Ausgabe 
20.8.1930
 
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Krisis in Bayern.

Keine Einigung über die Deckung des Etatsdefizits.

München, 19. Aug. (WTD.) Die politische Lage in Bayern hat noch keine Klärung erfahren. Nachdem im Staatshaushaltsausschuß die Schlacht st euernotverordnung der Negierung abgelehnt worden ist, hatten auch die weiteren Abstimmungen über die neuen Deckungsvorschläge der Parteien zum Teil über­raschende Ergebnisse. So wurde ein Bauern­bundantrag auf Kürzung der Beamten­gehälter mit vier Stimmen des Bauern­bundes bei Stimmenthaltung sämtlicher übrigen Parteien angenommen, obwohl die Negie­rung erklärt hatte, daß eine solche Kürzung ver­fassungsrechtlich unzulässig ist, solange das Reich selbst nicht eine Kürzung der Deamtenge- hälter beschlossen hat. Ein weiterer Antrag des Bauernbundes, die Ministerialzulagen der bayrischen Beamten ab 1. September auf­zuheben, wurde bei Stimmenthaltung der übri­gen Parteien mit den Stimmen der Sozial­demokraten und des Bauernbundes angenom­men. Weiter nahm der Ausschuß, der über vier Stunden tagte, einen Antrag der Bayrischen Volkspartei an, die Regierung zu ermächtigen, sofortige Maßnahmen zur Vereinfachung der Staatsverwaltung zu treffen. Ein sozialdemokratischer Antrag auf Abbau der freiwilligen Lei stungen des Staa­tes an die Kirchen gesellschaften wurde abgelehnt. Schließlich wurde noch ein Antrag der Deutschnationalen, die A u f Wands­entschädigungen der Landtagsab­geordneten um 25 Proz. zu kürzen, auf eine weitere Sitzung des Ausschusses morgen vor­mittag zurückgestellt.

Die Entscheidung über einen etwaigen Rück­tritt der Regierung oder eine andere Entwicklung der politischen Lage kann erst am Mittwoch fallen, an dem das Plenum des Land­tages wieder zusammentreten wird.

Handwerk

und Sozialversicherung.

Berlin, 18. Aug. (BB.) Aller Voraussicht nach bringt der Herbst wieder neue Kampfe um die Sozialversicherung. Sn diesem Zusammenhang ist eine Aufstellung von Interesse, die ein klares Bild der jährlichen Belastung der Handwerkswirtschaft durch die Beiträge zur Sozialversicherung ergibt. Auf Grund einer Berechnung in der Handwerks-Zeitung wird fest­gestellt, daß bei einem durchschnittlichen Stand von 750 000 Lehrlingen, 1500 000 Gesellen und Arbeitern und 100 000 Angestellten in der Hand­werkswirtschaft, also bei 2,35 Millionen Arbeit­nehmern, jährlich rund 260 Millionen von den selbständigen Betriebsin­habern des Handwerks an die Ver­sicherungsanstalten abgeführt wer­den müssen. Davon entfallen 84 Proz. auf Ge­sellen und Arbeiter, 10 Proz. auf Lehrlinge und 6 Proz. auf die Angestellten. Der größte An­teil dieser 260 Millionen flieht mit 39 Proz. der Krankend er sicherung zu, es folgt die Invalidenversicherung" mit 35 Proz., die Arbeitslosenversicherung mit 24 und die Angestelltenversicherung mit 2 Proz. hinter diesen Alm ständen würde eine Er­höhung der Arbeitslosenversiche­rungsbeiträge um 1 Proz., wovon auf die Arbeitgeber die Hälfte entfällt, für die Hand­werkswirtschaft eine Mehrbelastung von rund 30 Millionen jährlich bedeutenl Da aber eine ganze Reihe von Handwerksbetrie­ben, sehr klein oder sogar Alleinbetriebe sind, werden die Soziallasten nur von ungefähr 550 000 Handwerksbetrieben getragen, die die 260 Mil­lionen aufbringen müssen. Das bedeutet, daß jeder 'Betrieb im Durchschnitt 470 Mark im Iahr an Soziallasten aufzu­bringen hat. Bereits bei einem Betrieb von 3 Gesellen und 1 Lehrling wird diese Leistung erreicht. Das Handwerk knüpft an diese Berech­nung die Feststellung, daß mit dieser Belastung die obere Grenze erreicht sei, die nicht weiter überschritten werden dürfe.

