Aus -er Provinzialhaupistadi.
Gießen, den 20. Rovember 1930.
Vorsicht mit dem Tintenstift.
Dom Landesausschuß für hygienische Volks- belehrung wird geschrieben: Der Tintenstift stellt heutzutage einen Gebrauchsgegenstand deS täglichen und besonders des geschäftlichen Lebens dar. Er verdankt dies der Eigenschaft, daß seine Schrift, insbesondere auf angefeuchtetem Papier, schwer verlöschbar ist und ähnlich wie Tinte tief in das Schreibpapier eindringt. Gerade der Farbstoff aber ist es, der den Tintenstift unter Um- ständen nicht ungefährlich macht. Als Farbstoff wird beim Tintenstift gewöhnlich das sogenannte Methylviolctt, d. h. em wasserlöslicher Anilin- Farbstoff verwandt, der. wenn er auf die menschliche Haut bzw. Schleimhaut kommt, stark ätzende Eigenschalten besitzt. Gelangt z. D. bei ungeschicktem Anspitzen eines Tintenstiftes ein kleines Stückchen der Dleistiftmasse in die Haut, so erzeugt es dort eine heftige Entzündung und bei längerem Derweilen oft schwere Zerstörungen. Weit gefährlicher noch wirkt das Eindringen von Tintenstift- Teilchen ins menschliche Auge. Wird gar, wie es in leichtfertiger Weise schon geschah, ein Stück Tintenstift verschluckt, so ist der Farbstoff des Tintenstiftes ^imstande, auf der Schleimhaut des Ma- gens schwere geschwürige Veränderungen zu erzeugen. Deshalb sorge man bei Tintenstift-Der- letzungen, welcher Art sie auch immer sein mögen, zunächst für schleunige ärztliche Hilfe, denn je rascher der Arzt in der Lage ist, die eingedrungene Schädlichkeit zu entfernen, um so geringer sind die Giftwirkungen. Kindern gebe man einen solchen Tintenstift gar nicht in die Hände. Unter allen Umständen sollte man, wie bei jedem Dlei- stift, besonders beim Tintenstift, vermeiden, ihn vor dem Gebrauch mit Lippe und Speichel in Berührung zu bringen.
Gictzencr Wochenmarktpreise.
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Kochbutter von 130 an, Butter 150 bis 160, Watte 30 dis 35, Käse (10 Stuck) 60 bis 140, Wirsing 8 bis 10, Weißkraut 5 bis 6, Rotkraut 8 bis 10, gebe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15 bis 20, Unter-Kohlrabi 5 bis 6, Rosenkohl 25 bis 30. Feldsalat 80 bis 103, Tomaten 50 bis 70, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 30 bis 50, Kürbis 8 bis 10, Kartoffeln 3l/a bis 4, Aepfel 25 bis 40, Dirnen 20 bis 30, Dörrobst 30 bis 35, Honig 40 bis 50. junge Hähne 100 bis 110, Suppenhühner 100 bis 110, Gänse 90 bis 100, Rüsse 40 bis 60 Pf. das Pfund: Tauben (Stück) 50 bis 70, Eier 16 bis 18, Dlumenlohl 30 bis 70, Salat 10 bis 15, Endivien 10 bis 15, Ober-Kohlrabi 6 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 50 Pf. das Stück: Radieschen Bd. 15 bis 20 Pf.: Kartoffeln der Zentner 2,20 bis 2,50, Weißkraut 3, Wirsing 4, Rotkraut 5 Mk.
Bornotizen.
— Tageskalender für Donnerstag. Christliche Versammlung Gießen: Vortrag „Ewiges Gericht", 20.15 Uhr, im Cafs Leib. — Akademische Kurse für Kaufleute und Öciocrbetreibcnbe: Vortrag von Universitätsprofcssor Dr. Lenz über das Thema „Die deutsche Volkswirtschaft im Zeitalter des Hochkapitalismus. 20.15 Uhr, im Hörsaal 44. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Lindenwirtin". — Astoria-Lichtspielc: „Die weiße Spinne" und „Frauen am Abgrund".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird unS geschrieben: Morgen, Freitag, gelangt unter der Regie von Karl Dvlck das Lustspiel „Geschäft mit Amerika" zur Aufführung. Mit- wirlende: die Damen 3ahn, Leuthols, Schwend: die Herren Bäuerle, Hauer.
