Ausgabe 
21.3.1930
 
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nicht dauernd aus die exorbitante höhe von 10 Mark sehen wollen, sondern dah eine Be­stimmung getroffen wird, nach der diejenigen, die im Verhältnis von 1:2 inländischen Roggen zusammen mit eingesührter Gerste zu verwenden bereit sind, einen ermäßig- t e n Zoll, dessen höhe die Regierung fest­legt, geniesten sollen.

Dieses Verfahren wird den stärksten Anreiz zur Verfütterung inländischen Roggens geben. $n den letzten Monaten ist in steigendem Moste wieder Auslondmehl ein geführt worden, so dost eine Erhöhung der Mühlenschutzspanne um eine Reichsmark geboten und der Ring zum Schutze der Körner und der Kornerprodukle nunmehr völlig geschlossen ist. Minister Dietrich geht sodann auf die Zustände am Zucker markte ein. Der Höchstpreis für deutschen Zucker sei amtlich auf 21 bis 22,35 Mark per Zentner festgclegt. Der Zoll sei 12,50 Mark. Zur Zeit werde Auslandzucker mit 8,00 bis 8,50 Mark gehandelt, und es bestehe bereits Gefahr, dah wir zu dem deutschen Zucker, den wir im Ueberslust haben, noch ausländi­schen h i n z u b e k o m ni e n. Deswegen soll der Zollschutz erhöht werden. Der Richtpreis soll etwas gesenkt werden, so dah für den Konsumenten keine Belastung entsteht. Es sei kein Zweifel dar­über, dah mit dieser dritten gewaltigen Zollsteige­rung ein gefährlicher Weg begangen werde: aber es sei der einzige Weg, aus einer größeren Gefahr zu Helsen. Man wolle keine Dauerregelung, sondern eine Regelung bis zu dem Augenblicke, wo die ungeheure Ueberscywemmung, die über den gan­zen Getreideweltmarkt sich ergossen hat, abebbe. Das ganze deutsche Volk habe die Pflicht, zu­nächst die Dinge aufzubrauchen und zu verzehren, die ihm die heimische Erde liefert und dann erst ausländische Pro- dukte hereinzunehmen.

Lanoarbeitersievlunq

Berlin, 20. März. (WTB.) Der Reichstag hat den Gesetzentwurf über Zuschüsse aus Reichs Mitteln für die Ansiedlung von Landarbeitern in zweiter und dritter Lesung verabschiedet. Rach dem neuen Gesetz können Arbeitnehmer, die in DerLand- und For st Wirtschaft beschäftigt sind, und ländliche Handwerker, die der Land­wirtschaft dienen, Reichszuschüsse zu den Zins- und Tilgungszahlungen für erfte Hy­potheken erhalten, die sie bei der Begrün­dung eines kleinen landwirtschaftlichen Betrie­bes für die Erbauung des Wohngebäudes und des Stall- und Scheunenraumes, für den An­kauf einer angemessenen Landzulage und die Einrichtung des Betriebes aufnehmen müssen. Die Zuschüsse können für die Dauer von zehn Zähren gewährt werden und betragen in den ersten sechs Zähren je 5 v. H., in Den folgenden Zähren absteigend 4, 3. 2 und 1 v. H. des Hypothekendarlehens. Zins- und Tilgungs- Zahlungen in Höhe von wenigstens 4 v. H. des Darlehens im Zähre muh der Siedler selbst aufbringen. Das Gesetz beschränkt sich auf wenige grundlegende Bestimmungen und überläßt die Regelung der Einzelheiten einer Ausführungs­verordnung, die Der Reichsarbeitsminister mit Zustimmung des Reichsrats erläßt. Diese Ver­ordnung ist in kurzer Zeit zu erwarten.

Kampf um den Finanzausgleich.

Der Sonderzuschuß für leistungsschwache

Länder wird nm 10 Prozent gekürzt

Berlin, 20. März. (Vdz.) 2m Reichsrat wurde der Gesetzentwurf für älcbcrgangä- regclung des Finanzausgleichs ver­abschiedet. Diese älebergangsregelung stellt nur eine Zwischenlösung Dar, mit Der Den Ländern und Gemeinden über die besonderen Schwierig­keiten des Rechnungsjahres 1930 hinweggeholsen werden soll. Bon der preußischen Regierung wurde eine Aenderung des §35 des Finanzausgleichs dahin beantragt, daß den finanziell schwachen Ländern in Zukunft aus dem Auskommen aus der Ein­kommen und Körperschaftssteuer neben der nor­malen Lleberweisung nicht mehr weitere 25 Prozent, sondern nur noch 1 5 Pro­zent überwiese n werden. Dieser Antrag, gegen den sich die Vertreter Bayerns und der kleineren Länder in der Aussprache wandten, wurde mit 37 gegen 29 Stimmen angenom- m e n. Mit Der preußischen Regierung und sämt­lichen preußischen Provinzen stimmten Dafür Die Länder Dachsen, Hamburg, Bremen und Lübeck.