Aus dem Wahlkampf.

Wie der Vorsitzende der Ortsgruppe Gießen der Deutschen Volkspartei in einer volkspartei- lichen Versammlung offiziell mitteilte, ist in der Wahlvorschlagsliste der Deutschen Volkspartei für Hessen eine Aenderung eingetreten.^ Der bisher an zweiter Stelle als Kandidat für den Reichstag vorgeschlagene Land­wirt Wolf in Albig (Rheinhessen) hat auf seine Kandidatur verzichtet. Dafür kandidiert jetzt an zweiter Stelle der Landtagsabgeordnete Bür­germeister Dr. R i e p o t h, Schlitz.

Die Kandidatenliste der Deutschen Staatspartei im ReichstagswahltreiseHes- sen-Rassau beginnt mit den Ramen: 1. Dr. Peter Reinhold, Reichsminister a. ®.; 2. Hauptmann a. D. Stoeßner (Arolsen): 3. Erna M e ch o l d, Verbandsführerin (Arolsen): 4 Nor- man Körber, Regierungsrat (Kassel): 5. Erich Zimmermann, Geschäftsführer des Gewerk­schaftsbundes der Angestellten (Wiesbaden).

Verhandlungen zwischen der Deutschen Bolkspartei und der Deutschen S t a a t s p a r te i über die Bildung einer ge- memsamen Front der bürgerlichen Parteien Schleswig - Holsteins sind abgebro­chen worden, ohne zu einem Ergebnis geführt zu haben, da die Deutsche Staatspartei erklärte, daß ihr eme Zusammenarbeit mit den rechts von der Deutschen Volkspartei stehenden Parteien unmöglich sei.

Die Bestrebungen zur Bildung eines Bürgerblocks der bevorstehenden Landtagswahl in Braun- chweia sind zum Abschluß gekommen. Eine bürger- iche Einheitsliste ist aufgestellt, die heute veröffent. licht wird. Der gemeinsame Wahlau ruf ist von folgenden Parteien und Vereinigungen un­terzeichnet.' Christlich-Nationale Bauern- und Land­volkpartei, Deutschnationale Bolkspartei Deutsche Bolkspartei, Zentrumspartei, Braunschweigischer Landbund, Bürgerbund, Vereinigter Mittelstand Braunschweigischer Landesverband landwirtschaft­licher Vereine e. B., Landesverband Braunschweigi­scher Hausfrauenvereine.

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Die Geschäftsstelle der Württembergi- schen Bürgerpartei teilt mit: Der be­kannte völkische Führer Alfred R o <-.h . der frü- hcre deutschnationalc Reichstagsabgeordncte, der

Oie polen Hetzen weiter.

Oer Zeldzug gegen die Revision. - Graczinski verlangt auch Oppeln.

kattowih, 19. Aug. (2BIB.) Der oberschlesische Wojwode G r a c z i n s k i hielt anläßlich des tra­ditionellen Marsches der Aufständischen an die Oder in Olsa eine Rede, in der u.a. aus- sührte, daß weit über die Grenzen des polnischen Reiches das polnische Herz schlage, der polnische Gedanke vertreten sei. heute sei das Gesicht der Aufständischen vornehmlich nachdem Westen gerichtet, nach dem Oppelner Schlesien, wo ein Grab der Aufständischen sich an das andere reihe. Alle Bestrebungen von feindlicher Seite, die sich für eine Revision der polnischen Grenzen ein- sehten, seien am besten mit den Worten des Gene­rals Rydz-Smlgly beantwortet, der auf der Legio­närversammlung in Radom sagte, daß hinter jedem fußbreit polnischen Bodens nicht nur die Armee, sondern die ganze pol­nische Ration stehe. Der Wojwode schloß seine Rede mit einem hoch auf den Marschall Pilsudski.

