Ausgabe 
20.11.1930
 
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bahn- und Autobusverkehr wieder ausgenommen worden ist und daß die Cafes und Speisehäuser ihre Betriebe wieder geöffnet hätten. Die Staats­anwaltschaft von Madrid hat die Freilassung von 150 Verhafteten angeordnet, die während des Generalstreiks in Madrid sestgenommen worden waren. 3nSevilla scheint der gestrige Tag aber ziemlich unruhig verlaufen zu sein. Die Universität ist geschlossen. Auch in A l i c a n t e kam es zu Zu­sammenstößen zwischen der Polizei und Ruhe­störern. Die Polizei machte von der Schußwaffe Gebrauch. Vier Personen sind verletzt worden. 3n Sevilla haben die Streikenden mehrere Auto­busse und Straßenbahnwagen umgeworfen und teilweise sogar inBrand gesteckt. Die Feuer­wehr löschte den Brand, und die Polizei zerstreute die Manifestanten. Autodroschken verkehrten auch heute in Sevilla nicht. Aach einer Mitteilung des Zivilgouverneurs sind vier Personen verhaftet worden. Die Bevölkerung stand heute vor den Bäckerläden Schlange, da das Gerächt im Umlauf war, die Bäcker würden sich der Streikbewegung anschließen.

Die deutschen Krauen fordern Revision der Vertrage.

Berlin, 19. Aov. (TU.) Der Deutsche Frauenausschuß zur Bekämpfung der Schuldlüge und zahlreiche andere Frauenverbände haben die Aeichsregierung in einer Eingabe gebeten, sich umgehend mit den früheren Feindbundstaaten in Verbindung zu setzen, um eine Befreiung des deutschen Volkes von den unerträglichen Kriegs­lasten zu erreichen.

3n der Eingabe heißt es u. a.:Aot und Verzweif lung sind die Folge der un­geheuren Lasten, die 3ahr für 3ahr ge­tragen werden müssen. Dauer und Höhe der im Poungplan vorgesehenen Zahlungen nehmen dem deutschen Volk jede Hoffnung auf Wieder­aufstieg. Finanz- und Wirtschaftsreformen allein können eine Gesundung Deutschlands nicht herbei­führen. Wir bitten, alle Möglichkeiten einer Re­vision des Poungplanes auszunützen, dessen Un- durchführbarkeit angesichts der Weltwirtschafts­krise auch im Ausland immer mehr eingesehen wird. Die Unhaltbarkeit der morali­schen Grundlage der Tributforderungen, der Behauptung von Deutschlands Schuld a m K r ie g e , ist erwiesen." Die Welt müsse von der Aotwendigkeit einer Revision überzeugt wer­den, da die Grenze der Leistungsfähigkeit des deutschen Volkes bereits überschritten sei.

Die Eingabe ist u. a. unterzeichnet von den Reichsfrauenausschüssen der Staatspartei, der Deutschen Volkspartei und der Dcutschnationalen Volkspartei, ferner vom Auslandbund deutscher Frauen und Königin Luise, Deutsch-Evangelischer Frauenbund, Frauengruppe des Deutschen Of- fizievbundes, Reichsverband deutscher Haus­frauenvereine, Katholischer Verband der weib­lichen kaufmännischen Angestellten und Beam­tinnen Deutschlands usw.

Die Mrtschastsresorm in Italien

Reben Gehaltskürzung auch Preisabbau.

Rom, 19.Aov. (TU.) Das Dekret über die zwölfprozentige Gehaltskürzung für die Beamten und Angestellten der Staatsbetriebe dient nicht nur dem Ausgleich des Fehlbetrages im Staatshaushalt, sondern ist ein entscheidender Schritt zur Angleichung der gesamten italienischen Volkswirtschaft an das Verhältnis von 4:1 der heutigenLira zür Dorkriegslira. Die Folge ist die ener­gische 3nangriffnahme des Preisabbaues seitens der faschistischen berufsständischen Ver­bände. Rachdem in der letzten Zeit schon in ver­schiedenen Städten der 2 r o t p r e i s herabgesetzt wurde, wird am Mittwoch aus Siena eine Herab­setzung des Brotpreises von 1,80 Lira (39,5 Pf.) auf 1,55 Lira (34 Pf.) je Kilo gemeldet. Außer­dem wird eine besondere Kommission zusammen­treten, um die Frage des Brotpreises allgemein zu prüfen. Die Aussprache im Korporations­ministerium über den Arbeitsvertrag des Däckerei- gewerbes steht auch bereits im Zeichen des Laab- sichtigten Preisabbaues. 3n demselben Sinne ist auch der Verband des Handels tätig. Die Lebensmittelhändler haben bereits zu­gesagt. ihr möglichstes für einen Preisabbau zu tun. Auf alle Fälle wird, da eine Wieder­einführung staatlicher Zwangsregelungen nicht be­absichtigt zu sein scheint, von den berufsständischen Organisationen, die bekanntlich öffentlich-recht­lichen Charakter haben, ein zielbewußter Druck in Richtung auf einen beschleunigten Preisabbau ausgeübt werden.

