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erscheinen werde, da man nicht wisse, wie lange Vie Arbeiterregierung noch am Ruder bleiben werde. Bezeichnend ist auch der Vorschlag Ben­netts. die Frage der Zollpolitik für die näch­sten sechs Monate in Komitees der Cinzelstaaten vurchberaten au lassen und dann die Wcltreichs- wirtschastskonfcrenz in Kanada fortzusehen. Hofft und rechnet auch er mit einem Umschwung der politischen Verhältnisse in England? Wie dem auch sei, ein Gefühl der politischen Unsicherheit lagert über dem ganzen Lande und hemmt die Unternehmungslust der Groben und der Kleinen. Man kann sich des Gefühles nicht erwehren, das; England der Krise entgegengeht, und viele glau­ben, daß es besser sei, sie bald auf die Spitze au treiben als sic hinauszuschleppen, es sei denn, oaß wider alles Erwarten die Weltreichskonfc- renz einen vollen Erfolg bringt.

Aus der Pwvinzialhauptstavt.

Gießen, den 18. Oktober 1930.

Lausbuben!

Ja, es ist Zeit, daß auch einmal etwas gegen die Lausbuben gesagt wird, gegen diese Tagediebe, die nur darauf ausgehen, uns zu ärgern und uns das Leben zu verbittern.

Aber, lieber Leser, warum sollen wir unfern Aerger so zeigen? Nehmen wir die Sache doch nicht so tragisch! Denken wir an die, die eigentlich gar nicht so bösartig sind, an die richtigen Laus­buben! Die schlimmen Ruhestörer, die Anstifter rohen Unfugs, diese Sorte gibt es in jedem Lebensalter. Die Lausbuben aber, denen mein Herz gehört, sind viel unschuldiger. Sie mögen so zehn bis fünfzehn Jahre alt sein und beim Berliner Schusterjunaen enden. Was dann kommt, das find schon dieIn­haber" der Flegeljahre.

Man muß sich solche Lausbuben, die sich überall in den Straßen, vor den Schaufenstern, aber noch mehr draußen in den Gärten und Baumstücken Herumtreiben, nur einmal anschauen. Wir dürfen uns nicht daran stoßen, daß ihre Hosen meistens zerrissen sind, und ihre Hände nicht gerade appetit­lich aussehen. Das gehört sich nun einmal so. Sehen wir lieber nach dem verschmitzten Gesicht, nach den flinken Augen, die beständig herumwandern, um neue Abenteuer zu entdecken.

Da stehen drei vor deinem Garten und schauen hinauf nach dem Apfelbaum. Noch haben sie die Hände in den Hosentaschen und reden miteinander, nicht viel, aber mit den Blicken. Es ist ganz erstaun- lich, welche Fertigkeit diese Kerlchen in der Zeichen­sprache haben. Ein Blick genügt, und sie haben schon begriffen. Einer hat dich gesehen, die andern drehen sich keineswegs erschrocken um, sondern tun so, als ob sie irgendwie beschäftigt waren. Der eine pflückt vielleicht ein paar Blumen ab, der andere schneidet sich von der Hecke einen Stock, der dritte klopft an einem Stein herum. Das ist ja die große Kunst, sich so zu stellen, als ob man beschäftigt sei! Und das können die Lausbuben! Darin sind sie Meister.

Du fragst, was sie da suchen?Oooch! (Dieses Oooch wird mit einem so unschuldigen und halb vor­wurfsvollen Ton gejagt, daß man schon beinahe entwaffnet ist), wir ipielen!"Aber die Aepsel ge­fallen euch auch?"Ooch, wir haben in unserem Garten noch viel mehr. Die da haben wir noch gar nicht gesehen."

