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gestrigen Rede vor dein Landgcmcindctag erneut hin- wies, bedeuten natürlich keine ausreichende Hilfe. Auch die Einengung des Wohnungsbaximaikts durch die vorzugsweise Inanfpruchnahmc der Hauvzinsftcucr> mittel für den allgemeinen Finanzbedarf werden grade die Gemeinden mit gemtfchten Gefühlen fest- stcllcn, wenn auch die von Stcgerwald vertretene Tendenz der Lösung des Baumarktcv aus den Fcsselix der Zwangobewlrtfchaftuna begrüßt werden kann. Gehaltsküxzungogcfctz und Perfonalaufwands- gcsctz werden Ländern und Gemeinden gewisse finanzielle Erleichterungen verschaffen. Ea ist nicht zu verkennen, daß beide Gesetze von ben Beamten des Reichs, der Länder, Gemeinden und öffentlichen Körperschaften erhebliche Opfer fordern, die sich den Opfern zur Seite stellen, die Arbeitgeber und Arbeit­nehmer der privaten Wirtschaft in schweren Krisen zelten zusammenbrechcnder Konjunktur und schwerer Arbeitvlostgkelt bei wachsenden öffentlichen Lasten bereit» auf sich genommen haben. Die Vorver­legung der Gehaltskürzung, die der Reichsrat be­schlossen hat und der die Rcichvregierung zuge­stimmt hat, hätten wir aus hier schon dargetegtcn Gründen lieber vermieden gesehen. Man glaubte aber, darauf nicht verzichten zu können, um Län­dern und Gemeinden einen teilweisen Ersaß für die Abstriche an den Uebermeisungcn zu geben. Das Reich hat noch ein übriges getan und ist auch nicht vor einem nicht unbedenklichen Eingriff in die Ber- mügcnssubstanz zurückgcfchreckt, Uly durch Hergabe von 50 Millionen Eiscnbahnvorzugsaktien dem Fi- nanzbcdarf der Länder und Gemeinden entgegen- zukommen. Das T a b a k ft c u c r g e f e tz bringt auch in der Kompromißform, wie cs der Rcichsrat verabschiedet hat, für das Tabakaewerbe Belastun­gen, die es nicht ohne schwere Erschütterungen wird aus sich nehmen können. Daran ändert auch die beschwichtigende Erklärung des Rcichsftnanzministc- riums nichts, daß keine weiteren Abgabcnerhöhungen beabsichtigt feien und auch ein Tabakmonopol nicht in Frage komme. 3nx Reichsrat haben die Bevoll­mächtigten der Länder mit ausgedehnter Tabak- Industrie mit Recht darauf hlngcwiesen, daß die immer noch exorbitant hohen Belastungen, die das Tabaksteucrgcfeß auch in der abgcänderten Form vorsicht, wohl geeignet seien, Tausenden von Unter­nehmern, Angestellten und 'Arbeitern ihre wirtschaft' Uche Existenz zu rauben. Die hn Gesetz vorgesehene finanzielle Unterstützungzum Ausgleich von Här­ten während der Uebergangszeit", wie es in der Sprache des Gesetzes wenig menschenfreundlich heißt, wird nichts daran ändern, daß das Millio- ncnhcer der Arbeitslosen neuen Zuwachs erfährt und viele Gemeinden, besonders auch bei uns in Hessen, durch die zwangsläufige Stillegung von Be­trieben des Tabakgewcrbcs trog der vom Reich angebotenen Entschädigungen in ihrer Wirtschastv- kraft auf das empfindlichste getroffen werden. Wir meinen, man hätte eo sich trog der schweren Finanz- not des Reiches zehnmal überlegen sollen, durch steuerliche Uebcrspannungen einen ganzen Industrie- zweig lahmzulcgen, der im Gegensatz zu manchen andern Industrien bislang einer großen Zahl von Menschen in vielen kleinen, über das flache Land verstreuten Betrieben Arbeit und Brot gegeben hat.

