WKWen-Moim
Vornan von Hans Friedrich.
Arheber-Rechtsfchutz durch Verlag Oskar Meister. Werdau L Sa.
9. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Er schlich sich aus dem Saal, als die Wogen der Tanzlust am höchsten gingen. Auf dem Steig, der von der Landstraße zur Oetztaler Ache führt, sprach Gutenberg weiter mit sich.
„Ich bin ein armes Luder und muß meine paar Schillinge beisammenhalten, wenn ich nicht vorzeitig und unverrichteter Dinge heimfahren will! Der Schwaihofcr kann cs sich leisten, Mute die ganze Rächt mit Sekt zu traktieren. Dessen Vater verdient an einem Tage mehr, als ich in vier Wochen."
Er stapfte im Finstern über die Brücke, schlich am Schreinerhause vorüber, tastete sich über die Brücke der tosenden Windach und lag fünf Minuten später in den Federn.
Inzwischen hatte drüben in der »Post" Ludwig Schwaihofcr leichtes Spiel. Erdmute Hansen hielt ihr Herz tapfer in beiden Händen und merkte dabei gar nicht, daß sie es trotzdem verlor....
Der Schwaihofcr, das war einerI Tanzen konnte er — einfach hinreißend! Dagegen war Heinz Gutenberg ein schwerfälliger Bär! And plaudern — wie nur ein Mann von Welt! Dabei war er der Schönste von allen Herren, die zur Zeit in Sölden und Amgebung wohnten. In dem wundersamen Gemisch von Tanz- und Weinlaune wäre es Erdmute gar nicht darauf angekommen, ihren feschen Partner als den schönsten Mann von Mitteleuropa zu erklären. O, er hatte allerhand Pluspunkte für sich, der schmucke Bayer!
„Wo ist denn Ihr Freund hingekommen?" fragte er übermütig in einer Tanzpause.
Erdmute erschrak. An Gutenberg hatte sie gar nicht mehr gedacht. Run tat es ihr leid, daß sie ihn so arg vernachlässigte.
..Er wollte zeitig schlafen gehen, um morgen früh für eine Partie zum Gaiskaarferner gestärkt zu sein...Mit dieser freien Erfindung nahm sie ihn in Schuh. Schwaihofcr sollte nicht übermütig triumphieren können, Heinz aus dem Sattel gehoben zu haben...
„And Sie. Fräulein Mute, Sie kommen doch morgen bestimmt in meine Iagdhütte zu Besuch?" drängte er.
Sie neigte den Kopf zweifelnd nach der Schulter.
„Ich weiß noch nicht. Mein Programm erlaubt mir eigentlich keine großzügige Aende- rung. And außerdem schickt es sich nicht, daß ich allein zu Ihnen komme..."
Bel sich dachte sie: „Ausflüchte, nichts als leere Ausflüchte! Ich weiß doch ganz genau, daß ich ihn besuche. Ob schicklich oder nicht — ich habe mir bisher Zudringliche noch jederzeit vom Halse zu schaffen gewußt!"
Schwaihofer hatte seinen Plan schon fertig. Er verstand es, die Sache beim richtigen Ende anzupacken.
„Ich wollte Sie bitten, mir ein Bild für meine Iagdhütte zu malen: Den Aöderkogel von Rord- osten gesehen und ein Stück vom Dentertal. In der Ferne die Silhouette der Thalleitspitze."
Die Malerin lächelte.
„Sie machen mich neugierig, Herr Schwaihofer! Sie verstehen mit Worten zu zeichnen."
Er hob das Glas.
„Auf die Malerin der Oetztaler Alpen."
Sie tat ihm Bescheid, sagte mit erzwungenem Ernst: „Auf den Aimrod vorn Brunnen- kogel."
In der ersten Stunde des neuen Tages trennte man sich.
„Das kann eine Pirsch geben — morgen früh — hoffentlich lacht der Hirsch nicht, wenn er mich verschlafenen Iäger sieht." Mit dieser Bemerkung machte sich Schwaihofer über sich selber lustig. Dabei umkreisten seine Gedanken weniger das Wild als vielmehr das Mädel.
„Sie kommen bestimmt!" prägte er ihr nochmals ein.
Sie schüttelte schelmisch den Kopf, aber ihre Augen bejahten.
„Ich schicke Ihnen den Buben meines Wirtes, der wird Ihnen Ihr Malgerät zur Hütte tragen."
Erdmute nickte zustimmend und stieg die Treppe hinan. Im Flur standen noch lachende und schwatzende Gäste, die sich nicht trennen konnten. Alles Rachtschwärmer, die um einiger Tanztvuren willen so manche für den nächsten Tag angesehte Hochpartie in den Wind schlugen.
