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Auftakt zur Reichsreform
scheidet in Senaten, die mit fünf Mitgliedern besetzt sind. Eine sehr wichtige Bestimmung ent- I
einen Vertreter der Sozialversicherung in ihn hineingenommen hat. Einstweilige Verfügungen dürfen vom Staatsgerichtshof nicht erlassen werden. Es könnte sonst in Fällen von hoher staatspolitischer Bedeutung dazu kommen, daß die Verantwortung, die die Reichsregierung zu tragen hat, ihr genommen und dem Staatsgerichtshof übertragen würde.
. Berlin, 20. Aug. (END.) Lieber den gestern im Reichskabinett verabschiedeten Gesetzentwurf zum Reichsverwaltungsgericht erfahren wir von unterrichteter Seite, daß der Entwurf das in letzter Zeit immer deutlicher hervortretende Problem einer organischen Verbindung des zu schaffenden Reichsverwal- t u n g s g e r i ch t s mit dem preußischen Oberverwaltungsgericht löse. Das Geruht soll seinen Sitz in Berlin haben. Es ent-
Der S t a a t s g e r ich t s ho f wird vom Reichsverwaltungsgericht übernommen, soweit er verfassungsrechtliche Streitigkeiten behandelt, nicht aber in Fällen von Ministeranklagen, die weiter beim Reichsgericht verbleiben. Die Zuständig, keiten des Staatsgerichtshofs in Verfassungs- streitigkeiten gehen also nunmehr auf das Reichs. Verwaltungsgericht über. Man hat gleichzeitig dem Staatsgerichts Hof eine andere Be- f etz ung gegeben, indem man auch Mitalie-
d" Reichsfinanzhofs und, auf be- sonderen Wunsch des ReichSarbeltsministeriums,
Brüssel. 21. Aug. (2DIB. Funkspruch.) Bei der Behandlung der deutschen Jrage auf dem Brüsseler internationalen Stuben- tenkongreß kam es 311 einem entscheidenden Zwischenfall. Es handelte sich um die Frage der Vertretung der Danziger und der sudel e n d e u t s ch e n Studentenschaft durch die Deutsche Studentenschaft. Auf Grund eines Beschlusses des Organisationsausschusses der LIL. (Confederation internationale des etudiants) legten je ein deutscher, ein tschechoslowakischer und ein polnischer Delegierter nacheinander ihren Standpunkt zur sudetendeutschen und zur Danziger Frage in der Vollversammlung dar. Während die Darlegung des deutschen Vertreters ohne Widerspruch angehört worden war. führten die Erklärungen des tschechoslowakischen und des polnischen Vertreters zu heftigen Zusammenstößen, besonders als der tschechoslowakische Referent in verletzender Form der Deutschen Studentenschaft die Fähigkeit zu internationaler Zusammenarbeit absprach. Da der Präsident Saurin (Frankreich) diese Ausfälle nicht zurück wies und auch den Deutschen auf ihr Verlangen das wort zur Erwiderung nicht erteilte, verließ die deutsche Delegation unter Protest die Sitzung. Eine schriftliche Vorstellung. die zu Beginn der folgendem Sitzung von der deutschen Delegation beim Präsidenten ein- gebracht wurde, blieb unbeantwortet. Ein dänischer von den Holländern und durch wohlwollende Neutralität von englischer Seite unterstützter Vermittlungsantrag, der den Deutschen die Fortsetzung der Verhandlungen ermöglicht hätte, wurde mit 11 gegen 9 Stimmen bei 4 Ent- Haltungen abgelehnt. Die deutsche Delegation hat daraufhin den Kongreß verlassen.
hält der § 21 Absatz 2 des Gesetzentwurfs, nach dem der Reichsinnenminister auf Antrag einer Landesregierung das Reichsverwaltungsgericht als ober st e Spruchbehörde für die Verwaltungsrechtssachen dieses Landes erklären kann.
Schanghai wird dieser Beschluß als sehr leichtfe rtig bezeichnet, da Großbritannien in Tschangscha außerordentlich umfassende Handels in teressen habe. Auf Grund dieses Beschlusses sei es notwendig, diesen wich, tigen Handelsplatz anchinesischeoderaus- ländische Kaufleute zu verlieren. Obwohl die gegenwärtige Tendenz auf eine wei- tere Verringerung des britischen Handels hinzudeuten scheine, bestehe kein ersichtlicher Grund, warum die britischen Behörden selbst diese Tendenz durch eigenen Beschluß verstärken sollten.
