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kauft werden. Da diese Marken aber nur gegen Vorlage der Eintrittskarte verkauft werden, so haben die leidenschaftlichen Sammler in aller Welt eben Eintrittskarten zur Iposta bestellt! Diele Markenfreunde aus aller Herren Länder haben indessen auch die löbliche Absicht, per­sönlich ihr gutes Geld in Deutschland zu lassen, wozu ihnen die mannigfachen gesellschaftlichen Veranstaltungen, von denen die Ausstellung be­gleitet ist, allerlei Gelegenheit bietet, Und schließ­lich werden Medaillen und schöne Ehrenpreise dazu beitragen, daß man das große philatelistische Ereignis überall in bester Erinnerung behält.

Schwerer Einbruch in ein Kornhaus.

WSR. Ziegenhain, 17. Sept. 3n der Dacht zum Dienstag wurde das Kornhaus Hessenland am Südbahnhof in Ziegenhain von Einbrechern heimgesucht. Die Tä­ter waren durch ein Kornbvdenfenster eingestie­

gen und nach Aufbrechen der Tür in das Kon­tor eingedrungen. Hier erbrachen sie einen Geld­schrank älterer Konstruktion. Ilm besser arbeiten zu können, hatten sie den Geldschrank aus zwei Kornsäcke umgekippt und dann die eisernen Doppeltüren aufgemeihelt. Die in dem Geld­schrank aufbewahrten 1 4 0 0 Mark In Pa­pier- und Metallgeld nahmen die Tater an sich und verschwanden damit auf demselben Wege, auf dem sie gekommen waren. Die Landes­kriminalpolizei Kassel hat die Ermittlungen aus­genommen.

Daten für Freitag, 19. Tcptcmber.

Sonnenaufgang 5.40 Uhr, Sonnenuntergang 18.08 Uhr. Mondaufgang 0.45 Uhr, Mond­untergang 17.22 Uhr.

1814: der Rechtslehrer K. Friedrich v.Savignh in Berlin geboren; 1867: der Maler G. Oppler in Hannover geboren.

'IO Jahre Iugendherbergsarbeit im Gan Main-Nhein-Lahn-Fulda.

Von Dr. W. Flörke-Gießen.

Die Jugendherbergen, wanderfroher Ju­gend zur Rast bestimmt, sollen Pflegstätten wahrer Volksgemeinschaft und treuer i)eimat= und Vaterlandsliebe sein." v. Hindenburg.

Am 11. Januar 1920 wurde in Frankfurt der jetzige Jugendherbergsgau Main-Rhein- Lahn-Fulda gegründet. Das Gründungspro- tokoll sagt über seine Ziele:Unsere Bestrebungen sind im Grunde genommen die Wiedererweckung einer alten deutschen Kultur, die von den Ranken und Auswüchsen einer verfeinerten Zivilisation überwuchert wurde. Wir wollen uns wieder darauf besinnen, daß die Mutter Natur es ist, die uns wieder neue Kräfte geben kann und geben wird. Das ist der Sinn der neudeutschen Jugend­bewegung. Das größte Hindernis an der Befriedi­gung des Wandertriebs war bisher das Fehlen guter und billiger Herbergen. Diesen Uebelstand will der neugegründete Verein im Anschluß an den Verein deutscher Jugendherbergen für das Gebiet des Taunus, des Westerwalds, des Vogelsbergs, des Spessarts, der Rhön und des oberhessischen Berglandes beseitigen." Konnte der Vorsitzende in der Gründungsversammlung noch feststellen, daß das neue Werk in Frankfurt nur wenig Freunde besitze, so hat sich dies seither grundlegend geändert. Heute erfreut sich das Jugendherbergswerk allgemeiner Achtung und Wertschätzung, und überall hat es treue Helfer und Schaffer gefunden für den Dienst an der Jugend. Seiner Entwicklung verleihen die folgenden Zahlen beredten Ausdruck:

Die Entwicklung des Jugendherbergwerks im Gau Main-Rhein-Lahn-Fulda.

