Turnen, Sport und Spiel.
Frühjahrsgeländelauf des 2. Bezirks des Gaues Hessen der O.T.
Don gutem Wetter begünstigt, fand am Sonntag der Frühjahrsgeländelauf des 2. Bezirks des Gaues Hessen der DT. in der Gemarkung Klein- Linden statt. Unter der Leitung des Bezirks- sportwarts Albert Weigel vom Turnverein Klein-Linden wickelte sich der Wettkampf glatt und ohne Unfall ab. Die Rennstrecke, Frankfurter- Wetzlarer Straße bis zum Allendorfer Wäldchen, eine saubere und glatte Straße ermöglichte es. daß recht gute Zeiten erzielt werden konnten. Das Ergebnis ist folgendes:
Strecke 5 Kilometer, Teilnehmer im Jahre 19 11 und frühe r geboren 15 Teilnehmer. 5 Sieger 1. Sieger. Karl Hermann Kleeberg, A. T. D. Rheinfranken. Gießen, 17:15,2 Win., 2. Karl Bender. Tv. Wetzlar. 17:41,7, 3. Hans Koch, M.T.D. Gießen, 18:15,5, 4. Willi Straub, Tv. 1846 Gießen, 5. Gotthard Wolf. Tv Wetzlar.
Strecke 3 Kilometer. Teilnehmer 19 12 und 1913 geboren: 19 Teilnehmer, 6 Sieger. 1. Sieger Wilh. Lindenstruth. Tv. Wetzlar - Rieder-Girmes, 10:19,2 Minuten, 2. Ferd Otto, Tv. Wetzlar, 10:26,7, 3. Hch. Rinn, Tv. Heuchelheim, 10:47; 4. Hans Helwig. Tv. Lich, 5. Hans Jsengard. Tv. Wetzlar, 6. Karl Schuster, Tv. Wetzlar.
Strecke 2 Kilometer, Teilnehmer 1914 und 1915 geboren 13 Teilnehmer. 4 Sieger: 1. Sieger: Artur Kehr, Tv Heuchelheim, 6:0,7 Min., 2 Alb. Römer, Tv Heuchelheim, 6:02,5, 3. Ludw Ulm, Allen- dorf a. d. Lahn: 4. Willi Jung, Tv. Klein- Linden.
Bei Den Mannschaftskämpfen erhielten in der Männer stufe mit 5 Kilometer Laufstrecke den ersten Sieg: Turnverein Wetzlar, in der Jugendoberstufe mit 3 Kilometer Laufstrecke den ersten Sieg: Turnverein Wetzlar und in der Jugendunterstufe mit 2 Kilometer Laufstrecke den ersten Sieg: Turnverein Klein-Linden.
Handball im Männerturnverein (O.T).
Tv. Heuchelheim I — Mio Gießen II 3:5 (1:1).
Am Sonntag kam aus dem Mto.-Plaß zwischen der zweiten Mannschaft des hiesigen Männerturnvereins und der ersten 'Mannschaft des Turnvereins Heuchelheim ein Handball-Freundschaftsspiel zum Austrag Trotz der starken Regengüsse der letzten Tage war der Platz in verhältnismäßig guter Verfassung. Beide Mannschaften traten in kompletter Aufstellung an und waren in ihrer Spielstärke ziemlich gleichwertig In der ersten Halbzeit zeigte die Gästemannschaft zwar ein besseres Zusammenspiel als die Einheimischen, doch konnten die Mto.er infolge der guten Abwehrarbeit ihrer Hintermannschaft, trotz starkem Drängen des gegnerischen Sturmes. das Resultat zu einem Unentschieden gestalten In der zweiten Halbzeit zeigte sich zunächst dasselbe Bild; erst nachdem die Gastgeber das Tempo steigerten und einen neuen Erfolg buchen konnten, fiel die Gästemannschaft immer mehr ob und konnte den schnellen Angriffen der Mto.er nicht mehr standhalten. Während die Gießener noch vier weitere Tore erzielen konnten, waren den heuchelheimern nur noch zwei Erfolge beschieden, so daß die Mtv.- Mannschaft mit 5:3 das Spiel für sich entscheiden konnte
Handball Garbenteich I. - Wieseck 3:3 (2:0).
