Oie Landvolkpartei für eine Rechisregierung.
Berlin, 17. Sept. (CAD.) Ein Mitarbeiter der „Deutschen Tageszeitung" hatte Gelegenheit, mit dem Parteiführer der Christlich-Nationalen Bauern- und Landvolkpartei Höfer über das Ergebnis der Reichstagswahlen zu sprechen. Dieser erklärte u. a. folgendes: Das Wahlergebnis im ganzen bedeutet für mich keine Befriedigung. 3d> hatte der deutschen Wählerschaft mehr realpolitisches Denken zugetraut, als daß sie in diesem Llmfang auf die Zukunftsversprechungen der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei sich einlassen würde. Dom Standpunkt der Christlich-Nationalen Bauern- und Landvolkpartei allein könnte man mit dem Ergebnis einigermaßen zufrieden fein; denn ihr ist es gelungen, gegenüber der Reichstagswahl 1928 ihre Stimmenzahl und damit die Zahl der Abgeordneten mehr als zu verdoppeln. Die Lage im Reich beurteile ich dahin, daß eine andere Möglichkeit als die einer Rechtsregierung von der Deutschen Volkspartei über das Zentrum bis zu den Nationalsozialisten nicht gegeben ist. Die Christlich-Nationale Dauern- und Landvolkpartei wird etwaigen Anregungen von dritter Seite, sich an einer Großen Koalition mit den Sozialdemokraten zu beteiligen, ein kategorisches „Nei n“ entgegensetzen.
Oer Iung-euische Orden nach der Schlacht.
Ein Aufruf MahraunS.
Berlin, 17. Sept. Der Hochmeister des Jung- deutschen Ordens Artur Mahraun wendet sich in einem Aufruf an die Brüder und Schwestern des Ordens, in dem es u. a. heißt:
Die Erwartungen, die wir für die Deutsche Staatspartei hegten, sind nur zum Teil eingetroffen. Die Schaffung einer aktiven Mitte zeigt sich heute notwendiger denn j e. Bei der Lage der Dinge und bei der Kürze der Zeit konnten wir nur den Kern dieser Bewegung schaffen. Die Wahlen haben mit aller Deutlichkeit gezeigt, daß die Bekämpfung des Marxismus mit den bisherigen Methoden der bürgerlichen Parteien vollkommen unwirksam ist. Durch diese Methoden ist der Marxismus nur gestärkt worden. Die nationalsozialistische Propaganda hat weite Volkskreise mit sozialistischen Gedankengänge erfüllt. Es liegt die ungeheure Gefahr vor, daß diePcher kom- mende Enttäuschung auf der radikalen Rechten ein noch größeres Anschwellen der marxistischen Bewegung zur Folge hat. Um so notwendiger ist es, jetzt schon die Aufnahme st ellung zu organi- fieren. Die Mitte ist in ihrer früheren Gliederung und Gestalt nicht in der Lage, diese entscheidende Aufgabe zu erfüllen. Darum muß sie auf eine vollkommen neue Grundlage gestellt werden. Die Voraussetzung dafür ist die Schaffung einer willensstarken und tatkräftigen Staatsbürgerbewe- gung. Es war notwendig, die Neuordnung der Mitte auf ihrem linken Flügel zu beginnen. Obwohl dies für euch Jungdeutsche eine besondere schwie- rige Aufgabe war, habt ihr sie mit einer Disziplin erfüllt, der selbst der Gegner die Achtung nicht versagt hat. Jetzt beginnt für euch die neue Aufgabe, eine lebendige Staatsbürgerbewegung zu schaffen, welche einer zielbewußten, aktiven, sozialen und nationalen Mitte das Vertrauen weiter Volkskreise gewinnt. Ein neuer Wahlkampf kann sehr bald notwendig werden. Er soll uns gerüstet finden. Wir wollen ihn mit einer Bewegung führen, die keine Lauheit kennt, die alles Ueberlebte und Erstarrte über Bord geworfen hat.
Oie $raffion der Siaaispariei.
