Ausgabe 
20.8.1930
 
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Nr. 195 Erstes Blatt

180. Jahrgang

Mittwoch, 20. August 1950

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Gietzeiier Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhesfen

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Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Ar. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.lhyriot; für den übrigen Teil Ernst Llumfchein und für ben Anzeigenteil Max Filler, färntlid) in Bietzen.

Raymond poincare.

3n feinem 20. Geburtstage am 20. August. Don Dr. Günter Horneffer.

Er hat mehrereBeinamen von den Franzofen erhalten. Sie nannten ihn zwar nicht ..Tiger", tote Tlömenceau, den Ministerpräsidenten des Sieges: aber er hießde r Lothringer", denn daher stammte et, auS Französisch-Lolhrin- aen. Aus der gleichen Mathematikersamilie toie der berühmte Physiker Henri Poincare. Darum ist er eigentlich auch gar kein ..echter" Franzose. Sein Dorname, Raymond, deutet auf eine ganz

Raymond Poincare

andere Genealogiel Und Poincarss Wesensart offenbart sie. Man kennt sein AeußcreS. Unter Durchschnillsgröße: sogar für den Franzosen des Dordostens. Untersetzt und stämmig, cdig und kantig Er verkörpert Zähigkeit und Au-daucr. Gewiß keinetypisch" französi­schen Eigenschaften! Dabei ist er immer von gleichmähigem Ernst, ohne die geringste Spur von Eharrnc, geschweige denn Eleganz. Ein trockener Redner, und das mit Bewußtsein. Ganz nur Jurist, Advokat, Rechtssachwaller Frankreichs Er hat eine gründliche und um« sassende Bildung, prunkt aber damit nie; nur alsFachmann . als Politiker, Finanzmann, Rechtsanwalt rückt er sich in die Oessentlichkeit. Kein Zweifel: der Einsluh des Deut­schen. den man Hatzte, weil man seinen er­folgreichen Eifer und seine unsormelle Gründ­lichkeit bewunderte, hat in Poincare einen neuen Zranzosentyp geschaffen. Denn die­ser Lothringer ist ja im politischen Leben einet der markantesten Franzosen seiner Zeit.

Seine Landsleute Haden ihm noch einen an­deren Beinamen gegeben, nicht denpfcre de la victoire", dennBaler des SiegeS" das patzt mehr auf den plötzlichen, stürmischen,typisch französischen" Elan eines Clömenccau. Sie nann­ten ihnPoincare la guerre. Das heitzt beinahe Urvater deS Krieges. Poincare bestrei­tet, datz er den Krieg gewollt habe. Denn er ist Advokat und dessen Haltung deckt sich mit der des Diplomaten. Urkundlich steht jedoch fest, datz er dem russischen Berbünbeten Blankovollmacht erteilt Hai. Ss war der größte Fehler dieses Advokaten. Aber es war die staatsmännische Tat seines Lebens, weil er den Krieg g c - Wonnen hat. Er hat Frankreichs neue Vor­herrschaft in Europa begründet.

Roch im vorigen Jahre schien es zweifelhaft, ob der Sieg für Frankreich nur politisch oder auch wirtschaftlich ein wirklicher Sieg geworden ist. Poincarö selber hatte den wirtschaftlichen Gewinn durch das Ruhrabenteuer in Frage gestellt. 1923, beim Einbruch in das Ruhr­gebiet, stieß er aus Kräfte, die stärker waren alS Frankreichs Waffen. ..Grubenbesitzer und Berg­arbeiter" so schreibt Lord D Abemonnah­men die Entscheidung in ihre eigenen Hände und weigerten sich, unter den fremden Bajo­netten zu arbeiten. Die Ruhrbesetzung wurde in ihrem Anfangsstadium zum Fehlschlag." Und ein einflußreicher Amerikaner sagte:Es sind verdammt blödsinnige Forderungen, die von noch unmöglicheren Sanktionen begleitet sind." Seit­dem hat Frankreich unter Driand seine ganz grotze politische Ambition aufgeben müssen, um dafür eine wirtschaftliche Hoffnung in Erfüllung gehen zu sehen. Reparationen, die neue Forderung Poincares, konnte man nicht militärisch erzwingen.

