Ausgabe 
20.1.1930
 
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die Reichsbahn ist gegenüber dem Plan selbst noch mehr in den Hintergrund ge­treten. Ein Versuch, die Rerchsbank nut bezug aus eine 600-RIillionen-Grenze sür den Schatzwechselkredit des Reiches festzulegen ist ab* gewehrt worden,' in bezug auf das Mora­torium und die Rachzahlung ist em Zu­satz eingeschoben worden, wonach die Befugnisse des beratenden Ausschusses für diesen Fall un­eingeschränkt bleiben. Die Ilebergangs- be stimm ungen, die auf der ersten Haager Konferenz dem Generalagenten die Mogllchcett der Gewährung von Erleiterungen an das Reich durch Kredite gaben und die im Dezember bis 31. Januar verlängert worden sind, haben lich eine Verbesserung noch dahin erfahren bah Liese Pflicht dem Generalagenten neuerdings und mit der Erweiterung durch andere Erleichterun­gen nach Annahme des Paungplanes auferlegt worden ist, und zwar ohne eine Frist­setzung, was eine materielle Verbesserung gegenüber dem bisherigen Zustand bedeutet.

Oie Erhöhung der Tabaksteuer

Die Auswirkungen auf den Kleinhandel.

Berlin, 18. Jan. (WB ) Durch Gesetz zur Aen- derung des Tabaksteuergesetzes vorn 22. Dezember 1929 sind die auf Tabak und Zigaretten liegenden Steuern erhöht worden. Artikel 5 des Gesetzes sieht vor, daß die Reichsregierung Maßnahmen treffen soll, um eine wesentliche Erhöhung der Kleinhandelspreise und eine unbillige Beschränkung des Han- delsnutzens bei Zigaretten auszu­schließen. Es hat daher das Reichswirtschafts­ministerium nach einigen vorbereitenden Einzelbe­sprechungen mit Vertretern von Industrie und Han­del zu einer gemeinschafllichen Besprechung der zahlreichen Streitpunkte eingeladen, die zwischen den Hauptstufen der Zigarettenwirtschaft bestehen. Die sehr stark besuchte Versammlung hat am 18. dieses Monats stattgefunden. Eine vollständige Klärung der Verhältnisse hat sich trotz der ausgedehnten Aus­sprache noch nicht ergeben. Es ist daher ein Arbeitsausschuß gebildet worden, in dem die offen gebliebenen Fragen tunlichst rasch gelöst wer­den sollen, damit eine Regelung gesunden werden kann, die einen möglichst großen Teil der Zigaret- tenwirtschast befriedigt.

Kommunistenrevolte in Dortmund.

Umgehung des Temonstrationsverbots.

Dortmund. 19. Jan. (WTD.) Anscheinend vom kommunistischen Ruhrkongreß in Essen zu- rückgekchrte Kommunisten versucht.-n heute abend, unter Führung des L a n d t a g s a b g e - ordneten Duddins auf dem Hansaplah eine Versammlung abzuhalten. Hinzukom­mende Polizeibeamte vereitelten diesen Versuch. Daraufhin zogen die Kommunisten geschlossen in westlicher Richtung ab. Das Tlebersallkom- mando wurde alarmiert, löste den Zug auf und versuchte die Demonstranten zu zerstreuen. Dabei wurde ein Beamter von den Kommu­nisten angegriffen und zu Boden ge­worden. Es gelang der Polizei, die Haupträdels­führer. unter diesen ayd> den Landtagsabgeord­neten Duddins, fest zunehm en. Von 15 Fest- genommenen wurde ein Kommunist in Haft be­malten. Ein Teil der Demonstranten sammelte sich später in einem anderen Teile der Stadt. Auch dieser Demonstrationszug wurde von der Polizei aufgelöst.

Wie man der Lustfahrt helfen kann.

(Line Lotterie nach dem Beispiel der Türkei.