Oer Kampf gegen den Hunger in Rußland.

Der Zusammenbruch der Getreide- Planwirtschaft.

K o w n o, 19. Nov. (TU.) Nach einer Meldung der offiziellen Telegraphen-Agentur der Sowjet­union wird jetzt auch von amtlicher Seite zuge­geben, daß die Brotversorgung des Lan­des für den kommenden Winter zusammen- zubrechen droht. In der ersten Novemberhälste sind nur 32,7 v. H. des erforderlichen Getreides abgeliefert worden. Dab.ei zeigt die Ablieferungs­quote eine absteigende Tendenz. Das von der Regierung festgelegte Jahressoll wurde von den Bauern bisher nur im Umfange von 76 v. H. ausgeführt, wobei als besonders bemerkenswert heroorgehoben wird, daß die staatlichen Sowjet- wirtschaften, also die großen Mustergüter der Regierung, sogar nur 60 v.H. des Ge- treides olls abgeliefert haben. An vielen Stellen kümmern sich die Bauern gar nicht um die Brotablieferung, wobei amtlicherseits den Dorfsow­jets wegen ihrer angeblichen opportunistischen Nei­gungen und wegen Begünstigung der Großbauern die größten Vorwürfe gemacht werden, während wiederum infolge der wachsenden Verkehrsschwie­rigkeiten in zahlreichen anderen Provinzen die Knotenpunkte so verstopft sind, daß an eine Weiterbeförderung der Getreidefracht nicht gedacht werden kann.

Zu gleicher Zeit hebt die Telegraphen-Agentur hervor, daß auch der für die Herbstaussaat veranschlagte Plan nur zu 90 v. H. durchgeführt wurde, was auch für das nächste Jahr ungünstige Aussichten eröffnet. Die Re­gierung ist bestrebt, überall mit den schärfsten Mit­teln gegen diejenigen vorzugehen, die das Getreide zurückhalten oder sonst die Schuld an der Der-

England auf der Abrüstungskonferenz.

Scharfe Kritik an der schwankenden Haltung der britischen Delegation.

London, 19. Aov. (WTB.) Der »Manchester Guardian" schreibt in einem Leitauffah: Aach langwierigen Debatten in Genf ist die Abrüstungs- kommission zu der Feststellung gelangt, dah die Landabrüstung undurchführbar ist. Dies ist trotz Lord Cecils pathetischem Gerede von wirklichem Fortschritt das Ergebnis der Erörterung. Sogar bei der einfachen Aufgabe, einen Plan für die Beschränkung der Heere auf­zustellen, ist die Kommission hoffnungslos gescheitert. Aach Hendersons tapferen Wor­ten bei der Eröffnung der diesjährigen Völker­bundsversammlung hätte niemand voraussehen können, dah die britischen Vertreter bei jeder wichtigen Abstimmung für das Ver­fahren stimmen würden, das die Abrüstung schwierig gestaltet. Das Blatt betont, der einzige Weg, um die Kriegsstärke eines Wehr­pflicht-Heeres zu vermindern, bestehe in einer ernstlichen Beschränkung des jähr­lichen Kontingents. Dies sei die vitale Frage der Länder. Auch in der Frage des Kriegsmaterials, so führtManchester Guardian" fort, scheint Lord Cecil seine Ansicht geändert zu haben. Das Blatt fragt:Hat Lord Cecil den vollständigen und wirksamsten aller Abrüstungsverträge, den Vertrag von Ver­sailles, vergessen? Grohbritannien hat sich in Genf dem französischen Gedanken der Bud­getkontrolle angeschlossen, der wirklich schwierig durchzuführen ist. Da die Militäraus­gaben in dem Voranschlag anderer Länder ver­borgen sind, ergibt sich, wie leicht die Budget­kontrolle umgangen werden kann. Wie kann

