Ausgabe 
20.2.1930
 
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zu erfüllen. Diese 6te gerung seiner wirtschaft­lichen Kraft tDurO auch seine Wettbe­werbsfähigkeit gegenüber bemAus- I an b erhöhen und es dann dem jetzt zurück- gedränaten deutschen Ausfuhrhandel na­mentlich nach Uebersee erleichtern, seine alte Stellung auf dem Weltmarkt wiederzugewinnen. Oer Hansabund fordert Ausgaben-

droffelung der öffentlichen Hand.

Berlin. 19. Febr. (LU.) Das Präsidium des Hansabundes für Gewerbe, Handel und Industrie erläßt eine Erklärung, in der mit Bedauern fest­gestellt wird, daß durch die Besprechungen über die Neuordnung der Reichsfinanzen der Ge­danke einer Senkung der Ausgaben in den Haushalten von Reich, Län­dern und Gemeinden völlig in den Hintergrund gedrängt worden ist. Der Hansabund bekenne sich nach wie vor zu der Forderung nach einer die gesamte öffentlich« Finanzgebarung erfa,senden Sparpolitik, die jegliche Erhöhung der öffentlichen Gesamtlasten vermeidbar machen und den Weg zu einer umfassenden Steuer­senkung freilegen würde. Er erblicke in der Durchführung einer solchen Ausgaben- und Steuersenkungspolitik die dringend erforderliche Sicherung vor schweren inneren Erschütterungen der staatlichen und wirtschaftlichen Ordnung. Der Hansabund empfiehlt außerdem, die Entschei­dung über den Voungplan als einen außenpolitischen Akt allein zu treffen und von der unmittelbaren Verknüpfung seiner Ver­abschiedung mit den Fragen der Kassen- und Finanzreform angesichts der entscheidenden Be­deutung dieser Probleme für die deutsche Wirt­schaft abzusehen. Er warnt dringend davor, die hier notwendigen Maßnahmen zum Gegen­stand übereilter politischer parteitaktischer Kompromisse werden zu lassen. (

Arbeiiskürzung hei der Reichsbahn.

Berlin. 20. Febr. (C.N.B.) Wie der Demokra­tische Zeitungsdienst erfährt, haben zwischen der Reichsbahn und den Reichsbahngewerkschaften Ver­handlungen stattgefunden, die sich mit einer geplan­ten Ar beitsein schränkuna bei der Reichs­bahn beschäftigen. Eine solche Arbeitseinschränkung sei infolge der gesunkenen Verkehrs­ziffern und infolge der gesunkenen Ein­nahmen notwendig geworden. Angesichts dieser Verhältnisse sei die Reicksbahn nicht in der Lage, die Saisonarbeiter einzu st eilen, die sonst um diese Zeit eingestellt würden. Weiter werde mit den Gewerkschaften verhandelt über eine Streckung de r Arbeitszeit in den W e r k st ä t t e n. Unter Umständen komme statt der Sechstagewoche, eine Fünftagewoche für be­stimmte Arbeiten in Frage. Eine Entlassung von Arbeitern soll, wenn irgend möglich, ver­mieden werden.

Konflikt im Auswärtigen

. Ausschuß.

Persönlicher Zurammensloh zwischen Wirth und ^rcytaqh'Loringlioven

Berlin. 19. Febr. (VDZ.) In der gemein­samen Sitzung des Auswärtigen und des Haus- haltsausschusses des Reichstages, die sich mit den Voung-Gesetzen beschäftigen, kam es heute zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen dem Reichsminister Dr. Wirth und dem deutsch- nationalen Abg. von Frehtagh-Lorin g- Hoven. Dr. Wirth wandte sich gegen einen Bericht, den dieDeutsche Zeitung" über die vertrauliche Wontagssihung der Ausschüsse ge­bracht hat, und den der Minister als grobe Entstellung der Tatsachen und eine Schädigung der deutschen Interessen bezeichnete. Er sprach dabei auch von einergroben Illoyali­tät", da der Bericht sich auf irreführende Mit­teilungen von Abgeordneten stützen müsse. Abg. von Freytagh-Loringhoven (Dntl.) verlangte für -Dr. Wirth einen Ordnungsruf vom Aus- schuhvorsihenden Abg. Heilmann. Das lehnte die-

Spaß mit Gkisahrern.

