Vol kssport sein und sich möglichst auf alle Kreise der Bevölkerung erstrecken. Er empfahl besonders die Aufstellung von 3ugendabtei- l u n g e n. Aach dem Dortrag wurden die Bestimmungen für das diesjährige Lande^schluhschiehen besprochen. Das Kreisschieben soll in diesem 3ahre in Hungen stattfinden, wenn der neue Schiebstand bis Anfang August fertiggestellt ist. Das Gauschieben wurde dem Verein Herborn übertragen. 3n Hanau sollen sich dann die einzelnen Gaumeister zum Schieben um die Landesmeisterschaft treffen. Weiterhin sollen in diesem Jahre zum ersten Male Mannschafts-Vergleichsschi eßen abgehalten werden, um den Vereinen Gelegenheit zu geben, sich in der Gesamtleistung mit anderen Dereinen zu messen.
Aus der Provinzialhaupistadt.
Gießen, den 21. Februar 1930.
Preisaufgaben der Universität Gießen für das Jahr 1930/31.
Für das 3abr 1 930/31 werden folgende Preisaufgaben gestellt:
Don der Theologischen Fakultät: Das Derhältnis von Wort und Schrift in der sogenannten dialektischen Theo'ogie.
Don der (Zaristischen Fakultät: Auf Grund des neueren Schr^ttums sollen d'.e hessischen Weistümer (Mü I:r: Verzeichnis Hess scher Weistümer, Darmstadt 1916) zum Gegenstand einer Untersuchung gemacht werden, bei der an der Hand des hessischen Materials entweder die allgemeinen Probleme der Weistums orschung oder wichtige Einzelfragcn, wie die Gerichtsorganisation, die Recht.läge der Atmende, die ständische Gliederung der bäuer ichen Bevölkerung, das Gewerberccht oder das Abgabenw^sen, verfolgt werden. Die Arbeit tarnt auch in der kritischen Behandlung eines um.'asicnderen Weistums oder einer bestimmten Weistumsgruppe bestehen.
Von der Medizinischen Fakultät: Vergleichende Untersuchungen über die Wirkungsstärke der verschiedenen gebräuchlichen Analcptica bei Vergiftungen mit tödlichen Dosen von Schlafmitteln im Tierexperiment.
Von der Veterinärmedizinischen Fakultät: Es ist zu prüfen, ob die Schwangerschaft bei der Hündin durch den Aachweis des Ovarialhormons im Harn mit Sicherheit festgestellt werden kann.
Von der Philosophischen Fakultät:
1. Aus dem Gebiet der römischen Philologie: Religion und Kult bei Vergil.
2. Aus dem Gebiet der engliichen Philologie: Das Sprichwort und seine Verwendung bei Ben 3onson.
3. Aus dem Gebiet der Wirtschaftswissenschaften: Die Probleme der deutschen Agrarpolitik in der AachkriegSzeit und die staatlichen Versuche ihrer Lösung.
4. Aus dem Gebiet der Landwirtschaft: Die Lehre der Beurteilung der Tiere in ihrem Entwicklungsgang von Farbenkultus und Formenpflege über die Leistungsprüfungen zur Konstitutions-Bewertung.
5. Aus dem Gebiet der Forstwissenschaft: Die in hessischen Forstrevieren neuerdings auf- tretenden Pilzkra khe ten d.r Buch? sind durch Untersuchungen am Standort in ihren Symptomen und nichtparas'tären Vorbedingungen näher zu ergründen, die Rolle der auf den erkrankten Pflanzen festgestellten Pilze durch Kultur- und 3nfektionsversuche zu klären.
Wer sich um einen Preis bewirbt, muß mindestens in einem der beiden auf die Stellung der Aufgabe folgenden Semester an der Unit)et» sität Gießen immatrikuliert gewesen sein.
3ede Bewerbungsschrift darf nur einen Verfasser haben.
Die Dewerbungsschrift ist in der Sprache abzufassen, in der die Aufgabe gestellt ist. Auf dem Titel ist ein Kennwort anzubringen.
Der Herr, der nicht tanzt.
Von Sling.