Am Sonntag traten sich die beiden Turnermannschaften zu dem fälligen Derbandsrückspiel in Wieseck. Garbenteich fand sich sofort gut zu
sammen und brachte das Wiefecker Tor unmittelbar nach Anwurf in Gefahr. Es entwickelte sich ein äußerst flottes Spiel, in dem die Gästemannschaft vorerst den Einheimischen überlegen war Rach einigen Minuten erzielte Garbenteich das Führungstor, dem bis zur Halbzeit ein weiterer Trester dadurch folgte, daß der Wiesecker Torhüter durch Beeinflussung des Publikums einen als abseits bezeichneten Ball bewußt passieren lieh. In der zweiten Halbzeit
kurz nach Anpfiff lieh der Unparteiische wegen des Bolkstrauertags eine kurze Spielunterbrechung eintreten - hatte die Platzmannschaft mehr vom Spiel. In kurzen Zeitabständen konnte
gisch zu nehmen, zumal der Gegner als recht spielstark bekannt ist, wie seine Siege über die Ligareserve von Pirmasens (7:1), den Kreismeister Fechenheim (4:2), den D. f. R. Limburg, Oberliga (2:1) und über Bürgel (4:2) bartun. Kurz der Spielverlauf: Der Platzelf fällt es leichter, sich zu finden, als den Gästen, und sie zeigt von Anfang an ein vielversprechendes Spiel Ihr Zuspiel ist gut und ihre Angriffe sind schnell und forsch. Schon nach etwa zehm Minuten kann sie in Führung gehen. Franffurt braucht verhältnismäßig lange, bis es sich zurechtgefunden hat, wartet aber dann mit einer Reihe von schnellen Angriffen auf. Das Spiel
Einigung zwischen Turnen und Sport.
Die die Eimguno vollzogen. Lang (Leichtathletik — links), Linnemann (Fußball — Mitte), Dominicus (Deutsche Turnerschaft — rechts).
Fast ein Jahrzehnt zogen sich die Eimgungsoerhandlungen der Turn- und Sportverbände ergebnislos hin Nun endlich haben die Vertreter der Deutschen Turnerschaft, der Deutschen Sportbehörde für Leibesübungen und des Deutschen Fußballbundes sich darauf geeinigt, die drei Verbände zu einer yroßen deutschen Sportorganisation zu- fammenzuschließen.
sie Dreimal einsenden und Damit Die Führung an sich reihen. Mit diesem Resultat hätte das Spiel enden können, wenn Die Wiesecker Verteidigung nicht so weit aufgerückt wäre. So gelang es Garbenteich kurz vor Schluß, mit einem Durchbruch den Ausgleichstreffer anzubringen. Das Spiel wurde zur beiderseitigen Zufriedenheit von Turner Becker Kesselbach, geleitet
V. f. B.
Am Sonntag trat die Ligamannschaft gegen die Ligareserve (Pokalelf) der Frankfurter „Eintracht" auf dem Wald- sportplah an. Die Gäste hielten, was man sich von ihnen versprochen hatte. Sie zeigten vor allem ein ausgezeichnetes Stellungsspiel, flache Kombination und nicht zuletzt eine gute Körperbeherrschung. Die Platzmannschaft konnte als Gesamtheit nicht befriedigen. Wohl sah man verschiedentlich gute Einzelleistungen, auch hin und wieder einen Kombinationszug, im übrigen fehlte aber Has gegenseitige Verstehen der Spieler untereinander fast ganz und ließ infolgedessen auch ein Zusammenarbeiten der einzelnen Mannschaftsteile fast ganz vermissen. Die Ursache lag in der völlig veränderten Mannschaftsaufstellung, die einen Versuch zu einem neuen brauchbaren Mannschaftsgefüge, in dem vor allem der Sturm eine größere Durchschlagskraft besitzt, darstellte. Don diesem Gesichtspunkt aus betrachtet ist Die knappe Riederlage der Platzmannschaft nicht tra
tst verteilt. Während die Gästeelf vorwiegend mehr die engmaschige Kombination bevorzugt, bedient man bei D. f. B. mehr die Flügel. Die Chancen sind auf beiden Seiten gleich; bei Halbzeit lautet das Resultat noch 1:0 für D. f. B. Rach dem Wechsel sind die Cintrachtler im selben Maße im Vorteil und können nach kurzer Zeit den Augsleich erzielen. Gießen versucht, den verlorenen Vorsprung wieder zurückzugewinnen, verpaßt aber die s»ch ihm bietenden Gelegenheiten. Frankfurt kommt mehr und mehr auf; sein flinker Sturm stellt die einheimische Verteidigung vor eine schwere Aufgabe und vermag trotz deren aufopfernder Abwehr den zweiten und damit den Siegestreffer aiuubrin- gen. Während des Restes der Spielzeit sind die Gäste der Platzmannschaft in technisch und taktischer Beziehung überlegen, trotzdem kann diese das Spiel bis zum Schluß offen halten. Cs bleibt beim 2:l°Sieg der Eintracht. - Anlaß- lich des Volkstrouertages wird Der Kampf in Der zweiten Spielhälfte zu Ehren der im Weltkrieg Gefallenen auf zwei Minuten unterbrochen, während der Vorstand des V. f. D. am Ehrenmal im Ehrenhain einen Kranz niederlegte.