anderseits diese Methode je 31 allen und Polen gegenüber angewandt werden, wo parla­mentarische Verantwortlichkeit einfach nicht be­steht." Es sei vollkommen sicher, so sagt das Blatt, dah keine Abrüstung möglich ist, solangeGrohbritannien die Freunde großer Heere unterstütze. 3nfolge der Haltung Englands in Genf sei es heute a u ch i n Deutschland schwierig, dem liberalen Standpunkt Geltung zu verschaffen. Die Anhänger der deutschen Wiederaufrüstung erhielten infolge der Erfolge in Genf Krästezuwachs. Zum Schluß machtManchester Guardian" der briti­schen Arbeiterregierung den Vorwurf, dah sie während der letzten Wochen die Aussichten auf Sicherung des Friedens verringert habe.

Daily M i r r o r" sagt: Der letzte und größte Fehlschlag der sterbenden Regierung ist der völlige Zusammenbruch ihrer so häufig erwähnten Hoffnungen auf Erzielung eines praktischen Ab­rüstungsplanes. Hierbei handelt es sich tatsächlich um eins der Ziele, die das Volk mit den Be­strebungen der sogenannten Arbeiterpartei in Verbindung bringt. Aach jahrelanger Vorberei­tung und nach zwei Wochen der Haarspalterei und des Gezänks über budgetäre oder direkte Kontrolle haben unsere Vertreter in Genf die Sache als aussichtslos aufgegeben das Ganze kommt darauf hinaus. Somit scheint das ausgesprochene Ziel der Sozialisten das übrigens nicht nur ihnen, sondern allen denken­den Parteien und Menschen am Herzen liegt von sozialistischen Ministernver­patzt" worden zu sein.

Wirtschaftspolitische Forderungen der Freien Gewerkschaften.

Düsseldorf, 19. Aov. (TU.) Auf einer. Kundgebung des Allgemeinen Deutschen Gewerk- schaftsbundÄ sprach vor etwa 1800 Gewerk­schaftsfunktionären aus Rheinland und West- salen der Bundesvorsihende Leipart (Berlin) überGewerkschaften und Wirtschaftskrise". Da niemand, so sührte er u. a. aus, ein Mittel kenne, um die Wirtschaft von heute auf moxgen wieder anzukurbeln, müsse zu Aotmahnah- m e n gegriffen werden. Die von den Gewerk­schaften gesonderte gesetzliche Einfüh­rung der 40-Stundenwoche nebst ihren sinngemäßen Ergänzungen biete die Möglichkeit der Wiedereingliederung von rund einer halben Million Erwerbsloser in die Betriebe. Die Gegenvorschläge der Arbeitgeber, Lohnkür­zung ober Verlängerung der Arbeits­zeit, seien abzulehnen, da es etwa ein 3ahr dauern würde, bis sich die Lohnsenkung in einer Preissenkung auch für den letzten Verbraucher auswirken würde. Eine Lohnkürzung würde sich auch sofort in einem ebenso großen Kaufkrastausfall auswirken. Diese Vorschläge be­deuteten eine weitere Gefährdung der Wirtschaft. Deshalb hätten die Gewerkschaften die Schieds­sprüche der letzten Zeit als einen Schlag gegen die Wirtschaft empfunden. Sie verlangten weiter ein angemessenes Gleichgewicht zwischen der Kauf­kraft der landwirtschaftlichen Bevölkerung und der Kaufkraft der industriellen Bevölkerung. Lei­part faßte seine Ausführungen in folgende Leit­sätze zusammen: Kampf für die Revision und friedliche Aufhebung der Repa­rationsverpflichtungen, Entlastung dec Wirtschaft in erster Linie durch Sanierung der öffentlichen Finanzen, 40-Stunden­woche, als Aotmahnahme, keine Senkung der Reallohne, Angleichung des deutschen Preisstandes an die Weltmarktpreise durch Be­kämpfung unwirtschaftlicher Preis­bindungen, durch Kartellkontrolle und Zoll­senkungen, Forderung einer zeitgemäßen Um­stellung in der Landwirts chast, Kampf den Uebergewinnen des Zwischenhandels, Kamps dem heutigen Zunftgeist der 3nnungen, die lebens­wichtige Bedürfnisse verteuern und schließlich För­

derung des genossenschaftlichen Zusammenschlusses von Erzeugern und Verbrauchern.