Das hat auch Voincars eingefehen. Deut­lich, seit er 1926 im Juli als Finanzdiktator wieder an die Spitze Frankreichs trat, wo er die Aufwertung des Franken, die Herstellung des Gleichgewichts im Staatshaushalt, die Sta­bilisierung durchführte, ja die ganze kata­strophale Derfahrenheit der französischen StaatS- finanzen m Ordnung brachte. Durch feine Schaffung einer autonomen Arnortifationskaffe für die Dons der nationalen Verteidigung, die französische Kriegsanleihe, hat er das Der- traucn in die Staatsführung wiederhergestellt. Die Staatseinnahmen und Staatsausgaben sind jährlich von 3 auf 4 Milliarden gestiegen. Und nicht nur die Staatskassen sind gefüllt, sondern auch das französische Sparkapital ist rafch wieder angeschwollcn, so daß Frankreich im Begriff steht, seine Dorkriegsstellung als Welt­bankier wieder zu erlangen. Frankreich kennt keine Arbeitslosigkeit, bieten furchtbaren Rot­stand aller übrigen wirtschaftlichen Großmächte. Denn eine steigende Äapitalinoeftierung in der

Oie Bemühungen um eine Wahlreform.

Berlin, 19. Rüg. (WTD.) Das Reichs- t a b i n e 11 trat heute unter dem Dorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning zur Beratung der den gesetzgebenden Körperschaften im Herbst vor­zulegenden Resormvorschläge zusammen. Zunächst wurde der Entwurf einet Gesetzes zur Schaffung eines ReichSderwaltungSge- richtes verabschiedet, der, wie bekannt, einen vorweggenommenen Teil der ReichSrrsorm dar­stellt. Sodann nahm das Kabinett einen ein­gehenden Dortrag des ReichSministerS des In­nern zur Wahlrechtsreform entgegen, worüber die Beratungen in den nächsten Tagen fortgesetzt werden. Im Mittelpunkt der (Er­örterungen des Reichskabinetts, die bis in die Dachtstunden andauerten, stand die erste grund­legende Erörterung der sinanz-, wirt- schastS- und sozialpolitischen Pro­bleme.

Zu der Wahlresorm meldet dieDossifche Zei­tung- noch folgende Einzelheiten aus den Dor- schlägen. die dem Kabinett vorliegen. So soll die Zahl der R e i ch s t a g S a b g e o r d n e- ten wesentlich verringert werden. Man will die Zahl der Stimmen, die zu einem Man­dat erforderlich sind, von 6 0 000 a u f 70 0 0 0 erhöhen. Dadurch würde der Reichstag bei gleicher Wahlbeteiligung 50 oder 60 Abge- vrdneteweniger zählen alS bisher. Die von 35 auf 162 vermehrten Wahlkreise sollen i n 32 Wahlverbände zufammengefaht werden. Die 32 Wahlverbände sollen ferner auf 12 Ländergruppen aufgeteilt werden. Reu ist auch die Bestimmung, daß nicht nur Parteien, sondern auch Einzelpersonen sich um ein Mandat bewerben können. Da die Dersassung doS DerhältniSwahlrecht vor­schreibt, erfolgt an Stelle der Reichsliste die Derrechnung der Re st stimmen zu­nächst innnerhalb derWahlkreiSver- bände und dann innerhalb der ge­planten zwölf Ländergruppen. Der bisherige amtliche Stimmzettel fvll Weg­fällen.

