Giacomo und der Wunderhund.
Äon Manfred Sturmann.
Giacomo schlenderte an einem glutheißen Sorn- mertag die Diaduorno hinunter, gefolgt von seinem Hunde Fidus, der seine -Zunge lechzend heraushängen ließ und mit traurigen Augen das staubige Pflaster nach etwas Eßbarem absuchte.
Die Hitze war ein Alp auf allem Lebendigen, drang beim Atmen wie ein brennender Wind in den Schlund und legte sich lahmend um die Glieder. Giacomo hatte seine bleiernen Deine glücklich bis zur Piazza duomo geschleppt. Er fiel wie ein Sack auf den ausgedörrten, von Staub zerfressenen Rasen. Der gute Fidus, der die Hosf- nung auf einen eßbaren Fund schon aufgegeoen zu haben schien, rollte sich ihm zur Seite wie ein 2gel zusammen und blinzelte zu ihm hinauf.
Giacomo war ein armer Teufel und hatte einen seltsamen Beruf: er war Bauchredner. Da er an Asthma litt, und da das lange Aufsitzen in rauchigen Lokalen stets mit einem furchtbaren Erstickungsanfall endete, verdiente er nichts: seine Lage war bejammernswert, und hatte nicht seine Wirtin, die alte Luise, ein gutes Herz gehabt, so wäre er längst in irgendeinem Armenhaus verkommen. -Zuweilen zeigte er seine Kunst auf der Straße und sammelte ein paar armselige Münzen, die ihm die spärlichen Fremden zuwarfen.
Sein einziger Freund war Fidus, dieser sanfte, wollige Gefährte seiner Armut. Ihm schüttete er sein Herz aus. Es war seine Gewohnheit, mit ihm zu sprechen, und ihm die Antwort mit Hilfe seiner abenteuerlichen Fertigkeit anzuzau- oern. So auch jetzt.
„Wir haben noch nichts gegessen, mein Alter". Hub Giacomo an. „Hast du Hunger?"
„Mein Maaen knurrt wie der bösartige Wolfshund des Obsthändlers an der Ponte sacra. Tun wir etwas dagegen! Auch du, Herr, siehst nicht wie ein Satter aus."
„Was möchtest du essen? Wonach verlangt dein aufsässiger Magen, erhabener Freund?"
„Run^ ein Burgunderbraten oder gesottene Würste wären nach meinem Geschmack", antwortete der Hund und sah seinen Herrn mit klugen Augen an. „Wir könnten einen prickelnden Asti dazu trinken."
„Wer soll das aber für uns bezahlen?"
„Ich bin der einzige sprechende Hund, Herr — lasse die Welt von diesem Geheimnis wissen. Och werde mit dir durch die Länder reisen.
Wir können das Geld auf leichte Art verdienen. Wir sprechen einfach wie jetzt — und du bist ein reicher Mann."
Giacomo hatte nicht bemerkt, daß jemand hinter ihm stand und dieses seltsame Gespräch belauscht hatte. Es war ein Amerikaner in Sportmütze und kariertem Touristenanzug, einer von jenen, die mit Photo und Bädeker gewissenhaft den Süden bereisen und keinen Ort auslassen, nicht einmal den kleinen, abgelegenen, in dem sich diese Geschichte zutrug.
Der Amerikaner klopfte mit seinem Spazierstock an Giacomos Arm. Fidus sprang auf, knurrte und sagte zu dem Fremden:
„Was wollen Sie von meinem Herrn? Tun Sie den Stock da fort, oder ich beiße Sie!"
Der Amerikaner starrte den Hund an, nahm die Pfeife aus dem Mund und spuckte mit großer Geschicklichkeit in einem weiten Bogen über die beiden hinweg. Vielleicht sträubten sich ihm auch die Haare unter der Sportmütze. Gr gewann aber sofort seine Kühle wieder, warf Stock, Photo und Bädeker auf den Rasen und setzte sich unaufgefordert neben Giacomo.
„Verkaufen Sie mir diesen Hund. Ich werde gut, ich werde sehr gut zahlen", versicherte er in einem löcherigen Italienisch.
„Wo werde ich diesen Hund verkaufen!" rief Giacomo entsetzt, und nannte seine sämtlichen Schutzheiligen als Zeugen, daß er sich von Fidus niemals trennen würde.
„Es gibt doch Hunde genug — warum will er mich gerade?", mischte sich plötzlich der Hund ein. „Er hat sich noch nicht einmal vorgestellt!"