Du holst dein Gemüse, verschließest den ©ar­ten und siehst die drei Unschuldslämmer da drüben in den Wiesen herumlaufen. Ich empfehle dir nun, dein Gemüse nach Hause zu tragen und dann auf dem entgegengesetzten Wege zu deinem Garten zu­rückzukehren. Du wirst dann einen der Buben auf deinem Apfelbaum finden, während die Awei andern unten stehen und die gepflückten Aepsel auffangen. Sie haben dich natürlich sofort entdeckt und reißen aus. Wenn's nicht so ist, sind es keine richtigen Lausbuben gewesen.

Eine andere, nie versagende Probe auf dieEcht­heit" der Lausbuben ist eine Begegnung mit einem Hunde. Ein rechter Lausbub kann niemals an einem Hund vorübergehen, ohne daß dieser anfängt zu bellen. Eine alte Volkserkenntnis sagt:Bellt der Hund nicht, dann ist b:r Bub nichts nutz, oder der Hund!" Lausbuben und Hunde vertragen sich all­gemein sehr schlecht. Doch beruht dies auf Gegen­seitigkeit. Ob die Neckereien aber ernst gemeint sind, ist eine andere Frage. Wie oft sieht man, daß die Hunde selber große Freude an einer solchen Be­gegnung haben. Sie stehen am Tor, ihre Augen leuchten schon angriffslustig, wenn ein paar Buben daherkommen. Der Hund hat geradezu ein Verlan­gen danach, jetzt loszubellen und den Wütenden zu spielen! Nun gehen die Buben stumpf vorbei, sehen überhaupt nicht nach dem vierbeinigen Feind. Der Hund zieht sich enttäuscht zurück, höästtens, daß er ein wenig unwillig knurrt. Hätte nicht einer von den Buben mit der Hand nach der Erde langen können, um so zu tun, als ob er einen Stein auf­höbe? Oder warum hat keiner wenigstens ks! ge­sagt? Dann hätte der Hund doch Grund dazu gehabt, einmal richtig zu bellen. Es waren halt gute Buben, aber keine Lausbuben.

Für mich sind die Lausbuben der Ausdruck der stärksten Lebensfreude. Ich kann ihnen nicht dös' sein. Es geht mir wie Wilhelm Vusch, als er -Max und Moritz" schrieb. Galt nicht seine ganze Liebe diesen beiden Schlingeln? Du findest solche Maxe und Moritze aber nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt, in jedem Land. In Italien und Spanien betteln sie dich an. Mit Kennerblicken sehen sie in dir den Deutschen und leiern üjre_ drei deutschen Sätzchen her. Kannst du da vorübergehen, wenn sie die Äugen ver- drehcn? Gar oft auch sind sie Fremdenführer. Mir waren sie mit ihrem drolligen Wesen immer die liebsten.

Man muß die Lausbuben nur zu nehmen wissen: denn sie haben Charakter. Man kann sich auf sie verlassen. Wohl sind sie auf ilebermut und Aben­teuerlust eingestellt, können das musterhafte, wür­dige Gebaren in den Tod nicht leiden, dafür aber zeigen sie in ihrer Unbekümmertheit, daß sie die eigentlichen Herren der Lage sind. Sie erkennen die Schwachen der Großen auf der Welt und suchen in wohlgelungenen Streichen darüber zu triumphie­ren. Wir können viel von ihnen lernen. Sorglos leben sie nur dem Heute und haben immer Humor und Wagemut. Sie haben den Sinn des Lebens am besten begriffen.

Man muß sie gern haben, selbst dann, wenn wir zum Stock greifen, um ihnen einen Denkzettel zu verabreichen. Innerlich lächelst du vielleicht über den Streich und denkst an frühere Zeiten. War's da nicht ähnlich? And bist doch jetzt eingelebter Mann und Familienvater?

Die Lausbuben selber ertragen solche Schläge, wie wir Regen oder Sonnenschein hinnehmen' Während sie noch heulen, überlegen sie schon, welche neuen Streiche sie auSführen werden. Oder

Verkehrserschließung im Gießener Südvierlel.

