Dienstag, 18. Mürz MO
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Nr. 65 Zweites Blatt
Vottstraueriag in Berlin
Die Feier im Reichstag.
Reichspräsident von Hindenburg grüßt beim Verlassen des Reichstags die Ehrenkompanie der Reichswehr. Reben dem Reichspräsidenten General Heye.
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Koch für eine Mertelmillion berliner.
Bierströme und Bockwürste am lausenden Band. - Stündlich 14000 belegte Brötchen. — Zm Jahr werden 8 Millionen psund Fleisch und Geflügel verzehrt. Die Berliner find anspruchsvoller geworden.
Don Rudolf Bier.
Wer sehr schnell reich werden will, darf nicht versuchen, den wohlhabendsten Leuten seine Waren zu verkaufen — es gibt zu wenig Millionäre! Wool- worth ließ sich den größten Wolkenkratzer Reu- yorks von dem Geld erbauen, das er beim Verkauf von Gegenständen im Werte von 5 und 10 Cents verdient hatte, und Dinge, die nur 20 oder 45 Pfennige kosten, werden natürlich nur von den minderbemittelten Schichten Amerikas begehrt. Die Warenhäuser in der ganzen Welt, deren Wachstum so erstaunlich ist, haben alle mit dem Verkauf billiger Gegenstände begonnen, dem Grundsatz folgend, daß der geringste Nutzen sehr vorteilhaft sein kann, wenn nur der Umsatz der Massengüter entsprechend steigt. Auf dieselbe Weise wie Woolworth oder die großen Warenhausbesitzer sind auch zwei Unternehmen groß geworden, die heute aus den beiden größten europäischen Städten nicht mehr wegzudenken sind. Im Jahre 1887 verkaufte der Engländer Lyons auf einer Ausstellung die Portion Tee zu 2 Pence, während es sonst Üblich war, für dieses Getränk drei Pence zu nehmen. Er machte ein glänzendes Geschäft und gründete bald darauf kleine Restaurants, in denen neben dem billigen Tee auch billige Mahlzeiten verabreicht wurden. Jetzt werden in den zahlreichen Lyons-Läden in London wöchentlich zehn Millionen Mahlzeiten ausgegeben, und das Unternehmen beschäftigt nahezu 30 000 Angestellte. Nicht ganz so gewaltig hat sich die Gründung der beiden Brüder Äschinger entwickelt, die fast um dieselbe Zeit und ohne Kenntnis dessen, was in London gleichzeitig versucht wurde, ihre erste „Bierquelle" schufen, aus der inzwischen das größte deutsche Re- staurations- und Hotelunternehmen geworden ist.
Wer in Berlin gewesen ist, kennt die Bierstuben oder die Konditoreien dieses Konzerns, zu dem außerdem zwei große Hotels am Potsdamer Platz und eins am Charlottenburger Knie gehören. Aber der Fremde weiß gewöhnlich nicht, daß dieselbe Gesellschaft auch die Aktienmehrheit eines Unternehmens besitztz das vier der vornehmsten und größten Berliner Hotels, ein Weinrestaurant, ein großes Bier- restaurant am Bahnhof Friedrichstraße, zwei be- riihmte Kaffeehäuser Unter den Linden und das Varietö „Wintergarten" betreibt. In diesen Hotels können weit über 2000 Gäste untergebracht werden, und in den Bierstuben und Restaurants des Konzerns speisen täglich rund 250 000 Berliner. Um die hungrigen Mägen zu sättigen und den Durst der Gäste zu stillen, sind ganz gewaltige Mengen von Rahrungs- und Genußmitteln nötig. Jährlich werden ungefähr 74 Millionen Pfund Fleisch, 500 000 Pfund Geflügel, 300 000 Pfund Fische, 8 Millionen Pfund Kartoffeln, 24 Millionen Pfund Gemüse, 225 000 Pfund Käse, 4 Millionen Eier und 4 Million Pfund Zucker verbraucht. Täglich werden 25 000 Liter Bier ausgeschenkt, und zu den 30 000 Tassen Kaffee, die getrunken werden, braucht man jährlich 220 000 Pfund der schwarzen Bohnen. Die Berliner trinken nicht gern schwarzen Kaffee, und da auch zu den Speisen Milch und Sahne verbraucht wird, verschlingt der Betrieb ständig eine ungeheure Menge dieser Molkereiprodukte, nämlich 250 000 Liter Milch und 375 000 Liter Sahne im Jahr.
