Ausgabe 
20.11.1930
 
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Nr. 272 (Elftes Blatt

180. Jahrgang

Donnerstag, 20. November 1930

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Dr. Friede Wilh Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange, für Feuilleton Dr H.THynot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Tlflj Filter, sämtlich in Gießen

Wenn man auf die 25 letzten Jahre zurückblickt, so muh man anerkennen, daß König Haa­kon V I1. diesen Namen nahm Prinz Karl nach seiner Thronbesteiaung an eine segens­reiche Negierungszeit hinter sich hat. Norwegen hat im Laufe der letzten 25 Jahre vor allen Dingen ein sehr günstiges brüderliches Verhält­nis zu seinem Nachbarn Schweden zustande gebracht, so dah man heute von einem einigen Norden sprechen kann. Dieses Verdienst ist in hohem Grade König Haakon zuzuschreiben, in noch höherem Mähe aber König Gustaf von Schwe­den, der keine Gelegenheit vorübergehen lieh, um dem selbständigen Norwegen seine Sympathie aus­zusprechen. Man wird sich ferner erinnern, wie namentlich die Malmoe-Zusammen- k u n s t Anfang des Krieges die drei skandinavi­schen Könige zu einer Kundgebung veranlahte, aus der allmählich ein festes, dauerhaftes Dru- derverhältnis im Norden Europas entstand. Kö­nig Haakon, der als Fremder nach Norwegen kam, ist heute zweifellos ein im ganzen Lande beliebter Herrscher. Seine Dynastie darf als vollkommen gefestigt gelten.

Das dänische Königspaar wird jum 25jährigen Jubiläum König Haakons am 25. No­vember nach Oslo kommen. Ferner werden Prin­zessin T h y r a und Prinz Gustaf von Dänemark an den Oubiläumsfestlichkeiten teilnehmen. Der König von Dänemart ist bekanntlich ein Vruder des Königs von Norwegen. England wird den Prinzen von Wales als Vertreter des eng­lischen Königs entsenden. Königin Maud von Norwegen ist eine englische Prinzessin, Schwester des Königs Georg von England. Das einzige Kind des Königspaares ist der Thronfolger, der 1903 geborene Kronprinz Olaf, der seit 1929 mit der Prinzessin Martha von Schweden ver­heiratet ist.

Oer Außenhandel mit Südosteuropa.

Auf der Genfer Wirtfchaftsionferenz.

Genf, 19. Noo. (TU.) Hier ist die europäische Wirtschaftskonferenz zusammengetreten, die die Vor­schläge der lüdosteuropäischen Agrarstaaten aus Vor­zugsbehandlung für landwirtschaftliche Erzeugnisse beriet. Der rumänische Handelsminister 'Di a nö­le (c u forderte ein Präferenzsystem für landwirt­schaftliche Erzeugnisse der südosteuropäischen Staaten und legte im Auftrage der Delegationen Bulgariens, Ungarns, Polens, Rumäniens und Süflaroiens dem Ausschuß Richtlinien über dieses System vor. In diesen Richtlinien heißt es, das anzuwendende Präferenzsystem soll eine bedingte außergewöhnliche Ausnahme von der Meistbegünsti- gungskausel sein, die auch weiterhin als nor­male Regelung des internationalen Handels ange­sehen werden soll. Es soll grundsätzlich alle Agrarprodukte umfassen, die eine gewisse Bedeutung im internationalen Handel besitzen, und deren Absatz auf dem europäischen Markt gehemmt wird oder gehemmt werden soll. Für die Vorzugs­behandlung kommen folgende Produkte in Frage: Getreide, Mass, Gerste, Hafer, Roggen und ihre Nebenprodukte'

Sn >der allgemeinen Aussprache erklärte Mini­sterialdirektor Dr. P o s s e, dah Deutschland bereit sei, in Verhandlungen mit den Donaustaaten ein­zutreten. Er sei überzeugt, dah in dem gegen­wärtig zerrütteten Zustand der europäischen Wirt­schaft nichts nötiger sei als die Zusammenarbeit. Die vorgeschlagene Verbindung zwischen den südosteuropäischen Agrarstaaten und den zentral- europäischen Industriestaaten sei eine wich-

Negierungsjubitaum König Haakons von Norwegen.