Berlin, 17. Sept. Die Reichslagsfraktion der Deutschen Staatspartei wählte in ihrer heutigen ersten Fraktionssihung im Reichstag den Abg. Dr. August Weber zum Frak» tionsvorsitzenden, und zu steUvertretenden Dor- sitzenden die Abgeordneten Bornemann, Frau Dr. Bäumer und Oskar Meyer. Es verlautet, daß der bisherige Fraktionsvorsihende, Staatsseftetär Meyer und der Parteivorsihende Mert darauf gelegt hätten, daß die Reichstagsfraktion der neuen Partei auch von neuen Männern geführt werde. 3n der Wahl Dr. August Webers zum Fraktionsvorsitzenden sieht man ein Anzeichen, daß die Staatspartei auf Grund der Wahlerfahrungen den Gedanken des bürgerlichen Zusammenschlusses weiterverfolgen will. Dr. August Weber ist ein alter nationalliberaler Parlamentarier, der vor dem Kriege als Steuersachverständiger der nationalliberalen Fraktion bei der Finanzreform des Jahres 1909 eine große Rolle spielte. Das Amt des Geschäftsführers wurde dem Abgeordneten Theodor H e u h übertragen. Die staatsparteiliche Reichstagsfraktion ist die erste, die sich nach der Neuwahl konstituiert hat.
Oie Berufe der nationalsozialistischen Abgeordneten.
Konnte man schon aus den Wahlvorschlägen erkennen daß sich die nationalsozialistischen Reichstagskandidaten in großer Zahl aus Beamten und Lehrern zusammensetzden, so zeigt die Liste der gewählten nationalsozialistischen Abgeordneten beinahe das gleiche Bild. 13 Nationalsozialisten find Lehrer und Studienräte, 13 sind Beamte, unter ihnen zahlreiche Postbeamte, 14 Nationalsozialisten gehören der Landwirtschaft an, 11 sind Kaufleute, 11 ehemalige Offiziere und weiter zählt man unter ihnen 10 Arbeiter 12 Angestellte, 8 Schriftsteller und Journalisten, 3 Rechtsanwälte und drei die freien Berufen angehören. Don bekannteren Namen sind Dr. Goebbels, Hauptmann Göring, Studienrat Dr. Loepel- mann, Kube, Stöhr, Dr. Frick, Straßer. Münch- meyer, General von Epp und Gras zu Reventlow zu nennen.
Oie Krauen im neuen Reichstag.
Trotz der Befürchtungen, daß die Zahl der weiblichen Abgeordneten bei den letzten Wahlen zurückgehen könnte, sind in den neuen Reichstag sechs Frauen mehr eingezoge n als es im vergangenen Reichstage der Fall war. Insgesamt macht die weibliche Beteiligung 6,78 K aus, wobei allerdings den Hauptanteil ksparteien haben. Die meisten Frauen haben die Sozialdemokr aten in das Parlament delegiert, die mit 16 Frauen an der Spitze stehen. Es folgen sodann die Kommunisten mit 13 Abgeordnetinnen, das Zentrum hat
5 Parteien in 5 Reichstagen.
und des Landwiks
Sozialdemokraten
D&Mnational
Zentrum
+++^ommun/sfen
ooooo Nationalsozialisten
_______________L,
160 150 IW 130 120 110 100
30
20
10 0
Oer Versailler Vertrag und der neue Kurs in Deutschland.
Ein Warnruf aus Amerika.