Es gibf heute viele Restaurants in Berlin, die „Aschingers Bierquellen" außerordentlich ähnlich sind, und in denen man schnell und billig einen Imbiß nehmen und ein Glas Bier trinken kann. Sie alle
sind äußerlich daran kenntlich, daß der Schanktisch im Schaufenster steht, eine Einrichtung, die heute niemand mehr auffällt, aber doch erst durch die Brüder Äschinger volkstümlich gemacht wurde. Sie wollten ihren Kunden zeigen, daß nur frisches Bier aus- geschenkt wird, und nicht etwa, wie dies früher manchmal vorgekommen sein soll, die Reste anderer Gäste mit verwertet werden. Ein Besuch solcher Restaurants und vielleicht ein Gang durch die Küche zeigt nichts Außergewöhnliches. Sehenswert und in Deutschland einzigartig ist dagegen die Zentrale des großen Restaurationskonzerns, die das Publikum nicht sieht, und in der die Speisen vorbereitet werden, die man später in den vielen Lokalen kaufen kann.
Ein mächtiges Fabrikgebäude im Berliner Norden. Die Besichtigung der Werkstätten beginnt im fünften Stock, wo eine Maschine steht, die täglich 250 Zentner Kartoffeln waschen und sortieren kann. Man geht weiter und gelangt in eine mit allen modernen Maschinen ausgestattete Tischlerei — natürlich gibt es* in einem so großen Betrieb stets Tischlerarbeiten auszuführen. Darunter liegt die Waschanstalt, in der ungeheure Mengen schmutziger Wäsche gereinigt wer- den. Zehn große elektrische Trommeln, fünf Zentrifugen, einige Muldenmangeln und andere Apparate sind für diesen Zweck ständig in Betrieb. Mit amerikanischen Bügelpressen wird geplättet, und fünfzehn elektrische Nähmaschinen dienen der Ausbesserung des schadhaften und der Anfertigung neuen Materials. Man kann zuerst gar nicht verstehen, daß man sich in einem Unternehmen der Lebensmittelbranche befindet, wenn man durch die langen Hallen wandert, in denen die Wäschetrommeln ausgestellt sind, oder wenn man ein Stockwerk darunter die Schlosserei besichtigt, in der nicht nur Reparaturen ausgeführt, sondern auch viele neue Dinge angefertigt und sogar kupferne Geschirre verzinnt werden. Den Restaurationsbetrieb spürt man erst in den großen Küchen, in denen Gemüse, Kartoffeln, Geflügel und Fische vorgekocht werden. Die Fertigstellung der Gerichte ist den einzelnen Lokalen über« , lassen. Aber auch in diesen Küchen und in den Räumen, in denen die Dauerwurst fabriziert wird, fällt I die große Zahl moderner Maschinen auf. Ohne die
Anwendung dieser technisck>en Hilfsmittel wäre es z. B. nicht möglich, in der Kochwurstfabrik im zweiten Stockwerk in jeder Stunde 20 000 Pfund Fleisch zu verarbeiten. Das Rohmaterial'für diese Abteilung wird aus dem Erdgeschoß heraufbesördert, wo sich die größte Berliner Schlächterei befindet. Wie in den Markthallen hängen die halben Schweine, die Kalbskeulen, die Rinderviertel an den Haken, und eine Armee von Schlächtern zerlegt die Tiere, deren Fleisch bald daraus gekocht, gebraten ober geräuchert ist. Neben der Schlächterei liegt die große Bierwurstfabrik, deren Arbeiter jahraus, jahrein nichts anderes tun, als Fleisch in kleine Därme zu füllen und die Würstchen soweit fertigzumachen, daß sie in die benachbarten zehn großen Räucherkammern gehängt werden können. Der Würstchenverbrauch ist unvorstellbar groß, aber entsprechend groß ist der Konsum an Mostrich. Im ersten Stockwerk des Zentralgebäu- des befindet sich deshalb eine eigene Mostrichfabrik, neben der ein großes chemisches Laboratorium liegt. Dort hantieren die Nahrungsmittelchemiker mit Retorten und Mikroskopen, um die Qualität des Fleisches oder der Butter zu prüfen, vor allen Dingen aber, um darüber zu wachen, daß die Wurstfabrikation richtig vor sich geht. Wurstvergiftungen, die in der heißen Jahreszeit zuweilen Vorkommen, müssen in diesem Betrieb unbedingt vermieden werden, weil die Kundschaft sonst unwiderruflich verloren gehen würde.
Es ist fast unmöglich, alle Nebenbetriebe dieses gewaltigen Unternehmens zu beschreiben. Da gibt es Werkstätten für Elektrotechniker, eine Messerschmiede, eine Silberputzanstalt, viele Lagerräume, Obstküchen, Speiseeisfabriken, eine Kaffeerösterei und vor allen Dingen riesige Bäckereibetriebe. In der Brötchenbäckerei stehen zwei Oefen, deren jeder in der Stunde 14 000 Brötchen backt. Wenn man rechnet, daß die Hälfte dieser Brötchen zur Bierwurst, zur Brühe oder zu den Fleischspeisen trocken verzehrt werden mag, so ergibt sich, daß in jeder Stunde immer noch 14 000 ganze oder 28 000 aufgeklappte halbe belegte Brötchen zum Verkauf gelangen. Ein Roggenbrotofen ist 36 Meter lang und liefert die fertigen Brote fast ohne menschliches Zutun. In den Konditoreien, den Bäckereien und den Küchen ist es stets recht warm, aber die Apparate der Speiseeisfabrik werden stets auf einer Temperatur von etwa 25 Grad unter Null gehalten; angenehm kühl, jedoch stets frost- frei ist es in den großen Weinkellereien des Unternehmens.
