die Reichsbahn ist gegenüber dem Plan selbst noch mehr in den Hintergrund getreten. Ein Versuch, die Rerchsbank nut bezug aus eine 600-RIillionen-Grenze sür den Schatzwechselkredit des Reiches festzulegen ist ab* gewehrt worden,' in bezug auf das Moratorium und die Rachzahlung ist em Zusatz eingeschoben worden, wonach die Befugnisse des beratenden Ausschusses für diesen Fall uneingeschränkt bleiben. Die Ilebergangs- be stimm ungen, die auf der ersten Haager Konferenz dem Generalagenten die Mogllchcett der Gewährung von Erleiterungen an das Reich durch Kredite gaben und die im Dezember bis 31. Januar verlängert worden sind, haben lich eine Verbesserung noch dahin erfahren bah Liese Pflicht dem Generalagenten neuerdings und mit der Erweiterung durch andere Erleichterungen nach Annahme des Paungplanes auferlegt worden ist, und zwar ohne eine Fristsetzung, was eine materielle Verbesserung gegenüber dem bisherigen Zustand bedeutet.
Oie Erhöhung der Tabaksteuer
Die Auswirkungen auf den Kleinhandel.
Berlin, 18. Jan. (WB ) Durch Gesetz zur Aen- derung des Tabaksteuergesetzes vorn 22. Dezember 1929 sind die auf Tabak und Zigaretten liegenden Steuern erhöht worden. Artikel 5 des Gesetzes sieht vor, daß die Reichsregierung Maßnahmen treffen soll, um eine wesentliche Erhöhung der Kleinhandelspreise und eine unbillige Beschränkung des Han- delsnutzens bei Zigaretten auszuschließen. Es hat daher das Reichswirtschaftsministerium nach einigen vorbereitenden Einzelbesprechungen mit Vertretern von Industrie und Handel zu einer gemeinschafllichen Besprechung der zahlreichen Streitpunkte eingeladen, die zwischen den Hauptstufen der Zigarettenwirtschaft bestehen. Die sehr stark besuchte Versammlung hat am 18. dieses Monats stattgefunden. Eine vollständige Klärung der Verhältnisse hat sich trotz der ausgedehnten Aussprache noch nicht ergeben. Es ist daher ein Arbeitsausschuß gebildet worden, in dem die offen gebliebenen Fragen tunlichst rasch gelöst werden sollen, damit eine Regelung gesunden werden kann, die einen möglichst großen Teil der Zigaret- tenwirtschast befriedigt.
Kommunistenrevolte in Dortmund.
Umgehung des Temonstrationsverbots.
Dortmund. 19. Jan. (WTD.) Anscheinend vom kommunistischen Ruhrkongreß in Essen zu- rückgekchrte Kommunisten versucht.-n heute abend, unter Führung des L a n d t a g s a b g e - ordneten Duddins auf dem Hansaplah eine Versammlung abzuhalten. Hinzukommende Polizeibeamte vereitelten diesen Versuch. Daraufhin zogen die Kommunisten geschlossen in westlicher Richtung ab. Das Tlebersallkom- mando wurde alarmiert, löste den Zug auf und versuchte die Demonstranten zu zerstreuen. Dabei wurde ein Beamter von den Kommunisten angegriffen und zu Boden geworden. Es gelang der Polizei, die Haupträdelsführer. unter diesen ayd> den Landtagsabgeordneten Duddins, fest zunehm en. Von 15 Fest- genommenen wurde ein Kommunist in Haft bemalten. Ein Teil der Demonstranten sammelte sich später in einem anderen Teile der Stadt. Auch dieser Demonstrationszug wurde von der Polizei aufgelöst.
Wie man der Lustfahrt helfen kann.
(Line Lotterie nach dem Beispiel der Türkei.