T on Kasimir Edschmid.

Die Skifahrer gehören zu den fairsten Sports­leuten, Wenn sie jemand kränken wollen, nennen sie ihn einen Tennisspieler. Bekanntlich sind die Cracks von den Lawns die eitelsten Kanonen der Welt. Die Schneeathleten finden das so verächt­lich, daß sie sich damit beleidigen. Es ist klar, daß man unter den Skileuten die verrücktesten Kerle findet, die es unter Sportsleuten gibt. Sie haben natürlich auch ihre Arroganz. Diese bezieht sich jedoch nur auf die sportliche Qualität. Hierin sind sie aber unerbittlich. Keine Macht, keine Eleganz, kein Ruhm hat den ge­ringsten Einfluß beim Skisport, wenn der Träger nicht auf den Brettern tadellos ist. Ein Achill wäre bei diesen Burschen komisch ohne Quer­sprung. Selbst die Frauen spielen keine Rolle, wenn sie nicht sportiv sind. In den hochklassier- ten Schneesportlreisen ist diese Einstellung zur Frau durchgängig. Helen Wills würde ohne gute Schwünge einfach ausgelacht. Es gibt eine Anzahl berühmter Kriegsflieger unter den pas­sionierten Skifahrern, aber sie vermögen sich nicht recht durchzusetzen, da sie nut mittelmäßige Läufer sind. Wan sieht, die Bewunderung wird hier nur spartanisch ausgegeben. Die Päpste des Skisportgeistes sitzen in St. Anton, in Chaur de Fonds und auf dem Feldberg. Aber welche Ka­meraderie, welche Fairneß hat man da unter sich Das ist einzigartig im Verhältnis zu an­deren Sports. Cs ist dadurch ein wenig ho­merische Luft um die Skifahrer, ilnb die Ro­mantik Coopers hat auch noch etwas Widerschein im Sportinggeist der Schnee-Cracks. Dieser Geist färbt sofort aus alle ab. die aus Skiern fahren, das heißt, auf alle, die sich in den Schneesport besinnungslos verliebt haben. Beides geht Hand in Hand. Das macht alle Skisportleute ein wenig verrückt. Die Lust über tausend Meter hat wahr­haftig ein eigentümliches Aroma. Sie wirkt w.e Sekt. Sie elektrisiert die Haut und massiert die Launen. Wer toternst in die Hochsaison von St. Moritz stürzt, glaubt sich in einem Rarren- hauS. Wer im Fasching auf den Feldberg fährt, glaubt, eine Armee von Irrsinnigen zu sehen Die Skifahrer sind ein« Ration für sich. Mit für Laien unbegreiflichen Sitten und Gebräuchen

Am Iulierpaß traf ich einmal arme Irre, die. ohne Silvaplana zu berühren, nach dem Silvrettahaus wollten. Sie hatten chre Schlit­ten bereits zurück nach Lenzerheide gesandt. Es waren natürlich Engländer, die fast immer

ser ab. Er unterbrach die Sitzung durch eine Mittagspause. Während der Pause kam es zu einem heftigen persönlichen Zusammen- st o ß. Dr. Wirth beklagte sich namentlich dar­über, daß in der Rechtspresse behauptet wor­den sei, aus dem Ausschuß sei chm zugerusen worden, er benehme sich wie ein Pri­maner. Das sei eine gemeine Lüge, da ein derartiger Zurus gar nicht erfolgt fei. Abg. v. Freytagh-Loringhoven bemerkte: Angesichts Ihres augenblicklichen Benehmens ist dieser Ver­

gleich noch viel zu höflich. Darauf trat Minister Dk. Wirth dicht auf den Abgeordneten zu mit den Worten:Wagen Sie das noch einmal zu wiederholen?" Abg. v. Freytagh- Loringhoven erwiderte, daß er sich nicht ein­schüchtern lasse, worauf Dr. Wirth antwortete: lind Sie wollen ein llniversitüts- profesfor sein? Pfuil Schämen Sie sichl" Rach weiterem heftigen Wortwechsel ver­liehen die Ausschuhmitglieder in großer Er­regung den Saal.