Die zweite Mannschaft hatte ein Gesellschaftsspiel mit der ersten Steinbergs abgeschlossen, das aber des schlechten Wetters wegen abgesagt wurde. — Auch das Verbandsspiel Der vierten Mannschaft gegen Steinbachs zweite konnte wegen Hnbe-
spielbarkeit des dortigen Platzes nicht zum AuS- trag kommen.
Die erste Jugend hatte im letztenPflicht- spie! Der diesjährigen Saison auf eigenem Platz die gleiche Aßlars zum Gegner und schlug diese nach überlegenem Spiel glatt mit 5:1. Bei der Bewertung des Resultats muß allerdings berücksichtigt werden, daß Aßlar das Spiel nur mit 9 Mann bestritt, nach seinen Leistungen zu schließen, wäre es jedoch auch in kompletter Ausstellung für den Sieg kaum in Frage gekommen, da die D. f. B.-Elf sich z. 3t in einer sehr guten. Verfassung befindet. - Die dritte Jugend stand in Büblingshausen der dortigen ersten gegenüber und verlor gegen den körperlich stärkeren Gegner mit 0:5. - Die jibrigen Jugend- und Schülerspiele kamen nicht zum Austrag
Spielvereimgung 1900 Gießen.
ö. Das Gesellschaftsrückspiel der L i g a Mannschaft in Friedberg ging verloren, und zwar in einer Höhe, die für die Mannschaft beschämend wirkt. Rach anfänglich recht guten Leistungen fiel die Mannschaft nach dem Seitenwechsel mehr und mehr ab. Mit 5:1 Toren triumphierte der Gastgeber V. f. D. F r i e d b e r g zum Schluß, obwohl vor der Pause die Gießener Die tonangebende Partei waren und mit mindestens 2 bis 3 Treffer führen mußten. Der Torreigen begann mit einem Handelfmeter für Friedberg, den der in seinen Leistungen schwache Schiedsrichter für „angeschossene Hand' an der Strafraumlinie bei Ausführung eines Eckballes verhängte. Der Elfmeter war schlecht placiert und haltbar. Der Gießener Halblinke erzielte mit schönem Schuh den Ausgleich, ließ aber die sicherste Gelegenheit aus, ebenso machten eS seine Mitspieler, so daß trotz größerem Spielvortell mit 1:1 die Seiten gewechselt wurden. Rach Wiederbeginn flaute der Kampfgeist: 1900s ganz ab. Der schwere Boden machte den Dlauweißen hart zu schaffen. Dazu kam, dah der Sturm, mit Ausnahme des Mittelstürmers und Ersatzlinksaußen einen ausnahmsweise schlechten Tag hatte. Der Rechtsaußen fiel wieder vollkommen aus. Der nach Krankheit erstmals wieder milwirkende Mittelläufer wurde in Der zweiten Halbzeit auch schwächer, was sich allzusehr auf das Stellungsspiel von Läuferreihe und Verteidigung auswirkte. Infolgedessen kam der Platzverein zu zwei weiteren Treffern aus ganz kurzer Entfernung. Beim dritten Tor Frned- bergs schied der linke Läufer Gießens bis zum Schluß aus. so dah die geschwächte und ermüdete Hmtermannfcyaft auch Die beiden weiteren Erfolge des Gastgebers nicht mehr verhindern konnte, und das um so mehr, als auch der sonst so gute rechte Verteidiger infolge einer Verletzung in feinen Leistungen bedenklich nachlieh.