Berlin, 18. Jan. (Priv.-Tel.) Die Not und Sorge, in der sich die deutsche Luftfahrt und die deutsche Luftfahrtindustrie durch die eingeleiteten Sparmaßnahmen befindet, hat schon zu allen
möglichen Versuchen und Vorschlägen einer Neubelebung geführt, die sich jedoch immer wieder als unzureichend herausgestellt haben. Es erscheint infolgedessen zweckmäßig, auf eine Einrichtung hinzu- weisen, die in der Türkei seit einiger Zeit mit großem Erfolg geschaffen worden ist, und mit deren Hilfe der nationale Luftverkehr nach großzügigen Gesichtspunkten ständig weiter ausgebaut werden kann Dort hat der Staat eine Lotterie nach dem Vorbild der Preußisch-Süddeutschen Klasfenlot- terie geschaffen, deren Uederschüsse als regelmäßige Subventionen an d i e Luftverkehrsgesellschaften ab geführt
werden. Die Einkünfte aus dieser Einrichtung sind recht erheblich, wohl auch deshalb, weil diese Lotterie das einzig erlaubte Glücksspiel in der Türkei ist, und neben ihr feine zweite staatlich konzessionierte Lotterieeinrichtung besteht. In deutschen Luftsahrtkreisen, aus denen die Anregung für die Schaffung auch einer deutschen Luftfahrtlotterie ergangen ist, steht man fast einmütig der Durchführung eines solchen Planes sympathisch gegenüber, es ist infolgedessen zu erwarten, daß man sich auch behördlicherseits in Kürze mit entsprechenden Vorschlägen beschäftigen wird.
Auftakt zur Ilottenkonserenz.
Morgen Eröffnung
London, 20. Januar. (WT2. Funkspruch.) Heute vormittag findet in Downingstreet 10 eine Sitzung aller Delegierten zur Flottenkonferenz statt, um baä vorläufige Programm für die erste Plenarsitzung zu erörtern. Der König trifft heute vormittag aus Sandringham in London ein. Um 3.30 Uhr empfängt er im Bücking- hampalast die Mitglieder der fünf Delegationen. Danach hält er einen Kronrat ab. Morgen eröffnet der König im Oberhaus die Flottenkonferenz und fährt danach sofort nach Sandringham zurück. Die Reden des Königs und der Führer der verschiedenen Delegationen werden über die ganze Welt durch Rundfunk verbreitet werden. Heute abend nehmen die Delegierten an einem Regierungsbankett im Savoyhotel und danach an einem Empfang im Lancasterhoufe teil.
Italiens Standpunkt in London.
Keine Verewigung des Ltatus quo.
R o m, 19. Jan. (Tel.-Un.) Lange hat keine internationale Tagung mehr so sehr die Aufmerksamkeit der italienischen Oeffentlichkeit erregt wie die Londoner Flottenkonferenz. Italien, so erklärt der „Popolo di Roma , hat in London
durch König Georg.
seine Zukunft und den mühsam errungenen Platz einer Großmacht zu verteidigen. Es darf und wird auf dieser .Konferenz nicht zurückgeseht hervorgehen. Man habe von der Isolierung dieser und jener Macht, von bereits erfolgten Teilabkommen, von unversöhnlichen Thesen und von bestimmten Punkten gesprochen, von denen gewisse Regierungen nicht abzugehen gedenken. Wenn das alles zu- träfe, wäre die Konferenz gestorben, ehe sie geboren sei. Es ginge nicht, daß England und Amerika bereits ihr gegenseitiges Flottenverhältnis f e st g e s e tz t hätten, genau wie es unrichtig sei, zu behaupten, daß der französische und italienische Standpunkt unangleichbar seien. Aber die Konferenz sei einberufen für einen zwar iwd> nicht zugegebenen, aber völlig durchsichtigen politischen Zweck, nämlich für eine lange Zeit eine Rangordnung unter den Seemächten festzustellen und die gegenwärtige Lage der Schwachen und der Starken so erstarren zu lassen, daß die Schwachen nicht über kurz oder lang die Reichen oder Starken bedrohen könnten. Dieses überaus imperialistische Ziel könne von Italien nicht gebilligt werden.
Das LiqmdationsabkomMen mit polen.
Aeußerst bedenkliche Zugeständnisse an polen. — Mangelhaster Schuh der deutschen Interessen.
Berlin. 18. Jan. (TU.) Das deutsch-polnische Liquidationsabtommen. das infolge der Aengstlichkeit, mit der die amtlichen Stellen seinen Inhalt geheim halten, besonderes Interesse für die Oeffentlichkeit hat, umfaßt, wie die Tele° graphen-Union erfährt, rund drei Seiten, während die zum Abkommen gehörigen Rebenavreden etwa neun Seiten umfassen.