UeberWirtschaftskrise und Kapitalismus" sprach dann A a p h t a l i (Berlin) von der For­schungsstelle für Wirtschaftspolitik. Er erklärte u. a., die Löhne müßten so aufrecht erhalten werden, dah zumindest ihre Senkung, soweit sie im Verlauf der Krise unvermeidlich sei, der Preissenkung zeitlich so folgt, daß mit ihr keine Verminderung, sondern eine Steigerung der Massenkaufkraft verbunden sei.

Protestkundgebung der Bankangestellten.

Berlin, 19. Aov. (TU.) Auf einer Kund­gebung des Allgemeinen Verbandes der deutschen Bankangestellten gab das Vorstandsmitglied Marx einen Ueberblick über die Bezüge der ein­zelnen Gruppen der Bankangstellten und erklärte, daß die unzureichenden Einkünfte die beabsichtigte Kürzung, die 11 v. H. betragen solle, nicht ver­trügen, zumal die Geschäftserträgnisse der Banken als gut bezeichnet werden mühten. Die Bank­angestellten hätten bei glänzendem Florieren der Bankgeschäfte keine Koniunkturlöhne er­halten. sie lehnten deshalb auch dieKri- s e n l ö hne ob. Das Vorstandsmitglied E m o n t s erklärte: Der von den Dankleitungcn in Vorbe­reitung befindliche neue Tarif, der eine Der» schmelzung der einzelnen Gruvpen vorsehe, ver­sperre jede Aufstiegsmöglichleit der Angestellten. Die Versammlung nahm eine Entschließung an, in der die Abbaupläne des Reichsberbandes der Bankleitungen zurückgewiesen werden. Die For­derungen der Bankleitungen fänden in der wirt­schaftlichen Lage des Bankgewerbes keine Begrün­dung. Die Handlungsunkosten mühten dort ein­gespart werden, wo dies ohne Einschränkung der lebensnotwendigen Konsumkraft möglich sei: Kür­zung des Einkommens der Bankleiter auf ein ihren Leistungen und der allgemeinen Moral ent­sprechendes Maß und Abführung der Aufsichts­ratstantiemen der Vorstandsmitglieder rmd Direk­toren in die Kassen der Banken.

zögerung der Ablieferung tragen. Eine Reihe von Parteiführern in der Provinz ist ihres Amtes ent­hoben und dem Gericht übergeben worden. Es wird insbesondere gerügt, daß die Parteiführer an Ort und Stellebeamtenmäßigen Bürokra­tismus" und mangelnd« Sorgfalt wal­ten ließen. Es wird deshalb von nun ab jeder einzelne Führer der Dorf- und Kreissowjets oder der Kollektivwirtschaften persönlich für die Durch­führung der Regierungspläne verantwortlich ge­macht, um das notwendige Ausfuhrgetreide ein­zubringen und das Land vor der Hungersgefahr zu bewahren.

Bucharin unterwirft sich.

K o w n o, 20. Aov. (TU.) Wie aus Moskau berichtet wird, hat sich der ehemalige Vorsitzende der kommunistischen 3nternationale, Bucharin, der geistige Führer der Rechtsopposition, am Mittwoch in einem Schreiben den Beschlüs­sen der Parteileitung unterworfen. 3n dem Schreiben an das Zentralkomitee gibt Bucharin zu, dah er die Beschlüsse des letzten Parteikongresses mißbraucht und versucht habe, innerhalb der Partei eine neue politische Fraktion zu bilden, um die Partei zu zwingen, einen neuen Kurs einzuschlagen. Er bittet die Partei, ihm seine Fehler zu verzeihen, er werde sich sämtlichen Beschlüssen der Parteileitung un- terwerfen. Er sei außerdem bereit, der Zentral­kontrollkommission der Kommunistischen Partei weitere Mitteilungen über seine Beziehungen zu der Rechtsopposition zu machen. Gegenrevolu­tionären Schädlingsorganisationen gegenüber sei unbarmherzige Abrechnung notwendig.

Aus aller Welt.

Richt ausgenuhle Mandate, ein wahlkuriofum.