Das schlechte Wetter lieh die sonst noch vereinbarten Spiele ausfallen. Rur die vierte E l f trat zum Verbandsspiel in Großen- Duseck (nicht Steinbach, wie irrtümlich in der Vorschau geschrieben) an. Die Gießener, die zur Zeit recht spielstark sind, blieben auch diesmal über die zweite Mannschaft des Gastgebers mit 5:2 Toren sicherer Sieger.
Handball der Sp.-Vg. 1900.
ö. Bei ihrem Gastspiel in Frankfurt am Sonntag trafen die 1900er in Der ersten Elf des dortigen Postsportvereins auf den erwartet spielstarken Gegner. Die Postsp?rtlcr brachten ihre Heberlegenheit durch einen 12:3- Sieg zum Ausdruck. Allerdings muß in erster Linie berücksichtigt werden, daß der Sieg gegen eine stark geschwächte Gießener Mannschaft erzielt wurde. Die Spielvereinigungsleute mußten
Sie gefiederte Schlange.
Vornan von Edgar Wallace.
2. Fortsetzung Rachwuck verboten
Sie war etwas verwundert über diese Frage
»Ich habe Sie dort gesehen — neulich war ich bei ihm, um ihn wegen einer Sache zu inter- viewen. Heute morgen habe ich mich wieder Daran erinnert.“
Er rührte seinen Tee gedankenvoll um und runzelte die Stirn.
„Die älteren Rovellisten erzählen in ihren Geschichten so schön, dah hübsche, junge Damen schlechtbezahlte Stellungen bei betrügerischen Besitzern von Spielklubs und Bankiers haben - aber in der letzten Zeit sind ja so skandalöse Bankkrachs nicht vorgekommen.“
„Bon der Welt weiß ich nichts, ich gehöre zum Mittelstand und fühle mich Da wohl,“ sagte sie lächelnd.
Das schien ihm zu gefallen.
„2ch kann Leute nicht leiden, die es in der Wett zu nichts bringen. — Kennen Sie die Dame dort drüben — sie sieht beständig zu Ihnen herübek“
Daphne wandte sich um.
„Das ist Mrs. Paula Staines,“ sagte sie. „Sie ist weitläufig mit Mr. Crewe verwandt."
Peter beobachtete die gutgekleidete Dame. Sie sah aber zu weit von ihm entfernt, als dah er ihr Gesicht genau sehen konnte.
»Sind Sie eigentlich mit Ihrer Stellung zufrieden?“ fragte er plötzlich.
»Sie meinen mit meinem Posten bei Wr Crewe?“ Sie zögerte. „Rein, eigentlich nicht. Ich versuche, eine andere Stellung zu frnden, obgleich ich mir nicht einbilde, daß ich Erfolg Dabei haben werde."
Er sah sie scharf an.
»2st Crewe nicht ein wenig verrückt? Er hat gerade keinen guten Rus Es wäre besser, wenn Sie von ihm fortgingen. Er hat sein Vermögen auf etwas seltsame Art erworben. Heber Rocht touröe er plötzlich reich, und niemand weiß woher dieser Geldsegen kam."
„Interessieren Sie sich so sehr für ihn, oder ist dies nur eine Aeußerung —"
„Meines allumfassenden Verstandes," beendete er den Satz „Rein, das gerade nicht. Ich inter- essiere mich wirklich für ihn. Ich berichte bei Der Zeitung besonders über Verbrechen mit einem etwas phantastischen Einschlag. Ich Hobe mir schon die verschiedensten Theorien über Crewe gebildet, aber keine von allen stimmt — Run essen Sie doch einmal Ihre Torte auf!“
Daphne gehorchte freundlich.
„Ich muß jetzt zu einer Dame gehen, um nachher einen Artikel über sie zu schreiben, der mindestens tausend Pfund Reklame wert ist — und dabei hat sie noch nicht einmal für zehn Pfund Schmuck verloren."
„Meinen Sie vielleicht Miß Ella Creed?" fragte Daphne überrascht. „Die junge Dame. Die in ihrem ©arten überfallen wurde?"
„3ft sie Ihnen bekannt?" fragte er.