Im Liquidationsabkommenverzichtet Deutschland auf alle finanziellen Ansprüche, die es gegen Polen hatte, fo u. a. auf die Entschädigungsforderungen des preußischen Staates, Entschädigungsansprüche aus den verschiedenen zu Unrecht erfolgten Liquidationen, sowie Ansprüche Deutschlands aus den Prozessen, die vor den internationalen Gerichten geführt wurden und zu einer Verurteilung Polens führten (z. B. Chorzow). Dies geschieht unter der Bedingung, daß die Polen weitere Liquidationen unterlassen. Die bisherigen Instanzen zur Beilegung von deutsch-polnischen Reparationsstreitigkeiten, wie z. B. das deutsch-polnische Schiedsgericht in Paris, werden in Zukunft beseitigt. Das Liquidationsabkommen ist „ne varietur“ geschlossen worden, das heißt also, daß das Abkommen so, wie es ist, vom Reichstage angenommen oder abgelehnt werden muß.
Dies gilt hingegen nicht für eine Reihe von Nebenabreden, die für das Schicksal der in Polen verbliebenen deutschen Minderheit die allergrößte Bedeutung haben. Leider scheint es, daß in diesen Rebenabreden d e v
deutsche Standpunkt sehr wenig gewahrt ist. So gesteht Deutschland den Anspruch, daß das Wiederverkaufsrecht gegenüber deutschen Bauernsiedlungen auf Polen übergegangen sei, indirekt zu, indem ein Brief der polnischen Regierung zur Kenntnis genommen wird, der einen nur teilweisen Verzicht auf die Ausübung des Wiederverkaufsrechtes enthält. Damit bleiben etwa 120 000 Deutsche polnischer Willkür ausgeliefert. Des weiteren soll Deutschland auf die Weiterverfolgung der sogenannten Raumann- Graebe-Petition vor dem Völkerbund verzichten. Es handelt sich hier darum, daß die polnische Regierung Stiftungen, Wohlfahrtsinstitute usw., die der deutschen Minderheit gehörten, enteignet hatte mit der Begründung, daß juristische Personen nicht unter Minderheitenschutz fielen. Obgleich es sich hier um eine krasse Verletzung des Minderheitenrechtes durch Polen handelt. soll Deutschland auf die Weiterver- solgung dieser Ansprüche verzichten.
Weiter ist mit Polen vereinbart worden, daß das Rückkaussrecht vom polnischen Staat in den Fällen geltend gemacht werden kann, in denen der Erbe ein Verbrechen oder Vergehen (franz, „crime ou delit“) begangen hat. Polen versteht aber unter „Vergehen" zum Beispiel auch einfache Verstöße gegen Gesetze jeder Art, sowie solche Vergehen, die eine Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte zur Folge haben. Eine derartige Strafe wird zum Beispiel gegen einen Angehörigen der deutschen Minderheit ver°
Hl. Tag im KammerspieWlus.
Gastspiel Tenia Maria.
Der 3. Tag des vom Stadttheater gemeinsam mit dem Goethe-Bund veranstalteten Kammerspielzytlus brachte ein Gastspiel von Senta Maria, 2Jlüm chen. Sie faßt ihr Programm unter der Bezeichnung „Getanzte Pantomimen" zusammen.
Ihre Vorführungen stellen, ästhetisch betrachtet, ein Kompromiß dar. Sie kommt wohl von der lßig= manschule her: aber sie steht, wenn man das Wesen ihrer Darbietungen erfassen will, im scharfen Gegensatz etwa zur ißalucca. Deren Stil war, wie man sich erinnern wird, auf möglichste Abstraktion, Entfernung vom Stofflichen und Gegenständlichen gerichtet: ihr Tanz war absolut. Die Tänze der Senta Maria, sind, soweit man sie als Tänze im strengen Sinn bezeichnen kann, Ausdruck, Vermittlung, Mittel zum Zweck.
in der Stimmung: endlich das „Geständnis im Tempel", eine wie für den Film geschaffene Soloszene.
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Am Abend gab es eine Wiederholung der Morgenfeier mit teilweise neuem Programm. Die hier gezeigten Leistungen bestätigten im wesentlichen die Eindrücke vom Vormittag: starke schauspielerische Begabung, insbesondere für heitere Sujets.