Dem Amerikaner traten die Augen aus dem Kopf. Sein Gesicht lief rot an. Er rang nach Fassung. Wie in einem Fieber wiederholte er seinen Antrag, nannte Zahlen, hundert, zweihundert Dollar.
Giacomo kniff listig die Augen zusammen und schüttelte den Kopf.
Als das Angebot des Amerikaners fünfhundert Dollar erreicht hatte, begann es Giacomo in Erwägung zu ziehen. Sie erhoben sich schließlich und gingen laut feilschend dem Marktplatz zu. Auch Giacomo fieberte, die Summe, die ihm genannt wurde und stetig wuchs, brachte ihn schier um den Verstand. Er machte schon Pläne: er könnte der alten Luisa alle seine Schulden bezahlen und dann sein Leben im Nichts tun beschließen. Er könnte den ganzen Tag den Himmel anschauen und das Geld in den Laschen klimpern lassen.
Schließlich wurde er von dem Amerikaner inL Hotel eingeladen. Sie saßen in einem behaglichen
Zimmer hinter sorgfältig verschlossenen Türen. Giacomo erhielt ein auted Mittagessen, Fidus schmatzte unter dem Tisch und schien nicht zu begreifen, warum es ihm plötzlich so gut ging. Der Amerikaner ließ Wein bringen. Das Angebot hatte schon tausend Dollar erreicht.
Der Amerikaner holte einen Dogen Papier und setzte mit einem dicken Füllfederhalter einen Vertrag auf, des Inhaltes, daß Giacomo dem Fleischhändler Allan George aus Doston den sprechenden Hund Fidus um die Kaufsumme von eintausend Dollar verkaufe, und daß etwaige spätere Ansprüche an den Käufer damit ausgeschlossen wären.
Giacomo ließ sich Wein durch die Kehle rinnen, tätschelte wehmütig das Fell des Hundes und spürte nach Jahren wieder das glückliche Gefühl, sich restlos sattgegessen zu haben. Seine listigen Aeuglein lachten und sein Hirn spann tausend bunte Pläne. Ja. er war ein Hundsfott, wenn er Fidus fortgab — aber tat er sich und ihm nicht einen Gefallen damit?
Er nahm einen großen Schluck, wischte sich mit dem Handrücken über den Mund und ließ sich von dem Amerikaner den Halter in die Hand drücken. Er schrieb mit seiner kritzligen Schrift seinen Ramen unter den Kaufvertrag und hielt in den Fingern zehn Hundertdollar- nvten. Der Amerikaner schüttelte ihm die Hände, daß sie schmerzten, begleitete ihn zur Tür. um ihn möglichst bald los zu fein.
Fidus wollte sich ihm nachdrängen, wurde aber von Giacomo in das Zimmer zurückgewiesen. Der Hund trottete mit hängenden Ohren und traurigen Augen zurück und setzte sich verzagt auf den Teppich.
Giacomo aber war ein Schalk: In diesem Augenblick sagte der Hund mit strenger Stimme:
„Du hast mich verschachert. Zur Strafe schwöre ich bei allem, was uns Hunden heilig ist, daß ich von nun ab nicht mehr sprechen, sondern so stumm sein werde, wie alle anderen Hunde."
Giacomo hatte es eilig. 2m Ru war er davon.
Hochschulnachnchten.
Professor Dr. Wilhelm Müller, der hervorragende R o st o ck e r Chirurg, begeht am 22. Juni seinen 7 5. Geburtstag. Zunächst als Assistent am Göttinger Pathologischen Institut tätig, kam er später an die dortige Medizinische Klinik und 1881 an die Chirurgische Klinik unter König. 1884 habilitierte sich Müller in Göttingen, kam später als Oberarzt der Chirurgischen Abteilung
weniger eine Versammlung von Prominenten und Würdenträgern und mehr noch eine Vertretung des evangelischen christlichen Volk es werden möge. Das ist der Weg. der uns zum Ziel der D o l k s k i r ch e führt.
noch einen zweiten Wunsch, den wir für unseren Kiixhentag haben, nämlich, daß in ihm mehr noch als bisher die schlichten Christen aus unserm Gemeindeleben ihre Vertretung finden und zu Worte kommen, daß er
A. 1 -----
poincare, Briand und Tardieu.
Zuverlässigkeit/ Genie und junge Generation.
Äon Oc. F itz Men.