Nachdem der Rcichsrat gesprochen hat, wird nun in ber übernächsten Woche der Reichs­tag daS Wort erhalten. Der Kanzler hat der Erwartung Ausdruck gegeben, daß der Reichs­tag dem ausgezeichneten Dorbilde nacheifern werde. daS der Reichsrat gegeben habe, um dem Sanierungswerk in kürzester Zeit Gesetzeskraft zu verleihen. DaS deutsche Dolk, soweit eS Ord­nung der Staatsfinanzen als DorauSsetzung für eine Wiederbelebung der Wirtschaft und Ge­sundung des Staatsganzen, aber auch alS Vor­aussetzung für eine aktive Außenpolitik wünscht, die die Revision der Verträge zum Ziel har, schließt sich dieser Forderung deS Kabinetts en. Um dieses Endziel aller unserer Anstrengun­gen und Opfer noch einmal klar herauszustellen, Butte Reichsaußenministcr Dr. EurtiuS in der letzten Sitzung des ReichsratS sich zum Wort gemeldet. Sein Wunsch war, die früheren Aus­führungen des Reichskanzlers zum gleichen Ge- Sen stand zu ergänzen, aber auch dem fraxxzö- schen Ministerpräsidenten auf dessen aggressive Rebe in der Pariser Kammer Antwort zu ertei­len. Den neuen Ton der Offenheit und Entschie­denheit, den die Kundgebungen und Maßnahmen de« Kabinetts Vrüning auSzeichnen, hat sich auch der Außenminister in erfreulichem Maße zu eigen gemacht. Er wies mit wünschenswerter Deutlich­keit auf die hier schon oft erläuterte Verschie­bung der Weltwirtschaftslage zu ungunsten deS Schuldners Deutschland seit der Annahme des DoungplanS im Haag hin, betonte die große Ent­täuschung Deutschlands darüber, daß von der im Haag zugesagten internationalen Zusammen­arbeit bet derAbwicklung deSReparationSproblemS bisher trotz der Basier Dank für internationale Zahlungen wenig oder gar nichts zu spüren sei und erklärte, daß die Reichsregierung nach der Durchführung ihres Reformprogramms die Frage prüfen werde, ob sie von den VertragS- rechten des Reuen Planes und den dort ihr zugebiiligten Schutzmitteln Gebrauch machen müsse, um Wirtschaft und Währung Deutschlands zu. sichern und zu verhindern, daß daS deutsche Volk durch unerträgliche Lasten seiner sozialen und sittlichen Grundlagen beraubt werde. Mit an­dern Worten, die Reichsregierung wird, ohne sich heute schon auf eine bestimmte Methode fest­zulegen, aber auch ohne den DertragSboden zu verlassen, zu dein ihr geeignet erscheinenden Zeit­punkt Revisionsverhandlungen ein- Leitcn.

Der Außenminister wies baxxxx scharf und be­stimmt die seltsamen und bef rem blieben Auslegun­gen zurück, die T a r d i e u bem| Abrüstungs­paragraphen des Dersaillcr Dertmges gegeben hat. Das berüchtigte EntwaffnungSulttmatum ber Alliierten, das Schlußprotokoll von Cocamo und ber DölkerbundSpakt kennzeichnen eindeutig und binbctxb als Zweck ber deutscheir Entwaffnung die Herbeiführung der a 11 g e me i ne n Ab­rüstung. Eurtius hob mit Recht hervor, daß die widersprechende Auslegung TardieuS eiixe völlige Kursänderung der franzöfischeix Politik bedeute, die tn Genf stets die rechtliche Derpflichtung Frankreichs zur Abrüstung axxertannt habe. Die Forderung, daß Deutschlands einseitige Gntwasf- nung ein Dauerzustand bleiben solle, uxrbe ben Dölkerbunb illusorisch machen, ber ja auf ber Gleichberechtigung seiner Vertragspartner beruhe. Dem französischen Geschrei xxach mehr Sicherheiten vor Abrüstung, mit benx Frankreich seit Jahren in Genf alle AbrüstungSverhanblungen zu sabo­tieren sucht, setzte Dr. EurtiuS Deutschlanbs cr- höhten Anspruch auf Sicherheit als eines exxt- waffneten unb von waffenstarrenden Völkern um* gebeneix Staates entgegen. Gr bebauerte die gänzliche Verständnislosigkeit, die die öffentliche Meinung Frankreichs Deutsch!axxbS Lage eixt- gegenbringe, unb daS völlige Mißversteheix, dem Die letzte inner politische Entwicklung DexxtschlanbS