Die Mandatsverteilung auf Grund der Kom­munalwahlen in der badischen Stadt Ueberlingen hat insofern eine kuriose Aenderung erfahren, als die A a t i o n a l s o z i a l i st e n, die eine Kandidatenliste mit nur a ch t Aamen ein­gereicht hatten, auf Grund der erzielten Stimmen- zahl aber Anspruch auf 13 Bürger- ausschuhsitze haben. Aach den gesetzlichen Bestimmungen fallen nun diese nicht verwerteten

Stimmen den anderen Parteien zu. Es er­gibt sich demnach das wohl einzig dastehende Kuriosum, dah die Aationalsozialisten unfrei* willig fünf Mitgliedern anderer Parteien im Bürgerausschuh Sitz und Stimme verschafft haben. Es erhalten nunmehr: Zentrum 25 Sitze, SPD. 9, Einheitsliste 14 und Aationalsozialisten 8 Sitze.

Bundestag

des Bundes Deutscher Zivilsupernumerare.

Der Bund Deutscher Zivilsupernumerare hielt in Berlin seinen zweiten Bundestag ab. 3n seinem Geschäftsbericht entwickelte der Bundes- Vorsitzende ein Bild von den Aufgaben des Bundes. Die Versammlung stellte in einer Ent­schließung mit Befremden fest, daß das Berufs­beamtentum durch systematisch betriebene Be- amtenhehe immer mehr zum Spielball politischer und wirtschaftlicher Meinungen gemacht werde. Die vielfachen Experimente am Berufsbeamten­tum müßten zu einer Erschütterung des Rechts- bewußtseins innerhalb der Beamtenschaft führen, besonders, wenn durch diktatorische Maßnahmen wie die sogenannte Reichshilfe und die durch Uebergehung verfassungsmäßig verankerter Ga- ranHen in Aussicht genommenen Gehalts- und Pensionskürzungsabsichten die Pläne der Reichsregierung verwirklicht wür­den^ gleichgültig auf welchem Wege. Gegen eine einseitige Sonderbelastung eines einzigen Stan­des dem gegen Gewaltakte nur das Mittel der Verwahrung zur Verfügung stehe, müsse sich die deutsche Beamtenschaft mit aller Deutlichkeit aus­sprechen. Die geplanten Gehalts- und Pensions­kürzungen, die zur Lastensenkung für andere De- rufskreise verwertet werden sollten, stellten feine Gleichbehandlung aller vor Gesetz und Recht dar und verstießen wider Treu und Glauben. Die Absichten der Reichsregierung kurierten am Symp­tom, gingen aber nicht an die Wurzel des Uebels: die untragbaren Tributlastenl Der Bundestag nahm Stellung zu einer Vertont- tungs ° und Reichsreform, deren Aot- tocnbigfeit er erneut anerkannte unter der aus­drücklichen Zusicherung seiner positiven Mitarbeit. 3edoch wandte er sich entschieden gegen solche Reformen, deren Ziel lediglich kalter Abbau des Berufsbeamtentums ist. Seine programmatische Kernforderung, füs Len Nachwuchs feines i

Standes das Abiturium (Hochschulreife) zu erhalten, verteidigt der Bund. Die Verwaltungs­reform wird den für den gehobenen mittleren (oberen) Beamten typischen Aufgabenkreis noch mehr qualitattv erweitern und die oberen Be­amten immer mehr zu leitenden, inittativ be­stimmenden, mit Zeichnungsbefugnis ausgestatte­ten Beamten machen. Dieser Sachentwicklung ist die Vorbildung des Berufsnachwuchses an­zupassen, die auch die der besonderen Bedeutung des Amtes entsprechende Allgemeinbil­dung einschließt. Der Bund steckt nur daS Ziel Abiturium ab, verlangt aber nicht zu« Erlangung des Zieles unbedingt die nor­malen Ausbildungswege über die neunstufige höhere Lehranstalt, sondern überläßt den Weg zum Ziel dem einzelnen.

Gegen den Terror in Sowjetruhland.

