Aus dem Reiche der Krau.
Photographinnen von Welt.
Das Atelier als Salon. - Bei den berühmtesten Berliner Photographinnen. Vom Handwerk zur Kunst. - Was von der Kamerakünstlerin verlangt wird.
Von Ada Klein.
Für die Abendtoilette bunten Crepe Le Chine. Crepe Georgette, Ehjffvn und Deiden- musseline, in anspruchslosen, sommerlichen Mu« stern, ein Kleid mit selbstverständlich dazugehörigem Mantel oder Jäckchen aus gleichem Stoss, oder auch ein wenig dichter, doch gleichgemustert, vielfach ärmellos, am Rachmittag durch den Mantel gedeckt, der dann ab 9 Ähr fällt. Oder auch das Kleid mit angewachsenem Aermel, dazu ein ärmelloser Mantel getragen wird. Schnitt und Stoff stehen da ein wenig konträr, nnd zwar ist entweder ein eleganter Sommerstoff in raffiniertester Einfachheit verarbeitet oder ein leichtes, duftiges, doch anspruchsloses Stöffchen ist mit Glocken und Vollants, mit langem Rock gut aufgemacht und verarbeitet.
Die große Toilette für den Sommerabend ist natürlich ärmellos, mit tiefem Rücken - ausschnitt und fließender Linie bis herab zum Boden. In der Farbe hat man Weih für dieses Jahr bevorzugt, und wundervoll für eine blonde Frau ist ein weißes, fliehendes Chisfonkleib mit einem roten oder einem grünen Seidenschuh zum roten oder grünen Abendumhang in weichem Wollstoff, Velour oder Samt. Auch das Buntdruck-Chiffonkleid zählt mit dem Taffelmantcl, auf dem sich das Muster genau wiederholt, zu den großen Kasinotoiletten.
Modefarben: grün und gelb, himmelblau, viel zartrosa zu dunkelblau, chartreuse zu marine, orange, beige, auch rot, Buntdruck auf schwarzem und auf blauem Grund. Doch was man immer zeigen mag an schönsten Farben —: die Pariserin geht unentwegt in schwarz.
Hygiene im Haushalt.
Von Dr. Erna Meyer, München.
Ständig wachsende Kreise werden von der Äeberzeugung ergriffen, daß es höchste Zeit ist, die Hausführung, die von den meisten mauen noch immer nach alter Äeberlieferung gestaltet wird, von Grund aus umzuändern, und zwar im Sinne besserer Wirtschaftlichkeit. Unser verarmtes Land kann es sich nicht mehr leisten, über die Hälfte des ganzen Volksvermögens - soviel geht durch die Hand der Hausfrauen - in unrationeller Weise verwendet zu sehen. Ebenso unzeitgemäß wie die wirtschaftliche ist aber auch die hygienische Seite des Haushalts. Drei große Teilgebiete der Gesundheitsfürsorge ragen tief hinein in die Hausführung: die Hygiene der Wohnung, der Ernährung und des arbeitenden Menschen.
Infolge der ungeheuren Wohnungsnot und der damit zusammenhängenden Schäden ist zweifellos die Hygiene der Wohnung, ohne an sich wichtiger als die beiden anderen zu sein, hic brennendste Frage für uns alle. Und zwar vor allem die Erstellung der genügenden Wphnräume in einem den gesundheitlichen Forderungen entsprechenden Ausmaße, denn die furchtbarsten Schädigungen durch körperliche Krankheiten und seelifche Zerrüttungen, die an unserem Volkskör- per in den letzten Jahren zehren, entspringen aus der Äeberfüllung und der Verwahrlosung der vorhandenen Wohnungen, so daß man die Wohnungsnot nicht mit Unrecht bereits als die Rachkriegsseuche bezeichnet hat. Alle guten Ratschläge zur Instandhaltung der Wohnung müssen scheitern, wo die Räume von vornherein in einem baulich völlig ungenügenden Zustand und von so vielen, zum Teil kranken Menschen bewohnt sind, daß an Erfüllung gesundheitlicher Forderungen überhaupt nicht zu denken ist. Wenn aber erst einmal die Bautätigkeit in großem Stil wieder ausgenommen wird, dann werden die zwar theoretisch schon meist bekannten, aber leider bisher keineswegs überall durchgeführten gefundheit- lichen Forderungen für die Ausgestaltung der
Farbenton abzu stimm en, so daß der gleiche Mantel dann doch zu mehreren Kleidern geht.
