Ausgabe 
21.10.1930
 
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Marxismus zurück. Hierfür werde ein neues Volksbegehren vorbereitet. Weiter fordere der Stahlhelm eine Personalunion zwischen dem preußischen Staatspräsidenten und dem Reichs­präsidenten. Dieser müsse den Auftrag erhalten, Minister selbst zu berufen oder abzurufen. Rdan solle auch einmal Frontsoldaten in das Kabinett berufen, die nicht das M. d.R. hinter ihrem Namen haben.

Landesführer v. Morozowicz erklärte: (so­lange Deutschland vor den, Ausland auf den Knien rutsche, solange werde man es mit Fichen treten. Der Stahlhelm erwarte, daß alles, was sich national nenne, in Deutschland zusammen­hänge wie Pech und Schwefel. Er fordere, daß jedem die Möglichkeit gegeben werde. Eigentum im deutschen Heimatlande zu erwerben. Der Eigentumsbegriff müsse die Grundlage bleiben für die Reugestaltung des Reiches. Aber der Stahl­helm müsse politische Parteien, die sich kirchlich nennen, ablehnen, wenn diese erklärten, mit natio­nalen Sozialisten könne man nicht regieren, wohl aber mit internationalen Sozialisten. Das Dolks- begehren in Preußen sei berufen, diese Kultur­schande einmal festzunageln.

Der Lohnkonflikt in der Berliner Metallindustrie.

Die Nachverhandlungen beim Arbeitsminister.

Berlin, 20. Oft. (Sil.) Sicherem Vernehmen nach beabsichtigt das Reichsarbeitsministerium am Dienstag die Einladungen an die Parteien im Konflikt in der Berliner Metallindustrie zu neuen Güteverhandlungen, wie sie im Gesetz vorgesehen sind, herausgehen zu lassen. Der Zeitpunkt des Beginns dieser Verhandlungen steht noch nicht fest. Es trifft auch entgegen anders- lautenden Behauptungen einiger Berliner Blät­ter nicht zu, daß der Reichsarbeitsminister be­reits seine Haltung gegenüber dem erlassenen Lvhnschiedsspruch dahin festgelegt habe, daß er den Schiedsspruch fallenzulassen ge­denke. um den Parteien die Fortdauer des bisher geltenden Tarifzustandes für einige Mo­nate zu empfehlen. Das Reichsarbeitsministerium legt im gegenwärtigen Stadium der Dinge ent­scheidenden Mert darauf, seine eigenen Anschau­ungen und Pläne nicht der Oeffentlichkeit bekannt­zugeben, damit jede Beeinflussung der Nachver­handlungen vermieden wird. -Zur Zeit wird auch erst im Arbeitsministerium die Frage geprüft, ob und inwieweit etwa der Arbeitsminister durch den Mehrheitsbeschluß des Reichs­tags auf Nichtverbindlichkeitserklärung des Lohnschiedsspruches gebunden ist. Die Vor­gänger des Arbeitsministers, die Abgeordneten Brauns und Wissell, sind der Meinung, daß ein Eingreifen in ein gesetzlich vorgeschrie­benes Verfahren durch einen Reichstagsantrag nicht möglich ist.

Ergebnislose Arbeitszeit- Verhandlungen im Ruhrbergbau.

Essen, 20. Dtt. (TU.) Die Verhandlungen zwi­schen Zechenverband und Bergarbeiterverbänden über das Arbeitszeitabkommen, das be­kanntlich von den Gewerkschaften gekün­digt worden ist, sind ergebnislos verlau­fen. Die Gewerkschaften bestanden auf ihrer Forderung auf Kürzung der Arbeitszeit unter läge um eine Stunde. Der Zechen­verband lehnte diese Forderung ab, weil damit eine solche Steigerung der Selb st ko st en ver­bunden sein würde, daß der Absatz im Ruhrbergbau weiter nachlassen und weitere Entlassungen und Einschränkungen die Folge sein müß­ten. Anfang November wird sich der Schlichter weiter mit der Sache beschäftigen.

