Ausgabe 
21.5.1930
 
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Konflanze.

Roman von Karl Heinz Voigt.

Urheber-Rechtsschutz Verlag Oskar Meister, Werdau.

17. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

6m Freund."

»Ein Freund, der gedemütigt wird, indem er zusehen darf, wie du einem anderen deine Gunst schenkst."

Sie zuckte die Achseln. Der Kimono verschob sich. Ihre weihe Schulter blitzte aus der violetten Seide hervor.

»Wenn du das meinst, ist dir nicht zu helfen", sagte sie und verbrach ein Stückchen süßes Ge­bäck. Sie sah ihn nicht an. Sie wußte, daß sein Blick jetzt erschreckend sein würde.

So seid ihr Frauen", sagte er bitter.Erst konntest du dich nicht von mir trennen und nun ..

»Ich?" unterbrach sie ihn.Es war wohl um­gekehrt, Ludwig Warburg", lachte sie spöttisch.

Ich habe dich liebgehabt. Nun kommt dieser Mann und stiehlt dich mir."

3d> hätte dich nie geheiratet."

»Wird er dich heiraten, wie?" Er wartete ihre Antwort nicht ab.Eine Frau kann ich ihm nicht nehmen, so wie er dich mir gestohlen hat. Aber anderes kann ich ihm nehmen. O, ich werde ihn arm machen. er soll betteln kommen."

»Du bist schlecht!" Ihr Auge glühte. Sie ver­achtete ihn maßlos.

Ich kann einem Manne nicht die Hände ab­lecken, der mich bestohlen hat", rief er gehässig und ohne jede Beherrschung.

Ich verachte dich!"

»Schüre die Flamme des Hasses nur noch mehr.

Das kann mir nur nützen."

Er ist von Sinnen", dachte Julia.

Da läutete das Telephon. Julia erhob sich gleichgültig, tänzelte zum Schreibtisch und rief in den Apparat:

Hallo! Wer? Herr Warburg ist hier", sagte sie enttäuscht.

Schon stand Ludwig neben ihr.

Hier Warburg. Ja! Guten Tag!" Wo weiß der alte Gauner Miergerinsky her, daß ich hier bin, dachte er, indem er weiter in den Apparat sprach.

»Ich habe eine dringende Besprechung", sagte er schließlich nach Beendigung des Gesprächs mit schuldbewußter Höflichkeit zu Julia.Du ent- läßt mich also gnädigst? Außerdem wartet wohl dein Bad." Er zog spöttisch die Mundwin­kel herunter,und die Bolle ... und was weiß ich, wer sonst noch alles wartet."

Grüße Lilly von dem Hofe", sagte sie leichthin, ohne auf seinen Ton einzugehen.

Wie kommst du darauf?" fragte er miß­trauisch.

Ich nehme an, sie ist jetzt deine Freundin. Sie beneidete mich doch stets um dich."

Er antwortete nicht. Er schien plötzlich Eile zu haben, von hier fortzukommen.

Als er ihr die Hand zum Abschied küßte, em- fand Julia, daß dieser Handkuß eine Lüge war.

Er ist auch feige", dachte sie,denn jede Lüge ist Feigheit."---

Ludwig Warburg strebte eilig einem Stadt­viertel zu, in dem ein anständiger Mensch nicht gern einen Bekannten trifft. Hier roch es nach Armut, Schmutz und Verbrechen.

Warburg trat in eine kleine Kneipe, die an­gefüllt war von dem Bauch schlechter Zigarren, Bierdunst und dem Lachen und Durcheinander­reden vieler Männerstimmen.

Er brauchte nicht lange zu suchen. In einer Ecke saß Miergerinsky, der Häusermakler, vor einem leeren Schnapsglas.

Lieber Miergerinskys mickriges Gesicht huschte ein Schein der Freude, als er Warburg erblickte.

Woher wußten Sie in aller Welt, daß ich bei der Koromitzky war?"

Habe mir gedacht, Herr Warburg. Wo sollten Sie sein, sagen Sie an!