Die schöne Frau sah den Herrn strafend an und sagte mit strengen Lippen:
„Und warum tanzen Sie nicht?"
Er antwortete müde und betonungslos mit etwas wohl ost Gesagtem:
„Set Tanz ist eine Kunst für sich — eine Volkskunst, wenn Sie wollen, weil eigentlich jeder sie übt. Was mich betrifft, so ziehe ich es vor, auch aus diesem Gebiete kein Dilettant zu sein."
Da kam ein Tänzer und entführte sie.
Sie hatte sich wieder zu ihm gefunden.
„Und warum gehen Sie denn überhaupt auf Bälle?"
„3ch gehe ja auch in die Oper, trotzdem ich nicht singen kann."
Und sie ließ sich wiederum entführen. *
Als sie zu chm zurückkehrte, fand sie ihn zerstreut, und das reizte sie erst recht.
„Und ich finde es dennoch unverantwortlich von 3hnen, mit der festen Absicht, nicht zu tanzen, auf einen Ball zu gehen —"
Er schwieg und sah vor sich hin. Die fuhr fort:
„3ch spreche ja nicht für mich, ich spreche für die Allgemeinheit. Sie führen eine Dame zu Tisch, Sie unterhalten sich mit ihr, er ergibt sich, daß Sie und die Dame gemeinsame Reigungen haben, es stellt sich eine gewisse Harmonie ein, für die es keinen schöneren Ausdruck als den Tanz gibt
Er sah sie an:
„Glauben Sie wirklich?"
Ein Tänzer reichte ihr den Arm —
Und was machen Sie nun eigentlich, wenn Sie so allein dasihen?"
„3ch übe vieles Verfahren seit meinem achtzehnten Lebensiahr - also, um deutlicher zu fein, seit fünfundzwanzig 3ahren."
„Worin besteht 3hr Verfahren?"
„3ch tu dasselbe wie im Theater. 3ch unterschiebe meine Person einem Künstler."
„Versteh ich nicht -"
„3d? suche den Tänzer, der so tanzt, wie ich tanzen würde, wenn ich tanzen konnte. Und ich folge mit meinen Blicken der Frau, mit der ich tarnen würde, wenn ich tanzen könnte. Sodann versuche ich, meinen Tänzer meiner Dame zuzu- führen — und ich erlebe den erlesensten Anblick, den eS für mich in einem Tanzsaal gibt."
Die Dewerbungsschrift ist vor dem 1. April 1931 einzusenden unter Beifügung eines verschlossenen, mit dem Kennwort der Arbeit versehenen Briefumschlags, der die Aufgabe des Verfassers und seine Adresse enthält. Die Sendung ist an die Fakultät zu richten.
Beim 3ahresfest der Universität am 1. 3uli 1931 verliest der Rektor die Urteile und verkündigt die Aamen der preisgekrönten Bewerber.
•• Die Fünfziger 18 7 9/1929 hatten dieser Tage eine Zusammenkunft, in der über die weiteren Aufgaben der Vereinigung beraten wurde. Aus der Berichterstallung ergab sich, so schreibt man uns, daß den 1879ern die Durchführung ihrer Aufgabe, in erster Linie Kamerad- sd^iitiichk.it, Fr.hlichk.ir und Geselligkeit zu pflegen, vollauf gelungen ist. Der Umstand, daß von 182 Kameraden nur sieben, darunter einer wegen Wegzugs, aus der Vereinigung ausge- schieden sind, liefert dafür den Beweis. Die Vereinigung hat es verstanden, mit verhältnismäßig kleinen QTii.tein eine Anzahl wohllelungenar Feste zu feiern, bei denen auch die Familienangehörigen der Mitglieder auf ihre Rechnung kamen. Trotzdem sind die Finanzen der Vereinigung als wohlgeordnet zu bezeichnen. Ungedeckte Schulden sind nicht vorhanden. Auf der anderen Seile verfügte die Vereinigung über einen Wohltätigkeitsfonds von rund 1700 Mk., von dem noch über 1200 Mark vorhanden und zinsbringend angelegt sind. Der Fonds untersteht nach dem Willen der Stifter der alleinigen Verfügung des Vorsitzenden, oder seiner Stellvertreter, und er darf nur angegrii en werden, wenn unverschuldet, insbesondere durch Krankheits- oder Sterbefälle, ein Mitglied, oder auch die Familie eines solchen in vorher nicht vorhandene besondere Rot gerät. Die überaus stark besuchte Mitgliederversammlung beschloß einstimmig, die Vereinigung auch künftig unverändert bei gleicher Beitragsleistung fortzusehen.
