Ausgabe 
22.12.1930
 
Einzelbild herunterladen

Aus der Provinzialhauptstadt.

Sieben, den 22. Dezember 1930.

Spielzeug.

Mit strahlenden Märchen und Träumen sind die Schaufenster angcsüllt. Bunt und glitzernd lockt die gehäufte Pracht. Kühnste Kinderwünsche und -Phantasien finden Erfüllung in diesen schimmern­den Wundern. Kleine Augen werden grob vor Staunen. Kleine Herzen hüpfen Freudensprünge wie Lämmer aus der Zrühlingswie'e. Helle Jauch­zer grüben die Herrlichkeiten. And nicht nur den Kindern glühen die Wangen. Wir selbst fühlen unS entzückt in das längst versunkene selige Land hinter den Sieben Bergen.

Da finden sich zahme und wilde, einheimische und fremde Tiere zu friedlicher Gemeinschaft zu­sammen wie einst in der Arche Roah: kleine, feu­rige Pferde in allen Farben. Hunde, (Siel, Schafe, Kühe und langbeinige Storche neben braunen und weihen Bären, schwarzgrouen Eleganten, drolligen Asien und buntesten Sittichen .unD Kakadus. Gro­teske Hanswurste und Auguste schneiden tolle Gri­massen, Max und Moritz mit borstigem LauS- buberchaar sinnen, die Hände in den Taschen, au neue, freche Streiche, ein schellenmütziger Eulen­spiegel hat sich furchtlos neben einen ruhschwarzen Teufel gestellt, und baumelnde Hampelmänner warten auf den Ruck an der Schnur, um ihre ge­lenkigen Arm« und Beine so schlenkern und Wersen zu können. Daneben ist ein ganzes Puppenreich, ein Himmel voll strahlender, rotwang'g r Gesich­ter. die rührend ahnungslos in die Welt lächeln. ES sind Zwerge unter ihnen und Riesen,Schwarze, Blonde und Braune, aber alle zeigen die g'eiche Gesundheit^ diese frische Fröhlichkeit in Wuchs und Haltung. Bald werden sie wie eine in ihrer Hei­mat angekommene Schar Zugvögel sich da- und dorthin zerstreuen und ein Sprint suchen. Manche in vornehmen, blütenweihen Kinderstuben, schöner noch als ihr Puppenparadies, andere in arm­seligen Mansarden. Aeberall aber wird sie ein klopfendes Kinderherz an sich drücken und zwei besorgte, kleine Arme werden sie zärtlich wiegen und betten.

Roch erinnere ich mich an die Freude meiner Schwester, da sie an einem Heiligen Abend von sieben reizenden Püppchen in ihrem aufgcsrisch- ten Wagen überrascht wurde. Es waren teilweise welche aus früheren Jahren, die mit Glieder­brüchen oder sonstigen schweren Verletzungen ver­nachlässigt in einer Ecke gelegen. Sie hatten zu Operationen in die Pupp:nk init gemuht, waren bann aber nach einigen Wochen als Geheilte von der Mutter abgeholt und in neue Kleidchen gesteckt worden. Während meine Schwester ihre Rot hatte, für alle sieben einen Ramen zu finden, baute ich aus braunen und roten Holzklötzchen Häuser und Türme, so steil, bis sie polternd ein- stürzten. Oder ich schasste mit einer zweispännigen Fuhre in kleinen Säckchen und Kistchen Ware hrrbei für den Kaufladen, den die Rachbars­kinder, weil er nur Schleckereien enthielt, gern mit ihren papiernen Groschen leerkauften. Am lieb­sten aber waren mir die großen Bilderbücher, in denen Menschen und Tiere seltsame Dinge er­zählten und fremde Gärten und prunkvolle Pa­läste hingemalt waren, darin zu wandeln all meine Sehnsucht blieb.

So schöne Bücher locken auch heute noch. Aber schreiendere Dinge drängen sich in den Vor­dergrund: vor allem Autos. Wenn die Drohen keine- erschwingen können, sollen wenigstens die Kleinen eines haben. Dann Rutsch- und Eisen- 6a im en. Elektrische. Flugzeuge mit Hallen und sonst noch tausend rollende, ratternde Spiel­werke. Der kleine Knabe muh wissen, dah wir im Zeitalter der Maschine leben.

