Ausgabe 
22.12.1930
 
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Nr. 299 Erstes Blatt

180. Jahrgang

Montag, 22. Dezember 1950

BietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Vrvck und Verlag: vrühl'sche Untversttülr-Buch. und Zteln-ruckeret K Lange tn Liehen. Schrlstlettung und Seschäftritelle: SchulNrahe I.

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Dr Fnedr Wich Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange für Feuilleton Dr H.THyriot,' für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Ma; Filter, fämtlid) in (Biehen

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Steegs Galgenfrist.

Die knappe Mehrbeit von elf Stimmen, die das neue französische Kabinett Steeg bei der entscheidenden Kammerabstimmung erhalten hat, gewährt dem Ministerpräsidenten allensalls eine Galgenfrist, aber wohl kaum mehr. Denn es ist doch bemerkenswert, daß diese knappe Majori­tät sich erst nach einer »weiten Auszählung ergab, nachdem die erste zu einer Minderheit für Steeg geführt hatte und deshalb von seinen Anhängern angezweiselt worden war. Offensichtlich hat man also dann für den zweiten Stimmgang schleunigst twch alles aus sämtlichen Winkeln ter Kammer zusammengetrommelt, waS irgend auszutreiben war. Dor allem aber scheint man alle Hebel in Bewegung gesetzt zu haben, um aus der Mitte möglichst zahlreiche Parlamentarier, die ursprüng­lich bereit waren, gegen Steeg zu stimmen, zur Stimmenthaltung zu bewegen.

Das neue Kabinett verdankt seinen nicht gerade Imponierenden Kammererfolg der geschlossenen Zu­stimmung der sozialistischen Fraktion. Damit wird die Ausfassung in vollem Umfange bestätigt, daß die innerpolitische Lebensfähigkeit dieser Regierung nahezu völlig von den Sozialisten abhängt, was freilich nicht besagen will, daß ihre Existenz durch das Einvernehmen mit der Sozialdemokratie aus­reichend gesichert sei. Im Gegenteil, man darf ruhig weiter scststellen, daß die Außenpolitik und insbe­sondere die Reparationspolitik nach wie vor vom rechten Flügel des Kabinetts, ja, eigentlich sogar von dem gestürzten Borgänger Steegs, von Herrn T a r- d i tu diktiert wird. Charakteristisch sind dafür schon gewisse Sätze in der Regierungserklärung, die von Steeg und seinem Fusti»minister C h e r o n in Kammer und Senat verlesen wurde. Es heißt da u. a.:Der außenpolitische Friede entspricht den heißen Wünschen aller Franzosen. Eine organische internationale Aktion auf wirtschaftlichem und mo­ralischem Gebiets eine gemeinsame gleichzeitige Be­mühung im Sinne von Schiedsgerichtsbarkeit, Sicherheit und Abrüstung können allein eines Tages olle Rachegelüste und Mißverständnisse beseitigen. Der Landesverteidigung gilt unsere ernste Sorge." Die alte Rangordnung von Schiedsgerichtsbarkeit, Sicherheit und Abrüstung, die B r i a n d vor einigen Jahren schon einmal zugunsten einer gerechteren Auffassung der Dinge preiszugeben bereit schien, kehrt hier also aenau in der gleichen Formulierung und Diktion wieder, wie in den verschiedenen außen- politischen Erklärungen, die während der Aera Tar- dieu abgegeben worden sind. Frankreichs Sicherheit vor feiner Abrüstung das ist der alte Ladenhüter des Quai d'Orsay, der seit 1919 so ungefähr die ein- zige Rechtfertigung für die allen paneuropäischen Ideen und Bölkerbundsgedanken zuwiderlaufenden Militärbündnisse Frankreichs, und er ist nun auch Programmsatz eines Kabinetts geworden, das von Tardieu als Linksregierung verächtlich gemacht und bekämpft wird.