Oie Voykottbeweguug in Lndien.
Scharfe Forderungen der Nationalisten.
London. 20. Aug. (TA.) Der Bohkottaus- schuh des Indischen Rationalkongresses hat den 24 unter europäischer Leitung stehenden Baum- Wollspinnereien in Bombay eine Reihe von sehr demütigenden Forderungen unter» r>on deren Erfüllung oder Ablehnung es abhängt, ob diese Spinnereien auf die schwarze Liste des D 0 y k oTtTru s s ch ul - ses gesetzt werden sollen. Eine der Forderungen des Ausschusses geht dahin, daß kein Mitglied einer der 24 Firmen an regierungsfreundlichen oder kongrehfeindlichen Handlungen teilnehmen darf. Wenn z.B. ein Mitglied einer solchen (Strma den freiwilligen britischen Streitkräften angehört, so ist es verpflichtet diese militärische Verbindung sofort zu losen. Die hauptsächlichsten Forderungen taS Bohkottausschusses sind: 1. 7 5 v.H. des Kapitals müssen indisch sein. 2. Das Direktorium muß zu Zweidritteln aus Indern bestehen. 3. Das gesamte Personal muß indischer Staatsangehörigkeit sein. 4. Sämtliche von den Fabriken verwendeten Materialien müssen, soweit erhältlich, in 3nöien gekauft werden. 5. Die beteiligten Spinnereien sind verpflichtet, ihre Bank- und Versicherungsgefchäfte mit indischen Gesellschaften durchzuführen.
Oie Sowjeiregierung dementiert.
Berlin. 20. Aug. Die Botschaft der Sowietunion teilt mit: Deutsche Blätter veröffentlichen Meldungen über Berliner Verhandlungen zwischen einer nsrdamerikanischen Finanzgruppe, der Sowjetregierung und einem Vertreter der Russisch-Asiatischen Bank über den Berkaus der O stchinesischen Eisenbahn. bzw. über den Verkauf des Anteils der Sowzetunion am Besitze der Bahn. Diese Rach- richten entbehren jeder Grundlage und sind glatte Erfindungen. Es handelt sich um bewußt verbreitete Lügen einer jetzt in Berlin plötzlich aufgetauchten fragwürdigen russischen Emigrant engruppe.
Die deutsche Studeuteudetegation verläßt den Brüsseler Kongreß der C. L. E
llm die Vertretung der Danziger und sudetendeutschen Studenten. - Scharfe Zusammenstöße mit Polen und Tschechen. - parteiliche Geschäftsführung durch den Franzosen Saurin. - Holländische Vermittlung scheitert.
Abbruch der Beziehungen.
Die französisch-slawische Machtpolitik in der C. I. E.
Berlin, 20. Aug. (TA.) Die deutsche Abordnung hat dem Präsidenten des C. I. E. in einem Schreiben mitgeteilt, daß sich die Deutsche Studentenschaft genötigt sehe, die Beziehungen zum Internationalen Studentenverband abzu- b re chen. Die Deutsche Studentenschaft wird in Zukunft weder auf Grund des bisher in Kraft gewesenen Abkommens »och im Wege einer Formel geregelter Zusammenarbeit irgendeine Verbindung mit dem Internationalen Studentenverband unterhalten. Gleichzeitig hat der Leiter des Amtes für Leibesübungen der Deutschen Studentenschaft. Dr.-Ing. H i n s ch. Berlin, sein Amt als ständiger Vizepräsident des Sportausschusses der C. I. E. niedergelegt.