Berlin, 18. Jan. (Priv.-Tel.) Die Not und Sorge, in der sich die deutsche Luftfahrt und die deutsche Luftfahrtindustrie durch die eingeleiteten Sparmaßnahmen befindet, hat schon zu allen

möglichen Versuchen und Vorschlägen einer Neube­lebung geführt, die sich jedoch immer wieder als un­zureichend herausgestellt haben. Es erscheint infolge­dessen zweckmäßig, auf eine Einrichtung hinzu- weisen, die in der Türkei seit einiger Zeit mit großem Erfolg geschaffen worden ist, und mit deren Hilfe der nationale Luftverkehr nach großzügigen Gesichtspunkten ständig weiter ausgebaut werden kann Dort hat der Staat eine Lotterie nach dem Vorbild der Preußisch-Süddeutschen Klasfenlot- terie geschaffen, deren Uederschüsse als regelmäßige Subventionen an d i e Luftverkehrsgesellschaften ab geführt

werden. Die Einkünfte aus dieser Einrichtung sind recht erheblich, wohl auch deshalb, weil diese Lotterie das einzig erlaubte Glücksspiel in der Türkei ist, und neben ihr feine zweite staat­lich konzessionierte Lotterieeinrichtung besteht. In deutschen Luftsahrtkreisen, aus denen die Anregung für die Schaffung auch einer deutschen Luftfahrt­lotterie ergangen ist, steht man fast einmütig der Durchführung eines solchen Planes sympathisch gegenüber, es ist infolgedessen zu erwarten, daß man sich auch behördlicherseits in Kürze mit entsprechen­den Vorschlägen beschäftigen wird.

Auftakt zur Ilottenkonserenz.

Morgen Eröffnung

London, 20. Januar. (WT2. Funkspruch.) Heute vormittag findet in Downingstreet 10 eine Sitzung aller Delegierten zur Flottenkonferenz statt, um baä vorläufige Programm für die erste Plenarsitzung zu erörtern. Der König trifft heute vormittag aus Sandringham in Lon­don ein. Um 3.30 Uhr empfängt er im Bücking- hampalast die Mitglieder der fünf Delegatio­nen. Danach hält er einen Kronrat ab. Morgen eröffnet der König im Oberhaus die Flotten­konferenz und fährt danach sofort nach Sandring­ham zurück. Die Reden des Königs und der Führer der verschiedenen Delegationen werden über die ganze Welt durch Rundfunk ver­breitet werden. Heute abend nehmen die De­legierten an einem Regierungsbankett im Savoyhotel und danach an einem Empfang im Lancasterhoufe teil.

Italiens Standpunkt in London.

Keine Verewigung des Ltatus quo.

R o m, 19. Jan. (Tel.-Un.) Lange hat keine internationale Tagung mehr so sehr die Aufmerk­samkeit der italienischen Oeffentlichkeit erregt wie die Londoner Flottenkonferenz. Italien, so er­klärt derPopolo di Roma , hat in London

durch König Georg.

seine Zukunft und den mühsam er­rungenen Platz einer Großmacht zu verteidigen. Es darf und wird auf dieser .Konferenz nicht zurückgeseht hervorgehen. Man habe von der Isolierung dieser und jener Macht, von bereits erfolgten Teilabkommen, von unversöhnlichen Thesen und von bestimmten Punk­ten gesprochen, von denen gewisse Regierungen nicht abzugehen gedenken. Wenn das alles zu- träfe, wäre die Konferenz gestorben, ehe sie geboren sei. Es ginge nicht, daß Eng­land und Amerika bereits ihr gegenseitiges Flottenverhältnis f e st g e s e tz t hätten, genau wie es unrichtig sei, zu behaupten, daß der franzö­sische und italienische Standpunkt unangleichbar seien. Aber die Konferenz sei einberufen für einen zwar iwd> nicht zugegebenen, aber völlig durchsichtigen politischen Zweck, näm­lich für eine lange Zeit eine Rangordnung unter den Seemächten festzustellen und die gegenwärtige Lage der Schwachen und der Starken so erstarren zu lassen, daß die Schwachen nicht über kurz oder lang die Reichen oder Starken bedrohen könnten. Dieses überaus imperialistische Ziel könne von Ita­lien nicht gebilligt werden.

Das LiqmdationsabkomMen mit polen.

Aeußerst bedenkliche Zugeständnisse an polen. Mangelhaster Schuh der deutschen Interessen.

Berlin. 18. Jan. (TU.) Das deutsch-pol­nische Liquidationsabtommen. das infolge der Aengstlichkeit, mit der die amtlichen Stellen seinen Inhalt geheim halten, besonderes Interesse für die Oeffentlichkeit hat, umfaßt, wie die Tele° graphen-Union erfährt, rund drei Seiten, wäh­rend die zum Abkommen gehörigen Rebenavreden etwa neun Seiten umfassen.