Jahr

Anzahl der Herbergen

Uebernachtungen

insgesamt

männlich

weiblich

1920

14

2 026

1740

286

1921

34

15 106

12 004

3102

1922

55

29 998

24 384

5 614

1923

68

31 617

25 325

6 292

1924

73

36 325

29 651

6 674

1925

69

46133

43 597

11536

1926

70

88 510

69 374

19 136

1927

78

126176

90 484

35 692

1928

83

157 144

113 628

43 516

1929

73

169 132

122 146

46 986

Uebernachtungen

in zehn Jahren 702 167 523 333 178 834

Bescheiden und einfach waren in den ersten Jah­ren die Herbergen, die der Gau der wandernden Jugend gab. Unzulängliche und unvollkommene Ein­

richtungen mußten zunächst ihre Dienste tun, so gut sie es vermochten. Galt es doch, im Verlaufe weniger Jahre ein ausreichend dichtes Herbergsnetz zu schaf­fen. Mit der Wiedererlangung einer festen Geld­währung begann für das Herbergswerk ein neuer Abschnitt. Nicht Neugründungen war jetzt die Lo­sung, sondern Vervollkomnung der vorhandenen Einrichtungen und Ersatz minderwertiger Herber­gen durch neue. Damit begann im Jugendherberge verband die Schaffung von Eigenheimen überall da, wo die unaufhaltsam wachsende Zahl der Wanderer die Beherbergung in geliehenen und gemieteten Räumen immer schwieriger, ja vielfach zur Un­möglichkeit machte. Heute verfügt der Gau über eine große Zahl leistungsfähiger und vollkommener Herbergen. Mit dem Neubau in Rüdesheim, der 400 Betten aufweist und in der kurzen Zeit seit seiner Eröffnung bereits über 20 000 Uebernachtun­gen aufzuweisen hat, ist dieR h e i n st r e ck e" fertig ausgebaut. Sie umfaßt die Eigenheime: Brau­bach, Lorch (erbaut aus der Gewerkschaftsspende), Rüdesheim. Dazu kommen das Turnerheim auf der Loreley und Herbergen in Wiesbaden, auf der Elsen- burg und Burg Liebenscheid. Im Taunus stehen die Eigenheime in Schloßborn und Bad Homburg an der Spitze. Weitere sind in Oberursel, Bad Kö­nigstein, Bad Soden, auf dem Feldberg, in Bad Schmalbach, Emmershäuser Mühle und Weilmün­ster. An der L a h n finden wir Eigenheime in Mar- bürg, der erste Neubau des Gaues noch in der Inflationszeit begonnen, in Weilburg und Limburg, wo die neue Jugendherberge gleichzeitig als Krieger­ehrenmal ihren jungen Gästen Mahnung und Erin­nerung sein soll. Herbergen in Bad Ems, Nassau, Holzappel, Diez, Wetzlar und Gießen sorgen da­für, daß sich auf der Lahnwanderstrecke in Abstän­den, die in Tagesmärschen gut oewältigt werden können, Raststätten befinden. Der Westerwald besitzt gut ausgebaute Herbergen in Montabaur (Eigenheim des Gaus), auf der Westerburg (Sun- desourg des Bundes deutscher Jugendvereine), in Marienberg, in Dillenburg (Eigenheim), in Her­born (Eigenheim der Stadt), Hohensolms (eingerich­tet von der Christdeutschen Jugend) und kleinere Herbergen in Kirchähr, Wallmerod, Gemünden und Hachenburg, wo in Bälde auch ein Neubau entstehen soll. Im hessischen Hinterland stehen Her­bergen in Biedenkopf und Hatzfeld zur Verfügung. Noch bedeutender Anstrengungen bedarf es, um das Herbergsnetz in der Rhön so auszubauen, daß es dem starken Wanderverkehr dieses Gebietes gerecht werden kann. Vor allem fehlt hier ein Neubau in

Gersfeld, der sich trotz aller Pläne und Bemühungen bis jetzt nicht hat ermöglichen lassen. Die Rhön hat Herbergen in Hünfelds Tann, Hilders, Dberbern- hards, Wüstenfachfen, Gersfeld, Poppenhausen, Dal­herda, Petersberg bei Fulda und Fulda. Das Ge­biet des Spessarts wird feit einigen Jahren vom Gau Bayern versorgt. Zum Gau Main-Rhein» Lahn-Fulda gehören noch die Herbergen auf dem Burgberg b. Bieber und in Gelnhausen. Am Main haben die Städte Hanau, Offenbach und Frankfurt Jugendherbergen. In Frankfurt ist durch die Fertig­stellung des Hauses der Jugend, das von dem Ver­einHaus der Jugend" in Gemeinschaft mit der Stadt erbaut worden ist, einer wirklichen Not ab­geholfen worden. Zwei Räume in der Rettungs­

wache und eine Baracke in der Dlücherstraße hc^e« hier noch im Jahre 1929 14 000 Wanderer behek« bergt. Tausende aber mußten abgewiesen werden weil kein Raum war.

