heim.
Kreis Friedberg.
Nachdruck verboten.
39 Fortsetzung.
Zeitung fiel sein
ihn faszinierte:
Kritik der Erst- der Münchener
Hochland in die Taler und zu den Meeresküsten senden. In kaum zu zahlenden Wasserfallen stur- zen die Fluten auf allen Seiten von der Insel herunter, reihen Eisschollen und zeitweise sogar Eisberge mit sich, ein Schauspiel von gigantischer Gröhe wie es kein anderes Land bietet. Man hat sich in den letzten Jahren viel bemüht, die eigenartigen Schönheiten Islands in der Well bekanntzumachen, um Touristen in das Land
Der andere betrachtete seine polierten Nägel und versicherte schließlich:
tut mir leid, daß es Ihnen schlecht geht, mein Bester. Wir haben alle zu kämpfen. Sie werden wissen, dah es mit dem Werk nicht zum Besten steht. Ich habe viel Personal entlassen müssen und die neuen Angestellten..."
Lothar unterbrach ihn: „Ich weih, auch Ihnen geht es nicht gut, mein Liebster. — Ich will Ihnen helfen."
„Eie?" In der Frage lag großes Erstaunen.
„Ia, ichl" bestätigte Lothar. „Stellen Sie mich wieder ein als Direktor, als Prokurist meinetwegen. Ich werde das Werk wieder hochbringen. Sie wissen, wie die Fabrik zu meiner Zeit florierte."
Da regte sich etwas wie Ehrgeiz m Siegfried Marschner.
„Wollen Sie sagen, dah ich allein nicht fähig war, die Werke zu leiten?"
„Sie verstehen mich falsch, Herr Marschner. — Ganz gewiß sind unglückliche Zufälle schuld an der mißlichen Lage des Werkes. Ich will sagen, dah vier Hände immer stärker sind als zwei. Besonders, wenn zu Ihren beiden Händen noch die von mir kommen. Ich kenne die Schwächen und Stärken der Fabrik. Ich habe jahrzehntelang hier gearbeitet. Vertrauen Sie mir einen Posten an. Sie sehen, ich bin nicht so lleinlich und schäme mich, heute als Bittender zu Ihnen zu kommen. Einst war ich der Stärkere, nun sind Sie der Mächtigere. Wir sind alle nur Menschen und den Schwankungen unseres Lebens unterworfen."
Marschner nickte nachdenklich. „Ein gut Teil unseres Loses liegt in unserer Hand." Er blickte seinen früheren Kompagnon dann fest an, erhob ftch und streckte ihm die Hand hin.
„Ich danke Ihnen, Herr Cmmerstorff. Ich kann Ihr Anerbieten leider nicht annehmen."
Lothar verfärbte sich. „Wieso denn — wollen Sie mir nicht — erklären..."
Konstanze Emmerstorff." Er las und las. Es war die
Es war ihm, als stünde sie hier im Zimmer, ganz nahe bei ihm und eine maßlose Sehnsucht nach Konstanze nahm von ihm Besitz. Diese Sehnsucht war so stark, daß ihn der Wunsch, sie zu sehen und zu hören, wie ein brennender Schmerz durchwühlte.
Plötzlich stand der irrsinnige Entschluß in ihm fest, nach München zu fahren.
Wie in der Kritik zu lesen war, trat Konstanze auch noch in- anderen führenden Rollen auf. Es war also kein Zweifel, sie würde an einem der nächsten Tage wieder singen.
Lothar Emmerstorff befragte das Kursbuch. Der nächste Zug ging morgen nachmittag fünf ^Es ist derselbe Zug, mit dem Konstanze Berlin verlieh, als sie von mir ging", überlegte er.
Dann schrieb er ein paar Zeilen an Iulia, dah er verreisen müsse. —
Einige Stunden darnach fuhr er München entgegen.
Als er aus dem Münchener Bahnhofsportal trat und den Weg nach einem nahen Hotel einschlug, umwehten ihn Tausende von Schneeflocken. Auf den Straßen und Plätzen der Stadt lag eine dichte weiße Decke. Der Winter hatte viel Schnee gebracht in diesem Iahre.