Rach der Annahme des preußischen Antrags gaben die Vertreter von Oldenburg und Mecklenburg-Schwerin scharfe P ro­te st erklärung en gegen den Reichsrats­beschluß ab. Mecklenburg-Schwerin erklärte, es sehe in diesem Beschluß eine Verletzung des Ar­tikels 8 der Reichsverfassung und werde des­wegen Klage beim Staatsgerichtshof erheben. Vor der Dchluhabstimmung erklärte der Vertreter Bayerns, er müsse das Gesetz ab- lehnen. weil Der Reichsrat Den Anträgen Bayerns in verschiedenen Punkten, vor allein hinsichtlich des Verteilungsschlüssels bei Der Bier- und Umsatzsteuer, nicht Rechnung getragen habe. Gegen die Vorlage erklärten sich auch die Vertreter von Thüringen, Mecklen­burg-Schwerin und Lippe. In der Schlußabstim­mung wurde der vorläufige Finanzausgleich mit 49 gegen 17 Stimmen angenommen. Dagegen stimmten Thüringen, Mecklenburg-Schwerin, Ol­denburg, Schaumburg-Lippe und Bayern.

Oie neuen Oberpräsidenten.

Berlin, 21. März. (ERB.) Der preußische Innenminister wird dem Staatsministerium für die drei in Preußen zur Zeit offenstehenden Ober­präsidien folgende Besetzung Vorschlägen: Pro­vinz Pommern: Oberpräsident der bisherige Regierungspräsident von Stettin v. Halfern (Deutsche Volkspartei), Regierungspräsident von Stettin Ministerialrat Är. Simons (Sozial­demokrat) vom preußischen 3nncnminifterium; Provinz H e s s e n - R a s s a u: Oberpräsident in Kassel Beigeordneter August Haas, Köln, (So- zialdemokrat): Provinz Sachsen: Oberpräsi- dent in Magdeburg Ministerialdirektor Dr. Falck (Demokrat), Regierungspräsident in Magdeburg Oberbürgermeister Weber, Halber­stadt (Sozialdemokrat). Die Ernennungen sollen in der Dienstagsitzung des preußischen Kabinetts beschlossen werden. Die Besetzung der übrigen offenen Regierungspräsidien dürfte noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Oie erste Ausreise derEuropa"

Start in Bremerhaven.

Der SchnelldampferEuropa" des Norddeutschen Lloyd trat am Mittwoch um 13 Uhr von Breinex- haven seine erste Reise nach Neuyork an. Die zweite Klasse, die Kajüte für Touristen und die dritte Klasse des Schiffes find ausverkauft. Die erste Klasse ist gut besetzt. Außer den fünf Sonderpassagierzü- gen des Norddeutschen Lloyd verkehrte von Berlin der Lloyd-Expreß mit vollbesetztem Schlafwagen auf direktem Wege über Bremen nach Bremerha- ven-Eolumbus'Pier. Der Start kennzeichnete sich wieder durch riesigen Verkehr in den Unlerweser- orten. Seit den frühen Morgenstunden kamen Autos um Autos hier an und fuhren zum Kaiser-Hafen, dichtbesetzt mit Leuten, die diesem Ereignis bei­wohnen wollten. Vor dem Eolumbus-Bahnhof stan­den unübersehbare Auwkolonnen, die, wie die Num- niernschilder verrieten, aus allen Gauen Deutschlands kamen. An Bord derEuropa" herrschte ein unbeschreibliches Leben, da die meisten Ausreisenden von ihrem Recht, Verwandte mit a n B o r d zu bringen, Gebrauch machten. Während­dessen hatten die großen Kräne auf der Columbus- Kaje mit erstaunlicher Schnelligkeit die unüberseh­bare Gepäckmenge der Passagiere bewältigt. Um 12.50 Uhr wurde der letzte Laufsteg eingezogen. Die Europa" ließ ihre geuxiltige Dampfpfeife ertönen. Die letzten Trossen wurden losgeworfen und um punkt 13 Uhr zogen die Achtern und vorn vorge­spannten Schlepper das Schiff von der Koje ab. Nach mehreren Minuten schon ging das Schiff mit eigener Kraft stromabwärts. Die Taufende an Land begleiteten diesen Vorgang mit begeisterten Hurra!- Rusen, Tücherschwenken und großem Zubel. A n Bord der(Europa" befinden sich neben Ver­tretern des Norddeutschen Lloyd, dem Präsidenten Heineken und den Generaldirektoren Stimming und Glaessel, der preußische Ministerpräsident D r. Braun, ferner der bremische B ü rgermeb ft er Dr. Dononbt. Auch zahlreiche bekannte Jn- dustrieführer machen die erste Reise mit, u. a. Krupp von Bohlen und Hallbach, Hantel, Klöckner, Silver- berg, Vögler, von der Danatbanf Zakob Gold­schmidt und eine Reihe von Pressevertretern.

