Ausgabe 
22.4.1930
 
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Nr. 95 Erstes Blatt

180. Jahrgang

Dienstag. 22. April 1930

Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags.

Beilagen: Vie Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.

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GietzenerAnjeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Dr. Friedr. Wilh. Lange, verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton l)r H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen.

Der Kampf um die Saar.

Di« deutsch-französischen Saarverhandlungen Hauern nun schon viele Monate an, und sie sind für daö Reich bisher ebenso kostspielig, wie ergeb­nislos geblieben. GS hat keinen Sinn, daran vor­beizureden. daß man seit Monaten nur auf der Stelle getreten hat, weil Frankreich nicht bereit war, auf seine prinzipielle Forderung nach Be­teiligung an der Verwaltung und Ausbeutung der Saargruben zu verzichten. Wenn nun in den letzten Tagen Sonderbcsprechungen zwischen den beiderseitigen Delegationsführern v. Simson und P e r n e t stattge^unden haben und dabei von deutscher Seite der Vorschlag gemacht worden ist, man soll« den Hauptstreitpunkt, die 'Frage des Rückkaufsrechts an den Sa ar gruben, zunächst zurückzustellen, um in den übrigen Pro­blemen wenigstens zu einem Abschluß zu gelan­gen, so bleibt abzuwarten, wie die französische Regierung daraus reagiert. So erwünscht es der deutschen Oeffentlichleit selbstverständlich sein muh. daß auch die Saarfrage mit größter Be­schleunigung bereinigt wird, so wenig Unklarheit darauf auch nur einen Augenblick darüber be­stehen, daß irgendein Gingehen auf die gegen­wärtigen. auf Mitbesitz an den Gruben abzielcn- den französischen Bergwerksforderungen für uns ganz undiskutabel ist. Das setzt voraus, dah also auch die Erledigung der sonst noch schwebenden Fragen auf Handels- und zoUpolitischem Gebiete nicht mit irgendwelchen Konzessionen in dieser Hinsicht belastet wird.

Ausgangspunkt der Grubenförderungen, die die französische Delegation in den langen Monaten der Eaarocrhandlunaen immer wieder präsentierte, waren die Wünsche der französischen Bergwerksge- sellschasten, denen die französische Grubenverwaltung im Saargebiet vollkommen widerrechtlich das Mu tungs- und Abbaurecht auf die wertvollen Fett­kohlenflöze des Warndtgebietes überlasten hat. Hier find von Zwei französischen Gesellschaften, von denen die eine der bekannten lothringischen Industriellen- gruppe De Wendel angehört, unmittelbar an der Saargrenze, jedoch bereits auf lohtringischem Gebiete Schächte niedergetrieben worden, die dann unterirdisch in das Saargebiet hinübergreifen, und so ist die wertvollste Kohlenreserve, über die der staatliche Grubenbesitz im Saargebiet vor dem Kriege verfügte, der Ausbeutung anheimgefallen. Wiederholt hat Deutschland im Laufe der letzten Fahre gegen diese Grenzverletzung protestiert, jedoch ohne Erfolg, da Frankreich seine starke Position in der Saarregierung, die ihm der Völkerbund über­lasten hat, rücksichtslos zu jedem Rechtsbruch mih- branchte. Dabei war politisch für die französische Außenpolitik wohl der Gedanke entscheidend, daß cs mit Hilfe dieser Warndtgrubcn gelingen könne, wenigstens diesen Teil des Saargebietes bei der Abstimmung an Frankreich zu bringen, wobei man in Paris offenkundig an das oberschlesische Beispiel gedacht hat.