Rach kurzer Ruhe im Hotel begab sich Lothar zum Opernhaus. — Die Lichter der Großstadt tauchten die Straßen in ein helles Gewand.
Es war noch zu früh, die Kasse noch nicht geöffnet. Rur wenige Menschen standen im Portal der Oper. Da fiel Lothars Blick auf einen Anschlag. . ..... m .
„Wegen Veränderungen im technischen Personal muß die Oper „Titanen" für die nächsten Wochen vom Spielplan abgeseht werden."
Darunter stand die Besetzung der heutigen Vorstellung. Man gab „Tiefland". Konstanze sang nicht.
Lothar empfand eine bittere Enttäuschung. Wann trat Konstanze wieder auf? — Er fragte einen Pförtner. Man verwies ihn an die Kasse Endlich wurde geöffnet. „Frau Emmerstorff tritt erst am 27. wieder auf und zwar in »Amelia , lautete die Auskunft. — Heute schrieb man den 17. -
Lothar verließ das Opernhaus. Sollte er bis zum 27. in München bleiben? — Er überlegte lange hin und her. — Eine gewaltige Sehnsucht,
Oberheffen.
Gemeinderat in Grünberg.
4- Grünberg, 17. Iuni. In der jüngsten Sitzung des G e m e i n d e r a t e s, zu der elf Gemeinderäte erschienen waren, wurden folgende Sachen verhandelt:
Rach Mitteilung des Kreisamtes hat der Finanzminister zur Wiederbelebung der Dau* wirtschaft durch steuerliche Begünstigungen auch in diesem Iahre die Befreiung der im Iahre 1 930 erstellten Wohnungsneubauten für die folgenden fünf Iahre von der staatlichen Grundsteuer angeordnet, und ersucht darum, dah die Gemeinden in gleicher Weise eine Befreiung von der gemeindlichen Grundsteuer beschließen. Der Gemeinderat beschloß mit Mehrheit diese Befreiung, zwei Gemeinderäte stimmten nur für eine dreijährige Befreiung.
Der Gemeinderat ist damit einverstanden, daß eine Straßenlampe in der Bahnhof-
Konstanze.
Vornan von Karl Heinz Doigt.
Urheber-Rechtsschutz Verlag Oskar Meister, Werdau
stand er draußen.
„So weit ist es also mit dir", sagte er sich.
„Man nimmt dich nicht mehr ernst." — Seine Gedanken waren wirr und ungeordnet.
Auch Iulia würde ihm entschwinden wie ihm Konstanze entschwunden war. Konnte er ihr, der verwöhnten Filmschauspielerin, ein Leben an der Seite eines kleinen Angestellten anbieten? — Es war für Lothar nun kein Zweifel mehr, er mußte irgendwo unterkriechen, als bescheidener Buchhalter in irgendeinem Keinen Geschäft. — Oder halt! — Plötzlich hatte er einen Gedanken. Er kannte in Berlin eine Firma, die immer Vertrauensleute suchte. Die Firma war nicht einwandfrei, durchaus nicht, aber er wußte, daß sie gut bezahlte. — Plötzlich schämte er sich — War er schon so weit, daß er sich in unsaubere Geschäfte einlassen wollte. Es würde ihm also nichts anderes übrigbleiben.
Da geschah etwas, das seine Vorsätze zunichte machte. Beim Durchblättern der °'!1 t:'r Blick auf einen Namen, der
Schuldebatie im Hessischen Landtag
Die höheren Schulen.
Siegfried Marschner kämpfte mit einem Entschluß.
„Ich bin Ihnen Offenheit schuldig, Herr Emmerstorff. Es fällt mir nicht ganz leicht. Ihnen zu gestehen, was mich dazu bestimmt, Ihr Anerbieten auszuschlagen. Alm es ohne Umschweife zu sagen: Ihre völlig ziel- und planlosen Alnter- nehmungen, die Sie ins Unglück stürzten, sind in der Großindustrie und Geschäftswelt bekanntgeworden. Ich will Ihnen ganz offen gestehen, auch ich habe nicht mehr das rechte Zutrauen zu Ihrem geschäftlichen Scharfblick. Bitte, halten Sie mich nicht für brutal, daß ich Ihnen das so unumwunden sage. Sie werden mich aber kennen als einen Mann, der nichts mehr schätzt, als Ehrlichkeit."