Im Liquidationsabkommenverzich­tet Deutschland auf alle finanziel­len Ansprüche, die es gegen Polen hatte, fo u. a. auf die Entschädigungsforderungen des preußischen Staates, Entschädigungsansprüche aus den verschiedenen zu Unrecht erfolgten Liqui­dationen, sowie Ansprüche Deutschlands aus den Prozessen, die vor den internationalen Gerichten geführt wurden und zu einer Verurteilung Po­lens führten (z. B. Chorzow). Dies geschieht unter der Bedingung, daß die Polen weitere Liquidationen unterlassen. Die bisherigen Instanzen zur Beilegung von deutsch-polnischen Reparationsstreitigkeiten, wie z. B. das deutsch-polnische Schiedsgericht in Paris, werden in Zukunft beseitigt. Das Liquida­tionsabkommen istne varietur geschlossen wor­den, das heißt also, daß das Abkommen so, wie es ist, vom Reichstage angenommen oder abgelehnt werden muß.

Dies gilt hingegen nicht für eine Reihe von Nebenabreden, die für das Schicksal der in Polen verbliebenen deutschen Minder­heit die allergrößte Bedeutung haben. Leider scheint es, daß in diesen Rebenabreden d e v

deutsche Standpunkt sehr wenig ge­wahrt ist. So gesteht Deutschland den Anspruch, daß das Wiederverkaufsrecht gegen­über deutschen Bauernsiedlungen auf Polen übergegangen sei, indirekt zu, indem ein Brief der polnischen Regierung zur Kenntnis genommen wird, der einen nur teilweisen Verzicht auf die Ausübung des Wiederverkaufsrechtes enthält. Damit bleiben etwa 120 000 Deutsche polnischer Willkür aus­geliefert. Des weiteren soll Deutschland auf die Weiterverfolgung der sogenannten Raumann- Graebe-Petition vor dem Völkerbund verzichten. Es handelt sich hier darum, daß die polnische Regierung Stiftungen, Wohlfahrtsinstitute usw., die der deutschen Minderheit gehörten, ent­eignet hatte mit der Begründung, daß juri­stische Personen nicht unter Minderheitenschutz fielen. Obgleich es sich hier um eine krasse Ver­letzung des Minderheitenrechtes durch Polen han­delt. soll Deutschland auf die Weiterver- solgung dieser Ansprüche verzichten.

Weiter ist mit Polen vereinbart worden, daß das Rückkaussrecht vom polnischen Staat in den Fällen geltend gemacht werden kann, in denen der Erbe ein Verbrechen oder Vergehen (franz,crime ou delit) begangen hat. Polen versteht aber unterVergehen" zum Beispiel auch einfache Verstöße gegen Gesetze jeder Art, sowie solche Vergehen, die eine Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte zur Folge haben. Eine derartige Strafe wird zum Beispiel gegen einen Angehörigen der deutschen Minderheit ver°

Hl. Tag im KammerspieWlus.

Gastspiel Tenia Maria.

Der 3. Tag des vom Stadttheater gemeinsam mit dem Goethe-Bund veranstalteten Kammerspielzytlus brachte ein Gastspiel von Senta Maria, 2Jlüm chen. Sie faßt ihr Programm unter der Bezeich­nungGetanzte Pantomimen" zusammen.

Ihre Vorführungen stellen, ästhetisch betrachtet, ein Kompromiß dar. Sie kommt wohl von der lßig= manschule her: aber sie steht, wenn man das Wesen ihrer Darbietungen erfassen will, im scharfen Gegen­satz etwa zur ißalucca. Deren Stil war, wie man sich erinnern wird, auf möglichste Abstraktion, Ent­fernung vom Stofflichen und Gegenständlichen ge­richtet: ihr Tanz war absolut. Die Tänze der Senta Maria, sind, soweit man sie als Tänze im stren­gen Sinn bezeichnen kann, Ausdruck, Vermittlung, Mittel zum Zweck.

in der Stimmung: endlich dasGeständnis im Tem­pel", eine wie für den Film geschaffene Soloszene.

*

Am Abend gab es eine Wiederholung der Morgen­feier mit teilweise neuem Programm. Die hier ge­zeigten Leistungen bestätigten im wesentlichen die Eindrücke vom Vormittag: starke schauspielerische Be­gabung, insbesondere für heitere Sujets.