Eine große Anzahl von führenden Persönlich­keiten der deutschen Wissenschaft, Technik, bilden­den Kunst und Literatur veröffentlicht die folgende Erklärung:

Am 3. September meldete die amtliche sowjet- russische Presse die Verhaftung einer Reihe von hervorragenden Männern der Wittenschaft, die ihre ganze Kraft in den Dienst ihres Landes gestellt Hattern Die Tat­sachen häufen sich, die zu beweisen scheinen, daß jede wissenschaftliche Tätigkeit, die auch nur das bescheidenste Maß von Gedan­kenfreiheit für sich beansprucht, in der Sowjetunion unmöglich wird. Aach wei­teren Meldungen der amtlichen sowjetrusfischen Presse vom 22. und 25. September sind andere 48 Personen, an ihrer Spitze Professor Rjsan- z e w und Professor Karatygin, ohne Ge­richtsverfahren, lediglich auf Beschluß der OGPU. (staatspolitische Verwaltung), erschos - s e n worden. Die unterzeichneten Vertreter der Wissenschaft, Technik, Literatur und Kunst, halten es für ihre Gewissenspflicht, gegen ein solches Vorgehen, das den elementar ft enGrund- sätzen des menschlichen Gemeinle­bens widerspricht, vor der Oeffentlichkeit Einspruchs zu erheben."

Unter den 82 Unterzeichneten sind der Präsident der Akademie 6er Wissenschaft in München, der Altphilologe Eduard Schwartz, der Vor­sitzende Sekretär der Akademie der Wissenschaf­ten in Berlin, der Physiker Max Planck, große Aerzte wie Ludwig^von Krehl und Max Rubner: die bekannten Aaturforscher und Erfinder Fritz Habe r, Alfred Mitsch - lich, die Mathematiker Erhard Schmidt und Rothe, führende Techniker und Architekten wie Hans P o e l z i g und Heinrich T e f f e n o to ; be­kannte Schriftsteller wie Bruno Frank, Heinr. Mann, Walter von Molo und 3ak. Waf­fe r m an n bereinigen ihre Stimmen mit den Ma­lern Ludwig von Hofmann, Max Lieber­mann und den Dirigenten Wilhelm Furt­wängler, Sigmund von Hausegger und K. Muck. Aus der besonders zahlreichen Gruppe von Vertretern der Geisteswissenfchaften seien ge­nannt: die 3uriften Kahl und Triepel, die Philosophen Max D e s s o i r und Ed. ©Pran­ger, die Aationalökonomen und Soziologen Herkner, Gering, Ad. und Alfr. Weber: die Historiker Erich Brandenburg und Fried­rich M e i n e cf e und der Kunsthistoriker Heinrich W 5 l f s l i n.

Die Wetterlage.

Q wolkenlos ©neuer, ©halb bedeckt, © wolkig, e oedecm eltege^ * Schnee esGraupein. e NebelKGewit'/r.©Windstille O-» sehr leichte» Ost ^5 massiger Südsüdwest q Stürmische» «fordWesK Die Piene wegen mit dem winde. Die beiden Stationen stehenden Zah­len geben die Temperatui an. Die Linien verbinden Orte mit .gleichem auf Meeresniveau umgerechneten Luftdruck

Wettervoraussage.

Der Cnglandwirbel ist sehr rasch ostwärts über Deutschland hinweggezogen und hat eine voll­ständige Umgestaltung der Wetterlage herbei­geführt. Sein Warmluftsektor mit einer ausge­prägten Regenfront überquerte während des gestrigen Tages unseren Bezirk, brachte Tempera­turanstieg von 4 bis 6 Grad, sowie Aiederschlags- mengen bis zu 10 Millimeter. Die Wetterlage bleibt vorerst im Zeichen von Druckstörungen, denn der Westküste 3rlands hat sich bereits ein neues kräftiges Tief genähert, welches nach dem Festlande an Raum gewinnt. Eine abermalige Warmluftwelle, an die ein erhebliches Regen­gebiet gebunden ist in England sind Aieder- schläge bis zu 20 Millimeter aufgetreten wird über Deutschland hinwegziehen, so daß feucht- mildes, trübes und regnerisches Wetter vorherrscht. Aach dem Vorüberzug der Warmfront und dem Uebergang zur Kaltfront wird unter auffrischen­der ßuftbetoegung der Witterungscharakter mehr und mehr unbeständig, das Regengewölk wird durchbrochen und vorüberziehende Döenwolken bringen noch Schauer mit.

Aussichten f ü r Freitag:' Mildes und trübes Wetter mit Aiederschlägen, später wech­selnd wolkig, südwestliche bis westliche Winde.

Lufttemperaturen am 19. November: mittags 2,8 Grad Celsius, abends 9,2 Grad; am 20. November: morgens 7,6 Grad. Maximum 9,3 Grad, Minimum 0,9 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 19. November: abends 2,2 Grad: am 20. Novembers morgens 5 Grad Celsius. Niederschläge 7,5 nun,