Lothar hatte sich erhoben.
„Ich danke Ihnen für Ihre Erklärung", sagte er bitter. Er hörte noch irgendwelche bedauernde Worte, ein paar nichtssagende Redensarten, dann
<£ Bad-Nauheim, 17. Juni. Die Meisterschaft von Europa im Gesellschaftstanz für Amateure und Professionals kam im Rahmen einer internationalen Tanzwoche am Samstag hier zum Austrag. Am Start waren erschienen die Inhaber der Weltmeisterschaft, der Europameisterschaft und die Champions der Länder. Siebzehn Paare konkurrierten um den Titel. Europameister in der Amateurklasse wurden Mr. und Miß Wells (England), zweite Herr Neumann- Frl. G r ü n - waldt (Deutschland). Die Europameisterschaft für Professionals errangen Mr. Maxwell Stewart und Miß W a l m s l e y (England), den dritten Preis Herr und Frau Kaiser (Deutschland). Das Turnier war nach dem allgemeinen Urteil der maßgebenden Fachleute das bedeutendste, das bisher in Europa stattgefunden hat und fand das lebhafte Interesse des zahlreich erschienenen internationalen Publikums. U. a. hatte auch die hessische Regierung Staatspreise für beide Meisterschaften gestiftet.
4= Steinfurth bei Bad-Nauheim, 17. Iuni, Die Rosenernte ist in vollem Gange. Vom frühen Morgen an werden große Mengen Schnittblumen in allen Farbenschattierungen geerntet, sorg faltig verpackt und nach allen Ländern verfrachtet. Für unser Dorf bilden die weltbekannten Rosenkulturen eine bedeutende Einnahmequelle. Viele Interessenten, besonders die Kurgäste aus dem benachbarten Bad-Nauheim, kommen täglich in unsere Gemarkung, um den herrlichen Duft und die Farbenpracht an Ort und Stelle zu genießen.
Kreis Büdingen.
nd. R i d d <i, 14. Iuni. Heute wurde hier unter starker Beteiligung der Einwohnersch-aft und der Vereine Riddas der Vertreter der Gemeinden des Sparkassenbezirks Ridda und zahlreicher auswärtiger Freunde und Bekannten Sparkassenkontrolleur Karl Ruppel zu Grabe getragen, der unerwartet einem Darmleiden erlegen war. Die Feuerwehrkapelle eröffnete die Leichenfeier mit einem Choral vor dem Trauerhause und spielte auf dem Zug zum Friedhöfe Trauermärsche und am Grabe ein Sterbelied. Nachdem Dekan S c r i b a den Verstorbenen als einen klugen, gerechten Haushalter in Familie und Amt geschildert hatte, widmete Rektor G a h e r t als Direktor der Sparkasse dem Verewigten warm empfundene Worte der Dankbarkeit, Liebe und Hochachtung und einen Kranz. Gleichen Gefühlen gab Ober amtsrich -ter Zimmermann aus Lau- bach Ausdruck und legte im Auftrage des Sparkassenverbandes Hessen einen prächtigen Kranz nieder. Im Ramen der Beamten und Angestellten der Bezirkssparkasse rief Kassenbeamter Meub dem langjährigen Mitarbeiter und Freunde herzliche Abschiedsworte unter Kranzniederlegung nach. Der Kriegerverein widmete durch Ver-
zu locken. Es besteht auch der Plan, in der Nahe der Hauptstadt ein Heilbad anzulegen, da heilkräftige Quellen in großer Zahl vorkommen. Ob es freilich gelingen wird, kranke Menschen, die sich natürlich vor dem Schrecken einer stürmischen Seefahrt fürchten, in größerer Zahl in dieses seltsame Land zu locken, muh einstweilen noch bezweifelt werden.
aufführung der „Titanen" in
Oper. Die Hauptpartie hatte Konstanze gesungen. Mit glänzendem Erfolge.
