Ausgabe 
22.12.1930
 
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Stalins neue Säuberungsaktion

die

Oie Bestattung des Gesandten Lauscher

20. Dez. (WTD.) Die sterb­lichen Lieberreste des im Alter von 46 Jahren verstorbenen deutschen Gesandten in Warschau. Li l r i ch Rauscher, wurden heute nachmittag auf dem yiesigen Friedhof zur letzten Ruhe be­stattet. Reben der Gattin des Verstorbenen und den nächsten Angehörigen hatten sich zahlreiche Vertreter der deutschen und der polnischen Diplo­matie als Trauergäste eingefunden, darunter als Vertreter der Reichsregierung der Staatssekretär des Auswärtigen Amts v. D ü l o w und als Ver­treter des polnischen Außenministers dessen Kabi­nettschef Gesandter Szumlakowski.

das Schiff sank im gleichen Augenblick. W» Frau wurde mit in die Tiefe ge­rissen. während Martin selbst gerettet wurde. Auch das Kind der Eheleute Martin ist um­gekommen.

Oer italienische Geschwaderflug nach Brasilien.

Rom. 22. Dez. (WTB- Funkspruch.) Sämtliche Flugzeuge des Geschwaders, das auf dem Trans- ozeanflug nach Brasilien unterwegs ist. sind gestern in Nen itra (Französisch-Marokko), der - wetten Etappe, eingetroffen.

Lord I r w i n, der bisherige Vizekönig und General, gouoerneur von Indien, dessen fünfjährige Regie­rungszeit im nächsten Jahre abläuft.

Hamburg. 21.Dez. (WTB.) von den An­wohnern der U n l e r e l b e wurde heule kurz nach 16 Uhr der g e w a l t l g e K r a ch e i n es S ch i f f s- zufan, menst oßes vernommen. 3n dem dich- k e n Rebel war zuerst nichts zu erkennen. Wie sich später herausslellte, handelt es sich um eine schwere Schiffskollision zwischen dem 25 000 Brutloregislerlonnen großen amerikanischen Passagierdampfer ..George Washing­ton" und dem d a n i s ch e n M o l o r s ch i f fM a- l o y a". das schon gestern bei Cuxhaven beide Anker verloren halte. DerGeorge Washington" wurde mit großer Gewalt am Achtersteven getroffen. Der Steven derMalaya" hatte sich tief in die Schiffs- wand gebohrt. Bei dem Zusammenstoß ist das ganze Vorschiff der ..Malaya" schwer beschädigt worden, so daß ein Teil des Schiffes sofort voll Wasser lief. Die Schlffsleitung sah sich daher gezwungen, den Dampfer auf Strand zu sehen, um größeres Unglück zu verhindern. Die Lage derwalaya" ist insofern gefährlich, als das Schiff eine größere Ladung Soyabohnen an Bord Hai. deren Ausdehnung das Schiff ausein- anderzulreiben drohl. Bergungsfahrzeuge be­finden sich bei dem gestrandeten Schiff. Die Beschä­digungen desGeorge Washington" sind naturge­mäß weniger schwer, wenn auch erheblich Mit Hilfe einiger Schlepper gelang es. den Dampfer wieder lott zu machen, um ihn in den Hamburger Hafen einzuschleppen

wie das hiesige Bureau der United Slates Lines milleilt. sind bei dem Zusammenstoß des Dampfers George Washington" mit dem dänischen Motor­schiffMaloya" Menschen nicht zu Schaden gekommen. Der Dampfer hat. wie gewöhnlich, am Rohkai feslgemachl. die Passagiere sind sämtlich gelandel und mit der Löschung der Ladung ist be­gonnen worden, lieber den Umfang des Schadens könne noch nichts gesagt werden.

Ein zweiter Zusammenstoß auf der Llnterelbe.

