Ausgabe 
19.2.1930
 
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Nr. 42 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Mittwoch, 19.Hebruar (930

Oberheffen.

Gemeinderat in Grünberg.

' Grünberg, 18. Febr. Zur jüngsten Ge- meinderatsfihung unter dem Vorsitz des Beigeordneten Keller waren 11 Gemeinderäte erschienen^ der Zuhörerraum war gut beseht.

Der erste Punkt der Tagesordnung,g ö r 6» grabengelände", eine Angelegenheit, über die fast in jeder Sitzung verhandelt wird, be­anspruchte wiederum geraume Zeit. Durch vier neue Gemeinderäte war die Sache vor einiger Zeit nochmals aufgerollt worden, zwei Besich­tigungen mit Einigungsverhandlungen zwischen ben beiden Interessenten schlossen sich an, die aber ergebnislos verlaufen sind. Schlossermeister Schäfer hatte sich mittlerweile beschwerdefüh­rend an das Ministerium gewandt, ferner hat das Kreisamt die früher erteilte Genehmigung zum freihändigen Verkauf an die Firma Heinrich Schmidt I. aufgehoben und ersucht um noch­malige Entscheidung. Gemeindcrat Repp stellte nun den Antrag: »Sämtliche früher gefaßten Beschlüsse werden aufgehoben. Das Restgelände soll zur öffentlichen Versteigerung gebracht wer­den." 3n geheimer Abstimmung verfiel dieser Antrag mit 8 gegen 4 Stimmen der Ableh­nung.

Verschiedene Holzhändler waren zur Abgabe von Angeboten auf Tannennutzholz aufgefordert worden. Der Gemeinderat erteilte seine Zustimmung zum Verkauf folgender Mengen zu den angegebenen Preisen: 97 Raummeter Fichtenknüppel, den Raummeter zu 6,25 Mk., an die Firma 3ung & Co.. Klein-Linden, 224 Raum­meter Fichtenscheit, den Raummeter zu 8,55 Mk., und 128,5 Raummeter Kiefernscheit, den Raum­meter zu 7,20 Mk., an Wilhelm Reih, Rieder- Ohmen. Heber die Verwertung eines weiteren Postens Rutz- bzw. Bauholzes entschied man sich nach längerer Aussprache für die Ab­haltung einer Versteigerung in der nächsten Woche, um namentlich den holzverarbeitenden Handwerkern Gelegenheit Aur Deckung ihres Be­darfes zu geben. Es handelt fich um ungefähr 18 Festmeter Eichenschnittholz, 70 Festmeter Eichenbauholz, 2C0 Festmeter Fichtenbauhvlz (meist 3., 4. und 5. Klasse) und 300 Raummeter Fichten- Rutzreiser.

Wegen Unfallversicherung der Feuerwehrleute, die infolge eines Un­falles im vorigen Jahre angeregt worden war, ist von der Behörde die Antwort ergangen, daß zwar eine reichsgcsehliche Pflicht zur Unfallver­sicherung der Feuerwehrleute bestehe, die aber von der staatlichen Feuerlöschkasse übernommen werde.

Das Schwesternhaus Ronnenweiher ersucht um eine Beihilfe zur Erbauungeines Altersheimesfür Schwestern. Aus dem Fonds, den der Verein der Hessen-Darmstädter in Reuhork gelegentlich eines Besuches Hierselbst der Stadt in Höhe von 1000 Mark zur Verwendung für besondere Fälle gestiftet hat, wurden zu dem Zwecke 50 Mk. bewilligt.

Die Sperrung derTheo-Koch-Strahe für Auto- und Lastfuhrverkehr. die vor einiger Zeit beschlossen wurde, hat die be­hördliche Genehmigung erhalten und soll demnächst durchgeführt werden.

Die von den beiden Sportvereinen erneut an­geregte Herrichtung des Sportplatzes, außerdem die von einer Seite geforderte Ver­besserung an den Straßen kann nach Mitteilung des Beigeordneten vorerst nicht vorgenommen werden, da die Mittel des Voranschlages für dieses Kapitel erschöpft sind, und sie muffen daher bis zum neuen Voranschlag zurückgestellt werden. Sie blonde Sklavin.