Man hat aber dabei ein wesentliches Moment übersehen. Die gesamte Saarbevölkerung ist bis in den letzten Winkel hinein so absolut kerndeutsch, daß sie auch durch die Dorspiege- hing wirtschaftlicher Vorteile, mit der Frankreich in den langen Fahren, in denen das Saargebiet sei­ner Propaganda widerstandslos ausgeliefert war, nicht gekargt hat, niemals für die französische Poli­tik zu gewinnen war und zu gewinnen sein wird. Daher denn auch der hartnäckige Widerstand, der gerade aus allen Schichrcn der Saarbevölkerung ge­gen die offenen und heimlichen Dcrwelschungspläne der Franzosen geltend gemacht worden ift Wenn das Reich sich auch nur auf die letzten französischen Forderungen eingelassen hätte, die dahin gingen, den Grubenbesitz in drei gleiche Teile zu zerlegen, von denen ein Drittel an den preußischen und bat)- rischen Fiskus zurückfallen sollte, ein Drittel bei Frankreich verbleiben würde und der Rest auf ver­schiedene saarländische Verbände aufzuteilen gewe­sen wäre, dann wäre effektiv der französische Ein­fluß auf die Verwaltung und Ausbeutung der Saar­gruben vermutlich über fünfzig Prozent gestiegen. Denn die Verbände, die von französischer Seite vor- geschlagen waren, stehen unter maßgebendem Ka- pitoleinflug Frankreichs, und bei der Geschicklichkeit, die die französische Finanz auf politisck)em Gebiete an den Tag legt, wäre diese Position fraglos auch mit stärkster Rücksichtslosigkeit gegen die deutschen Interessen ausgenutzt worden. Die deutsche Saar­delegation hak diese große Gefahr erkannt, und wir freuen uns feststellen zu können, daß in der deut­schen Oeifentlichkeit von rechts bis links auch nicht der leiseste Zweifel barüber besteht, daß die auch von gewissen deutschen Kreisen einmal erörterte Privatisierung der Saargruben wegen der Hinter­gedanken, die Frankreich dabei hegt, unter gar kei­nen Umständen in Frage kommt.

Die letzten Vorschläge, die die deutsche Dele­gation vor der Osterpause gemacht hat, können für die Saarverhandlungen nur dann den Weg ins Freie eröffnen, wenn Frankreich endgültig auf seine Absichten des Miteigentums an den Saargruben verzichtet. Dabei sind die Konzessio- nen, die hierfür von deutscher Seite angeboten werden, außerordentlich groß. Man will näm­lich das gegenwärtige Zollregime nicht nur bis 1935 Heftchen lassen, sondern Frarrkreich dar­über hinaus noch für einen sehr langen Zeitraum «n Liebergangsregime mit erheblichen Waren- kontingenten aller A'ft zugestehen. Die Zeit drängt nun aber, da spätestens bis zur Völker- bundsbersammlung im Herbst dieses Jahres alle Verhandlungen zum Abschluß gekommen sein müssen. Gelingt das nicht, darm mühte die Erledigung der Saarfrage mindestens auf ein weiteres Jahr verschoben werden, und es ist ohne weiteres fiat, dah dann die deutschen Kon-

Blutiger Ostersonntag in Leipzig.

Schwere Ausschreitungen von Teilnehmern am kommunistischen Reichsjugendtag - Zwei Polizeibeamte erschlagen, ein Kommunist erschossen. Eine Anzahl Verletzte.

Leipzig, 21. April. (IBIB.) Beim kommu­nistischen Reichsjugendlag tarn es am Sonntagoormlltag zu Zusammen st äßen zwi­schen Demonstranten und der Polizei. Lin p o l i - zeihauplmann, ein Polizeibeamter und ein Demonstrant wurden getötet, ein Polizeibeamter wurde schwer, drei weitere wurden leichter verletzt. Auch eine Anzahl De­monstranten sind mehr ober weniger schwer verletzt worden.

Das Polizeipräsidium teilt hierzu fol­gende Einzelheiten mit: An den Aufmärschen zum kommunistischen Reichsjugendtag beteiligten sich gestern rundlb 000 Personen, die zahlreiche Plakate, Transparente und Fahnen mitführten. Jn einigen Fällen beschlagnahmte die Polizei Plakate mit aufreizenden Inschriften, während bei den Um­zügen verhältnismäßig Ordnung herrschte, kam es bei der Kundgebung a u f dem Augustus- Platz, zu der sich auch eine große Anzahl unbe­teiligter Zuschauer eingefunden Halle, zu einer schweren Ausschreitung. Auf dem Grimma- ischen Steinweg verfuchten Demonstranten ein Anto, das vom Augustus-Plah in den Grimmaifchen Steinweg einbog, auszuhallen und umzustürzen. Ls gelang den eingreifenden Polizeibeamten, dem Auto die Durchfahrt zu ermöglichen, doch wurden sie von den nachdrängenden De­monstranten angegriffen und mit Latten. Fahnenstangen usw. geschlagen. Die Polizei machte von der Schußwaffe und den Gummiknüppeln Ge­brauch. Polizeihauptmann Galle wurde durch Schlägeund Stiche so schwer getroffen, daß er tot zusammenbrach. Der polizeioberwacht- meiffer Karte erlag einige Stunden später seinen schweren hieb - und Stichverlehungen. Lin weiterer Beamter schwebt noch in Todesgefahr. Drei Beamte wurden zum Teil erheblich verletzt. 3n schwerster Notlage gaben die Beamten einige Schüsse ab. Liner der Demon­stranten erhielt einen tödlichen Schuß. Seine Personalien konnten noch nicht festgestellt werden. Außerdem wurden, soweit bisher feftge- stellt werden konnte, vier Demonstranten verletzt. Sie wurden ins Krankenhaus gebracht. Beim Abmarsch kam es nicht zu besonderen Zwi­schenfällen. Das Polizeipräsidium hat wegen dieser Vorkommnisse alle für heute nachmittag angesehlen Veranstaltungen auf öffentlichen Straßen und Plätzen verboten.

