Dienstag, 21. Moder 1950
180. Zahrgang
Nr. 246 Erstes Blatt
Nach Vertagung des Reichstags
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t der Amnestie betroffenen Personen schon - I nächsten Tagen erfolgen.
Agrarnot unerledigt gelassen hat.
Kein nochmaliger Einspruch Preußens.
in
der
Einberufung des Reichstages gefordert. Gleichzeitig wurde beschlossen, in persönlicher Aussprache des Vorstandes der Fraktion mit dem Reichskanzler und dem Reichspräsidenten diesen Schritt zu begründen. Die Fraktion sieht sich hierzu insbesondere dadurch veranlaßt, das) der Reichstag eine Reihe wichtiger Forderungen der Landwirtschaft zur Behebung der wachsenden
bankier" aufschwingen konnte? Jede bloße Herabsetzung der Reparationssummen ohne gleichzeitige Stabilisierung des allgemeinen Preisniveaus muh alle Anstrengungen zur Lösung des Reparationsprvblems wie des Problems der „Kriegsschulden" zu Sysiphus- arbeit machen, um so mehr, als jede durch Goldverknappung bewirkte Deflation, wie die. Goldaufspeicherungspolitik des Federal Reserve Boards und der Bank von Frankreich beweist,
die Weltgläubiger dazu verleitet, das Tempo fortschreitender Verelendung in den Schuldnerländern noch zu steigern.
beit hat.
Das Amnestiegesetz hat bekanntlich eine lange Geschichte. Das Gesetz wurde vom vorigen Reichstag mit einfacher Mehrheit angenommen, bei der weiteren Behandlung des Gesetzes im Reichsrat wurde es jedoch auf den Einspruch Preu-
Das Amnestiegesetz wird rechtskräftig.
Aachen, 21.Oft (1BIB. Funkspruch.) 3m unter- irdischen Betrieb der Grube Anna II bei Alsdorf ereignete sich heute vormittag zwischen 8 und 9 Uhr ein folgenschweres Lxplosionsunglück. Vach vorläufigen Angaben soll das Verwaltungsgebäude in Trümmern liegen. Ueber Linfahrtsmöglich- feilen war Auskunft noch nicht zu erreichen. Alle benachbarten Feuerwehren sind zur Unfallstelle geeilt. Die Detonation wirkte sich in einem Umkreis von vielen Kilometer aus.
Vach einem späteren Funkspruch wurde der Wilhelm-Schacht der Grube „Anna II“ bei Alsdorf heute früh durch eine Explosion eines Dyna- m i t l a g e r s auf der 200-Blder-Sole zerstört. Die Explosion verschüttete mehrere hundert Bergleute. Der Förderturm wurde umgelegt und mehrere Häuser in Alsdorf zerstört. 3n der
Volke übernommen habe. Die Absicht, eine gesetzgebende Versammlung ein zuberufen, sei ein Zugeständnis an die arabische Bevölkerung, die nunmehr die Macht in der Regierung übernehmen wurde. Die judiiche Einwanderung solle davon abhängig gemacht werden, wie weit daS Land Einwandrer aufnehmen könne. Gröhere Geldbeträge sollen für die Entwicklung der landwirtschaftlichenBesihungender Araber aufgebracht werden. Dadurch würde der weiteren Ausdehnung der jüdischen Kolonisationstätigkeit entgegengetreten. Der Dollzugsausschutz behauptet, daß die Rechte und Vorrechte, die die 3uben in Palästina gemäß Mandat erhalten hätten, durch die Maßnahmen drr englischen Regierung zum größten Teil aufgehoben wurden.
5>er Präsident der Zionistischen Weltorganisation und der 3ewish Agench, Dr. W e i z m a n n, gibt dem Kolonialminister Paßfield seinen Rücktritt bekannt. Die Regierungserklärung bedeute eine grundlegende Aenderung in der Durchführung der im Jahre 1922 verkündeten Politik und führe schließlich zur völligen Verleugnung der Rechte und zur Vernichtung der Hoffnung der Juden auf eine nationale Heimstatt in Palästina. Die Beschlüsse der Regierung legten auch der zukünftigen Arbeit der beiden Organisationen, deren Vorsitzender er, Weizmann, sei, die ernstesten Hindernisse in den Weg.