Die Dolksnationalen legen ihr Mandat nicht nieder.

Berlin, 20. Oft. (ERB.) Die sechs volks- nativnalen R e i ch s t a gs a b g e o rdne -

Die Aevisionsfrage wird we'ter Wiert

Ausfuhrhandelskrisis und Gchuldenproblem.

Kommt Amerika zur Einsicht.

London, 21. Ott. (WIB. Funkspruch.) Die Blätter geben eine Erklärung des Vorsitzenden des Danken- und Währungsausschusses des amerikani­schen Repräsenlanlenhauses Ule Fadden wieder, in der er für eine Verminderung der deutschen Reparationszahlungen oder für eine Suspendierung der Zahlungen, sowie für einegroßmütigere Haltung der vereinigten Staa­ten gegenüber den Alliierten eintritt.

Financial News sagt in einem Leitartikel: wenn sich auch vieles zugunsten des Planes 2Uc Fad- den sagen läßt, ist cs doch äußer st zweifel­haft, ob seine Landsleute und ihre Vertreter im Songretz sich schon klar darüber sind, ein wie großes Hindernis für die Erholung des amerikanischen Ausfuhrhandels der Strom der Reparationszahlungen bildet. Wenn die Zustimmung des Kongresses zu einem solchen

Plane fehlt, hat eine günstige Stellungnahme Mel­lons und der Regierung wenig wert. Angesichts der jetzigen Unpopularität des Präsidenten Hoover wird diese günstige Stellungnahme vielleicht sogar die Kongreßmitglieder daran verhindern, sich mit dem Plane anzusreunden.

Financial Times schreibt: Den Erörterungen des Problems der Schulden an Amerika darf im Augenblick keine zu große Bedeutung beigemessen werden, und vielleicht wird es auch für politisch zweckmäßig gehalten werden, sie zu demen­tieren. aber gewisse Einzelheiten des gemeldeten Planes machen den Eindruck eines Anfangs ernstlicherErörterungen. Es wird nur ein Moratorium füt die alliierten Schul­denzahlungen ins Auge gefaßt; vielleicht würde das für den Anfang genügen. Die öffentliche Meinung sollte schon auf die Möglichkeit vorbereitet fein, daß Deutschland früher oder fpäler in die Lage kommt, seine Reparalionsverpflichtungen nicht erfüllen zu können. Die Kriegs- und Repora- tionsschulden stehen der Erholung der Welt im Wege.

ten Abel. Adolph. Daltrusch, Bornemann. Hesse und Prütz haben zu ßer Aufforderung Hopker-Aschofss, ihr Mandat nrederzu- legen. eine Erklärung abgegeben, in der es heißt: Die Staatspartei richtet an uns das Ersuchen, unser Mandat niederzulegen. Zur Be­gründung führt sie an, daß wir als Ver­treter der Deutschen Staatspart er g ewä hll worden feien. Wir stellen demgegen­über fest, daß der Wahlvorschlag folgende Be­zeichnung trug: Deutsche Staatsvartei (Deutsch- demokratische Partei, Volksnationale Reichsvereinigung und verwandte Gruppen). Wir stellen weiter fest, daß weite Teile der demokratischen Partei diesem Wahl­vorschlag ihre Stimme nicht gegeben haben. Wenn wir das Ansinnen der Deutschen Staats- Partei ablehncn. so handeln wir verfas­sungsmäßig und entsprechend der Meinung des überwiegenden Teiles der Wählerschaft.

Parker Gilberi meldet sich.

Der letzte Bericht des Reparationsagenten.