Oer Empfang derEuropa" in England.

ßonbon, 20. März. (WTB.) Der neue DchnelldampferEuropa" desRorddeutschen Lloyd traf heute früh auf Der Zungfernfahrt von Bremen nach Reuyork auf der Reede von Cowes ein. Die Ankunft des prächtigen Schiffes wird von der Presse als großes Ereig­nis gewürdigt. Zahlreiche vom Rorddeutschen Lloyd geladene Gäste, darunter Botschafter St Hamer, Graf Bernstorff von der Deutschen Botschaft in London und eine Reihe von Vertretern der englischen Presse be­gaben sich an Bord derEuropa", wo sie von den Herren des Rorddeutschen Lloyd begrüßt wurden. Die aus Bremen mit derEuropa" eingetroffenen deutschen Gäste treten mit dem Schwesterschiff derEuropa", der aus Reuyork später eingetroffenenBremen", die Heim­fahrt nach Deutschland an.

Die Londoner Morgenblätter veröffentlichen zahlreiche Photog raphien des Rie­sendampfers, zum Teil auch solche aus der Vogelperspektive, und Bildnisse des Kapitäns Zohnsen.Daily Mail" schreibt: Die beiden schnellsten Dampfer der Welt, dieBremen" und Europa", gingen gestern auf der Reede von Cowes vor Anker. Sie sollen Deutschland seine verlorene Stellung auf dem Ozean zurückge- toinnen. Großbritannien darf jetzt ntd>t länger a uf seinem Lorbeer aus­ruhen, es muß neue und schnellere Schiffe bauen. Allerdings wird der Versuch, das Blaue Band des Ozeans zurückzugewinnen, erst in drei Jahren gemacht werden können.

Zn Eheibourg.

DieEuropa" hat Donnerstag nachmittag Cherbourg angelaufen. Um 17.20 Uhr französischer Zeit trat der Dampfer die Weiter­reise nach Neuyork an. Der Kapitän der Europa" erklärte, er werde während dieser Reise nicht versuchen, die Rekordzeit der Uebersahrt zu verbessern, denn es seien Stürme gemeldet.

Die gespannte Finanzlage her Re chsbahn.

Bedrohlicher Berkehrsrückgang

Berlin, 20. März. (Priv.^Tel.) Wie wir er­fahren, wird am nächsten Montag und Dienstag der Verwaltungsrat der Reichsbahn tagen, um zu der überaus gespannten finanziellen Lage des Dcrkehrsunter- nehmens Stellung zu nehmen. Bekanntlich ist eine Entscheidung des Reichskabi­netts über den Antrag der Reichsbahn auf Erhöhung der Tarife noch nicht gefallen, obwohl dieser Antrag nunmehr seit fast einem Zahre schwebt. Die finanziere Lage der Reichs­bahn, die an sich schon a ls angespannt bezeich­net werden muß, wird noch weiter erschwert durch den Verkehrsrückgang in den ersten Monaten dieses Zahres, der in erster Linie auf das Konto der allgemeinen Wirtschaftskrise und der Arbeitslosigkeit zu sehen ist. Zn den Monaten Zanuar und Februar ist eine Min» d ereinnahme von etwa 55 Millionen Mark eingetreten. Man muß leider auch damit rechnen, daß im März und April keine wesent­liche Steigerung des Verkehrs stattfindet. Der Verwaltungsrat der Reichsbahn wird sich also unter älmständen zu sehr einschneidenden Sparmaßnahmen entschließen müssen, wo­durch allerdings die Frage der Tariferhöhung nicht aus Der Welt geschafft wird. Bedauerlicher­weise ist es bet den Finanzberatungen im Reichs­tage nicht gelungen, die Rückvergütung eines Teiles der Beförderungssteuer durchzusetzen, die die Reichsbahn in die Lage versehen würde, eine gerade jetzt für Die Wirt­schaft äußerst empfindliche Tariferhöhung zu vermeiden.