Das kleine Mädchen hat es besser. Die Puppe weckt seine ganze Liebe und Reigung. Erste Regungen deS Mütterlichen keimen auf. Die Kleine darf behüten und betreuen. Ihre Seele hält leises Zwiegespräch mit ihrem Zögling.

Auch der kleine Knabe will mit seinem Spiel­werk sprechen. Will träumen und schweifen, Aben­teuer bestehen wie die Helden im Märchen. Tragt darum nicht allein den Lärm der Strahe in die Spielstube mit Autos und räderrassclnden Maschinen, sondern auch ein Stück Traumland und Seelenheimat in einem guten Buch. P. B.

Kleine Weihnachtseinkäufer.

Erlebnisse eines Gießener Vater« mit seinen Buben.

Der Silberne Sonntag führt mich mit meinen zwei Buben, einem 6- und einem 4jährigen, in Die Stadt, um Weihnachtseinkäufe für die Mutter und die Großmutter zu besorgen. Am Sonntag vorher waren die beiden Buben nach dem Mit­tagessen ins Bett gesteckt worden, um Vater und Mutter Gelegenheit zu geben, die Bestellungen beim Christkind zu machen. 3n der ganzen Woche erzählten nun die Buben voll Stolz:Am Sonn­tag muh die Mutter schlafen, dann gehen wir einkaufen."

Der Großvater schenkt jedem 1 Mark, und bann geht cs los, hinein in die bunten ^errlichkei en, um möglichst alles für 1 Mark zu kaufm. Wir kom­men an ein Pelzgeschäft mit se...e . Auslagen. ,.3a, Mutter wünscht sich doch so einen großen Pelz­kragen", sagt der Große. Wir überlegen und wäh­len. und da fragt der Große wieder:Vater, was steht denn für ein Preis dran?" Der Vater nimmt den ganzen Einkauf sehr ernst und antwortet: Fünfundzwanzig Mark."Komm, loh cn leie, der es se Deuer". kommt prompt die Antwort des Sechsjährigen, und er zieht mich an der Hand von der Auslage weg. Zur 'Bekräftigung antwortet der Kleine:Soviel Geld hawwe mcr net."

Wir kommen in einen Kunstgewerbeladen und lassen uns Broschen zeigen, da ja die Mutter slch auch so etwas gewünscht hatte. Die Verkäu­ferin zeigt den Duden die Droschen und nennt Die Preise. Der Vater hält sich im Hinter­gründe und läßt sie selbständig kaufen. Deim Rennen der Preise fallen Demerkungen wie: Dau se e weg, es se deuer." Der Vierjährige mit seinem zarten Sümmchen:Mir hawwe nur ei Mark." Dei einer schönen Drösche blinzle ich der Verkäuferin zu, und sie nennt einen Preis von 1 Mark. Run ist die Freude groß, voll Jubel kommen sie zu mir gelaufen und berichten, daß sie eine feine Drosch«billig" gekauft haben' Umständlich wird die Mark hervorgeholt und bezahlt, und das kleine Schächtelchen in die Manteltasche verstaut. Zu allem Aeberfluh läßt di« Verkäuferin noch 5 Pfennig im Preise nach, und sofort soll noch em kleines Auto gekauft werden. Der Große hat außerdem noch 2 Pfen­nige, und wie er dann zusammenzählt, hat er im ganzen 7 Pfennige und kann nicht begreifen, warum er dieses Auto nicht kaufen kann, als chm der Preis dafür mit 70 Pfennig genannt wird. Run, wir lasse» das Auto und gehen

Gefährliche Räuber ftinfer Schloß und Riegel.

(Eigener Dericht deS Gießener Anzeigers.)