Seiner Vollendung entgegen geht der Ausbau des oberhessifchen Jugendherbergwerks. Darüber ist an dieser Stelle regelmäßig berichtet worden. Neu hinzugekommen sind im Jahre 1929 die Eigenheime Gedern mit 36 Betten und Bü­dingen mit 40 Lagerstätten. Vorarbeiten in Lauterbach und Friedberg sind im Gange, und es ist begründete Aussicht vorhanden, daß dank des Entgegenkommens der Stadt Lauterbach noch in diesem Jahre eine reizend gelegene, hübsch aus­gestattete Jugendherberge erhalten wird.

Die Benutzung der oberhessischen Jugendherbergen in 1929 (Uebernachtungen).

Herberge

Aus Volks­schulen

Aus höheren, Mittel- und Hochschulen

Sonstige Jugendliche unter 20 Jahren

lieber 20 Jahre

Gesamt­zahl

Zu- sum­men

1929

m.

W.

m.

w.

m.

w.

m.

w.

m.

w.

Alsfeld........

21

15

77

29

95

5

69

5

202

'54

256

Butzbach

31

173

23

110

314

23

357

Friedberg.......

20

26

220

27

298

49

116

11

654

113

767

Gedern........

20

60

19

23

10

113

19

132

Gießen........

70

49

547

67

442

109

541

89

1600

314

1014

Herbstein.......

225

2

175

20

55

2

64

4

519

28

517

Herchenhain......

577

426

1428

2191

331

116

411

153

2747

2886

5633

Hoherodskopf......

32

61

402

94

62

21

54

18

550

194

744

Laubach ........

4

129

12

24

27

5

184

17

201

Salzhausen ......

22

2

11

2

16

3

49

7

56

4

4

77

16

14

5

63

18

158

43

201

(Schotten

45

33

128

57

47

17

68

20

288

127

415

1018

616

3294

2534

1575

349

1549

326

7378

3825

11203

Herbst-pserdemarkt in Gießen.

Pferde - Prämiierung.

Der gestrige Gießener Herbst-Pferde- markt hatte sehr unter der ungünstigen Witte­rung zu leiden. Die Besucherzahl war in den ersten Vormittagsstunden befriedigend, war aller­dings gegen die früheren Märkte wesentlich nie» driger. Auch die Zahl der aufgetriebenen Tiere war gegenüber dem Herbst-Pferdemarkt 1929 ge­ringer. Es waren aufgetrieben: 213 Pferde, 23 Fohlen (gegenüber Herbst 1929 mit 264 Pfer­den und 24 Fohlen). Das Geschäft war im allge­meinen sehr ruhig, gegen 11 Uhr waren infolge der ungünstigen Witterung Händlerpferde kaum noch auf dem Markt, auch die Besucherzahl war um diese Zeit äußerst gering. Es wurden gezahlt: für leichte Pferde 300 bis 450 Mk., mittlere 450 bis 750 Mk., schwere Arbeitspferde 750 bis 1200 Mk., Schlachtpferde 100 bis 150 Mk.

Oie Prämiierung.

Bei der mit dem Herbstpferdemarkt verbundenen Pferde-Prämiierung fungierten als Preisrichter die Herren Oekonomierat K. Mül­ler, Reuhvf; Landstallmeister a. D. Oberst­leutnant Schörke, Darmstadt; Oekonomierat Breidenbach, Dorheim; Rittmstr. a.D. Lei- p o l d, Münzenberg; Oek.-Rat Korrell, Angen­rod; Gutspächter Weih, Hof Graß bei Hungen; Landwirt O. Schneider!., Utphe; Obervete­rinärrat Dr. M o n n a r d, Gießen.

Die Prämiierung brachte folgendes Ergebnis: (1., 2., 3. usw. 1., 2., 3. Preis usw.; ^. An­erkennung; M. Medaille).

Reitpferde, unter dem Reiter ge­zeigt: 1. Ludwig Schömbs, Gießen; 2. Hch. Hof­

mann, Bergermühle; 3. Karl Pfannmüller, Dorf- Gill; M. Wilh. Eifer, Muschenheim; Fritz Schlü­ter, Gießen; Hch. Müllers!., Ober-Hörgern.

Wagenschläge, paarweise: 1. Julius Kaufmann, Rieder-Weisel; 2. August Frensdorf- Gießen; 3. Gebr. Isenberg, Gießen; ^.Gebr. Isen­berg, Giehön.