In der Gießener Vcrkehrspolitik ist die Schaf­fung von Fährverbindungen nach dem südlichen Stadtteil und dem Vorort Klein-Linden schon wiederholt Gegenstand ernster Ucberlcgungcn gewesen. Bei verschiedenen Ge­legenheiten hat sich derGießener Anzeiger" mit Möglichkeiten zur Lösung dieser bedeutsamen Auf­gabe beschäftigt, bei kommunalpolitischen Erörte­rungen im Verkehrsverein ist die gleiche Ange­legenheit mehrfach ernstlich besprochen worden, und die Stadtverwaliung und der Stadirat haben vor gut Iahresfrist eingehend über dieses Pro­blem beraten. Auf Antrag der Stadtverwaltung wurde damals vom Stadtrat die Anschaffung von Autoomnibussen beschlossen, die vornehmlich als Autoomnibuslinie durch den südlichen Stadtteil in Betrieb gesetzt, darüber hinaus aber, etwa vom Verkehrsschnittpunkt am Ludwigsplah aus, als eine Art Ringverbindung den von der Straßen­bahn nicht berührten Außenbezirken der Stadt dienlich sein sollten. Rach der Beschlußfassung des Stadtrats kamen allerlei Bedenken auf, nicht zuletzt auch solche finanzieller Art, und schließ­lich erfuhr die ganze Angelegenheit im Stadt­haus ein Begräbnis erster Klasse. Da andere Lösungsmöglichkeiten bisher nicht in Angriff ge­nommen wurden, steht die ganze Frage der Ver­kehrserschließung im südlichen Stadtteil heute noch als drängendes Problem auf unserem kommunal- politischen Arbeitsprogramm.

Mittlerweile hat aber die Sachlage einige be­deutende Veränderungen erfahren, nicht nur in finanzieller Beziehung, sondern auch im Hinblick auf die Bebauung im Südviertel und die kom­munalpolitischen Möglichkeiten hinsichtlich der Vorortgemcinde Klein-Linden. Vom Standpunkte der kommunalen Finanzwirtschaft aus dürfte gegenwärtig und wohl auch für die nächsten Iahre nicht daran zu denken sein, so bedeutende Geld­mittel, wie früher geplant, für einen städtischen Verkehrsbetrieb nach dem Südviertel und nach Klein-Linden zu investieren. Diese Anmöglichkeit barf aber nicht dazu führen, die Lösung der Frage auf unabsehbare Zeit hinauszuschieben. Die zunehmende Bebauung im südlichen Stadtteil, wie auch die kommunale 'Verbesserung in Klein- Linden durch den Bau der dortigen Wasser­leitung und Kanalisierung mit vermutlich ge­steigerter Anziehungskraft bei der Entscheidung in Wohnsitzfragen drängen vielmehr dahin, die schon längst spruchreif gewordene Frage der Ver­kehr serschliehung baldmöglichst aus der Welt zu schaffen. Zu einem solchen Entschluß hin weisen auch die im Südviertel errichteten Bauten für öffentliche Zwecke, z. B. die Errichtung der Heil­stätte Seltersberg, die Schaffung der Orthopä­dischen Klinik, weitere Plane für Klinikbauten, das neue Studentenhaus usw. Wenn man sich bei dieser Betrachtung an die Bebauung des süd­lichen Stadtteils vor einigen Iahren erinnert und der damaligen Lage der Dinge die heutigen Verhältnisse gegenüberstellt, so muß man sagen, daß in diesem Stadtteil im Verlaufe der kurzen Zeit geradezu ein neues Viertel erstanden ist, dessen 'Bewohner berechtigten Anspruch an die Stadt auf bestmöglichste Befriedigung ihrer Ver­kehrsbedürfnisse erheben können.