Stockhausen, 22. Dez Am SamStag- morgen wurde, w.e am Samstag in einem Teile unseres Dlattes schon berichtet, der Postbote Weber von Stockhausen von zwei Män­nern überfallen und der Gelder be­raubt, di« er in seiner amtlichen Eigenschaft den Empfängern zustellen sollte. Die Räuber machten ihn dadurch unschädlich, dah sie ihn mit einem Schuh in den Kopf schwer ver­letzten. Dald daraus gelang es, der beiden Räuber habhaft zu werden. Der Ober­landjägermeister Rinker von Kahenfurth, der nach den Tätern suchte, begegnete auf seiner Fahrt im Kraftwagen zwischen Stockhausen und Steinhausen zwei Männern, die Räder bei sich hatten und der Deschreibung entsprachen. Zur gleichen Zeit, da der Oberlandjägermeister auf die beiden mutmaßlichen Verbrecher stieß, kam im Kraftwagen Kr.rninalpolizeimeister Hof­mann von der Gießener Kriminal­polizei des Weges, der sofort die Situation erfaßte und dem Oberlandjägermeister beisprang. Mit vorgehaltener Waffe wurden die beiden Verbrecher durchsucht, und die Vermutung, daß es die Posträuöer seien, erwies sich als richtig. Deide hatten Geldbeträge in Höhe von etwa 100 Mark bei sich, zum Teil in Fünfz gpsennigstücken. Außerdem wurden die bei­den Pistolen gefunden. D.'r eine hatte sie vorne im Hosenbund stecken, die andere Pistole fand man in einer Aktentasche, die am Aad« befestigt war. 3n einer der Pistolen steckte noch eine leere Patronenhülse, Die zweifellos vorher Die Kugel, Die Den Postboten traf, barg.

Dei Den Tatern handelt es sich um zwei Män­ner. die miteinander af6 Schwäger verwandt sind. Der ältere. 3ohann (Seena, von Beruf Metz­ger, ist 27 3ahre all und aus Modra in der Tschechoslowakei gebürtig, verheiratet und in Dil­lenburg wohnhaft. Der jüngere, Wilhelm Lück- hoff, ist Landwirt, 25 3apre alt und ebenfalls in Dillenburg wohnhaft Einer der beiden Ver­brecher wurde zunächst nach dem Krankenhaus Ehringshausen gebracht und dort dem verletz­ten Po st boten gegenüb er ge ft eilt, der ihn als den Räuber erkannte. Die Fest­nahme der beiden Schädlinge ist ein großes Ver­dienst der beiden Beamten, Die (unter gleichzeitiger Mithilfe des Kraftwagen,ührers M ü nck von der Gießener Polizei» den mit schweren Trommel- redolvern versehenen Räubern energisch gegen- übertraten und ganz« Arbeit leisteten. Die beiden Verbrecher, die ursprünglich im Amtsgerichtsge­fängnis Ehringshausen fest gehalten wurden, wer­

den nunmehr nach Dem Gefängnis in Wetzlar ge­bracht und sehen ihrer Aburteilung entgegen.

Einbrecher

im Wochenendhaus.

* Engelrod, 22. Dez. 3n dem hei unserem Orte gelegenen Wochenendhaus des Frankfurter Zahnarztes Dr. 'Jlicgclmann hausten einige Einbrecher im Zeitraum von etwa acht Tagen in geradezu bestialischer Weise. Die Einbrecher, die das Haus unbewohnt vorsanden, richteten sich häuslich ein, lebten von Den vorhandenen Vor­räten, aßen die Konserven auf, tranken Likör und Wein, leerten etliche Flaschen Bier, rauchten un­gefähr 200 Zigaretten und schliefen in Den Betten. Dem Tatbestand nach handelt es sich um zwei ober drei Männer, Die hier skrupellos ihr Wesen trieben und das Haus in einem unbeschreib­lichen Zustande zurückließen. Die Einbrecher be­schränkten sich aber nicht Darauf, Das Haus nur für ihre Zwecke zu benützen, vielmehr ft a h l e n sie noch eine Reihe von Gegenständen und Bekleidungs­stücken, die sie Dorfanben: ein Photoapparat, ein Paar Bergschuhe, ein Paar Damen-Tourenstiesel, Hausschuhe, eine Strickweste, Windjacke, einen Tou­renrucksack, eine Joppe, den Rock eines Sportanzu­ges, ein dunkelblauer Trainingsanzug, Hemden, zwei Damen-Unterzeug-Weften, ein Samen-Unter» rock, zwei Dutzend Taschentücher, 4 Paar Woll- strümpfe, ein neues Rasiermesser, und ein Jüng­lings-Sportanzug fiel Den Dieben als willkommen« Beute in Die Hände. Die gestohlenen Dinge und Der Verlust an Lebensrnitteln beträgt, abgesehen von Dem großen Schaden, Den die Eindringlinge in Dem Hause anrichteten, etwa 800 Mark. Daß es sich bei den frechen Einbrechern um gefährliche Bur­schen handelte, geht daraus hervor, daß i n d e n Betten geladene und entsicherte Jagd­gewehre oorgefunben würben. Es scheint also, baß die Ginbringlinge von den Waffen Gebrauch gemacht hätten, sofern sie des Nachts überrascht war den wären. Die Landeskriminalpolizeistelle Gießen, in diesem Falle abermals der Kriminalpottzeimeister Hofmann, nahm sofort nach dem Bekanntwerden die Ermittlungen auf und konnte auch eine Reihe von Tatortspuren, Die unter Umständen zur Ermittlung der Täter führen können, festhalten.