Die amerikanische Oesfentlichkeit beschäftigt sich im zunehmenden Maße mit dem Ergebnis Der deutschen Wahlen und kommt dabei zu dem Schluß, daß der jetzige Zustand unter keinen Umständen mehr lange aufrechterhalten werden kann. 3n der Hearst-Presse, die schon seit langer Zeit den Gedanken der Revision der Friedensverträge verficht, heißt es wörtlich: „Eine Gefahr, die jetzt selbst Halbblinde sehen, hätte Erupa schon lange vorher erkennen sollen. Der Der- sailler Vertrag, der dazu bestimmt war, die deutsche Nation verbluten zu lassen, ist ebenso dumm wie brutal. Er saugt alljährlich in Hunderten von Goldmillionen das Lebensmark aus der deutschen Industrie. Er bedeutet lange Arbeitszeit für jeden Deutschen, Entmutigung für Volk und Einzelmenschen. Keine Nation wird das auf die Dauer aushalten, keine kann es aushalten. Wenn die Alliierten in Dersailles mit voller Lieberlegung die Bolschewisie- rung Deutschlands geplant hätten, hätten sie es nicht besser und erfolgreicher tun können. Jetzt ist es an der Zeit, die Torheit und das Derbrechen des Dersailler Ver- trages ungeschehen zu machen und die schwere und untragbare Last vom Rücken des deutschen Dolkes zu nehmen. Es wird zu spät sein, wenn sich Deutschland wirklich Rußland und der bolschewistischen Politik zuwendet."
In der „New Pork Wold" heißt es, daß Hindenburg und Brüning heute vor der Wende in Deutschland stünden, an der 1917 in Rußland Kerenski und 1921 in Italien Giolitti und Facta gestanden hätten. Es frage sich, ob in Deutschland der revolutionäre Sozialismus, das katholische Zentrum
und die übrigen Parteien der Mitte begriffen, daß die Zeitenwende Außerordentliches von ihnen verlange. Hindenburgs und Brünings Aufgabe wäre viel einfacher, wenn sie mit einem Bufleben der Wirtschaft rechnen könnten. Da aber ein Winter bitterer N o t bevor- stehe, hätten jetzt England und Frankreich eine große Verantwortung. Sie seien zwar nicht imstande, die wirtschaftliche Lage zu ändern, aber sie könnten das Prestige der republikanischen Regierung in Deutschland erhöhen oder beeinträchtigen. Frank- reich sei der Meinung, daß es vor kurzem Deutschland mit der Rheinlandräumung eine große Konzession gemacht habe. Vor fünf Jahre n wäre die Rheinlandräumung in der Tat eine große Konzession gewesen. So aber hätte sich der extreme Nationalismus in Deutschland entwickeln können, während Frankreich zögerte. Die Stützung der deutschen Republik und die Aufrechterhaltung der gegenwärtigen Ordnung in Europa schienen in der von Henderson angedeuteten Richtung zu liegen, nämlich in der Anerkennungdesdeutschen Anspruchs auf die Gleichheit der Rüstungen durch eine wirkliche Verminderung der europäischen Rüstungen.
Diese amerikanischen Stimmen sind zweifellos be- achtlich. Denn sie beweisen, daß man dort die G e - fahren der europäischen Lage, die sich unter den Friedensdiktaten immer mehr verschärfen werden, besser erkennt, als in Europa, wo man entweder das einmal bestehende Rechtsverhältnis zäh ver- teidigt oder sich bestenfalls ganz schüchtern für eine Revision ausspricht. Den Franzosen werden diese Aeußerungen nicht angenehm in den Ohren Hingen, zumal sie nicht nur in der Hearst-Presse stehen, deren Widerstand gegen die französische Politik verständlich ist, sondern auch in vielen anderen amerikanischen Blättern.
vier Frauen aufzuweisen, die Deutschnationalen verzeichnen zwei weibliche Abgeordnete und die Deutsche Dolkspartei konnte nur eine Parlamentarierin in den Reichstag delegieren. Staatspartei und Bayerische Dolkspartei, sowie die Christlich-Sozialen sind ebenfalls durch je eine Frau vertreten. Dagegen weisen die Wirtschaftspartei, die Konservativen, das Landvolk, die Deutsche Bauernpartei, der Landbund, die Deutsch-Hannoveraner und die Nationalsozialisten keine Frauen auf.
Oie Erneuerung des Völkerbundsrats.