Wie schon früher, wird auch heute noch lieber«

cinftimmung darin bestehen, daß infolge des Hin­dernisses der Oberhessischen Bahn leider eine Fortführung der Straßenbahn nach dein Süd- viertel nicht in Betracht kommen kann. Ebenso­wenig wird, betrieblich und finanziell, ein Pen­delbetrieb der Straßenbahn zwischen Klein-Linden und der Bahnüberführung in der Frankfurter Straße möglich fein. Die Einrichtung einer städti­schen Autoomnibuslinie wird vor allem durch mangelnde kommunale Finanzierungsmöglichkeiten auf lange Zeit unmöglich gemacht. Bei dieser Sachlage ergibt sich u. E. zur Zeit nur die eine Lösungsmöglichkeit, daß die Stadt den Dienst der Kraftverkehrsgesellschaft Hessen" für diese Aufgabe in Anspruch nimmt. Erwägun­gen dieser Art waren schon bei der früheren Er­örterung über die Schaffung einer städtischen Autobuslinie mit im Gange, wenn damals auch die heutige Organisation derKraftverkehrsgesell­schaft Hessen" noch nicht gegeben war. Was da­mals nicht verwirklicht werden konnte, sollte man jetzt erneut und sehr ernstlich in Betracht ziehen. Es wird wohl nicht unmöglich sein, mit der Kraftverkehrsgesellschaft Hessen" eine Verein­barung zu treffen, nach der dieser Betrieb, in dem bekanntlich öffentliche Körperschaften eine maß­gebende Rolle spielen, eine Autobusverbindung nach dem Südviertel und Klein-tzinden einrichtet. Ebenso wie bei der Organisierung des öffentlichen Beförderungswesens zwischen der Gemeinde Wic- seck und dem Straßenbahnanschluß vom Walltor aus die Fahrscheine derKraftverkehrsgesellschaft Hessen" zum liebergang auf die Elektrische be­rechtigen, könnte auch für eineHefsen"-Autobus- linie nach dem Südviertel eine Fahrscheinkombi­nation mit der Straßenbahn geschaffen werden, so daß die Bevölkerung ohne Umstände und Schwierigkeiten von dem einen Verkehrsmittel in das andere übergehen könnte. Cs dürfte allerdings wohl nicht zu vermeiden sein, daß die Stadt auf einige Zeit für eine solche Verkehrseinrichtung zu­nächst gewisse Opfer bringen und Konzessionen machen muß: cs kann aber wohl gesagt werden, daß eine solche finanzielle Leistung der Stadt im Dienste der Bürgerschaft auch unter den gegen­wärtigen und künftigen Verhältnissen vertretbar erscheint. Bei einer Arbeitsgemeinschaft der hier vorgeschlagenen Art wird die Stadt natürlich auch um eine gewisse Dcrtragsdauer nicht herumkom- men, aber dieser Umstand wird u. E. nicht so schwerwiegend fein, als eine weitere unabsehbare Fortführung des gegenwärtigen Zustandes, bei dem für die Verkehrserschließung im Südviertel überhaupt nichts geschieht, weil die finanziellen Möglichkeiten zur Einrichtung eines städtischen Betriebs bis auf weiteres nicht vorhanden sind, während die zunehmende Besiedlung in diesem Stadtgebiet immer mehr zu entschlossenem Han­deln drängt.

Es ist nach unserer Meinung dringend geboten, daß die Stadtverwaltung und der Stadtrat, un­geachtet aller übrigen drängenden und bedeut­samen Aufgaben der kommunalen Arbeit, der Ver- kchrserschließung im Südviertel in erhöhtem Maße ihr Äugenmerk wieder zuwenden und auf baldmöglichste, gedeihliche Lösung dieses Auf­gabengebiets hinarbeiten.

als echte Sportjünger rufen sie ihrem Vater wäh­rend derBehandlung" zu:Hau nicht so tief, sonst wirst du disqualifiziert!"

2a, die Lausbuben sind nicht tot zu kriegen! P.