Frankreich ist heute nicht zu denken ohne die Gestalten Raymond Poincares und Aristide B r i a n d s. Aehnlich ihr Entwicklungsgang, vielfach gemeinsam ihr Lebensweg, verschieden ihre Ratur und ihr Charakter, verschieden insbesondere in der Rächkriegspolitik, um es so auszudrücken, die Instrumentierung ihrer Handlungen, gemeinsam schließlich wieder den beiden Staatsmännern die restlose Hingabe an bas Interesse ihres Vaterlandes.
Deide Männer gehören innerpolitisch nach links, wenn auch nicht im deutschen Sinne. D r i a n d selbst hat sich, wie etwa auch Mille- r a n d, vom Sozialdemokraten zu einem sog. Linksrepublikaner entwickelt, der zwar z. D. an der Schaffung des Gesetzes zur Trennung von Kirche und Staat als Generalberichterstatter der Kammer hervorragenden Anteil nahm, aber in außenpolitischen Fragen nach unserer Terminologie als Mann der rechten Mitte angesprochen werden muß. Poincare vollends, der in weltanschaulicher Beziehung gleichfalls mit dem Anti- klerikalismus sympathisiert, würde, wenn er ein deutscher Politiker wäre, wohl als außerordentlich stark rechts stehend bezeichnet werden. Auf beide Männer läßt sich das Wort anwenden, das Dr. Eugen Fischer in der Vorrede zu den deutschen Ausgabe der Memoiren Poincares geschrieben hat: „Sie haben die Bahn des Hochbegabten durchlaufen, der zielbewuht auf die öffentlichen Aemter und Ehren losschreitet." Von Poincare wird überdies berichtet, daß er schon während seiner Schuljahre „in der Hoffnung, die verlorenen Provinzen wiederzugewinnen, den einzigen Daseinszweck seiner Generation gesehen" hat.
Poincares Rame ist, und hier muß nun Die Beurteilung notwendig auseinandergehen, für uns Deutsche mit drei großen und weltbewegenden Ereignissen verknüpft. Er gehört mit Iswolski zu zu den Männern, die am Weltkriege hauptverantwortlich sind. Der ehrwürdige Geschichtsforscher Geheimrat Professor Hans Delbrück hat gerade nach dieser Richtung hin kurz vor seinem Tode an Herrn Poincare in der Öffentlichkeit einige grundlegende Fragen gerichtet, die sich bei der Lektüre seiner Memoiren aufdrängten. Diese Fragen sind bisher unbeantwortet geblieben, und es kann nicht verwundern, daß Daraus Schlüsse gezogen werden, die das Ergebnis der unparteiischen Kriegsschuldforschung ebenso bestätigen, wie die überwiegende Ansicht der öffentlichen Meinung in Deutschland ohne Unterschied Der Parteien.
Wir gewinnen nichts für unsere Ration, wenn wir Die Größe und Gefährlichkeit eines Gegen- stzielers, wie Poincare, verkleinern. In Fran- zosisch-Lothringen geboren, hat er mit einer Wil- lsiskraft, Zähigkeit und Anspruchslosigkeit seiner selbstgestellten Aufgabe gelebt, die Bewunderung herausfordern. Sein Talent ist in erster Linie rechnerisch und advokatorisch. Oft genug hat er Den Beweis dafür erbracht, daß er die Weltgeschichte sozusagen wie einen Zivilprozeß betrachtet. Die Begründung des Ruhreinbruchs mit dem Fehlen einiger Telearaphenstangen in der deutschen Sachlieferung ist hierfür ein unvergeßlicher Vorgang. Poincare ist ein Bürokrat von höchsten Graden, der seine Akten kennt und jederzeit parat hat, ein fanatischer Verkünden dessen, was ihm als sogenanntes Recht erscheint. Erinnern wir uns an seine Sonntags-
•) Aus „Dreizehn Männer", Haseatische Verlagsanstalt in Hamburg.
predigten in Der Ruhrzeit, deren Grundton immer wieder war. Deutschland juristisch ins älnrecht zu sehen. Aber man wird ihm, glaube ich, nicht gerecht, wenn man ihn bloß als kleinliche Düro- kratenseele verketzert. Dafür sind seine staatsmännischen Leistungen auf außenpolitischem und finanzpolitischem Gebiete zu groß, dafür ist das Ansehen, das er in seinem Lande genießt, zu uneingeschränkt. Man liebt ihn nicht in Frankreich, ja man haßt ihn vielfach. Aber man achtet ihn. Poincare war im letzten Jahrzehnt Deutschlands gefährlichster Partner.