*

Im einzelnen: dieKriminalaeschichte" von Streuet ergab eine ziemlich handgreifliche Mimik mit grotes­kem Einschlag.Angst" (von Zilcher) geriet schau­spielerisch sehr eindrucksvoll, blieb aber tänzerisch belanglos. Eine heitere, leicht ironisierende Szene, mit hübschem Kostüm: dasMenuett zu Dreien", Musik von Bizet. Dagegen blieb schwach, tänzerisch und mimisch gleichermaßen unausgefüllt derCho­ral", ein Versuch am untauglichen Objekt. Die reifste Leistung des Abends bildete als sehr gut erfaßte, gotische Bewegungsstudie:Vor der Mater Dolorosa" (Musik von Janacek).

Ihre Leistung steht also etwa in der Mitte zwi­schen reinem Tanz und stummer Pantomime. Der Akzent liegt aber durchaus im Pantomimischen, 'licht im Tänzerischen. Anders ausgedrückt und auf ihre Form bezogen: sie tanzt gewissermaßenoben". Was sie gestaltet, gestaltet sie mit dem Gesicht und den Händen, mit der bewegten oberen Körperhälfte.

Diese Akzentverschiebung scheint auf eine Ent­scheidung zwischen den beiden Elementen ihrer Aus­drucksgestaltung zu drängen: Entscheidung zwischen Tanzausdruck und Schauspielausdruck. Eine Ver­schmelzung beider Elemente gelingt nur unvollkom men, ist vielleicht überhaupt nur in ganz seltenen Fällen auf der Höhe eines reinen Kunstwerkes mög­lich. (Man muß, um alle Begriffsverwirrungen und Wertoerschiebungen möglichst zu vermeiden, sehr strenge Maßstäbe anlegen.»

Die entschiedene Begabung der Senta Maria scheint uns auf eine schauspielerische, nicht tänzerische Gestaltung hinzuweisen: möglicherweise, unter Aus­schaltung einer stimmlichen Formulierung, aus den stummen Film.

Dafür sprechen die gelungensten Leistungen im Programni der Morgenfeier:Ein sizilianischer Fischer erzählt Märchen" (schon die Fassung des Themas ist vollkommen untänzerisch; es handelt sich Hier um ein unmißverständlich episches Motiv): dann dasPhantom im Nebel", originell und einheitlich

Am Flügel wirkte Kapellmeister Alfred W a n e ck , von der Akademie der Tonkunst in München, als diskreter Begleiter.

Es gab starken Beifall und mehrere Wieder­holungen.y

Das letzte Original vom k. u. k. Feldherrnhügel.

Run ist, wie aus Wien berichtet wird, auch dera 11£ Galgotzh" tot, der populärste Ge­neral der österreichisch-ungarischen Armee, ein ganzer Kerl und ein ulkiges Huhn zugleich, der Held österreichischer Militär-Tonfilme, wenn die Filmautoren bis dahin diese famose Gestalt für ihre Zwecke entdeckt haben werden. 92 Jahre ist er alt geworden. Aber seineStreiche", wenn man sie so nennen darf, sichern ihm über das Grab hinaus eine Berühmtheit, deren sich außer Prinz Eugen kein österreichischer Heerführer er­freuen konnte.

Richts mochte der alte Soldat weniger leiden als die sogenannte Vielschreiberei, weitschweifige Berichte und Abrechnungen, wie sie im alten und im neuen Oesterreich noch immer üblich find. Galgohy war der Erbauer der berühmten Straße, die entlang der alten herzegowinischen Grenze führte Diese Straße wurde in kürzester 3eit und mit den geringsten Kosten und in der

denkbar besten Ausführung hergestellt. Eine vorschriftsmäßige Abrechnung über die aufge- toenöeten Gelder war von Galgohh nicht zu er­reichen. Alles, was er der drängenden Inten­danz mitteilte, war:Soundsoviel tausend Gul­den erhalten, soundsoviel tausend Gulden aus- gegeben, bleiben 700 fl, die anbei zurückfolgen." Unterschrift. Eine letzte, dringende Warnung der Intendanz, doch genauere Rechnung vorzulegen, beantwortete er mit der gleichen Kürze, nur, mit dem Zusatz:Wer es nicht glaubt, der ist ein Esel! Gruß Galgotzy."