Für die Reise und fürs Auto ist es dann das Tweed-Kleid (Ensemble), Rock und dreiviertellanger Mantel in den entzückenden Woll» bemusterungen, dazu eine einfarbige Bluse im Grundton, die sich im Mantelsutter wiederho.t. Oder das durchgehende Tweedkleid mit kurzer Jacke. Zum Golf, zum Wandern und wo immer wir einen Sport ausüben, kommt dann der gestickte Pullover, das Strickkleid, das «Arickkomplet in entzückender Wiener Bemusterung.
Das Rachmittagskleid soll wieder mehr auf den Plan treten- Man sagt, cs habe sich Bedarf dafür gezeigt, nachdem die eleganteste Frau durch mehrere Saisons hindurch nur dportkleider in großer Auswahl und Abendkleider besaß. Sonst hat sie nichts gebraucht. Richt daß man wieder mehr — noch gar zum Sommer — dazu neigt, Fünfuhrtees zu Besuchen, sondern es ist ein Genre, das sehr reizvoll als Cocktail-Kleid bezeichnet oder als „Tagesendkleid". Es ist der Anzug, mit dem, hat man den Werktag abgestreift, man nach sechs Ähr einen Besuch macht, angemeldet oder nicht. Man hat den Tee schon eingenommen und bietet uns einen Cocktail oder — seien wir gemütlich — ein Schnäpschen an. Änd da sitzt man nun ein bißchen und plaudert und kommen vielleicht noch ein paar Leute dazu oder sind anch für die gleiche Stunde gebeten, und wollte hoch eigentlich um sieben Ähr schon wieder zu Hause sein. Aber da wirds dann so nett, und Wir haben gerade nichts Zwingendes vor, und so bleiben wir eben ein wenig und lassen uns gerne zurückbalten
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gerade ihrer besten Stoffe und Kräfte beraubt und also durch diese „Denaturierung" weniger wirkungsvoll, ost sogar schädlich werden — man denke nur an den der Vitamine beraubten, Polierten Reis, das gebleichte Mehl, den raffinierten Zucker -, steht heute schon einwandfrei fest. Auch daß die alte Kalorienlehre nicht mehr unverändert gehalten werden kann, wird kaum nach ernsthaft bestritten- Cs ist darum im Interesse der Volkshygiene vor allem dringendstes Erfordernis, daß sich die Wissenschaft nicht nur mit der Änter- suchung der betreffenden Fragen befaßt, sondern auch dafür sorgt, daß die veralteten Anschauungen rasch ausgeschaltet und von neuen abgelöst Werden. Der Schule erwachsen hier, im Zusammenhang mit der Reform der hauswirtschaftlichen Mädchenausbildung, dankbarste Aufgaben.