Arbeitsschläge, schwere, paarweise: 1. Julius Kaufmann, Rieder-Weisel; 2. August Frensdorf, Gießen; 3. Salomon Michel, Gießen.

Arbeitsschläge, leichte, paarweise: 1. Julius Kaufmann, Rieder-Weisel; 2. Gebr. Isenberg, Gießen; 3. August Frensdorf, Gießen; A. S. Roth, Frankfurt a. M.

Schwere Arb e it s s ch g e, einzeln: 1. Julius Kaufmann, 2. Gebr. Isenberg, Gießen; 3. August Frensdorf, Gießen; A. Salomon Michel, Gießen.

Leichte A rb e i ts s ch g e, einzeln: 1. August Frensdorf, Gießen; 2. Julius Kauf­mann, Rieder-Weisel; 3. S. Roth, Frankfurt am Main; 4. Gebr. Isenberg, Gießen.

Schwere Ar b ei t s s ch g e, einzeln: 1. Louis Häuser, Rieder-Weisel; 2. Amb. Jak. Dill, Rieder-Weisel; 3. Louis Klein, Wohnbach; 4. Hch. Wallbott XI!., Garbenteich; A. Wilhelm Laux!., Holzheim; Adam Hofmann, Langsdorf; Louis Klein, Wohnbach; Ehr. Schmidt, Birklar; Hch. Dreutll., Griedel; Jakob Krausgrill VIII., Rieder-Weisel.

Leichte Arbeitsschläge, einzeln: 1. Wilhelm Eiser, Muschenheim; 2. Karl Pfann­müller, Dorf-Gill; 3. Karl Rühl, Eberstadt; 4. Hch. Müller XL, Ober-Hörgern.

Helene Chlodwigs Schuld und Sühne. Vornan von Z. Schneider-Zoerstl.

Llrhcber-Rechtschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.

15. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Eine kalte Hand griff nach ihrem Herzen. Daß man sterben konnte an dem gleichen Tage, an welchem einem höchstes Weibesglück wurde, das hatte sie nicht in Erwägung gezogen.

Ich will nicht sterben!" schrie sie des Rachts in ihr Kissen.Ich will nicht!" Erst war es nur die Gier zu leben, die sie so sprechen ließ, dann konzentrierten sich ihre Gedanken nur noch darauf, daß sie leben mußte für das Kind, das niemand so lieben und niemand so zu be­schützen vermochte, wie sie allein.

Ich werde nicht sterben! Rein! Du wirst nicht alleinstehen", sagte sie in sich hinein, als könnte das Wesen, das da unter ihrem Herzen dem Licht entgegendrängte, ihr Trösten hören.

Vierzehn Tage später blühte an ihrer weißen Drust ein Kindermund. Ihre Hände hielten das Wunder an sich gedrückt. Zart wie ein Hauch, mit großen, dunklen Augen und ihrem Blond­haar, ruhte der Sohn ihr in den Armen.

Erst drei Wochen später meldete sie dem Gat­ten die Ankunft seines Erstgeborenen. Er wurde auch eben erst in dieser Zeit in die Register ein­getragen: Hubert Justus Franke.

Roch nie war Helene Chlodwig so frauenhaft schön gewesen wie letzt in ihrer Mutterwürde.

«Auf Rottach-Derghof flattert seit dem Ein­treffen Deines Telegrammes die Fahne", schrieb der Doktor.

Helene preßte den Knaben an sich:Ich werde leben! Für dich werde ich leben! Du hast nur mich allein!"

An Petratini ging eine Depesche ab:

Mein Sohn ist heute geboren. Helene."

Ende Juli kam Dr. Franke nach Calais, um Frau und Kind in Empfang zu nehmen.

Auf Rottach-Berghof krachten die Böller, als sie die Steigung hinauffuhren. Die Geheimrätin stand am Tor und nahm den Enkel auf die Arme: Ihres Sohnes Sohn!

Ich lebe!" dachte Helene. Wenn wirklich ein­mal die Stunde kam, ihr Glück unter Lawinen zu begraben der Knabe blieb ihr. Sein Vater hatte auf jedes Anrecht an sie beide ver­nichtet. Und Just konnte sie nur zugleich von sich stoßen. Keinem allein die Türe weisen! Sie und ihr Sohn gehörten zusammen!

Ich lebe!" flüsterte sie vor sich hin.

»Ja, mein geliebtes Weib! Du lebst!"