Berlin, 20. Okt. (Tel.-Un.) Der Bericht des unter dem Dawesplan amtierenden General­agenten für Reparationszahlungen, der letzte vor der Abreise Parker Gilberts, wird nun endlich der Oeffentlichkeit übergeben. Er stellt ein mehr als 400 Seiten umfassendes Druckwerk dar, das die Handhabung und Ausführung des Dawes- planes zum Abschluß bringt. Bemerkenswert sind vor allem die Schlußbetrachtungen. Darin heißt es: Reparationen seien nicht entrichtet worden und die Aussichten auf künftige Zahlungen seien unbestimmt gewesen. Mit der Stabilisierung der Währung und der Annahme des Dawesplanes sei der Wende­punkt in der Geschichte des Wiederaufbaues Deutschlands erfolgt und in den darauf folgenden Jahren habe die deutsche Wirtschaft bemerkens­werte Fortschritte erzielt. Der Kredit Deutschlands sei im Jnlande sowohl als auch im Ausland wiederhergestellt. Seine Indu­strien seien reorganisiert, seine Produk- tionssähigkeit erneuert und die allgemeine Le­benshaltung wesentlich gesteigert worden. Der Neue Plan, so heißt es weiter, .stelle einen Akt des Vertrauens zu Deutschlands Treu und Glauben zu seiner finanziellen Solidität dar und Deutschland habe nunmehr unter eigener Verantwortung ohne Ueberwachung durch Ausländer und ohne den vom Dawesplan gebotenen Transferschutz eine ganz be­stimmte Aufgabe zu erfüllen. Diese Feststellung Par­ker Gilberts kann nicht kritiklos hingenommen wer­den. Wenn Gilbert die Durchführung des Neuen Planes ganz auf die deutsche Verantwortung ab­stellt, so hat der Reichskanzler Brüning in der

Regierungserklärung in der vorigen Woche im Reichstag darauf hingewiesen, daß die Sachverstän­digen seinerzeit vor allem erklärt haben, die Lösung des Tributproblems sei nicht nur eine Aufgabe Deutschlands, sondern eine Mitarbeit der Gläubigermächte liege im Interesse aller Beteiligten. Dieser Tatsache ist von Seiten der ©lau­biger bisher leider nicht im genügenden Maße Rechnung getragen worden.

Unter den neuen Verhältnissen, so fährt Gilbert dann fort, trage Deutschland auf der einen Seite die volle Verantwortung dafür, habe aber auf der ande­ren Seite auch den normalen Antrieb dazu, Ord­nung in seine öffentlichen Finanzen zu bringen. Es könne keinem Zweifel unter­liegen, daß auch dieses Problem, das jetzt das dring­lichste sei, dem sich das deutsche Volk gegenüber sehe, einer Lösung auf gesunder Grundlage fähig sei, wenn alsbald auch nur irgendwie auf die Reform des öffentlichen Finanzwesens die gleichen Bemühun­gen verwendet würden, wie die, mit denen man während der Periode des Dawesplanes zur Er­zielung des allgemeinen Wiederaufbaues der deut­schen Wirtschaft nicht gespart habe.

Wahlerfolge der Autonomisten im Elsaß.

Straßburg, 20. Okt. (TU.) In Straßburg und K o l m a r fiel am Sonntag die Entscheidung bei den Ersatzwahlen für d i e Gemeinde­räte. Bei den Stichwahlen siegte im Straßburger O st k a n t o n der Autonomist Schall mit 4349 Stimmen über seinen Gegner, den Kandidaten der nationalen Einheitsliste Hincker, der 3824 Stim­men erhiett. Im W e st k a n t o n eroberten die Kan­didaten des Autonomistenblocks die beiden Sitze, die noch bei den Gemeinderatswahlen von 1929 durch die nationalen Parteien gehalten wurden. Nur im N o r d k a n t o n, der eine sehr starke fran­zösische Einwanderung aufweist, konnte die nationale Einheitsfront sich den einen Sitz, um den am Sonntag zu kämpfen war, erhalten. So haben die Autonomisten in Straßburg von den vier neuzubesetzenden Sitzen, von denen bisher nur ein Mandat ihnen gehörte, drei Sitze erobert. In Kolmar verzeichnen die nationalen Parteien einen Sieg, der aber wenig Freude auslösen wird. Der Autonomistenführer R o s s L blieb mit acht Stimmen in der Minderheit. Er erhielt 4550 Stim­men, während der nationale Parteiblock auf den Radikalsozialisten Lehmann 4558 Stimmen ver­einigte. Der Vorsprung des Nationalen Blocks ist um so geringer zu werten, als Streitigkeiten im kommunistischen Lager zur Aufstellung von Sonder­kandidaturen dieser Richtung geführt hatten, durch

Er kommt wieder!

