem Motorboot suchten. Mit starken Stößen suchte der Verbrecher das hohe Meer zu gewinnen, aber der Sherlock Holmes im Badetrikot folgte ihm in bester Form, aufgemuntert durch die Zurufe des Publikums, das sich unterdessen am Strande ver­sammelt hatte. Als das Motorboot auf der Szene erschien, erkannte Kolly, daß er für längere Zeit fein letztes Bad genommen hatte. Er wird sich nun wegen der Papiere zu verantworten haben, die man in feinen Kleidern in der Dadekabine gefunden hat und die ihn schwer belasten.

©er schnellste Zug der Well.

Der schnellste Femzug ist gegenwärtig der International Limited" der kanadischen Xcfin zwischen Toronto und Montreal. Die englische Great Western läßt einen Zug zwischen Swindon und London verkehren, der die 77 Meilen lange Strecke in 70 Minuten zurücklegt, das heißt, eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 66,3 Meilen in der Stunde entwickelt. Die Fahrzeit des International Limited zwischen Toronto und Montreal betragt 360 Minuten. Davon müssen 40 Minuten mit Rücksicht auf viermaliges Stehen­bleiben, Verringerung der Schnelligkeit vor dem Anhalten und langsames Anfahren in Abzug gebracht werden, so daß für die 334 Meilen lange Strecke 320 Minuten übrigbleiben. Das bedeutet eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 63 Meilen

Dr. Richter 2 und Lasse (Dolksnational) eine Stimme. Da wiederum keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreicht hat, ist die Wahl ergebnislos geblieben.

Die nationalsozialistische Fraktion des Landtages hat folgenden Antrag eingebracht: Die Unmöglichkeit, eine dem Willen der Mehrheit des sächsischen Volkes entsprechend« antimarxistische Regierung zu bilden, die dem Volke und dem Landtag für ihre Ent­schlüsse und Handlungen voll verantwortlich ist. zeigt wieder einmal mit aller Deutlichkeit, daß die Parteien der Mitte ihre eigenen parteipoli­tischen Belange dem Volkswillen Doranftellen. Wir erblicken hierin einen Verstoß gegen die Pflichten eines aus dem Willen des Volkes gewählten Parlaments und beantragen deshalb, der Landtag wolle sich auf lösen.

Auch die Kommunisten haben einen Auf­lösungsantrag eingebracht.

Kunst und Wissenschaft.

Oie Danziger Marienkirche in Gefahr.

Der auch unseren Lesern durch seine Romane bekannte Danziger Schriftsteller Artur B naus e- Wetter, Archidiakon zu St.Marien in Danzig, bittet uns auf folgendes hinzuweisen: Aus^ £.ange cn sanken und Sparkassen unserer Stadt künden von großer Rot im deutschen Osten. Das Wahrzeichen seiner Kultur und Kraft. St. Marien in Danzig, ist vom Verfall be­droht. Klaffende Fugen, Risse, so breit und hoch, daß sie einem Manne Raum bieten, zeigen ftch in gefährlich wachsender Ausdehnung. Diesen Verfall abzuwenden, ist höchste Zeit. Deshalb wendet sich der Verein zur Erhaltung der St. - Marienkirche in Danzig an das ganze deutsche Volk ohne Unterschied der Konfession und bittet es um feine Hilfe. Denn es handelt sich nicht um ein kirchliches, sondern um ein Denkmal !d eutscher Kultur.

Eröffnung der Bayreuther Festspiele.

Die diesjährigen Bayreuther Bühnenfestspiele wurden mit dem wieder in den Spielplan auf- nommenenTannhäuser" glanzvoll eröffnet. Am ersten Tage der Festspiele ist Bayreuth zur Weltstadt geworden. Zu Tausenden sind Besucher aus allen Ländern herbeigeströmt, und es zeigt sich, daß Richard Wagners Lebenswerk fester steht denn je. Wagen auf Wagen in unüberseh­barer Folge rollen zum grünen Festspielhügel. Die Fanfaren rufen die tausendkövfige festliche Menge in das Festspielhaus. Das Sp'el beginnt. Llnbeschreiblich ist schon die orchestrale Wirkung der Tannhäuser-Ouvertüre. Ein Rame Tos­co n i n i überstrahlt alle anderen. Leider ist der Darsteller des Tannhäuser, Sigmund Pi­li n s z k y , infolge einer Erkältung indisponiert. Herrlich Maria Müller als Elisabeth. Iwar Andresen als Landgraf, Herbert I a n f e n als Wolfram von Eschenbach und Frau Iost Arden als Venus gefallen in Spiel und Ge­sang. Märchenhaft ist das Dachanale, das die Labanschule stellte. Der Beifall des begeisterten Publikums ist so stark, daß die Schlußszene noch­mals gezeigt werden mußte.