*• „Bund Haus und Schule". Man berichtet uns: Am vergangenen Freitag hielt Pfarrer K n a b, Mainz-Gustavsburg, im „Bund Haus und Schule" im 3ohannessaal einen Vortrag über „Eine Diasporafahrt durch 3ugosla- toien“. Der Vortragende besuchte die Slowenen, Kroaten, Serben, deren Land hochinteressant ist. Hier wohnen noch 20 000 Deutsche, die sich seit 700 3ahren Sprache und Dialekt erhalten haben. Seine Fahrt führte ihn ferner nach Agram, nach Sarajevo, das wundervoll, ja feenhaft auf den Fremden wirkt, Bosncllal, Schuhberg mit feinen prächtigen deutschen Frauen und Männern, Belgrad, Batschka, Vrobaß, wo deutsche Schwestern eine Klein.inderschul^ leiten. Ferner ging die Fasrt über Semlin nach Agram, Zilly (Südsteiermark), Marburg (Drau), das jetzt eine rein slowenische Stadt ist. Man hört hier kein deutsches Wort mehr, ileberall findet man jedoch Hochachtung vor deutscher Kultur. 600 000 Deutsche, die meist in geschlossenen Kolonien wohnen, haben nach dem Kriege Hartes durchzumachen gehabt. Von 265 deutschen SchulNassen gibt es nur noch sieben. Kinder, deren Großeltern und Urgroßeltern Slowenen sind, m.) e . die slowen sche Schule besuchen, nur der Religionsunterricht erfolgt in deutscher Sprache. Dieser Rot zu steuern, sei vornehmste Pflicht des Mutterlandes, von dem viel abhängt, in diesen Gebieten das Deutschtum und den evangelischen Glauben zu erhalten. An der Hand von schönen Lichtbildern führte Pfarrer K n a b seine zahlreichen Zuhörer in die zum Teil sehr schönen Gegenden seiner Diasporafahrt. Seine Ausführungen waren so interessant und packend, daß der 1. Vorsitzende in seinen Schlußworten der Erwartung Ausdruck gab, Pfarrer K n a b recht bald wieder zu einem Vortragsabend im Bunde zu sehen. Frl. 3da Stammler brachte zu Anfang und nach Beendigung des Vortrages zwei Lieder zu Gehör, die von den Zuhörern mit großem Beifall aufgenommen wurden. Auch ein am Schluß des Abends von Frl. Stammler und einer ihrer Schülerinnen vorgetragenes Duett fand großen Anklang.
Sie blickte neugierig zu ihm.
„Mit welcher Dame würden Sie heute tanzen?" „Was fragen Sie —" er sagte es leise und sah beiseite.
*
Als sie zurückkehrte, war sie etwas versöhnlicher gestimmt.
„Habe ich heute schon mit dem Tänzer getanzt, den Sie für den rechten halten?"
„Rein -"
„3ch möchte ihn kennenlernen —“
Er stand auf, ging auf einen sehr schlanken, sehr hochgewachsenen Herrn zu, berührte ihn leise am Arm und führte ihn der schönen Frau zu — dann zog er sich zurück.
»
Als sie sich wieder zu ihm fand, sagte sie:
„Sie haben recht, er ist der beste Tänzer von allen, er ist unerhört feinfühlig und paßt sich mir vollendet an."
„Cs sah wundervoll aus, als Sie beide tanzten. Alle bemerkten es. Viele hörten auf zu tanzen, nur um Sie beide zu bewundern —
„Trotzdem — als ich drei Worte mit ihm sprach, enttäuschte er mich. 3ch glaube, es ist ein Mensch, der nie ein Buch gelesen, nie ein Bild gesehen hat —"
„Das ist oft so —" sagte er.