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Die Art und Weise, wie die Polen auf die selbst­verständliche Feststellung des deutschen Selbsterhal- tungs- und Reoisionswillen reagiert haben, zeigt, wie weit Europa von einer friedlichen Lösung der brennendsten Probleme noch entfernt ist. Vielleicht hatte man im Ausland geglaubt, daß Deutschland allmählich auch die blutende Wunde im Osten ver­schmerzen würde. Es war höchste Zeit, daß dieser Irrtum beseitigt wurde. Wenn Deutschland jetzt eine gewaltige Kraftanstrengung unternimmt, um den durch den Friedensvertrag zerrissenen Ostgebieten wirtschaftlich und kulturell zu helfen, dann weiß es doch ganz genau, daß alle diese Bemühungen, wenn sie zum endgültigen Erfolge führen sollen, gekrönt werden müssen durch die Beseitigung des wider­sinnigen, wirtschaftlich und politisch gleich unmög­

lichen polnischen Korridors. Nicht nur das deutsche Danzigs leidet unter den Folgen der Lostrennung vom Mutterlande und der wirtschaftlichen Kalt­stellung durch den forcierten Ausbau des Gdinger Hafens, auch die deutschen Ostprovinzen, denen ihre natürlichen Verkehrsoerbindungen und ihr Hinterland genommen worden, sind nicht in der Lage, aus eige­ner Kraft diese Wunden zu heilen. Der polnische Imperialismus aber will feine Eroberungen noch immer weiter ausdehnen und propagiert ganz offen die Annektion rein deutschen Gebietes. Es liegt auf der Hand, daß auch der Versuch einer wirtschaftlichen Verständigung mit Polen durch diese nationalistische Ueberspannung des Polentums und durch den sinn­losen haß der polnischen Chauvinisten gegen alles Deutsche bis zur Unmöglichkeit erschwert werden muß.

Oie Kehrseite.

Der Sejmmarschall Da zinski über die innerpolitische Lage Polens.

Warschau, 19. Aug. (WTD.) Bei der Grund­steinlegung eines Arbeiterheimes hielt der Sejm­marschall D a s z y n s k i eine Rede, die vomRv- botnik" veröffentlicht wird. Das Elend, so führte Daszynski aus, hätte Polen gegenwärtig seinen Stempel aufgedrückt. Der Kaufmann bankerottiere, die Fabriken würden ge­schlossen und die Staatsbeamten hunger­ten, aber zur gleichen Zeit sei der Sejm ge­schlossen und die Regierung schweige. Ob ein friedlicher Ausweg aus dieser Situation ge­funden werden könne, hinge zum großen Teil von Pilsudski ab. Daszynski übte dann eine scharfe Kritik an dem jetzigen Regierungsshstem Polens, das Verbrechen und Rechtlo- s i g k e i t zeitige. Polen werde regiert, als ob es ein im Kriege besiegtes Land wäre.

Entgiftetes Leuchtgas.

Das Problem der Entgiftung von Leuchtgas, das seit einiger Zeit technisch bereits gelöst wor­den ist. ist in ein neues ent scheidendes Stadium getreten, das die Vermutung zuläht, daß in für» jer Zeit bei den Gasanstalten in großzügiger Weise an die Leuchtgasentgiftung herangegangen werden kann. Die praktische Anwendung der Leuchtgasentgiftung war bisher aus wirtschaft­lichen Gründen kaum durchführbar, da die be­stehenden Verfahren zu kostspielig und die Prozedur zu umständlich war. Ieht ist in Frankreich und England ein Verfahren entwickelt worden, nach dem dem Leuchtgas das giftige Kohlenoxyd entzogen wird, ohne daß es dadurch an seinen charakteristischen Eigen­schaften etwas einbüßt und ohne daß der Ver- gasungsprozeß eine wesentlich größere wirtschaft­liche Belastung erfährt.