Den Grund für den Abbruch der Beziehungen bilden die beleidigenden Aeußerungen, die von den tschechischen und polnischen Vertretern während der letzten Sitzung der Brüsseler Ratstagung gegenüber der Deutschen Studentenschaft ausgesprochen worden sind. Die Zersetzung des Internationalen Studentenverbandes, die durch den Austritt Spaniens und die Abreise der italienischen und ungarischen Vertreter bereits deutlich in Erscheinung getreten ist. hat infolge der Zwischenfälle mit der deutschen Abordnung weitere Fortschritte gemacht. Holland hat von sich wegen der gehässigen Derhandlungsweise gegenüber der Deutschen Studentenschaft einen Mi h t r a uen s an- trag gegen den französischen Präsidenten gestellt, bei dessen Verhandlung es zu weiteren Zusammenstößen kommen wird. Infolge des deutschen Widerstandes scheint die französisch-slawische Machtpolitik innerhalb der C. I. E. keinen Erfolg zu haben.
Die Partei und ihr Führer Treoiranus halten nach wie vor an der Auffassung fest, daß die Lösung der großen Aufgaben, vor die Reichsregierung, Reichstag und das ganze deutsche Volk jetzt und in der nächsten Zeit gestellt sind, keinesfalls mit den Sozialdemokraten möglich ist. Diese Auffassung wurde von der Partei und ihrem Führer schon bisher vertreten, an ihr hat sich nichts geändert. Die Sozialdemokraten haben yi den zwei Jahren, in denen sie an der Reichsregierung beteiligt waren, ihre Unfähigkeit so nachdrücklichst bewiesen, daß neue Versuche mit ihnen nid), mehr unternommen werden können. Sollten
Die Liste der Konservativen Volksparte i fuhrt in Berlin Herr v. L i n b e i n e r- Sweiter Stelle kandidiert der Geschäftsführer des Deutschnationalen Hand- f rn , f Lucke, an dritter Stelle Dr Karl Rothe. Im Wahlkreis P 0 ts- dam ll steht ebenfalls Herr v. Lindeiner- Wildau an erster Stelle. Die zweite Stelle mmmt Frau Schloßmann-Loennies Re- im Gesamtverband Der Evangelischen Frauenhilfe, ein.
riALel?°I-,8rrcSt'^arteiunZ) die Christ. SS h u 91 a 1spartet haben für den » m ? 9 E r Wahlkreis als Kandidaten Graf von Posadowsky-Wehner aufgestellt.
Von der Kreisbauernschaft Rassau sind für bie Kandidatenliste der Landvolkpartei fau (Thristl.-Rat. Bauern- €l) ■rCnamt Landwirt Hepp (Seelbach), Bürgermeister Lind (Rietarissia- heim). Landwirt H i r s ch m a n n (Hochheim) Bürgermeister a. D. Gückes (Dreithardtf Nra,.' O v e r b e ck utid Landwirt Hatzfeld (DÄetarf).
Aus einer Wahlkreiskonferenz der Wirtschaftspartei wurde der langjährige Reickis. tagsabgeordnete Oberpostinspektvr Emst Lucke (Chemnitz) einstimmig wieder zum Spihenkandi. taten für den Wahlkreis Chemnitz -Zwik- lau bestimmt.
solche Versuche von anderer Seite gewünscht und für aussichtsreich gehalten werden, so steht jedenfalls heute schon fest, daß die Konservative Volkspartei sich an ihnen nicht beteiligen, sondern sie au das schärfste b e k ä-m psen wird.
Eine Wahlrede Lettow-Vorbecks
Konservative und Nationalsozialisten.
Magdeburg. 21. Aug. (TA.) Bei der ersten öffentlichen Wahlkundgebung der Konservativen Dolkspartei des Landesverbandes Magdeburg-Anhalt sprach der Spitzenkandidat des Wahlkreises 10, General von Lettow-Vor- b e ck, der u. a. sagte: Die Gefahr des vollständigen Zusammenbruches des deutschen Volkstumes und Staatstumes sei in greifbare Bähe gerückt. Die Wurzel des Aebels sei in dem immer weiteren Amsichgreifen des sozialistischen Geistes zu erblicken, der das deutsche Volk in nationale und wirtschaftliche Kraftlosigkeit zurück- , geworfen habe. Leider finde der Marxismus im bürgerlichen Lager immer wieder einen Verbündeten im Zentrum. Die Trennung beider Parteirichtungen müsse wie im Reiche so auch in Preußen bewerkstelligt werden. Die Ziele der Konservativen Dolkspartei seien die gleichen, wie die Hugenbergs, wenn auch die Wege auseinandergingen. Allein könne jedoch die Konservative Partei eine starke bürgerliche B e ch t e nicht stellen. Durch ein Zusammengehen mit den Rationalsozialisten könne die starke Rechte jedoch nicht erreicht werden, denn das Wirtschaftsprogramm dieser Partei sei besitzfeindlich und stehe in direktem Gegensatz zu dem bürgerlichen Programm.