„Warum muß das so sein?"
„Cs muh ja nicht sein — aber in vielen Fällen läßt sich genau unterscheiden: der eine ist Subjekt, der andere Objekt der Poesie —“
„Lind was sind öie?“ fragte sie höhnisch.
„Es ist nicht zart, danach zu fragen. Denn ich bin mir wohl bewußt, es bisher nicht mal zum Ob.elt gebracht zu haben."
Dann kam der schöne Tänzer.
•
Sie kam nicht wieder.
e
Erst nach einer Stunde erinnerte sie sich seiner, der noch immer aus seinem Platze sah.
„3ch wollte Sie nur bitten — wenn Sie etwas. anderes vorhaben — nicht mehr auf mich zu warten — “
Er war bestürzt.
„3ch wollte Zonen nicht zur Last fallen. Wenn ich gewußt hätte, daß Sie glauben, ich erwartete 3hrtz Rückkehr, wäre ich längst nach Hause gegangen
Sie lächelte.
„Rein. Sie fallen mir nicht zur Last — aber ich bin 3hnen doch so dankbar, Sie haben mir den unbestritten besten Tänzer des Abends zu- geführt —w
Schach-Ecke.
Bearbeitet von W. Orbach.
Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen, Lösungen usw sind zu richten an die Schachredaktion des „Gießener Anzeigers"
Problem Nr. 252.
Don H. Ranz, Aehhausen.
Urbrud.
Schwarz.
6
5
3
8
2
4
h
8
7
6
5
4
3
2
1
M
■ I
a b c d e f e h
a b c d. e Weitz.
Weih zieht und setzt in zwei Zügen matt.
Weiß: 8 Steine. Kh2; I"d4; Lgl: Sd6, e7; Bb2, c6, f6.
Schwarz: 7 Steine. Kbu; Df7; Ta2; Lb5; Ba5, ab, e5.
Eine sehr hübsche Darstellung einer bekannten 3dee.
Partie Nr. 178.
Die folgende sehr schöne Partie wurde im zweiten Turnier des Habsburger Weihnachtskongresses am 2. 3anuar 1930 gespielt.
Verteidigung des Philidor.
Weitz: Rellstab, Berlin.
Schwarz: Thlor, London.
1. e2-e4 1. c7-e5
2. Sgl - f3 1. d7-db
3. d2-d4 3. Sg8-f6
4. d4xe5
Gewöhnlich geschah hier nun in früheren Zeiten 4. Sc3, da man den Verlust des Zentrumsbauern e4 als nicht günstig für Weih ansah.
4. . . . 4. Sf6xe4
5. Ddl — d5!
Eine Neuerung, welche sich als sehr günstig erweist und besser als 5. Ld3 oder 5. Lc4, da das eine mit Sc5 das andere mit c6 beantwortet würde.
5. . . . 5 Se4-c5
6. Lei —g5 6 Dd8-d7?
Hiernach gerät der Schwarze bald in eine unhaltbare Stellung. Am besten geschah der natürliche Zug 6..., Le7.
7. Sbl -c3 7. dbxeS
8. Lfl-b5 8. c7-cb
9. Dd5xc5+ 9. Sc5xe6
Auf 9..., De6 folgt vorteilhaft 10. 0—0—0.
10. Tal-dl 10.-n-f6
11. De5-e2 11. Dd7-f7
12. Lb5-c4!
An der Fesselung des Se6 muh Schwarz zugrunde gehen.
12. . . . 12 b7-b5
13. Lc4-b3 13. b5-b4
14. Sc3-e4 14. Lc8-a6
15. Dc2-e3 15. Sb8-d7
Stellung nach dem 15. Zuge von Schwarz. Schwarz: Lhlvr.
5
3
8
7
6
4
2
1
3
8
7
4
6
5
2
1
a b c d e f g h
a b c d e 1 ,g h Weih: Rellstab.
