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Nr. HO Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Mittwoch. 18. Juni 1950

Europas älteste Parlamentarier.

Tausend Jahre Island. Völlige Loslösung von Dänemark? Sin junges Königreich aus dem Weg zur Republik

Don Werner Falcle

□Im 27. Juni, gleichzeitig mit den grohen Festlichkeiten zur Feier seines tausendjähri­gen Bestehens. wird Island seinen Ein­tritt in den Völkerbund vollziehen und dadurch botumentieren, da ft eS auch auftenpolitisch ein souveräner Staat ge­worden ist.

Im hohen Vörden deS Atlantischen Ozean-, von einem stürmischen Meer umspült. das vielen Fahrzeugen zum Verhängnis geworden ist, liegt Irland, das »Land des Eises", eine merkwür­dige Mischung von Gletschern und unterirdischen Gluten und eine Insel, die sich rühmen kann, das älteste Parlament aller europäischen Völker *u besitzen. Seltsam, daft gerade dieses kleine Volk, welches in seiner mittelalterlichen Blüte­zeit ebenso wie jetzt nur etwa hunderttausend Deelen zählte, vor einem Jahrtausend die Be­at erungssorm entwickelt hat, die sehr viel später die ganze Kulturwelt zu erobern bestimmt ge­wesen ist. Irische Mönche liehen sich im achten Jahrhundert in der isländischen Einsamkeit nie­der, und bald folgten norwegische Ansiedler, die politischem und weltanschaulichem Druck in ihrer Heimat entgehen wollten. 3m Gegensatz zu den skandinavischen Königreichen entstand aus der Insel eine Republik, deren oberstes Organ der Althingi, daS Im Jahre 930 gegründete Parla­ment wurde. In jedem Hochsommer tagte vier­zehn Tage lang der Althingi unter freiem Him­mel. in einem erloschenen Krater, um neue Ge­setze zu beschließen und als höchstes Gericht für die Ausrechterhaltung der Ordnung zu sorgen. AIS dieses Parlament 70 Jahre bestand, faßte es Im Jahre 1000 den Beschluß, das Ehristen- tmn auf Island einzuführen. Es entstanden Bistümer, der Handel belebte sich, der Wohl­stand stieg, biS im 13. Jahrhundert die Norweger

das Land unterdrückten, das von nun ab unter der Fremdherrschaft der Norweger und der Dä­nen zu leiden hatte, bi- es sich in den letzten hundert Jahren Schritt für Schritt seine Freiheit zurückeroberte.

Die Isländer haben den Beweis erbracht, daft ein zäheS Volk auch ohne blutige Nevolutivn unter Umständen sähig sein kann, sich aus kolo­nialer Abhängigkeit zu befreien und die volle Souveränität wieder zu erlangen. Im Jahre 1800 wurde der Insel durch die Aufhebung des Al­thingi auch der letzte äußere Schein einer Selbst­verwaltung genommen MS der dänifch-enalifche Krieg von 1807 biS 1814 den dänischen König daran verhinderte, wie bisher absolut die Negie­rung auszuüben, riß Im Jahre 1809 der dänische Abenteurer Jürgensen, nachdem er zu den Engländern ühergelaufen war, die Gewalt an sich und erklärte sich zum König von I-land. Goch wurde er schon anderthalb Monate L von den Engländern selbst wieder verjagt, und Island kehrte im Jahre 1814 unter die Hoheit der dänischen Krone zurück. Aber in den weni­gen Kriegsjahren war der isländische Freiheits­drang erwacht, und seitdem hat man eS ver­standen, in zäher, unblutiger und fast loyal zu nennender Weife die alte Selbständigkeit zurück­zugewinnen. Im Jahre 1843 wurde der Althingi wieder eingeführt, wenn auch nur mit beratender Kraft, und ein paar Jahre daraus wurde da» Handelsmonopol aufgehoben, daS bi- zu jenem Zeitpunkt der dänische Staat besessen hatte. Ver­fassungsänderungen folgten in den siebziger Jah­ren, ohne datft dadurch die isländische Bevölke­rung zusriedengestellt worden wäre. Man for­derte vduf der Insel vielmehr, daß man von eigenen Beamten und einem eigenen Minister regiert werden sollte, und tatsächlich erhielt

GasschO-NuWugiibuWcn des Bolen Kreuzes.

Eines der zum Transport Verunglückter bestimmten Flugzeuge des Roten Kreuzes.

Auf dem Flughafen Tempeihof in Berlin veranstaltete das Deutsche Rote Kreuz am 15. Juni große Flugzeug-Rettungsübungen. die bei Tasvergiftungen im Falle eines Zukunftskrieges von größter

Wichtigkeit fein werden.