Lanhestheaterhebatte im Finanzausschuß.

Der Tiebcnhunderttausendmarkzuschutz genehmigt.

D a r m st a d t, 20. März. (WHP.) Der Finanz­ausschuß befaßte sich mit dem Sonderetat des Hessischen Landestheaters. Der Staatszuschuh ist von 890000 Mk. auf 690 000 Mk. herab­gesetzt, der Gesamtfehlbetrag des Theaters ist von 1,6 Millionen auf 1,25 Millionen her- abgemindert worden. Der Landbund bean­tragte hierzu, das Landestheater mit Wirkung vom 1. September 1930 ab a 1 s Staatsein­richtung aufzugeben. Auch die Kommu­nisten beantragten Streichung des Staatszu­schusses an das Landestheater. Die Dolksrecht- partei wünschte Die Herabsetzung des Staats­zuschusses auf 400 000 Mk. und Beschränkung des Betriebes auf das Schauspiel, Beseitigung des Balletts und Herabsetzung der überhohen Gehälter, sowie Einschränkungen in Znszenierungen usw. Die Sozialdemokraten ver­langten eine Reuregelung des Frei­kart e n s y st e m s. Lediglich dieser sozialdemo­kratische Antrag fand Annahme, während die vorgenannten Anträge bei einigen Stimmenthal, tungen abgelehnt wurden.

Das gesamte fiapitel wurde mit sechs zu zwei Stimmen, bei fünf Enthaltungen (Volkspartei, Votkvrechtpartei und Zentrum) angenommen.

Die Debatte drehte sich in der Hauptsache um kulturpolitische Gesichtspunkte, da das Zentrum von der Regierung gewisse Bürgschaften verlangte, daß der künftige Spielplan die Ge­fühle katholisch denkender Volks­teile nicht verletze. Der Staatspräsident bestritt gewollte Verletzungen irgendeiner Welt­anschauung oder eine gewollte Tendenz. Auch der Generalintendant Prof. Ebert legte dar, daß ihn bei seiner künstleriscken Leitung keine einseitige Tendenz führe. Gr übe Toleranz nach jeder Rich, tung. Die Sozialdemokraten und Demokraten er­klärten, haß ihre Parteien keine absichtlichen Verletzungen der religiösen oder weltanschaulichen Gefühle Andersdenkender dulden würden. Auf der anderen Seite bedeute Toleranz aber auch die Berücksichtigung der Anschauungen, die nicht kathylisch tendierten. Wenn Stücke, die aktuelle Zeitprobleme schilderten, überhaupt nicht gegeben

werden sollten, dann müßten sie Bedenken gegen solche Garantien erheben, die dann zu einer Zensur sich auswüchsen. Professor Ebert er­klärte: Wenn das Theater keine Kritik er­fahre, dann müsse das ein miserables Theater sein. Das heutige Theater müsse ein lebendiges, gegenwartsnahes Theater sein Eine, auch ver­steckte Zensur, sei das Zeugnis geistiger Armut.

Aus aller Well.

Das Urteil im Mordprozeh Dietingen.

Am 3. Verhandlungstag im Mordprozeh Die- lingen trat das Gericht in die Vernehmung der Sachverständigen ein. Zunächst er­stattete Medizinalrat Dr. S i c be r t 2 i n ge n, Der di» Leiche der Hoge obduzierte, fein Gut­achten Die Frage, ob die Tat sich so zugetragen haben könne, tote es Dielingen in seinem Ge­ständnis geschildert habe, verneint der Sach­verständige. Er stellt sich die eigentliche Todes­ursache so vor, daß die Hoge am Halse ge­würgt wurde und vielleicht einen Schlag auf das linke Auge erhalten habe. Dadurch sei sie betäubt und dann noch lebend ins Wasser geworfen worden, wo sie in hilf­losem Zustande einem Herzschlag e r- legen sei. Obermedizinalrat Huche- Osnabrück hält den Tod durch äußere Einwirkungen, etwa durch Erwürgen, für gegeben, schließt jedoch die Möglichkeit eines unbeabsichtigten Todes, vielleicht durch Kokainwirkung nicht aus. R.-A. Mendel wies darauf hin, der Sach­verständige habe in der vorigen Schwurgerichts- sitzung in seinem Gutachten gesagt, dah Der Tod nur durch Erdrosseln eingetreten sein könne. Zeht im Wiederaufnahmeverfahren er­statte er ein abweichendes Gutachten.