drüben ausgesetzt netvefen sei. Richt unter irgexxb- welchen innerpolitischem Druck sei eine Revl- slonSkampagne entfesselt, die etwa einen Ilm- schwxmg unserer Außenpolitik bedeute, sonderxx seit ben Tagen von Versailles sei man in Deutfch- lanb. wie die Welt aus benx Munde der deut­schen StaatSmänixer seit langem wisse, darüber nur einer Meinung, baß bas deutsche Volk sich mit dem gegenwärtigen Stand ber Dinge, wie er in Versailles blftiert sei, nicht abfinden könne. Für Unterstützxmg bieser These hätte Dr. EurtiuS auf ble Lüge von Deutschlands Allein- schuld am Ausbruch deS Weltkrieges Hinweisen tonnen, die heute noch die moralische ©runblagc für daS Versailler Diktat bildet. Der Außexx- minister hatte recht, wenn er zum Schluß aus­führte, baß Deutschlands Revisionsverlangen von ben Lebensnotwendigkeiten unseres Volkes dik­tiert wird unb daß nicht starre Verträge, sondern bas Leben der Völker die Zukunft bestimmen. Deutschland erstrebe

kein Dünd-niSshstexn der Vorkriegszeit, daS die Staaten in getrennte Lager scheide, aber es werde stets an ber Seite derjenigen zu finden sein, die sich für die Gleichberechtigung unb fort­schrittliche Gestaltung ber Dinge einsetzten. Das war eine deutliche Anspielung auf andere Mög­lichkeiten beutfeber Außenpolitik, tvenn Frankreich sich den natürlichen Voraussetzungen einer Ver­ständigung mit Deutschland widersetzen sollte. Sache ber fraixzösischen Politik wird es nun fein, Antwort zu geben auf die präzise Frage, ob Frankreich gewillt tft den deutschen Lebensnot­wendig keiten Rechnung zxx tragen, die ohne eiixe Revision der Verträge namentlich mit Bezug auf den deutschen Osten, auf die Dauer nicht gesichert werden können, oder ob es durch starres Fest­halten an den Verträgen den Grundsatz ber Gleichberechtigung ber Völker verleugnen, Deutsch­land auf andere Wege abdrängen unb Europas Frieden unb Wohlfahrt, die sich nur auf Soli­darität gründen können, gefährden will.

Was sagt Paris zm Cxirtius-Me?

Paris, 22. Rov. (WTB. Fxmkspruch.) Zur Rede von Dr. EurtiuS erhebt das Blatt Daia- diersLa Revublique" die Forderung nach einer deutsch-französischen Aus­sprache. Tardieu habe allerdings von vo-me- hereln eine derartige Haltung untersagt, da er [a erklärt habe: Abrüstung? Reinl Revision? Olein 1 Deutschland, so schließt das Blatt, besitzt ein Programm. Italien besitzt ein Pro­gramm. Damit Frankreich auch ein Pro­gramm besitze, genügt eS nicht, sich niif den Aus­ruf zxx l>eschränken: Rein! Der sozialistischePo- vulaire" meint, Dr. EurtiuS habe recht mit Dem, was er über die Revision der Verträge gesagt habe. Seine Zuflucht in einer unnachgiebigen Haltung zu suchexx, daS heiße die Lage verschärfe ix und den Völ­kern die Hoffnung nehmen, das begaxxgexxe Un­recht anders als durch Gewalt unb Krieg wieder gutzumachcn.

Petit 3 o u r xx a I" ist der Ansicht, daß der Aktivxsmus" nicht geeignet sei, den guten Wil­len Frankreichs zu ermutigen oder die Ausgabe der Friedensfreunde zu erleichtern. Der H o xxx m e I i b r c findet, daß die Rede von Dr. EurtiuS wegen ihrer Klarheit unb Offenheit Lob verdiene. Wenn gewisse Kreise die Absichten der deutschen Regierung nicht ge­kannt hätten, fo seien sie jetzt informiert. 3 outline i n b u ft r i e 11 e" erklärt, die von EurtiuS angekündigte diplomatische Offensive muß Frankreich bereit finden, unhaltbaren Forderun­gen mit präzisen Argumenten entgegenzutreten

und die 3nterefsengemeinschaft aller derer in Kraft treten zu lassen, denen, ebenso wie Frankreich, die Aenderung des Weites von Versailles als ein gefährliches Be­ginnen erscheine.