Oer Iungdeutsche Orden.
Berlin, 20. Aug. (CRD.) Im „Jungtaut, schen "veröffentlicht der Komtur der DaNei Groß- Berlin des Iungdeutschen Ordens, Ernst Helmers/einen Aufsatz „Parole 1929 — Parole 1930“, in dem es heißt:
Es sei betont, daß der Iungdeutsche Orden nach wie vor ein unparteiischer Bund l e i b t. Seinen Mitgliedern, unseren jungtaut* chen Schwestern und Brüdern, steht es ab- s 0 lut frei, in welcher parteipolitischen Gruppe sie sich persönlich betätigen wollen. Außerdem 7können staatsbeiahenta deutsche Menschen verschiedener Parteien oder sonst nicht politisch Organisierte jederzeit in den Iungdeutschen Orden als Mitglieder ausgenommen werden. Für uns Iungdeutsche gibt es keinen Zweifel dar- über, daß Dolksnationale Reichsvereinigung und Deutsche Staatspartei vorübergehende Zweckorganisationen sind. Das Bleibende. der ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht ist nur unser Orden. In dieser Erkenntnis liegt die unparteiische Haltung und Gruntain- ftellung des Ordens verankert, die uns über aste Tagesfragen und taktischen Zwischenspiele hinaus das Fernziel nicht aus den Augen verlieren läßt.
Aus dem Wahlkampf.
Die ÄationalsozialistischeDeutsche Arbeiterpartei hat im Wahlkreis C h e m- Nitz - Zwickau Gregor Strasser (München) als Spitzenkandidaten aüfgefteHt.
Das jetzt vom Reichskabinett verabschiedete Gesetz über die Errichtung eines Reichsverwal- tungsgerichtes hat die deutschen Regierungen schon seit bald zehn Iahren beschäftigt. Der stärkste Anstoß zur Lösung der Frage ging vor annähernd fünf Iahren durch ein Angebot der preußischen Regierung aus, die auf ihr eigenes Oberverwaltungsgericht verzichten wollte. Aber trotz des aussichtsvollen Angebotes kam man zu keiner Einigung, und es entspann sich ein langwieriger Kleinkampf zuerst zwischen dem Reich unö einigen Ländern und Dann zwischen verschiedenen Reichsressorts. Besonders umstritten war die Frage, ob der Staatsgerichtshof weiterhin dem Reichsgericht angegliedert bleiben soll oder in das Reichsverwaltungsgericht aufzunehmen ist. Zwischen Reichsjustiz- und Reichsinnenministerium fanden lebhafte Auseinandersetzungen statt. Die Befürworter der Angliederung des Staatsgerichtshofes an Das Reichsverwaltungsgericht, das nunmehr die oberste Instanz in allen Verwaltungsstreitigkeiten ist, erklärten, daß bei der bisherigen Form der Staatsgerichtshvf zu stark von zivilrechtlichen Grundsätzen beeinflußt sei, die eigentlich nicht auf öffentliche Rechtsverhältnisse übertragen werden könnten. Man hat auch auf diese Erscheinung gewisse Differenzen zurückgeführt, die seinerzeit entstanden, als der Staatsgerichtshof über die Besetzung des Verwaltungsrates der Reichsbahn entschied. Die Reichsregierung erklärte damals, daß sie die Entscheidung des Staatsgerichtshofs für unrichtig halte. Auch die Zusammensetzung des Staatsgerichtshofes hat in diesem Zusammenhänge ebenfalls zu heftigen Kämpfen geführt. So haben die verschiedenen Regierungen und zuletzt noch das Kabinett der Großen Koalition unter Führung von Hermann Müller vergeblich versucht, erst die Länder und dann die Reichsministerien untereinander auf eine einheitliche Linie zu bringen und das seit langem geforderte Gesetz zu verabschieden. Gerade angesichts dieser vergeblichen Bemühungen und der manchmal schon tragikomischen Kleinkämpfe ist der Entschluß des Kabinetts, das Gesetz nunmehr dem neuen Reichstag vorzulegen, besonders bedeutungsvoll. Eine wenig erfreuliche Epoche deutscher Innenpolitik ist damit hoffentlich abgeschlossen.