(Ein Einbrecher festgenommen.

Am Samstag wurden in Gießen zweijüngere Männer wegen Bettelei in polizeilichen Gewahrsam genommen. Einer der beiden Fest' genommenen wird von der Polizei wegen eines schweren Einbruchs gesucht.

für Das Fach Dtr allgemeinen Pathologie unv pathologischen Anatomie.

Der Goldene Sonntag. Dtr gestrig« Goldene Sonntag- brachte unserer Stadt abermals einen lebhaften Verkehr. Die Reichsbahn, wie auch die Landkraftposten wurden in viel höherem Maße als sonst in Anspruch genommen und brachten oicle auswärtige Besucher nach Gießen. In den Haupt- geschästsstraßen herrschte am Nachmittag ein außer­ordentlich lebhafter Betrieb Obwohl nach den Beob­achtungen ansehnlich gekauft wurde, Dürfte Der Umsatz hinter Dem des Vorjahres zurückgeblieben (ein, was feine natürliche Ursache in Der im Laufe des Jahres sich mehr und mehr verschlechterten Wirtschaftslage breiter Kreise unseres Volkes hat.

" Di« Gießener Wochenmärkte in Der Weihnachtswoche. 3n Der Weih- nachtSwoche finden Die Wochenmärkte Diens­tag. Mittwoch (nicht Donnerstag) unti SamStag statt. Die Marttlaubenstraße ist für Den Wochenmarktverkehr wieder freigegeben.

SonDerkraftpost von Ulrichstein nach Mücke. Am 24. Dezember wird auf Der Kraftpostlinie 11 lrichstei nM ü cf e eine Son­Derkraftpost verkehren. Abfahrt Ulrichstein 10.34 Uhr, Ankunft Mucke 1120 Uhr: Ab'ahrt Mücke 16.32 Uhr. Ankunft Ulrichstein 17.30 Uhr.

Zusammenstoß zwischen Motorrad und Auto.

U Großen-Linden, 21. Dez. Auf Der Landstraße zwischen Großen-Linden unD Klein- Linden, dicht am OrtSeingang bei Großen-Linden, stieß heute kurz nach 16 Uhr ein von Gießen kommendes Motorrad mit einem aus Der Ge­genrichtung kommenden Personenkraftwa- genzusammen. Der Motorradfahrer Weber aus Hirzenhain erlitt hierbei einen Beinbruch. Die SoziuSfahrerin. ein Mädchen, ebenfalls aus Hirzenhain, erlitt eine Gehirnerschütte­rung und leichte Deinverletzungen. Di« 3nsassen deS Kraftwagens (Der Wagen gehört dem Schuh­fabrikanten Philipp Kiefer aus Butzbach, der aber an der Fahrt nicht beteiligt war) blieben unverletzt. Die erste ärztliche Hilfe leistete Dr. Speck von hier. Die Ueäerführung deS verletz­ten Motorradfahrers in Die Chirurgische Klinik erfolgte durch Die Freiwillige Danitätskolonne zu Gießen, während das Mädchen in die elterliche Wohnung nach Hirzenhain gebracht wurde. Di« Ursache des Unfalls dürfte Darauf zurückzufüh- ren sein, daß Der MotorraDfahrer eine Grupp« Mädchen überholen wollte, Dabei eines von ihnen am Mantel streifte, dadurch erschreckt di« Gewalt über das Motorrad verlor und zu weit nach links abbog, so daß Der Zusammenstoß mit Dem Kraft­wagen nicht mehr zu verhindern war.