Altona. 21. Dez. (WTB.) In dem schwe­ren Rebel, der seit Samstag die Schiffahrt aus der Llnterelbe und Rordsee behindert, hat ich heute nacht auf der Höhe von Blan­kenese ein Dampferzusammenstoß er­eignet. Die beiden von Hamburg ausgegangenen Dampfer ..Phoenix" und »Anne­marie" stießen zusammen. Beide Schiffe erlitten schwere Beschädigungen. Die »Annemarie" wurde mit einem großen Leck unter der Wasserlinie bei Blankenese auf den Strand gesetzt. Die ..Phönix" soll nach Hamburg zur Werst zurück, ankerte aber des unsichtigen Wet­ters wegen heute mittag noch an der Llnfall- telle.

45 Tote beim Untergang derOberon".

Lord Willington Vizrkönig von Indien.

London, 20. Dez. (TU.) Lord W i l l i n g t o n ist zum Dizekönig und Generalgouoer- n e u r von Indien ernannt worden. Lord Wil­lington, der 65 Jahre alt ist, war bisher General- gouoerneur von Kanada

allgemeinen Frieden. Sie fei ebenso zu verurtei­len. wie die

Revisions- und Aufrüstungspolitik.

mit der sie parallel laufe. Es gebe keinen Staat in der Welt, der die nationalen Minderheiten unerbittlicher behandelt habe, als gerade Deutsch­land. Die kaiserliche Regierung habe stets nitf Llnterdrückungsrnethoden gekannt und die Min­derheiten, die in den Gebieten lebten, die mit Gewalt ihrem wirklichen Mutterlande entrissen wurden, in brutalster Weise unterdrückt. (I?) Me Enteignungspolitik gegenüber Polen sei ein Ex­periment ohnegleichen in der modernen Geschichte gewesen. Das Eingreifen der Reichsregierung zugunsten der Minderheiten sei lediglich ein Mittel, die bestehenden Minderheitenver-

K o p e n h a g e n, 20. Dez. (TU.) Die K a t a. trophe des DampfersOberon" bei Laeso hat, wie jetzt mit ziemlicher Sicherheit angenommen werden kann, 45 Menschen­leben gefordert. Bei dem Zusammenstoß spiel­ten sich furchtbare Szenen ab. Der Kapitän resOberon" war in dem Augenblick des Zu- ammenstoßes mit Frau und Kind zusammen. Er sah seine Frau rn die Tiefe sinken:

Fint) erfror in dem eiskalten Wasser. Der Kapitan wurde schließlich von seinem Bruder. I ^^'Ar^urus", gerettet. Bon

1 d« 60 Mann starken Besatzung scheinen mit 32

Schwere Schiffskatastrophen

Zwei Zusammenstöße im Nebel aus der Elbe bei Hamburg. Oie furchtbare Katastrophe im Kattegat.

Kort von Portugal.

L i s s a b o n, 21. Dez. (WTB.) Die nach Portu­gal geflüchteten spanischen Flieger haben die Erlaubnis erhalten, Portugal zu verlassen. Major Franco und der Mon­teur R a d a haben sich Pässe für Frankreich. Deutschland, Argentinien und Uruguay: Ge­neral del Llano einen solchen für Frankreich, Belgien und Deutschland ausstellen lassen. Die übrigen spanischen Fliegeroffiziere beabsichtt- gen, sich in verschiedene europäische Länder zu begeben.

wirtschaften aufgelöst worden. Die Eisenbahn habe jedoch den durch den Fünfjahresplan gesteigerten Güterverkehr nicht bewältigen können. Die Arbei­terlöhne seien in den letzten beiden Jahren um etwa 12 d. S). erhöht worden. 45 o. H. der Arbeiter arbei­teten täglich sieben Stunden, während sonst die so­genannte ununterbrochene Arbeitswoche gelte. So habe die Arbeitslosigkeit beseitigt werden können. In einer Entschließung wird die Parteipolitik'in der Ausführung des Fünfjahresplanes gebilligt und Stalin das Vertrauen ausgesprochen.

Die Gelder für die Role Armee und die ZHarine könnten wegen der gegenwärtigen ungünstigen außenpolitischen Lage nicht gekürzt werden.