In der Tat ist es ja einigermaßen paradox, daß Steeg sich mit seinem Kabinett nahezu ausschließlich auf die Linke stützt, während die politische Zusam­mensetzung der Kammer wohl eher die Bildung einer mehr rechts orientierten Regierung zum mindesten aber die Schaffung eines umfassenden Konzentrationskabinetts von den Radikalsozialisten bis hinüber zu den Marin- Leuten zu erfordern scheint. Der einzige Mann aber, dem das hätte ge­lingen können, Poincar 6, wurde während der entscheidenden Tage der Regierungskrise schwer krank, und es gelang ihm nicht einmal mehr, seinen bisherigenPlatzhalter", Tardieu, hierfür durch­zudrücken, oder auch nur im Kabinett unterzubrin­gen. Die 'Beteiligung Tardieus an der Regierungs­bildung scheiterte offenbar vor allem an seinen persönlichen Eigenschaften, die ihn namentlich im Senat ziemlich unbeliebt gemacht hatten. Sie schei­terte aber vor allem wohl daran, daß während seiner Regierungszeit der Oustric-Skandal ausbrach. Und wenn er selbst auch mit einer sauberen Weste daraus hervorgegangen zu sein scheint, so ist er im gegenwärtigen Zeitpunkt doch vor der öffent­lichen Meinung Frankreichs als Negierungsmitglied irgendwie unmöglich Deshalb konnte das Kabinett Steeg es sich auch leisten, in seine Regierungs­erklärung einen Satz aufzunehmen wie den, daß Frankreichsich gegen die Einmischung der Finanz in die Politik wende, denn dadurch würden die Un­abhängigkeit des Staates, die Würde der Diener des Staates und das Prestige der Vertreter der Nation beeinträchtigt".

Trotz allem hat, wie gesagt, die Kainmcr dem neuen Kabinett kaum mehr als eine Galgen­frist für einige Monate bewilligt. Es ist schon jetzt zum mindesten sehr zweifelhaft, ob die neue französische Regierung den starken innen- und außenpolitischen Belastungen, die schon die nächsten Monate bringen werden, gewachsen ist. Hinzu kommt, daß Tardieu seine parlamenta­rische Taktik sehr geschickt aus die Unterstützung dieser sozialistenreinen Regierung eben durch die Sozialisten abstellt, und man fühlt sich versucht, hier gewisse Parallelen zu der deutschen Innen- Politik zu ziehen. Die innere Schwäche dieser Regierung beruht also, wie wir abschließend feft- stellen, darauf, daß sie eingekeill ist zwischen Tar­dieu und die sozialistische Kammerfraktion und ihr mithin kein politischer Bewegungsraum ver­bleibt. Gerade dies Moment wird man in Deutschland besonders beachten müssen, wenn man die Derhandlungssähigkeit Frankreichs richtig ein- schöhen will.

Cheron aus seiner Fraktion ausgetreten.

Paris, 20.Dez. (WTB.) 'Die Senatsfraktion der Republikanischen Vereinigung (Fraktion P o i n c a r e) hat sich gegen die neue Legierung ausgesprochen, weil sie mit einer Partei

Furchtbare Vulkankatastrophe auf Lava.

Bisher etwa 700 Tote Ein ganzer Bezirk ein großer brennender Trümmerhaufen.

Bataoia, 21.Dez. (WIB.) Die Ausbrüche de» Vulkan» Merapi sind feit zwei lagen besonder» heftig. Ungeheuere Rauchsäulen steigen au» dem Krater auf, und die Dörfer und Malder an seinen Abhängen stehen in Flammen. Selbst in großer Entfernung von dem Vulkan fällt Asche nieder, die sich mit dem Hegen Zu einer schlammartigen Masse vermischt. Die Lin-

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Karte der Insel I a v a , die wiederholt durch Vulkan- ausbrüche heimgesucht wurde.

wohner der Dörfer wurden von einer Panik erfaß! und flohen In die Städte. 3m Umkreise de» Vul­kane» gehen täglich schwere Gewitter nieder.