Schließlich bleibt uns als drittes zu betrachten noch die gesundheitliche Fürsorge für den arbeitenden Menschen. Wir kommen damit zu einem Thema, das bisher noch kaum in das Gebiet der Hygiene einbezogen zu werden pflegte, obgleich es ebenso selbstverständlich wie notwendig wäre, daß die in allen anderen Berufen längst anerkannte und durchgeführte Pflege der die Arbeit Verrichtenden sich erblich auch einmal auf die Hausfrauen erstreckte. Wahrend seit Jahrzehnten daran gearbeitet wird, Angestellten, Arbeitern und Arbeiterinnen aller betriebe Arbeitsbedingungen zu schaffen, die die Erhaltung der Gesundheit nicht gefährden, laßt man es zu, daß in einem für die Milkswirtschaft besonders bedeutungsvollen Beruf der arbeitenden Menschen, die Hausfrauen Raubbau schlimmsten Grades mit ihren Körper- und Geisteskräften treiben, ohne zu bedenken, daß damit nicht nur für sie selbst, sondern auch für Familie und Staat die schwersten gesundheitlichen Schädigungen nicht ausbleiben können. Freilich nimmt dieser Berus eine Sonderstellung insofern ein, als es sich bei ihm um unbezahlte Arbeit handelt. Aber es lag wohl nicht in der Absicht des Gesetzgebers, vom Staat nur diejenigen vor gesundheitschädlichen Arbeitsbedingungen schützen zu lassen, die von fiemben Unternehmern beschäftigt werden, und es zu gestatten, daß die „auf eigene Rechnung",
Wohnungen eine bessere Berücksichtigung finden müssen, soll nicht unnötig Volksvermögen verschleudert und der Grund zur Wiederholung trauriger Schäden gelegt werden.
Besonders die bauliche Gestaltung derJnnen- räume der Wohnung könnte im Interesse der Volksgesundheit noch wesentlich verbessert werden, wenn man sich wirklich von vornherein als Wichtigstes das Wohlergehen der Bewohner angelegen sein ließe, und vor allem mit Rücksicht aus die infolge des heutigen erschwerten Exi- ftenzkampfes bei allen Hausfrauen vorhandene Arbeitsüberlastung auch die Sorge für jede erdenkliche Arbeitscntlastung mit in die Forderungen der Wohnungshygiene einbeziehen würde. Durch Beachtung aller der mit dieser Frage zusammenhängenden Rotwendigkeiten würde auch die Instandhaltung der Wohnung ganz allgemein verbessert und der frühzeitigen, wieder große Teile des Vclfsvermögens verschlingenden Reparatur vorgebeugt werden.
Rächst dec Wohnung spielt die Hauptrolle im Einzelhaushalt die Ernährung, die gerade heute in hygienischer Beziehung eine Anzahl von Problemen aufgibt. Den man beginnt allmählich — die. Lehren des Krieges haben viel dazu beigetragen — die Unzulänglichkeit der noch vor einem Jahrzehnt als unumstößlich angesehenen Grundsätze der Ernährungsphysiologie zu erkennen, und manche neue Entdeckung man denke nur an die Vitamine hat gezeigt, daß wir noch auf vielen Gebieten im Dunkeln tappen. Darum steht auch vorläufig noch die Hausfrau, die ihren Küchenzettel den neuzeitlichen hygienischen Forderungen anpassen will, ziemlich ratlos vor einem ChaoS. Denn während die „reformerischen' Ernährungsbewegungen, von denen sie manches hört, sich immer mehr aus- breiten. gibt ihr die Wissenschaft, die klare, eindeutige Forderungen noch nicht aufgestellt hat, keine Mittel an die Hand, um kritisch Schlechtes von Gutem zu trennen. Sicher ist vorläufig jedenfalls» daß zunächst der größte Teil unserer Lebensmittel einer sehr gründlichen Rachprüfung wird unterzogen werden müssen; denn daß viele von ihnen durch die inbuftriellen Manipulationen
Unsere Mitarbeiterin schildert hier aus genauer persönlicher Kenntnis den neuen Typ der modernen künstlerischen Photographin, der im gesellschaftlichen Leben der Reichs- Hauptstadt an Bedeutung ständig gewinnt. An dem ungeheuren Aufschwung, den die Photographie in den letzten Jahrzehnten genommen hat, haben zweifellos die Frauen einen überragenden Anteil. Diese jüngste aller Künste — daß es eine Kunst ist oder zum mindesten fein kann, wird wohl niemand mehr bestreiten -- erfordert weniger schöpferisch gestaltende Kraft als intensivstes Einfühlungsvermögen, also eine ausgesprochen weibliche Eigenschaft. Es ist daher fein Wunder, daß hier gerade Frauen Hervorragendes leisten. Gewissermaßen zum Dank für die Hilfe, die die Photographin der neuen Kunst in ihren Kampfjahren geleistet hat, ist der photographierenden Künstlerin in der letzten Zeit eine gesellschaftlich bevorzugte Stellung eingeräumt worden, von der sich die wenigen „Altmeisterinnen" dieser Kunst nichts träumen ließen. Es gibt in Berlin photographische Salons, vor denen an manchen Tagen die Autos der Minister, der Thcaterdirektoren, der Botschafter, der großen Bankiers und auch der Generale parken.