Zur Anwendung bei diesem neuartigen Ver­fahren kommt feinverteiltes Nickel als Katalysator in Frage, der bei einer Temperatur von etwa 300 Grad die im Leuchtgas enthaltenen Kohlenoyxde in Sumpfgase verwandelt und ableitet. Nach einem anderen ebenfalls feit kurzem ent­deckten Verfahren wird die Kohlenoxydentziehung durch Abkühlung des Gases erreicht. Das Leuchtgas wird stark abgekühlt, bis es flüssig wird, während nur das Kohlenoxyd wegen seines niedri­

gen Siedepunktes gasförmig bleibt und fo leicht abgeschieden werden kann. Das Restgas wird dann wieder aus dem flüssigen in den gasförmigen Zu­stand llbergeführt. Der Heizwert des Gases wird bei diesem Verfahren sogar etwas höher, denn das Gas wird gleichzeitig von den geringen im Leucht­gas enthaltenen Wassermengen befreit, die trotz ihrer Geringfügigkeit im Winter durch Eis- bildung und damit zusammenhängende Rohrbrüche gefährlich werden können.

Im übrigen ist, wie uns von fachmännischer Seite erklärt wird, die Notwendigkeit der Leuchtgasent- giftung keineswegs so groß, wie man allgemein anzunehmen geneigt ist. Der Laie überschätzt im allgemeinen die Bedeutung des Leuchtgases in der Statistik der Unglücksfälle und Selbstmorde. Unter den Unglücksfällen mit tödlichem Ausgang steht in Deutschland das Leuchtgas mit 2,1 v. H. aller Fälle erst an 11. Stelle. Als Mittel zum Selbstmord steht das Leuchtgas ebenfalls nicht an erster Stelle, sondern erst an vierter, mit 12 v. H. der Gesamtzahl, also wohl auch weniger als durch­schnittlich angenommen wird. Im ganzen ergaben die erwähnten 2,1 v. H. des letzten von der Statistik erfaßten Jahres noch 490 tödlich verlaufene Un- glucksfalle von insgesamt 23 384 durch Unglücksfälle Getöteten.

wegen der schwankenden Haltung der Partei unter Westarp sein Mandat niedergelegt hat und aus der Partei austrat, istwiederderDeutsch- nativnalen Volkspartei beigetre­ten.

Der bekannteWanderprediger" gustav nagel aus Arendsee bereiste in den letzten Tagen alt­märkische Ortschaften, um Unterschriften für seine" deutsch-kri st liche (mittel st and s) folkspartei, deren Spitzenkandidat er ist, einzusammeln.

Aus aller Welt.

DieZarentochter" Anastasia bleibt vorläufig in Amerika.

Die angebliche Zarentochter A n a st a s i a , die bei der Schwester Nikolaus II., Frau Leeds, in den Vereinigten Staaten Aufnahme gefunden hatte und deren Ausweisung, da ihre Aufent­haltsbewilligung abgelaufen war, gemeldet wurde, bleibt vorläufig in den Vereinigten Staaten. Mäch­tige Einflüsse sind geltend gemacht worden, um ihr eine ständige Aufenthaltsbewilligung zu ver­schaffen.

Unterschlagung im THarienbaöer Postamt.

Seit einer Reihe von Iahren gingen im Ma- rienbader Hauptpostamt, insbesondere von reichsdeutschen Gästen, Beschwerden über verloren gegangene Driefsendungen ein, in denen sie Geld erhielten. Alle Reklamationen blieben erfolglos, da sie überhaupt nicht erle­digt wurden. Endlich entschlossen sich die An­gestellten des Postamtes, selbst den Dieb ausfindig zu machen, indem sie ihm eine Falle stellten. Das Ergebnis war, daß der Leit er des Postamtes, Postdirektor Sinka, als Tä­ter in Frage kommt. Die Prager Postdirektion, die verständigt wurde, entsandte einen höheren Beamten nach Marienbad, der die Angelegenheit untersuchte. Das führte dazu, daß Sinka schon am nächsten Tage nach Prag berufen wurde und sofort seinen Alr lauf» antreten mußte. Der Schaden, der durch diese Diebstähle verur­sacht wurde, beträgt mehrere 100 000 Zloty. Sinka, der Tscheche ist, war vor neuen Iah- ren an ©teile des früheren deutschen Postdirektors nach Marienbad berufen wor­den.