Die RegiermWknslS in Frankreich.

Gin Ministerpräsident, aber noch keine Mehrheit.

Paris. 19. Febr. (C. R. B.) Der Präsident der Aepub.ik hat heute seine Besprechungen mit den Parteiführern beendet. Er wird, wie allge­mein angenommen, dem führenden radikalen Ab­geordneten Chautemps die Kabinettsbildung übertragen. Wenn Chautemps diese Mission übernimmt, wird er nicht geringe Schwierig­keiten au überwinden haben: denn innerhalb der Radikalen Partei machen sich zwei Strö­mungen geltend. Die eine Gruppe, der Chau­temps selbst angehbrt, strebt ein weitgehen­des Konzentrationsmini st erium un­ter radikaler Führung an, das bis zur Fraktion Maginot geht, unter Ausschluß der Marin-Leute. Die linksstehenden Elemente, vor allem D a I a b i e r , bage.'C.i wünschen ein rein links st ehenbes Kabinett, daS sich zu- sammenseht aus den bürgerlichen Elementen, die das Kabinett Tardieu am Montag gestürzt ha­ben, und das bie Unter ft ühung 6er So­zialisten finbet. Die Mehrheit bet rabifalen Abgeorbneten und Senatoren ist nicht für diese Lösung, weil das neue Kabinett alsdann von jeder Schwankung innerhalb der Sozialistischen Partei abhängig würde und die Sozialisten bei irgendeiner Meinungsverschiedenheit von einem Tag zum anderen die Gemeinschaft aufkündigen könnten. Sie erinnern an die prekäre Lage des Kabinetts Herriot, das 1924 bis 1925 mit den gleichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte.

Die politischen Freunde Chautemps' meinen, man sollte sich öie Hilfe Tardieus sichern, dessen Bereitwilligkeit allerdings recht zweifelhaft ist. Richtsdestoweniger glaubt man, daß Chau­temps sich auch durch eine Ablehnung Tardieus nicht abschrecken lassen würde, sondern mit Zu­stimmung feiner Fraktion und mit Unterstützung anderer linksstehender Clemente ein Mini­sterium der Einigung der Linkspar­teien bilden würde.

Unsichere Haltung der Radikalen Daladier für ein reines Linkskabinctt Widerstand gegen die Pläne Chautemps.

Paris, 20.Febr. (IDIB. Funkspruch.) Der er­weiterte Vorstand der Radikalen Partei hat gestern abend unter dem Vorsitz von Da lädier zur Re- gierungsbildung Stellung genommen. Daladier be­tonte, daß die neue Mehrheit, die die Regierung ge­stürzt habe, nur Stimmen der Linken um­fasse. Es fei nicht zweifelhaft, daß noch viele andere Republikaner sich di ser Mehrheit anschließen wür­den. Die loyale Schlußfolgerung aus dieser Abstim­mung kllnne also nur die Bildung einer ent­schlossen linksgerichteten Regierung sein, in der die Radikale Partei einen entscheidenden Einfluß auEÜben müsse.

Die vom erweiterten parteivorstand schließlich an­genommene Tagesordnung besagt, die Möglichkeit einer Linksmehrheit und der Bildung einer Links- regierung erfordere, daß man sich auf ein Aktions­programm einige, das bie Vertreter der Rechten und ihrer Alliierten aus* schließe. Diese Tagesordnung wird vomEcho de Paris" so gedeutet, daß der erweiterte Parteivor­stand die Alternative stelle: Entweder eine Regie­rung des Kartells der Linken ober überhaupt keine Regierung! Diese Tagesordnung sei bet von Chautemps erträumten Konzentration nicht dienlich. Dolle Daladier etwa Chautemps i n den Rücken fallen, genau wie er Clementel in den Rücken gefallen fei? Selbstverständlich ver­wahre er sich dagegen. Jedenfalls fei bezeichnend, daß Chautemps bei der Sitzung des erweiterten Parteivorstandes gefehlt habe.