Oer Ostermontag.

Leipzig, 21. April. (SU.) Auch der Oste r- montag ist trotz des Verbotes der ge­planten kommunistischen Kundgebungen nicht ruhig verlaufen. Die Polizeibeamten, die in der Rächt zum Ostermontag kaum zur Ruhe ge­kommen waren, wurden aus allen Teilen der Stabt ein über das anberemal alarmiert. Um 8 Uhr sind Beamte von kommunistischer Jugend mit Rotfrontrufen belästigt und verhöhnt worden, so dah mehrere Zwangsgestellungen nötig waren. Einer der festgenommenen 3ung» kommunisten riß aus und flüchtete in einen Keller. Als ein Beamter ihm dorthin folgte.

ging der Sungtommunift gegen den Be­amten tätlich vor. so daß dieser von der Schußwaffe Gebrauch machen mußte. Der Kommunist wurde durch Lungenfchuh ver­letzt. Eine Anzahl Personen wurde fest genommen.

Oer Bericht des Polizeipräsidiums.

L e i p z i g, 21. April. (WTB) Rach einer Mit- teilung des Polizeipräsidiums um 11 Uhr abends ist das vorn Polizeipräsidenten für den 2. Oster- feiertag wegen der am Vortage verübten Ge­walttätigkeiten erlassene Verbot für Demon­strationen im Freien im allgemeinen von den Veranstaltern des Kommunistichen Rech j.igend- tages befolgt worden. 3m Lause des Tages wurde eine Anzahl von Transportlast- Zrafttoagen nach Waffen und solchen Per­sonen durchsucht, die im Verdacht der Teil­nahme an den gestrigen blutigen Gewalttätig­keiten auf dem Augustusplatz stehen. 3n Ver­bindung damit erfolgte eine Anzahl Fest­nahmen. Der Rücktransport der auswärtigen Teilnehmer hat sich bis zur Stunde ohne we­sentliche Zwischensälle abgewickelt. Lediglich aus Göhren (zwischen Altenburg und Leipzig) liegt eine Meldung vor, wonach es dort zwischen

heimfahrenden K o m m u n i st e n und Berliner Rationalsozialisten, die sich in Lastkraft­wagen begegneten, zu einer Schlägerei ge­kommen ist, wobei es auf beiden Seiten Verletzte gab.

Die Suche nach den Totschlägern.

Durchsuchunsicn in Berlin

Berlin, 21. April. (ERB. Eigene Meldung.) Die 3000 (Berliner Teilne hm e r an dem Kommunistischen Reichsjugendtag in Leipzig, find am Ostermontag in den ersten Rachmittagstunden in ihren 36 Kraftwagen mit 23 Anhängern und in einem Eonderzug wieder nach der Reichshauptstadt abgefahren. Da sich unter den Berliner Demonstranten auch der Täter befinden soll man nennt sogar schon seinen (Hamen so waren alle erreichbaren (Beamten der Berliner politischen Polizei und zahlreiche (Beamte der Schutzpolizei aufgeboten worden, um die Lastkraftwagen an der Glienicker-Brücke, welche die Berliner Dorstadt Potsdam mit Reu-Babelsdorf verbindet, äbzu- fangen. Bis gegen 12 Ahr nachts waren bei der Kontrolle 35 von den kommunisti­schen Insassen, die sich nicht genügend legi­timieren konnten, fest genommen worden. Rachdem ihre Personalien im Berliner Polizei-

Rand in einem amerikanischen Zuchthaus.