Am Dienstag vor 25 Jahren wählte der Norwe­gische Storthing einstimmig den dänischen Prinzen Karl, Enkel des damals regierenden Königs Christian IX. von Dänemark, zum König. Man wird sich erinnern, dah dieser Wahl eine Volks- abstimmung vorausging, bei der für das Königtum eine so überwältigende Stimmenzahl abgegeben wurde dah sich sogar alle Republika­ner im Storting für die Königswahl aussprachen.

polens Außenpolitik nach -en Wahlen.

Oer Korridor.

Zaleski lehnt eine Revision ab.

Paris, 19. Nov. (.) Der polnische Außen­minister Zaleski gab einem Vertreter desPe­tit Parisien" eine längere Erklärung ab, in der er sich vor allem mit der Frage des Korridors be- schäftigte. Zaleski betonte, dah das Gebiet, das Polen freien Zugang zum Meere ver­schaffe, die Mindestbedingung der Exi­stenzmöglichkeit Polens bedeute. Man dürfe nicht vergessen, dah der polnische Korridor Polen sämtliche Weltmärkte öffne, während ein deutscher Korridor lediglich dem Reich den Markt einer Provinz erschliehe. Polen habe den größten Wunsch, gute Veziehungen zu seinem westlichen Nachbarn zu unterhalten und es fei bereit, in einem versöhnlichen Geist der Zu­sammenarbeit sämtliche technischen Hinweise auf­merksam zu prüfen, die die Lage Ostpreußens bessern könnten.

Lieber den Revisionsgedanken in Deutschland befragt, antwortete der polnische Außenminister nur sehr ausweichend: er glaube nicht, daß die Revisionsbestrebungen, die außerdem noch nicht amtlich zum Ausdruck ge­kommen seien, sich gegen eine bestimmte Grenze mehr als gegen eine andere richteten. Polen und Frankreich hätten ein Interesse daran, dah die Grenzen so blieben, wie sie durch den Ver­sailler Vertrag fest gelegt worden seien. Be­züglich der Revision anderer Klauseln des Ver­sailler Vertrages, insbesondere derjenigen, die Deutschland das Recht zu einer starken Rüstung geben würden, betonte Zaleski, dah ein st a r - kes Heer Deutschland bei der Verfolgung sei­ner Revisionspolitik sehr nützlich sein würde, da sich die deutsche Diplomatie sodann zum min­desten moralisch auf eine Macht stützen könne. Er wolle sich aber lediglich die Worte des deutschen Reichskanzlers Brüning zu eigen machen, dah die Politik auf der ehrlichen Durchführung der internationalen Verträge und auf der friedlichen Zusammenarbeit der Volker untereinander be­ruhen müsse.

Oie Revision im Osten.

Ein interessanter Disput über das deutsch-polnische Problem.

London, 19.Nov. (WTB.)Times" ver­öffentlicht einen Brief des Staatssekretärs Frei­herrn v. Rheinbaben an den Heraus­geber des Blattes, in dem der bekannte deutsche Auhenpolitiker zu verschiedenen Aeuhe- rungen Stellung nimmt, die sich auf die Frage der Grenzrevision im Osten beziehen. Es handelt sich um einen Leitartikel derTimes", der zum Ausdruck bringt, dah die Probleme, die mit der Revision der Friedensverträge ver­bunden seien, innerhalb der nächsten vier Jahre bestimmt zur Erörterung kommen würden, und dah Polen aller Wahr­scheinlichkeit nach den deutschen Anregungen über den Danziger Korridor sympathisch gegenüber­stehen würde, wenn Deutschland eine Verständi­gung über die Memelfrage zwischen Polen und Litauen begünstigen würde. Der polnische Botschafter in London ist aber dieser Auffassung in entschiedener Form entgegengetreten.