Der3 n t r a n s l g e a n t" wirst dem ReichS- außenminister einen herausfordernden Ton vor. 3m Gegensatz zu Dr. EurtiuS habe Tardieu in höflichen Worten gesprochen. ES sei eilt 3rrtum, wenn der Retchsaußennitnlster zu sagen wage, daß Deutschland die Bedingungen erfüllt habe, die ihm auferlegt worden seien. DieLiberi ö" wirst dem Außenminister vor, durch seine Ausführungen nicht dazu beigetragen zu haben, einen Geisteszustand zu schaffen, der den Krieg endlich vergessen ließe. Der T e m p 8,r erklärt, EurtiuS habe vergessen, daß eS einer ungewöhnlichen Weitherzig­keit bedurft habe, um anzuerkennen, daß Deutsch­land seinen Abrüstungsverpflichtungen nachgekom­men sei. Er vergesse ferner die nachweisbar fest­gestellten geheimen R u st u n g e n unb die ge­heimen Verbände militärischen Charakters. Wenn eine Regierung einen fo hohen HeereS- haushalt, wie den deutschen, decke, und wenn man wisse, daß ble Reichswehr ein Staat im Staate sei, die ihre eigene Politik unb ihre eigenen Mittel habe, so hätten diejenigen, die im Hamen ber deutschen Regierung sprächen, nicht daS Recht, die Ehrlichkeit der Anstrengun­gen derjenigen Nationen zu bezweifelnde mehr als ihre Pflicht täten, um den Weltfrieden zu bewahren.

Ungarischer Vesuch in Deutschland.

Oer ungarische Ministerpräsident Graf Bethlen nach Berlin abgereist.

Budapest, 21. Rov. (WTB.) Ministerprä­sident Graf Bethlen ist heute um 13.15 Uhr mit feiner Gattin nach Be r- l i n a b g e r c t ft. 3n seiner Begleitung befand sich der ehemalige Gesandte und bevollmächtigte Minister Gras Alexander Khuen He­de r v a r h mit seiner Frau, ber Leiter ber Presse­stelle des Auswärtigen Amtes, Legationsrat Graf Stefan Csaky, der Leiter Der Wirt- fchastsabteilung deS Außenministeriums, Sek­tionsrat Stefan Vinchkler, ferner Ministerial­rat Ricolaus v. Kos in a. 3um Abschied waren auf dem Bahnhof der Minister des Auswärtigen W a l k o und von der deutschen Gefandtschast LegationSrat B e n z l e r erschienen.

Graf Bethlen und Gemahlin trafen Samstag- vormittag xnit dem fahrplanmäßigen Zuge 8.54 Uhr in Berlin ein. Zu ihrem (Empfang hatten sich am Anhalter Bahnhof Reichskanzler Dr. Brüning, Relchsaußenmlnlster Dr. Eurtius, der deutsche Gesandte in Budapest Dr. von Schoen, der Chef dc» Protokolls Graf Tattenbach und eine Anzahl anderer Herren des Ausxvärtigen Amtes eingefunden. Der ungarische Gesandte v. K a n i) a war mit dem gesamten Personal der ®cfant>tfd)aft ebenfalls zur Begrüßung seines Regierungschefs erschienen. Am Mittag wird Graf Bethlen dein Reichspräsidenten seine Aufwartung machen, anschließend daran gibt der Reichspräsident seinen Gästen ein Frühstück. Abends veranstaltet Reichs­kanzler Dr. Brüning ein Hörrendiner. Die unga­rischen Damen werden ein Theater besuchen. Für Sonntag ist die Besichtigung mehrerer Museen und ein Besuch im ungarischen Institut vorgesehen. Am Abend findet ein Empfang im Collegium Hungarl- cum statt. Am Montag wird Graf Bethlen den Flughafen T e in p e l h o f besuchen und am

Mittwoch beim Relchsaußenmlnlster Dr. (Eurtius das Frühstück einnehmen. Die Abreise der ungari­schen Gäste erfolgt am gleichen Abend.

Der Zweck des Besuchs.

Keine falschen Kombinationen.