Vornan von Hermann Weick.

10 Fortsetzung Nachdruck verboten.

Sie hörte nicht, was Schulhofs noch sprach. Sie stand am Fenster und sah hinaus. Ihr Körper bebte wie im Fieber. Endlich ging Schulhofs.

Da fuhr sie herum.

Mit schreckensvollen Augen starrte sie zur Tür. Sie machte ein paar Schritte vorwärts, blieb stehen und sah ratlos umher...

Dann lachte sie schrill auf.

War sie denn von Sinnen?... Wollte sie ihm gar noch nachjammern, der sie so gedemütigt hatte?...

Weggeworfen hatte er sie, wie man ein Spiel­zeug wegwirft, dessen man überdrüssig gewor­den ist!

Von ihrer Empörung gepeitscht, lief sie im Zimmer hin und her. O, wie sie ihn haßte, diesen Menschen, der kaltlächelnd auf sie verzichtete! Sie hatte gewähnt, ihn zu beherrschen..., nun zeigte er ihr, wie gering ihre Macht über ihn ge­wesen war.

Ihr Selbstbewuhtsein hatte einen schweren Stoß erlitten. Wie Gift fraß diese Demütigung an ihr.

Sie drückte wie besessen auf die Glocke.

Die Zofe erschien: bestürzt betrachtete sie die Erregte.

Gnädiges Fräulein wünschen?"

Sagen Sie Herrn Winnajeff, ich würde mich freuen, wenn er mir etwas Gesellschaft leisten würde!"

Es lag ihr nichts an dem Russen: auch ein anderer hätte an seiner Stelle kommen können! Sie brauchte jetzt einen Mann um sich..., einen Mann, der sie liebte..., der sie begehrte .... und wenn er sie an sich reißen und sie küssen würde.., sie würde ihm jetzt nicht wehren ...

Sie brauchte dies, um sich ihrer Macht wieder bewußt zu werden..., sonst erstickte sie.

Das Mädchen trat ein.

Herr Winnajeff wird sogleich kommen!"

Beim Abendessen sagte Honnecker beiläufig: Ich werde morgen für einige Tage nach Paris fahren."

Sie hatten bisher schweigend einander gegen- übergeseisen. Bei Honneckers Worten fuhr Eva Witte zusammen.

Ein Gedanke zuckte in ihr auf, und sie konnte es nicht hindern, daß ein freudiger Ausdruck über ihr Gesicht huschte.

Es war Honnecker, der sie scharf beobachtete, nicht entgangen. Ein Verdacht, den er schon seit Tagen hegte, verstärkte sich in ihm. Er ließ sich aber nichts merken.

»Hättest du Lust, mich zu begleiten?" fragte er.

In geheimer Sitzung beschäftigte man sich wie­derum mit Fürsorgefachen, Stundung von Ge­meindegeldern und Bürgschaftsübernahme zur Aufnahme von Almschuldungskrediten.

Landkreis Gießen.

* Grohen-Linden, 18. Febr. Heute mit­tag wurde am Ufer des Kleebachs in kniender Stellung der 66 Jahre alte Maurer Ludwig Jung aus Lützellinden tot aufgefunden. Der bedauernswerte Mann war gestern abend hierher gekommen und hatte dann den Heimweg nach seinem Wohnort wieder angetreten. Hierbei hat er sich anscheinend verirrt und ist dann am Alfer des Kleebaches vor Erschöpfung in die Knie gesunken. Der Tod ist durch Erfrieren einge­treten.

Leihgestern, 16. Febr. lieberZwecke und Ziele der Volksnationalen Reichs­vereinigung" sprach hier in öffentlicher Versammlung Studienrat Dr. Gebhardt, Gießen. Eine aufmerksame Zuhörerschaft zollte dem Redner, der es durch seine feinsinnigen Ausführungen verstand, alle Anwesenden von Beginn bis Ende des Vortrags zu fesseln, reichen Beifall. Eine Ortsgruppe der Dolksnationalen Reichsvereinigung ist in Blldung begriffen. Zahl­reiche Anmeldungen zu dieser Vereinigung sind bereits erfolgt.