Großer Darlehensschwindelprozeh in Berlin.

Ein großer Darlehensschwindelprozeß hat vor dem Schöffengericht Schöneberg seinen Anfang genommen. Sämtliche Angeklagte sind bereits straft einer bereits zu zwei Iahren Zuchthaus. Die Firma Görs & Karsten ver- , rch große Zeitungsinserate vor drei wahren, le^rmann Geld in jeder Höheschnell und diskret zu verschaffen. 1400 Vertreter ar- im ganzen Reich, um Darlehens facher toifen- ^gen eine Gebühr s<n 30 bis 50 M"i-k wurd" d-m Leuten, die Kredit m Anspruch nehmen wollten, die Adresse

von angeblichen Geldgebern gegeben, die in Wahrheit aber nichts anderes als An­gestellte und Beteiligte bet Firma Görs & Karsten waren. Keiner dieser Kaufleute besaß einen Pfennig Geld. Auch sie verlangten zuerst von den Interessenten eine G e - buh r für die Gewährung des Darlehens, das dann niemals aus gezahlt wurde. Nach­dem die Firma auf diese Weise mehrere hundert­tausend Mark durch Gebührenverdient" hatte schritt die Staatsanwaltschaft auf die sich häufen­den Betrugsanzeigen ein und strengte gegen die Firma ein Strafverfahren an.

Volksjustiz in Karolina.

3n Tarboro (Nordkarolina) machten 200 mas­kierte bewaffnete Männer einen Angriff auf das Gefängnis und bemächtigten sich eines jungen Negers, der beschuldigt war, sich an zwei weißen Mädchen vergangen zu haben. Sie banden ihn an einen Baum am Wege und schlu g e n ihn

Seinen dritten Todestag überlebt.

CBor wenigen Tagen ging durch die deutsche Presse die Nachricht vom Tode des 86jährigen berühmten russischen Malers Ilja R e p i n, der e'nen Ruhesitz in Kuckalla (Finnland) aufge­schlagen hatte und seit längerer Zeit schwer er- krankt war. Als Kuriosum wurde im Nachruf erwähnt, daß die Welt Repin bereits zwei» mal totgesagt habe und daß er auch inr Konversationslexikon unter den großen To- t e n dieses Iahrhunderts genannt werde. Er­staunlicherweise bringt die Pariser Emigranten- presse am 19. August einen Bericht über den Gesundheitszustand des Malers, in dem es heißt, die Herzschwäche Repins nehme in sehr beun­ruhigendem Maße zu. Trotzdem fühle sich Repin Wohler und habe sogar einen kleinen Spa­ziergang durch sein Zimmer machen können. Da diese Meldung .direkt aus Kuckalla stammt, muß man annehmen, daß der greife Künstler auch seinen dritten Todestag überlebt hat.

Start zum Fluge BerlinTokio.

Der japanische Flieger Seija Voshihara ist Mittwoch früh 5.45 Alhr auf dem Flugplatz Tempelhof zu einem Fluge Berlin-Tokio gestartet Die erste Etappe geht bis Königsberg in Preußen!

Terror in USA.