Berlin, 22. Rov. (TU.) Dor seiner Abreise nach Berlin erklärte Graf Bethlen, er ergreife mit Freude die Gelegenheit, die ihm durch die Ein­ladung des Reichsministers des Aeußern Dr. Cur- tiuö geboten wurde.Dr. EurtiuS', so fuhr Graf Bethlen fort,hat am Donnerstag im RcichSrat eine große Politische Rede gehalten und hohen Gedanken Ausdruck gegeben. Ich stelle auf Grund dieser Rede mit Freude fest, baß ble auf Erreichung Paralleler Ziele strebenbe ungarische unb deutsche Außenpolitik weder durch ihre Ziel­setzung, noch durch ihre Mittel der Aufrechterhal­tung Des Friedens zuwiberläuf t. sondern im Gegen­teil geeignet ist. den Frieden zu stabilisieren." Der Ministerpräsident sagt tociter, er sei darauf vor­bereitet, daß Im Zusammenhang mit seinem Ber­liner Besuch in der Presse wieder vage Kombi­nationen über die Bildung clrtcS Revi - sionsblockes aus tauchen würden. Er betonte mit Rachdruck, daß dieser Besuch m 11 keiner- leineuen politischen Gruppier ungen in Zusammenhang stehe, sonbern haupt­sächlich dem Zweck biene, dem von der ganzen Welt hochgeschätzten Präsidenten des Deutschen Reiches die Hochachtung der un­garischen Ration zum Ausdruck zu bringen und die warmen Freundschaftsgefühle zu bekunden, die die ungarische Ration der großen deutschen Ration gegenüber empfindet.

Oie Goldklausel und der Houngplan.

Berlin, 21. Rov. (TU.) 9n derRational- liberalen Corrcivondenz" weist der frühere Relchs- flnanzmlnistcr Professor M o l d e n !) a u c r darauf hin, daß die Veränderung der Kaufkraft des Goldes, eine Erhöhung u m über 10 v. H., in der Öf­fentlichkeit die Frage aufgerollt habe, ob cs richtig war, daß man l in Poungpla n a u f d l e Goldklausel verzichtet hat, die im Damcs- vlan enthalten mar. Zugleich habe bekanntlich nach dem Daweoplan der fogenannte Wohlstands- Inder eine Rolle gespielt, wonach die Repara­tionsleistungen vom Jahre 1929/30 an erhöht werden sollten, falls der Wohlstand in Deutschland entsprechend g e st i e g e n war.

Professor Moldenhauer erklärt dazu, daß beim Fortbestehen des Wohistandsindexcs die Vorteile der Goldklausel mehr als nufgchobc n feien. Wich- tiger fei jedoch der Umstand, daß die Frage der Re­vision des Voungplanes sich nur aus diesen einen Punkt beschränkt hätte, wenn der Index beibehalten worden märe. Dadurch wäre das Ziel, das man anftreben müsse, eine Revision des Poungplanes, die alle Verhältnisse in Betracht zieht, erschwert worden. Mit einer Senkung um etwa 10 v. H. auf Grund der Goldklausel, also um 170 bis 200 Millionen RM. sei uns nicht gedient, sondern nur mit einer solchen Revision des Poung- planes, die die Tributlasten auf einen Betrag zu­rückführe, der auf die Dauer für Deutschland tragbar erscheine. Diesem Zicke diene das große Finanzprogramm der Regierung. Reichskanzler Brüning fei Recht zu geben, ehe wir nicht den Be- weis erbracht hätten, daß wir alle» tun, um im ißenen Lande die Verhältnisse in

Ordnung zu bringen, können wir an die Revision nicht Herangehen. Die Revisionsfrage sei in demselben Augenblick fvruchreif, in dem die Fi­nanzreform durchgefüyrt sei.

Oer Adlerschild für Oehio.

Dcm Lchicr und Geschichtsschreiber der deutschen Kunst".

Berlin, 21. Rov. (TU.) Der Reichs- Prä s i beut hat bem berühmten Kunsthistoriker Professor Dr. Dehio Ax seinem 80. Geburts­tag ben Ablerschilb des Reichs ber- liehen unb mit nachstehendem Schreiben zugehexx lassen:

Lehr verehrter Herr Professor!