Oaö Programm

des Gießener Konzertvereins.

Vom Konzertverein wird uns geschrieben: In schwerer Zeit tritt der Konzertverein in sein 140. Vereinsjahr. Die wirtschaftlichen Sorgen und Röte sind auch ihm nicht ferngeblieben: wäh­rend sich durch all die harten Iahre hindurch der Besuch der Konzerte gleichgeblieben war, war im Vorjahr ein deutlicher Rückgang sowohl der Abonnenlenzahl, als auch des Konzertbesuchcs zu verzeichnen. Die dadurch merkbar verringerten Einnahmen standen nicht im Gleichgewicht mit den zur Durchführung des Programms nötigen Aus­gaben. Es bedurfte also jetzt ernster Mcberlegung, ob es möglich fein würde, das Programm im kom­menden Winter in traditioneller Weise aufxu- stellen, ob es vor allem sich ermöglichen lassen, würde, den Kern und die Seele unseres Konzert­lebens, die drei Orchesterkonzertc und das Chor­konzert mit ihrem hohen Kostenaufwand, durchzu­führen. Wenn nach langen, mühevollen Verhand­lungen mit Künstlern, Vorständen und Behörden der Vorstand sich dennoch entschlossen hat, das diesjährige Progranrm im Rahmen des Gewohnten auszustellen, so geschah das in der Erkenntnis, daß einmal verloren Gegange­nes nicht wieder erseht werden kann, und in dem festen Vertrauen und der Zuversicht, daß alle Gönner und Freunde und alle diejenigen, denen die Aufrechterhaltung des Konzertlebens in Gie­ßen am Herzen liegt, ihm treu sein und ihn unter­stützen werden. Cs ist ihm sogar gelungen, beson­ders namhafte Künstler zu gewinnen, und das nachstehende Programm mag darauf Hinweisen, wie das Bestreben darauf gerichtet ist, Konzerte von einer künstlerisch so hochstehenden Geltung zu veranstalten, daß ein Vergleich mit Großstädten nicht gescheut zu werden braucht.

Um weiten Kreisen den Konzertbesuch zu ermög­lichen, sind, wie in der heutigen Anzeige zu er­sehen ist, Erleichterungen im Bezug des A hon nements vorgesehen, indem statt bisher ftoci jetzt vier Ratenzahlungen eingeführt worden ind. Der Abonnementsplatz selbst stellt sich wc- entlich billiger als der Platz im Ginzelvcrkauf.

Run das Programm:

6. Rovernber, abends: 1. Orchestcrkonzert (Mei­ninger Landesorchester, Dirigent Dr. Temes - varh). Mendelssohn: Ouvertüre zum Sommer- nachtstraum: Brahms: Haydn-Dariationcn: Tschaikowsky: 5. Sinfonie.

16. Rovcmber, nachm.: Das Rose-Quar- t e 11: Schumann. Beethoven, Schubert.

30. Rovcmber, nachm.: Prof. Adolf Busch und Rudolf Serkin, Sonatenabend: Brahms. Beet­hoven. Schubert.

11. Dezember, abends: Orgelkonzert. Günther Rami n: Bach.

11. Ianuar 1931, nachm.: Luise G meiner: Klavier.

22. Ianuar, abends: 2. Orchesterkonzert (Darm­städter LandeSorchester, Dirigent Dr. Lernes- v a r y). Brahms: Violinkonzert: Bruckner: 8. Sin­fonie.

1. Februar, nachm.: Edith Lor and (Violine): Mozart, Schubert. Gluck-Kreisler. Suk, Bartvk Sarasate.

15. Februar, nachm.: Eva Liebenberg (Alt): Liederabend.

26. Februar, abends: Chorkonzert. Händel: Mes­sias. Leitung: Dr. Temesvary, der Akade­mische Gesangverein, der Orchcstervcrein, ein Solo­quartett.