16 Lb3xe6!
Cs folgt nun ein zwingender und schöner Schluß. 16. . . 10. Di/xeO
17 Sc4xf6+ 17. Ke8-t7
18. Tdixd7+ 18. L(8-e7
19 S13-C54-
Schwarz gab auf. Auf 19..., Kf8 entscheidet 20. Sg6+. Eine von dem jungen Berliner Meister sehr konsequent durchgeführte Partie.
Lösung des Problems Rr.248.
Don E. E. Westburg.
1. Sb4-d5! ufw.
Aus der Schachwelt.
Aljechin siegt mit großem Vorsprung in San Remo.
Das internationale Meisterturnier zu San Remo wurde am 4. Februar beendet. Es ergab den überlegenen <5".eg des Weltmeisters Dr. Aljechin, der aus 15 Partien (14!) Punkte erzielt: er gewann 13 Partien und remitierte nur zwei Spiele. II. Preisträger wurde Rimzowitsch mit lO’/s, III. Rubinstein mit 10, IV. Bogoljubow mit 91/2,' V. 3ates mit 9. Es folgen: Ahues 81/?, Spielmann und Didmar 8. Maroczh und Taria- kover 7'/s. Colle und Kmoch 6’/2, Araizo 4‘/t# Montricelli 4, Grau 3'/r. Romih 2Vs-
Die Narrenkappe.
Splitter und Sparren vom RedakttonStisch.
Gemeinheit.
Oskar Bims — erzählen Sie mir nicht, daß Sie ihn fennen, der Rame ist glatt erlogen — besitzt einen kleinen Garten vor seinem Haus. Dieser Garten hat einen Stolz: einen trächtigen Birnbaum.
Ratürlich hat Oskar Bims keine ruhige Rächt mehr. Er bebt um die Vollzähligkeit seiner Dirnen. Wie soll man sich gegen gemeine Menschen, respektive den Abschaum solcher, schützen? Gegen Leute, die auf dem Bürgerlichen Gesetzbuch herumtrampeln, wie unsereins auf einem Bettvorleger? Kurz, gegen Leute, die nichts anderes im Sinne haben, als Dirnen von den hierzu angelegten Däumlichkeiten zu stehlen?
Oskar Dims glaubte ein wirksames Abschreckmittel gefunden zu haben, indem er unten an den Stamm des Dirnbaumes eine Papptafel hängte des 3nhaltes:
. „Achtung! Die Dirnen sind numeriert!"
Aber anderen Morgens stand darunter zu lesen: „Rümmer 8 bis 27 inklusive entnommen. Desten Dank!" (Lust. Dl.)
„Sie sollen mir nicht danken, ich bereitete mir doch selbst das größte Vergnügen."
„Wirklich?" Sie sah ihn tief und neugierig an, dann sagte sie leise:
„Aber dieses Verfahren, das Sie nun feit fünfundzwanzig 3ahren betreiben, zehrt das nicht an 3hrern Herzen?"
„Rein —“
„Und geht es immer so aus?"
„Rein —"
„Wie denn?"
„Manchmal geschieht es auch, daß die schöne Frau nach dem dritten Tanz zurückkehrt und sagt: er ist der beste Tänzer, aber er ist ein 3diot. Heute tanze ich nicht mehr. Dann setzt sie sich zu mir, dann verplaudern wir die ganze Rächt, und ich bin der Sieger."
Sie blickte sich nach ihrem Tänzer um, der in einiger Entfernung wartete, und sie sagte rasch:
„So ein 3diot ist er gar nicht —"
Und er erwiderte:
„Cs gibt natürlich einzelne seltene Fälle, in denen körperli.-e und geistige Schönheit einander vollkommen durchdringen. 3n diesen Fällen bin ich mit Recht besiegt."
Sie griff nach seiner Hand:
„Rein, Sie sind nicht besiegt — nur — heute mochte ich so rasend gern tanzen — aber ich möchte auch nicht, daß Sie besiegt sind —“
Er küßte die Hand und sagte lächelnd:
„Wenn Sie das nicht wollen, denken Sie daran, daß ich ja dem schönen Tänzer meine Seele unterschoben habe — wenn Sie wollen, so tanzen Sie ja gar nicht mit ihm, sondern mit mir —'1
Da strahlte ihr Blick, schön und befreit. Roch einmal drückte sie feine Hand.