Zur Vollendung deS 80. Lebensjahres spreche ich 3bncix meine herzlichsten Glückwünsche auS. 3n etnenx an Arbeit reiche ix Leben, während dessen Sie übereixxVierteljahrhunbert d e xx L e h r lt u h l für K xx ix st g e f chi ch t e a ix der Straßburger Kaiser-Wilhelm- Universität innehatten, habexx Sie als Leh­rer, Forscher und Herausgeber bedeutsamer Ver­öffentlichungen sich um die Forderung der deut­schen Wissenschaft und Kunst besondere Ver­dienste erworben. 3ch gedenke dabei insbeson­dere Ihres großexx monumeixtaleix Werkes über die Geschichte ber beutschen Kun st, ixx benx Sie ixx ber Entwicklung der deutschen Kunst die Wesensmcrknxale des Deutschtums erkennbar werden ließexx. Dem Dank, dexx das deutsche Volk 3hnexx schuldet, verleihe ich Ausdruck, indem ich Ihnen die höchste Ehrung des Rei­ches zuerkenne, ben Adlerschild, ber auf der Q3orberfclte das Symbol des Reichs, auf ber Rückseite die WidmungDem Lehrer unb Ge­schichtsschreiber der deutschen Kunst" trägt.

j Mit den besten Wünschen für Ihr weiteres Schassen und Ihr persönliches Wohlergehen und mit freundlichen Grüßen bin ich Ihr ergebenster

gez. v. Hindenburg."

Aus aller Welt.

Än Eisenbahnzug in die Loire gestürzt.

Der Schnellzug ParisRankes entgleiste zwischen Ouodon und Clermont infolge eines durch die Re­gengüsse der letzten Zeit und das eindringende Laire- waffer verursachten L r d r u t s ch e s. Die Lokomotive stürzte in die Loire. Die beiden ersten wagen legten sich auf die Seite und gtittenganjoberteit- weise in den Fluß. Die übrigen Wagen sind mehr oder weniger stark beschädigt worden. Die meisten Reisenden, die sich in den beiden ersten Wagen befanden, scheinen den Tod gefunden zu haben. Auch der Zugführer ist ertrunken, wäh­rend ber Heizer sich durch Abspringen retten konnte. Lin Lazarettzug aus Ranies hat sich an die Unsall- ftelte begeben, um die Verletzten zu bergen. Lin Weichensteller aus Llermont, der den Erdrutsch be­merkte, lief dem Zug entgegen» um ihn durch Zeichen zum Stehen zu bringen unlTbie Kata­strophe zu vermeiden. Lr wurde von der Lokomo­tive des Schnellzuges ersaßt und zermalmt, so daß die von ihm beabsichtigte Warnung mißlang. Der Präfekt des Departement» Loire 3nf<?rieure, erklärt, der Unfall sei nicht so schwer, wie man an­fänglich, angenommen habe. Rur der Lokomotiv­führer sei ums Leben gekommen.

Hochwassergefahr für Rhein und Mosel.

Die Rheinstrombauverwaltung teilte mit, baß wegen starker Regenfälle in den Vogesen unb im Schwarzwald für dexx Rhein erneut Hochwassergefahr besteht. Die einzelnen Pegelstände verzeichnen anbaxxernbes Stei­gen des Wasserspiegels. 3n die tiefer gelegenen Keller in Koblenz unb Ehrenbreitstein ist bereits Grundwalscr eingedrungen. Von ber Mosel kommen Meldungen, baß die Winzer bereits ihre Keller räumen müssen. Die Moselschiffahrt wurde im Laufe des Freitags verboten. Gleichzeitig wurde von der Rheinstroxn- bauverwaliuxxg die Einstellung des Floß- verkehrs auf dexn Rhein angeordnet. 3m Lause des Freitags ist der Rhein bei Koblenz um 37 Zentimeter auf 4,23 Meter gestiegen. Der Moselwasserstaxxd betrug in Trier am Freitag um 22 11 br 4,73 Meter. Die Moscltalbahn hat ihren Betrieb zwischen Zeltingen unb Berncastet eingestellt. Aus Der Eifel unb voxN Hochwald werden schwere Sturm schöben gemelbet. In Trier wurdexx in ber letzten Rächt burch ben starken Stxirxn Bäume entwurzelt unb mehrere Dächer abqebeckt. 3n Saarburg wurden in­folge des Hochwassers bereits einzelne besonders gefährdete Häuser der Unterstadt von den Be- wohnerxx geräumt. Auch die Schweizer Flüsse führen erhebliche Wassernxengen heran. 3n B a f e l haben die in die Mündung ber Wiese eintretenben Rhexnwasser die xxeue Hochbrücke über die Wiesemündung fortgeschwemmt und gegen die Hüninger Schiffsbrücke getrieben,

Lin Altonaer Motorschoner mit zwölf Mann untergegangen.