Ein witziger Franzose hat bekanntlich den Urt- terschied zwischen Driand und Poincare so formuliert: Poincare weiß alles und versteht nichts, Driand weiß nichts und versteht alles. Er wollte den Gegensatz zwischen Dem Arbeits- und Pflichtmenschen Poincare "und dem politischen Dohemien Driand kennzeichnen, desien fabelhafte Auffassungsgabe ihm ermöglicht, auch über die schwierigste Materie, die er sachlich ganz und gar nicht beherrscht, mit Glück zu verhandeln. Es ist über den Linterschied im Cyarakter und in der Eigenart der beiden Männer unendlich viel geschrieben worden. Was Driand betrifft, so steht Jein Dild in der Geschichte fest, unb ich glaube nicht, daß jemand es treffender gezeichnet hat als eben Poincare selbst in seinen Memoiren. „Schon im Jahre 1912“, so schreibt der damalige Ministerpräsident Frankreichs, „war Driand im vollen Sinne und in der ganzen Anmut des Wortes der .Plauderer', wre er es 13 Jahre später in der Deputiertenkammer nennen sollte. Immer wieder bewunderte ich seinen Scharfblick, sein Feingefühl, seinen etwas katzenhaften Charme, der mich an meinen siamesischen Liebling, .den träumerischen Prinzen der Dücherstadsi, gemahnte. Dei keinem Menschen habe ich die gleiche Gabe des Destrickens gesehen wie bei ihm."
Das ist in der Tat eine vorzügliche Charakteristik. Briands Tätigkeit vor dem Kriege (Einführung der dreijährigen Dienstzeit) und im Kriege verblaßt gegenüber seinem späteren Her- vortreten. Während Poincare niemals in Genf war, ist Driand vielleicht Die populärste Gestalt des Völkerbundes. Wer ihn dort hat sprechen Horen, wird immer neu den Eindruck einer verführerischen Rednergabe festgestellt haben, der sich auch der Allerskeptifchste schwer entziehen kann. Mit seiner wohllautenden, tiefen und ungewöhnlich modulationsfähigen Daritonstimme gestaltet er seinen Vortrag. Poincare trägt meist ein Manuskript vor, an das er sich gewissenhaft hält. Driand macht sich nicht eirahal Rotizen, was natürlich nicht besagen soll, er überlege sich nicht ganz genau, worauf er hinaus will. Aus der Empfindung des Augenblicks läßt er ein rednerisches Kunstwerk erstehen, das die Zuhörer in seinen Dann schlägt. Er beginnt mit leiser Stimme und humorvollen Wendungen an irgendein vielleicht ganz belangloses Ereignis oder an eine Bemerkung eines Vorredners anknüpfend. Ein Brillantfeuerwerk sarkastischer und ironischer Bonmots wird abgebrannt. Eine wohlwollende und behagliche Stimmung verbreitet sich unter den Zuhörern, die immer mehr dem musikalischen Zauber des schönen Organs verfallen. Dann kommen die geistsprühenden Vergleiche, die rhetorischen Steigerungen, die Häufung der berauschenden Phrasen, die ja nicht nur in Romanen wirken. Llnvergehlich jene Rede beim Eintritt Deutschlands in den Völkerbund am 10. September 1926 mit ihrem Höhepunkt, dem wie Paukenschlag herausgeschmetterten: „Weg die Ge
wehre, die Mitrailleusen, weg die Kanonen, Platz für die Versöhnung, für das Schiedsgericht und für den Frieden!" Briand ging auf dem Podium auf und ab und riß sich selbst zu immer stürmischeren Bekenntnissen friedlicher Gesinnung und der Verherrlichung des Verständigungsgedankens fort. Ein Orkan des Beifalls brauste los, und ich sehe noch den Delegierten Kanadas, einen alten Mann, mit Tränen in den Augen, in tiefer, echter Ergriffenheit vor mir, der am Schluß der Rede wie elektrisiert auf sprang und überwältigt „Frieden — Frieden" rief.