„3a, Sie sind der Sieger —"
Und flog in die Arme des Tänzers.
Ein neues Zahlenwunder entdeckt.
Dor griechische Mathematikprofessor Z e r v 0 s meldet soeben eine eigenartige Entdeckung, ein Zahlenwunder, auf das er zufällig aufmerksam wurde. Grundlegend ist die Zahl 142 857. Multipliziert man diese Zahl mit 2, so erhält man 285 714, also eine Zahl, in der sämtliche einzelnen Ziffern der Grundzahl enthalten sind. Wit 3 multipliziert ergibt «ich 428 5/1, ebenfalls mit den gleichen Ziffern, nur in anderer Anordnung, mit 4: 571 428, mit 5: 714 23p und schließlich mit 6 ergibt sich die Zahl 837 142, also die ersten drei Ziffern der Grundzahl an die zweite Stelle gesetzt, während 857 an die erste Stelle vorrückt. Multipliziert man aber 142 857 mit 7, so erhält man die schöne und luftige Zahl 999 9991 —
Richt nur zwischen Himmel und Erde, sondern auch zwischen 1 und einer Million gibt es Dinge, von denen sich selbst mancher Mathematikprofessor nichts träumen läßt.
Oie Lottonummer aus dem Jenseits.
Wer das Städtelotto nicht kennt, der ist kein 3taliener. Diese populärste aller Lotterien ist die jeden Samstag wie.erkehrende Sensation in Mussolinis Reich: an jedem Wochenende erfolgt die sehnsüchtig erwartete Ziehung. Abergläubisch, wie man ist, läßt man sich gern von irgendeiner „inneren Stimme" drei ober vier Rummern zuflüstern, die auf eine der ebenfalls in geheimnisvoller Weise gewählten Städte gefetzt werden. Mancher hält die Fernsprechnummer seiner Lieo- sten für besonders zugkrällig. andere dimdreren aus der Quersumme ihrer Schulden die erfolgreichsten Kombinationen heraus. Kurz, man nimmt eben an, daß das Cptto gewißen Winken zugänglich sei. Und wie das nun so geht: es wird nur von Gewinnen gesprochen, die die indirekte Spielmethode klingend rechtfertigen. So geschah es kürzlich in der Gemeinde Fragneto Monforte der Provinz Denevent. Seither ist dort alt und jung mit fieberhaftem Eifer hinter dem großen Los her. 3n besag.er Gemeinde nämlich hatte der alte Angelo Simone in seiner Sterbestunde dem bewährten Freunde Modestino Sar- cone als Gegenleistung für dessen aufopfernde Krankenpflege vier Rurnmern aus dem 3enseits versprochen. Es waren einige Monde vergangen und Modestino hatte seinen Freund schon fast vergessen, als ihm Angelo eines Rachts im Traum erschien und tatsächlich vier Rummern nannte. Kaum war der Morgen angebrochen, so eilte der Schmied Sarcone zum nächsten Lottoeinnehmer und setzte seinen ganzen Wochenverdienst auf die hof.nungsvol en Rummern. Doch der Samstag brachte — Rieten. Modestino lieh die Hoffnung nicht sinken, schwang den Hammer und setzte zum zweitenmal seinen Wochenverdienst aufs Spiet. Doch wieder Enttäuschung. Mißmutig warf er sich aufs Lager und fluchte vor sich hin. Da erschien ihm sein Freund zum zweiten Male und er härte ihn mahnen: „Hab Geduld und spiele." Der Schmied durch uchte alle Taschen und tauschte die letzten Lire gegen ein Los ein. Und siche, bald berichtete die C)ronik von seinem Gewinn. 240 000 Lire. Das sprach sich herum und jeder suchte nun im Traum den verstorbenen 2llten. Zum Ueberfluh fielen seiner Frau auf diesem Wege bald daraus 17 000 Lire in den Schoß 3st es ein Wunder, wenn jetzt ganz Fragneto Monforte träumt und spielt?
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