weiter, um für Die Mutter noch ein Stück Ka- loderma-Seif« zu laufen, das der Vierjährige ersteht. Hier soll dem Verkäufer ein Lob Dafür ausgesprochen werden, wie er es verstand, bei Dem Vierjährigen Die Freude am Kaufen zu steigern.

Zum Schluß muß noch eine Tafel Schokolade und eine Stange Marzipan für Die Großmutter eingekauft werden Wir erstehen diese Ding« in einer Konditorei und anschließend wird eine Tasse Äofo-o getrunken Wir sitzen unter einem aus Lebkuchen verfertigten Hexenhäuschen, und Der Vater muß alle möglichen und unmöglichen Fra­gen beantworten Zum Schluß wird der Große aufgesordert, zu bezahlen Da erklärt et mir kalt­blütig und voller Meberxeugung:Du hast gesagt, setzt euch hin und trinkt eine Tasse Koko-o, Da mußt du auch bezahlen Mir hätte uns nix be­stellt."

Was will so ein Vater machen, er bezahlt, und Dann geht es rasch nach Hause. Aber schon von weitem rufen Die Buben:Mutter, Mutter, mir hawwe Geheimnisse für Dick." UnD Doch, wie schwer hält es, das Geheimnis zu bewahren. Die kleinen Kerle möchten am liebsten schon jetzt ihr« Herrlichkeiten ausbreiten Aber Die Kostbarkeiten werden tüchtig eingepackt und Dann von einem Winkelchen in das andere versteckt, damit nur Die Mutter nicht hinterdas Geheimnis" kommt.

DaS ist eine echte Weihnachtsfreude, und ich möchte jedem Vater raten, mit seinen Kindern ein­zukaufen, sie aber selbständig handeln zu lassen Aus diese Weise erschließt sich uns Großen noch ein Einblick in die Herrlichkeiten des Kindergemü- tes und wir können die Kinder zu eigenem san­deln und zur Selbständigkeit erziehen. A. W>.

provinzialauöschuß-Sitzung.

Am Samstag fand im Regierungsgebäude zu Gießen unter Dem Vorsitz von Provinzial- Dircftor Graes eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusses Der Pro­vinz Oberhessen statt, in Der das gegen, den Gemeinderechner Schwarz zu Dorf-Güll eingeleitete Disziplinarverfahren zum Abschluß gebracht wurde. Aus Dem Tatbestand war zu entnehmen, dah sich Der Rechner in seiner Eigenschaft als Rechner unD Lagerhalter Der Landwirtschaftlichen Bezugs» unD Absaygenossen- chaft Dorf-Güll in Den vergangenen 3ahren Unterschlagungen bzw. Veruntreuungen von meh­reren taufenD Mark hat zuschulDen kommen las­en. .Zu diesem Zwecke verfälschte er eine ganze Anzahl Urkunden. Das Schöffengericht Gießen verurteilte ihn rechtskräftig zu einer Gesamt- Gefängnisstrafe von einem 3ahr. Aus Grund iriefet Tatsachen stellte das Kreisamt Gießen bei dem Provinzialausschuß Antrag quf Dienst­entlassung, ohne Zubilligung von Ruhe­gehalt. Der Provinzialausschuß erkannte nach vorheriger Beweisaufnahme zu Recht, Den Ge­rn einderechner aus Dem Dienste z u ent­lassen und Die Kosten des Verfahrens dem- Entlassenen auf Last zu setzen. Der Wert des Streitgegenstandes wurde auf 1000 Mark fest­gesetzt.