Mit dieser groben Antwort wollte man ihm höheren Orts einen Strick drehen. Denn bei der hohen Militärbureaukratie war dieser General alles weniger denn beliebt. So unterbreitete man Galgotzhs Bescheid dem alten Kaiser in der Annahme, Majestät werde sich mit einer der­artigenAbrechnung" unmöglich zufrieden geben können und damit notgedrungenerweise den omi­nösen Esel auch auf sich beziehen müssen. Folge: Abberufung, Kaltstellung oder Pensionierung Galgotzhs. Aber Franz Joseph bewies mehr Humor, als man ihm zutraute. Denn er schrieb auf den Akt kurz und bündig die Randbemerkung: Ich glaube es! Empfehle den Herren der Intendanz, das Gleiche zu tun."

Böse sprang Galgohy mit den kaiserlichen Prin­zen um. Als er als kommandierender General in Przemysl einmal vor den ihm unterstellten Offi­zieren eine Aebungskrilik abhielt und der dama­lige Divisionär Erzherzog Leopold (später Wölf­ling) zu feinem Rachbar eine leise Bemerkung machte, hielt Galgohy inne und meinte bann un­verblümt:Hoheit! Wenn ich eine Besprechung halte, dann halten die anderen bas M - , keine Besprechung will ich sagen!" Als derselbe Prinz einmal eine Hebung geleitet hatte, deren Kritik Galgohh oblag, fällte er folgendes, klassische Ur­teil:M ög 1 ich waren nur zwei Lo­sungen der gestellten Ausgabe. Aber Kaiser­liche Hoheit haben natürlich die dritte ge­wählt!"

Sehr luftig war ein Renkontre, das er mit dem österreichischen Thronfolger hatte. Eines Tages sagte sich Erzherzog Franz Ferdinand zu einer Galaparade für 9 Uhr früh an. Galgotzy erschien gemächlich um/210. Der Thronfolger zog de­monstrativ die Uhr und meinte vorwurfsvoll: Exzellenz! Es ist schon VtlO.

Daraus Galgotzy mit unerschütterlicher Ruhe: Schmeißen S Ihre Uhr weg, Kaiserliche Hoheit, auf meiner Uhr halber zehn und die geht richtig!" Als Generaltruppeninspektor fiel

hängt, wenn er sich abfällig über irgeirbeme polnische Staatseinrichtung geäußert hat. Der polnischen Auslegungswillkür ist damit Tor und Tür geöffnet.

Des weiteren soll Deutschland daraus verzichten, die Rechte der Optanten geltend zu machen, die bekanntlich von Polen seinerzeit wi­derrechtlich enteignet und ausgewiesen worden sind und denen die Wiebereinreise nicht gestattet wird. Auch das sogenannte R i e - derlassungsabkommen schafft hier keine Abhilfe, da die Ausübung einer landwirtschaft­lichen Tätigkeit in Polen Deutschen in dem Rie­derlassungsabkommen untersagt ist. Besonders schlecht sind die Optanten in Erbfällen gestellt, da die Rückkehr von Erben nach Polen im Rieder- lasfungsabkommen nicht vorgesehen ist. Völlig vergessen ist offenbar bei den Rebenabkommen eine Abrede, wonach in die Einstellung aller Liquidationen auch die Einstellung aller schwe­benden Verfahren gegen Optanten einzube­ziehen ist.

Offengeblieben ist ferner die Frage, welche Schiedsinstanz an die Stelle des aufzu­hebenden deutsch-polnischen Schiedsgerichts in Paris treten soll. Die Verträge sind..im übrigen so abgefaßt, daß sie alle möglichen Aus­legungen zulassen, obgleich ein Jurist des Berliner Auswärtigen Amtes an ihrer Formu­lierung in Warschau mitgearbeitet hat. Die Rebenabreden stellen somit in der geplanten Form keinen ausreichenden Schutz für die deutschen Minderheiten in Polen dar. Auch während der Genfer Verhandlungen ist es nach zuverlässigen Informationen weder dem deutschen Gesandten Rauscher in seiner Ver­handlungen mit dem polnischen Gesandten Knoll, noch Staatssekretär Schubert in seinen Verhand­lungen mit dem polnischen Außenminister Zaleski gelungen, irgendwie nennenswerte Verbesserun-- gen zu erreichen. Die Verhandlungen sollen be­kanntlich in Warschau zusammen mit den Ver­handlungen über den Handelsvertrag fortgeführt werden.

Ostpreußen gegen die polenvertrage.

Beschlüsse

des Königsberger Provinziallandtags.