Tlach den letzten Meldungen ist die Zahl der beim Merapi-Auvbruch zu beklagenden Todesopfer inzwischen auf rund 700 gestiegen. Man befürch­tet. daß auch diese Ziffer noch nicht endgültig ist und daß noch zahlreiche Menschen dem glühenden Lava ström zum Opfer ge­fallen sind. Acht Lingeborenen-Dörser sind gänz­lich zerstört worden, während ein ausgedehntes (öeblet, in dem sich zuvor fruchtbare Land­striche befanden, von dem rotglühenden Sand, den der Lavastrom mit sich führt, in eine Stätte de» Grauens verwandelt worden ist. Da der Lavastrom noch immer nicht zum Stehen gekommen ist, werden weitere menschliche nieder- lassungen bedroht. Tausende von Flücht­lingen, auf deren Gesichtern sich die ausgestandene Todesangst deutlich widerspiegelt, sind bereit» in den Städten Mitteljavas zusammengeströmt, und noch immer treffen weitere Flüchtlinge ein. Der ganze Bezirk von Stroenbeng ist in einen großen brennenden Trümmerhaufen verwandelt worden. Der Merapi ist in voller Tätigkeit und töhl ständig große Hauch- und Feuer- äulen aus. Das unterirdische Grollen hat in­zwischen stark nachgelassen. Der Hesident des vom Vulkanausbruch betroffenen Gebietes hat bei den Nachforschungen nach dem Umfang der angerichteten Verheerungen eine Anzahl Häuser angetroffen, de­ren Bewohner aus Todesang st Selb ff- mord verübt haben. Der gewaltige Vulkan­ausbruch kann als die größte vulkankata -

str op h e gelten, von der 3 aoa jemals betroffen worden ist.

Ein deulscher Gelehrter verunglückt.

Hamburg, 20. Dez. (211.| Wie die Hambur­ger Morgenblutter meiden, ist Dr. Borchardt vom Tropenhygienischen Institut tn Hamburg bei dem plötzlichen Ausbruch des seit 40 Iahren er­loschenen Vulkans Merapi aus Sumatra umsLebengekommen. Rach der einen Les­art hatte er zu klimatologischen Untersuchungen den Vulkan bestiegen, sich an einem Sell in&cn Krater h i n u n te r g e l a s se n , um Wärmemessungen vorzunehmen und wurde dabei von dem Ausbruch des Vulkans überrascht. Das gleiche Schicksal habe auch seinen Hilfsarbeiter ge­troffen. Rach einer anderen Lesart hat Dr. Bor­chardt den plötzlich wieder tätig gewordenen Vul­kan an Ort und Stelle untersuchen sollen. Dabei sei er, von Rauch und Gasen betäubt, in die glühende Lava gestürzt. Sein Ge­hilfe sei beim Rettungsversuch ebenfalls ums Le­ben gekommen.

Schon einige Tage vorher verunglückt?

Amsterdam, 20. Dez. (WTB.) Meldungen aus Batavia zufolge ist der deutsche Gelehrte

Oppeln, 20. Dez. (WTB.) Reichsaußenmintster Dr. Eurtius traf am frühen Nachmittag mit seiner Begleitung hier ein, wo im Oberprästdium eine mehrstündige Aussprache mit den Vertretern aller Bcvölkerungskreise stattfand.

Oberpräsident Dr. Lukaschek begrüßte Dr. Curttus und gab seiner Freude darüber Aus­druck, daß der Vertreter der deutschen auswärtigen Politik Gelegenheit nehme, Oberschlcsien, sein Land und seine Leute aus eigener Anschauung kennen­zulernen. Bei der Schilderung der besonderen poli­tischen, wirtschaftlichen und kulturellen Loge Ober­schlesiens betonte der Oberpräsident, daß l

die Befriedung der Minderheit, der Schuh der Minderheiten, ein eminentes europäische»

Friedensproblem

sei. Gerechtigkeit fei die beste Waffe, die heute dem Deutschtum <ur Selle stehe. Der Ober- Präsident dankte Dr. v- u r 11 u s für die in Genf anhängig gemachten Klagen, die der oberschlesischen Bevölkerung ein Zeichen dafür seien, daß Deutsch­land die durch Vertrag geheiligten Rechte niemals aufgeben werde. Die oberschlesische Bevölkerung werde zusammenstehen in der Verteidigung ihres Volkstums und ihres Landes.

