Nr. 191 Zweites Blatt
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberheflen)
Montag,-18. August 1950
Turnen, Sport und Spiel.
Die Dolkslurnmeisterschasten der ST.
Als am SamStagvormittag auf dem Platze des TB. Leipzig-Connewitz die Volkstum- meisterfchasten der Dcutlchen Turnerfchaft ihren (Beginn nahmen, öffnete auch der Himmel leine Schleusen, und alle Aussichten auf die Srzie- lung hochstehender Leistungen schienen dahrnzu- schwinden. Trotz Regen und Wind brachte aber der Tag doch eine Reihe von sehr feinen Leistungen, sogar einige neue DT. - Höchstleistungen konnten registriert werden. So wartete Frl. Heuvelmann. Köln, im Weit- sprung mit 5,69 Meter mit einem neuen DT-Rekord auf, eine zweite DT - Höchstleistung bot Frl. S t o ck h o r st i.n Schlagl^allwei'.wcrftn mit 76.64 Meter, infolge der starken Regengüsse konnte das Programm des ersten Tages nicht vollständig zur Abwick- lung gebracht werden.
Ergebnisse deS Samstags:
200 Meter 1. LammerS. Oldenburg. 22 Sekunden 2. Rlährlein, Mainz. 22,3 Sekunden. 3. Appel, TFC. Ludwigshafen. 22,5 Sekunden.
öt ein ft oben, beidarmig: 1. Lingnau. Dort- mund, 17,99 Meter. 2. Welzel, Tschernitz, 16,95 Meter 3. Kraft, Buchholt (Sachsen). 16,49 Me- ter. — Beftarmig: 1. Lignau, Dortmund. 10,30 Meter. 2. We^el, Tschernlh. 9,92 Meter. 3. Langbein, ilnterlinb. 9,50 Meter.
Sechskamps der Turner: 1. Herbert, Dulst, 21TB. TreSlau. 548 Punkte (100 Meter in 11,9 Sek., 1500 Meter in 4:52,2 Min., Steinst oh en 9.02 Meter, Schleuderball 56,40 Meter. Hochsprung 1.60 Meter. Weitsprung 6,60 Meter». 2. Welzel, Tschernitz. 544 P. 3. D. Pein- ter. Lustenau. 542 Punkte.
Dierkampf der Turnerinnen: l.M. Wittkowski, Charlottenburg. 462 Punkte (100 Meter in 12,7 Sek.. Hochsprung 1,47 Met.. Weitsprung 5.32 Meter. Kugelstoßen 10,21 Meter). 2. ®. Mauermayer, München, 413 Punkte. 3. Cent Thymm. Leipzig, 409 Punkte.
Weitsprung für Frauen: 1. T. Heuvelmann. Köln, -.69 Meter (neue DT.-Höchst* leistung). 2. Wittkowski, Charlottenburg, 5,51, 3. Mauermayer, München, 5,29 Meter.
Hochfprung für Frauen: 1. Frl.Rotte, Düsseldorf, 1:52,5 Meter. 2. Geiling. Hamburg, 1,47 Meter. 3. D. MelcherS, Altenessen, 1,47 M.
Oie Wettkämpfe am (Sonntag.
Die Kämpfe um die DolkStummeisterschaften in Leipzig hatten auch am Sonntag stark unter dem regnerischen Welter zu leiden. Dennoch find auch in diesem Jahre wiederum einige Best« leistungen zu verzeichnen. So verbesserte Frl. Rotte ihren eigenen DT -Rekord im Hochsprung auf 1,57 Meter. Frl. Schumann, Essen, stellte mit 40,55 Meter im Speerwerfen sogar einen neuen Weltrekord auf. der jedoch international nicht anerkannt werden wird, da die DT. nicht dem internationalen Verband angeschlossen ist. Gut war auch die Zeit von 10,4 Sekunden, in der LammerS auf der nicht gerade idealen Bahn tue 100-Meter-S trecke zurücklegte.
Tic Ergebnisse deü sonntags.
Manner.