Rumänien» neue Regierung nach der Vereidiaung.

1. Reihe von links nach recht»: Kuttusminiftcr Coftachescu. Innenminister Najda-Woswod, Minister­präsident M a n t u , Außenminister Minorescu. Kriegsminister General Condeescu. 2 Reihe, beim Zweiten von link» beginnend: Finanzminister Popovici, Arbeitsminister Halipa, Landwirt« schaft»minister M i h a 1 a ch e, chandelvminister Madgearn. Verkehrsminister M a n t l e f c u.

Island im Februar 1904 seinen ersten eingebore­nen Ministern daS Amt wurde einem Mann an­vertraut, der biS dahin Stadthauptmann der Hauptstadt Reykjavik gewesen war. Weitere Ver­besserungen der Dersassung folgten in den näch­sten Jahren, und im Hochsommer 1918 wurde da» Abkommen unterzeichnet, daS Island zu einem souveränen Königreich erhob; bet Staat blieb nur noch burch Personalunion mit Dänemark verbunben.

Die Dänen hatten gehofft, durch ihr Ent­gegenkommen die frühere Kolonie wenigstens in einem loderen Zusammenhang mit dem Mutter­land halten zu können, und tatsächlich änderten sich die Gefühle der Isländer gegen die Dänen im letzten Jahrzehnt beträchtlich Wenn Island auch feine eigene Sprache spricht, nämlich einen nordgermanischen Dialekt, der sich seit 800 Jah­ren überhaupt nicht verändert hat und von dem der Deutsche glauben könnte, er höre die Sprache seiner Vorfahren aus dem frühen Mittelalter, wenn die isländische Kultur auch durchaus boden- wüchsig und eigenartig ist, so weih man auf der Insel doch, daß man durch tausend historische Fäden mit Dänemark verbunden ist, und schließ­lich sind auch die familiären Beziehungen zu dem südlichsten skandinavischen Staat sehr eng. Der große dänische Bildhauer Torvaldsen hatte einen isländischen Großvater und bezeich­nete sich selbst als Isländer. Aber die freund­schaftlichen Gefühle, die inzwischen zu Däne­mark entstanden sind, haben nicht die Los­lös ungsbestrebungeir gemindert, und man rechnet jetzt allgemein damit, daß der dänisch-isländische Vertrag schon im Jahre 1932 gekündigt werden wird. Bereits vorher ist mit einem anderen entscheidenden Schritt der Isländer zu rechnen. Das souveräne Königreich Island, da« im Jahre 1918 gegründet wurde, hatte nämlich bisher dar­aus verzichtet, eine eigene Außenpolitik zu trei­ben, und man begnügte sich damit, für den aus­wärtigen Verkehr die dänische Diplomatie in Anspruch zu nehmen. Nun tritt Island gleich­zeitig mit der Tausendjahrseier seine- Parla­ment- in den Völkerbund ein! Damit nimmt eS auch seine außenpolitischen Geschicke in die eigene Hand. Obwohl der dänische König, der jetzt

seit der Souveränitätserklärung zum drittenmal in Reykjavik weilt, dort als isländischer Herr­scher stet« freundlich, wenn auch ohne Begeiste­rung empfangen wird, muß man damit rechnen, daft sich das junge Königreich bald wieder in eine Republik zurückverwandeln wird, in die älteste Republik Europa-. Da die Dänen diese Entwicklung nicht auszuhaiien vermögen, wird sie sich oyne blutige Konflikte und sozusagen in aller Freundschaft vollziehen.