Schwaihofer wohnte für die Dauer seines Iagd- aufenthaltes in der Hütte droben an der Waldgrenze, rechts vom Falkner. Wenn er aber im Tale war, blieb er beim Rihl Iohann, dem Dergbauern am Fuße des Soldnerkogels, über Aacht. Heute legte er sich gar nicht erst hin, sondern hinterließ nur einen Zettel mit der Anweisung für den Buben, dann machte er sich auf den Weg zur Iagdhütte. Dort wartete schon der ©meiner Sepp auf ihn. And vor seinem Jäger wollte sich der Iagdherr keine Blöße geben.
Mit der ersten Stunde des neuen Tages war die Iagd auf männliches Rotwild frei. Da hatten bei einem weidgerechten Iäger alle anderen Interessen zu schweigen. Alle Sinne stellten sich in den Dienst von St. Hubertus. Das verstand sich von selbst.
„Ich muß den Sechzehnender haben, schon um Vaters willen! Der alte Herr legt Wert darauf, daß ich auch in puncto Iagd sein Rach
folger werde." So und ähnlich redete der Bergsteiger mit sich selber. Er kannte den Pfad wie seine Ioppe und fand sich trotz der Rächt gut zurecht. Die stählerne Spitze seines Bergstocks klirrte zuweilen auf dem Fels. And wo die Zirbelkiefern nicht so dicht standen, konnte der nächtliche Wanderer die Sterne am Himmel sehen.
„Der Hirsch gehört mir — und das Madl auch!" lachte er und tat einen tiefen Schnaufer.
9.
Franz Strobl und Trude Gutenberg konzertierten täglich vom Rachmittag bis zur Mitternacht im elegantesten Kaffeehaus Innsbrucks an der Maria-Thercsienstraße. Das erste Auftreten hatte Trude allerhand Aeberwindung gekostet.
Das Lokal war von Fremden und Einheimischen überfüllt. Sie nahmen hier den Tee oder den Kaffee, aßen etwas Gebäck dazu und plauderten. Ein wahrhaft babylonisches Stimmengewirr brandete durch den langgestreckten Raum.
Als die Musiker — Strobl, Trude und der Cellist Weißkugl — auf dem Podium Platz nahmen und das Stimmen der Instrumente begann, wurden die zunächst sitzenden Gäste aufmerksam. Die entfernter Sitzenden reckten die Hälse.
Ah, siehe da, eine Pianistin, und noch dazu solch eine hübsche! Man tuschelte. Die Herren machten entsprechende Bemerkungen. Manche lachten verständnisinnig.
Gertrud kam sich vor wie auf dem Präsentierbrett zur Schau gestellt. Sie fühlte die Blicke auf sich, sah sich bestaunt wie ein Wundertier. Aber sie muhte sich wohl oder übel an diese Schattenseite ihres neuen Berufs gewöhnen. Schließlich würde sich ja auch das Publikum beruhigen und sie nicht immer anstarren. Schauobjekte gab cs genug. Andauernd kamen und gingen junge, graziöse Damen, die zur Kritik herausforderten.
„Bitte noch einmal A.“
Trude gab den gewünschten Ton an und Strobl schraubte am Wirbel der A-Saite herum. Der Cellist reichte Roten aus einem Schubfach. Dann konnte es losgehen.
Eröffnungsmarsch: „Alte Kameraden."
Trude griff tapfer in die Tasten. Die Roten sah sie nicht. Die schwammen wie Linsen auf dem Wasser, bildeten eine zusammenhängende Kette von grauslichen Klecksen, glitten zu einem Konglomerat zusammen, flohen sich wieder. Rein, das waren keine sauber gestochenen Roten, das waren miserable kleine Diester, die es darauf abgesehen hatten, die Spielerin zu verwirren.
And dazu die Pfeile aus dem Publikum! Die Blicke der Männer schnellten herauf, spießten sich an Trudcs glühendem Gesichtchen fest, machten es erröten und wieder erblassen. And trotzdem ging alles gut! Die Hände griffen die Tasten automatisch. Ohne hinzusehen, fast mit geschlosse
nen Augen, bewältigte die Pianistin ihren Pari. Sie hatte diesen Marsch daheim schon oft gespielt, er bot ihr keine Schwierigkeiten.
Endlich nach dem üblichen Dacapo Schluß!
Trude lieh die Hände erschöpft sinken und toun* derte sich, daß das Publikum applaudierte. Wie durch Nebelschleier sah sie Strobl und den sanften, semmelblonden Weihkugl.
„Hat großartig geklappt!" sagte der Geiger anerkennend. „Richt die Spur von Lampensieber."
Trude verzog den Mund zu einem verunglückten Lächeln, dachte bei sich: „Mensch, hast du 'ne Ahnung!"
Der schüchterne Cellist fühlte sich verpflichtet, auch etwas zu sagen, bemerkte mit seinem stillen Dulderlächeln: „Den Marsch haben wir gespielt, nun werden wir auch in der Tat alte Kame
raden werden."
„Wollen's hoffen!" pflichtete Strobl bei und sah Trude mit einem sehnsüchtigen Blick feiner dunklen Augen an.
And dann spielten sich die Drei immer besser zusammen. Rach zwei Tagen glaubten sie, schon jahrelang miteinander konzertiert zu haben.