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Im einzelnen: die „Kriminalaeschichte" von Streuet ergab eine ziemlich handgreifliche Mimik mit groteskem Einschlag. „Angst" (von Zilcher) geriet schauspielerisch sehr eindrucksvoll, blieb aber tänzerisch belanglos. Eine heitere, leicht ironisierende Szene, mit hübschem Kostüm: das „Menuett zu Dreien", Musik von Bizet. Dagegen blieb schwach, tänzerisch und mimisch gleichermaßen unausgefüllt der „Choral", ein Versuch am untauglichen Objekt. Die reifste Leistung des Abends bildete als sehr gut erfaßte, gotische Bewegungsstudie: „Vor der Mater Dolorosa" (Musik von Janacek).
Ihre Leistung steht also etwa in der Mitte zwischen reinem Tanz und stummer Pantomime. Der Akzent liegt aber durchaus im Pantomimischen, 'licht im Tänzerischen. Anders ausgedrückt und auf ihre Form bezogen: sie tanzt gewissermaßen „oben". Was sie gestaltet, gestaltet sie mit dem Gesicht und den Händen, mit der bewegten oberen Körperhälfte.
Diese Akzentverschiebung scheint auf eine Entscheidung zwischen den beiden Elementen ihrer Ausdrucksgestaltung zu drängen: Entscheidung zwischen Tanzausdruck und Schauspielausdruck. Eine Verschmelzung beider Elemente gelingt nur unvollkom men, ist vielleicht überhaupt nur in ganz seltenen Fällen auf der Höhe eines reinen Kunstwerkes möglich. (Man muß, um alle Begriffsverwirrungen und Wertoerschiebungen möglichst zu vermeiden, sehr strenge Maßstäbe anlegen.»
Die entschiedene Begabung der Senta Maria scheint uns auf eine schauspielerische, nicht tänzerische Gestaltung hinzuweisen: möglicherweise, unter Ausschaltung einer stimmlichen Formulierung, aus den stummen Film.
Dafür sprechen die gelungensten Leistungen im Programni der Morgenfeier: „Ein sizilianischer Fischer erzählt Märchen" (schon die Fassung des Themas ist vollkommen untänzerisch; es handelt sich Hier um ein unmißverständlich episches Motiv): dann das „Phantom im Nebel", originell und einheitlich
Am Flügel wirkte Kapellmeister Alfred W a n e ck , von der Akademie der Tonkunst in München, als diskreter Begleiter. —
Es gab starken Beifall und mehrere Wiederholungen. —y—
Das letzte Original vom k. u. k. Feldherrnhügel.
Run ist, wie aus Wien berichtet wird, auch der „a 11£ Galgotzh" tot, der populärste General der österreichisch-ungarischen Armee, ein ganzer Kerl und ein ulkiges Huhn zugleich, der Held österreichischer Militär-Tonfilme, wenn die Filmautoren bis dahin diese famose Gestalt für ihre Zwecke entdeckt haben werden. 92 Jahre ist er alt geworden. Aber seine „Streiche", wenn man sie so nennen darf, sichern ihm über das Grab hinaus eine Berühmtheit, deren sich außer Prinz Eugen kein österreichischer Heerführer erfreuen konnte.
Richts mochte der alte Soldat weniger leiden als die sogenannte Vielschreiberei, weitschweifige Berichte und Abrechnungen, wie sie im alten und im neuen Oesterreich noch immer üblich find. Galgohy war der Erbauer der berühmten Straße, die entlang der alten herzegowinischen Grenze führte Diese Straße wurde in kürzester 3eit und mit den geringsten Kosten und in der
denkbar besten Ausführung hergestellt. Eine vorschriftsmäßige Abrechnung über die aufge- toenöeten Gelder war von Galgohh nicht zu erreichen. Alles, was er der drängenden Intendanz mitteilte, war: „Soundsoviel tausend Gulden erhalten, soundsoviel tausend Gulden aus- gegeben, bleiben 700 fl, die anbei zurückfolgen." Unterschrift. Eine letzte, dringende Warnung der Intendanz, doch genauere Rechnung vorzulegen, beantwortete er mit der gleichen Kürze, nur, mit dem Zusatz: „Wer es nicht glaubt, der ist ein Esel! Gruß Galgotzy."