)( Lang-Göns, 19. Febr. Der Kriegsteil­nehmer von 1866 Rathan Grünebaum, der vor einigen Jahren von Holzheim hierher zog, wird am 22. d. Mts. 90 Jahre alt.

® rüningen, 17. Febr. Am vergangenen Sonntag feierte der Adam Isheim'sche Ge­sangverein in der Sing- und Turnhalle sein 6 7. Stiftungsfest. Das traute Heim war bis auf den letzten Platz gefüllt. Rach dem BegrüßungsliedGrüß Gott mit hellem Klang" eröffnete der 2. Vorsitzende Gottfried Bender die Feier mit einer kurzen Ansprache. Besonderer Gruß galt den Ehrenmitgliedern und der Ge­sangsriege des Turn- und Sportvereins Butz­bach. Zum stlllen Andenken an den Stifter Adam Isheim erhoben sich alle Besucher von ihren Sitzen. Das Programm wechselte mit Ge­sang, Theater und Musikeinlagen. Alnter der bewährten Leitung seines Dirigenten, Lehrer Buß, Butzbach, brachte der Verein mehrere Chöre zum Vortrag, darunterDie Rächt" von Schubert. Weiter wurden drei Theaterstücke, ein ernstes und zwei lustige, in ausgezeichneter Weise auf geführt. Die Musik wurde von der Feuerwehr- kapelle Butzbach geboten. Bei Tanz und aller­lei Geselligkeit verbrachte man nach der Ab­wicklung des Programms noch einige vergnügte Stunden.

0 ©rüningen, 17. Febr. Am Sonntagabend hielt der GesangvereinEintracht" sein diesjähriges Stiftungsfest. Rach einer Begrü­ßungsansprache des ersten Vorsitzenden Adam Buß gingen zwei flott gespielte Theaterstücke über die Bühne, die allgemeinen Anklang fanden. Verschönt wurde der Abend durch einige Chöre des Gesangvereins unter der Leitung des Lehrers Marsteller (Watzenborn-Steinberg). Tanz bildete den Abschluß der wohlgelungenen Veran­staltung.

^Rödgen, 18. Febr. In der am Samstag­abend stattgehabten Sitzung beschäffigte sich der Gemeinderat mit den Brückenüber­fahrten in der Langen Ortsstrahe, die bei der Rinnenherstellung notwendig werden. Dazu lag eine Eingabe der Interessenten vor, die aber zurückgestellt wurde. Eine Dersicherungssache wurde bis zur nächsten Sitzung vertagt, um Verschiedenes noch klarzustellen. Alnfere O r t s- st raßen, die nicht in bestem Zustande sind, sollen ausgebessert werden. Die Feldberei-

Eva vermied es, seinen Blicken zu begegnen.

Ich bleibe lieber hier," antwortete sie aus­weichend und suchte gierig nach einer glaubhaften Begründung für ihren Entschluß.

Warum?

Ich fühle mich nicht recht wohl ..., ich hatte gestern und heute starke Kopfschmerzen ..., wahr­scheinlich ist eine Grippe im Anzug ..., da hätte ich doch keinen rechten Genuß von der Rsi^e..

Honnecker hörte, daß sie nicht die Wahrheit sprach.

Wie du willst!" sagte er kurz und stand auf.

Eva Witte war froh, als sie nachher allein in ihrem Zimmer sah. Zu unerwartet war die Kunde von Honneckers Reise auf sie eingedrun­gen. Morgen schon würde er nach Paris fah­ren ..., für einige Tage war sie von ihm erlöst ...

Der Weg zu Felix Schulhofs war für sie wieder frei!

Sie hatte es in den letzten Tagen nicht mehr gewagt, eine Zusammenkunft mit Schulhofs her­beizuführen. Angst war in ihr, daß Honnecker mehr wisse, als er sich anmerken lasse. Sie konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, als betrachte er sie immer wieder seltsam forschend, durchdringend.