Die Besprechung war so anschaulich und zutreffend, daß Lothar sein Weib vor sich sah. — Plastisch — greifbar fast — umjubelt von einer kunstbegeisterten Menge.
Meter-Langsamfahren: 1. Otto Buß, Gambach, 3,14 Min.; 2. Otto Häutzner, Pohl-Göns, 2,37 Minuten; 3. Otto Ruhl, Pohl-Göns, 2,36 Min. Korsofahren: 1. Ortsgruppe Grohen-Linden, 17 Punkte; 2. Ortsgruppe Trais-Horloff, 14,5 P.; 3. Ortsgruppe Pohl-Göns, 14 P. Reigenwettbewerb. Vierer, Schuljugend: 1. Ortsgruppe Pohl-Göns, 29 P. Vierer-Schulreigen, Altersklasse: 1. Ortsgruppe Lauterbach, 33,5 Punkte. Sechser-Schmuckreigen: 1. Ortsgr. Wetzlar, 40,5 Punkte. Sechser-Farbenreigen: 1. Ortsgr. Wetzlar, 43,5 P. Zweier-Kunstfahren: 1. Ortsgr. Großen- Linden, 8,8 P.; 2. Ortsgr. Wetzlar, 8 P. 3. Ortsgruppe Pohl-Göns, 7,58 P. Gruppen-Kunst- fahren: 1. Ortsgr. Launsbach, 8,75 P.; 2. Ortsgr. Butzbach, 8,1 P.; 3. Ortsgr. Gambach, 7,1 P.;
4. Ortsgr. Pohl-Göns, 7 P. Geschicklichkeitsfahren mit Motorrädern: 1. Wilh. Luh, Großen-Linden.
V Watzenborn-Steinberg, 16. Iuni. Unser Frauenverein unternahixl am gestrigen Sonntagnachmittag seinen diesjährigen Ausflug nach Muschenheim, um den Besuch des dortigen Vereins vom vorigen Herbste zu erwidern. Mit großer Gastfreundlichkeit und Herzlichkeit wurde der Verein ausgenommen. Nach dem Kaffee versammelten sich beide Vereine in der geräumigen Turnhalle in so stattlicher Zahl, daß fast alle Plätze besetzt waren. Bei Gesängen und Ansprachen flogen die Stunden gemeinsamen Austausches schnell dahin. Rach der Besichtigung von Kirche und Friedhof verteilte man sich zum Abendessen in den gastfreien Häusern und kehrte hochbefriedigt von dem schön verlaufenen Tage
Abg. Keller (v. V.)
stellte fest, daß die alte liberale Partei niemals eine rein evangelische Partei gewesen sei, sondern alle Konfessionen in ihren Reihen vereinigt habe.
Abg. halnstadt (Zenlr.)
sah sich zu einer neuen Erwiderung veranlaßt, die schließlich in einer Polemik gegen die Volkspartei endete.
Abg. Maurer (Soz.)
präzisierte nochmals kurz den Standpunkt seiner Partei gegenüber den politischen Jugendoerbänden an den höheren Schulen.
Ministerialdirektor llrstadl
betonte, es könne nicht bestritten werden, daß gegenwärtig der Anrang zu den höheren Schulen zu groß sei. In dieser Auffassung seien alle Parteien mit der Regierung einig daß dies eine bedauerlicke Erscheinung sei. Uneinigkeit bestehe jedoch über die Mittel und Wege der Abhilfe. Die Regierung lehne jede Absonderung über den Nahmen der vorgeschriebenen Prüfungen hinaus ab, weil die Gefahr bestehe, daß dann eine Reihe von Privatschulen als Ersatz dafür ins Leben gerufen würde, die nur Kindern begüterter Eltern zugänglich wären, wahrend sie Kindern weniger bemittelter Eltern verschlossen bleiben müßten. Die Regierung habe auch sonst kein Interesse daran, derartige Privatunternehmungen zu züchten, weil es ihr dadurch unmöglich gemacht würde, die Erziehung der Kinder zu überwachen. Die Unfallversicherung der Schüler an den höheren Schulen sei im Einverständnis mit den Eltern und auf Wunsch der Lehrerschaft, die es abgelehnt habe, die Verantwortung für Unfälle der Schüler, die sich beim Turnen ober beim Sport ereignen, zu übernehmen, eingeführt worden. Bei den höheren Schulen habe es llch gezeigt, wie segensreich die Unfallversicherung für die Schüler gewesen sei, uns es wäre nur zu wünschen, daß sie auch auf die Volksschulen ausgedehnt würde.