Lieber 300 Tote.

Kolumbus (O h i o), 22. April. (WTB. Funk- spruch.) Das hiesige Zuchthaus ist einem Brande zum Opfer gefallen, wenigstens 3 0 0 Personen, meist Sträflinge, sollen hierbei ums Leben gekommen fein.

lieber die Brandkalaslrophe werden folgende Ein­zelheiten bekannt: Das Feuer entstand im westfln- gel des Gefängnisses. Ls kam zu einem unbeschreib­lichen Durcheinander. Die Türen wurden schließlich aufgerissen, und ungefähr 500 Menschen wa­ten i m ft a n b e auf den h o f zu flüchten; die Gefangenen stürzten sich aus den Zellen nach dem Ausgang. Doch war auch aus dem Hof der Rauch sehr dicht. 160 Krankenschwestern wurden an­gefordert, um den Verletzten und Sterbenden Bei­stand zu leisten, die nicht alle im Krankenhaus un­tergebracht werden konnten. In den Korridoren der Gesängnisgebäude häufen sich die Opfer. Die Sträflinge machten im allgemeinen nicht den Versuch, die durch den Brand entstandene Verwir­rung zur Flucht zu benutzen. Die meisten leisteten den Wärtern und Feuerwehrleuten bei der Bekämp­fung der Flammen Beistand und bemühten sich, die Toten und Sterbenden zu erreichen, die noch im Innern des Gefängnisses liegen. Viele von den Opfern find erstickt, viele der Leichen wur­den mittels Seils aus dem Fenster gelassen. Um 8.45 Uhr abends amerikanischer Zeit lagen 3 0 5 Leichen im Hof des Gefängnisses, und das Feuer war noch immer im Gange.

Brandstiftung durch Sträflinge?

Kolumbus, 22. April. (WTB. Funkspruch.) Das Feuer war am späten Abend auf feinen

Herd beschränkt. Dagegen wurden umfassend« Maßnahmen gegen etwaige Ausbruchsversuche ge­troffen. Das Gefängnis wurde von Truppen mit Maschinengewehren umstellt. Line große Menge Tränenbomben und Gas­masken wurden bereitgestellt. Die Erregung stieg, als auch die Werkstätten in Brand gerieten und nach der Löschung das Feuer wieder aufflammte, was den verdacht der Brand st iffung feiten» der Sträflinge zu bestätigen schien.

Meuterei in einem amerikanischen Gefängnis.

Providence (Rhode Island), 19. April. (WTB.) Die Insassen des Staatsgefäng­nisses in Howard haben gemeutert. Die Meuterei wurde hervorgerufen durch die In­sassen eines Automobils, die durch das Haupttor in den Gesängnishof gefahren waren und Waffen unter die Sträflinge verteilt hatten. Die Sträflinge hatten sofort das Feuer aus die Gefängnisbeamten eröffnet. Es ist anscheinend niemand gelungen, aus dem Ge­fängnis zu entweichen. Es ist noch nicht auf­geklärt, wie das Automobil unbehelligt in den Gefängnishof gelangen konnte. Diele Sträflinge machten von den Schußwaffen Gebrauch, so daß die Wärter in Schach gehalten wur­den. Erst als das Geheul der Aufruhrsirene er­tönte, eilten Polizeiverstärkungen her­bei. Die Sträflinge ergaben sich er ft, nachdem sie zwei Stunden hindurch beschossen und nach­dem Tränengasbomben in das Gefängnis hineingeworfen worden waren. Zwei Gefangene wurden getötet, zwei andere sowie ein Wärter verwundet. Zwei Sträflinge sind entkommen.

zefsionen überhaupt nicht mehr in Frage kom­men, oder doch zum mindesten wesentlich geringer werden als heute.

Moldenhauer über Ausgaben- und Steuersenkung.