Ihre heutige kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung hat die Photographin erst im zwanzigsten Jahrhundert erlangt. Roch vor etwa fünfzig Jahren war das Photographieren ein Handwerk, das geschickte junge Burschen nach Absolvierung der Volksschule erlernten. Ein Mädchen, vollends eine junge Dame aus gutem Hause, kam gar nicht auf den Gedanken, sich ernsthaft mit dergleichen zu befassen - so berichtet Frau Marie Boehm, wohl die älteste unter den führenden Berliner Photographinnen. Sie selbst dachte in ihrer Jugend nicht im entserntesten daran, ihre jetzige Tätigkeit auszuüben, und kam erst später, Anfang der neunziger Jahre, fast durch einen Zufall dazu. Auch damals steckte die Photographie noch in den Kinderschuhen, und für eine kultivierte, künstlerisch empfindende Frau gab es unendliche Hindernisse zu überwinden. Man war gewohnt, die zu photographierenden Opfer, verbrämt mit Makart-Buketts und ähnlichen Zieraten, in steifer Haltung vor eine schaulich-
liebliche Landschaft aus Pappmache zu postieren. Man fand das wunderschön, wollte es nicht anders tun, sträubte fich gegen alle Reuerungs- pläne. Rur mit unermüdlicher Energie gelang es allmählich, Fehler auszumerzen. Besserungen ein- zufähren, die Technik zu vervollkommnen. Den tapferen Vorkämpfern und -kämpserinnen jener Zeit hat die moderne Lichtbildkunst sicherlich am meisten zu verdanken.
Mit der Entwicklung des simplen Handwerks zur anerkannten Kunst schwand allmählich das Vorurteil vieler Eltern gegen den Beruf der Photographin. Trotzdem haben auch noch etliche der jünceren Kamerameisterinnen unter diesem Widerstand zu leiden gehabt. So erzählt Frau Suse Byk, man habe ihren Wunsch. Photographin zu werden, drastisch mit dem Gegenvorschlag beantwortet: „Da kannst du ebensogut Seiltanzen lernen!" Ein junges Mädchen unserer Tage, das sich der Photographie widmen will, dürfte kaum noch auf ähnliche Schwierigkeiten stoßen. So sehr dies zu begrüßen ist, birgt es doch wiederum eine Gefahr: nämlich den Zulauf der Unbefähigten. Hierhin gehören in erster Linie alle, denen gelegentlich ein paar ganz nette Amateuraufnahmen gelungen srnd, und die nun meinen, sie seien zur Photographin vorherbestimmt, ohne zu ahnen, daß dieser Beruf neben starker Begabung auch noch eisernen Fleiß, jahrelange ständige Arbeit und Hebung verlangt, will man nur annähernd den heutigen Anforderungen genügen. Dazu gehören ferner Eigenschaften, die nicht jeder Mensch besitzt. Die erste Bedingung für jeden bildenden Künstler, also auch für den Photographen, ist die Fähigkeit, richtig sehen zu können. Ob er das Geschaute dann als Gemälde, Skulptur oder Lichtbild wie- öergibt, das ist lediglich ein Unterschied des Ausdrucksmittels. Es ist gewiß kein Zufall, daß einige der erfolgreichsten Photographinnen aus verwandten Künsten hervorgegangen sind, so zum Beispiel Frau Rieß, die Bildhauerin gewesen ist Ebenso notwendig wie das „Malerauge' ist für die Photographin ein scharfer, sicherer psychologischer Blick, der es ihr ermöglicht, in kurzer Zeit das Modell nicht nur äußerlich, sondern auch im innersten Kern zu erfassen, so
aber doch im Dienst des Volksganzen wirkenden Hausfrauen völlig leer ausgehen und sich dafür — ebenfalls „auf eigene Rechnung" — ungehindert gesundheitlich zugrunde richten dürfen. Rur ganz andere als die heutigen Verhältnisse konnten dazu führen, daß der für ben ®taat vielleicht wichtigste Beruf ungeschützt blieb. Höchste Zeit ist es, barin Wandel zu schaffen.