Aus aller Well.

Politik in den Sternen.

Wie stch das politische Schicksal Deutschlands in den nächsten Monaten gestaltet, ist ein Problem, dessen Lösung in den Sternen liegt. Damit beschöf. tigt sich augenscheinlich ernsten Bemühungen der Astrologe Rudolf Schneider, der Ende 1929 für das laufende Jahr Voraussagen gemacht hat, für die er in gewisser Hinsicht eine Bestätigung gefun­den hat. So hat er für Ende Juni bis Mitte Juli und besonders für den 11., 12. und 13. Juli eine Verfinsterung am politischen Himmel vorausgesagt, die auch bann durch die Ablehnung der Deckungsvorlagen und die Anwendung des Ar- tikels 48 eingetreten ist. Am interessantesten sind natürlich seine Voraussagungen für den kommenden September im Zusam­menhang mit dem Wahlausgang. Für den 17. dieses Monats, also an dem Tage, an dem die Bekannt­gabe des vorläufigen amtlichen Wahlresultates zu erwarten ist, künden die Sterne Erfolge der Regierung, finanzielle Vorteile und

in der Stunde, die größte Zugschnelligkeit der Welt für eine derartige Distanz. Aber auch auf kurzer Entfernung ist dieser International der schnellste Zug der Welt und noch schneller als der berühmte Great-Western-^ug. So wird die Ent­fernung zwischen Coteau und Brockville, die 87,7 Meilen beträgt, in 80 Minuten bewältigt, und zwar mit einer Durchschnittsgefchwindigkeit von 65,8 Meilen, die 76 Meilen lange Strecke zwischen Coteau und Precott in 67 Minuten, was 68 Mei­len in der Stunde ergibt. Der Gegenzug benötigt für diese Distanz 78 Minuten mit einer Durch­schnittsgeschwindigkeit von 67,5 Meilen, und 66 Minuten bei einer Durchschnittsgefchwindigkeit von sogar 69 Meilen in der Stunde.

Hochschulnachnchlen. -

In der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der Llniversität Iena ist der beamtete außerordentliche Professor für Pharmazie und Rahrungsmittelchemie Dr. Oskar Keller zum ordentlichen Professor ernannt worden. Der Gelehrte begann seine akademische Laufbahn im Iahre 1908 als Privatdozent in Marburg, wurde dann Abteilungsvorsteher am Chemischen Laboratorium in G testen, kehrte später nach Marburg zurück und folgte 1918 einem Rufe nach Iena. Zum ordentlichen Professor der chemischen Technologie anorganischer Richtung an der Eidgen. Technischen Hochschule in Zürich ist vom 1. April 1931 ab Dr. August Guyer in Mährisch-Ostrau berufen. Professor Dr. Eugen Lerch in München hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehr­stuhl der romanischen Philologie an der Llniver- sität Münster als Rachfolger des verstorbe­nen Professors Leo Wiese zum 1. Oktober 1930 angenommen. Vom Bayerischen Kultusmini­sterium ist der mit dem Titel und Rang eines a. v. Professors ausgestattete Privatdozent für Chemie an der älnitxrfität Würzburg Dr. Hans von Halban auf sein Ansuchen vom 1. Oktober 1930 an aus dem bayerischen Hochschul­dienst entlassen. Dr. von Halban übernimmt das Ordinariat der physikalischen Chemie an der ilni- dersitüt Zürich als Rachfolger von Professor Victor Henri. Der a. o. Professor Dr. Julius Ebbinghaus in Freiburg i. Br. hat einen Ruf als ordentlicher Professor der Philosophie an die Universität Rostock erhalten.