Die Sanierung der Reichsfinanzen

Mehr Führung!

Optimismus ist gewiß eine schöne Sache. Er ist aber nur dann gerechtfertigt, wenn Tatsachen und Entwicklungxn ihm entsprechen. Daß das bei den finanzpolitischen Verhandlungen der letzten Tage auch nur in bescheidenem Maße der Fall wäre, wird man wohl kaum behaupten können. Seit einer Woche sitzen nun die Finanzstrategen der Parteien der Regierungsgemeinschaft zusammen, seit Wochen und Monaten wird die Oeffentlichkeit mit Dorschlä- gen zur Deckung des Haushaltsfeylbetrages und des Kassendcfizits beschäftigt, ohne daß bisher praktisch nach der einen ober anderen Seite auch nur irgend­ein Fortschritt erzielt worden wäre. Alle diese Dis­kussionen vollziehen sich in einer Form, als ob man in einem akademischen Seminar theoretische Fragen zu lösen hätte. Der kritische Beobachter dieser Dinge kann sich also des Eindrucks nicht erwehren, daß man sich nicht nur bei den Parteien, sondern auch in der Regierung an den bitteren Ernst der finanziellen Situation des Reiches vorbeizulügen sucht. Das Problem als solches ist erkannt, man wist aber aus Partei- oder koalitionspolitischen Hem­

mungen heraus vor sich selbst nicht eingestehen, daß es akut ist.

Die Rote aber brennt uns auf den Fingern. Die verantwortlichen Beamten sehen jedem Ul­timo mit immer größerer Sorge entgegen, und die Wirtschaft, auf deren Steuerkraft das Finanz­gebäude des Reiches ruht, muß mit Bitterkeit feststellen, daß zu ihrer Entlastung deren Rot­wendigkeit schon der Vorgänger Moldenhauers als dringlich anerkannt hat, trotzdem zwei Monate nach dem Sturz Hilferdings bis heute irgendwie Entscheidendes noch nicht geschehen ist. Die bange Frage ist also wohl berechtigt, welche Absichten kenn nun eigent­lich der neue Mann im Reichsfinanzministerium, dem man eine besondere Verbundenheit mit der Wirtschaft und eine besondere Kenntnis ihrer Erfordernisse nachsagt, mit seiner bisher geübten Zurückhaltung gegenüber dem Geschwätz der par­teipolitischen Interessenten verfolgt.

Die Oesfentlichkeit vermißt die entschiedene Führung der Regierung bei allen finanz­politischen Erörterungen der letzten Zeit. Daß die Aufgabe des Finanzministers ganz besonders schwie-

schlechte Dkifahrer sind. Es war eine trostlose Sache, ihnen klarzumachen, daß sie erfrieren wür­den. Das war ein komischer Mittag. 2m Iulier- hospiz versteht man weder deutsch noch englisch, sondern nur den lokalen ..Slang". Ich hatte eine Dame aus dem Ofen sitzen und frottierte ihr die im Schlitten erfrorenen Füße. Auf dem Pah weht gelegentlich ein fürchterlicher Wind. Der Herzog von Alba, der mit einer spanischen Clique ankam, ah mittlerweile meine Butter, während ich um Zehen besorgt war, die in drei schottischen tarierten Strümpfen staken. Es wurde eine witzige Situation. Man konnte bestellen was man wollte, man bekam etwas anderes. Am Ende gaben die Leute in dem Hospiz dem Engländer, der nach dem Silvrettahaus wollte, fünfundzwanzig Franks in Silber heraus. Er war nahe am Weinen. Es war eine richtige Keule Silbergeld, wenn man es in ein Taschen­tuch wickelte. Er fürchtete, sich beim Fallen einen Bruch damit in den Bauch zu schlagen, und ich war so freundlich, chm Papier dafür zu wech­seln. Am Abend tanzte alles in St. Morch aus dem Ball im Kulm. Es war lange nicht so amüsant wie das Charivari von vier Rationen um den Ofen in dem Hospiz, obwohl jeder am Abend ein noch verrückteres Kostüm trug, als es das Habit der Skifahrer ist.