— Der Goethe-Bund teilt uns mit: Zu dem ersten Dichterabend dieses Winters konnte der bekannte Dichter 3 oscf Ponten zu einer Dorlesung gewonnen werden. 3m ersten Teile des Abends am kommenden Montag wird der Dichter aus dem Buch „Seine Hochzeitsreise" vorlesen. 3m zweiten Teile des Dichterabends kommen Kapitel seines großen Romanwerkes „Wolga Wolga" zur Dorlesung. Mit diesem Werk hat der Dichter den Dersuch unternommen, das Deutschtum in der Welt als ein Ganzes zu begreifen und sichtbar vor Augen zu stellen. Der Abend wird eine interessante Dichterpersönlichkeit an den Dortragstisch führen. (Siehe heutige Anzeige.)
— Sparer- und R e n tn e r v e r s a mm- lung. Die hiesigen Ortsgruppen des Hypothekengläubiger- und Sparerschutzverbandes (Sparerbund) und des Deutschen Rentnerbundes halten am morgigen Freitagabend im „Pfälzer Hof" eine gemeinsame Mitgliederversammlung ab, in der sehr wichtige aktuelle Fragen für die Gläubiger von Aufwertungshypothelen und sonstige 3nslationsgeschädigte verhandelt werden sollen. Zu der Versammlung haben auch Richtmitglieder Zutritt.
— Der Evangelische Kirchengesang- verein veranstaltet am Sonntag, 20 Uhr, in der Stadtkirche ein dem Totensonntag angepaßtes Kirchenkonzert. Eine Reihe von namhaften auswärtigen und hiesigen Kräften wirkt mit. Arien, die Kantate „Wachet auf, ruft uns die Stimme" von I. S. Bach mit Orchesterbegleitung u. a. m. kommen zu Gehör. Näheres in der Anzeige am nächsten Samstag.
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•* Der preußische Bußtags -Bes u ch in unserer Stadt am gestrigen Mittwoch war infolge des regnerischen Wetters und der gegen das Dorjahr wesentlich verschlechterten Wirtschaftslage geringer, als am Bußtage des vorigen 3ahres. Der Rückgang des Besuchs machte sich sowohl aus der Reichsbahn, wie im Kraftomnibusverkehr und natürlich auch in den Geschäften bemerkbar. 3mmerhin darf gesagt werden, daß auch der bescheidenere Fremdenverkehr in unserer Stadt am gestrigen Tage den Ladengeschäften und Erholungsstätten eine zusätzliche 3nanspruch- nahme gebracht hat, die in der heutigen schweren Wirtschaftszeit von den Geschäftsinhabern willkommen geheißen wurde.
*• For st Personal! e. Der Amtsvorstand des Forstamts Mönchbruch, Forstmeister Rudolf A r n o l d i, wurde in gleicher Diensteigenschaft in das Forstamt Rabenau verseht.
" Dahnhofspersonalie. Der Hilfs- bahnhofschaffner Karl Rodenhausen von Wieseck wurde rückwirkend ab 1. Rovember als Bahnhofsschasfner beim Bahnhof Gießen etatmäßig angestellt.
Der Strahenbahnverkehr zum Reuen Friedhof beginnt am kommenden Samstag und Sonntag anläßlich des Totenfestes bereits um 10 Uhr. (Siehe heutige Bekanntmachung.)
Wenn Ihre
Empfehlungsanzeige
in der Freitags- oder in der Samstagsnummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige,. wirksame Satzausstattung
werben soll
dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der Geschäftsstelle auf
nationalen Handlungsgehilfen-DerbandeS sprach Kreisgeschäftsführer Klaue (Frankfurt a. M.) über: „Standesnot, unsere sozial- und gewerkschaftspolitischen Ziele". Der Kaufmannsgehilfen- stand sei schon lange vor Eintritt der augenblicklichen Wirtschaftskrise durch den durch die Rationalisierung der Wirtschaft bedingten Abbau stark in Mitleidenschaft gezogen. Dem Kaufmanns- gehilfenstcrnd, als einem wichtigen Faktor im Wirtschaftsleben, mühten größere Sicherheiten gegeben werden. Unter der Devise „Sicherung des Arbeitsplatzes" habe der DHB. eine Reihe wichtiger Forderungen an den Reichstag und die Parteien gerichtet, von denen besonders hervor- gehoben seien die rechtliche Sicherung des festen Monatsgehaltes, der Ausbau des Schuhes für die älteren Angestellten und des Kündigungsschutzes aus dem Detriebsrätegeseh, sowie Maßnahmen gegen die Doppelverdiener. Die Dersammlung faßte im Anschluß an den Dortrag eine Entschließung zum Lohn- und Preisabbau, in