Als weiterer Punkt Der Tagesordnung wurde verhandelt die Klage des Heinrich Müller I. in Rommelhausen (Kreis Büdingen) gegen das Kreisamt Büdingen wegen Versagung des Wan- dergewerbescheins für seinen Sohn August Mül­ler. Von den Parteien war niemand erschienen. Der Provinzialausschuß wies die Klage als un­begründet zurück und oerurteilte Den Kläger in die Kosten des Verfahrens.

Das Offenhalten der Gaststätten am Heiligen Abend.

3n einer am Samstag in Darmstadt auf Ein­ladung des Ministers für Arbeit und Wirtschaft tattgehabten Besprechung zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorganisationen im Gaststätten­gewerbe wurde folgende Vereinbarung ge­troffen;

Die Arbeitgeber im Gaststättengewerbe haben selbst den aufrichtigen Wunsch, daß alle Angestellten den Weihnachtsabend im Kreise ihrer Familien verbringen. Den Gasthaus­angestellten wurde daher auch in früheren 3ahren durch Schließung der Lokale bzw. Dienstfreistel­lung am Heiligen Abend enlgegcngetommen. Die an Der Besprechung beteiligten Führer Der Ar- beitgeber-Derufsorganisationen fordern Die Mit­glieder und alle anderen Berufskollegen auf, auch in diesem 3ahr Den Wünschen Der Angestellten durch frühzeitige Schließung der Lokale bzw. Beurlaubung am Heiligen Abend, fvweit irgend möglich, zu entsprechen.

Daten für Dienstag, 23 Dezember

Sonnenaufgang 8.04 Uhr, Sonnenuntergang 15.54 Uhr. Mondaufgang 10.54 Uhr, Monbuntergang 19.09 Uhr.

1827: der österreichische Admiral W. o. Tegethoff geboren.

Bornotizen.

Tageskalender für Montag. Tv. von 1846: Weihnachtsfeier für Die Kinderabteilung, 19.30 Uhr in Der Turnhalle. Lichtspielhaus, Bahnhof, straße:Der Liebling der Götter" (mit Emil Jan. nings). Astoria-Lichtspiele:Mein Himmelreich' undßunopart".

Aus Dem Stabttheaterdureau wird uns geschrieben: Morgen, Dienstag, gelangt im Dienstagabonnement die Schlager-Jazz-Operette Meine Schwester und ick" unter der Spielleitung des Intendanten zur Ausführung; Operettenpreise. Mittwoch (Heiligabend) geschlossen. Das Weih- nachtsprogramm ist so zusammengestellt, das der Ernst des ersten Feiertages durch die Erstauffüh- rung des Werkes von Rostanb:Der Mann, den sein Gewissen trieb" gewahrt wird. Gerade in der schweren Jetztzeit dürfte die Aufführung dieses Wer- kes am ersten Feiertag als besonders weihevoll emp- funden werden. Die Erstaufführung findet im ' Freitagabonnement statt. Am Nachmittag des gleichen Tages, 15.30 Uhr, als geschlossene Dor- stellung das Weihnachtsmärchen:Goldmarie und Pcchmarie". Im Gegensatz zum Ernst des ersten Feiertages bringt die Intendanz am zweiten Fest­abend eine musikalische, stark volkstümliche Auffüh. rung. Die Vereinigten Operetten-Bühnen Bochum. Hamborn haben für eine einmalige Aufführung in ihrer Gastspielserie die OperetteDrei arme kleine Mädels" von Willi und Walter Kollo angesetzt. Diese Vorstellung ist außer Abonnement zu er. mäßigten Operettenpreisen und beginnt der vielen auswärtigen Besucher wegen bereits 18.30 Uhr: Ende 21.30 Uhr. Ferner wird am zweiten Feiertag, um 15 Uhr. das WeihnachtsmärchenGold- morie und Pechmarie" gegeben. Folgende Züge ermöglichen einen rechtzeitigen Besuch der Abend- Vorstellung am zweiten Feiertag-, ferner Rückfahr. gclegenheit nach der Vorstellung: Butzbach ab 17.39, Gießen an 18.09; Gießen ab 22.42, Butzbach an 23.11. Marburg ab 16.20, Lollar ab 16.56, Gießen an 17.06; Gießen ab 22.42, Lollar an 22.53, Marburg an 23.38. Wetzlar ab 17.51, Gießen an 18.09, Gießen ab 23.00, Wetzlar an 23.15. Nidda ab 16.25, Hungen ab 16 46, Lich ab 1659; Gie- ßen ab 22.53, Lich an 23.16, Hungen an 23.27, Nidda an 23.47. (Brünberg ab 15.47. Großen- Buseck ab 16.10, Gießen an 16.24; Gießen ab 23.00, Großen-Buseck ab 16.10, Gießen an 16.24; Gießen ab 23.00, Großen-Buseck an 23.15, Grünberg an 23.37 Uhr.