Es gibt tatsächlich kaum etwas Kontrastvol­leres als die Trommelwirbel der Engadinbars und die furchtbare Einsamkeit der Schnceprärien. Einmal nur erlebte ich noch wilderen Gegensatz. Damals brach die Geschichte im Schnee e n. Wir lagen auf dem Eckbauer über Partenkirchen, um die Rordhänge zum Forellenbauer abzufahren. Unter dem halben Dutzend war der verstorbene Richard von Delow und der preußische Ge­sandte *1n München Z. Im Frühjahr steht die Sonne mit kolossaler Glut bereits über dem Dchneeterrain. Die Hummeln suchen nach Weiden­sträuchern, die aus der Schneepiste blühen. Da man die Bretter bis zum Eckbauern tragen mußte, liegt man vor der Abfahrt stundenlang in der Sonne. Wan hat einen unheimlichen Prospekt vor sich. Die Kette des Gebirgs mit Zug« und Alp- spitze reiht einen mächtigen Halbkreis von Eis- tulissen vor den tiefblauen Himmel. Es scheint der Himmel der Adria zu sein.

Heber den Eindrücken kochen kleine weiße Wol­ken hoch. Die Sonne macht diese Atmosphäre wie betrunken. Die Luft zittert über diesem Schneesommer fast fiebrig und völlig zeitlos. 3n dieser paradiesischen Situation erreichte die Hütte ein Telephonat, das von der Wilhelm-

stratze über München und Partenkirchen in die El:tfchernähe umgelegt worden war, Graf Z. ver­schwand in die Bretterbude. Er erhielt die Rach- richt, daß Kapp auf Berlin marschierte. Fünf Minuten später fuhren wir ab. Die Rachricht war, wie alles Politische, unfaßbar gegenüber einer Ratur, die, obwohl deutsch wie wenige, majestätisch über den deutschen Tragödien hin- schwieg. Dieser Kälte und Gröhe gegenüber war alles, was da unten geschah, einfach irrsinnig. Und doch hat mich, durch den Gegensatz, das deutsche Schicksal so fürchterlich gerührt.

Etwas später erlebte ich da und dort den Be­ginn der ersten Schneefilme. Das bedeutet, dah eine Anzahl bekannter Skisahrer Schauspieler wurden. Die Arlberger Brüder Schneider ..Schneefloh", der Schwarzwälder Allgeier wurden Helden. Diese Films hatten gewaltigen Effekt. Ihr sportlicher Teil ist immer brillant. Die Handlung ist oft von einer Raivität, die der älnschuld der Skifahrer entspricht. Sie sind alle Romantiker, und fast alle etwas melan­cholisch. Amüsant war der Einbruch dieser Ski- filme in die Sporthotels, deren Gesellschaft durch den älmsturz und die Inflation sehr merlwürdig zusammengesetzt und unsicher war. Die Skifilme waren von jungen Schauspielerinnen und Kom­parserie begleitet, die violett bemalt in der Sonne umherliefen. Abenteuerliche Eispaläste entstanden. Das Publikum war fassungslos, bis die Macht der Filmindustrie chre Spchen mit der Gesell­schaft mischte. Die Aufnahmen gingen oft aben­teuerlich vor sich. Hannes Schneider brach dabei den Schenkel, die schöne Tänzerin Cent Riefenstahl verbrannte sich an einer ex­plodierten Fackel, der Maler C o st e wurde in Grönland mit einem Taschenmesser operiert. Der Schnee wurde eine zweite Savanne, deren In­dianer die Professionale des Schneefilms waren.