Genf, 17. Sept. (Sil.) Die Völkerbund sder- fammlung hat an Stelle der ausscheidenden nichtständigen Ratsmitglieder Kanada, Kuba und Finnland für die nächsten drei 3ahre Guatemala, Norwegen und 3 r l a n d zu Mitgliedern des Dölkerbundsrats gewählt. Guatemala erhielt 43, Norwegen 38 und 3rland 36 Stimmen. Portugal hatte bei der Abstimmung 30 Stimmen erhalten. Der Versuch der chine- s i f ch e n Regierung einen nichtständigen Sih im Völkerbundsrat zu erhalten, ist mißglückt. Die Völkerbundsversammlung hat den Antrag Chinas, noch vor dem satzungsmäßigen Ablauf der dreijährigen Frist, von neuem in den Völkerbundsrat gewählt zu werden, ab gelehnt. Die zur Erklärung der Wiederwählbarkeit einer Macht notwendige Zweidrittelmehrheit konnte nicht erreicht werden, da China nur 27 von 48 abgegebenen Stimmen erhielt. Die Ablehnung des chinesischen Antrages wird darauf zurückgeführt, daß die gegenwärtigen inner- politischen Zustände in China keine genügende Gewähr für eine feste Regierung bilden und deshalb die allgemeine Stimmung in der Völkerbundsversammlung für China nicht günstig war.
Im Abrüstungsausschuß.
Finanzielle Hilfe angegriffener Staaten.
Genf, 17.Sept. (TU.) Nach dem Abschluß der Generalaussprache sind am Mittwoch die Aus- « Uo?? erhandlungen ausgenommen worden.
. ^lbrustungsausschuß, dessen Vorsitz der griechische Gesandte P o l i t i s führt, wurde das Abkommen über die finanzielle Hilfe an- gegriffener Staaten behandelt. Die englisch, französischen Gegensätze traten erneut unvermindert Zutage, so daß die Verhandlungen zunächst ergeb- Ulslos abgebrochen und die Regierungen aufgefordert wurden, neue Vorschläge einzureichen. Frankreich will durch das Abkommen ein neues Kriegsinstrument schaffen und bezweckt, angegriffe-
nen Staaten weitgehende finanzielle Mittel der hierzu verpflichteten Signatarstaaten zur Verfügung zu stellen, während die englische Regierung das Abkommen lediglich als allgemeines D r o h m i 11 e l betrachtet. Die Hauptstreitfrage ist jedoch die Feststellung des Angreifers in einem Kriegsfall.
Aufhebung
-er Kapiialeriragssteuer.
Berlin, 17. Sept. (TU.) Der Reichstagsausschuh für die Wahrung der Rechte der Volksvertretung (Ueberwachungsausschuh) trat unter Vorsitz des Abg. Henke (Soz.) zusammen, um einen Verordnungsentwurf über die Aufhebung der Kapitalertragssteuer bei fe st verzinslichen Wertpapieren zu beraten. Ein sozialdemokratischer Antrag, die Entscheidung über diesen Gegenstand dem neuen Reichstag zu überlassen, wurde abgelehnt. Nach längerer Aussprache wurde die Verordnung unverändert in der Fassung der Regierungsvorlage gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten angenommen.
Die Verordnung besagt: Der Steuerabzug vom Kapitalertrag wird für die Beträge aus festverzinslichen Wertpapieren und aus Vorzugsaktien der Deutschen Reichsbahngesellschaft nach näherer Maßgabe der Paragraphen 2—4 auf* gehoben. Festverzinsliche Wertpapiere im Sinne dieser Verordnung sind Anleihen, die in öffentlichen Schuldbüchern eingetragen sind, Anleihen, über die Deilschuldverschreibungen ausgegeben sind. Diese Verordnung gilt erstmals für Kapitalerträge, die nach d e m 2. 3 a n u a r 19 31 f ä 11 i g> werden.
Die Verordnung, die von der Regierung schon dem alten Reichstag vorgelegt worden war, konnte von diesem nicht verabschiedet werden, weil an demselben Tage, an dem der Dteuer- ausschuh darüber beraten wollte, der Reichstag ausgelöst wurde. Die Zusammensetzung »des ileberwachungsausschusses entspricht noch der Fraktionsstärke des ausgelösten alten Reichstags. Die Nationalsozialisten sind in ihm nicht vertreten.