Berlin, 19. April. (211.) Reichsfinanzminister Moldenhauer beschäftigt sich in einem in der .,D. A. Z." veröffentlichten Artikel mit den drei großen Etappen der Reichsfinanz­reform: Kaffensanierung. Ausgabensenkung und Steuersenkung. Die Dorarbeiten für ein Aus - gaben senkungsgeseh, die das Dcichs- arbeitdminifterium zusammen mit dem Reichs« sparkommissar übernommen habe, seien beendet. Der Entwurf werde unmittelbar nach Ostern dem Kabinett zugehen. Eine weiter­gehende systematische Senkung der Aus­gaben in Reich, Ländern und Gemeinden, sei eine der dringlichsten Aufgaben der nächsten Zeit. In dieses Gebiet gehöre auch die Frage der Sanierung der Arbeitslosenver­sicherung und die Reform der Kranken­versicherung. Die Reichsregierung werde bis Sm 1. Juli Dorschläge hinsichtlich der Arbeits- senversicherung machen. Es erscheine notwendig, in diesem Zusammenhang auch die Frage der Sozialversicherung, insbesondere der Krankenver­sicherung einer ernsten Prüfung zu unterziehen.

Oie Vorarbeiten für die Ostvorlage.

Berlin, 19.April. (WTB.) Die Dorarbei« t e u für die in der Regierungserklärung gemäß der

O st b o t s ch a f t des Herrn Reichspräsiden­ten in Aussicht gestellte O st Vorlage sind soweit gediehen, daß das Kabinett alsbald nach Ostern über die notwendigen gesetzlichen Maß­nahmen Beschluß fassen wird. 3m Vordergrund werden Maßnahmen zur Erleichterung der Kreditbeschaffung für die Ostgebiete stehen, insbesondere für die Umschuldung landwirt­schaftlicher Betriebe; ferner werden Maßnahmen zur L a fte n f c n f u n g, zur Sicherung der Erhallung landwirtschaftlicher Betriebe und zur Erleichterung und Verbesserung der Derkehrsverhältnisse im Osten vorgesehen werden.

Erhöhung von Getreidezöllen.

Berlin, 19. April. (WTB. Durch eine am 2 5. April in Kraft tretende Verordnung wird der Zollsatz für Weizen und Braugerste von 12 auf 15 RM. je Doppelzentner erhöht. Der Zollsatz für Gerste zur Viehfütterung bleibt wie bisher 10 RM., wenn die Gerste unter Zollsicherung abgefertigt wird.

Oer Englandflug des Graf Zeppelin".

Friedrichshafen, 21. April. (TU. Funk- spruch.) Wie Kapitän Lehmann in einer Unter­redung dem Vertreter der Telegraphen-Union mit- teilte, ist der Start desGraf Zeppelin" zu der geplanten Fahrt nach England auf näch­sten Samstag 7 Uhr vormittags festgesetzt. Da die enalische Regierung der Werftleitung in Friedrichs­hafen die Erlaubnis erteilt hat» auf dem Flugplatz

Dardington, nördlich von London zu landen, wird Graf Zeppelin", vorausgesetzt, daß die Wetteroer- höltnisse es gestatten, dort eine Zwischenlandung vornehmen. Dr. Eckener, der zur gleichen Zeit, von Amerika kommend, in London eintrifft, wird voraussichtlich mit dem Luftschiff nach Friedrichs­hafen zurückkehren. Die Fahrt geht voraussichtlich über BaselBefanden und von dort in der Luft­linie nach London.

Für Samstag, 26* April, ist eine Rundfahrt desGraf Zeppelin" über den englischen ft anal und die Nordsee geplant. Die für Samstag an gekündigte erste Landung eines Zeppelin-Luftschiffes seit dem Kriege findet in der gesamten Londoner Presse viel Beachtung. Die Blätter heben hervor, daß der Besuch auf Einladung des britischen Luft fahrtministeriums erfolgt.Daily Expreß" unter- streicht die friedliche Mission des bevorstehenden Zeppelinbesuchs.

Start desGraf Zeppelin" zur Rheinfahrt.

Friedrichshafen, 22. April. (WTB. FmS- spruch.) Das LuftschiffGras Zeppelin" ist heute vormittag um 7.55 älhr bei herrlichem Wetter zu der Fahrtnach Bonn unter Füh­rung von Kapitän Lehmann aufgestiegen. An Bord befinden sich 16 Gäste. Das Luftschiff, das bie Richtung Stuttgart einschlug, wird vor­aussichtlich auch das Saargebiet überfliegen und vor Einbruch der Dunkelheit in Friedrichs- Hafen zurückerwartet.