Reichsminister Dr. Eurtius brachte in feiner Erwiderung zum Ausdruck, daß er durch den Be­such Obcrschlesiens einen alten Wunsch erfüllt sehe, da er schon als Reichswirtschaftsministcr am Auf. bau der oberschlesischen Industrie und im Reichs­kabinett an den zahlreichen Hilfsaktionen mitgewirkt habe. Nur an Ort und Stelle enthüllten sich einem die Dinge mit lebendiger Anschauung, und nur un­mittelbar lasse sich die seelische Verbindung zu Ober- schlesien schlagen. Der Minister ging dann im ein­zelnen auf die außenpolitischen und wirtschaftlichen Gegenwartsfragen ein und betonte, daß

die Heichsregierung sich ihrer Verpflichtung bewußt sei, Oberschlesien in seiner schweren Hot

Professor Dr. Werner Borchardt nicht, tote in einem Teil der holländischen und ausländi­schen Presse gemeldet wurde, dem vorgestern er­folgten Ausbruch des in Mitteljava liegenden Vulkans Merapi zum Opfer gefallen, son­dern wahrscheinlich schon mehrere Ta^e vor­her auf Sumatra umgekommen. Professor Borchardt, der sich an der Westküste Sumatras aufhielt, unternahm vor' etwa zehn Tagen trotz der Warnungen der holländischen Behörden eine Expedition nach dem Krater eines in Westsumatra liegenden Vulkans, der gleichfalls den Ramen Merapi trägt. Von dieser Ex­pedition, für die er nur zwei eingeborene Führer mitnahm, kehrte er nicht zurück. Mehrere Rettungsexpeditionen, die im Auftrag der hol­ländischen Militärbehörden nach seinem Verbleib nachforschten, mußten unverrichteter Dache zu­rückkehren. Wie sich jetzt herausstellt. wurde einer der beiden eingeborenen Begleiter des deutschen Gelehrten nachträglich mit mehreren blutenden Wunden am Abhang des Vulkans auf­gefunden. Er erklärte, daß sich Professor Borchardt gerade zur Vornahme von Unter­suchungen an einem Strick in den Krater hinabgelassen hatte, als plötzlich ein klei­ner Ausbruch des Vulkans erfolgte. Obwohl der Eingeborene schnell die Flucht ergriff, wurde er doch noch durch die glühende Asche deS Vul­kans verletzt. Professor Borchardt hat also höchst­wahrscheinlich bei dem unerwarteten Ausbruch sein Leben verloren.

)u Helsen; in der e» sich politisch, wirtschaftlich und psychologisch befinde.

In einer persönlichen Schlußbetrachtung brachte Dr. Eurtius zum Ausdruck, daß er nie nationaler fühle, als wenn er in Genf international zu verhan­deln habe Herzlicher Beifall dankte dem Minister für seine Ausführungen. In der anschließenden leb- haften Aussprache wurden die angeschnittenen Fra­gen vertieft, und es wurde zum Ausdruck gebracht, daß Oberschlesiens Bevölkerung den Reichsaußen- minifter vertrauensvoll nach Genf begleite.

Abends nahm der Reichsminister Dr. Eurtius an einem parlamentarischen Abend der Deutschen Volkspartei teil und trat dann die Rückreise nach Berlin an.

Oie französische Hetze beginnt.

Paris, 21. Dez. Der e m p S" wendet sich in einem sehr fcharf gehaltenen Artikel gegen den berechtigten Schuh, den Deutschland der deutschen Minderheit in Polen an* gedeihen läßt. Das Blatt übergeht dabei ein­fach die unerhörten Zwischenfälle, die sich bei den polnischen Wahlen ereignet haben und will in den deutschen Roten an den Völkerbund ledig­lich ein Mittel sehen, Polen zu zwingen, einer

Hevision des Friedensvertrages

in der Korridor- und der Oberschlesiensrage zu- zustimmen. Die Reichsregierung versuche, die Minderheitenfrage auf dem Gebiet der inter­nationalen Politik auszuwerten. Indem sie sich als Champion der Minderheitenrechte hinstelle, versuche sie, die Minderheiten gegen den Staat aufzuhetzen, von dem sie abhängig seien. Es liege ihr vor allem daran, den deutschen Einfluß in den Gebieten zu unterhalten, die durch den Versailler Vertrag vom Reiche abgetrennt wur­den. Diese Politik sei äußerst gefährlich für den

OerMinisterbesuch in Oberschlesien

Oer Minderheitenschutz ein eminentes europäisches Problem.

zusammenarbeite, deren Programm für die äuße­ren und inneren Interessen Frankreichs gefährlich sei. Sobald Iustizminister C h e r o n, ter dieser Fraktion angehörte, von diesem Beschluß Kennt­nis erhielt, reichte er, wie der .Petit Parisien" meldet, dem Vorsitzenden dieser Fraktion feinen Austritt ein.