Manche Hüttenabende haben den Zauber der Picknicks und Kamine. Männliche Gespräche von Leuten, denen das Ungewöhnliche nicht mehr imponiert, als es sachlich wert ist. Die Schnee- bretter bei Woottas Muraigl, die Lawinen am Arlberg: die Rebelüberfäll« am Feldberg mit seinen Wachten sind ein unendliches Thema. Ich sah Peter Schmid, den Heros von Gsaad, zwanzig Minuten nach einem gerissenen Chri- stiania zufällig bemerken, das sein Wadenbein entzwei war. Ich sah die ersten aerodynamischen Sprünge des Heroen auS dem Skinest Chaux de Fonds, die eine neue Sprungtechnik ein- weihten. Ich sah ein gefrorenes sunges Kalb im Smoking im (Bett eines unfairen Sports­

rifl ist, wird niemand oer/ennen. Sie ist aber so vordringlich, daß gerade für Dr Moldenhauer am allerwenigsten Anlaß besteht, den Parteipolitikern bei der Lösung der wichtigsten inner Politiken Tagesfrage breite und zeitraubende Exkursionen in ihre parteipolitischen Doktrinen und ihre private lleberzeugungötreue zu gestatten.

Moldenhauers Oeckungsprogramm.

Berlin, 19. Jebr. (CJl.B.) Der Rcichsfiuanz- miniffet Hal heute abend die informatorischen Be­sprechungen mit den Finanzsachverständigen der Fraktionen über die Steuerfragen abgeschlossen. Am morgigen Donnerstag wird noch einmal über die Arbeitslosenversicherung gesprochen wer­den und dann betrachtet der Finanzminister auch diese Verhandlungen als beendet. Er ist der Ansicht, daß diese Besprechungen genug Material für die Ausarbeitung der Entwürfe geliefert haben, und dah es deshalb keinen Zweck hock, die Verhandlungen noch ins Endlose weiterzusühren, zumal, da die Meinungen der Fraktionen doch auseinander­gingen. Der Finanzminister hs>,ft, die Vorlagen bereits Anfang nächster Woche im Kabinett einbrin­gen zu können. In der morgigen Sitzung des Reichs­kabinetts werden nur noch kleine Linzelfragen de» Haushaltes erledigt, die in der letzten Rachlflhung nicht mehr abgeschlossen werden konnten, aber kaum noch Schwierigkeiten machen dürften. Som!t ist al o das bisherige Stadium der Finanzverhandlungen abgeschlossen.

In politischen Kreisen begrüßt man es, dah der Finanzminister und überhaupt das Kabinett nun wieder die Initiative ergreife« und die Parteien vor die Frage stellen, ob sie dem Reich die Mittel bewilligen wollen, die zu seiner Sanierung notwendig sind, und ob sie der Wirtschaft die Aussichten einer späteren Steuersenkung eröffnen wollen, die der Reichsfinanzminister zur Ueberroln- dung der Vertrauenskrise der Wirtschaft für uner­läßlich hält. Die Verhandlungen mit den Fraktio­nen boten in der Tat nach der im Reichstag allge­mein herrschenden Auffassung kaum noch wei­tere Aussichten auf eine Einigung. Man weih, wie stark die Gegensätze in der Frage der Arbeitslosenversicherung sind. Die Erhöhung der Umsatzsteuer wird von den ver­schiedensten Seiten abgelehnt. Beim Projekt eine» Jlotopfers handelte es sich um die zwei Fragen­komplexe: 1. Einmalige Erhöhung der Einkorn- mensteuer durch einen Zuschlag, 2. Erheb ng eines Beitrages von den Fest besoldeten oder nur von den Beamten. Praktisch liefe diese» Pro- jekt auf eine Kürzung der Beamtengehälter hinaus. Der Reichsfinanzminister sieht in dem Wort Rot­opfer nur eine verschämte Umschrei­bung einer Erhöhung der Ein kommen­steuer, die er entschieden bekämpft hat, weil sie im Gegensatz zu dem Finanzprogramm vom Dezember steht, dessen Grurdgedanke die Ver­minderung der direkten Steuern aus den Ersparnissen des Poungplanes war. Der Reichs­finanzminister hat In seinem widerstand gegen die­ses Projekt aus den Reihen der Parteien starke Unterstützung gefunden. 3m Vordergründe der kommenden Deckungsvorlage wird die Erhöhung der Bier ft euer stehen, und zwar voraussicht­lich um 75 v. h.» jo dah sie etwa 270 Millionen Reichsmark erbringen würde. 25 v. h. davon sollen den Ländern zugutekommen, wie die Gesetzentwürfe im einzelnen aussehen werden, unterliegt jetzt der Entscheidung des Kabinetts. 3n politischen Kreisen ist man der Auffassung, daß die Verhandlungen, nachdem das schleppende Stadium der informatori­schen Besprechungen abgeschlossen ist, einen schnelle­ren Fortgang nehmen werden.