das gefallen lassen und nicht beizeiten auf eine Reuregelung des internationalen Geld- und Kreditwesens drängen. Eine
Grube kam ein Sprengsloffmagazin zur Explosion, wodurch die gesamte Grubenanlage zerstört wurde. Das Fördergerüst ist eingestürzt, jede Verbindung nach außen ist abgeschnitten. 3n den umliegenden Siedlungsbauten sind zahllose Fensterscheiben zertrümemrt und Dächer abgedeckt worden. Sanitätskolonnen und Feuerwehr aus dem ganzen Landkreise Aachen eilten sofort zur Unglücksstelle. Man schätzt die Zahl der Toten und verunglückten aus 2 0 0. Vorläufig wird versucht, von der Grube „Anna II", die mit dem Wilhelm-Schachl durch einen unterirdischen Gang in Verbindung steht, zur lln- glücksstelle zu gelangen. Man ist zunächst damit beschäftigt, die über Tage befindlichen verunglückten fortzuschofsen. Die Detonation war in einem Umkreis von vielen Kilometer vernehmbar.
Würde Frankreichs vereinbaren ließen.
Geldies Antwort.
Der Stahlhelm und Preußen.
sichert sein, wenn man französischerseits geprüft habe, was an den Angriffen gegen den Versailler Vertrag gerechtfertigt erscheine und wenn man Deutschland alle Zugeständnisse mache, die sich mit
Herve an die Adresse des Stahlhelms.
Tie Zusammenarbeit der Frontsoldaten.
Paris, 20.Oft. (Tel.-Un.) Hervä wendet sich in seinem heutigen Leitartikel an den Stahlhelm und fordert ihn auf, zu erklären, was er von einer ehrlichen deutsch-französischen Verständigung auf der von ihm, Heros, angeführten Grundlage halte. Die große Mehrheit in Deutschland sei für ein« An- nähernngspolitik, sie würde es jedoch noch mehr sein, wenn man ihr gewisse Zugeständnisse mochte, die weder Briand, noch Tardieu, noch Poincars zu machen wagten. In Frankreich seien es nur die kleinen Gruppen der „Aktion Frcmgaise", die als unnachgiebige Gegner einer Annäherungspolitik angesehen werden konnte. Die anderen Kriegsteilnehmer würden leicht zur Vernunft gebracht werden können. In Deutschland sei das große Hindernis die Organisation des Stahlhelm. Der Stahlhelm, den man nicht mit den ein wenig verwirrten Elementen Hillers verwechseln dürfe, bilde die größte moralische Stärke Deutschlands. Der wahre Friede werde erst dann ge-
Schwere Explosionskaiastrophe im Aachener Kohlenrevier.
Ein Oynamiilager unter der Erde explodiert. — Oie gesamte Grubenanlage in Trümmern gelegt. — Zweihundert Verunglückte.
London, 20. Oft. (WTD.) Die Erklärung, die die britische Regierung morgen über ihre Politik gegenüber Palästina abgeben wird, wird nach dem „Daily Herold" eine neue Bekräftigung der Balfour-Deklaration und der Bedingungen des Palästinamandats sein und -erneut die Entschlossenheit der Regierung zum Ausdruck bringen, das Mandat, koste es, was es wolle, auszuführen. Der Wortlaut des Berichts Sir 3ohn Hope Simpsons über die allgemeine Entwicklung in Palästina wird zusammen mit der Regierungserklärung veröffentlicht werden. Verschiedene große Pläne für L andauf s chließ un g und Dewä sse- rung, mit denen sich die Behörden in Palästina tragen, werden bekanntgegeben werden. Diese Pläne sollen sowohl Juden als Arabern zugute kommen und die Bevölkerung Palästinas heben. Auch die Pläne für die künftige Regierung Palästinas sollen verkündet werden. Sie haben zur Grundlage den entschlossenen Willen, die Rechte der Juden aufrecht zu erhalten und zugleich die der Araber zu gewährleisten.