Englands Handelsintereffen in China.
Aufhebung des britischen Konsulats in Tschangscha.
t ^.??don, 2°- Bug. (TU.) In maßgebenden britischen Kreisen in Schanghai hat der Beschluß der britischen Regierung, dasbritischeKon- sulat in Tschangscha, der Hauptstadt tar Provinz Honan, auf mindestens vier Monate im Iahre (während des niedrigen Wasserstandes) zu s ch l 1 e ß e n, starke Verstimmung hervor- gerufen. Bisher wurde in Tschangscha ein Kanonenboot unterhalten, das einen niedrigen Siefgang hat und das während des ganzen Iah- res dort stationiert war. Rach dem Be- ^luh der Flottenbehörta in Tschangscha, ein Kanonenboot nicht mehr während des ganzen Iahres zu stationieren, blieb der britischen diplo- mati^en Vertretung nichts anderes übrig, als
in Tschangscha aufzuheben und den britischen Staatsangehörigen die Räumung zu empfehlen. In einem „Tirnes"-Berich1 au8
landbundpräsident Dr. Schiele, der Präsident des Deutschen Landgemeindetages Dr. Gereke und Reichslandbundpräsident Hepp. Wie die „Landvolknachrichten“ weiter melden, haben die Verhandlungen zwischen der Landvolkpartei und der Konservativen Dolkspartei über die gemeinsame Reichsliste zu einem positiven Abschluß geführt. An der Spitze der konservativen Liste stehen: Reichsminister Trevi r a n u s , Graf Westarp, v. Lindeiner- Wildau und Lambach.
Sozialdemokraten und Konservative Volkspartei
Berlin, 20. Aug. (TU.) Die Pressestelle der Konservativen Volkspartei verbreitet folgende Feststellung:
Aus aller Welt.
Letzte Tage in Bayreuth.
Obwohl die Bayreuther Festspiele am Donnerstag zu Ende gehen, macht sich noch kein Abflauen des Besuches bemerkbar. Der Dienstagabend brachte die letzte Aufführung tar Dramentrilogie des Ringes der Ribelungen, „Götterdämmerung". In der sechs Stunden dauernden Dorstellung lösten die Darsteller ihre überaus schwierige Ausgabe in glänzender Weise. Die Besetzung war die gleiche wie am Dorabend. Melchior spielte den Siegfried gleich hervorragend wie in der letzten Aufführung. T sch u r t s ch e n t h a l e r gestaltete den Günther mit prächtigem Stimmaterial. Harold Ära* bitt als Hagen wurde seiner Rolle in allen Punkten gerecht. Linnek zeigte während der ganzen Vorstellung, daß sie seelisch vollständig in ihrer Rolle aufgeht. Die Rornen und Rheintöchter konnten voll und ganz befriedigen. Der Orchesterleiter Elmendorfs feierte für dieses Iahr seine letzten Triumphe. Zum letzten Male wurde am Mittwoch „Tannhäuser" unter Leitung Toscaninis aufgeführt. Tos- canini holte aus dem Orchester wunderbare Klangwirkungen heraus. Sigismund Pi lin s k, der seine Indisposition vollständig überwunden hat, verkörperte den Tannhäuser mit herrlicher Stimme und höchster schauspielerischer Kunst. Hervorragend in Ton und Spiel waren Herbert I a n s s e n als Wolfram, K i p n i s als Landgraf von Thüringen und Sattler als Heinrich der Schreiber. Die beste Leistung des Abends bot jedoch Maria Müller als Elisabeth. Einen erlesenen Genuß bot die von der Tanzschule Lab and gestellte Gruppe im Bacchanal des Venusberges. Die Chöre entzückten durch ihre Klangschönheit und Kraft.
Rehabilitierung eines angeblichen Spions.