Der Staatsanwalt beantragte gegen den An­geklagten Dielingen wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang vier Zahre Zucht­haus unter Anrechnung der ^Intersuchungs- haft. Die Verteidigung plädierte auf Frei­sprechung. Das Urteil wurde gegen 12 Uhr nachts verkündet. Das Gericht hält nur Kör­perverletzung mit Todeserfolg für vorliegend. Das erste Urteil wird verworfen und Der Angeklagte z u zwei Zähren Ge­fängnis verurteilt. Er ist sofort frei- z u l a s s e n. Tie Verteidigung wird gegen das Urteil Revision einlegen. Rach der Urteils­verkündung fanden aus dem Markt vor dem Ge­richtsgebäude große Kundgebungen für Dielin­gen statt.

Caroincnunglürf im Buchsteingebiet.

2m Gebiet des Koß- und Duchsteins bei Lenggries (Oberbayern) wurde eine Partie Münchener Ekifahrer durch eine niedergehende Lawine bedroht. Einer der Skifahrer, dessen Rame noch nicht bekannt ist, wurde von Der Lawine ersaht und verschüttet. Roch am Abend wurden alle verfügbaren Rettungskolon­nen aufgeboten. Auch ein Tölzer Skifahrer, der Schreiner Andreas Weiharo, der sich in dem Unfallgebiet mit einigen Tölzer Sportkameraden befand, geriet unter eine Lawine, vermutlich die gleiche, durch die die Münchener Touristen betroffen wurden, und wird ebenfalls ver- m i h t. Die Rettungsarbeiten gestalteten sich durch den Einbruch der Rächt und das zerklüftete Felsgebiet außerordentlich schwierig. Es ist k a u m möglich, daß die beiden Verschütteten noch lebend geborgen werden können. Zur Ab­räumung des Lawinenfeldes sind weitere Ar­beitskolonnen abgegangen. Die Lawine liegt zu meterhohen Schneewänden aufgetürmt zwischen dem Felsgebiet.

Sühne für einen dreifachen Meuchelmord.

Das Schwurgericht in Korneuburg bei Wien fällte das Urteil über Den Bauernsohn Franz Neu - m n i) e r, der in der Nacht des 4. August 1929 bei Rückersdorf einen Draht über Die Straße gespannt und diesen Draht mit der Start- ftromleitung verbunden hatte, um fei­nen Bruder, durch besten beoorstehende Heirat er eine Beeinträchtigung seines tßcrmögcnsanteilcs befürchtete, zu befeitigen. Tatsächlich lief der Bru­der bei der Heimkehr an den Draht und wurde vom Stark st rom getötet. Außerdem ge­rieten noch zwei Bauernsohne in die Stark- ftromfaUe und fanden den Tod. Ein dritter kam mit schweren Verletzungen davon. Der Angeklagte, Der

anfangs ein Geständnis abgelegt hatte, leugnete während Der ganzen Verhandlungsdauer. Die Ge­schworenen bejahten die Schuldfrage auf dreifachen Mord und schwere Körperver­letzung einstimmig. Nach kurzer Beratung verkün­dete Der Vorsitzende das Urteil, wonach Franz Neu- mager zu lebenslänglichem Kerker ver­urteilt wird. Die vor dem Gerichtsgebäude ver­sammelte Menge, die sich hauptsächlich aus der bäuerlichen Bevölkerung der Heimatsgemeinde des Angeklagten zusammensetzte, nahm das Urteil mit lebhaften Zustimmungskundgebungen auf.

Die Rechtsnot der deutschen Zahnärzte.