Vor neuen Veränderungen im Kabinett Steeg.

93 arid, 21. Dez. (£11.) Das Kabinett wird am Montagmorgen zusarnrnentrefen, um die durch den Rücktritt der fünf Unterstaatssekretäre und Minister frei gewordenen Posten, wieder zu be­setzen, neue Hnterftaatäfefretariatc zu schaffen und schließlich eine Umbesetzung im Innen- und Kriegsmarineministerium vo z .nehmen. Man darf damit rechnen, daß insgeiamt sieben oder acht Unter st aatssekretariate neu be­setzt bzw. neu geschaffen werden.

In parlamentarischen Kreisen verlautet, daß der bisherige Innenminister L e h g u e s das Marine­ministerium wieder übernimmt, während Albert S ar raut ins Innenministerium einzieht. Bei der Reubesetzung der einzelnen Unterstaatssekre- tatiate will die Regierung versuchen, ihre Grundlage - möglichst auszudehnen, indem sie die radikale Linke weitgehend berück- ichtigt. Das ilnterftaatsfefretariat im Mnanz- minifterium soll der bisherige GeneraBericht-

erstatter des Finanzausschusses der Kammer, de Chappedelaine, übernehmen.

poincarss Zustand unverändert.

Paris, 21.Dez. (WTB.) Die Aerzte haben heute vormittag nach der Untersuchung Poin- c a r 6 s einen Krankheitsbericht ausgegeben, der besagt, daß der Zustand Poincares unverän­dert sei und der Patient weiterhin völ­lige Ruhe notwendig habe.

Oie amerikanischen Kirchen gegen die Knegsschuldlüge.

Neuyork. 20. Dez. (CNB.) Eigene Meldung. Der in Washington versammelte Vollzugsaus­schuß des amerikanischen Kirchenbun- des, der fast den gesamten amerikanischen Pro­testantismus vertritt, hat in einer Entschließung zur Kriegsschuldfrage diechristlichen Brüder" in Deutschland versichert, daß er

»der Theorie von der ausschließlichen Verant­wortung Deutschlands für den Krieg nicht ;u- ftimmr.

Zur Frage der Annullierung der Kriegsschul­de n und der R e p a r a t i o n e n wurde festgestellt, daß man an solche Fragen Herangehen sollte vom Standpunkt der ch r i st l i ch e n B r u d e r s ch a f t aus und nicht vom Gesichtswinkel des engen Inter­esses irgendeiner Nation.

Es ist dies das erstemal, daß eine offizielle und leitende kirchliche Körperschaft des Auslandes so offen und unmißverständlich gegendieKrtegs- schuldlüge Stellung nimmt.

Korfan y in Kattowitz.

Kattowiy, 22. Dcz. (TU. Funkspruch.) Aachdem K o r f a n t h am Samstag aus der Hast entlassen worden war, traf er am Sonn­tag früh in Kattowitz ein. Eine große Men­schenmenge. unter der man auch mehrere Geist­liche bemertte, begrüßte Korfanty mit Hochrufen. 3n einer Ansprache versicherte er, daß er trotz der erlittenen Strafe unerschrocken weiter für das Recht und die Demokratie in Polen kämp­fen werde. Zahlreiche in» und ausländische Pressevertreter bestürmten Korfanty mit An­fragen über die Behandlung im Gesäng- u i s. Wie alle übrigen Haftentlassenen fegte auq) Äorfant^ große Zurückhaltung an Nm Tag. Er erklärte nur, daß er in gleicher Weise wie die übrigen Gefangenen behandelt worden fei, und daß die in der Interpellation geschrwerten Vorgänge in Drest-Litowsk vollkommen den Tatsachen entsprächen. Der letzte Aufenthalt in Mokitew sei ihm gegen­über der Zeit in Drest-Litowsk wie ein Er- holungsurlaüb an der Riviera vorgekommen, ^eber seine künftige politische Haltung erklärte er daß er den bisherigen politischen KurS nicht auf geben werde.