100 Meter. 1. LammerS (Oldenburg) 10.4 Sek.: 2. Pflug (Schöneberg) 10,8; 3. Lösert (Ludwigshafen) 10,9.
40 0 Meter: 1. Ahlmeyer (Herne) 50,5 Sek.; 2. Peyold (Schönebergl 52,2; 3. Maerdten (Leverkusen) 32,3.
800 Meter: 1. Vach (Kasseler TD.) 1:58.4; 2. Scherer (Tv. Rümberg) 2.-01; 3. Winkler (Karlshorst) 2:03.
1500 Meter. 1. Dach (Kassel) 4:12.2; 2. Rft (Berlin) 4:13,7; 3. Prowattke (Frankfurt. Oder) 4:13.7.
10 000 Meter: 1. Rake (Llpolda) 32.43.2 (neue DT.-Höchstleistung); 2. Köpf (Prvnten) 32:55.5 ; 3. Daebel (Berlin) 34:155.
110 Meter Hürden 1. DahmS (Osnabrück) 15.6; 2. Scholz (Berlin) 15.7; 3. Fiedler (Danzig) 15.8.
Marathonlauf: 1. Sehr (Dülken) 2:46,50; 2. Haff au (Schönebeck) 2:52.28; 3. Tietz (Berlin) 252.29.
Kugel st osten, bestarmig: 1. Lingnau (Dortmund) 14,07 Meter; 2. Schwald (Kottern) 13.42 Meter; 3. Langbein (UnterlinZ)) 13,36; beidarmig: 1. Lingnau 25,21 Meter; 2. Wengenroth (Frankfurt a. M.) 23,59 : 3. Voth (Lichterfelde) 22,93.
Zehnkampf: 1. Wegener (Odermünde) 906 Punkte; 2. Scholz (Berlin) 849; 3. IakobS (Fulda) 809 Punkte.
Olympische Staffel: 1. Kasseler Turn- gemeinde 3:37.9 Minuten; 2. Schöneberger TSE. 3:44,7 Minuten; 3. ATD. Dresden 3:46,6 Min.
Speerwerfen, be barm g: Grospih (Emmerich 93.43 Meter; 2. Zentsch (Raumburg) 80,60. 3. Pfingst (Dreckerfeld) 79.77 Meier.
5 000 Meter: 1. Syring (Wittenberge) 15:312 Min.; 2. Gebhardt (Mitteldorf) 15:54; 3. Dittrich (Leipzig) 16:00,8 Minuten.
4x100 Meter: 1. Turn- und Fechtklub Ludwigshafen 43,4 Sekunden; 2. T. i. D. Berlin 435 Sek.; 3. TD. Saarbrücken 43,5 Sekunden. — 4x400 Meter: 1. TSV. Schöneberg 3:28,7 Minuten; 2. Kasseler TD. 3:30.4; 3. Friesen Berlin 3 32.1 Min.; 4 DorwärtS Frankfurt-Docken- heim. — 3x1000 Meter: 1 ATD. Breslau 8:03,6 Minuten; 2. ATV. Berlin 8:05,1 Min.; 3. Koblenzer TD. 8:07,1 Minuten.
Die Freie Turnerschaft Gießen hatte ich für Samstaa abend eine Stabt mann- chaft Brüssels, die sich auf einer Fußballreise >urch Deutschland befand, zu einem Freundschafts« piel verpflichtet. 2Iuf dem Waldsportplatz des 23. f. B. hatte sich eine stattliche Zuschauerzahl — es mögen wohl 1400 bis 1500 Personen gewesen fein — eingefunöen.
Lebhaft begrüßt betraten die ausländischen Gäste das Feld, denen die Einheimischen folgten. Hier hieß der Vereinsoorsitzende die Gäste willkommen. Ober« regierungsrat Ritzel begrüßte im Namen der Staatsbehörden die Gäste, während im Namen der städtischen Behörden Schulrat Fischer will« kommen hieß. Nach dem Dank des Vertreters der Gäste für die freundliche Aufnahme und dem Austausch von Blumensträußen begann
das (Spiel.