Frhr. v. Rheinbaben bemerkt hierzu u. a.: Als deutscher Politiker, der während vieler

Jahre der Ansicht gewesen ist. dah es nach Locarno die außerordentlich schwierige Auf­gabe unserer Außenpolitik war, den Versuch zu machen, durch Verträge und gegen­seitige Abkommen zu einem modus vivendi mit Polen einschließlich der Aufrechterhaltung der Rechte der Minderheiten zu kommen, der nun aber zu der Auffassung gelangt ist, dah dieser Versuch völlig scheiterte, betrachte ich das deutsch-polnische Problem nun wiederum als ein offenes vor Europa und gegenüber dem Weltfrieden. Deutschland kann und wird nie­mals die Versailler Grenzen im Osten a l s eine endgültige Regelung betrachten. Es erstrebt ihre Revision mit fried­lichen Mitteln und ich wage zu hoffen, dah in den augenblicklichen und kommenden inter­nationalen Diskussionen das deutsch - polnische Problem als ein wesentlicher Teil einer neuen internationalen Anstrengung und Aktion be­trachtet werden wird, einer Aktion, durch welche vielleicht auch der höchst unbefriedigende Zustand des gesamten europäischen Ostproblems eine bessere Losung finden konnte.

Asiatische Methoden.

Die Pilsudski-Dragonaden in der Ukraine.

München, 19. Nov. (Sil.) ilnter dieser ÜberschriftAsiatische Methoden in Polen" ver­öffentlicht am Donnerstag derBayerische Ku­rier" eine zuverlässige Üebersetzung des Be­richtes, den der ukrainische, griechisch-uniierte Bischof Dr Iwan B e nz k v in Lemberg unter dem 1. Oktober 1930 über seine Untersuchungen der üebergrifse der polnischen Strafexpeditionen gegen die ükrai-

2H a i n 3, 20. Roo. (TD5)1.) Das gegen den frühe­ren Staatsanwall Dr. Dorten eingeleitete Ver­fahren wegen Hochverrats ist durch Beschluß des 4. Strafsenats des Reichsgerichts auf Grund des Gesetzes vom 14. Juli 1928 und auf Grund des Räumungsabkommens vom 5. Oktober 1 9 2 9 nunmehr eingestellt worden. Gleichzeitig wurde auch der Haftbefehl gegen Dr.Dorten ausgehoben.

wie bekannt, hatte sich Dr. Dorten nach der Aus­rufung der Ri einischen Republik im Sommer 1919 als derenPräsident" betätigt und in dieser angemaßten Eigenschaft Zulassung seiner Dele­gierten zu den Friedensverhandlungen neben den Delegierten des Reichs verlangt. Ls wurde damals sofort vom Oberreichsanwalt das Hochverrats- verfahren gegen Dorten eingeleitet. Die Durch­führung dieses Verfahrens muhte jedoch unter­bleiben, da sich Dorten damals im Machtbereich der Franzosen befand. Obwohl der Traum von der Rheinischen Republik ausgeträumt war, betätigte sich Dorten noch weiter im besetzten Rheinland für seine separatistische Bewegung. Schließlich flüchtete ci aber nach Nizza.

n et an das polnische Innenministerium in War­schau gerichtet hat. Die Feststellungen geben ein erschütterndes Bild der polnischen Barbarei ge­gen wehrlose, romtreue, griechisch-katholische Priester. In der Stadt Tarnopvl wurde die Wohnung des Dekans Beczynski demoliert. Das Lokal eines ukrainischen Vereins wurde ebenfalls verwüstet. Ferner wurden in einer ukrainischen Volksschule und in einer von ukrainischen Schü­lern besuchten Pension größere Zerstörungen an- gerichtet. Nachdem man hier den Direktor und die Schüler 24 Stunden lang in Arrest hielt, wurden sie beim Verhör geohrfeigt. In der Stadt Podhajce wurden dreißig Ükrainer verprügelt und in scheußlichster Weise ge­martert. Ein Geistlicher in Blezwoski wurde schwer beschimpft. Im Dorfe Wierzdow hat man d a S Pfarrhaus zerstört und den Pfarrer, den Schulleiter und mehrere Dauern verprügelt. Weitere polnische Ausschreitungen ähnlicher Art Huben sich in Holhocze, Mondzelowko und Zac- wanica zugetragen. Im lehtgenarmten Orte wurde das Haus des Erzbischofs schwer beschädigt. Der Dorfpfarrer wurde mit 200 Stockhieben gemar­tert, als er bewußtlos wurde, goß man kalte- Wasser über ihn. Pfarrhäuser wurden auch in Wisniowczyk und Dohatskwcze sowie in den Dör­fern Kupzynsca und Denysow beschädigt. Auch hier sind schwere Ausschreitungen gegen die Pfarrer vorgekvmmen. Bauern und Lehrer wur­den verprügelt. Auch vor Gewalttaten gegen Frauen schreckten die Polen nicht zurück.