Alle Wahlreformbestrebungcn stoßen deshalb bei uns auf große Schwierigkeiten, weil auf Grund der Dersassung bas Derhältnis- w a h l r e ch t bestehen bleiben muß. Jedenfalls ist eine Verfassungsänderung praktisch ausge­schlossen, ba hierfür niemals die erforderliche Zweidrittelmehrheit erreicht werden würde. Aus diesem Grunde verzichtet der Reichsinnon- minifter auf die fachlich dringend erwünschte Heraufsetzung des Wahl alters, ba erfahrungsgemäß das Wahlrecht der Zwanzig­jährigen dazu führt, die Jugend schon frühzeitig zu verhetzen und zu radikalisieren. So sehr sich alle vernünftig denkenden Kreise des deutschen Dolkes in bet Forderung nach einer Heraufsetzung des Wahlalters auf etwa 24 ober 25 Jahre einig sind, so wenig kann man daran denken, unter den ietzigen Umständen eine solche Aenderung der Reichsverfassung vorzunehmen. Was das Der- hältniSwahlsystem anbetrifft, so soll es durch die Derrechnung der Re st stimmen in­nerhalb der Wahlkreisverbände und innerhalb der Ländergruppen gewahrt werden. Die R e i ch s l i st e soll nach dem Wirthschen Wahl­rechtsentwurf fort fallen, cbenfo der amt­liche Stimmzettel

E-s läßt sich schwer etwas über das mutmaß­liche Schicksal dieser Wahlresorm sagen. Der Widerstand gegen das heute geltende Listen­wahlsystem ist zweifellos im Dolle sehr stark Aber man soll ifaf der anderen Seite auch nicht meinen, daß allein durch eine Wahlrechts­reform die Krankheiten unseres politischen Le­bens geheilt werben können. Die Frage der poli­tischen Willensblldung liegt nicht so einfach, und

inner-französischen Wirtschaft und in den Kolo­nien hat sogar zur Folge gehabt, daß über 2 Millionen ausländischer Arbeiter, vornehm­lich Polen, Italiener. Tschechen, Belgier in der französischen Industrie und Landwirtschaft Be­schäftigung finden konnten. Was noch im vori­gen Jahre zweifelhaft war: die Erfolge von Poincares Finanzpolitik heute liegen sie klar zutage.

Seit dem Spätsommer 1929 ist Poincare aus Gesundheitsrücksichten von seinem Amte als Mi­nisterpräsident zurückgetreten. Die Ar­beitslast der letzten Jahre war nicht ohne schlimme Folgen für den alternden Staatsmann geblieben. Ob er je wieder die Regierung Frankreichs übernehmen wird, ist fraglich. Denn er hat eigentlich alles geleistet, was ein Mann ohne ausgesprochene Genialität, mit Umsicht. Ur­teilskraft, Pflichttreue und Standhaftigkeit in Frankreichs Lage, vor, während und nach dem Kriege zu leisten vermochte. Der Weg zur Aussöhnung unter den Dölkem Europas und zum wahren Frieden muh von anderen beschritten werden, die toemger vorbelastet sind als dieser Mann, den man in Deutschland immer in erster Linie als einen der Mitschuldigen am Kriegsausbruch an seh en wird, wenn man auch der Tüchtigkeit des Menschen, des Mannes und treuen Sohnes seines Landes seine Achtung nicht versagen laim.

es gehört schon ein naiver Glaube an die All- Heilkraft der Organisation dazu, wenn man meint, daß durch eine Wahlresorm unser Parlamen­tarismus sich alsbald auf ungeahnte Höhen er­heben werbe. Gewiß hat das gegenwärtige System sehr schwere Schäden, die in keiner Weise verkleinert werden sollen. ES neigt dazu, die Macht der Fraktionen, und was noch schlimmer ist, ihre Abhängigkeit von unkontrollierbaren Einflüssen außerhalb des Parlamentes au stei­gern Die räumliche und menschliche Entfernung

des Abgeordneten von den Wählern ist ebenfalls ein Schade des jetzigen System-, sie führt zu einer Mechanisierung des parteipolitischen Lebens. Der Einzug von einer größeren Zahl starker und eigenwilliger Persönlichke.ten in bas Parlament würde dem deutschen Reichstag eine bessere Physiognomie geben Da- Best« aber für eine wirkliche innenpolitische Wiedergeburt muh durch einen politischen ReinigungS- Prozeß im Volke selb st geleistet werden. Das kann eine Wahlrechtsresorm wohl fördern, niemals aber schaffen.

Burgfriede auf der gemäßigten Rechten.