Die Gäste, die den Wind zum Bundesgenossen gewählt hatten, fingen den Anstoß der Einheimi« schen ab. Zn olanoollen Angriffen trugen sie dann Angriff auf Angriff gegen das Tor der Einheimischen vor, doch deren Verteidigung leistete gute Abwehr. Allmählich sand sich dann auch Gießen, in prachtvollen Angriffen schickte der Mittelläufer seinen Sturm vor, doch immer war es die rechte Seite, welche die schönsten Angriffe zu Wasser werden ließ. Das Spiel war nun vollständig gleichwertig. Keiner Partei wollte es gelingen, das Netz des Gegners zu finden. Auch eine für Brüssel gegebene Ecke wurde gut getreten, aber vom Hüter
Diskuswerfen, bestarmig: 1. Lingnau (Dortmund) 41,27 Meter; 2. Thönisfen (Düsseldorf) 39.89 . 3. Johne (Hamburg» 38,19 Meter; bcibarmig: 1. Lingnau 74,03 Meter; 2. Voigt (Lichterfelde) 89,40 ; 3. Zabel (Leipzig) 66.06.
3 raum.
10 0 Meter: 1. Gericke, Spandau, 12,4 Sek.; 2. littet, Geppersdorf, 12,5 Sek.; 3. Wolff, Wandsbek. 125 Sekunden.
Diskuswerfen: 1. Biesenthal, Berlin, 34,55 Meter; 2. Wittkowski, Charlottenburg. 34,30 Meter; 3. Geiling, Hamburg, 32,76 Meter.
Äugel ft oben, beidarmig: Windsheimer, Würz« bürg, 22,46 Meter; 2. Herrmann, Köln, 21,76 Meter; 3. Wüst, Mundenheim, 19,34 Meter.
Speerwerfen, beftarmig: 1. Schumann, Essen, 40,55 Meter (Weltrekord); 2. Richters, Wischhagen, 36,65 Meter; 3. Wittkowski, Charlottenburg, 34,67 Meter.
4X100 Meter: 1. TSV. Schöneberg, 51,4 Sek.; 2. Hamburger Turnerschaft, 51,9 Sek.; 3. ATD. Leipzig, 52 Sekunden.
Kugelstoßen, beftarmig: 1. Windsheimer, Würzburg, 12,51 Meter; 2. Herrmann, Köln, 12,25 Meter; 3. Wüst, Mundenheim, 11:48,5 Meter.
Weitere Ergebnisse der Männer.
Speerwerfen (bestarmig): 1. Macke. Bockenem. 61,70 Meter. 2. Dinkler. Remscheid. 61,63 Meter. 3. Raddatz, Berlin, 58,62 Meter.
Stabhochsprung: 1. Müller, Cannstatt. 3.67 Meter (außer Konkurrenz 3,77 Meter). 2. Faupichler. Schöneberg. 3,62 Meter. 3. Rogener, Dortmund. 3,47 Meter.
Weitsprung: 1. Sieg. Schöneberg. 7.08 Meter. 2. Peintner, Lustenau, 7,05 Meter. 3. Dölmke, Dortmund. 6,95 Meter.
Hochsprung: 1. Haag, Göppingen, 1,83 Meter. 2 Dreistigacker, Langenberg, 1,78 Meter. 3. Bornhöfft, Limbach, 1,78 Meter.
Schleuderba ll: 1. Meister, Rodenkirchen. 61,54 Meter. 2. Hehnen, Westerstedt, 60,25 Meter. 3. Wengenroth, Frankfurt a. M.. 59,40 Meter.
der Einheimischen abgefangen. Bis Halbzeit blieb jeder Erfolg aus.
Halbzeit 0.-0.