Für Deutschland ist diese Entwicklung nicht ganz gleichgültig. Zwar ist I-land, da« un­gefähr fo groß wie Südbeutfchland ist, al»er nur fo viel Einwohner wie die Stadt Mainz hat. kein sehr wichtiger Faktor auf dem Weltmarkt, doch lauft e- immerhin ein Zehntel feiner Güter in Deutschland ein. Wenn sein natürlicher Reich­tum erst ausgebeutet, wenn die Bevölkerung wachsen und eine nennenswerte Industrie ent­stehen wird, kann I-land bei steigenden 1k* dürsnissen eine« Tages ein guter Kunde der deutschen Wirtschaft werden. Vorläufig lebt der größte Teil de- Volke- vom Fifchfang, der In den i-ländischen Gewässern ganz besonder« er­giebig ist, und von der Konservierung der Fische, die al- Stockfische besonder- in den südlichen Ländern viel gekauft werden. Der Ackerbau ist nur fpärlich entwickelt, da außer der Kartoffel und einigen Futterpflanzen kaum etwa- gedeiht; selbst Bäume kommen in dem rauhen Klima nur spärlich fort. Aber ble Insel hat dafür andere Dck)ätze, die bisher nur der Vernichtung dienten, in Zukunft jedoch der Kultur dienstbar gemacht werden tollen. I-land ist da- Land der Geifer, der heißen Dprlngquellen, deren Wärme von dem vulkanifchen Boden herrührt und in­dustriell ausgenutzt werden foll. ES ist ferner ein Land reißender Flüsse, die vorläufig ihre mächtige Wasserkraft nutzlos in- Meer strömen loffen, aber eines Tage- ungeheure elektrifche Spannungen in Fabriken leiten werden. Es ist merkwürdig, daß ein fo kleines Land Io ge­waltige Ströme hervorzubringen vermag. Das liegt daran, daft unter den Glelfchern zahlreiche tätige Vulkane liegen, ble zu bestimmten Zeiten die ElSmaffen auf ihrem Rücken schmelzen und bann riesige Wassermengen vom isländischen

Ohren über ganz Deutschland.

Von Hans Heßler.

So ist e» gekommen.

Ich saß in einem Hamburger Hotel mit einem Herrn zusammen, wir tarnen ins Gespräch und bei­läufig sagte er, nach seinem Gewerbe befragt, er fei ein Direktor der Zugtelefonie. Auch ein Beruf, dachte ich, muß der Mann Sorgen haben. Von Meter merk­würdigen Einrichtung wußte ich nicht viel mehr als andere Mcnfchen auch, daß zwifchen Hamburg und Berlin folche Wagen laufen, aus denen man nach Hamburg oder Berlin telefonieren könne, waS sicher eine einigermaßen unzuverlässige und windige Sache sei. Jener Direktor suchte meinen unverhohlenen Skep­tizismus zu zerstreuen und lud mich schließlich ein, am nächsten Nachmittage nach Belieben meine Oh­ren über ganz Deutschland auszustrecken, wenn wir zusammen wieder nach Berlin zurücksahren würden.

In einer Kabine sitzt eine Beamtin vor einigen Schalttafeln, glühenden Lampen und brennenden Riefenröhren. Voltmeter, Amperemeter, und allerlei Uhren mit fchwankenden Zeigern umgeben sie - so sehen die ersten Zugsunkkabinen der Welt aus, denn die Welt hat sie noch nicht außer zwischen Ham­burg und Berlin. In einer geräumigen und luftigen Fernsprechzelle sitze ich selbst, bekomme einen Kopf­hörer umgebängt und einen gewöhnlichen Telescm- trichter in die Hand gedrückt, in den ich zu reden hätte. Man kann's ja versuchen. denke ich und fehe nachdenklich in das frifche durchfonnte Grün des Sachfenwaldes, das mit einer Achtzig-Kilometerge- fchwlndigkeit an uns vorbeihufcht. Auch fönst, fällt mir eben ein, ist Meter O-Zug ganz normal, in den Abteilen sitzen die Menfchen und lefen oder böten ober schlafen. sie haben jenes deruhigenbe Gefühl, bas bie Reise gibt, den Dingen für eine ganze Weile unfehlbar entrückt zu fein.

Halloh, tagt mir plötzlich jemanb ins Ohr, unb es ist ganz unzweifelhaft bie Stimme meiner Frau. Es gibt Situationen, in benen uns ber Atem stockt, und diese war so eine. Man mag sich beruhigend znslüstern. daß wir uns als Geschöpfe unterer tech­nischen Zeit über nichts mehr zu wundern haben, unverfehens bricht das Wunder doch übet dich herein und benimmt dir bie Luft.

Hallo, tagt meine Frau mit wieder in« Ohr, bist bu fchon hier, in Berlin, wann bist bu gekommen, wo bist bu? - Nein, tage ich, unb habe nun meinen □Item wieder, ich beende mich im O-Zug zwischen '4)erlin unb yumburg luj eben haben wir den Sach-

senwalb passiert, aber jetzt ist eine Wiese vor mir unb Kühe toeiben auf ihr, sie find fchon fort .... und meine Frau hat nachher gesagt, sie hätte um meinen Verstand ein wenig gefürchtet, denn sie hat mich In einer Femfprechzelle am Lehrter Bahnhof vermutet, und wie kommen die Kühe da hinein.