Der Reichsoerband der Zahnärzte Deutschlands veranstaltete in Berlin eine Kundgebung gegen die Rechtsnot Der deutschen Zahnärzteschaft. Die Be­richte, die Verbandsdirektor Dr. Hoffmann, Ministe­rialdirektor Dr. Badt, Geheimer Zustizrat Professor Dr. Kahl, M dR., und Universitätsprofessor Dr. Stier-Somlo, Köln, gaben zeigten die schwierige so­ziale Lage der Lahnärzteschaft. Seitdem der Haupt- Wirkungskreis für die Mehrzahl der Zahnärzte die Tätigkeit für die Sozialversicherung geworden ist, sind Planlosigkeit, Willkür und rücksichtslose Behand­lung selbst langjährig für die Kassen tätiger, durch Berufserfahrung ausgezeichneter Zahnärzte durch die Kasten an der Tagesordnung. Reichstagsabgeord­neter Professor Dr. Kahl forderte eine reichsgesetz­liche Berichtigung der BerufsbezeichnungDen« t i ft". Die Zwangszahnkliniken, welck>e viele Krankenkassen zunehmend errichteten, bedeuten nach Den Ausführungen von Professor Stier» Somlo eine Ungesetzlichkeit und eine So­zialisierung Des Heilwesens, führen zu einer Vernichtung zahlreicher zahnärztlicher E^iste-nzen und gefährden Damit Die ausreichende zahnärzt­liche Versorgung der nichtversicherten Bevölke» rungskreise. 2n einer Entschließung wurde eine gesetzliche Regelung Der zahnärztlichen Rechts­verhältnisse gefordert, ferner gleich den für die Aerzte geltenden Bestimmungen die gesetzliche Regelung der Zulassung zur Krankenkassenbe­handlung durch die Einführung von VertragS- ausschüssen, von Zulassungs- und Schiedsinstan­zen. Ferner verlangt die Entschließung Die end­gültige, seit 1925 von Preußen in Angriff ge­nommene gesetzliche Bereinigung der Zahnärzte- Zahntechnikerfrage.

Drei Kinder

bei einem Schulbrand ums Leben gekommen.

In einem in der Nähe von Tryon (Oklahoma) befindlichen Schulhausgebäude brach ein Brand aus, der die Schule völlig in Asche legte. Drei Kinder farjDen den Tod in Den Flammen. Achtzig konnten sich mit knapper Not retten.

Rene Explosion im rumänischen Pefroleumgebief.

Bei den Versuchen, Die nun seit vielen Monaten ununterbrochen brennende Petrolsumsonde von Moreni zu löschen, ereignete sich durch ejne Gasentzündung eine neue Explosion, bei der sechs Arbeiter schwere Brandwunden erlitten. Die Arbei­ter konnten nur mit Mühe von ihren Kameraden aus Den brennenden Gasen gerettet werden. Infolge der Explosion drangen die Gase auch in Den Lösch­tunnel, so daß die Löscharbeiten wiederum bedeutend erschwert sind. Bei dem Brande der Sonde haben bereits viele Menschen das Leben ein­gebüßt, eine große Anzahl hat Brandwunden er­litten.

wieder eine Kinobrandkatastrophe im Fernen Offen.

Bei einem Brande in einem Kinotheater in Kirin (Mandschurei) haben 76 Personen den Tod gefunden. 27 werden vermißt und über 100 erlitten Verletzungen. Dies ist die zweite Brandlatastrophe, Die sich innerhalb weniger Tage im Fernen Osten in einem Kino ereignet hat. Am 10. März hatte sich, wie erinnerlich, in Shinkai in Korea ein ähnliches ilnglüd zu- getragen, Das über 100 Kindern Das Leben ge­kostet hat.

Oie Wetterlage.

Donnerstaa, 20. M3rz.

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Wettervoraussage.

Die Ausbildung des Hochdruckgebietes im SÜD« osten, das seinen Kern über Polen und M.ttel- und Süddeutschland erstreckt, hat zur Beruhigung Der Wetterlage und zur Auflösung der Wolkendecke ge­führt. Dabei war der nächtliche Temperaturrückgang vielfach bis unter Den Gefrierpunkt. München hatte heute morgen noch 4 (9raD Kälte. Zn Der Rinne tiefen Druckes, welche sich zwischen Dem zentraleuro- päischcn unD ZslanDhoch befindet, rückt eine neue Störung vom Atlantischen Ozean heran. Wenn auch Der hohe Druck vorerst noch bestimmend für Die Wetterlage sein wird, so ist doch ein späteres Vor- greifen der Störungstätigkeit bis nach Mittel- und SüddeutschlanD nicht ausgeschlossen.

Wettervoraussage für Samstag. Teils wolkiges, teils aufheiterndes Wetter, tags­über milder.

Lufttemperaturen am 20. März mittags 5,4 ®rab Celsius, abends 0,4 Grad: am 21. März morgens minus 0,2 Grad. Maximum 6,3 Grad, Minimum minus 1,6 Grad.