Erfolgreiche Verhandlungen zwischen Konservativen, WirtschastSpartei und Deutsche Volkspartei.

Berlin, 19. llug. (VDZ.) Die Parteiführer Ircairanus (konservativ), Dr. Scholz (Dvp.) und Sachsenberg (öp.) haben sich In einer gemeinsamen Besprechung darüber geeinigt, daß ihre drei Parteien im künftigen Reichstag grundsätzlich Burgfrieden gegenein­ander bewahren wollen, weiterhin haben sie sich entschlossen, in einem gemeinsamen Wahl­aufruf zum Ausdruck zu bringen, daß die drei Parteien gewillt sind, in sozialpolitischen, in- und außenpolitischen fragen z u - sammenzuarbeiten. lieber die J o r m dieser Zusammenarbeit wurden Beschlüsse noch nicht gefaxt; man denkt etwa an die Bildung eines Interfraktionellen Ausschus­ses, nicht aber an eine Fraktionsgemeinschaft Die Verhandlungen zwischen den drei Parteien sollen fortgesetzt werden. Sie werden aber im wesentlichen nur noch der Formulierung des gemeinsamen Wahl­aufrufs dienen.

von unterrichteter konservativer Seite wird die Information über die Linigungsverhandlungen be­stätigt Allerdings wird betont, daß diese Bespre­chung noch keineswegs bindenden Cha­

rakter gehabt hat, da nämlich der Vertreter der Wirtschaftspartei wert darauf legt, sich erst noch einmal mit seinen Parteifreunden zu bespre­chen. 3n den beteiligten Kreisen beurteilt man die Aussichten aber immerhin optimistischer als In den früheren Stadien dieser Linigungsversuche. Das hat seinen Grund mit darin, daß diesmal nicht über s o weitgehende Bindungen verhan­delt wird wie anfangs. So unterscheidet sich der jetzige plan von dem früheren Insofern, als man die engere Verbindung nach den Wahlen lediglich in der Bildung eines interfraktionellen Ausschußes sucht, d. h. also den Gedanken der direkten Fraktionsgemeinschaft zunächst sol­len gelassen hat. Damit Ist wohl erreicht wor­den, daß die widerstände innerhalb der Wirtschafts­partei beseitigt sind. Die Aussichten der Verhand­lungen werden auch In den Kreisen der Deutschen Volkspartei recht optimistisch beurteilt. Die Sym­pathie der Deutschen Volkspartei mit dieser (Einigung wird damit erklärt, daß sie im Prinzip schließlich dasselbe bedeutet, was Dr. Scholz mit seiner Aktion erstrebt habe.

Rußland weicht zurück im Fernen Osten.

Verkauf der russischen Anteile an der ostchinesischen Bahn an eine amerikanische Finanzgruppe.

B e r l i n , 20. Aug. (OB.) wie dieGermania" meldet, sind in Berlin Verhandlungen zwischen einet nordamerlkanischen Finanz- gruppe, zwischen der Sowjetregierung und der Russisch-Asiatischen Bank über den verkauf der ostchinesischen Eisenbahn eröffnet worden.

vor wenigen Monaten hatten die Lhinefen den versuch gemacht, Sowjetruhland gewalt­sam aus der Mandschurei zu verdrän­gen. Sie hatten unter dem Vorwande, daß aus den russischen Verwaltungsgebäuden und Konzes­sionen an der ostchinesischen Bahn die kommunistische Propaganda in China geleitet würde, Haus­suchungen in den russischen Konsu­laten öorgenommen, die Beamten verhaftet, in Konzentrationslager verbannt und unter Außeracht­lassung der russischen Besihtitel selbst die allei­nige Verwaltung der Bahn übernom­men. Die Chinesen unterlagen im bewaffneten Konflikt und muhten stch in einem Vorverträge dazu verstehen, die Sowjelrussen wieder in alle ihre Rechte an der ostchinefifchen Bahn e I n z u s e h e y. Die chinesische Zentralregierung in Nanking beanstandete den Vorvertrag. 3n Moskau sollten neue Verhandlungen eröffnet werden. (Ein

Bevollmächtigter der Nanking-Regierung traf auch in Moskau ein, aber bis zum heutigen läge ist unter allerlei Vorwänden die Unterschrift eines end­gültigen Abkommens verzögert worden.