Hatte er sie damals wirklich in Schulhoffs Gesellschaft gesehen?... Sie glaubte nicht daran: Honnecker hätte sie sonst sicher sofort zur Rechen­schaft gezogen.

Oder hatte sie sich sonstwie einmal verraten? ... Vielleicht leuchtete das Glück, das sie in Felix Schultzosf erlebte, ihr so hell vom Ge­sicht, daß es Honneckers scharfen Augen nicht entgangen war ...

Sie warf diese Sorgen und Zweifel von sich. Warum grübeln? ... Morgen würde sie Felix Wiedersehen!

Sie dachte nicht mehr an die Zukunft, nicht daran, daß über kurz oder lang dieses Glück zusammenbrechen muhte. Sie wußte nichts mehr von den Gefahren, die ihr drohten.

Wie in einem Taumel eilte sie ihrem Schick­sal entgegen, getrieben von dem unermeßlichen Gefühl, das flammengleich ihr ganzes Wesen ergriffen hatte.--

Sie trafen sich am frühen Rachmittag vor dem Zoologischen Garten.

Das ist schön, daß Sie heute länger bei mir bleiben können!" sagte Felix Schulhofs und sah chr freudestrahlend in die Augen.

Eva Witte lächelte glücklich.

3a, heute bin ich frei ..."

Schulhofs wies zu feinem Auto, das auf der anderen Straßenseite stand.

3ch habe meinen Wagen mitgebracht. Wenn es Ihnen recht ist, fahren wir etwas ins Freie. Das Wetter lockt heute ja geradezu hinaus!"

In gemächlichem Tempo fuhren sie die Bis­marckstraße Hirn

»Tag für Tag habe ich auf ihren Anruf ge­

n i g un g , die dieses Jahr in Angriff genom­men worden ist, müßte, toenn die Gemeinde vom Staat kein verbilligtes Darlehen erhält, nach der Ansicht des Gemeinderats auf bessere Zeiten verschoben werden.

* Geilshaus en, 17. Febr. Der hiesige Kriegerverein feierte in dem bis zum letzten Platze besetzten Saale der Gastwirtschaft von Hofmann fein 40jähriges Bestehen. Dabei wirkten die Kapelle des 1. Batl. Inf.» Regiments 15, Gießen, und der Gesangverein Jugendmut" mit. Der erste Vorsitzende Krieg gedachte in seiner einleitenden Ansprache nach herzlichen Begrühungsworten der gefallenen und verstorbenen Kameraden. Hierauf sprach der Be° Airksvorsihende Lehrer Roth, Grünberg, über die Kriegsschuldlüge. Er ließ seine Worte in einem starken Bekenntnis zum deutschen Vater­lande ausklingen, worauf mit Begeisterung das Deutschlandlied gesungen wurde. Den weiteren Verlauf der Feier verschönten die Darbietungen der Militärkapelle und des Gesangvereins in bester Weise. Für 25jährige Tätigkeit im Ver­einsvorstand wurden zwei Mitglieder ausgezeich­net, ferner wurden acht Mitglieder für 40jährige und zwölf für 25jährige Mitgliedschaft geehrt. Mit einem gemeinsamen Gedenken an die Ge­fallenen fand bie Jubiläumsfeier ihren Abschluß. Der gesellige Teil der Feier bestand aus einem Tanzvergnügen, das die Teilnehmer mehrere Stunden in bester Harmonie beisammenhielt.

T Odenhausen, 17. Febr. Am Samstag­abend hielt der GesangvereinEintracht" seine Generalversammlung ab. Rach Erledigung des geschäftlichen Teiles fand eine kleine Feier statt, bei der der zweite Vorsitzende, Reichs- bahnassistent Wallenfels, dem ersten Vor­sitzenden W. Werner anläßlich feiner 25jäh- rigen Tätigkeit als Sänger ein prächtiges Diplom überreichte und die Verdienste des Jubilars um den Männergesang in einer Ansprache wür­digte. Rach den Dankesworten des Gefeierten verlebte man noch einige Stunden schönster Har­monie.