Mit dieser groben Antwort wollte man ihm höheren Orts einen Strick drehen. Denn bei der hohen Militärbureaukratie war dieser General alles weniger denn beliebt. So unterbreitete man Galgotzhs Bescheid dem alten Kaiser in der Annahme, Majestät werde sich mit einer derartigen „Abrechnung" unmöglich zufrieden geben können und damit notgedrungenerweise den ominösen Esel auch auf sich beziehen müssen. Folge: Abberufung, Kaltstellung oder Pensionierung Galgotzhs. Aber Franz Joseph bewies mehr Humor, als man ihm zutraute. Denn er schrieb auf den Akt kurz und bündig die Randbemerkung: „Ich glaube es! Empfehle den Herren der Intendanz, das Gleiche zu tun."
Böse sprang Galgohy mit den kaiserlichen Prinzen um. Als er als kommandierender General in Przemysl einmal vor den ihm unterstellten Offizieren eine Aebungskrilik abhielt und der damalige Divisionär Erzherzog Leopold (später Wölfling) zu feinem Rachbar eine leise Bemerkung machte, hielt Galgohy inne und meinte bann unverblümt: „Hoheit! Wenn ich eine Besprechung halte, dann halten die anderen bas M - , keine Besprechung will ich sagen!" Als derselbe Prinz einmal eine Hebung geleitet hatte, deren Kritik Galgohh oblag, fällte er folgendes, klassische Urteil: „M ög 1 ich waren nur zwei Losungen der gestellten Ausgabe. Aber Kaiserliche Hoheit haben natürlich die dritte gewählt!"
Sehr luftig war ein Renkontre, das er mit dem österreichischen Thronfolger hatte. Eines Tages sagte sich Erzherzog Franz Ferdinand zu einer Galaparade für 9 Uhr früh an. Galgotzy erschien gemächlich um ’/210. Der Thronfolger zog demonstrativ die Uhr und meinte vorwurfsvoll: Exzellenz! Es ist schon VtlO.“
Daraus Galgotzy mit unerschütterlicher Ruhe: Schmeißen S Ihre Uhr weg, Kaiserliche Hoheit, auf meiner Uhr iü halber zehn und die geht richtig!" Als Generaltruppeninspektor fiel
hängt, wenn er sich abfällig über irgeirbeme polnische Staatseinrichtung geäußert hat. Der polnischen Auslegungswillkür ist damit Tor und Tür geöffnet.
Des weiteren soll Deutschland daraus verzichten, die Rechte der Optanten geltend zu machen, die bekanntlich von Polen seinerzeit widerrechtlich enteignet und ausgewiesen worden sind und denen die Wiebereinreise nicht gestattet wird. Auch das sogenannte R i e - derlassungsabkommen schafft hier keine Abhilfe, da die Ausübung einer landwirtschaftlichen Tätigkeit in Polen Deutschen in dem Riederlassungsabkommen untersagt ist. Besonders schlecht sind die Optanten in Erbfällen gestellt, da die Rückkehr von Erben nach Polen im Rieder- lasfungsabkommen nicht vorgesehen ist. Völlig vergessen ist offenbar bei den Rebenabkommen eine Abrede, wonach in die Einstellung aller Liquidationen auch die Einstellung aller schwebenden Verfahren gegen Optanten einzubeziehen ist.
Offengeblieben ist ferner die Frage, welche Schiedsinstanz an die Stelle des aufzuhebenden deutsch-polnischen Schiedsgerichts in Paris treten soll. Die Verträge sind..im übrigen so abgefaßt, daß sie alle möglichen Auslegungen zulassen, obgleich ein Jurist des Berliner Auswärtigen Amtes an ihrer Formulierung in Warschau mitgearbeitet hat. Die Rebenabreden stellen somit in der geplanten Form keinen ausreichenden Schutz für die deutschen Minderheiten in Polen dar. Auch während der Genfer Verhandlungen ist es nach zuverlässigen Informationen weder dem deutschen Gesandten Rauscher in seiner Verhandlungen mit dem polnischen Gesandten Knoll, noch Staatssekretär Schubert in seinen Verhandlungen mit dem polnischen Außenminister Zaleski gelungen, irgendwie nennenswerte Verbesserun-- gen zu erreichen. Die Verhandlungen sollen bekanntlich in Warschau zusammen mit den Verhandlungen über den Handelsvertrag fortgeführt werden.
Ostpreußen gegen die polenvertrage.
Beschlüsse
des Königsberger Provinziallandtags.