Der Vollzugsausschuß der Weltvereini- g u n g der zionistischen Revisionisten greift die Vorschläge der englischen Regierung heftig an. Die englische Regierung wolle sich aller internationalen Verpflichtungen entziehen, die sie gegenüber dem jüdischen
solche Reuregelung ist noch wichtiger als ein Abbau des ganzen Reparations- und Kriegsschuldengebäudes, in dem tatsächliche Schaden längst „wiedergutgemacht", tatsächliche Leistungen längst durch Gegenleistungen ausgewogen worden sind. Hat etwa Onkel Som in Öen vier 3afjren des Weltkrieges soviel mehr geleistet als gewöhnlich, daß er sich kraft seiner Arbeitsfähigkeit von einem Schuldner Europas zum „Welt-
ßens hin abgelehnt. Die dadurch notwendig werdende Zweidrittelmehrheit bei der nochmaligen Beratung im Reichstag konnte nicht erzielt werden, so daß das Gesetz zurückgestellt wurde. Rach der jetzigen Annahme der Amnestie mit Zweidrittelmehrheit im Reichstag tauchte vielfach die Behauptung auf, daß der Reichsrat dagegen Einspruch erheben würde, mit der Begründung, daß es sich um ein neues Gesetz handele. Aus informierten Kreisen erfahren wir jedoch dazu, daß ein nochmaliges Scheitern des Amneftiegefetzes für ausgefchlos - fen gehalten wird. Die preußische Regie- rung hat zwar bis zur Stunde noch keine Stellung oazu genommen, es soll aber nicht damit zu rechnen sein, daß sie ihren damaligen Einspruch gegen das Gesetz wiederholt. Damit würde dos Amnestiegesetz also endlich rechtsgültig werden. Bei dieser Sachlage dünste die Haftentlassung der von .. . .. ----- in den
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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.
amerikanischen Kulturkreises durch Entdeckung immer neuer Goldfelder mit der Zunahme der Warenproduktion ungefähr gleichen Schritt hielt. Während freilich der weihe Mensch im Himmel einer zuverlässigen Goldwährung lebte, war der farbige Mensch den Qualen der Hölle einer schwankenden und unzuverlässigen Silber- oder Kup*erwährung a "Metzt. Heute droht der Llltionsradius der Goldwährung auch innerhalb des europäisch-amerika.. i^en ÄulturlretcS immer mehr zu versagen, so daß eine immer empfindlichere Goldknappheit die Abhängigkeit verschuldeter Länder von ihren Gläubigern automatisch steigern muh, wenn die Schuldnernationen sich
Englands MndalspoM in Palästina
Llnzufnedenheit der Zionisten. — Rücktritt We zmannö.
Berlin, 20. Oft. (TU.) Das vom Reichstag ... der Nacht zum Sonntag mit Zweidrittelmehrheit verabschiedete Amnestiegesetz ist damit gegen den Einspruch des Reichsrates rechtskräftig geworden, sobald es der Reichspräsident verkündet. Das Amnestiegesetz besagt, daß Straffreiheit gewährt wird für die im Paragraph 4 des Amnestiegesctzcs vom Jahre 1928 genannten, aus politischen Beweggründen begangenen Straftaten, wenn die Tat vor dem 1. September 1924 begangen ist und wenn sie sich n i ebt gegen ein Mitglied oder früheres Mitglied der Reichsregierung gerichtet hat. Es handelt sich hier in
Äon Otto Eorbach. . , .
®in englisches Sprichwort unterscheidet drei ftUQCrt
Arten von Lügen: „Weihe" Lügen (alerch Rot- lügen), „schwarze" Lügen (d. h. gewöhnliche Lügen) und S t a t i st i k. Daran ist gewiß so viel richtig, daß man sich über die wirklichen Dinge nicht leichter täuschen kann, als indem man ihnen ausschließlich rechnerisch beizukommen sucht. Mit Zahlen läßt sich noch trefflicher ..streiten" und „ein System bereiten", als, im Sinne Mephistos in Goethes Faust, mit Worten. Es gibt nichts Abstrakteres als eine Zahl; denn in ihr sind alle ülnterschiede zwischen den Dingen, die man zahlt, ausgelöscht. Darum ist Zahlentrug fooiel schlimmer als Worttrua. Gefährlich ist ein Diplomat, für den die Sprache erfunden scheint, die eigenen Gedanken zu verbergen, viel gefährlicher der Fi- nanzmann, für den Zahlen dazu da sind, betrügerische Absichten zu verschleiern.