Sie haben eine beängstigende Spürnase, alter Freund", rief der andere belustigt und ließ sich an dem Tisch nieder. Nachdem er sich einen Schnaps bestellt, fragte er schnell:

Wie ist das nun mit der Glasfabrik, he?"

Alles in Ordnung! Anton Fischer & Co. ver­kaufen."

Was verlangen sie für die Fabrik?"

Dreihunderttausend Mark."

Warburg pfiff durch die Zähne.

Das ist ja unverschämt, Miergerinsky. Da verdienen Sie ja wieder eine Stange Gold dabei."

Was wollen Sie? Ich bin ein reeler Mann. Ich bekomme meine Prozente und da­mit Punktum."

Warburg sah ihn zweifelnd an.

Fischer & Co. werden mit sich handeln lassen."

Ausgeschlossen!" rief der Makler und streckte die Innenflächen seiner groben roten Hände, die nicht ganz sauber waren, abwehrend gegen Warburg aus.

Also wieviel Prozente Provision räumen Sie mir ein?"

Wie gewöhnlich!"

Zehn Prozent? Da ist nichts zu machen, Verehrtester." Warburg schüttelte energisch den Kopf.

Was wollen Sie eigentlich? Es ist ein glattes Geschäft."

Der Kunde, den ich Ihnen bringe, zahlt bar, mein Lieber."

Der andere hob den Kopf, als lauschte er einer süßen Musik.

Nun was verlangen Sie?" fragte Mierge­rinsky mit zuckenden Nüstern.

Vierzig Prozent Provisionsbeteiligung."

Sind Sie verrückt geworden?" Er rückte ent­setzt ein Stück mit seinem Stuhle von Warburg fort und schielte ihn an.

Wir wollen ehrlich sein", sagte Warburg mit nachsichtigem Lächeln.Anton Fischer & Co. be­kommen von keinem Könige der Welt dreihun­derttausend Mark."

01 machte der andere und wollte noch mehr sagen, als Ludwig Warburg schon fortfuhr: Beden Sie nichts, Teuerster, reden Sie erst, wenn ich zu Ende bin, meinetwegen. Don keinem Könige, sage ich Ihnen, bekommen Fischer und Genossen die verlangte Summe. Der Kunde, den ich Ihnen aber bringe, wird das zahlen, wenn er kauft."

Sie schwiegen eine Zeitlang. Ludwig Warburg stürzte seinen Schnaps hinter und bestellte sich ein neues Glas. Er trank sehr viel.

Sie sind unbescheiden! Mit dreißig Prozent könnten Sie sich begnügen."

Aber Sie wissen doch, daß ich nicht mit mir handeln lasse. Wenn Sie nicht wollen, wird mein Kunde einfach ein anderes Werk erstehen."

Wird er?" fragte Miergerinsky leise und be­leckte seine herabhängende Unterlippe mit der Zunge.

Er wird, seien Sie unbesorgt! Ich kann Ihnen nur sagen. Sie lassen sich ein brillantes Geschäft entgehen."

Der Makler rechnete still vor sich hin, kratzte sich den mit einer dicken Schuppenschicht besetz­ten Kopf, so daß Ludwig Warburg rasch sein Schnapsglas in Sicherheit brachte. Miergerinsky fragte:Ist er aus der Branche?"

Nein! Das ist er nicht", rief Warburg lachend und bestellte noch ein Glas.

Wann könnten wir das Geschäft machen?" fragte der Häuseragent und rieb mit dem Zeige­finger gegen den Daumen. Diese Angewohnheit hatte er an sich. Es sah aus, als zähle er dauernd Papiergeld auf.

Sie müssen mir noch ein paar Tage Zeit lassen."

Wie heißt ein paar Tage?"

Das kann ich nicht genau sagen, vielleicht auch zwei Wochen."

Lange Zeit! Ich wollte morgen schon ver­kaufen. Sind viel Interessenten da!"

Renommieren Sie doch nicht, Miergerinsky. Wenn sie nicht wollen, dann lassen Sie es."