* Don Der Landes-Universität. Don der Pressestelle Der Universität Gießen wird mitgeteilt. An unserer Landes-Universität haben sich habilitiert in Der Theologischen Fakultät: Pfarrer ttiL. 0r. pbii. Paul Schütz für DaS Fach Der praktischen Theologie; in Der Medizinischen Fakultät: Der Oberarzt Der Univ.-Augenklinik Dr. Walter Rauh für DaS Fach Der Augenheil­kunde; Der Oberarzt in Der Univ.- Frauenllinik Dr. Heinrich Rohenbeck für das Fach Der Geburtshilfe und Gynäkologie; Der Oberarzt am Pathologischen Institut Dr. Werner S chopper

Srieflasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit Der Schristleitung.)

J. D. G. Die Häufigkeit des Umsatzes des Ge­schäftskapitals eines Kaufmanns ist kein Anhalts- &unft für die Annahme eines wucherlichen Geschäftes.

nter Wucher versteht man strafrechtlich die Aus­beutung der Notlage, des Leichtsinns und der Unerfahrenheit eines anderen in bezug auf ein Darlehen, die Stundung einer Geldforderung, ober ein zweiseitiges Rechtsgeschäft.

M. 2H. Die erste Frage läßt sich nicht mit Be­stimmtheit beantworten, da Ihre körperliche Kraft ausschlaggebend ist. Die Gießener Kliniken dürften im weiten Umkreis wohl die bekanntesten sein.

Oie Wetterlage.

Bären

Aberdi

nami

,on<

Citri

IWA

viai

SiQSBSS

MlM

U woixemos O nenei ®naip otdecm. ® -u.iuü ® oeoc<.*i negee.

# Schnee o^caupem ® Hebel KOfwu'jf^umditilie.o-> xhr eichte» Csi r.assige» 10d$uawt$t K itürnnsehe» -tordwesl Oie Piene tuegen mu dem milde. Die Deden Stationen Honenden Zafr- len geben die Temperatur an Die unten verbinden Orte mit gleiUttH neeresmveeu umgerechneten Luftdruck

IVCItl VVVl .«U»)aflC.

Der Hochdruckrücken, der sich in westöstlicher Rich­tung quer über Deutschland erstreckt, wird stark an­gegriffen. Besonders hat sich das skandinavische Tief südlich verlagert und schneidet die kontinentale Luft­zufuhr ab. Ucber den britischen Inseln liegt heute ein geschlossener Hochdruckrücken, der ebenfalls durch das zwischen Island und Irland herannahendc Tief gefährdet ist. Da damit zu rechnen ist, daß sich das britische Hoch mehr nach dem Festlande hin ver­lagert, so dürfte bei uns noch keine wesentliche Um­gestaltung des Wetters eintreten. Wenn auch der Rückseiteneinfluß der Skandinaoienstörung stellen weise Bewölkung herbeifübrt, so wird der hohe Druck dock noch die Vorherrschaft behalten. Bei nächtlichem Aufklaren werden die Temperaturen unter den Ge- ftierpunlt zurückgehen.

Aussichten für DienS tag: Teils neblig- wolkig, teils klar, leichter Rachtfrost, meist trocken.

Aussichten für Mittwoch: Dorer st noch keine wesentlich« Aenberung Der Wetterlage.

Lufttemperaturen am 21. Dezember: mittags 4,1 Grad Celsius, abends 4,1 Grad; am 22. Dezember: morgens 4,6 Grad. Maximum 4,8 Grad, Minimum 2,9 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 21 Dezember: abends 1,2 Grad; am 22. Dezemberi morgens 13 Grad Celsius.