Der seit mdhr als einer Woche überfällige Altonaer MotorschonerStralsund" ist während der über der Rordsee herrschenden schweren Stürme untergcgaxxgcn. Der Motorschoner war ixx Rostock erbaut und erst in diesem Jahre in Fahrt gesetzt worden. An Bord hesand sich eine Besatzung v o xx 12 M a xx n unter Füh­rung des Kapitäns Kurt Fischer. Das große Ret- tuxxgsboot des Schoners wurde Vergangenen Sonntag auf Shlt angetrieben. Es läßt sich leider mit Sicherheit verxnutexx, daß die gesanxte Be­satzung den Tob in ben Wellen gefunben hat.

Konflikt an der Universität Königsberg.

Ixx Königsberg ist es zu Zusammenstößen zwischen Studenten und Polizei gekommen. An­läßlich der Langemarck-Feier wurden voxx der Deutschen Studentenschaft der Albertina" vor ber Helden geben l täfel der Universität zwei Kränze nxit schwarz-weiß- roten Schleifen und der Aufschrift:Die Deutsche Stubentenschaft der Albertina ihrexx im Welt­krieg gefallenen Kameraden" nlebergelegt. Die Schleifen wurdexx aus Veranlassung deS Rektors nach zwei Tagexx entfernt, da der Rektor eine Deutsche Studentenschaft niemals anerkannt habe. Gegeix diese Maßnahme hatte die Deutsche Studentenschaft für Freitagvormittag eine P r o t e st v e r s a m xn- l n n g angesetzt, zu der ehx sehr starkes Polizei­aufgebot entsandt wordexx war. Es kam zu schwe­ren Zusammenstößen. Eine Abordnung der Stu­dentenschaft überreichte banxx dem Senat For­derungen der St u d^e xx ten schäft. Diese verlangte eine Entschuldigung der Polizei, fer­ner Wiederanbringxmg der entfernten Schlei- fexx unb ein Bebauörxx des Sexxats, falls der Rektor die Polizei gerufen habe. Rach mehr­stündiger Beratung wurde durch den Rektor der S e n a t s b e s ch l u ß bctanxxtgcgebexx:

1. Der Rektor hat die Schutzpolizei nicht geru­fen. Der telephonische Anruf bei der Polizei ge­schah inx Gegenteil lediglich deshalb, um Hebet' griffe der Polizei aus das Hau «recht d e r 11 xx i v e r s i t ä t zu verhindern. Rektor und Senat bedauern lebhaft die Verletzung akademi- schexx Bodens durch die Polizei. Sie bedauern es auch, daß ilebergriffe der Polizei borgctomxnen sind.

2. Der Rektor Durfte xxach den geltenden Bestim­mungen Die Aufschriften auf dexx Kranzschleifen nicht zulassen. Rach Den Erklärungen Der ©tu- Dentenschaft gestattet Der Senat jedoch mit Zu­stimmung DeS Rektors, daß Die Schleifen aus­nahmsweise in Der alten Form wieder ange­bracht werden. Die akadexnische Behörde wird Die Schleifen wieder anbringen.

Die Verlesung dvs Senatsbeschlusses wurde teil­weise mit Beifallsrufen, teilweise mit Pfeifen unb Psui-Rufexx ausgenommen. Der Wortführer der Studentexx erklärte, daß Die Studentenschaft sich weitere Schritte vorbehält.

Ausfall des Kölner Rosenmontagszuge».

Der Regierungspräsident gibt bekannt, daß das Festkomitee deS Kölner Karnevals e i xx st i xxx m i g beschlossen hat, ixx Würdigung ber ixx biefem Jahre vorhandenen besonderen Umstände den Ro- sennwxxtagSzug 1931 ausfallenzu lassen. Dar­über hinaus hat Der Regierungspräsident unge­ordnet daß karnevalistische OZeranstaltungeix ixx öffentlichen Lokalexx und dergleichexx grundsätzlich xxur ixx Der Zeit von vier Wochen vor Karxxeval- sanxstag an Den Drei Karnevalstagen selbst sowie am 11. Rovember eines leben Jahres, Silvester unb Rcujahr zugelassen werden sollen.