der es u. a. heißt: „Die Ortsgruppe Gießen des DHB. nahm Stellung zu den aktuellen Fragen des Lohn- und Preisabbaues und stellte fest, daß die Gehälter der Kcrufmannsgehilfen bei weitem auch dann nicht an die vergleichbaren Beamtengehälter heranreichen, wenn diese um 6 v. H. gekürzt sind. Dabei ist die Lebenssicherheit der Beamten größer als bei den Kaufmanns- gehilfen, deren Gehälter in vielen Fällen bereits gekürzt sind und die schon eine Diertelmillion stellenlosen Kollegen der Wirtschaftskrise zum Opfer gebracht haben. Die regierungsseitige und in Unternehmerkreisen vertretene Auffassung, daß NUN auch die Angestellten-Tarifgehälter gekürzt werden müßten, lehnt die Ortsgruppe des DHB. ab. Die Angestelltengehälter machen nur einen sehr geringen Bruchteil der Gestehungskosten bzw. Berkaufspreise aus: sie sind auch seit der Währungsstabilisierung nicht so schnell wie die Arbeiterlöhne gestiegen und bleiben für einen großen Teil der Angestellten noch wesentiich hinter diesen zurück. Die Ortsgruppe Gießen des DHB. erachtet es deshalb als selbstverständlich, daß erst eine wesentliche Preissenkung der Lebensmittel und sonstigen Bedarfsartikel eintreten muß, ehe an eine Senkung der Ange st ell tengehä 1 ter gedacht werden farm. Die Ortsgruppe appelliert deshalb an die hiesigen Arbeitgeber, sich von der allgemeinen Gehaltsabbau-Psychose freizuhalten und ihren Mitarbeitern eine gerechte Beurteilung ihrer Lage zuteil werden zu lassen."
” Die Gesellschaft zur Förderung gesundheitlicher Ernährung trat in Verbindung mit dem Reformhaus Paul Scholz (Gießen) als Beranstalter eines Lehrganges für neuzeitliche Küchenführung auf. Der Kursus, der in zwei Abenden durchgeführt wurde, vereinigte im Kaufmännischen Dereinshaus eine Reihe von Haussrauen und junge Mädchen, die sich die Erkenntnisse der Ernährungswissenschaft der letzten 3ahre zu eigen machen wollten. Fräulein Ruth v. Hermanni, die Leiterin des Kurses, entwickelte in übersichtlicher Form die Theorien der salzarmen und eiweihbeschränkten Ernährung. Durch praktische Zubereitung und Der- teilung von Kostproben, gewannen die Teilnehmerinnen einen Einblick in die Technik und ben Sinn moderner Küchenführung. Das Elektrizitätswerk hatte für die Vorführungen einen elektrischen Kochherd zur Verfügung gestellt, das Reformhaus Scholz durch Bereitstellung von notwendigen Hilfsmitteln, Extrakten, Oelen, Fetten und verschiedenen anderen Materialien den Kursus unterstützt.
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dann fchmeckt er!
** Aufgehobene Straßensperre. Tiit- geteilt vorn Oberhessischen Automobilklub E. D. (A. v. D.), Gießen: Die Straßensperrung Alten- bürg — Brauerfchwend, im Zuge der Pro- vinzialstraße Alsfeld—Fulda, ist ab 19. November aufgehoben.
** Akademische Kurse für Kaufleute und Gewerbetreibende. Im Rahmen dieser
Veranstaltung, die von der Industrie, und Handels- Jammer und der Hochschulgesellschaft gemeinsam in die Wege geleitet wurde, beginnt heute abend die Vorlesungsreihe von Professor Dr. Len z.
** Zu dem Motorradunfall, über den wir gestern berichteten, wird uns von dem Vater des verunglückten Klein mitgeteilt, daß der Unfall sich auf der Landstraße nach Steinbach, kurz vor der 9. Schneise ereignet hat. Es habe aber kein Zu- sammenstoß mit einem Auto slattgefunden, sondern das Motorrad sei beim Ausweichen vor einem entgegenkommenden Fuhrwerk auf der nassen Straße ins Rutschen gekommen, und dadurch seien die jungen Leute gestürzt. Auf Rückfrage bei dem Gewährsmann unseres gestrigen Berichts wird uns erklärt, daß ihm bei seiner Darstellung ein Mißverständnis unterlaufen sei.
** Deuts chnationaler Handlungs- gehilfen-Verband. 3n einer gut besuchten Versammlung der Ortsgruppe Gießen des Deutsch*
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ausgeschaltet ist, 100% seines Kaufpreises an Waren.
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