Abg. Reiber (Dem.)
bedauerte, daß das Interesse an den höheren Schulen die breite Öffentlichkeit nicht im gleichen Maße be- wege, wie das an den Volksschulen.
Abg. Rihel ($03.)
wünschte stärkere Betreuung der Aufbauschulen und damit größere Entwicklungsmöglichkeiten der unteren Klassen.
Um 13 Uhr wurde die Sitzung auf Dienstag vertagt: Fortsetzung der Aussprache über das Schulwesen.
fein Weib wiederzusehen, ergriff ihn. — Da fam ihm ein ganz törichter Einfall. Er wollte nachforschen, wo Konstanze wohnte. — Rur von weitern würde er an ihrem Hause Vorbeigehen. Vielleicht sah er sie zufällig.
Schließlich wunderte er sich über sich selbst. Er verwarf die Ausführung dieser Gedanken sofort. — Wollte er sich lächerlich machen? — Lothar Emmerstorff macht der Frau, die ihm davongegangen ist^. sehnsüchtige Fensterpromenaden! — Das war znm mindesten grotesk.
Und doch ließ sich das Verlangen, Konstanze zu begegnen, nicht unterdrücken.
Cs schwand auch nicht, als er am Abend in einem kleinen Lokal saß, wo eine Kapelle musizierte. Cs schwand nicht, als er den nächsten Tag allerlei Zerstreuungen suchte. Cs schwand nicht, trotzdem er die halbe Rächt durchzechte.
Er ging ziel- und planlos durch die Straßen, in denen die Kehrer sich vergeblich bemühten, die immer neu entstehenden Schneemassen fort- zuräumen.
Auf einem solchen Spaziergang gelangte er schließlich zum Bahnhof.
„Vielleicht ist es das Vernünftigste, du löst dir eine Karte und fährst mit dem nächsten Zug nach Berlin zurück", sagte er sich.
Gleichzeitig dachte er an Iulia, die sich wohl über seine so plötzliche Abreise gewundert haben mochte. — War es nicht eine Torheit, hier zu warten, bis er Konstanze auf der Bühne hören 'konnte, während in Berlin eine Frau nur auf jein Wort harrte, das ihn für immer mit ihr verband?
Mechanisch beobachtete Lothar die einlaufenden Züge. Wintersportler und Fremde ergossen sich aus ihnen in die Bahnhofshallen und überschwemmten die Wartesäle.. Frische, wettergebräunte Gesichter gab es da. Ein Wald von Ski* jchuhen, behaftet mit Schneeresten, wanderte an Lothar vorbei. Ein paar Hochtouristen, den Eis- Pickel und das Seil an der Seite, den Rucksack umgeschnallt, drängten sich lachend durch die Sperre. Die nahen Berge winkten. Sie winkten, so jchien es auch Emmerstorff, denn er verspürte plötzlich große Lust, die Alpen zu sehen. — Er hatte eine Woche Zeit. — Ein Aufenthalt in den Bergen versprach zudem eine willkommene Ausspannung. " ' X
(Fortsetzung folgt.)
WHP. Darmstadt, 16. Iuni. Am Montag wurde in der Etatsberatung des Hessischen Landtags beim Kapitel Höhere Lehranstalten fortgefahren.
Abg. Maurer ($03.) geißelte Umtriebe der Nationalsozialisten an den höheren Schulen und führte als Beispiel die Verhältnisse an der Realschule in Oppenheim an. Die bisherigen Vorfälle veranlaßten ihn, ein allgemeines Verbot der politischen Iugend* verbände an den höheren Schulen zu fordern.