Nach Seitenwechsel lag Gießen mehr im Angriff, doch die ballsichere Verteidigung der Gäste, im Der« ein mit der fünfen Läuferreihe, ließ die Einheimischen nicht 3um Erfolg kommen. Dann waren es wieder die Gäste, die dem Tore der Einheimischen gefährliche Besuche abftatteten. In der Mitte der zweiten Halbzeit wurde eine von Belgien gut getretene Ecke vom Hüter Gießens schlecht abgewehrt und im Nachschuß unhaltbar zum Führungs- t o r verwandelt. Nach Wiederanstoß ging Gießen stark aus sich heraus, manchmal hing der Ausgleich in der Luft, doch versiebte der Sturm die sichersten Sachen, oder sie wurden eine Beute des flinken Hüters der Gäste. Brüssel erzwang noch mehrere Ecken, die aber nichts einbrachten. Auch im Endspurt blieben die Erfolge aus, und konnten die Gäste mit 1:0 Toren als glücklicher Sieger das Feld verlassen.
Mannschaftskritik.
Die G ä st e stellten eine flinke, körperlich ausge- glichene Mannschaft, die das hohe Spiel pflegt und durch ihr gutes ftopffplel immer wieder den Ball vorbrachte. Hüter und Verteidigung waren sehr gut, auch die Läufereihe, von denen der linke Läufer heroorragte, leistete gute Zerstörungsarbeit. Auch der Sturm war sehr flink, doch im entscheidenden Moment zu weich.
Gießen lieferte ein gutes Spiel und war auf
Belgische Kuß-aller in Gießen.
Arbeiter-Turn- und Sportbund. — Gießen—Brüssel 0:1 (0:0).
allen Posten gut besetzt, nur der Rechtsausten fiel hiervon ab.
Dor diesem Spiel standen sich die Iugendmann- ichasten Gießens und W i e s e ck s gegenüber. Dieses Spiel konnte Gießen mit 2:1 Toren für sich entscheiden.
70. Geburtstag von Exz. Lewald.
Berlin. 18. Äug. (WTB.) Der Reichspräft- dent hat dem Vorsitzenden des Deutschen Reichsausschufses für Leibesübungen, Staatssekretär a. D. Dr. Lewald, zu seinem heutigen 7 0. Geburtstag den Adlerschild des Reiches verliehen und in einem Glückwunschschreiben feiner Verdienste um das Deutsche Reu- und um die Förderung dcS deutschen Sportes mit großer Anerkennung gedacht. Auch Reichs- miniftcr Dr. Wirth und leitende Beamte des ReichSmini steriumS deS Innern haben Glückwunschschreiben gesandt.
Käst 27 Tage in der Lust.
Reuhork, 17. Aug. (WTB) Die Flieger 3adf on und O'Brien sind heute, nachdem sie mit ihrem Flugzeug 6 4 7 Stunden 28 Minuten, also fast 27 Tage ununterbrochen in de r L u f t gewesen find, auf dem Flugplatz von St. LouiS gelandet und von einer begeisterten Menge jubelnd begrüßt worden. Sie haben damit die bisherige Welthöchstleistung der Gebrüder Hunter, die 554 Stunden betrug, ganz gewaltig überboten.
Das Endergebnis des Europa-Rundfluges.
Don dem Veranstalter des diesjährigen öu * ropa-RundflugeS, dem Aero-Club von Deutschland, wird jetzt die endgültige Placierung der Konkurrenz bekanntgegeben. Sie bedarf noch der Bestätigung der 3ntcrnatio- nalen Kommission und des Deutschen LustrateS. Die Klassierung lautet: 1. Morzik. Deutschland. 427 Punkte; 2. Poß, Deutschland, 423 P.; 3. Rotz. Deutschland, 419 P; 4. Miß Soooner. England. 416 P; 5. Polte, Deutschland, 409 P.; 6. Carberry, England, 405 P; 7. v. Massenbach, Deutschland, 398 P.; 8. Kapt. Broad. England, 395 P.; 10. Dinort, Frankreich 385 P. Die weiteren Plätze: Osterkamp, von Koppen, Lusser (alle Deutschland); Pierrez, Schweiz; Tictics, Deutschland; Thorn, England; Finat, Frankreich; Peschke. Deutschland; Ploncynsli, Polen; Siebel. Deutschland; Wieckowski, Polen; Pasewaldt, Deutschland; Kolp, Deutschland; Arrachart, Frankreich; v. Waldau, Benz, Göthe, Freyberg, Reeder (alle Deutschland); v. Habsburg-Bourbon. Spanien; Lady Bailey, England, Dajan, Polen; Böhning, Deutschland.