Bei der amtlichen Alntersuchung der z u h o h e n Lebensmittelpreise in Neuhork er­klärten mehrere als Zeugen vernommene Klein­händler, daß sie von unbekannten Männern warnend aufgefordert worden seien, Ankäufe von Milch, Butter, Eiern und anderen Lebensmitteln bei gewissen Großhändlern zu unterlassen, da deren Preise zu niedrig seien. Händler, die die Warnung unbeachtet ließen, erklärten, ihre Chauffeure seien von Bandenmitgliedern überfallen wor­den, die die Gummireifen der Autos zerschnitten vernichtet hätten. Einige Milchyandler sagten aus, daß sie vor einer Woche durch Todesdrohungen ge­

zwungen worden seien, einen Dollar mehr für jede zehn Galonen-Kanne Milch zu bezahlen. Der Polizeidirektor von Evanston (Illinois), der Heimatstadt des Generals Dawes, gab zu, daß er von demErpresserkönig" Sack Zuta Be­stechung sgelde r angenommen habe.

Das 10. Todesopfer des wilden Kaisers.

Zwei über, die Grenze Tirols hinaus bekannte Bergsteiger, der Besitzer der Ackerl-Hütte im Ostkaiser, Andreas H o r m a i r , und der 26 Iahre alte Max Walter aus Kihbühel, sind bei einer Klettertour am Dülferih zwischen Fleischbank, Südostwand und Christaturm töd­lich abgestürzt. Die Leichen konnten gebor­gen werden und wurden noch am gleichen Tage nach Kitzbühel gebracht. Damit hat der Wilde Kaiser in diesem Iahre schon 10 Todesopfer ge­fordert.

Beim Paddeln auf der Ostsee ertrunken.

In der Nähe der mecklenburgischen Halbinsel Wustrow wurden die Leichen des katholischen Pfarrers Becker, der auf der Insel Poel zur Kur weilte und des Studenten Peters, der in einer benachbarten Jugendherberge wohnte, ge­funden. Die beiden Ertrunkenen hatten vor einigen Tagen bei stürmischem Wetter eine Paddrlbaotfahrt auf der Ostsee unternommen. Das Paddelboot war bereits an Land getrieben.

Faltbootunglück.

Auf dem Iungfernsee bei Berlin wurde ein mit zwei Soldaten und einer Dame besetztes Falt­boot von dem Sog eines großen Schleppzuges erfaßt und zum Kentern gebracht. Der Soldat Wender vom 3. Artillerieregiment konnte sich an Land retten: der Alnterwachtmeister Kunde und ein Fräulein Leitlow aus Potsdam sind ertrunken. Die Schiffer des Schleppzuges konnten nur das Fahrzeug bergen. Bisher sind die Leichen noch nicht gefunden worden.

Ein Autobus mit 62 Personen stürzt in die 3f6re.

Bei Grenoble stürzte ein aus Acerville kommen» der Autobus, in dem sich 62 Personen befanden, beim Ueberholen eines anderen Autshusses in die Isere. Bisher zählte man 2 Tote und 10 Schwer­verletzte.

Vater und Sohn Opfer der Flammen.

Ein schweres Alnglücf ereignete sich auf dem ©ute Pacig (Kreis Neu-Stettin). Dort war ein von fünf Familien bewohntes Haus in Brand graten. Das Feuer griff so schnell um sich, baß. der neun Iahre alte Sohn des Tagelöhners« Manhke nicht mehr fliehen konnte und in den Flammen umkam. Sein Vater erlitt bei bem Versuch, seinen Sohn aus den brennenden Räumen zu holen, lebensgefährliche Brandwun­den. Er mußte dem Krankenhause zugeführt wer­den, wo er starb.

Der Pfarrermord bei Ducherow aufgeklärt.