Abg. fieUer-Bübingcn (D. V.) krtisierte aufs schärfste die sozialdemokratische Forderung auf Erschwerung des höheren Schulbesuchs. Man dürfe für die höheren Schulen keine Ausnahmebestimmungen schaffen. Seine Partei mißbillige die Schulgelderhöhung und den Schulabbau an den höheren Schulen ebenso, wie an den Volksschulen, sowie die Unfallversicherungen an den höheren Schulen, die die Familienversicherung nur unnötig belasteten. Die Klagen über die Betätigung politischer Iugend- t>erbänbe an den höheren Schulen führte der Redner auf Einflüsse verschiedenster Art zurück, wie die Einführung des Wahlrechts für die Zwanzigjährigen. Auch die Sozialdemokratie fei von Schuld nicht frei. Sie scheue sich nicht, bei der Einweihung von Jugendherbergen, wie z. B. in Zwingenberg und Frankfurt a. M., in ihren Jugendgruppen rote Danner mitzuführen, womit sie zum Ausdruck bringen wolle, daß für sie bet heutige Staat, die Republik, die Verfassung von Weimar nur ein Uebergangsstadium sei. Die deutsche Republik sei für sie nur ein politisches Interregnum. Wahres und, letztes eigentliches Ziel der Sozialdemokratie sei die rote Republik, für die sie heute schon unter der Schuljugenld agitiere. Zur Abstellung der von sozialdemokratischer Seite geführten Klagen genügten vollauf die gesetzlichen Vorschriften des Iahres 1922.
Abg. Werner (Nal. Soz.) trat für Erhaltung der höheren Schulen, namentlich in den kleinen Städten ein. Er wiederholte nochmals seinen schon früher bekanntgegebenen Standpunkt, wonach er mit einem Verbot der politischen Iugendverbände durchaus einfcerftan* den sei. Aber wenn die Regierung schon glaube, die je Verbände verbieten zu müssen, dann sollte sie ein allgemeines Verbot erlassen und es nicht nur auf die Nationalsozialisten beschränken, wie das soeben erst mit dem preußischen Uniform* • verbot der Fall gewesen sei.
- Abstimmungen.
In der dann folgenden Abstimmung wurden 7 eine ganze Reihe von Kapiteln, darunter das Ministerium für Kultus und Bildungswesen und das Dolksschullapitel, sowie das Ministerium der Finanzen entsprechend den Ausschußbeschlüs- sen verabschiedet.
Sodann wurde die Aussprache zum Kapitel Höhere Lehranstalten fortgesetzt.
Abg. hainstadl (Zentr.) bestritt, daß gegenüber 1914 eine Aufblähung der höheren Schulen zu verzeichnen sei. Der sozialdemo- kratijchen Forderung, nur begabte Kinder zum höheren Schulbesuch zuzulassen, könne seine Partei nicht zustimmen. Dagegen unterstütze sie bereitwilligst das Bestreben, wirklich begabte Schüler tatkräftig zu fordern. Die Schulgelderhöhung und den Schulabbau beklage auch seine Partei. Das Zentrum fordere nach wie vor Parität und Wiedergutmachung des Unrechts, das den Katholiken von den Liberalen zugefügt worden sei.
st raße, die durch die Zerstörungswut von Rohlingen fortgesetzt neue Glühbirnen erforderte, durch eine überdachte Lampe ersetzt wird, deren Installation nach einem Angebot des äleberland- werkes sich auf 75 Mark stellt.
Eine Eingabe des Obst- und Gartenbauvereins regt die Pflanzung einer Kirschba um * a n [ a g e am Südhang des Tannenkopfes, links der Lauterer Straße, an und macht darauf aufmerksam, daß bei Obstpflanzungen im Herbst 1930 namhafte Zuschüsse aus Reichsmitteln — etwa 25 bis 30 Prozent — gewährt würden. Hierüber entspann sich eine längere Aussprache, wobei der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins, Landwirtschafts-Assessor Dr. Böcher, auf Wunsch der Versammlung erläuternde Aufklä- rungen gab. Bei der Annahme von 3,50 Mark pro Daum würde die Anlage einen Mindestbetrag von 800 Mark kosten. Da der Voranschlag nur einen Detrag von 300 Mark für derartige Zwecke aufweist, beschloß der Gemeinderat. vorerst einen Versuch zu machen, indem er die Pflanzung von 50 Kirschbäumen genehmigte.
