Wirble ins Leben!
Vornan von Anna Fink.
Urheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister.
Werdau. 6.-2L
23 Forttetzung. Nachdruck verboten.
Frau Berger war mit ihrem Schützling nicht zufrieden.
Sie setzte eine geheimnisvolle Miene auf.
„6ie scheint arg großes Interesse an Ihnen zu nehmen", sagte sie dann, „fie fragte, wie s dem Herrn Contius bei mir gefiele, ob ich auch gut für ihn sorge, und dann meinte sie..."
Die Gute konnte den Satz nicht beenden, denn ein schrilles Klingeln an der Tür unterbrach sie.
Sie öffnete.
„Grüß Gott, Fräulein Minchen. Ia, sieht man Sie denn auch einmal?" Damit zog sie ein derbes, kräftiges Mädchen, das schon nicht mehr ganz jung war, lebhaft zur Tür herein.
„®rü6 Gott, Frau Berger, die gnädige Frau läßt fragen..."
Was die gnädige Frau fragen lieh, wartete Reginald nicht mehr ab. Froh, daß das gar zu wohlmeinende Interesse der Frau Berger von ihm abgelenkt worden war, zog er den Hut und verschwand eiligst durch die noch halboffene Flurtüre.
„Ein hübscher Mensch", sagte Fräulein Minchen anerkennend hinter Contius her.
„3a, und so solide", pries Frau Berger ihren Mieter, und es dauerte eine halbe Stunde, bis Fräulein Minchen dazu kam, ihren Auftrag auszurichten, weil man doch erst seine Meinung über „möblierte Herren" im allgemeinen und dann in diesem besonderen Falle austauschen mußte.
Reginald war es, als sei er einem Regen entronnen, der sanft, aber eindringlich auf ihn heruntergegangen war. So was weicht bis auf die Knochen durch, wenn man nicht beizeiten flüchtet.
Es war tatsächlich ein schöner Abend. Die Luft war weich.
Reginald bummelte langsam die Straße hinunter. Er sollte um acht Llhr zum Baron Grif- finger kommen, zu einem „kleinen Butterbrot und einer Tasse Lee", wie die Frau Baronin ihm liebenswürdig geschrieben hatte.
„Grüß Gott, Contius!" schlug eine frische Stimme von der anderen Seite der Straße herüber an sein Ohr.
Er sah auf.
Ein junger Mann von kleiner, gelenkiger Figur kam elastisch über den Fahrdamm auf ihn zu und schüttelte ihm die Hand.
Lieber Contius' Gesicht ging ein Lächeln.
„Guten Tag, Reinwald", grüßte er wieder. Der junge Kaufmann Reinwald kam ihm wie einer der besten Vertreter der Oesterreicher vor.
Reinwald schob seinen Arm in den von Contius.
„Haben's ein bisserl Zeit, lieber Contius, so kommen's mit mir ins Kaffee, wir plaudern ein bisserl."
Contius lehnte ab und berichtete von seiner Einladung bei Griffinger.
„Hören's, lieber Contius, da bring ich Sie hin. Der Griffinger wohnt eh auf der andern Seit'n der Stadt halb am Berg, und 's ist erst halb acht. Ist es Ihnen recht?"
Contius war einverstanden. Er war leicht verstimmt gewesen, ohne eine nähere Begründung dafür zu haben, und freute sich über die Ablenkung.
„Sie wollten mir doch immer mal erzählen, lieber Freund, wie Sie gerad Fahrlehrer für die Firma Kunkel & Co. geworden sind, und was Sie hierher verschlug in unser Ländchen."
„Ie", sagte Contius, „ich war stellenloser Ingenieur in Deutschland. Durch einen glücklichen Zufall lernte ich Baron Griffinger kennen." , „Sie sind gewiß als rettender Engel erschienen", lachte der andere. „Der Griffinger ist bekannt dafür,- daß er relativ viel Pech hat, gerad in gottverlassenen Gegenden. Wahre Schauergeschichten berichtet er hinterher, und sein Chauffeur ist a kreuzbraver Kerl, nur versteht er von komplizierten Sachen nix. Dazu denkt er zu einfältig. A Auto ist a verflixtes Ding, wenn's sei Mucken hat. Wenn mer da net a G'fühl hat und a Ras'n dafür, spielt einem auch der beste Wagen zuweilen böse Streich'. Stimmt's oder net, Herr Ingenieur?"
Reginald lachte herzlich.
„Gewiß, Reinwald, Sie haben recht wie immer", pflichtete er bei.
„Ieht erzähl'ns aber weiter", drängte Reinwald.
„Da ist nicht mehr viel zu erzählen", meinte Reginald. „Griffinger war gerade dabei, nach Oesterreich zurückzukehren. Er nahm mich auf meine Bitte mit. Ich habe dann Glück gehabt. Es wurde gerade für den theoretischen Llnter- richt ein Fahrlehrer gesucht. Ingenieur, ledig, usw. Run, da habe ich mich auf Zureden des Herrn Baron gemeldet und wurde sofort ange
nommen. Also, da sitz ich seitdem hier", schloß Reginald trocken seinen Bericht.
„Lind seitdem hat sich das Renommee des Fahrunterrichts beträchtlich gehoben", ergänzte Reginald. „Die ganze Stadt ist Ihres Ruhmes voll, Verehrtester, wenn Sie das noch nicht wissen sollten."