Gewiß wäre es nicht einfach, dem hier nur angedeuteten Problem beizukommen; hatte man es aber überhaupt erst in seiner ganzen Schwere erkannt, so ließe sich ein Weg schon finden. Zunächst und mit den nötigen Geldmitteln ohne Schwierigkeiten sofort durchführbar Ware die dringend erforderliche Aufklärung der Hausfrauen selbst, die gar nicht ahnen, wieviel von dem bei den meisten vorhandenen körperlichen Leiden, wieviel vom häuslichen Unfrieden und anderen seelischen Qualen zurückzuführen ist auf die den heutigen Verhältnissen vielfach nicht mehr entsprechenden Methoden der Hausführung. Es sei nur ganz kurz hingewiesen auf die furchtbaren Schäden des vielen Stehens und Bückens, auf den Mangel an richtigen Ruhepausen, an körperlich zweckmäßiger Bewegung durch planvolle Körperübungen, auf die unwirtschaftliche und darum übermäßige Kräfte verschlingende Art der Hausarbeit überhaupt, die zu ganz unhaltbaren Zuständen geführt hat. Der Staat, der bereits auf allen anderen Gebieten der Gesundheitspflege schützend und fördernd eingegriffen hat, wird sich auch endlich der bisher vergessenen Hausfrauenfürsorge annehmen müssen. Änd zwar nicht nur durch Änterstützung der Aufklärungsarbeit mit Geld- und anderen Mitteln, sondern auch durch direkte Maßnahmen der Gesetzgebung und in allererster Reihe durch Becinslu.fung des Wohnungsbaues in Richtung einer Sorge für jede denkbare A r bei t s e r le i chte r u n g im Interesse derer, denen diese Wohnung später als Arbeitsstätte dienen soll. Eine selbstverständliche hygienische Forderung sollte es werden, die Kraft der Hausfrau zu schonen und ihre Arbeit in eine Form zu bringen, die der Erhaltung ihrer Gesundheit dient und jedenfalls schwerste Schäden vermeidet.
Was bringt die Frühjahrsmode?
Von Margret Halm.
Die Mode hat im letzten Herbst einen so großen Umschwung gebracht, daß wir uns erst einmal davon erholen müssen, bevor sie uns mit zuviel Reu em kommen darf. Sie weiß das wohl, und darum bringt sitz zu Frühjahr und Sommer kaum etwas, das von bereits Dagewesenem übermäßig abweicht. Es bedarf einer großen Hmftellung äußerlich, und innerlich noch mehr, vom kniefreien zum knöchellangen Rock. Daran soll man sich nun erst einmal gewöhnen, damit vertraut werden, daß einem etwas um die Knöchel baumelt.
So stellt die neue Frühjahrsmode eigentlich nur eine Bestätigung her Linie dar und eine sehr geschickte Xlebertragung vom Winter- aus das Sommerkleid. Irrtümer sollen aufgeklärt und uns gezeigt werden, wann und wie wir die lange Lime tragen sollen. Änd die entzückenden Modelle, die man uns bei der Modell- schau vorführt, werden Beispiel.
Für den Vormittag, zur Werktagsarbeit und zum Sport bleibt das Kleid kurz und von gerader Linie. Dies aber ist das einzige, was diese drei Kategorien verbindet, die im übrigen untereinander sehr verschieden sind.