Der Deigeordnete teilte mit, daß die Instandsetzung der Lvndorfer Straße die Stadt mit 9000 Mark belasten würde, wozu noch die Kosten für zweimalige Teerung von 1500 bzw. 800 Mark kommen würden. Inwieweit hierzu Geld zu billigem Zinssätze aus Reichsmitteln zu beschaffen sei, ist noch nicht übersehbar. Die Dache wurde zurückgestellt.
Zu der Ortssatzung über die Wahl eines Derufsbürgermeisters in Grünberg hat der Minister des Innern sein grundsätzliches Einverständnis erklärt. Er ersucht nur um einige Aenderungen, die zum Teil redaktioneller Art sind. Dezüglich der Besoldung, die Gruppe 3 a mit Steigen nur bis Stufe 7 vor sah, empfiehlt er vorerst eine niedere Gruppe vorzusehen. Die endgültige Genehmigung will er aber erst erteilen, wenn der Gemeinderat den seinerzeit beschlossenen Zusatz, daß die Wahl erst nach Erledigung des Disziplinarverfahrens gegen den jetzigen Wahlbürgermeister stattfinden soll, aujhebt. Auch über die Angelegenheit entjpann sich eine längere Aussprache, in der das lange Hinausziehen der Dürgermeisterfrage seitens der Behörde einer scharfen Kritik unterzogen wurde, da es den Anschein erwecke, als ob man die Sache, die nun schon seit Ianuar 1929 schwebe, bis zum Ablauf der Wahlperiode des jetzigen Bürgermeisters — Oktober 1931 — verschleppen wolle. Die Angelegenheit wurde, besonders um die Besoldungsfrage nochmals eingehend zu erörtern, der Finanzkommission über* wiejen.
Landkreis Gießen.
LJ Grohen-Linden, 16. Iuni. Am 14. und 15.Iuni fand hier das Bezirksfest des 4. Bezirks, Gau 18, des Arbeiter-Rad- und Kraftfahrerbundes statt. Die Einleitung erfolgte am Samstagabend durch einen Kommers im Saale des Gastwirts Ludwig Faber. Den Willkommengruh entbot der 1. Vorsitzende der Ortsgruppe Großen-Linden, Karl jammert. In bunter Reihenfolge wechselten daran anschließend Gesangsvorträge der hiesigen Gesangvereine „Germania" und „Harmonie", Kunst- und Reigenfahren der Ortsgruppen Großen-Linden, Frankfurt a. M.*Dornheim, Frankfurt a. M-Sachfenhausen, Rieder-Florstadt, Darren-, Doden- und Reckturnen der Bezirks- riege der Freien Tumerschaft. Den musikalischen Teil bestritt eine unter der Leitung des Herrn Müller. Lang-Göns, stehende Musikkapelle. Alle Darbietungen gefielen sehr gut und wurden mit starkem Beifall belohnt. Am Sonntagvormittag fanden Wettbewerbe im Strecken* und Kunstfahren usw. statt. Nachmittags bewegte sich ein stattlicher Festzug durch die Ortsstratzen. Die Festansprache hielt Herr Durban, Gießen. Der Nachmittag war, wieder mit einem reichhaltigen Programm ausgefüllt. Neben Kunst- und Reigenfahren und Radballspielen erfolgten Gesangsvorträge durch den Arbeitergefangverein „Harmonie", Leihgestern, und den Gesangverein „Harmonie", Großen-Linden. Um 18 Uhr fand die Diplomverteilung statt. Es erhielten: im 50-Kilometer-Einzelfähren: 1. Rob. Dalzer, Weckersheim, 91,30 Min.; 2. Theod. Reif, Butz- bach, 97,39 Min.; 3. Hans Iaeobi, Wetzlar, 107,31 Min. 5-Kilometer-Einzelfahren, Iugend: 1. Erwin Will, Pohl-Göns, 11,7 Min. 100-