„Ach, gehen Sie, lieber Reinwald, jetzt übertreiben Sie einmal wieder recht kräftig!" spottete Reginald.
„Aber na, 's ist die purste Wahrheit", widersprach Reinwald beinahe etwas gekränkt. „Sie haben's fertig gebracht, daß die guten Kreise alle, besonders die Damen zu Ihnen rennen und sich, bloß um bei ihnen Fahrunterricht nehmen zu können, ihren Wagen bei Kunkel L Co. kaufen. Im übrigen hat er ja auch wirklich gute Marken. Lassen Sie sich's bloß teuer genug bezahlen — die können's, ich weih schon Bescheid."
Reginald wollte ernsthaft ärgerlich werden.
„Aber gehn's, Herr Contius." Der kleine Reinwald drückte ihm herzlich den Arm. „Ich freu' mich doch so, wenn Sie a bisserl auf die Deine fallen. Sie sind so an anständiger und lieber Kerl, halt a Norddeutscher, a bissel steifleinen. Macht nix. Im übrigen sind wir jetzt da. Behüt Sie Gott! Grüßen's mir die schöne Lllla von Griffinger und legen's der Frau Mama meine größte Verehrung zu Füßen. Holen's mich amal ab ins Kaffee!"
Lind schon ging Reinwald mit seinen federnden Schritten die Straße hinab und war um die nächste Ecke verschwunden, knapp, daß Contius sein „Auf Wiedersehen" dazwischen an* bringen konnte.
„Drollige Kerle, die Oesterreicher!" dachte er bei sich. „Reden können sie wie die Wasserfälle um jeden Quark. Der Reinwald ist übrigens ein lieber Mensch. Bei ihm steckt mehr dahinter als bloße Redensarten."
Er war einer seiner ersten Schüler gewesen, und daraus hatte si»ch eine Art Freundschaft entspannen. Reinwald war ihm wirklich in jeder Weise behilflich gewesen.
Contius blieb einen Augenblick wie zögernd vor der Gartenpforte flehen..
Die kleine Villa vom Baron Griffinger war kurz und gedrungen gebaut, es war, als drücke sie sich in den Hang hinein, an dem sie stand. Sie sah aus wie der kurze, breitschulterige Baron Griffinger, wenn er in die Polster seines Wagens gesunken war.
Regmald stellte wieder einmal fe^t, wie doch die Häuser der Art und Weise ihrHs Besitzers ähnlich sind.
„Ia, wissen's denn immer noch nicht., wie unsere Pforte aufgedrückt wird?" erklang eine frische, sehr hohe Mädchenstimme in Contius', Sinnen.
In einem rosaen Kleid mit langen!, wehenden Bändern — wie ein großer Schmetterling anzusehen — kam Lllla von Griffinger' den Kiesweg heruntergeflattert.
Reginald zog den Hut.
„Guten Abend, Baroneß, das heißt, man sagt Wohl eigentlich hier „Küß' die Hand"."
Sie hatte die Pforte geöffnet.
„Man sagt's nicht nur, sondern man tut's Herr Contius", rief sie keck und hielt ihm ein klein wenig herausfordernd die Hand entgegen.
Etwas betont steif neigte sich Reginald über die kleine gepflegte Hand und küßte sie.
„Verrenken Sie sich nur nicht das Kreuz", lachte sie lustig.
„Ia, ja", sagte Reginald bekümmert, „man ist und bleibt halt immer der „steifleinene Rord- oeutfdie“. Das hab' ich schon vorhin vom kleinen Reinwald zu hören bekommen.^__
„Aber gehen Sie, so schlimm war's gar nicht gemeint", tröstete das junge Mädchen. „Sie müssen halt nicht immer alles so tragisch nehmen, Herr Contius. Lernen Sie von uns die Leichtlebigkeit, Sie können's gebrauchen. Lind jetzt kommen Sie geschwind herein, die Mama wird schelten, wenn ich Sie so lang hier stehen laß."
Kichernd lief sie ihm voran ins Haus, ließ ihn ablegen, öffnete die Tür zum Eßzimmer mrd blieb knicksend an der Türe stehen.
„I bitt' schon, Herr Ingenieur."
Reginald ging hinein.
Die Frau CBaronin, eine stattliche Dame ht schwarzer Seide, kam ihm liebenswürdig entgegen. „Freut mich, Sie bei uns zu sehen, HerrContius."
„Mama, er hat schon was gelernt", lachte Lllla hell, als Contius der Dame die Hand küßte.
„Aber Lllla -"
Weiter kam die Baronin nicht, berat Lllla küßte sie auf den Mund.
„Das beste Mittel, jemanden nrunbtot zu machen, Llllachen", ließ sich die behäbige Stimme von Baron Griffinger vernehmen, der dazu tarn. Gr lachte kurz und kräftig über seinen Witz.
Man setzte sich um den zierlich gedeckten Tee- tisch *
(Fortsetzung folgt.)
Wahl-Versammlung!
Reichspartei des deutschen Mittelstandes (Wirtschaftspartei)
Mittwoch, den 20. August, abends 8 Uhr, Saalbau Cafd Leib
Redner:
Herr Belchstagsabg. Bäckermeister Drewitz. Berlin,
Herr Reichstagskandidat Prof. Br. Horneffer, Diesen
spricht über:
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