Hört man aber den Herrn französischen Außenminister öfters sprechen, lernt man ihn als Politiker und als Redner näher kennen, liest man nach einer solchen fulminanten Rede auf dem erbarmungslosen Druckpapier, w a s er nun eigentlich gesagt hat, bann muh häufig Erstaunen und Enttäuschung Platz greifen. So bezaubernd die Rede schien, so begeisternd und hinreißend der Vortrag — so inhaltslos ist sie, so unverbindlich, so ausweichend oder ganz und gar nichtssagend. Daß ihm freilich auch andere Register zur Verfügung stehen, das hat er auf der Völkerbundstagung im September 1928 bewiesen, als er Deutschland in einer schulmeisterlichen Weise abkanzelte, die den Großsiegelbewahrer des Friedens, der er doch sein will, in einem äußerst seltsamen Lichte erscheinen lieh. Aber Briands politische und persönliche Wirkung in Genf ist unbeschreiblich groß, und wenn wir wissen, wie z. D. der frühere englische Außenminister Sir Austen Chamberlain geradezu in ihn verliebt war, bann können wir ermessen, welche Erfolge er in biesem Milieu für sein Land zu erzielen vermag. In Frankreich selbst gilt er als Meister bet parlamentarischen Konjektur. Wenn ber Karren vollstänbig verfahren ist, wirb Drianb herangeholt, um ihn herauszuziehen. Von ihm selbst stammt bas Wort, bie größte Kunst bestehe nicht barin, Minister zu werben, sonbern rechtzeitig zu bemissionieren, bannt man es bald wieber werben könne.
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Seit der zweiten Haager Konferenz ist nun e i n dritter Mann in die vorderste Reihe der Staatsmänner Frankreichs getreten: Andr 6 Tardieu. Zu ihrer Eröffnungssitzung trafen in . dem Saal ber Zweiten Kammer die verschiedenen Delegierten in zwangloser Folge ein. Die Franzosen dagegen in einem gewissen feierlichen Aufzug. Voran' Tardieu mit einem roten Aktendeckel in der Hand, dann Briand, Chörvn, Lou» cheur. „Dem Range nach." Ein ungewöhnliches
und um so amüsanteres Dild, als man sich lebhaft vorstellen kann, wie mörderisch sich Briand darüber lustig gemacht haben mag, insofern es sich wirklich um eine Absicht handelte. Vielleicht war das aber gar nicht ber Fall — bann wäre ber Vorgang noch charakteristischer. Vielleicht ergab sich ber ein wenig subalterne Aufzug von selbst, unb niemanb dachte sich etwas Besonderes habet Der Ministerpräsident geht selbstverständlich voran. — Vor ber Abreise ber französischen Delegation aus Paris veröffentlichte bas Blatt bes Generalstabs eine bissige Karikatur. In einem Fenster bes Salonwagens lehnt breit, lachenb, entspannt, ber Ministerpräsibent unb schmaucht behaglich eine Zigarette. Zwei Gepäckträger schieben den als Paket zusammengeschnürten Brianb in einen Güterwagen. Der eine von ihnen sagt: „Beinahe hätten wir ben ba vergessen!" * —
Run, Herr Tarbieu ist von gänzlich an* berem Kaliber, als Briand unb Poincare. Unter bem Vorbehalt, baß er am Anfang seiner staatsmännischen Wirksamkeit steht, bie er freilich gleich mit einer außerorbentlichen Gelegenheit beginnen konnte, nämlich mit ber sogenannten ©efamtliquibierung bes Krieges, muß man wohl in ihm einen neuen Typ auf ber europäischen Bühne sehen. Tarbieu verkörpert Poincare unb Brianb gegenüber mit seinen 53 Jahren bie junge Generation. Vollkommen unverbraucht, auf ber Höhe ber Manneskraft, eine beherrschte unb überlegte Energie, ein straffer Geist, ein biszipliniertes Gehirn. Er galt seit Jahren als Frankreichs kommenber Mann, unb er hat bas seit Jahren gewußt. Seine politische Arbeit war bie ziel- bewußte Vorbereitung ber staatmännischen Laufbahn. Als publizistischer Helfer ber französischen Cinkreisungspolitik hat er mit Auszeichnung begonnen. Seine Vorkriegsartikel im „Temps" sind belanglos für bie kritische Beurteilung des Ministerpräsidenten von heute, nicht belanglos für die Würdigung seines Talentes. Während des Krieges selbst hat er für bie Sache ber Feinde Deutschlands, vor allem in ben Vereinigten Staaten, mit glänzendem Erfolg gewirkt. In Versailles tritt er Cie menc eau zur Seite, und wenn in jener Mantelnote zum Diktat von Versailles vom 16. Juni 1919, deren Lektüre bem Deutschen auch heute noch bas Blut in bas Gesicht treibt, von Deutschlanbs und Preußens „Leidenschaft für die Tyrannei" gesprochen wird, so erkennen wir an diesen Passagen bie Feder Tarbieus: sie ist in biesem von kaltblütigem Demichtungswillen biktierten Dokument von ver
Ein panemopäisches SttomvechiMgspkojekt.