* Harb ach , 17. Febr. Dieser Tage hielt der GesangvereinGermania" seine dies­jährige Generalversammlung unter der Leitung des 1. Vorsitzenden Wilhelm Weiß ab. Der Vor­sitzende gab zunächst einen Rückblick auf das ver­flossene Vereinsjahr, das sehr arbeitsreich war. Er gab dabei der Hoffnung Ausdruck, daß auch im neuen Jahre das Interesse an den Bestrebun­gen des Vereins rege bleiben möge. Anschließend erstattete der Rechner, Straßenwart Wilhelm Keil, den Bericht über den Kassenstand, wobei ein Aleb er schuh von rund 700 Mark ausgewiesen wurde. Der langjährige Vorsitzende Weih legte sein Amt nieder. An seine Stelle wurde Karl Münch zum 1. Vorsitzenden gewählt, 2. Vor­sitzender wurde Heinrich Döring, Rechner Wil- helm Keil, Schriftführer Wilhelm S ch o m b e r , Beisitzer Wilhelm Engel, Ludwig Schmidt, Heinrich Döring II. und Heinrich Münch. 3m Anschluh an die Generalversammlung fand ein schön t>erlaufener Familienabend statt.

U Ronnenroth, 16. Febr. 3m Saale der Wirtschaft von Adam Koch III. fand ein Film- abend statt, bei dem Dr. Kleinkurt von der Landwirtschaftskammer zuerst einen Film der Land- und Forstwirtschaftlichen Derufsgenossen-- schäft über Unfälle im landwirtschaftlichen Be­trieb und ihre Verhütung, anschließend den Film Waterloo"^ vorführte. Die außerordentlich zahl­reichen Besucher nahmen die Darbietungen mit großer Spannung und lebhaftem Beifall auf.

Kreis Friedberg.

WSR. Friedberg, 18. Febr. Der Berg­arbeiter Hier! ist auf bisher ungeklärte Weise

wartet," sagte Felix Schulhofs.Sie können sich kaum meine Freude denken, als ich heute vor­mittag plötzlich Ihre Stimme im Apparat hörte!"

Ich tonnte leider nicht früher anrufen ..." Schulhofs lehnte sich etwas zu ihr hinüber. Haben Sie manchmal an mich gedacht?" fragte er zärtlich.

3a ..., gab sie leise zur Antwort.

Sie passierten den Reichskanzlerplatz, Schul­hofs beschleunigte das Tempo des Wagens. Er­wartungsfreude wogte in ihm. Rach einigen Mi­nuten wies er mit der Hand voraus.

Sehen Sie dort ..., die vielen Gerüste .... das ist unser Baugelände, von dem ich 3hnen erzählt habe."

Sie verliehen den Wagen.

Der Bauführer, der den ersten im Werden begriffenen Häuserblock zu betreuen hatte, kam bei Schulhoffs Erscheinen herbei. Er stellte einige Fragen an Schulhoff: dieser lieh sich aus der Bauhütte einen Plan bringen, die beiden Män­ner verhandelten eine Weile miteinander.

Auftkicrksam hörte ihnen Eva Witte zu. Eine neue Welt tat sich ihr hier auf. 3n wachsender Spannung folgte sie nachher Schulhoffs Worten, der mit ihr über das weitgestreckte Gelände ging und ihr schilderte, was hier erstehen sollte:

Schöne, lichte Häuser mit großen, sonnigen Räumen, in denen es sich behaglich wohnen lieh .... zwischen den Häusern Gärten, weite Rasenflächen .... wo jetzt der Sand fußhoch lag und das Gehen erschwerte, führten bald Helle, breite Straßen ..., hierhin kam ein großer Platz mit hübschen Anlagen und einem Wasserspiel ..., dort war ein Tummelplatz für Kinder vorge­sehen ...