12. März, abends: 3. Orchesterkonzert (Darm­städter Landesorchester. Dirigent: Dr. Tcmcs - vary). Beethoven: 1. und 4. Sinfonie.

Die Durchführung eines solchen Programms er­fordert Kosten von so beträchtlicher Höhe, daß nur das feste Vertrauen in den Opfersinn und die Freude an der Musik bei der Allgemeinheit das Wagnis der Aufstellung reilfertigen. Cs ergeht daher an alle die eindringliche Ditte: helft uns durch Beitritt zum Abonnement und durch regen Besuch unserer Veranstaltungen, unser Programm durchzuführen, unser Konzert- lebcn uns zu erhalten und in schwerster Zeit ein Kulturgut zu wahren, das auf eine 140jährige Vergangenheit zurückblicken darf!

Baukunst-Ausstellung in Gießen.

Auf Veranlassung des Städtischen Hochbau­amtes wird in der Zeit vom 14. bis 25. Ro­vcmber hier eine B a u k u n st a u s st c l l u n g veranstaltet, in der Arbeiten des Archiiekicn Fritz Höger (Hamburg) zur Schau gestellt werden sollen. Höger, der im Iahre 1877 in Holstein geboren wurde und zunächst Maurer und Zimmermann war, bann in Hamburg die Baugewertschule besuchte und sich schließlich ganz aus eigener Kraft zu seiner heutigen maßgeb­lichen Geltung unter den deutschen Architekten emporarbeitete, ist der Erbauer zahlreicher großer Burcauhäuscr (u. a. des Chile-Hauses in Ham­burg) in verschiedenen Städten, der Schöpfer von Rathäusern (u. a. das Rathaus in Rüstringen), Kirchen, Schulen usw. Er zählt zu den hervor­ragendsten Männern unter den deutschen Archi­tekten, in Rorddcutschland wird er sogar als der Architekt schlechthin angesehen.

Heber Högers Schaffen und Ziele wird uns folgendes mitgekilt:Die Eigenart Högers liegt auf dem Gebiete des Backsteinbaues unter Vermeidung jeglicher Formsteinc. Der Zweck feiner Arbeit ist daneben die Hebung dcv handwerklichen Baukunst und der dar­aus sich ergebenden neuen ästhetischen Formcn- bildung. Höger ist der eine Flügelmann einer Front von Architekten,die nach der anderen Seite immer literarischer, ästhetischer, theoreti­scher undpsychischer" wird". Höger aber ist ein Handwerker, er kann cs sich leisten, über manches zu lachen, was andere allenfalls vorsichtig die Faust in ber Tasche ballen läßt. Rücksichtsloses Erkennen des praktisch Rotwendigen in techni­schen, wirtschaftlichen und organisatorischen Fra­gen gab Höger seine Stellung in Hamburg, un­gefähr in der Zeit, als Fritz Schuhmacher, der jetzige Stadtbaudirektor von Hamburg,in vielem Högers Widerspicl", dort einzog. Höger trat mit einem neuen Ton in der Formgebung des Backsteinbaues hervor. Aber bald wurde er von ber Erbschaft derFrüheren" freier. Hatte er den Formziegel zunächst stark zurückgedrängt, so mied er ihn bald ganz und fand im Klinker künstlerische Reize, die man sonst verkannt hatte. Högers Bauten sind durchweg in recht dunklen Werkstoffen ausgcführt, sie entsprechen aber in Hamburg, wo weiß verputzte Häuser in kurzen Abständen neugestrichen werden muffen, den kli­

matischen Anforderungen. Ob solche dunklen Bauten durchweg Gefallen finden, darüber sind die Ansichten verschieden. Aber es muh doch beachtet werden, daß auch führende Architekten Süddeutschlands sich die von ihm mit Vorlieb cl verwendeten Klinker viele hundert Kilometerweit haben kommen lassen, selbst in Städten miti reinem Puhbau." »

Die Gießener Ausstellung, die sicherlich auch der heimischen Steinindustrie wertvolle Förde­rung bringen wird, soll auf breite Basis ge­stellt werden. An der Veranstaltung werden sich werbend beteiligen der Bund Deutscher Archi­tekten, der Ortsgewerbeverein und der Tech­nische Verein. In Verbindung mit der Ausstel­lung dürste auch ein Vortrag Högers über feine baukünstlerischen Ziele zu erwarten sein.