Aus aller Welt.
Tagung für Denkmalpflege und Heimatschuß.
3n den Tagen vom 16. bis 20. September findet in Köln die Tagung für Denkmalpflege und Heimatschutz statt. 3n den Vordergrund hat man den „Kölner Dom" gestellt. Nach Degrü- ßungswvrten des Vorsitzenden, Geheimrat Clernen, Bonn, hielt Professor Drinckmann, Köln, einen Vortrag über „Kathedralen und
Städte". Prof. Dr. Sauer, Freiburg, sprach über „Der Kölner Dom als Gotteshaus und Baudenkmal". Dombaumeister Oberbaurat G ü l - denpfennig, Köln, gab einen Äeberblick über den Derwitterunaszustand des Domes und ging namentlich den Ursachen der Verwitterung nach. Anschließend behandelte der Konservator der Kunstdenkmäler, Ministerialrat Dr. Hiecke. Berlin, die Fragen der Denkmalpflege am Kölner Dom. Es handele sich darum, ob man sich mit statischen Sicherungen begnügen könne oder ob man Vereinfachungen anstreben solle.
Hauptversammlung
der deutschen Geschichts- und Archivvereine.
Unter Teilnahme zahlreicher Vertreter der Staats-, Landes- und Stadtarchive Deutschlands, der Schweiz und Oesterreichs, wurde in der Wiener Universität die Hauptversammlung deS Gesamtvereins der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine und Archivvereine durch den Vorsitzenden Geheimrat Wolfram, Frankfurt a. M.» eröffnet. Bundespräsident Miklas hieß die Gäste willkommen und feierte unter Hinweis auf die geschichtliche Bedeutung Wiens und die innige Verbundenheit der Deutschen im Reich und in Oesterreich die erfolgreiche Tätigkelfches Geschichtsvereins für das Deutschtum. Nach Ansprachen des Bundeskanzlers Schober, des Unterrichtsministers 3nniher, des deutschen Gesandten Grasen Lerchenfeld, des Generaldirektors der Preußischen Staatsarchive Professor B r a ck- mann begannen die Vorträge über geschichtliche Fragen.
75. Reichstagung des Gustav-Adolf-Vereins.
Unter dem Vorsitz des Geheimrats Dr. Rend- t o r f f fand in Stuttgart die Hauptversammlung des Gustav-Adolf-Vereins statt. Kirchenrat Kübel Frankfurt a. M. sprach üoer die Wirkung der jährlichen Hauptversammlungen des Vereins. Im Jahresbericht fehle ein ins einzelne gehender Bericht über die Auslandsdiaspora. Prälat Dr. Hoffmann teilte mit, daß nach Erfüllung sämtlicher Verpflichtungen dem Zentralvorstand vom württembergischen Kirchenoolk die Summe von 165 000 Mark zur Verfügung gestellt werden könne. Kirchenrat Dr. Wurm überreichte 5000 Mark aus dem Schwabenland. In den Stuttgarter Kindergottesdiensten und Sonntagsschulen wurden 1200 Mark gesammelt, die in 100 schwedischen Zündholzschachteln in hundert Zeppelintalern überreicht wurden. Sodann überbrachte Arbeitsgemeinschaft der Stuttgarter Jugendverbände ebenfalls eine Spende. Als Kinderliebesgabe aus Schlesien, der Pfalz, Bayern, Sachsen, Rheinland, Hessen, Württemberg usw. überreichte Pfarrer Uhlich-Bremen die Summe von 46 600 Mark dem Zentralverein. Sodann folgte die Uebergabe der Festesstiftung der deutschen und württembergischen Frauenoereine der Gustav-Adolf-Stiftung, die 30 800 Mark beträgt Weiter wurden Taufgeräte und Altardecken dem Zentraloorstand übergeben. Der Vorsitzende dankte allen Spendern. Die Hauptliebesgaben erhielten Berndorf in Oesterreich, San Leopolde» in Rio Grande, do Sui und Sorau in Ostoberschlesien. Als Ort für die nächstjährige Tagung wurde Osnabrück festgesetzt.