Die Verantwortung für den Inhalt des Be­richtes übernimmt nach dem genannten Blatt das griechisch-katholische Zentralpfarramt St. Bar­bara in Wien I, Riemengasse 1.

Unter der UeberschriftDas Volk versteh! eseinfachnicht" stellt derMainzer Anzeiger" die Amnestierung Dortens und die Verurteilung eines jungen, bisher unbestraften Mannes, der sich an den Ausschreitungen gegen d i e S e- paratiften beteiligt hatte, zu drei Monaten Ge­fängnis gegenüber. Das Blatt schreibt u. a.: Die öffentliche Meinung wird es nie und nimmer verstehen, dah ein Dorten und viele seiner Spieh- gesellen in Mainz und anderswo unbehelligt bleiben, daß es keine Strafe für ihre Misse­taten gibt, für Tote und Verwundete, für Mißhand­lungen und Ausweisungen, während ein Deut­scher für einen liebergriff gegen Separatisten, der juöem von dem Angeklagten noch in Abrede gestellt wird, drei Tftonate Gefängnis erhält. Dorten und feine verräterischen Freunde laufen ohnedenMakelderVvr strafeaisrecht- l j ch geschützte Ehrenmänner herum, der aus gesteigertem vaterländischen Impuls zu einem kleinen Uebergriff getriebene Mainzer Bürger bleibt trotz seiner Begnadigung vorbestraft und in den Polizeiakten belastet.

Der rheinische Separatist Dr. Dorten amnestiert.

Auf Grund des Räumungsabkommens. OerPräsident der Rheinischen Republik" bleibt unbehelligt.

tige underste Etappe für eineRatio- nalisierung der Wirtschaft Gesamt­europas. Die Schwierigkeiten des Problems für Deutschland ergeben sich jedoch daraus, daß Deutschland den Charakter eines gemischtwirtschaftlichen Landes habe. Auch bei den jetzigen Zöllen sei es für die expor­tierenden Staaten schwer, auf den Markt der südosteuropäischen Staaten zu tommen. Die Lösung scheint ihm außerhalb des Völkerbundes i n zweiseitigen Handelsvertragsver­handlungen zu liegen. Ministerialdirektor Posse wandte sich sodann gegen den Beschluß der Bukarester Agrarkonferenz, eine Beschrän­kung der industriellen Einfuhr vor­zunehmen, falls das geforderte Dorzugssystem den 2lgrarstaaten nicht eingeräumt würde. Er betonte, dah derartige Mittel nicht weit von dem gegenwärtigen sowjetrussischen System lägen und di^er Beschluß keinen freundlichen Klang für Deutschland gehabt habe. Die Schwierigkeiten des Völkerbundes auf dem Wege eines europäischen Dorzugssystems seien groß, da die Wirkung eines derartigen Systems weit über Europa hinausgehe und leicht andere Staaten die gleichen Forderungen auf Einräumung von Vor­zugszöllen erheben könnten. Die von einigen Staaten bereits vorgenommene Herabsetzung der Industriezölle seien in eigenstem Interesse dieser Länder erfolgt, keineswegs um der deutschen Regierung einen Gefallen zu erweisen. Das Stre­ben nach wirtschaftlicher Gerechtigkeit sei eine der Hauptaufgaben des Völkerbundes, und es sei deshalb schwierig, die vorgeschlagene 3bee im Rahmen von Völkerbundskonferenzen praktisch zu behandeln. Er sei mit der weiteren Beratung durch einen besonderen Ausschuß einverstanden, wünsche aber die praktische Verfolgurg der Fragen in Verhandlungen zwischen den einzelnen Staaten.