Das Werktagskleid wird immer praktischer erdacht. Da soll zumal im Sommer der Stofs vor allem waschbar sein, und in ganz billigem Material bietet man so hübsche Farben und Muster, daß schon von 3 Mark an in bedruckten Stoffen ein ganz reizendes Arbeitskleid gezeigt wird. Zumal das Kunstgewerbe ist stark am Werk, das Riveau der Arbeitskleidung geschmacklich zu heben. Fürs Bureau will ein guter Geschmack dann auch nicht gerne Seidenkleidung sehen, es sei denn, Waschseide oder Rohseide, die in einer schlichten Verarbeitung, so wie wir sie nun länger« Zeit schon lieben, neben Leinen, Trikolin und allen hübschen, freundlichen Baumwoll-Sommerstöfschen, wohl schon zum schönsten zählt.
Was mau' bann unter dem Vormittagskleid versteht, ist schon um eine Rote eleganter. Es ist das Kleid zum Gang in die Stadt, um Einkäufe zu machen, zum Spaziergang, hinter dem Kinderwagen und mit den Jüngsten an der Hand, das, mit dem rohseidnen Kleidchen, von dem wir gerade gesprochen, anfängt und sich dann weiterstust in buntbedruckten Seidcnstöffchen, zum Crepe de Chine-Kleid, das sowohl einfarbig, wie in Buntdruck auch zur Morgenpromenade im Kurort getragen wird. Freudig begrüßen wir zum einfachen Vormittagskleidchen eine froh- gcinusterte Musseline. Zum eleganten Vormittagskleid stehen dann eine ganze Reihe von Modellen zur Wahl. Da ist das Ensemble in gelb, ein anderes in grün, aus Rock und Jacke mit eingearbeitetem Schultercape in welchem Woll- stoss, mit einer Seidenbluse in Crepe de Chine, natürlich im Rock getragen, sofern sie nicht am Rock angewachfen, mit diesem ein apartes Kleid bildet. Genau im Ton haßt auch der Filz- oder Strohhut dazu, und auch die Tasche ist ins gleiche Farbennäpfchen eingetaucht. Ranken sich Bordüren, Stickereien, Garnituren irgendwelcher Art, bunt oder einfarbig, Hochstickerei, Flachmuster in Gobelinstich oder Durchbrucharbeit an Mantel, Jacke oder Kleid, so wiederholt sich diese bei einer eleganten Frau mit Selbstverständlichkeit auf Tasche und Hut.
Zu einem zarten, Weißen oder hellblauen, re- seda- oder orangefarbenen Cröve de Chine-Kleid im bekannten Schnitt, kleiner Kragen, rund oder schräger Ausschnitt, vorne hinunter geschlossen, ein Gürtelchen in der blusigen Taille und ein gerades Röckchen, gehört ganz untrennbar ein Mantel, genau im Ton, in Kasha oder einem lichten Wollstoff dazu, der mit dem Stofs des Kleides gefüttert ift. - Gewiß, das hat man schon länger gezeigt, doch war cs ha nur ein Vorschlag. Heute aber ist ein Kleid, für welche Stunde am Tage es auch bestimmt sei, ohne Mantel unkomplett. Man ist damit nicht an- gezogen. Praktisch gesprochen werden wir immer mehr dahin gelangen, unsere gesamte Garderobe für zumindest eine Saison auf einen
daß nicht bloß eine mehr oder minder ähnliche Maske, vielmehr das wahre Abbild auf die Platte kommt. Zu diesen beiden Haupterfordernissen gehört noch ein Drittes: kultivierter Geschmack, angeborenes Gefühl für Form und Wirkung, das durch eingehende 'Beschäftigung mit kunsthistorischen und wissenschaftlichen Problemen, mit den Werken der großen und kleinen Meister veredelt und geläutert ist. Die Tatsache, daß das Studium der Kunstgeschichte manche Frauen erst zur Photographie geführt hat, bestätigt nur, wie eng eines mit dem anderen zufammenhängt.