Die Frankfurter August-Rennen.
Der einzige Frankfurter August-Renntag, der am gestrigen Sonntag veranstaltet wurde, gestaltete sich bei prächtigem Sommerwetter zu einem vollen Erfolg. Bei gutem Besuch wurden die Rennen ausgeritten, sie brachten wertvolle« Pferdematerial auf den Plan. DaS HauplercigniS des Tages, das mit 10 000 Mark au«geftattetc Alexander-Rennen, brachte nur drei Pferde an den Start Der von O. Schmidt sehr gehalten gerittene Weinberger .Ladro" formte müheloS über die 2000-Meter-Distanz vor „Wiener Blut" unb .Liberator" gewinnen. Linen interessanten Kampfverlauf gab eS beim Festa- Preis, den ebenfalls Weinbergs Meisterjockey Schmidt auf .Machvoran" vor .Delifee'^ und
Kosenamen.
Weitere Plauderei mit ernstem Schluß. Don Anni Juliane sichert.
Sind Sie nicht auch der Meinung, daß eine Ehefrau, wenn sie von ihrem Manne immer Baby oder Püppchen gerufen wird, beileibe nicht ernst genommen werden darf? Lind daß die Zierde deS männlichen Geschlecht-, Herr Schulze, sich dagegen verwahren sollte, von seiner teuren Ehegattin mit zärtlichem Lonschmelz „Süßer Affe" angeredet zu werden?
LS läßt sich nicht leugnen, daß eine große Zärtlichkeit und Liebe ihren Ausdruck in Kosenamen findet. Lind daher wehrt sich auch selten jemand bagc en. wenn 6dm traulichen Zusammensein die Liebe auch in der Sprache erfinderisch macht und sich nicht genug tun kann an zärtlichen Verkleinerungen oder Zuhilfenahme der Blumen- und Tierwelt, um passende Flamen für den geliebten Gegenstand zu finden.
Sehr oft bleiben lustige KindheitSnamen für das ganze Leben an Persönlichkeiten hängen, deren Aeußeres im schroffen Gegensatz zu dem gewählten Hamen steht. Man sah eS der wohlbeleibten Fünfzigerin nicht mehr an, daß sie einst als holdes, zartes Heckenröslein durch ihre 3ugcnbtage gewandelt war. Sie wurde trotzdem „Röschen" gerufen, und ein Spötter fand eines TageS heraus, daß selbst der Titel „Klatschrose" noch zu sanft sei und die Anwendung beleidigend für den hübschen roten Mohn.
Ein schlanker, junger, eleganter Mann wird von seiner Mutter .Dickchen' gerufen, und muh erst^lachend die Srllärung abgeben, daß er vor 24 fahren rund wie eine Kugel durch sein zweijähriges Leben getrudelt sei. Die zärtliche Mutter behielt das schmückende Wort bei. das dem Mreckten jungen Mann durchaus nicht mehr Leib paßte.
Sehr viele Ehegatten erheben das Wort .Alte" zum Kosenamen schon, werm ihre .Alle" noch eine knusperige, reizende .Zunge' ist. .Ich möchte Sie mal meiner Alten vorstellen", sagt der behäbige Eheherr und weckt dadurch in dem Fremden den Begriff einer älteren, würdigen Dame. Er muß sich innerlich erst umstellen, toenn er die elegante, von der Frische der Zugend umflossene .Qnte" vor sich sieht.