Ich gehe jede Wette ein, er kommt nicht wieder!

Jede Wette?" wiegt der Mann mit Dem Stutz­bart den Kopf hin und her.Also gut, ich wette hundert Mark."

Einverstanden", sagt der Rechtsanwalt und legt einen Hundertmarkschein auf die Bank.

In diesem Augenblick kommt der junge Bengel aus dem Portal gesaust.He!" schreit er, und sein Gesicht ist rot vor Wut.Was fällt Ihnen ein! Der Scheck hat keine Deckung."

Ich habe es ja gewußt", seufzt der Mann mit dem Stutzbart, nimmt den Scheck und den Hundert­markschein, grüßt und geht, kerzengerade und von allen Krampfbeschwerden befreit, den Kiesweg hinunter.

z/Sie&eaparabe'' ein Film.

Das ist eine Tonfilm-Operette der Paramount, die der berühmte L u b i t s ch inszeniert hat. Das Besondere daran ist, daß sie durch alle Akte hindurch englisch, zum Teil auch französisch, gesprochen, ge­sungen und übertragen wird. Zur Beruhigung aller späteren Besucher sei aber gleich mitgeteilt, daß man mit Hilfe der eingelegten deutschen Texte alles glatt versteht und der Handlung, die ohne­hin kaum Schwierigkeiten bereitet, mühelos folgen kann. Was eine richtige Operette ist, die macht sich zur Not auch mit Esperanto oder auf Kisuaheli ver­ständlich. Die mimisch sehr belebte, temperament­volle Darstellung und Lubitschs ausgezeichnete Re- gie tun ein übriges, um dem Besucher eine harmlos- witzige, liebenswürdig-amüsante Unterhaltung zu bieten. Das Libretto schildert die Liebesgeschichte eines jungen Militärattaches und nachmaligen Prinz­gemahls am Hose der Königin Luise vom Operetten­königreich Sylvania. Die leichtgeschürzte, drollige Handlung ist von Lubitsch mit großem Aufgebot, verschwenderischer Ausstattung und einer Menge aparter kleiner Regieeinfälle inszeniert worden, so- daß man auch an diesem ganz unernsten und un­beschwert abrollenden Spielwerk einer heiteren Muse allenthalben die sichere Hand und den geübten Blick eines Meisters der Kamerakunst bewährt und be­tätigt findet.Was für die Ufa Willy Fritsch das ist für die Paramount Maurice Chevalier, Bonvivant und Liebhaber von gewinnendem Charme, natürlichem Humor und einer offenbar romanischen Beweglichkeit und Lebhaftigkeit der Darstellung, die sich nirgends auf das langweilig-traditionelle Dpcret- tenklifchee fcftleaen läßt. Jeanette MacDonald (Königin Luise von Sylvania) heißt seine hübsche

Menschenkenntnis.

Lon Hans Riedau

Vor dem Gebäude der Sparkasse in Fl. liegt ein großer grüner Rasenplatz. Auf dem Rasenplatz stehen Bänke. Auf der vordersten Bank, gerade gegenüber dem Portal, sitzt ein Mann mit einem grauen Stutz- bart. Der Mann reibt sich das linke Bein und stößt dabei Laute aus, die sich die Waage halten zwischen Schmerz und Wut.

Nanu? bleibt ein Herr stehen, der einen Knei­fer trägt, einen Regenschirm und eine Aktenmappe. Ist Ihnen etwas zugestohen?"