Aus alledem geht deutlich hervor, daß die Photographin, die sich heutzutage behaupten will, eine an Begabung und Kultur durchaus über dem Durchschnitt stehende Persönlichkeit fein muß. Erstaunlicherweise scheint es aber immer noch Menschen zu geben, die sich dessm nicht recht bewußt sind. Eine der bekanntesten -Kamerakünstlerinnen in Berlin sagte mir. es sei auch in den letzten Jahren noch mehrfach vorgekommen, daß sich Leute in ihrem QlteLer englisch oder französisch unterhielten, in her Meinung, sie verstehe fremde Sprachen nicht. Änd als unlängst ein sehr prominenter Herr, bei dem man solche Änwissenheit am wenigsten vermuten sollte, fast grußlos und ziemlich von oben herab eine Aufnahme verlangte, stellte sie ihn zur Antwort liebenswürdig-formell ihrer Assistentin vor, worauf der Besucher, seinen Irrtum erkennend, in tödliche Verlegenheit geriet und sich verzweifelt entschuldigte. — Roch schlimmer als jene ahnungslos Rückständigen aber sind die Leute, die „mal was recht Originelles" haben wollen. Hier pflegt die Photographin in der Regel ein Gänfehaut zu bekommen. Doch solche Erscheinungen werden zum Glück immer seltener und sind fast nur noch in gewissen unerfreulichen Croßstadtkreifen zu finden. Im allgemeinen zeigt fich das Publikum, und zwar besonders das aus dem Reich vor der Kamera durchaus vcrständnisvoll und entgegenkommend.
Die erfolgreiche Photographin kommt durch ihren Beruf mit unzähligen Menschen und vielfach mit den interessantesten Zeitgenossen in Berührung. Wenn es ihren Reigungen entspricht, kann sie mit Leichtigkeit ihr Atelier zum gesellschaftlichen Mittelpunkt machen, wo sich hervorragende Vertreter der Wissenschaften, der Künste, der Diplomatie treffen. Tatsächlich versammeln sich in den Räumen der bekanntesten Berliner Photographinnen zur Teestunde fast dieselben Leute, die man sonst auf den Empfangen der Botschaften sieht. Wenn die Photographin auf gesellschaftlichem Gebiet weniger ehrgeizig ist, bietet ihr Beruf doch ganz nebenbei die reizvolle Möglichkeit, zahllose Menschen jeder Art und Rasse kennenzulernen und zu studieren. Denn was die Photographin, besonders die Porträtistin, fesselt, ist der Mensch, das Charakteristische, Einmalige einer jeden Gestalt, sei es die besondere Anmut einer reizvollen Frau, oder die starke Persönlichkeit eines bedeutenden Mannes. Änd da gibt ihr der Beruf wie kaum ein anderer Gelegenheit, kostbares Material zu sammeln. „Warum haben Sie die Bildhauerei auf gegeben?“ fragte Mussolini, als Frau Rieß ihn in Rom aufnahm. „Äm das Glück zu haben, Herr Präsident, heute mit Ihnen zu sprechen." . r
Doch die letzte Erfüllung soll ja in diesem Falle das Lichtbild sein, und so ist das Kennen und (Srfennen nur der Anfang, das wirklich Ausschlaggebende beginnt hier erst. Mag es sich um die Aufnahme einer eleganten Frau ober eines Prominenten des Geistes handeln, das Wichtigste ist stets — und hierin stimmen alle guten Porträtphotographinnen überein — die Gabe, jenen Kontakt mit den Menschen zu gewinnen, der nötig ist, um die Persönlichkeit unbefangen aus sich heraustreten zu lassen. Das dabei zu leisten ist, zeigt unter anderem das Werk der polnischen Photographin Jaro von Tucholka, die nach langen Reisen in allen Ländern seit einiger Zeit in Berlin weilt. Sie besitzt eine eigenartige Sammlung von Bildern berühmter Zeitgenossen -- Zeitdokumente, auf denen nur der Kopf, die Hände und die Handschrift der betreffenden Persönlichkeit zu sehen sind. Diese Sammlung vermittelt einen merk- würdigen Einblick in die treibenden Kräfte unserer Zeit. Es ist Reportage im besten Sinn. Einfühlungsvermögen ist die wichtigste Fähigkeit