Frankes starke Arme hoben sie auf und tru­gen sie über die Schwell ihres Heims.

Friedvoll, wie immer, zogen die Sterne zur Rächt über den Giebel des Hauses, darunter die Schuld schlief.

* * *

Der Kerl hat sicher einen Sporn zuviel ge­habt", sagte der Redakteur derIdca Razio- nale", als er eine kurze Rotiz, die eben ein­gelaufen war, mit rotem Stift unterstrich.

Der berühmte Pianist Umberto Petra­tini ist in den Orden der Büßer einge­treten."

Das Kloster, in welchem er Aufnahme gefun­den hatte, bestätigte die Richtigkeit der Mel- dung.

Blödsinnig!" urteilte der Kollege vom Feuille­ton.Daß es solch hirnverbrannte Einfälle heut­zutage üoerhaupt noch gibt! Fast nicht zu glauben! Schließlich bekommt er cs nur zu bald wieder satt. Die Mönche sollen nicht gerade sanft zueinander sein und das Essen mehr als. knapp. Ein paar Wochen wird er ihnen die Orgel spielen und das Mea culpa bei der Messe fingen, dann wirft er ihnen den Krempel wie­der vor die Füße. Ich müßte Petratini nicht kennen!"

Der Feuilletonredakteur war nicht der ein­zige, der so prophezeite. Reporter nahmen den Weg in die Sabinerberge, wo das Kloster der Büßer stand.

Keiner bekam den jungen Frater zu Gesicht.

Er ist gar nicht dort, schrieben die Zeitungen. Wenn dem so wäre, sollte er eine kurze Rotiz in die Blätter geben.

Die Rotiz kam:Infolge eines Gelübdes habe ich auf Del Sankta Maria den Habit genommen. Frater Umberto Petratini."

Was mochte das für ein Gelübde sein?

Und wieder rannten die Reporter. Ihre Kraft- wagen machten die schmale Steigung nach Del Sankta Maria hinauf unsicher. Richt einem glückte es, den Künstler persönlich zu sprechen. Die Unverfrorensten unter ihnen überkletterten nachts die Mauer des Klosters und schlichen bis an die Pforte. Auf ihr Läuten wurde ihnen auch aufgetan.

Der Pförtner hatte Wohl von seinem Oberen bestimmte Instruktionen bekommen. Er führte die Herren einen langen, dunklen Gang zurück, dessen Wände eine feuchte, kühle Luft ausströmten, und öffnete die Zelle, die Frater Umberto be­wohnte.

Sie war teer.

-Also, wie ich gesagt habe", höhnte ein De- porter.®r hat eS satt gekriegt und ist ausge- krnffen!"

DaS nicht", gab der führende Frater zur Ant- worttEr hat gebeten, das Kloster wechseln zu dürfen, hier fand er seinen Frieden nicht."

Als geschlagene Kämpen zogen die Reporter ab.

Sechs Wochen später sprach niemand mehr von Umberto Petratini. Mochte er sich da oben in den Sabinerbergen in seine Heiligenlegenden ver­graben.

Andere Sterne tauchten am Himmel der Kunst auf. Rach einigen Jahren kannte man kaum mehr seinen Ramen.

Die Welt vergaß so schnell!

* * *

Vier Kinder schenkte Helene Chlodwig dem Gatten. Dem Erstgeborenen folgte nach zwei Jahren eine Tochter. Dann nochmals eine Toch­ter und als Letztes wiederum ein Sohn. Die Kinder umschwärmten die schöne, berühmte Mutter, wie sie der Vater vergötterte und die Geheimrätin war der Leitstern und Regent des Hauses, wenn Helene auf Reisen war. Die Diva hätte ihre Lieblinge in keiner besseren Hut zurück- lassen fönnen, als in der ihrer Schwiegermutter.

Er hat sein ganzes Herz an seinen Aeltesten verloren", flüsterte die Geheimrätin, als Franke mit dem sechzehnjährigen Hubert den Weg über die Wiesen gegangen kam.Mach fein solch ernstes Gesicht, Helene, er liebt ja alle seine Kinder, aber feinen Aeltesten verdreifacht. In der Zeit, da du fort bist, steht er, wenn sie schon schlafen gegangen sind, an ihren Betten, besieht ihre Gesichter und streicht ihnen die Kissen glatt. Zuletzt neigt er sich über jedes und küßt es. Aber Hubert küßt er auch auf den Mund die andern nur auf die Stirne."

Der Junge ist mir ein Rätsel", sagte Helene kleinmütig.