der Hauptsache um politische Tötungsdelikte, also um die Amnestierung einer Reihe von sog. Fememördern — etwa 15 — und von sieben Kommu- n i st e n. Es ist aber anzunehmen, daß über diesen Kreis hinaus das Amnestiegesetz auch auf diejenigen Personen Anwendung finden kann, die im Zusammenhang mit den Ruhrkämpfen und der Sc = kämpfung der Separatisten Strafen zu gewärtigen hatten, soweit die Taten vor dem 1. September 1924 begangen wurden. Sicher ist, daß auch der kürzlich wieder vertagte Prozeß F a h l b u s ch sowie der Fall Lampe! durch die Amnestie erledigt sein dürften. Dagegen werden die M ö r d e r E r z- bergers nicht amnestiert, da cs sich hier um eine Tat gegen ein Rcgierungsmitglied gchan-
Hamburg, 21. Oft. (TU.) Auf einer Kundgebung des 3ung-Stahlhelms nahm Dunbesführer Srlbte Bezug auf die Artikel Hervös, die sich mit dem Stahlhelm beschäftigen und die auch als eine Auswirkung des Koblenzer Stahlhelm tages zu werten seien. Seldte erklärte, der Stahlhelm werde sich mit seiner Antwort nicht beeilen, sondern sich diese erst ht Ruhe überlegen. Wenn aber die Welt endlich zur Einsicht komme, dann sei auch der Stahlhelm bereit, mit dieser Welt zu sprechen. Darm möge an Stelle des Wortes: Proletarier aller Länder bereinigt euch" das künftige Wort lauten: „Fr on ts o Ida ten aller Welt seht euch zusammen und ordnet diese verquatscht« Erde". (Brausender Beifall.)
Der Stahlhelm fordere Preußen vom roteij
Berlin, 20. Oft. 3n parlamentarischen Kreisen, die den Oppositionsparteien nahestehen, beschäftigt man sich mit den verfassungsmäßigen Grundlagen für die Möglichkeit, den Reichstag schon früher als die Regierung beabsichtigt, einzuberusen. Man stützt sich dabei auf die Deichsverfassung, die im Artikel 24 vorsieht, daß der Reichstag in jedem 3ahre am ersten Mittwoch des Rovember, diesmal also am 5. Rovember, zusammentreten müsse. Die Regierung macht dagegen geltend, daß diese Bestimmung der Reichsverfassung nur dann Gültigkeit hätte, wenn der Reichstag vor diesem Termin überhaupt noch nicht getagt hätte. Da in der vorigen Woche jedoch schon einige Sitzungen des Reichstages stattgefunden . , . hätten, liegt nach Ansicht der Regierung fein
Die aus dem großen Kriege erwachsenen Forde- Grund vor, den Reichstag im Laufe des Rovern- rungsrechte, die sich auf den dem deutschen Volke ber einzuberufen. Aus diesem Grunde wird auch zugemuteten „Reparationen" wie eine Pyra- ber Reichstagspräsident, falls ein dahingehender mibe auftürmen, deren Spitze in eine ferne Zukunft Antrag eingebracht werden sollte, diesen unter hineinreicht, haben die Lenkung der Geschicke der (Berufung auf vorliegende Rechtsgutachten der modernen Kulturmenschheit vorwiegend zu Reichsregierung ab lehnen. 3m übrigen hätte einem Rechenexempel gemacht, dessen ein Zusammentritt des Reichstages praktisch keine Lösung in erster Linie der Hochfinanz obliegt. Die Bedeutung, da eine Mehrheit für feine sofortige Staatsmänner sind zu Schattenkönigen geworden; Wiedervenagung vorhanden wäre. Außer- die wirkliche Politik wird in den großen Banien bem liegen keine zu beyandelnde Gesetzentwürfe und an den Weltbörsen gemacht, von wo aus man vor. 3n parlamentarischen Kreisen nimmt man die Welt mit einem Rie enzisierngewebe zu um- an, daß auch die Tagung des Reichstages im spinnen sucht, worin sich alle lebendige Kreatur mit Dezember höchstens acht Tage dauern wird, der Zeit verfangen und zu Tode zappeln soll. worauf sich das Haus bis Mitte 3anuar
Warum ist bei uns das Lied von den großen vertagen dürfte.
Erleichterungen, die der Boung-Plan
gegenüber dem Dawes-Plan bringen sollte, so VtlU )U>Cu lUfCF Uy* rasch verstummt? Unser Anteil an der Weltwirt- Das Landvolk WÜnschtWiederZUsammentritt schaftskrise allein erklärt das mcht. Hätte sich in- h = »Neichstaas
zwischen an dem Leistungsinhalt der Reparati- ^ettystag^.