SS ist mir felbst während dieses Berichts nicht ganz wohl und recht unwahrscheinlich zu Mule, ich empfinde eine Art von metaphysischer Raumangst, eine ganz starke Suggestion gegen das Faktum, au« einem sahrenden Zuge zu reden; sie schwindet auch dann nicht völlig, al« wir weiter sprechen unb mir meine Frau so beutltch unb persönlich In« Ohr redet, als stände sie neben mir. Um mich aber au« einem Saulus ganz zu einem Paulus zu machen, läßt da« Fräulein in ber Nebenzelle plötzlich alle Teufelchen bes Zuglunk« fpielen. Ich höre: Fräulein Witten- berge, geben Sie boch mal Köln. Sogleich spricht es mir ins Ohr: Hier Köln. Es melbet sich Düssel­dorf. Frankfurt am Main erfcheint, Leipzig tritt auf den Plan

Landfchaften liegen zwifchen uns, Atmosphäre ist zu überwinden, Leitungen von Hunderten Kilo­metern werden in Sekundenschnelle durchschoßen. Ich meine, es wäre seltsam, mit dem äußersten Osten zu sprechen, und schon höre ich: Hier Königsberg! und spreche plötzlich mit einem Bekannten Kollegen einer KonigSberger Zeitung. Don diesen enormen Strecken werden manchmal Spuren in den Kopfhörer geschleudert, bann ist e«. alS laufe ble Weite zwl- fchen uns unb empöre sich gegen ihre llbertoinbung. Aber bie anbeten, bie ba in Düfselborf ober Kö­nigsberg sitzen, kennen biete Störungen nicht, sie empfinben an ihren ruhenben Tifchen wahrscheinlich auch nicht bie Wucht biefer hinellenben Landschaft, welche die Unglaublichkeit deS Vorgang« boch im­mer wieder ins Absurde steigert. Wtr reden auch mit dem O-Zug, bet vor uns nach Berlin fährt unb schon halb in ber Halle bes Lehrter BahnhofS einlaufen wirb; zwei Herren, bie eilenb« nach Passau wollen, haben von bort aus nach Berlin telefoniert, ihr Zug hätte Verspätung unb sie würben ben bringend be­nötigten Anschluß am Anhalter Bahnhof nicht mehr erreichen auf welche bewegliche Klage sich die Eisenbahn einmal deS Dienste« am Kunden erinnert unb verspricht, auf ble beiden Spätlinge zu warten.

Man hat mich bann bei dem Fräulein an der Schalttafel belasten und ich habe einige«, unbefugt vielleicht, mitgehort: Bankbirektoren fptechen mit ihren Filialen, ein Hamburger Chirurg läßt sich übet ba« CBefinben bet Patienten in feiner Klinik berichten unb gibt Anweifungen. Sin Japaner wird au« feinem Abteil geholt unb hort staunend eine lange Geschichte,

die ihm ein LandSmann in seiner fremden Sprache erzählt .... eine ganze Welt von Geld. Leiden und Mitteilungen zieht vorüber, unb ble Mikro­phone vermitteln alles mit ber gleichen Treue, unb ruhig liegt bieHanb be« Schalterfräulein« auf einem Hebel, ber bie Lautstärke burch alle Schwankungen auf einer gleichmäßigen Stärke erhält.

Man barf e« freilich nicht so treiben, tote jener Sport«mann. ber nach halbjähriger Abwesenheit in Hamburg an Lanb ging unb sogleich aus bem Zug seine Frau in München antief. Sie waten nach so langem Abschieb beide so erschüttert, daß sie vor Freude weinten unb nur weinen konnten, währenb brauhen bie Wiesen unb Schonungen und Städte mit der Geschwindigkeit von achtzig Kilo­metern vorüberflogen

Wie ein moderner ^iefenhompfer entsteht.