Ludwig Warburg zahlte und griff zum Hut.

Warum wollen Sie denn alles überstürzen. Liebster!?" rief der Agent in bittendem Tone. Sagen wir fünfunddreißig Prozent."

Leben Sie wohl!"

Ludwig Warburg war schon auf dem Wege zur Tür.

Vierzig!" rief der Makler mit weinerNchet? Stimme.

Sie sollen Ihren Willen haben."

Warburg kam langsam zurück.

Ich nötige Sie nicht, Verehrtester", sagt« er geringschätzig.

Nun setzen Sie sich noch einmal und wir wer­den machen das Geschäft."

Das Geschäft machen Sie, Verehrter Ich wiederhole Ihnen, kein Mensch auf diesem Erd­ball wird dreihunderttausend Mark für das Ob­jekt zahlen."

Die Fabrik geht prima."

Wollen Sie etwas Schriftliches haben?" frag­te Warburg. ,

Schreiben Sie was hin, es wird schon richtig sein."

Ludwig Warburg schrieb ein Jjaac Zeilen und hielt sie Miergerinsky vor das Glicht. Es sah aus, als wolle der das Blatt mit seiner mächti- gen Nase aufspietzen.

»Ist gemacht!" sagte schließlich der Makler und setzte seinen Namen unter die Zeilen.

Als Warburg draußen auf der übelriechenden Straße stand, hatte er nur den Wunsch, Lothar Emmerstorffs Unterschrift unter dem Kaufvertrag schon zu besitzen. Der Gedanke, daß Emmer­storffs Geld, das Geld, mit dem er ihm Julia, die rote Julia abgekauft, in seine Taschen fließen würde, erfüllte ihn mit hämischer Genugtuung.

Am nächsten Tage * hielt Lothars Auto vor Julias Wohnung.

Er trat mit lachenden Augen bei ihr ein.

OI Ich sehe, Sie sind schon fertig", rief er und betrachtete voller Freude das schöne Mädchen in dem hellgrauen Automantel.

Sie ging ihm lächelnd entgegen und markierte einen scherzhaften Knicks.

»Bin ich Ihnen schön genug, Herr Emmer- stvrff?" fragte sie, da sie sah, wie er sie prüfend betrachtete.

Es scheint mir, Sie werden immer schöner."

»Das vollbringt die Umgebung. Die Umgebung macht den Menschen, sehen Sie."

»Gefällt es Ihnen denn auch wirklich hier in dieser Wohnung? Haben Sie alles, was Sie wünschen? Sind Sie mit Natalie zufrieden? Wünschen Sie irgendwelche Bequemlichkeiten?"

Ich bin wunschlos. Sie hoffentlich auch!" Nein."

»Was haben Sie für Begierden?"

Jetzt wünsche ich mich beispielsweise von Ber­lin fort. Berlin ist eine brillante Stadt. Aber in dieser heißen Zeit ist sie eine glatte Unmög­lichkeit ... Ich habe eine prächtige Idee!" rief er plötzlich begeistert.Passen Sie auf, Fräulein Julia! Wir reisen fort. Wissen Sie wohin? Nach Miami Beach in Florida. Florida ist modern. Oder nach dem Lidostrand. Da müssen wir hin." (Fortsetzung folgt.)

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Mittwoch, den 4. Juni 1930 vormittags 10 Uhr

durch das unterzeichnete Gericht im Amts­gerichtsgebäude. Saal Nr. 2, versteigert werden.

Die Versteigerung erfolgt im Wege der Zwangsvollstreckung. Der Versteigerungs- vermerk ist am 1. April 1930 in das Grundbuch eingetragen worden.

Bad-Nauheim, den 19. Mai 1930.

Hessisches Amtsgericht.

Bezeichnung des Grundstücks: Grundbuch für Bad-Nauheim Band XIV, Blatt 547:

Ordn.-Nr. 6, Flur 1, Nr. 11, Kulturart und

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Auskunft an Interessenten erteilt Herr Rechtsanwalt und Notar Dr. Brücher in Bad-Nauheim.

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