»Glicht persönlich Sie kommt manchmal ins Haus Mr. Crewe war sehr bestürzt über den Aaub. Auch er hat eine Karte mit dem Bild der gefiederten Schlange gerade an Dem Tag erhalten, an Dem Miß Creed überfallen wurde, und das hat ihn sehr aufgeregt.“
Peter sah sie nachdenklich an.
»Och glaube nicht, daß etwas dahinter steckt", sagte er schließlich. „Dos Motiv zu dieser Geschichte ist irgendeiner älteren Rovelle entnommen." Er nannte Den Ramen eines Autors, und sie erinnerte sich dunkel, daß dieser seltsame und phantastische Geschichten schrieb. „3n Wirklichkeit tun Diebe so etwas nicht. Das ganze Gerede von sogenannten Warnungen ist Unsinn, und ich möchte nicht mit solchen Dingen belästigt werden. Wo gehen Sie hin?" fragte er plötzlich.
Dei dieser Frage lachte sie laut auf.
»3ch will mich in ein noch größeres Abenteuer stürzen Ich suche eine neue Stellung und habe nicht einmal den Schatten einer Hoffnung, dah ich dabei Erfolg haben werde!"
Vor Dem belebten Hoteleingang trennte er sich von ihr und schlenderte Dann zum Orpheum. Er nahm nicht an, dah Die Direktorin schon zu so früher Stunde im Theater sein würde und machte sich auf eine lange, unangenehme Wartezeit gefaßt Hm so mehr freute er sich, als er erfuhr, daß sie schon in ihrer Garderobe sei und ihn sprechen wolle.
Offenbar war Miß Ella Creed erst einen Augenblick vor ihm gekommen, denn sie war noch im Straßen kleid und hatte den Pelz noch um die Schultern. Peter begegnete ihr zum erstenmal, doch kannte er ihren Begleiter sehr' gut.
3oe Farmer war eine bekannte "Persönlichkeit in London. Seine Figur war etwas stark und untersetzt, und er hatte ein rotes, gewöhnliches Gesicht. Man sah ihm an, dah es ihm gut ging und dah er stets Erfolg hatte Er veranstaltete hauptsächlich Boxkämpfe und war außerdem Eigentümer einer ganzen Reihe berüchtigter Lo- kale, die in Der Stadt verstreut lagen. Bei den Kennen lieh er einige Pferde laufen, die in Berkshire trainiert wurden Denn fein Ruf auch nicht der beste war, erfreute er sich doch einer gewissen Popularität.
An feinen dicken Fingern glitzerten zahlreiche Brillantringe, so dah man lebhaft an das Schau- fenftcr eines Juweliers erinnert wurde Er hatte eine Schwäche und Vorliebe für Brillanten. Ein
außergewöhnlich großer Stein blitzte -in feiner Krawatte, den man nicht übersehen hätte, auch wenn er bescheidener gefaßt gewesen wäre.
Er grüßte Peter mit einem freundlichen Grinsen und streckte ihm seine dicke, etwas feuchte Hand entgegen.
»Das ist der richtige Mann für dich — mit dem mußt du sprechen," sagte er mit einer tiefen, heiseren Stimme. Er schien an einer unheilbaren Kehlkopfentzündung zu leiden. „Ra, kommen Sie, Peter-, alter Junge Rehmen Sie Platz. Lasse mich ihn dir einmal vorstellen, Ella — es ist Mr. Peter Derwent —"
„Dewin, mein armer, alter Bacchus,“ sagte Peter gelangweilt. „D—e—w—i—n."
Joe Farmer lachte heiser.
„Für mich ist es eben Peter. Werden Sie sich den nächsten bedeutenden Boxkampf ansehen, den ich in der großen Sporthalle arrangiert habe?" fragte er.
„Richts von Boxkämpfen jetzt!" fuhr Ella böse dazwischen. „Sind Sie Zeitungsreporter?" wandte sie sich an Peter. „Sie kommen vermutlich wegen des schrecklichen Heberfalls, den man gestern abend auf mich machte. Ich muß gestehen, daß ich noch niemals in meinem Leben solche Furcht empfand."
Sie sprach sehr schnell.
„Es ist noch ein Glück, dah ich nicht meine echten Juwelen trug Heutzutage kann es sich eine Dame nicht leisten, Perlenketten von zwan- zigtausend Pfund Wert spazieren zu tragen. Das verstehen Sie doch wohl, Mr. Dewin?"