Königsberg, 18. Jan. (WTD.) Der Pro- vinziallandtag der Provinz Ostpreußen hat den von der Zentrumspartei eingebrach t 'n Antrag angenommen, der die Erwartung ausspricht, baß das Liquidationsabkommen mit Polen und ebenso der in Aussicht genommene Handelsvertrag eine solche Gestaltung er­fahren, baß die 5 nie re ff en Ostpreu - ßens nicht beeinträchtigt werden. Dazu erklärte der Abgeordnete Graf Kanih. er hoffe, baß der Deutsche Reichstag nicht einen Vertrag ratifizieren werde, der Ostpreußen schädigt. Weiter wurde ein Antrag des nationalsozialistischen Abgeordneten Koch angenommen, die Reichs- und Staatsr^gierung zu ersuchen, keine Verträge weder wirt­schaftlicher noch politischer Ratur mit Polen abzuschließen und alle Verzichte auf deutsche Ansprüche in Polen zu unterlassen.

Rußland verstärkt die Gchwarzemeerstotte.

Zwei Sowjetkreuzer passieren den Bosporus

Moskau, 20. Jan. (Tel.-Un.) In ausländischen diplomatischen Kreisen wird die Entsendung der zwei russischen KreuzerP a r i s ch s k a j a K o m m u n a" undP r o f i n t e r n" aus der baltischen Flotte nach dem Schwarzen Meer eingehend besprochen. Man erklärt, daß diese Verschiebung einen großen politischen Schritt der Sowjetunion im nahen Osten bedeute. Die russische Regierung stehe auf dem Standpunkt, daß sie i m Baltischen Meer ge- niigend Seestreitkräfte besitze, um ihre * Grenze vor einem Ueberfqll durch die Nachbarstaaten

dem General auch öfters die unangenehme Auf­gabe zu, pensionsreife Kameraden von ihrer be­vorstehenden Uebersehung in den Ruhestand zu verständigen. Es war üblich, derartige unange­nehme Botschaften den Betroffenenhöchst scho- nungsvoll" beizubringen. Galgohy tat dies auf seine Art, indem er den hohen Offizieren stets sagte:Mein lieber Alter! Einer von uns beiden, Hör ich, soll in Pension gehen. Ich bin es nicht, bleibst also nur d u also servus!"

Als Korpskommandant in Przemysl bemühte sich Galgohh lange Zeit vergeblich, die Ge­meinde zur besseren Instandhaltung der Straßen zu veranlassen. Aber der polnischen Sauwirt­schaft war einfach nicht beizukommen. Im Früh­jahr, als die Straßen ein einziges Kotmeer bildeten, erhielten die Bürgermeister und die Stadträte eines Tages unerwartet eine Ein­ladung zum Mittagessen beim Kommandierenden. Zur festgesetzten Stunde fuhren die Stadtvätrr vor dem Kommando vor, in Frack und Lack­schuhen, versteht sich... Doch Galgotzy erwartete seine Gäste schon vor dem Haustor. In hohen Reitstiefeln...

Grüß Gott, meine Herren! Wir haben noch a bisserl Zeit bis zum Essen. Möchten <5 mich net a wengerl auf einem kleinen Spaziergang durch die Stadt begleiten?"

So empfing sie mit strahlender Liebenswür­digkeit der General und führte sie dann erbar­mungslos eine Stunde lang im tiefsten Straßen- tot umher, daß die ehrsamen Stadtpäter schließ­lich wie Kanalräumer aussahen. Aber diese derbe Lektion hatte die allerbeste Wirkung.

Als Galgohy sich zu einer romantischen Lie­besheirat entschloß, ließ er den Feldsuperior zn sich kommen und teilte ihm mit:Ich fahre auf acht Tage weg und will in der Zwischen­zeit heiraten. Verstanden? Führen Sie das Auf­gebot durch! Aber es darf niemand etwas davon erfahren!!"

Exzellenz! Das ist ganz unmöglich. Ein Auf­gebot muß..."

Abtreten!" schnitt Galgohh dem Feldsuperior das Wort ab. Rach acht Tagen erkundigte er sich bei ihm:Haben Sie meinen Befehl aus­geführt?"

Jawohl, Exzellenz", lautete die stramm mili­tärische Antwort des Armeepredigers,ich ließ eine Halbkompognie Ruihenen in die Toten­kammer marschieren und habe ihnen das Aus- gebot deutsch verlesen....!"