Das Zentralkomitee und die Zentralkontrollkom­mission der Kommunistischen Partei haben nunmehr R y k o w auch aus dem Politbüro und aus dem Zentralkomitee der Partei ausgeschlossen. Zu seinem Nachfolger im Politbüro wurde Orscho- n t t k i d s c gewählt.

Entfernung der Anhänger Rykows

K o w n o, 21. Dez (TU.) Einer amtlichen sowjet­russischen Meldung zufolge hat das Präsidium des Vollzugsausschusses beschlossen, die bisheri­gen drei stellvertretenden Vorsitzenden des obersten Volkswirtschaftsrats, Tomski, Osinski und D o g a d o w. von ihren Posten zu entfernen. Die drei Gemaßregelten gehören zu dem enge- renKreisderRykow-Anhänger. Ihre Stellung ist nach dessen Sturz unhaltbar ge­worden.

Woroschilow stelkverir. Vorsitzender?

K owno, 20. Dez. (TU. Funkspruch.) Wie aus Moskau gemeldet wird, hat Stalin dem Kriegs­kommissar Woroschilow den Posten des ersten stellvertretenden Vorsitzen- d e n des Rates der Volkskommissare der Sowjet­union unter gleichzeitiger Belassung in seiner Stellung als Kriegskommissar und Vorsitzender des Obersten Kriegs- und Revolutionsrates an­geboten. Woroschilow hat sich die Annahme des Postens noch Vorbehalten. Der neu ernannte Vorsitzende des Rats der Volkskommissare der Sowjetunion, Molotow, hat am Samstag sein Amt angetreten.

Lord Willing ton wurve schon vor zehn Iahren als Kandidat für diesen Posten genannt. Don 1900 bis 1910 war er liberaler Abgeord­neter, gehörte dem Hause der Lords für zwei Iahre an und wurde dann Gouverneur von Bombay. Rach Beendigung seiner Amtszeit wurde er zum Gouverneur von Madras ernannt, ver­blieb bis 1924 in Indien und ging dann nach Chin-a als Vorsitzender der Kommission für die Borerentschädigung. Auf besonderen Wunsch Ka­nadas wurde er im Anschluß daran Gouverneur vieles Dominions.

Die Wahl der Person des Lord Willington wird im allgemeinen in der englischen Presse aller Parteirichtungen begrüßt. Iedoch hat die Times" ihre Bedenken wegen des hohen Albers. Man müsse doch bezweifeln, ob er die körper­liche Stärke, die Frische und die Arbeitsfähig­keit und endlich den Sinn für die Wirklichkeit besitze, ber_ heute mehr denn je in Indien ge­braucht würde. Schon die äußere Erscheinung ver Mitglieder der englischen Regierung, die sich mit dem Problem der englisch-indischen Kon­ferenz zu befassen hätten, zeige, daß sie keines­wegs einen Erholungsurlaub genössen. Hoffent­lich habe das gesunde Klima in Kanada und die verhältnismäßig geringe dorttge Arbeit dem Lord eine neue Lebenskraft gegeben. Letzten Endes würden ihn seine alten Freunde in In­dien sicherlich willkommen heißen. <

gerettet zu sein. Von den 21 Passagieren nur 4.

Einer der Matrosen derOberon", der von dem englischen DampferHengist" aufgefischt werden konnte, gab folgende Schilderung des Unglücks: Wir waren in unserer Koje, als plötz­lich ein furchtbarer Stotz erfolgte. In dem gleichen Augenblick bekam der Dampfer schon Schlagseite. Wir stürzten an Deck und sahen, daß unser Schiff an der Steuerbordseite ein mächtiges Leck hatte. Als dieOberon" fast ganz auf der Seite lag, sprangen wir von der obersten Reeling in die Tiefe.

Wenige Minuten später verschwand das Schiss in den wellen.