Zuweilen gab es auch edle Spender unter den Gästen. Die Erfüllung besonderer Konzertwünsche wurde immer mit einem Glas Wein oder Likör quittiert. Ganz Anentwegte schickten "duch ohne Anlaß Gebäck oder Getränke aufs Podium. Diese Gaben waren durchweg für die schöne Klavierspielerin gedacht, natürlich gingen dabei auch die anderen nicht leer aus.
Einmal bekannte Strobl: „Ich habe noch nirgends solch gebefreudiges Publikum gefunden Wie hier."
And Weihkugl überlegte erst vorsichsig, ehe er sich zu einer Aeuherung hinreiben lieh. „DaS danken wir unserem Fräulein Trude."
Strobl hatte ihm gesagt, dah die Pianistin verheiratet sei. Er aber beharrte auf feinem „ Fräulein" weil „sie doch gar nicht ausschaue wie eine verheiratete Frau".
Schließlich bildete sich Trudes wegen ein neues Stammpublikum, das Tag für Tag zum Konzert kam. Man setzte sich so, daß man die „fesche" Pianistin sehen konnte und wurde nicht müde, zu schauen und zu lauschen. Ganz klar, dah es unter dieser „Elitegarde" — wie sie Trude scherzhaft nannte — auch einige Frechdachse gab, die geschickt unter das gespendete Gebäck ihre Karte schmuggelten und Verabredungen wagten.
Trude lächelte nur und lebte ihr einfaches, unkompliziertes Leben weiter. Fehlte noch, dah sie sich mit Fremden einlieh! Sie hatte schon ihre liebe Rot, Franz in Zucht und Ordnung zu halten. Der verliebte Bengel versuchte immer wieder, aus der Freundschaft in ein feurigeres Stadium überzuleiten. Bisher hatte sie sich seiner immer noch erwehren können, aber sie sah mit Dangen dem Tag entgegen, an dem sie gröberes Geschütz Würde auffahren müssen.
(Fortsetzung folgt.)
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Nationalsozialislisclie Deutsche Arbeiter-Partei
(Hitlerbewegung)
Mittwoch, den 22. Oktober 1930, abends 8% Uhr?
Öffentliche Versammlung
in der Turnhalle am Oswaldsgarten
Redner: Pg. H. Dauser, M. d. L, München
Thema:
Der Sieg ist unser, der Kampf gehtweiter
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Hierzu laden wir ein. Eintritt 50 Pf. zur Deckung der Unkosten.
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Oeffenfliclier Missionsvortrag
Dienstag, den 21. Oktober, 15Uhr,im Johannessaal
Missionsinspektor D. Dr. Oehler, Basel:
„Kommunismus und Mission in China“
Es ladet herzlich ein: 7154D
Der Oberhess. Missionsverein für Basel
Gußmann. Vorsitzender.
DeutschnationalerSand. lungsgehilfen-Verband Ortsgruppe Gießen.
Die in unserem Winterbil-
beginnen ab 20. d. M. Zn der Teilnehmer- Besprechung vom 12. d. M. wurden folgende Tage und Stunden festgelegt:
Doppelte Buchführung im Warenhandels- geschäft (für Anfänger) ab 23.10.193h Donnerstags, 20-22 (Ihr, Zimmer 8
Höherer Lehrgang für Buchführung und Bilanzwesen ab 26. 2. 31, Donnerstags, 20—22 Uhr, Zimmer 8
Lack« und plakatschrifi ab 29.10. 30, Mitt- wachs, 20-22 Uhr, Zimmer 2
Maschinenschreiben ab 20.10. 30, Montag-
Cafe Amend
Heute, Dienstag und Mittwoch
ein kurzes Sensations-Gastspiel
des wellbekannten Geigers Lajos Rigo
Lajos Rigo ist konkurrenzlos!
Lajos Rigo ist in allen Weltstädten eine Sensation I
Solo-Einlagen nachm, 5 Uhr, abends von 8-10'/, Uhr
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und Mittwochs, 20-21 Uhr, Zimmer 2
Kurzschrift für Anfänger ab 20. io. 30, Montags und Dienstags, 20-21 Uhr, Zimmer3
Kurzschrift für Fortgeschrittene ab 21.10.30,
Dienstags, 20-22 Uhr, Zimmer 8
Redeschrift anschließend an Lehrgang f. Fortgeschrittene
Englisch, Anfänger ab 21.10. 30, Dienstags und Freitags, 20-21 Uhr, Zimmer 6
Englisch, Fortgeschrittene ab 20.10.30, Montags 20 - 21,Freitags 21 - 22 Uhr,Zimmer 6
Französisch, Fortgeschrittene ab 23.10.1930, Donnerstags 20-22 Uhr, Zimmer 6.
Alle Teilnehmer müssen in der ersten Unterrichtsstunde unbedingt anwesend sein. Weitere Anmeldungen werden in dieser Stunde noch entgegengenommen. tictd