Die in Berlin geführten Verhandlungen über den verkauf des ruffifchen Anteils am Besitze der Bahn geben jetzt der Frage eine neue und un­erwartete Wendung Der Bahn bau wurde m i t französischem Kapital, das das Bankhaus Rothschild unter russischer Staatsgarantie vorschoh, im Jahre 1897 beendet. Die Chinesen behielten sich das Recht vor, den Bahnkörper zum Jahre 1933 wieder zurückzukaufen. Da die Chinesen aber kaum die Mittel aufbringen können, um alle die mit der Bahn verbundenen Auslagen zu bezahlen, so ist sehr leicht möglich, dah sie die Hilfe nord- amerikanischer Finanzkreise beansprucht haben. (Es darf nicht übersehen werden, dah die Hauptbedeutung der Bahn nicht eine finanzielle, ist, sondern eine politische. Die Ausschaltung der Bolschewisten aus der Verwaltung und ihr Rück­zug aus der Mandschurei mühten die russischen Po­sitionen im Fernen Offen schwächen und würde fast einem Verzicht auf Wladiwostok und d i e Amurmündung gleichkommen.

Oer Krach am rumänischen Königshof.

Königinmutter Maria soll zwizchen Carol und Helene vermitteln

Graz, 19. Aug. (WTD.) DieTagespost" meldet aus D e l d e s. dem Sommeriitz des südslawischen Hofes: Um 9 Uhr abends ist ganz unerwartet die Königinmutter Maria von Rumänien aus Deldes, wo sie bei ihrer Tochter, der Königin von Südslawien, einen Monat zu verbleiben ge­dachte, nach Bukarest abgereist. Wie aus rumänischen Hofkreisen verlautet, werde die un­erwartete Abreise in Verbindung mit dem ver­schärften Konflikt zwischen König Carol und der Regierung einerseits und der Prinzessin Helene anderseits gebracht. König Carol habe der Regierung mitgeteilt, daß er sich so schnell tote möglich frönen lassen wolle, ohne Rücfficht darauf, ob es zu einer Dersöhnung mit der Prinzessin

e l e n c komme oder nicht. Während die Prin­zessin Helene darauf beharre, daß die Schei­dung in Geltung bleibe, sei Minister­präsident M a n i u dagegen ausgetreten und habe erklärt, daß die gesamte Regierung sofort zu­rücktreten werde, falls der König bei seinem Entschluß bleiben und die Krönung ohne die

Königin Helene stattfinden sollte. Jetzt hätten Hof- und Regierungstreise die Königinmutter gebeten, sofort nach Bukarest zu kommen, um eine Dersöhnung hcrbeizu'ühren. Fall- dieser letzte Dersöhnungsverfuch keinen Erfolg haben sollte, werde die Krönung des Königs auf unbestimmt« Zeit verschoben werden.

Drahtlose Fernsehversuche.

Die lelefunkengefellfchaft hat am Dienstag draht­lose Fcrnfehverfuche auf der Strecke Rauen- Geltow durchgeführt. Ls wurden über eine (Entfernung von rund 40 Kilometern vom Sender in Rauen mit kurzen wellen, und zwar mit 7O-Meter-wellen, ein Filmstreifen und ferner das Bild von zwei Damen, die sich mitein­ander unterhielten, nach Geltow übertragen und dort deutlich sichtbar vorgeführt. Durch intensive Laboratoriumsarbeit ist es gelungen, die Kosten für die Fabrikation von Fernsehapparaten auherordentlich herabzudrücken. (Es wird aber noch geraume Zeit dauern, bis das Fernsehen im Rund- fünf eingesührl werden kann. Deshalb stellt die Telefunfengesellschaft auf der diesjährigen Funkaus- stellung feine Fernsehgeräte aus, da sie der Meinung ist, dah nur solche Apparate auf die Funkausstellung gehören, die technisch vollkom­men und preiswert sind. .