Sfaateminiffer a. D. von Loebell 75 Jahre alt.
Am 17. September beging Staatsminister a. D. o. Loebell, der jetzt als Domherr im Domstift zu Brandenburg (Havel) seinen Wohnsitz hat, seinen 75. Geburtstag, v. Loebell, der 1855 in Lehnin geboren wurde, war unter Fürst Bülow Unter- staatssekretär der Reich skanzlei und nach dem Rücktritt Bülows Oberpräsident der Provinz Brandenburg. 1910 nahm er seinen Abschied. Von 1914 bis 1917 war o. Loebell preußischer Innenminister. Im Jahre. 1920 übernahm Exz. v. Loebell das Präsidium des Reichsbürgerrates und war dann bei der Wahl des Reichspräsidenten von Hindenburg Vorsitzender des Reichsausschusses.
Wichtige Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Berlin.
Vor der 8. Kammer des Landesarbeitsgerichts Berlin-Brandenburg siegten heute die Brandenburger Brennabor-Werke gegen den Gewerkschaftsbund der Angestellten. In dem Rechtsstreit handelt es sich um die Frage, ob während Der Dauer eines Tarifvertrages Ver- kürzung der Arbeitszeit bei gleichzeitigem Gehaltsabbau zulässig ist oder nicht. DieArbeitsgerichteBrandenburg und Berlin hatten im at d. I. gegen die Bergmann Elektrizitätswerke iskürzung bei Einführung von Kurzarbeit für unzulässig erklärt, das Landesarbeitsgericht aber kam zugunsten der Brennabor-Werke zu der entgegengesetzten Auffassung. Der Angestell- tenverband wurde kostenpflichtig abgeroiefen. In Betracht kommt jetzt nur noch Einlegung der Revision beim Reichsarbeitsgericht. Das Urteil des Landesarbeitsgerichts ist von Bedeutung für den Angestelltenkonflikt in der Berliner Metallindustrie.
Schweres Unglück an einem Bahnübergang.
Bei Groh-Pöchlarn (Nieder-Oesterreich) wurde bei der Bahnüberführung gegen Brunn ein Lastauto von dem V-Zug Wien — Paris erfaßt, einige hundert Meter weit mitgeschleift und zertrümmert. Der Führer des Autos wurde schwer verletzt. Der Besitzer des Autos sowie ein mitfahrender Kaufmann wurden getötet. Das Unglück ist darauf zurückzuführen, daß die Bahnschranken nurhalb herunter- gelassen waren, so daß der Führer deS Autos glaubte, die Gleise passieren zu können.
Pest in der Rordmandschurei.
3n der Nordmandschurei ist die Deulenpest ausgebrochen und breitet sich in der Richtung auf Tsitsikar aus. Es sind bereits einige hundert Todesfälle zu verzeichnen. Der Bevölkerung hat sich große Unruhe bemächtigt.
Kohlenfelder im ehemaligen Deutsch-Ostafrika.
Im südlichen Teil von Tanganjika (dem ehemaligen Deutsch-Ostafrika) wurden reiche Koh- lenfelber mit Hunderten von Millionen Tonnen bituminöser Kohle entdeckt. Die Flöze erstrecken sich stellenweise über 20 Kilometer an der Erdoberfläche. Von Sachverständigen wird die sofortige Ausbeute dieser Kohlenfelder als lohnend bezeichnet.
Dynamilexplofion
in einer amerikanischen Pulverfabrik.
5000 Pfund Dynamit der Alaska-Pulvev-Gesell- schäft flogen in Everett (USA.) in die Luft, kurz nachdem die Mehrzahl der Arbeiter die Fabrik- anlagen verlassen hatte. Die Explosion z e r ■ ft ö r t e die Fabrik und richtete meilenweit in der Umgegend Schaden an. Mehrere Personen werden vermißt, zahlreiche wurden verletzt. Der infolge der Explosion entstandene Brand droht weitere 8000 Pfund Nitroglyzerin zur Explosion zu bringen.