Akademische Kurse für Kaufleute und Gewerbetreibende.

In ber Zeit vom 30. Oktober bis 5. März 1931 finden auf Veranlassung der Industrie« und Han­delskammer Gießen und der Gießener Hochschulge- sellschaft wiederum Akademische Kurse für Kaufleute und Gewerbetreibende statt, für die ein wertvoller Lehrplan vorgesehen ist. Im Nahmen eines Volkswirtschaftlichen Kur- f e s werden die ThemenGrundfragen.der deutschen Sozialpolitik" (Universitätsprofessor Dr. Gün - t b e rkDie deutsche Volkswirtschaft Tln*^eitalter des Hochkapitalismus" (Universitätsprofessor Dr. Lenz) undGrundfragen der Besteuerung und Steuerpolitik" (Universitätsprofessor Dr. Mom- b e r t) behandelt. Im Rechtswissenschaft­lichen Kursus referiert Privatdozent Dr. Böt­ticher überGrundzüge des Arbeiisrechts", ein Einzelvortrag von Unioerfitätsprofeffor Dr. Götze hatDas deutsche Märchen" zum Gegen­stand der Betrachtungen. Zur Teilnahme an den Kursen ist jedermann eingeladen. Interessenten seien auf den heutigen Anzeigenteil verwiesen.

Daten für Sonntag, 19. Oktober.

Sonnenaufgang 6.29 Ahr, Sonnenuntergang 17.00 Ahr. - Mondaufgang 2.52 Ahr, Mond- untergang 16.17 Ahr.

1795: der englische Satiriker Ionathan Swift gestorben: 1863: der Dichter Gustav Frenssen in Barlt geboren. /

Daten für Montag, 20. Oktober.

Sonnenaufgang 6.31 Ahr, Sonnenuntergang 16.58 Ahr. - Mondaufgang 4.20 Ahr, Mondun­tergang 16.30 Ahr.

1892: der Afrikaforscher Emin Pascha (Eduard Schnitzer) ermordet.

Gießener Wochenmarktprerse.

Es kosteten auf dem heutigen Wvchenmarkt: Käse 10 Stück 60 bis 1,40; Kochbutter Pfund 1,20; Butter 1,60 bis 1,70; Matte 30 bis 35: Wirsing 8 bis 10: Weißkraut 5 bis 6; Rotkraut 8 bis 10; gelbe Rüben 8 bis 10; rote Rüben 8 bis 10; Spinat 15 bis 20; Anter-Kohlrabi 5 bis 6; Rosenkohl 35 bis 40; Feldsalat 80 bis 1,00; Tomaten 25 bis 50; Zwiebeln 10 bis 12; Meerrettich 40 bis 70; Schwarzwurzeln 40 bis 60; Kürbis 8 bis 10; Kartoffeln 3/2 bis 4; Aepfel 25 bis 50; Dirnen 15 bis 40; Dörrobst 30 bis 35; Honig 40 bis 50; junge Hähne 1,00 bis 1,10; Suppenhühner 1,00 bis 1,10; Gänse 1,00 bis 1,20; Rüsse 40 bis 60: Tauben Stück 50 bis 70; Eier 15 bis 16; Blumenkohl 30 bis 70: Salat 10 bis 15; Salatgurken 10 bis 30; Endivien 10 bis 15; Ober-Kohlrabi 6 bis 10; Lauch 5 bis 10; Rettich 10 bis 15; Sellerie 10 bis 50: Radieschen Bund 10 bis 15: Kartoffeln Zentner 2,20 bis 2,50; Weißkraut 3,00; Wirsing 4,00; Rotkraut 5,00 Mk.