Ein Kamerad wurde mit in die Tiefe gezogen. Zwei andere Matrosen hatten, .bevor sie den Sprung in die Tiefe wagten, ein Rettungsboot freibekommen. Von den acht Rettungs­booten konnten nur z wei zu Wasser ge- bracht werden. Wir schwammen an ein Boot heran und wurden hineingezogen. Dann begannen wir mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln um unser Leben zu kämpfen, denn um uns herum floh brennendes Oel. Viele Passagiere und Matrosen sind sicher in den Flammen umgekom- men. Den DampferArcturus", der uns gerammt hatte, konnten wir in dem dichten Rebel kaum erfennen. Von allen Seiten hörten wir Rufe und Schreie, aber es war unmöglich, einen Lieberblick zu bekommen, was eigentlich vorging. Der Kapi­tän hatte in dem Augenblick, als wir gerammt wurden,alle Mann an Deck!" befohlen, aber ich ^zweifle, datz es noch vielen gelungen ist, aus den Kojen herauszukommen.

Alles spielte sich in wenigen Minuten ab. Mit ungeheurem Getöse explodierte der Kessel. Wrack­stücke flogen überall umher.

Da unser Rettungsboot ein Leck hatte, muhten wir unablässig Wasser schöpfen. Wir versuchten, eine Laterne, die sich zufällig auf dem Rettungs­boot befand, anzuzünden, fanden aber kein Petro- Auch waren unsere Streichhölzer völlig naß. Wir riefen schlietzlich um Hilfe, als wir das Herannahen eines Dampfers' bemerkten. Glück­licherweise wurden wir gesichtet und total ermattet an Bord genommen.

Man nimmt an, datz noch Lieberlebende in Rettungsgürteln auf dem Meere treiben, jedoch wird die Hoffnung auf Hilfe von Stunde zu Stunde geringer, da das Wasser eiskalt ist.

Nichts mehr aufzufinden.

Kopenhagen, 21. Dez. (WTB.) Der hier liegende DampferArc turus" wurde heute einer amtlichen Besichtigung unterzogen, deren Ergebnis den finnischen Behörden für die Ge­richtsverhandlung übermittelt werden wird, die wahrscheinlich in Finnland stattfinden wird. Ka­pitän Hjelt von derOberon" befindet sich noch immer an Bord derArcturus". Er ist tieferschüttert und will mit niemanden sprechen. DieRachforschungenderMarineflie- g e r an der Llnfallstelle mutzten heute wieder wegen Rebels aufgegeben werden. Auf Veranlassung der Reederei wurde heute von Gotrnburg ein Schlepper an die Llnfallstelle gesandt, der jedoch nichts auf gefunden hat. Heute früh wurden außerhalb von Gotenburg drei leere Rettungsboote von der Oberon" aufgefunden. Auch einige Rettungs­ringe wurden aufgefischt.

Der gerettete Engländer Martin hat aus­gesagt, datz er im Augenblick des Zusammen­stoßes die Hand seiner Frau ergriffen hat, um mit ihr zusammen ins Wasser zu springen. Der Fuß der Frau Martin verwickelte sich jedoch in Tauwerk, Marttn ver­sucht« den Fuß seiner Frau -u befreien, aber

Aus aller Well.

Der Remarque-Film und der Stahlhelm-Film 1 im Saargebiet verboten.

Saarbrücken, 21. Dez. (WTB.) Del Präsi­dent der Regierungskommission des Saargebiets Wilton hat in seiner Eigenschaft als Minister des Innern die Aufführung des Remarque- Films9m Westen nichts Neues" sowie des Stahlhelm-Films verboten. Der Verbot- erlaß, dem keine Begründung beigegeben ist, er­folgte, um Störungen bei Aufführung der Filme von vornherein auszuschließen.

Rotlandung der Fliegerin von Etzdorf.

Rom, 20. Dez. (WTB.) Die deutsche Flie­gerin von Etzdorf mußte an der Südküste von Sizilien notlanoen. Die italienischen Luftfahrtbehörden haben bereits Hilfe zugesagt. Das beschädigte Flugzeug wird nach Catania gebracht.

Großer 3uroelenraub in Berlin.