Verflucht und zugenäht", knirscht der Mann auf der Bank,ich habe einen Krampf im Bein."

Ach so", sagt der Herr mit dem Kneifer.Das ist nicht so schlimm. In zehn Minuten ist alles wie­der in Ordnung."

Inzwischen stehen schon vier, fünf Leute um die Bank herum.

In zehn Minuten", jammert der Mann,in zehn Minuten ist es zu spät. Ich habe einen Scheck über 5000 Mark hier. Ich muß unbedingt zur Spar- kosie. In vier Minuten wird aber der Kassenschalter dort drüben geschlossen".

Der Herr mit dem Kneifer überlegt:Ich würde ja den Scheck", jagt er,ich würde ja den Scheck gern für Sie einlösen. Aber Sie werden ihn mir kaum anvertrauen wollen--"

Geben Sie nur!" drängt sich da ein junger Ben­gel, der eine schmutzige Mütze auf dem Kopf, keinen Kragen um den Hals und einen böse flackernden Blick hat, dazwischen.Ich will den Scheck wohl einlösen."

Der Mann mit dem Krampf guckt auf die Uhr, seufzt und gibt dem jungen Bengel den Scheck. Der junge Bengel grinst und läuft hinüber zur Spar­kasse.

Hören Sie mal , sagt der Herr mit dem Kneifer, die Sparkasse hat auf der anderen Seite des Ge­bäudes noch ein zweites Portal."

Ich weiß", nickt der Mann und reibt sich das Bein.

Aber wie können Sie nur", braust da der Herr mit dem Kneifer auf,wie können Sie nur diesem Individuum einen solchen Scheck anvertrauen?"

Der Mann auf der Bank blickt einen Augenblick erschrocken.Ach", murmelt er dann,ich bin Men- schenkenner. Ich weiß bestimmt, daß er wieder- kommt." t _

,Lch bin Rechtsanwalt und ebenso gut Menschen­kenner", sagt der Herr mit dem Kneifer.Er kommt nicht wieder!"

und elegante Partnerin. An den typisch angloameri­kanischen Gesangsstil ihres unwahrscheinlich hohen, zwitschernden Vogelsoprans mutz man sich erst ge­wöhnen. Lupino Lane und Lillian Roth spielen, tanzen und singen parodistisch und mit handfesten Pointen die auch aus der einheimischen Operette nicht unbekannten Dienerchargen. Die Musik ist von Victor Schertzinger, Chansons von Clifford Grey, deutsch von Rotter und Robinson; Hauptschlager:Abschied von Paris",Schön wie Lisette" und derGrenadiermarsch". DieLiebes­parade" läuft seit gestern bei gutem Besuch im Lichtspielhaus. r

Zum Meistpreis 1930.

"Außer der gestern bereits gemeldeten Zu­erkennung des ungeteilten Preises in Höhe von 1500 Mark an den Dramatiker Reinhard Goe- ring für sein SchauspielDie Südpolexpedition des Kapitäns Scott" hat der für dieses Iahr bestellte Vertrauensmann der Kleist-Stiftung. Dr. Ernst Heilborn in Berlin, folgende Autoren und Dramen mit einer ehrenvollen Er­wähnung ausgezeichnet, die hier einem Appell an die Bühnen gleichkommt: Ernst Penzoldt, Die Portugalesische Schlacht"; Waldemar Io l los,Das Vergessen Gottes"; Arno Nadel,Die Pest"; Walter Erich Schäfer, Richter Feuerbach"; Rudolf Leonhard, Anonyme Briefe"; Friedrich Wolf,Die Ma­trosen von Cattaro"; Eleonore Kalkowska, Wer hat Recht?"; Fritz Schwiefert,Mar- guerite durch drei".

Festwoche für katholische Kirchenmusik in Frankfurt.