Vornotizen.

Tageskalender für. Samstag. GDA. Ortsgruppe Gießen: Modenschau mit Tee und Tanz, 20.15 Ahr, im Kaufm. Vereinshaus. Tv. von 1846: Iahres-Hauptversammlung. 21 Ahr, im Postkeller. Gießener'Schwimmverein: Iah- res-Hauptversammlung, 20.30 Ahr, im Hotel Köh­ler. Geflügel- und Vogclzuchtverein Gießen und Arngegcnd e. V.: Hauptversammlung, 20.30 Ahr, bei Gastwirt Henkel, Walltorstraße. WB.: Monatsversammlung, im Dereinshaus, 20.30 Ahr. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:O Mädchen, mein Mädchen, wie lieb ich dich" undDer König der Wälder". Astoria-Lichtspiele:Achtung! Autodiebe! (mit Harry Piel) undDer Kellner- Kavalier".

Tagcskalcndcr für Sonntag, Stadttheatcr:Schinderhanncs", 18 bis 21 Ahr. ArbcitcrgcsangvercinEintracht" Gießen: Kon­zert, 16 Ahr, in der Reuen Aula der Aniversitat Obcrhcssischer Kunstvercin: Eröffnung der Kunstausstellung. D. H. V.: Kreistag des Krei­ses 2, Mittelrhein. Schachklub Gießen: Wett­spiel gegen Darmstädter Schachklub im A. C.<» 15.15 Ahr. Lichtspielhaus Bahnhofstraße: norm. 11.15 Ahr:Durch die Ozeane um den Erdball"; abends:O Mädchen mein Mädchen wie lieb ich dich" undDer König der Wälder". Astoria- Lichtspiele:Achtung! Autodiebe! (mit Harry Piel) undDer Kellner-Kavalier".

A u s dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Infolge Erkrankung im Personal gelangt am Mittwoch, 22. Oktober, statt der Rcstroy-PosseEinen Iux will er sich machen" die OperetteDer Zigeunerbaron" von Iohann Strauß als Gastspiel der Vereinigten Operettenbühnen Bochum-Hamborn zur Ausfüh­rung.Der Zigeunerbaron" ist eine der bekann­testen Operetten der gesamten Opercttenliteratur. Er gehört mit zu den Werken des Komponisten, die ihm Weltruhm einbrachten und ihn in die Reihe der klassischen Operettenkomponisten ver­setzten. Cs ist zu begrüßen, daß die Opercttcn- bühnen Bochum-Hamborn uns denZigeuner­baron" als angenehme musikalische Anterbrechung des Schauspielplans bringen. Anfang 19.30 Ahr, Ende gegen 22.30 Ahr.

*

** Straßensperre. Zwecks Vornahme von Straßenbauarbeiten in der Licher Straße wird diese zwischen der Wolfstraße und der Straße Am Kugelberg von Montag, 20. Oktober, ob bis auf weiteres für jeglichen Verkehr von Fahrzeugen aller Art polizeilich gesperrt.

"* GHn Anlagenkonzert findet morgen, Sonntag, 11 Ahr. durch das Musikkorps des 1. Bataillons, 15. Inf.-Reg., bei günstiger Wit­terung in der Süd- Anlage statt. Die Lei­tung liegt in Händen von Obcrmusikmeister iL ö - ber. Die Musikfolgc verzeichnet folgende Dar­bietungen: Choral:Harre meine Seele": Große Fantasie über Melodien aus der Pantomime: Das Wunder" (Humperdink): Ouvertüre zur Operette:Die Amazone" (v. Dlon);Wie­ner Blut". Walzer. (Ioh. Strauß):Zwei Armcemärsche: a) Armeemarsch II, Ar. 37, .Marsch