®Vs/o
^Kopenhagens
Rostow
Bordeaux,
'®ße/grac
Lissabon
.S Madrid -
Nach dem Projekt des GemDirekfors 0/iven. •
PaneuropäiSches Großkraft-Netz
• ■— Strecke Paris-Lissabon
■d ■ Gsto -Rom
...... r Warschau-ßetgrad
■ - Pans-Ratibor
xxx xxx " Bordeaux-Rostow
tpPPSP west europäische Zeit
' mitteJeuropäische Zeit osteuropäische Zeit
Aus der Weltkraftkonferenz erregte besonderes Aussehen das europäische Stromnetzprojekt des General- birektors Oliven vom Gesfürel-Loewe-Konzern. Unsere Darstellung veranschaulicht die Führung der Großkrastlinien, deren besonderer Vorteil die Ausnutzung der Unterschiede zwischen west-, mittel- und osteuropäischer Zeit ist. Das gigantische Projekt, bas eine Stromversorgung ganz Europas vorsieht, rechnet mit einer Spannung von 400 000 Volt und Anlagekosten in Höhe von 2 Milliarden Mark.
des Luisen-Hospitals nach Aachen unb erhielt 1900 ben Titel Professor. Michaelis 1901 würbe Müller Orbinarius ber Chirurgie in Rostock. — Der orbentliche Professor für römisches unb bürgerliches Recht an ber Universität Berlin, Geh. Iustizrat Dr. Theobor Kipp, ist zum 1. Oktober 1930 von den amtlichen Verpflichtungen entbunden worden. — Der italienische Historiker Guglielmo Ferrero ist zum ordentlichen Professor für zeitgenössische Geschichte an der üHycr- sität Genf berufen worden.
Romane der Schönheiis Chirurgie.
Die Gattin eines Schanghaier Arztes hat eine Strecke von 20000 km zurückgelegt, um sich in London einer Operation zur Entfernung ihrer Runzeln im Gesicht zu unterziehen. Das ist gewiß ein starker Beweis von bem weiblichen Glauben an bie Macht ber Schönheit unb von ber ben Frauen innewoh» nenben Fähigkeit zur Erlangung bieses Zieles. Der bekannte englische Schönheits-Chirurg C.H. Willi erzählte, baß bie Dame ihrem Gatten nichts von dem Zweck ihrer langen Reife mitgeteilt hatte und daß sie ihm eine prächtige Überraschung bereiten werbe, wenn sie nun um „20 Jahre jünger“ zu ihm zu- rückkehre. Er ist der Ansicht, baß es in 50 Jahren leine alten Gesichter mehr geben wird, sondern daß man sich allgemein einer solchen Operation unterziehen wird. Er erzählte auch noch einige andere solcher Romane ber Schönheits-Chirurgie. Ein inbischer Maharabschah war unter seinem Volk wegen seiner ehrfurchtgebietenben Züge berühmt. Als nun mit bem Alter bie Runzeln tarnen, verlor sein Gesicht viel von seiner Majestät, und er fühlte, bah seine Untertanen bas Vertrauen zu ihm verloren. Kurz entschloßen reifte er nach London unb ließ sich hier bie Runzeln entfernen, so bah ber 60 jährige mit bem Aussehen eines blühenden Dreißigers nach Hause zurückkehrte. Roch romantischer ist die Geschichte eines Herrn, ber vor 25 Jahren nach Indien gegangen war und dort viel Geld gemacht hatte. In höherem Alter kehrte er nach England zurück mit ber stillen Hoffnung, nun bie Dame zu heiraten, die er früher geliebt hatte. Aber er wagte es nicht, sich seiner Auserwählten, bie noch bas Bilb ihres jungen Verehrers in ber Seele trug, mit ben Spuren bes Alters in seinen Zügen zu nahen. Daher ließ er sich erst bie Runzeln entfernen unb würbe bann freudig ausgenommen. Die Heirat fand statt, aber ber glückliche Ehemann ahnte nicht, baß sich eine Woche vor ihm seine Braut ebenfalls bei dem Chirurgen halte operieren lasten, da auch sie fürchtete, ihren Verehrer ohne diese Maßnahme grausam zu enttäusche».
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