Die Erste Internationale Festwoche für katholische Kirchenmusik hat in Frank­furt a. M. am Sonntagmvrgen mit einem Le­viten-Hochamt, gehalten von Stadtpfarrer Geistl. Rat Msgr. Dr. Herr, ihren Anfang genommen. Unter Leitung von Domkapellmeister Karl Hart­mann brachte der Frankfurter Domchor eine Festmesse zur Aufführung, bei der Werke von Refice, Renner und Bartos Lajos, der persönlich anwesend war, vorgetragen wurden. Dann folgte ein Choral-Pontifikalamt, gefeiert von Abt Dr.h.c. Ravhael Molitor O.S.D. Hierzu hatten sich etwa 3000 Zuhörer im Dom und auf dem Domplah eingefunben. Die durch zwei Laut-

die der Autonomistenblock rund 400 Stimmen oe?» lor, die aber trotzdem der autonomistischen Richtung extrem st er Prägung (bis zur Loslösung aus dem französischen Staat) zuzurechnen sind. Infolge­dessen bedeutet der Ausgang der Stichwahl in Kalmar einen wahltaktischen Erfolg für die national- französische Front, aber keine tatsächliche Stimmenmehrheit. Der wahltaktische Erfolg des Nationalen Blocks kann den im übrigen rein autonomistischen Gemeinderat nicht beeinflussen. Die Wahl wurde von den Autonomisten wegen schwerer Behinderung der Wahlfreiheit ange­fochten.

Deutsches Gebiet wird tschechisch

Die Enteignungen im Böhmerwald.

Berlin, 20. Okt. Es Dürfte in der Oeffentlichkeit wenig bekannt sein, daß nicht nur Der Osten Des Deutschen Reiches Durch Die polnische Minderheiten­politik bedroht ist, sondern Daß auch Der Südosten, nämlich Die bayerische Ost grenze. Dasselbe Schicksal teilt. In aller Stille geht Dort eine all­mähliche Entrechtung Deutscher Volks­genossen durch Den tschechischen Staat vor sich unD unaufhaltsam wirD Dieser Teil des Böhmischen WalDes Deutschland enteignet. Der Deut« sche Böhmer WalD in Der Gegend von W«Mrn bis Eisenstein, Dem schon seit Jahren eine Enteignung durch Die Tschechoslowakei drohte, wird ganz all­mählich und ohne große Protestaktionen verlo­ren gehen. In Der Hauptsache hanDelt es sich um Die ausgedehnten Wald- und LanDflächen Der Fa­milie Schwarzenberg, mit Deren Enteignung etwa 26 000 Hektar Deutschen Bodens in Die HänDe einiger tschechischer Gesellschaften übergehen. Aber auch anDere große Besitzungen in Diesem Gebiet werden von Genossenschaften ihres Holzreichtums beraubt. Rund 25 000 Hektar find verstaatlicht worden, darunter Das Wahrzeichen Des südlichen Böhmer Waldes, der ganze Kubani- und Der Basum-Wald, ein Naturdenkmal seltener Art und ein Mustergebiet in forstwirtschaftlicher Hin­sicht. Von den deutschen Gemeinden soll nur dis Gemeinde Winterberg Aussicht darauf haben, zwei kleine Maidstrecken von etwa 100 Hektar zu erwerben. Die Bevölkerung, die durch die schwere wirtschaftliche Lage der Landwirtschaft und die gänzliche Lahmlegung der Industrie bereits Iahre der Entbehrung mitgemacht hat, ergibt sich mit Resignation in ihr Schicksal.

Meine politische Nachrichten.

Reichskanzler Dr. Brüning und Minister Dr. Dietrich werden am Dienstag zu kurzem Aufenthalt in S t u 11 g a r t eintreffen, und sich mit den Ministern von Württemberg, Baden und Hessen über Fragen des Finanza us- g l e i ch s und Der Gestaltung der Finanzen von Reich, Ländern und Gemeinden aussprechen. Der Besuch dient lediglich der Besprechung dieser Fragen. Irgendwelche Empfänge finden nicht statt.