Die Konferenz beschloß, die Frage des Prä­ferenzsystems für die südosteuropäischen Staaten einem besonderen Ausschuß zu überweisen.

Oie indische Konferenz.

Lffene Lprache der Znder am runden Tisch.

London, 19. Nov. (.) Der dritte Tag der Erörterungen über die zukünftige Ver­fassung Indiens brachte einen sehr feurigen Gegenangriff des Hindus M o o n j e gegen Lord Peel. Moonje gehört der gemäßigten Richtung in Indien an. Er legte dar, wie England Indien nur zu seinen eigenen Vorteilen ent­wickele. Die Inder stunden an Intellekt, Tüch­tigkeit und anderen rühmenswerten Eigenschaften den Engländern um nichts nach. England habe die indische Industrie planmäßig ausgebeutet. Drei Generationen hindurch habe England die Inder im Zu stände der völligen Abrüstung gehalten, aber die Geister habe es nicht entwaffnen können, unb diese Gefühle seien tief in die Herzen der Inder eingedrungen. England dürfe nicht glauben, etwa mit Waffengewalt die wachsenden Kräfte des Nationalismus zerschlagen zu können. Indien verlange den Dominion-Status mit einer voll verantwortlichen Regierung und wolle seine Grenzen s e l b st verteidigen.

Diese letztere Forderung wurde in noch viel stärkerem Mähe von Sardar Ü j j a l Singh betont, der als Vertreter der Sikhs sprach. Von der Loyalität der Sikhs hänge letzten Endes die Verteidigung der Nordwestgrenzen Indiens ab und ihre Rechte als Minderheiten mühten besonders geschützt werden. Er wäre bereit, die Frage der Verteidigung in den Händen des Vize­königs zu belassen, wenn gleichzeitig mit der Indianisierung der Armee energische Fort­schritte gemacht würden.

Der Maharadscha von Patiala fahle die Forderungen der indischen Fürsten in einer be­achtenswerten Rede zusammen. Nur unter voller Au f r e ch t e r h a l t un g der in­neren Selb ständigkeit. die man in glei­

cher Weise auch Dritisch-Indien zubilligen müsse unter Deachtung der Dande mit der Krone, seien die Fürsten bereit, mit Dritisch-Indien zusammenzuaröeiten. In allen Fragen, die ein gemeinsames Interesse haben, wolle er es offen* lassen, ob Indien die Form von vereinigten Staaten oder die Form einer Föderation an­nehmen solle. Er machte der Konferenz den wich­tigen Vorschlag, durch eine oberste ju­ristische Stelle genau die Rechte der indi­schen Fürsten und ihrer Staaten zur Klärung von vielen noch bestehenden ünklarheiten aus­arbeiten zu lassen.

Maulana Muhammed Ali erklärte u. a.: Ich will nur in mein Land zurücktehren, wenn ich mit Freiheit in der Hand zurückkehren kann. Ich ziehe vor, in einem frem­den Lande zu steröen, solange es ein freies Land ist. 5kr Redner zollte sodann dem kon­servativen Dizekönig Lord Irwin höchste An* erlennung und fuhr fort: Ich bin nicht gekommen, um den Dominionstatus zu erbitten. Ich glaube nicht an die Erzielung des Dominionstatus. Wir sind augenblicklich uneinig, und ihr herrscht; in dem Augenblick aber, wo wir beschliehen, einig zu sein, werdet ihr nicht mehr in der Lage sein, die Herrschaft über uns auszuüben. Die britische Herrschaft über Indien ist dem Untergang geweiht. Sie muh beseitigt wer­den. Aber die Freundschaft zwischen Grohbritan* nien und Indien soll sortbestehen.

Oie Llnruhen in Spanien.

Paris, 19.Nov. (WTD.) Verschiedene Nach­richten aus Spanien lassen darauf schließen, daß gestern abend eine gewisse Beruhigung einge­treten ist, ohne dah man deshalb mit einer bal­digen Beilegung des sozialen Konfliktes, der poli­tischen Charakter trägt, rechnen könnte. Das spa­nische Kabinett hat gestern abend getagt. Nach der Beratung teilte Ministerpräsident Deren- guer mit, dah in Barcelona der Straßen-