Ja, nicht wahr? Ganz anders, als die Ge­schwister. Fast wie ein Erwachsener, der Sinn und Zweck und Leid des Lebens bereits erfaßt hat. Du kannst mit ihm sprechen, wie mit einem ge­reiften Menschen. Richts ist ihm fremd."

Frank kam mit seinem Aeltesten auf die beiden Frauen zu, die in ihren Korbstühlen unter den Bäumen Mittagsruhe hielten. Er hatte den Arm um Huberts Schulter gelegt und zeigte auf den piepsenden Vogel, den der Knabe in der gehöhlten Rechten trug.

Er hat da hinten in der Schlucht gelegen, Mutter. Vater will ihn verbinden. Ich will ihn pflegen, bis er wieder heil ist. Gibst du mir etwas Leinen, Großmama, vielleicht auch ein wenig Watte, daß er weich zu liegen kommt?"

Alles, mein Junge!" Die Geheimrätin hatte sich bereits erhoben und ging Sohn und Enkel ins Haus voran.

Helene sah ihnen nach, klemmte die Hand um den Wulst des Stuhles fest und ließ den Kops weit hintenüber sinken. Wo war alle Angst, alle Verzweiflung, alle Furcht geblieben, die sie in sich getragen hatte, als der Knabe unter ihrem Herzen dem Leben entgegenschlummerte?

Richts war in diesen siebzehn Jahren ihrer Ehe trennend zwischen sie und ihr Glück getreten. Jeder Tag war ein gerütteltes Maß von beselig­ter Freude! Rie eine Rächt in Tränen oder Sorge oder Kummer! All die bösen Zeiten hatte Just mit der Mutter allein durchkostet, ohne daß sie, die von Triumph zu Triumph flog, auch nur eine Minute der Sorge zu durchbangen brauchte.

Die Kinder hatten die Masern gehabt, den Scharlach, den Keuchhusten. Just und die Schwie­germutter hatten zu Hause allein um das Leben der Kleinen gebangt und erst, wenn die völlige Hoffnung auf baldiges Genesen gegeben war, hatte der Gatte ihr von der überstandenen Ge­fahr ihrer Lieblinge geschrieben.

Just, der Achtjährige, kam mit Trvmpeten- geschmetter und erhitzten Wangen vom Wald herübergelaufen und warf Säbel und Helm in ihren Schoß. Seine schlanke Person kam nach­geklettert.Sechs Tote liegen drüben in der Schlucht. Mutter Hubert muh sie hernach beerdigen."

Weshalb Hubert?" Helenes Sttmme zitterte etwas.

Weil es sonst keiner kann als er, Mama. Die anderen lachen alle, wenn sie eine Leichen­rede halten. Er aber bleibt ganz ernst. Laß mich jetzt los, bitte! Er strebte von ihrem Schoß zu Boden und lief dem Bruder entgegen, der mit einem Körbchen aus der Türe trat und es behutsam in die Sonne der Veranda stellte.

Begräbst du jetzt unsere Toten?" forschte der Kleine und schaute gleichmüttg nach dem Vogel, der mit kläglichem Piepsen die Flügel zu ge­brauchen suchte. Als Hubert noch einmal an dem Reste rückte, wurde er ärgerlich.Mach schon, sie bleiben mir ja sonst nicht mehr liegen, der Boden ist zu naß."

Kann ich dir den Vogel anverttauen, Vater? Wenn eine Katze kommt, bitte verscheuche sie."

Der Kleine nahm den großen Bruder an der Hand und zog ihn mit sich nach dem Walde, wo die große Schlacht ftattgefunben hatte.

Franke setzte sich neben feine Frau in einen Stuhl und lieh den Blick nicht von den Kindern, bis sie hinter den Bäumen verfchwanden.Er will Arzt werden", sagte er und steckte sich eine Zigarette in Brand.

Hubert?"

Ja! Es ist mir sogar sehr lieb. Er paßt für diesen Beruf. Du hast mir in diesem Jungen etwas geschenkt, Helene, das unter tausend Vätern kaum einem wieder zuteil wird. Er ist mir Sohn und Freund und eher mir Halt und Stütze, als ich ihm, trotzdem er erst in sein sechzehntes Jahr geht. Du muht in der Zeit, in der du ihn mit deinem Leibe umschlossen hieltest, wie ein Heiligtum gewesen sein, aus welchem diese seltene Blüte zum Lichte reifte."

(Fortsetzung folgt.)