Mit bezauberndem Humor hat Reuter in seiner . Strom tid" die Möglichkeiten geschildert, aus
einem Familiennamen eine ganze Stufenleiter von neuen Ramen kosender, ermahnender und strafender Art herauszubilden. Frau Pomuchels- kvpp rief ermahnend: .Muchel" beim Spaziergang, als der Gatte stehenbleiben sollte. Muchel ging weiter. Da rief sie empört: .Kopp", und diesem Ruf konnte der Ehemann nicht widerstehen. Er wußte, daß sein .Hühnchen" ihm ordentlich die Krallen -eigen konnte und sein Klucking ihn sehr selten zärtlich .Köpping" nannte. Da gab er lieber klein bei. Er kannte die Gefühle feiner teuren Frau allein aus ihren bedeutsamen sog. Kosenamen heraus.
Die Ablvandlung der Anrede .Mann" bei zornigen Ermahnungen — in das bittende .Männchen" und in das beliebte .Männe" — findet man nicht nur in der Parodie, sondern man erlebt es täglich in seiner Llrnwelt. Ganz ähnlich wie Fritz Reuter es seiner EmporkömmlingSsamilie abgelauscht hat. Der Ehemann tadelt feine .Frau" und lobt fein . Frauchen". Gelegentlich versteigt er sich dazu, seinem Herzchen. Häschen oder Schnuteken etwas Rettes mitzubringen. und die erfreute Gattin drückt ihrem Möpschen, dessen lange, hagere Gestalt im starken Widerspruch zu dem Llrblld eines Mopses steht, einen innigen Dankeskuß auf.
Diese Kosenamen klingen im Familienkreis, oder besser noch m seliger Zweisamkeit dem Manne wie der Frau wunderschön ins Ohr. Den beiden Verliebten bedeutet das Wort gar nichts, der Tonfall alles. Man farm .Scheusal" zu der Geliebten sagen, und sie hört eine Welt voll bewundernder Anerkennung und hingehender Liebe aus diesem nicht gerade passenden Wort. Aber solche Kosenamen müften Schlaf- zimmergeheimnisse bleiben, und die Frau Professor sollte es vermeiden, ihren Mann auch in größerem Kreise mit Schahi oder Bubi anzurufen Llnwillkürlich wird von der Würde des Herrn Professors etwas abgebröckelt, und man vermag seinen geistvollen Ausführungen über den augenblicklichen Stand der Relativitätstheorie nicht mehr ganz mit dem Emst zu folgen, den dieser wissenschaftliche Gegenstand erfordert.
Kosenamen entstehen auch oft aus liebevoller Reckerei. Man ist in der Familie als schüchternes Häschen oft genug gehänselt worden Trotzdem ist es nicht sympathisch, auch außerhalb der Familie immer wieder diesen Ramen vorgesetzt zu bekommen, der ein Echo von Hemmung und Schwäche war.
Man wird nicht gern daran erinnert, daß man nicht draufgängerisch veranlagt ist. und manche Verbitterung entsteht durch das gedankenlose Anwenden solcher Reck- und Kosenamen Sie entwickeln sich dadurch zu Spitznamen, und bei der Anwendung fehlt leicht jener persönliche Klang der Liebe, der den Kosenamen eigen ist. Sie Binnen bestimmend auf den noch knetbaren, eindrucksfähigen Charakter ein- wirken Der Wunsch, durch den Recknamen zu bessern und zu erziehen, ist sehr oft der Vater dieses nicht glücklichen Gedankens. Meist erreicht man daS Gegenteil von dem. was man wollte. Man denke nur daran, wie oft Eltern ihren Kindern hochtönende Taufnamen geben, oder der Bewunderung für irgendeinen Dichter und Denker nicht besseren Ausdruck zu verleihen vermögen, als daß sie das Leben ihrer Kinder mit dem Ramen dieser Vorbilder belasten Wie manche Brunhilde hat sich ihres ÄamenS schon geschämt, und wie mancher Cäsar mußte sich ohne jegliche heldische Anwandlung auf einem Bureauschemel Herumdrücken
Die Ramen verpflichten, so stempeln auch Kose- und Recknamen ab. Das sollte man bedenken, und die schmeichlerisch bedachten und liebevoll gemeinten Angehörigen nicht dem Fluch der Lächerlichkeit ausfetzen Daheim kann man .geliebter Affe" fein, man kann auch als .süße Puppe", .Mausi" oder .Schnucki" das Dasein des Gatten verschönen Außerhalb der vier Wände ruft man sich lieber mit dem Tauf- namen Vorausgesetzt, daß die Eltern vorsichtig in der Wahl des ÄamenS gewesen sind.