Berlin, 21. Dez. (WTB.) Ein Einbruch-, bei dem den Einbrechern für etwa 1 00 000 Mark Iuwelen in die Hände gefal­len sind, wurde heute nachmittag in einem Lombardhaus entdeckt. Die Einbrecher hatten das Geschäft vom Hof aus durch eine mittels Rachschlüssels geöffnete eiserne Tür betreten uuö den Geldschrank aufgeschweiht.

Raubmord im Horben Berlins.

Berlin, 21. Dez. (WTD.) Ein Kapitalver­brechen rief heute vormittag die Mordkommission nach dem Rorden Berlins. Dort war die 60 Iahre alte Ehefrau des Kaufmanns R i e k m a n n niedergeschlagen worden. Ehe man der Schwer­verletzten noch Hilfe bringen konnte, verstarb sie. Auch der Mann ist schwer verletzt unZ> liegt in bedenklichem Zustande im Krankenhaus. Die Feststellungen am Tatort ergaben, daß es sich um einen Raubmord handelt. Das Ehepaar Riekmann betrieb nicht nur ein gutgehendes Zigarrengeschäft, sondern verwaltete auch eine Zahlstelle der Bank für Arbeiter und Angestellte und der Volksbühne. Von den Tätern fehlt bisher jede Spur.

Diphtherie-Epidemie in Birmingham.

London 22. Dez. (WTB. Funkspruch.)Daily Herold meldet, daß in Birmingham infolge fineifö lphtherieepidemie 50 Personen tm Krankenhaus liegen. In den letzten zwei Monaten sind 18KinderanDiphthertege- st o r b e n, d. h. ebenso viel wie in den vorauf­gegangenen vier Jahren.

Selbstmord des Amokläufers von Perpignan.

Paris, 20. Dez. (CRB. Eigene Meldung.) Rach einer Meldung aus Perpignan hat sich der Eenegalschütze, der in einem Anfall von Verfolgungswahn drei Personen getötet und mehrere verletzt und sich sodann in einer Kase­matte verbarrikadiert hatte, heute früh durch einen Kopfschuß selbst geltet.

träge zu fälschen, um ihnen den Charakter von Garantien zu geben, die gegen die Ober­hoheit gewisser Staaten getroffen worden seien. Sämtliche Parteien Deutschlands, von den Sozial­demokraten bis zu den Rationalsozialisten, hätten diesen Weg eingeschlagen und machten aus dem Schuh der deutschen Minderheit in Polen Grundlage ihrer gesamten Außenpolitik.

Run ist R y k o w, der als Vorsitzender des Ra­tes der Volkskommissare etwa die Stellung eines russischen Reichskanzlers einnahm, doch gefal­len. Man sprach schon vor Monaten von seinem Sturz. Damals ging er auf Urlaub, woraus offen­bar voreilig geschloffen wurde, datz ein Ausgleich zwischen ihm und Stalin erfolgt sei. Ieht ist er aus dem Urlaub zurückgekehrt, hat aber nur fein Abschiedsgesuch einreichen dürfen und wird nun ebenso wie Trotzki in die Wüste geschi ck t. Stalin hat also auch hier wieder einen vollen Sieg über die Rechtsopposition er­fochten, der besonders dadurch zum Ausdruck kommt daß als Rachfolger Rhkows der erste Ge­hilfe Stalins, Molotow, ernannt wurde. Er hat in den letzten Iahren nur eine Rolle inner­halb der Parteiorganisation gespielt, vor allem den Kampf gegen den Trotzkismus geführt. Seine Ernennung zum Kanzler bedeutet praktisch, datz Stalin nun auch öie Regierungsge­schäfte offiziell in öie Hand bekom­men will, um die einheitliche Auffassung des Kommunismus sicher zu stellen. Auf der anderen Seite beweist aber der Rücktritt Rykows, wie stark die Gegensätze in den eigenen Reihen geworden finb, am Ende sogar schon zu stark, als daß durch Maßregelungen die innere Zersetzung aufgehalten werden könnte.

Vertrauensvotum tür Stalin.