Vom Militärgericht in Paris ist im Wieder- aufnahmeverfahren der vor 35 Iahren nach Kalifornien ausgewantarte Elsässer Hartmann, der 1919 von einem französischen Kriegsgericht wegen angeblicher Spionage in contumaciam zum Tode verurteilt worden war, freigesprochen worden. In dem Spionage- Prozeß von 1919, der damals großes AufseAn erregie, waren der französische Schriftsteller Henri Gilceaux und ein gewesser Dr. Charles Hartmann beschuldigt tvortan, mit ausländischem Geld defaitistische Zeitschriften unterstützt und auch sonst die gegen die Fortsetzung des Krieges gerichtete Bewegung gefördert zu haben. In der Begründung des Urteils, das Hartmann völlig entlastet und rehabilitiert, wird festgestellt, daß Hartmann bis vor wenigen Monaten, als er seinem elsässischen Geburtsort einen Besuch abstattete und verhaftet wurde, Amerika überhaupt nicht verlassen hatte und daß das gegen Hartmann gefällte Todesurteil von 1919 einen Unbekannten betrifft, der sich die Ausweis- Papiere Hartmanns angeeignet hatte.
Brückeneinsturz in Spanien.
Dei Mengibar ist eine Brücke über den Guadalquivir eingestürzt, als gerade zwei Lastautos, in denen auch sechsStierefürdieStier- ?,£ m ” Almeria transportiert wurden, über die Drucke fuhren. Beide Lastautos stürzten Bieter Höhe in den dort sehr tiefen Fluß. ®rei Personen wurden getötet, mehrere andere verletzt.
Eine kostbare Dürersammlung in Oesterreich entdeckt.
Der Kustos der Wiener Albertina, Heinrich *-et> ormi, soll gelegentlich einer Inventavi-, letung auf einem österreichischen Landgut eine ungewöhnlich reichhaltig-
Reichskanzler a. D. Michaelis, General der Infanterie a. D. von Kuhl und Oberpräsident m r»?innt9 finb Sur Konservativen -Volkspartei übergetreten.
Oie Aenderung des Reichswahlgesetzes.
Erste Ansätze zur Parlamentsrcform.
Berlin, 20. Aug. (WTB.) Das Reichskabinett verabschiedete in seiner heutigen Sitzung unter Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning tan von dem Reichsinnenminister Dr. Wirth vorgelegten Entwurf eines Reichswahl- gefehes, der nunmehr dem Reichsrat zugeleitek werden wird.
Der Entwurf geht davon aus, die besonderen Mängel des geltenden Wahlrechtes, die großen Wahlkreise und die langen Ci ff en, und die dadurch hervorgerufene Entpersönlichung und Mechanisierung der Wahl zu beheben. Der Wähler soll wieder unmittelbar an die Reichs- willensbildung herangebracht, der Gedanke der Verbundenheit des Abgeordneten mit einem Wahlkreise und die parteipolitische Konzentration gefördert werden. Zur Erreichung dieser Ziele sieht der Entwurf eine wesentliche Verkleinerung der Wahlkreise, die Beseitigung der Reichsliste und den Wegfall des amtlichen Stimmzettels vor. Es werden 162 Wahlkreise gebildet, die zu 31 Verbänden, diese zu 12 Ländergruppen zusammengefaßt sind. Die Verteilungszahl, auf die ein Abgeordneter entfällt, beträgt 70 000. Einreinen Persönlichkeiten wird durch das neue Wahlgesetz der Weg zum Parlament wieder eröffnet. Der Einreichung von Wahlvorschlägen bedarf es nicht mehr. Innerhalb der Parteien, die Sitze in den verbänden erhalten haben, wird ein verhältnismäßiger Ausgleich in den Ländergruppen vorgenommen. Schon durch den Wegfall der Reichsliste wird eine Vermindern ngderZahlder Abgeordneten erreicht. Diese verstärkt sich durch die in Aussicht genommene Verteilungszahl von 70000. Der Entwurf sieht bewußt von „verfassungsändernden Regelungen“ ab, um die vom deutschen Volke geforderte Wahlreform in Gang zu sehen.
Oie Schaffung eines Reichsverwaltungsgerichts. Umorganifation des Staatsgerichlshofs.