Alles war bedacht, im Großen wie im Klei­nen. Alnb Eva Witte bewunderte immer wieder das Wissen und Können des Mannes, der diese weitumfassenden Pläne ersonnen hatte.

Wie stolz muß es Sie machen," sprach sie gedankenvoll zu Schulhoff,3hr Werk nun so wachsen und gedeihen zu sehen!"

Dankerfüllt sah er sie an. Es freute ihn, daß sie solches Verständnis für fein Schaffen besaß.

3ch liebe meinen Beruf, und daß ich Ihnen nun zeigen durfte, was ich arbeite und zu er­reichen suche, das macht mich doppelt froh!"

Sie fuhren weller gen Westen.

Mit frohem Ausdruck im Gesicht sah Eva Witte im Wagen. Ihr war, als entferne sie sich immer weiter von ihrem dunklen, schweren Geschick, das sie sonst Tag und Rächt knebelte und zu Boden drückte.

Warum hätte sie sich auch sorgen sollen?... Peter Honnecker war ja fort! ... Sie hatte am Morgen am Fenster gestanden und gesehen, wie der Diener Honneckers Koffer ins Auto gemacht hatte, dann war Honnecker selbst erschienen imb mit dem Wagen weggefahren.

Run war er schon weit fort ..., auf dem Wege nach Paris ...

im Förderkorb der Braunkohlengrube fix Weckesheim tödlich verunglückt.

Kreis Schotten.

0 Sellnrod, 17. Febr. Dieser Tage fand hier die Holzversteigerung der Försterei Altenhain statt, bei der Vuchenschei holz, Tuchen- knüppel, Reiser und Gemischtholz zur Versteige­rung kamen. Man bezahlte je Raummeter Buchen- scheit 15 Mk., Buchenknüppel 10 bis 12 Mk., Reiser 1,80 bis 2 Mk., Gemischtholz 7 bis 8Mk. Der GesangvereinEintracht" hielt in der Gastwirtschaft von Schleuning seine dies­jährige Generalversammlung ab. Aus dem Vorstandsberichte war ersichtlich, dah der Verein im verflossenen Jahre eine Einnahme von 356 Mk. und eine Ausgabe von 321 Mk. zu verzeichnen hatte, so daß ein Barüberschuß von 35 Mk. verblieb. Dazu kommen noch Einlagen bei der Spar- und Leihkasse Ulrichstein. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Bei der Vor­standswahl wurde der bisherige Vorstand ein­stimmig wiedergewählt. Am gestrigen Sonntag hielt der Verein sein diesjähriges Winter- vergnügen ab, das bei gutem Theaterspiel, flotter Musik und weiteren geselligen Darbie­tungen einen vortrefflichen Verlauf nahm.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

O Hochelheim, 17. Febr. Auf Anregung der hiesigen Gewerbetreibenden hielt dieser Tage der Geschäftsführer der Handwerlslammerneben- ftelle Wetzlar. Syndikus Paus Schumann, in der Gastwirtschaft Atari Jung einen Vortrag über Wesen und Ziele der Gewerbevereine. Fer­ner behandelte er Wirtschasts- und ©teuerfragen. Der Vortrag löste eine lebhafte Aussprache aus. Im Anschluß an den Vortrag wurde ein Ge­werbeverein für den hiesigen Ort gegrün­det, dem bis jetzt etwa 20 Mitglieder beige­treten sind. Als Vorsitzender wurde der Wag- nermeister Johannes Reih, als dessen Stell­vertreter der Käsereibesiher Anton Weber, als Schriftführer der Käsefabrikant Johannes Mehl und als Kassierer der Schneidermeister Friedrich Jung gewählt.

U Mudersbach, 16. Febr. Als der Land­wirt W. Schäfer hierselbst in seinem Garten eine Tanne gefällt hatte, machten sich in einem unbewachten Augenblick zwei elfjährige Jungen mit dem Handwerkszeug an dem Baum zu schaffen, wobei der eine Junge dem anderen mit dem Beil am Zeige- und Mittel­finger der linken Hand ein Glied ab­schlug. Das bedauernswerte Kind mußte sofort in ärztliche Behandlung gegeben werden.