Sn der Nacht zum 2. Suli d. S. wurde der Pfarrer Kappel von Ducherow von unbekann­ten Einbrechern ermordet. Nunmehr hat ein in Rostock verhafteter 20jähriger Russe Alexan­der "Krugow ein teilweises Geständnis abgelegt. Er gibt zu, mit noch einem Komplizen rn der Mordnacht in das Anwesen des Pfarrers eingedrungen zu sein. Als sie im Hause von dem Pfarrer überrascht wurden, schossen sie diesen nieder und ergriffen, ohne etwas er­beutet zu haben, die Flucht. Der Verhaftete ist der deutschen Sprache nicht mächtig. Sein Kom­plize, mit dem er anfangs Suni b. S. heimlich bie deutsch-polnische Grenze überschritt, hat sei­nen Weg, wie vermutet wird, in Richtung Ham­burg fortgesetzt. Der Polizei ist es nun auch ge­lungen, in der Ortschaft Rensow (Mecklenburg) einen Mann zu verhaften, von dem die Alnter- suchungsbehörden als gewiß annehmen, daß er an dem Mord in Ducherow beteiligt ist, ob­wohl er bie Tat bisher entschieben bestreitet. Die Beschreibung, bie ber verhaftete Russe von seinem Komplizen gegeben hat, paßt genau auf den jetzt Festgenommenen, auch hat die Polizei festgestellt, daß dieser sich in der Mordnacht in Unmittelbarer Nähe von Ducherow aufgehalten hat.

Die Tagung des Deutschen Forstvereins in Hannover.

Die Mitgliederversammlung des Deutschen Forst- verems setzte ihre Beratungen fort. Als erster sprach Pros. Dr. Friedrich Raab, Dresden-Tarandt, über Deutschlands wirtschaftliche Lage. Ministerialrat a. D. Dr. Kahl hielt hierauf einen Vortrag überDie Frostschäden 1928/29". Nach einer Schilderung der in jenem harten Winter angerichteten schweren Schaden ging er auf Vorbeugungsmaßregeln ein und gab den Rat, bei der Auswahl der Holzarten in anerkannt kälteren Zonen nur frostharte Sorten anzubauen: das sollte auch bei Aus­wahl der Ob st bäum- und Weinsorten berücksichtigt werden. Nachdem dann Oberförster M e n de - Halstenbek (Holstein) einen Lichtbildervor- trag überDie Forstpflanzenzucht in Halstenbek und Umgebung" gehalten hatte, sprach Dipl.-Ing. Th. B r a n d t--Berlin überDie Photographie im Dienste der Forstwirtschaft".

Wettervoraussage.

Obwohl durch den hohen Druck, welcher sich über Frankreich und Deutschland ausgebreitet hat, in un­serem Bezirk eine Besserung eingetreten ist, so trifft wes keineswegs für den übrigen Teil des Reiches zu. Vielmehr traten dort während der verflossenen Nacht weitere Niederschläge auf, und heute morgen regnete es zwischen Elbe und Oder. München mel­dete 17 mm, Dresden 9 mm Niederschlag usw. Die Herrschaft des hohen Druckes wirkt sich zwar mor­gen noch aus, so daß durchweg trockenes Wetter besteht, jedoch scheint aber mit der neuen Jsland- ftörung, deren Südseite nach den britischen Inseln oorgreift, der hohe Druck wieder abgeschwächt zu werden und ihre Ausläufer später Einfluß aus die Wetterlage zu gewinnen.

Wettervoraussage für Donnertag. Aufheiternd und wolkig, trocken, wärmer.

Witterungsaussichten für Frei­tag. Meist wolkiges und trockenes Wetter, Nei­gung zu Niederschlägen wahrscheinlich.

Lufttemperaturen: Am 19. August: mit­tags 19,7 Grad Celsius: abends 15,0 Grad Celsius' am 20. August: morgens 12,0 Grad Celsius; Maxi­mum 20,3 Grad Celsius; Minimum 9,9 Grad Cel- fius; Niederschlag 0,1 mm; Sonnenscheindauer U Stunden. E rbtemperaturen in 10 cm

19' August: abends 18,6 Grad Celsius; am 20. August: morgens 14,8 Grad Celsius.

Reisewetterdienst.

14 Grad, Sudwestwind, halb bis ganz bedeckt.

Baden-Baden. 14 Grad, Windstille, be­deckt.

Sw i nemünde. 10 Grad, Nordwind, bedeckt. . W e st e r l a n d a u f S y 11. 16 Grad, Südwind, heiter bis halb bedeckt.