*

Da infolge der Vertagung des Reichstages Reichswehrminister G r o e n e r nicht mehr die Möglichkeit hat, vor dem Reichstag die Angriffe des Abgeordneten v. O l den burg - I anu - schau zurückzuweisen, wird der Reichswehr­minister an den Abgeordneten einen Dries richten, in dem die erhobenen Angriffe zurückgewiesen werden.

Im Auswärtigen Ausschuß des Reichstags, der unter dem Vorsitz des Abg. Dr. Frick (NS.) zusammengetreten war, erstattete Reichs- auhenminister Dr. Curtius einen Bericht über die Genfer Verhandlungen. Hieran schloß sich eine längere Aussprache, an der sich die Vertreter aller Parteien beteiligten. Be­schlüsse wurden nicht gefaßt. Am 29. Oktober wird sich der Ausschuß mit den Anträgen über die Schutz- und Revisionsmöglichkeiten des QJoung- Planes befassen.

Die Meldung eines Berliner Morgenblattes über Verhandlungen im preußischen Ministerium des Innern, in denen eine Herabsetzung der kommunalen Spitzengehälter erörtert

sprecher übertragenen Ausführungen umfaßten einen gregorianischen Massenchor unter Leitung von P. Dr. Gregor S ch w a k e und eine gre­gorianische Dorsängergruppe, gebildet aus Chor­dirigenten, unter Leitung von P. Dr. älrbanus Do mm O.S. B. und P. Dr. Dasilius Ebel O.S. B, Maria Laach. Abends fand bei zahl­reichem Besuch die erste musikalische Andacht in der St. Antoniuskirche statt. Es wurden Werke von Perosi, Othegraven, Dombrowski und Des- deri aufgeführt. , ,

Aus Anlaß der Festwoche für katholische Kirchenmusik findet im Bankettsaal des Saal­baues vom 23. bis 26. Oktober eine Ausstellung von Noten und Büchern statt, in der Wohl zum erstenmal ein Querschnitt durch die gesamte zeit­genössische Literatur auf dem Gebiete der Kirchen­musik und Der geistlichen Musik geboten wird. Fast alle Werke der in Der Woche aufgeführten Komponisten werden in Der Ausstellung vertreten sein.

Hochschulnachrichten.

Stadtrat Dr. Max Michel, der Kulturdezernent des Magistrats der Stadt Frankfurt a. M., ist vom Preußischen Kultusminister beauftragt worden, in der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der dortigen Universität das Sozialrecht, insbesondere das Für- sorgerecht, in Vorlesungen und Hebungen zu ver- treten. Der Professor für Psychologie und Ana­tomie an Der Landwirtschaftlichen Abteilung der Prager Deutschen Technischen Hochschule in T e t - schen-Liebwerd Dr. med. Max Heinrich Fischer hat einen Ruf an das Kaiser-Wilhelm- Jnstitut für Hirnforschung in Berlin-Buch er­halten und angenommen. Der aus Gablonz gebür­tige Physiologie gehört zugleich dem Lehrkörper Der Medizinischen Fakultät Der Prager Deutschen Uni­versität als Privatdozent für Physiologie an.

Der Ordinarius Professor Dr. Georg I o o s an der älniversität I e n a hat einen Ruf auf Den neugegründeten Lehrstuhl der theoretischen Physik an der Technischen Hochschule in Karls­ruhe erhalten. Prof. Ioos, der besonders auf dem Gebiete der Atomphysik fachwissenschaftlich tätige Gelehrte erwarb in Tübingen den Doktor­grad, wurde 1921 Assistent am Physckalischen In­stitut der Münchener Technischen Hochschule und habilitierte sich ebenda für das Fach der Physik. Michaelis 1924 kam Dr. Ioos als AbteilungS- leitet an das Physikalische Institut in 3ena unter Prof. Wien und erhielt 1928 die Srneu- nung zum Ordinarius in Icna,