Kowno, 22. Dez. (TU.) Am Sonntagabend be­faßte sich das Zentralkomitee der Kom­muni st ischen Partei in einer Vollsitzung unter Vorsitz Stalins mit den Berichten über die Wirtschaftslage in Sowjetrußland, über die Le­bensmittelversorgung, über die Tätigkeit der Ge­nossenschaften, des Zentrosojus und über die Wahlen im Dorfe. Kuibischcw stellte fest, daß die rus­sische Schwerindustrie im zweiten Jahr des Fünf- »ahresplanes einen lleberschuß von 5 o. H. erziell habe. Die Industrie sei ihren Pflichten voll nach­gekommen. Zur Landwirtschaftsfrage sagte Kuibi- schew, die Einführung des Sozialismus sei nur bann möglich, wenn

die individuelle Bauernwirtschaft abgeschafft und das Privatkapital seine politische und wirt- schaflliche Macht in Dorf und Stadt verloren habe. Die Kollektivwirtschaft auf dem Lande sei in der Lage, die Lebensmittelversorgung sicherzustellen. Bisher seien nur 30 v. ch. der individuellen Bauern-

Ein Abrüstungsaufruf Eecits.

London, 21. Dez. (WTB.) In einem von der englischen Völkerbundsvereinigung veröffentlichten Aufrufzur Abrüstung erklärt Viscount C e - cil: Das Jahr 1931 verspricht für den Völ­kerbund kritisch zu werden, denn von der Ge° ftalttkig der öffentlichen Meinung während des kom­menden Jahres wird es abhängen, ob die erste Weltabrüstungskonferenz, deren Einberufung wahr­scheinlich auf den Beginn des Jahres 1932 festgelegt werden wird, zur Farce wird, oder greifbare Er­gebnisse zeitigt. Den von der Vorbereitenden Kom­mission verfaßten Vertragsentwurf bezeichnet Lord Cecil als nicht vollkommen. Er könne aber die Grundlage für einen wirksamen Abrüstungsvertrag bilden. Von dem größten Wert wäre es, wenn bis zur Eröffnung der Konferenz die- öffentliche Mei­nung unterrichtet und _

von der Rotwendigkeit einer allgemeinen Rüstungsherabsehung überzeugt werden könne,

so daß sie von den Regierungen erwartet, daß diese sich für die Einsetzung so niedriger Ziffern wie nur irgend möglich in den Vertragsentwurf bemühen. In dieser Hinsicht haben die Führer religiöser, wie politischer Bewegungen eine schwere Verantwortung und eine große Gelegenheit.

Zranzösisch-üalienische Geheim« Verhandlungen?

London. 22. Dez. (WTB. Funkspruch.» Der römische Korrespondent desDaily Telegraph" meldet: Trotz der absoluten Geheimhaltung, die in allen Kreisen beobachtet wird, bin ich in der Lage, zu berichten, daß man sich gegenwärtig er­neut bemüht, eine f r a nz ö s i sch - i t a l ien i- fche Vereinbarung zustandezubringen. Der Sachverständige im Londoner Foreign Office für Abrüstungsfragen. Craigie. der seit Anfang voriger Woche in Rom weilt, hatte dort eine An- jaf)l Besprechungen mit hohen italienischen Beamten, darunter den Außenminister G r a n d i und dem Führer der italienischen Abrüstungs­delegation, Rosso, mit dem er (Crai­gie» in Genf zusammengearbeitet hatte. Das Ter­rain war bis zu einem gewissen Grade gelegent­lich der Besuche vorbereitet worden, die der ameri­kanische Botschafter in Brüssel, Gioson, in Rom und Paris abgestattet hatte. Mit Rücksicht auf' die politische Lage in Frankreich ist Craigie gierst nach Rom gegangen; er hofft aber, noch vor Weih­nachten Besprechungen in Paris zu be­ginnen.

Der diplomatische Korrespondent desDaily Telegraph" sagt zu dem Bericht des römischen Korrespondenten des Blattes, die Aussichten auf eine italienisch-französische Vereinbarung seien als gering einzuschätzen.