Am Samstagabend hielt der Kriegerverein Einigkeit" beim Kam.Gastwirt Ströhmann seine gutbesuchte Generalversammlung ab. Rach dem Jahresbericht des ersten Vorsitzen­den Wilhelm Drück wurde der Kassenbericht verlesen, wobei sich ein Keiner Ueberschuß der Kasse ergab. Dem Redner Konrad Schäfer wurde Entlastung erteilt und anschließend der bisherige Vorstand einstimmig wiedergewählt. Sodann wurde noch die Gründung einer Sterbe­kasse besprochen, der schließlich sämtliche Mitglie­der bei traten.

Kreis Biedenkopf.

WSN. Biedenkopf, 18. Febr. In dem Dorfe Frankenbach wurde das 5 Jahre alte Söhn­chen eines Invaliden von einem Auto er­faßt und so schwer verletzt, daß es bald darauf v e r ft a r b. Den Autolenker soll keine Schuld treffen.

Alnb sie fuhr in diesen leuchtenden, strahlen­den Sommertag hinein .... der Mann, den sie liebte, sah an ihrer Seite .... er redete mit ihr, seine Blicke umfingen sie immer wieder mit kaum verhüllter Zärtlichkeit ...

Sie hätte weinen können vor Glück.

In einem Gasthaus an der Havel rasteten sie und sahen dem Treiben auf dem Wasser zu, wo zahlreiche Fahrzeuge sich tummelten.

Dann gingen sie im nahen Wald spazieren. Die Sonne neigte sich im Westen, ihre Strahlen schimmerten märchenhaft zwischen den Bäumen.

Langsam schritten die beiden dahin. Ringsum­her war feierliche Stille. Aber in ihnen rief laut die Sehnsucht. Sie fühlten beide, dah die Stunde der Erfüllung nahe war: das machte sie befangen und schweigsam.

Eva! ...", sagte da Felix Schulhoff weich.

Sie wandte ihm ihr Antlitz zu. Ihre Blicke versanken in feinen sehnenden Augen.

Wie unter einem Zwange faßten sich ihre Hände. Sie fühlten das Rauschen ihres Blutes.

Eva!" rief Schulhofs nochmals und rih sie in seine Arme.

Regungslos lag sie an seiner Brust. Wie eine Verdurstende trank sie seine Küsse.

Hast du mich lieb? fragte er beseligt.

Sie sah zu ihm empor.

Ja ..., ich habe keinen anberen Gedanken mehr als dich ..."

Don ihrem Glück gehoben, wanderten sie durch den träumenden Wald. Immer wieder küßten sie sich, unb ihre Worte waren erfüllt von bem jubelnden Glück dieser Stunde.

Dis Felix Schulhoff plötzlich stehen blieb.

Run gehörst du mir," sprach er und zog fie an sich heran, daß ihre Augen sich ganz nahe waren.Run mußt du mir aber auch von dir und deinem Leben erzählen!"

In Eva Witte erlosch die Freude.

Wie in einem furchtbaren Erwachen sah sie Schulhoff an. Angst, Schreck malte sich in ihrem Gesicht, das fahl geworden war.

Warum fragst du jetzt?" sagte sie wehe.

Er wunderte sich über ihr verstörtes Wesen und fuhr ihr zart über die blonden Haare.

Jede Stunde deines bisherigen Lebens möchte ich fennenlemen. Eva, alles möchte ich von dir wissen. Ist dein Leben nun nicht auch das meine geworden?"

Das heiße, inbrünstige Gefühl, das ihr aus seinen Worten entgegenwehte, schmerzte sie.

Du sollst an meine Liebe glauben, Felix aber frage nicht ..., jetzt nicht ...

Er begriff ihr Weigern nicht.

Hast du kein Vertrauen zu mir?

Sie senkte das Haupt.

Doch .,., ich vertraue dir ganz ..., nur heute sollst du mich nicht fragen ... Heute sollst du mir nur sagen, daß du mich liebst ..."

(Fortfetzung folgt.)