mannes als Strafe. Ich saß FaschingSpataden auf Skiern. Ich sah Fuchsjagden auf dem Schnee, fuhr hinter Motoren auf dem St. Moritzsee, hinter galoppierenden .Reiterinnenkava.kadcn mit Seilen angeschnürt durch das Tal von Maloja. Ich diskutierte mit Henri Hoock, dem Gentleman des Skisports, unb mit Dr. Daader, der die Spitze des deutschen Sprungsports war, die Hal­tung, den Stil, den Absprung der Springer. Das Thema des Skifahrens ist homerisch, breit wie ein Zeitgemälde der Antike. Heroisch und komisch wie das Leben, ilnb übersichtlich, weil es eine kleine Ration ist, die es betreibt. Es gibt Skifahrer, die den Sommer hassen, well sie von den weihen Bergen herunter müssen. Leiden­schaftliche, die nach dem ersten Schneefall zittern. Es gibt Launen, Sitten und Moden. Die Stile des Skifahrens verwandeln sich stündlich. Die Arl­berger und Schwarzwälder sind eigentlich immer daccord und im Grunde auch beide der Ansicht, dah die Schweizer vom Skifahrcn wenig verstehen, das heiht von der wahren Kunst, der Eleganz der Schwünge, der Rhythmik des Hocke-Fahrens-, der Präzision der Leistung. Die Arlberger Schule, deren ..Duce" Hannes Schneider ist, hat sich mit der des Schwarzwaldes immer ergänzt. Die Arlberger waren viel auf dem Feldberg, unb die Feldberger fahren gern nach St. Anton.

Der Feldberger Hof. eines der schönsten großen Sporthotels Deutschlands, ist wahrscheinlich der Ort der passioniertesten und männlichsten Fah­rerei.

Der Stil des Hotels ist sehr amüsant. Die In­dianerstämme des Ski-Gosewichs (ber Bru­der bes Tennisgosewichs), bes Fliegerstaats­sekretärs Euler unb Wilhelm von Opels sind bekannt. Darin ist bie beste sportliche Clique West- beutschlands sportlich enthalten. Wenn bie Schwei­zer noch Telemark laufen (was ihr Gelände allerbings entschulbigt), so scheint das den Arl- bergem, als ob man abends Walzer tanze. Es ist auch dasselbe. Auch die Sports, und selbst da, wo sie am abenteuerlichsten sind, gehorchen jenem Rhythmus der Zeit, der am teutlichsten aus den Dars von St. ^orih über bie Kresta- bahn unb bie Gletscher hi > über trommelt.

Hochschulnachnchten.

Der Direktor bei bet Kali-Industrie A-G. Kassel (Wilhelmshallen-Konzern) Dr.-Ing. Heinz Voigt ist vom 1. April 1930 an zum orbentlichen Professor für Wärmetechnik an der Technischen Hochschule in Darmstabt als Rachfolger von Prof. Eberle berufen worben.