Königsberg, 18. Jan. (WTD.) Der Pro- vinziallandtag der Provinz Ostpreußen hat den von der Zentrumspartei eingebrach t 'n Antrag angenommen, der die Erwartung ausspricht, baß das Liquidationsabkommen mit Polen und ebenso der in Aussicht genommene Handelsvertrag eine solche Gestaltung erfahren, baß die 5 nie re ff en Ostpreu - ßens nicht beeinträchtigt werden. Dazu erklärte der Abgeordnete Graf Kanih. er hoffe, baß der Deutsche Reichstag nicht einen Vertrag ratifizieren werde, der Ostpreußen schädigt. Weiter wurde ein Antrag des nationalsozialistischen Abgeordneten Koch angenommen, die Reichs- und Staatsr^gierung zu ersuchen, keine Verträge weder wirtschaftlicher noch politischer Ratur mit Polen abzuschließen und alle Verzichte auf deutsche Ansprüche in Polen zu unterlassen.
Rußland verstärkt die Gchwarzemeerstotte.
Zwei Sowjetkreuzer passieren den Bosporus
Moskau, 20. Jan. (Tel.-Un.) In ausländischen diplomatischen Kreisen wird die Entsendung der zwei russischen Kreuzer „P a r i s ch s k a j a K o m m u n a" und „P r o f i n t e r n" aus der baltischen Flotte nach dem Schwarzen Meer eingehend besprochen. Man erklärt, daß diese Verschiebung einen großen politischen Schritt der Sowjetunion im nahen Osten bedeute. Die russische Regierung stehe auf dem Standpunkt, daß sie i m Baltischen Meer ge- niigend Seestreitkräfte besitze, um ihre * Grenze vor einem Ueberfqll durch die Nachbarstaaten
dem General auch öfters die unangenehme Aufgabe zu, pensionsreife Kameraden von ihrer bevorstehenden Uebersehung in den Ruhestand zu verständigen. Es war üblich, derartige unangenehme Botschaften den Betroffenen „höchst scho- nungsvoll" beizubringen. Galgohy tat dies auf seine Art, indem er den hohen Offizieren stets sagte: „Mein lieber Alter! Einer von uns beiden, Hör ich, soll in Pension gehen. Ich bin es nicht, bleibst also nur d u — also servus!"
Als Korpskommandant in Przemysl bemühte sich Galgohh lange Zeit vergeblich, die Gemeinde zur besseren Instandhaltung der Straßen zu veranlassen. Aber der polnischen Sauwirtschaft war einfach nicht beizukommen. Im Frühjahr, als die Straßen ein einziges Kotmeer bildeten, erhielten die Bürgermeister und die Stadträte eines Tages unerwartet eine Einladung zum Mittagessen beim Kommandierenden. Zur festgesetzten Stunde fuhren die Stadtvätrr vor dem Kommando vor, in Frack und Lackschuhen, versteht sich... Doch Galgotzy erwartete seine Gäste schon vor dem Haustor. In hohen Reitstiefeln...
„Grüß Gott, meine Herren! Wir haben noch a bisserl Zeit bis zum Essen. Möchten <5’ mich net a wengerl auf einem kleinen Spaziergang durch die Stadt begleiten?"
So empfing sie mit strahlender Liebenswürdigkeit der General und führte sie dann erbarmungslos eine Stunde lang im tiefsten Straßen- tot umher, daß die ehrsamen Stadtpäter schließlich wie Kanalräumer aussahen. Aber diese derbe Lektion hatte die allerbeste Wirkung.
Als Galgohy sich zu einer romantischen Liebesheirat entschloß, ließ er den Feldsuperior zn sich kommen und teilte ihm mit: „Ich fahre auf acht Tage weg und will in der Zwischenzeit heiraten. Verstanden? Führen Sie das Aufgebot durch! Aber es darf niemand etwas davon erfahren!!"
„Exzellenz! Das ist ganz unmöglich. Ein Aufgebot muß..."
„Abtreten!" schnitt Galgohh dem Feldsuperior das Wort ab. Rach acht Tagen erkundigte er sich bei ihm: „Haben Sie meinen Befehl ausgeführt?"
„Jawohl, Exzellenz", lautete die stramm militärische Antwort des Armeepredigers, „ich ließ eine Halbkompognie Ruihenen in die Totenkammer marschieren und habe ihnen das Aus- gebot deutsch verlesen....!"