onszisfern nach dem neuen Plan nichts geändert, Berlin, 21. Ott. (BDZ.) Die Reichstags- so würde man es schon verstanden haben, das frattion Deutsches Landvoll (Christlich-Rationale Reparationsübel im Spiegel der Weltwirtschasts- Bauern- und Landvolkpartei) hat sich mit den krise immer kleiner erscheinen zu lassen. Die Wahr- letzten Beschlüssen des Reichstages beschäftigt heil ist, daß sich seit der Pariser Sachverständigen- Zn der Fraktion herrschte Einmütigkeit in der Tagung diewirklicheBelastung durch die Beurteilung der hierdurch geschaffenen Lage, die Reparationsforderungen für das deutsche Dolf bie Abhängigfeit des Kabinetts in einem Maße gesteigert hat, daß die Gau- Brüning von ber Sozialdemokratie Mei der bloß zahlenmäßigen „Herabsetzung" in aller Öffentlichkeit erwiesen habe. Die Frak- jedem Volksgenossen fühlbar werden mußte. Zwei üon sehe infolge dieser verstärkten Verbindung Milliarden Mark unter dem Voung-Plan bebeu- bes Kabinetts Brüning mit der Sozialdemokrati- ten eben heute schon viel mehr als zwei- fd)Cn Partei die Unmöglidjleit der Lö - einhalb Milliarden Mark unter dem Dawesplan, s u ng der außenpolitischen und wirtschaftspolili» weil die in fortschreitendem Tempo wachsende f(f)en Aufgaben im Sinne der Landvolkauffassung. Goidknappheit inzwischen das allgemeine Die Landvolkpartei bringt daher unter Aufrecht- Warenpreisniveau in einer Weise h e r - erhaltung ihres Vertrauens zu Minister Schiele abgedrückt hat, daß jede Zahlung einer be- ihre Forderung nach einer grundsätzlichen stimmten Reparationssumme durch immer Umbildung des Kabinetts unter Berück- größere Arbeitsleistungen ausgewogen sichtigung des Wahlergebnisses zum Ausdruck, werden muß. Langsam dämmert es auch in den Die Fraktion hat erneut Einspruch gegen Kreisen zünftiger Politiker, daß die Magrer per bie Vertagung des Reichstages er- mobemen Finanzkunst sie bisher am ^arrenserl hohen und beim Reichspräsidenten sofortige geführt haben. Hätten sie in Zeiten, wo die Voller - des Abendlandes noch so etwas wie eine Schicksalsgemeinschaft bedeuteten, sich eingehender mit ber Geschichte unterdrückter Kolonialvölker besaßt, so wären sie den Zahlenkünstlern des heutigen Geld- und Kreditwesens gewiß schneller hinter ihre Schliche gekommen. Ein Pfund Sterling in England ist etwas ganz anderes als ein Pfund | Sterling in 3ndien ober Afrika. 3n den Kolonien enthält es mehrmals soviel an „geronnener Macht" wie im Mutterlande. Roch ausgesprochener sind die Wertunterschiede, die ber unsichtbare amerikanische 3mperialismus schafft. Ein chinesischer Kuli, der fünf Goldbollar in bie Währung seines Lanbes umwechseln läßt, tann von bem Erlös einen ganzen Monat lang bequem leben. Da er bei bem gewaltigen ileberangebot an Arbeitskräften für sein bloßes Existenz-Minimum zwölf unb mehr Stunden am Tage zu arbeiten bereit ist, kann man sich in China für den Tagelohn eines amerikanischen Arbeiters bie Dienste eines Menschen für einen vollen Monat kaufen. Man kann sich danach eine ungefähre Vorstellung davon machen, in welchem Maße Länder wie 3ndien und China in den letzten 3ahrzehnten lediglich mit Hilfe der abstrakten Logik, daß 2x 2 = 4 ist, ausgeplünd er t werden tann.
Das gegenwärtige rapide Steigen des Goldwertes aut Kosten des Warenwertes gibt uns einen Vorgeschmack von dem, was uns mit ber Zeit blühen könnte, wenn wir unverdrossen bis zu voller Auszehrung unserer Ratur- und Men- schenkräfte „erfüllen" und uns durch gelegentlichs zahlenmäßige Herabsetzungen ber Reparationsziffern in den Wahn einlullen lassen, daß damit auch die von uns beanspruchten Leistungen schon herabgesetzt seien. Die verhältnismäßige Stabilität der Warenpreise in den letzten hundert 3ahren vor dem Weltkriege hat in den europäischen Hirnen bie 3Ilu» sion fest einnisten lassen, als ob nichts so treu sei wie Gold, aber diese Stabilität rührte nur daher, daß die Goldproduktion innerhalb des europäisch-
(£t|d)etnt tägltd), aufen A "'vf’ O
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