„Kann ich einmal die Karte sehen?" unterbrach er sie.
öie öffnete ihre Handtasche und zog ein etwas schmutzig aussehendes Stück Karton daraus her- vor. das an einer Schnur befestigt war „Das fand man an meinem Halse hängen, als ich wieder zu mir kam," sagte sie. „Ich möchte gern, dah Sie folgenden Satz in Ihrem Bericht auf- nehmen: Ich verlor niemals meine Geistesgegenwart und wenn man mich nicht bewußtlos gemacht hätte —"
„Hat man Sie schwer verletzt?" fragte Peter
Sie zögerte Der Wunsch, in der Öffentlichkeit möglichst großartig dazustehen, wurde nun doch etwas gedämpft Sie erinnerte sich, dah sie schon eine ganz genaue, Der Wahrheit entsprechende Aussage vor der Polizei hatte machen müssen.
„Man hat mich in einer ganz besonderen Art bewuhtlos gemacht," fügte sie etwas kleinlaut hinzu „Hm bei der Wahrheit zu bleiben — ich wurde ohnmächtig."
„Würden Sie die Leute, die. Sie überfallen haben, wiedererkennen?"
Eie schüttelte den Kopf.
„Rein, es war ganz dunkel. Gewöhnlich wartet mein Chauffeur, bis ich ins Haus gegangen bin. Aber törichterweise und ganz unüberlegt sagte
ich ihm, dah er gehen könnte. Hnd gleich darauf ereignete sich der Heberfall."
Peter betrachtete die Karte mit dem Bild der gefieberten Schlange genau.
„Glauben Sie, dah sich jemand einen Scherz mit Ihnen erlaubt hat?"
Sie wurde ärgerlich über feine Frage.
„Einen Scherz?" erwiderte sie scharf. „Bilden Sie sich Denn ein, dah meine Freunde sich so etwas herousnehmen würden? Rein, diese Kerle waren hinter meinen Juwelen her, und ich möchte einmal ihre Gesichter gesehen haben, als sie entdeckten, dah sie nur wertlose Imitationen erbeuteten!“
Peter hörte zum erstenmal die Geschichte von der Karte, die sie am Abend vorher in ihrer Handtasche gesunden hatte. Sie wurde ihm später, ohne dah er danach fragte, von Daphne Olroyd bestätigt.
„Es ist merkwürdig," sagte Mih Ereed in ihrer abgerissenen Sprechweise, „dah mein Freund, -er bekannte Börsenspekulant, Mr. Leicester Crewe, auch eine solche Karte erhielt und —"
„Ich nämlich auch," mischte sich Joe Farmer plötzlich ins Gespräch. Dabei verzog sich fein Gesicht au einem langen Grinsen. „Sagen Vie mal, was denken Sie eigentlich davon, dah man diesem unschuldigen Baby so etwas angetan hat?"
Joe hatte viel mit amerikanischen Boxern zu tun und sich Dabei eine etwas burschikose Sprechweise angeeignet.
„Hören Sie mal zu, Peter, ich glaube, ich habe eine große Geschichte für Sie, eine ganz große —“
„Halt den Mund!" sagte Ella scharf. Ihre Worte klangen nicht gerade sehr fein und gewählt. „Deine Geschichte gehört jetzt nicht hierher."
Sie war so heftig geworden, daß sie glaubte, eine Erklärung dafür geben zu müssen.
»Mr Farmer glaubt nämlich, daß es ein Mann tat der immer einen Haß auf uns beide hatte, ober der ist tot und kann es unmöglich gewesen sein."
Sie schaute Farmer bedeutsam an.
„3e weniger darüber gesprochen wird, desto besser.“
„Er mag tot oder noch am Geben fein,“ sagte Joe vorsichtig. „Ich habe meine besonderen Ansichten Darüber, unb ich handle auch danach Ich gehöre zu Den Leuten. Die man wohl führen kann, aber ich lasse mich nicht zu etwas Drängen. Verstehen Sie mich? Wenn mich Die Leute recht behandeln, so behandle ich sie auch recht —*
„Willst Du endlich schweigen!" Diesmal war Miß Ella Ereed wirklich sehr ärgerlich, und der Veranstalter Der Boxkämpfe gehorchte ihr sofort.
(.Fortsetzung folgt) • 1