Wie sich WillinS seine ll-Boot Zahrt zum Nordpol denkt.
Der berühmte australische Polarforscher Sir Hubert Wilkins, der gegenwärtig in London Vorbereitungen für feine neue Dordpol-Expedi- tion im Llnterfeeboot trifft, hat über feinen soviel besprochenen Plan nähere Angaben gemacht. Die 2 Millionen Mark, die er für daS ilrüer- nehmen braucht, sind natürlich nicht ganz leicht aufzubringen, und Wllkins beklagt sich besonders über seine engeren Landsleute, die Australier, die ihm noch nicht einen Pfennig gegeben haben Rachdem er den Luftweg nach diesem Gebiet unbekannter Möglichkeiten unö Gefahren erprobt hat. teil! der unerschrockene Reisende jetzt einen .Versuch unten durch" machen, den feine Kritiker
für unmöglich erklärt haben Er selbst glaubt fest an das Gelingen „Ich breche im Mai nächsten Jahres mit meinem Llnterfeeboot nach Spitzbergen auf und will über den Pol nach Alaska. Das ist eine Strecke von etwa 3000 Kilometer, und ich denke, daß sie in 50 Tagen zurückgelegt werden kann Sobald wir finden, daß daS Eis unsere Fahrt unmöglich macht, tauchen wir einfach unter und schlagen der Ratur auf diese Weise ein Schnippchen Ich schätze die durchschnittliche Dicke deS Eises auf etwa 3 Meter, aber um Spitzen zu vermeiden, werden wir wahrscheinlich mit dem Li-Boot in einer Tiefe von etwa 8 Meter fahren. Das LI-Boot ist so konstruiert, daß eS unS gestattet, zweieinhalben Tag unter dem Dis zu bleiben" Das amerikanische Ll-Boot, dem WilkinS sein und der Seinen Schicksal anvertraut, soll daS „letzte Wort" der Technik darstellen; es ist 115 Meter lang und hat 350 Tonnen. Die Expedition wird einen vollständig internationalen Charakter tragen; unter den 18 Teilnehmern befinden sich außer dem australischen Führer Engländer, Deutsche, Amerikaner und Holländer. Die Llnterkunft ist nach Ansicht deS Forschers „ganz bequem", und mit der Rahrung wird man keine Schwierigkeit haben. Sie wird hauptsächlich aus Konserven bestehen. Wilkins rechnet bei einer Maschine von 500 Pferdekräften mit einer _ durchschnittlichen Geschwindigkeit an der Oberfläche des Wassers mit 14 Knoten und unter Wasser mit 9 Knoten Bei der Fahrt unter Wasser hofft er. durchschnittlich 5,5 Kilometer in der Stunde zurückzulegen und 16 Stunden täglich vorwärts zu kommen. Bei der Fahrt soll ein fortlaufender Tonfilm ausgenommen werden, der nicht nur sehr interessante wissenschaftliche Dinge festhalten, sondern auch von großer, rein menschlicher Wirkung sein wird. WilkinS hat auch Vorkehrungen getroffen, um der Welt seinen eigenen Bericht von der Expedition durch Rundfunk mitzuteilen „Hatür- lich werde ich von der Oberfläche des Wassers auS funken", sagte er, „und ich denke mir, daß, es eine Lleberraschung geben wird, wenn ich sage: «Lebt alle wohl. Wir gehen jetzt unter/ Hoffentlich wird diese Lleberraschung bann durch eine glückliche Wiedermeldung gelöst werden" Eine der wichtigsten Aufgaben seiner Reise erblickt Wllkins darin, zu zeigen, daß ein Llnterseeboot Vorräte auf dem Pol landen kann; damit würde die Möglichkell vergrößert werden, daS ganze 2ahr über dort ein Depot zu unterhalten.