Don ben Vorstädten Glasgow« aus erblickt man heute eine seltsame Stadl im Entstehen, einen Wald von emporragenden Schornsteinen und Dächern. Ist es eine Riesenfabrik-Anlage, bie hier geschaffen wirb? WaS sich biet au« bem EhaoS gestaltet, ba« ist ba« Werben eine« modernen Riesendampfer«, berEm- preß of Britain, die wie ein Titan zwischen Zwergen auf ber Werft von Elybebank liegt. Noch ummauern sie Wälle unb Ketten, noch ist sie. wiePercival Phillip« in ber Daily Mail schreibt,Alle« unb Nicht«, ein Wol- kenkratzet ohne List, eine Ansammlung von Tunnel«, eine TeufelSküche mit geheimnisvollen feuerspeienden Maschinen, ein Gewirr von Slsengerüsten in vielen Stockwerken, ein Schiff mit einem Namen, aber ohne Seele. Doch wenn erst ein Jahr vorüber fein wird, dann wird sich ein Lurusdampfer. destengleichen die Gefchichte der Schistahrt noch nicht gefehen hat, au« bem Wirrwarr entwickelt haben. Wie viele von ben 2000 Neifenben, bie zu gleicher Zelt bie Freuden unb Genüsse eine« LuruShotelS unb die Zerstreuungen einer Großstadt hier genießen werden, werden dem Wundermärchen feine« Werden« nachsinnen? Will boch selbst ber Schifisarchitekt, ber Schöpfer bleie« Zaubergebildes, nicht« von einem Wunber wisten. Nach feiner Auffassung ist bie Sntstehung-sormel für ein solche« Rielengcbilde die natürlichste unb ein­fachste Sache ber Welt. Man nimmt nur 20000 Ton­nen Stahl, 41/, Millionen Nieten, 2500 Arbeitet ber verschiebensten Handwerke, dann noch solche Kleinig­keiten, wie Kefiel, Maschinen, Holztäfelungen. Tep­piche. eine Bareinrichtung unb vor allem genügend Gehirn, vereinigt alle» dieses in einem Raum von

etwa 800 Fuß Länge unb 150 Fuß Breite unb läßt sie 2/, Jahre auf einander einwirken

Das Drama de« Schtfi-baue- vollzieht sich in drei Akten. Zuerst kommen die Metallarbeiter an bieArbeit, ble den Außenbau zufammenfügen. Ihnen folgen Zimmerleute. Kalfaterer. Bleiatbeiter unb bie Vertreter ähnlicher Hanbwerkszweige. die ben zweiten Akt zu Enbe führen. Dann erscheinen die Ingenieure unb ble Kefselbauer auf bem Schauplatz, gefolgt von einem Heer von Malern. Tapezierern, Slektro- monteuren, Kabinenbauern unb ähnlichen Künstlern, bie ble letzte Hanb anlegen. Aber ber Plan zu all biefer unendlichen Vielheit, die taufend Hände be­wältigt, ist bi« zu letzten Einzelheiten von Anfang an vorliegend. Der Schifisarchileki der .Empteß" hat auch alle ihre Möbel entworfen. Bettgestelle, Speifezimmerstühle unb selbst jene kleinen kunstvollen Schränkchen, ble - ein neuer Zug ber Zelt - Whisky unb anbere Mittel, bie sich gegen bie Seekrankheit eignen, verschlossen halten sollen. Wo sich heute noch ein Etwa- auftut, ba« einer unvollenbeten Sifen- bahnftation ähnelt, wird sich über kurz ober lang ein herrlicher Speisefalon auebrelicn, ber größte un- gestutzte Raum, ben je ein Dampfer aufzuweifen hatte Diele Halle wird kostbare Wandmalereien unb Wanbbekorationen erhalten, ble von bem glei­chen Geist ber Einfachheit getragen werben wie bie ganze Einrichtung. Vie wird von Lichttiromen burch- stutet fein. Ueber gelänberlofe Treppen gelangt man mit Lebensgefahr zu Schiffsräumen, wo sich hier ein Spielzimmer im fpanifchen Stil mit forgfältig gearbeiteten (Xifentüren unb Kachelböden befinden wirb, bort ist ein Barraum vorgesehen, ber in ber originellen Malkunst Heath Robinson« eine Geschichte bes LocktailS aulweisen wird. Die Klnber werben ein wahre« Parabies finben; denn für sie find Kin- derzimmer vorgesehen, wie man sie sonst nirgend« findet. Ein Miniaturladen, bewegliche Modelle aller Ktnderstubenreime und ein Flugzeug wird für das Vergnügen der kleinen Gäste sorgen, indefien für die großen eine Sportarena von 60 Quadratfuß. ein gedeckter TenniSraum von zwei Stockwerken Höhe mit einer Zufchauergalerie herum, offene TenmS- plähe und ein wundervolle« Rauchzimmer im chi­nesischen Stil neben vielen Gefellschaftsräumen zur Verfügung stehen wird Was besonder« angenehm auffällt, Ist die außergewöhnliche Höhe des Deck«, ber Kabinen und aller Räume. 3m ganzen sind 11 Deck- vorgefehen unb über diesen Riefenraum die .Empreß" ist 250 in lang - werden sich ble Ge­laße für 423 Passagiere ber ersten Klasse, 260 Rei­sende der zweiten, 470 ber dritten Klaffe unb für 680 Offiziere unb Matrofen verteilen.