Der Mann, der seit 28 Jahren diese Betriebe leitet, hat seine Laufbahn als Vertreter einer Spiegelglasfirma begonnen. Er war ein alter Freund der Brüder Äschinger, die vor 13 und 11 Jahren gestorben sind, und er kann wie kein anderer aus seiner langen Erfahrung beurteilen, ob sich der Geschmack des Berliners verschlechtert oder verbessert hat. Nach seiner Ansicht ist in keiner Weise daran zu zweifeln, daß man heute besser als früher essen will. Kaviar, Hummer ober Lachs wurden früher nur in vornehmen Lokalen verabreicht, werden aber jetzt überall verlangt. Die Lieblingsspeise des Berliners ist jedoch heute wie vor einem Vierteljahrhundert dieselbe geblieben: 4000 Portionen ßöffelerbfcn mit Speck werden täglich in den Speisehäusern dieses Konzerns bestellt — eine solide Grundlage für hungrige Mägen und für die Kalkulation der Restaurants.
Ser Frankfurter Fernsprechbetrieb nur noch automatisch.
WEN. Frankfurt a. M., 16. März. Am Samstag sind auch die FrankfurterFern-- sprechämter Hansa, Taunus und Römer auf den vollautomatischen Betrieb umgestellt worden. Lieber 200 Beamte waren den ganzen Tag bis weit in die Rächt hinein beschäftigt, um das schwierige Werk zu vollbringen. Die Zahl der durch den automatischen Betrieb überflüssig werdenden Beamtinnen ist erheblich, doch konnten die Kündigungen auf ein Mindestmaß beschränkt werden. Zu einem großen Teil sind die Beamtinnen in anderen Dienststellen oder auswärts untergebracht worden.
Walter und die Katze Letizia.
Don Bert (Schiff.
Rachdruck verboten.
Wir fuhren zum ersten Male mit Walter ins Dorf. Es wurde Abend. Er sollte zeitig zu Bett, deshalb setzten wir uns sogleich an den Tisch.
Walter aß Reisbrei. Plötzlich stieß er einen Schrei aus, ließ den Löffel fallen. Die Katze war auf den Tisch gesprungen.
3d> suchte ihn zu beruhigen: „Sieh, die gehört mit zur Familie. Der Opa. die Oma und das Mädchen sitzen sonst allein am Tische. Jener Platz ist für Letizia. Sie kann sich natürlich keinen Stuhl heranrücken. Da wartet sie nun hübsch artig, bis ihr ein Bissen Brot, mit Butter bestrichen - du magst ja auch nichts trocken essen - oder ein Endchen Wurst zugeworfen wird." So geschah es, ländlich — sittlich.
Aber es hals wenig. Er war ohnedies übermüdet von der Reise. An dem Abend war nichts mehr mit ihm anzufangen, und als er zu Bett gebracht wurde, mußten wir ihm versprechen: »Die Tür zwischen deinem und unserem Schlafzimmer bleibt offenstehen."
Am Morgen führte ich ihn in den Kuhstall. Er klopfte wohlerzogen an die Tür. Ich öffnete. Die Magd saß mit einem Eimer unter der Kuh. Als sie die schäumende Milch direkt vom vollen Euter zwei Meter weit bis an die Wand gegenüber spritzte, machte ihm die weihe Fontäne höllischen Spatz. Er sperrte den Mund auf. Am liebsten hätte er die zehn Liter kuhwarm mit offenem Munde aufgefangen. Die seitlichen Fehltreffer schadeten der blauen Lieberschürze wenig.
Aber plötzlich drückte er sich an mich. „Sieh da!"
„Eben, Letizia". besänftigte ich ihn. Das Phosphoreszieren ihrer Augen im Halbdunkel erschreckte ihn. Ich bemerkte sie auch erst jetzt.
„Warum miaut sie?"
„Sie bittet um ein Näpfchen voll Milch." Er- fahrungsgemätz fiel es ihr zu, sobald die Magd ihre Ernte beendet hatte.
„Warum schmiegt sie sich an deine Schuhe und Hose?"
„Sie liebkost mich und will gestreichelt sein. Genau wie du."
Diese Vermenschlichung brachten ihm Letizia nahe. Insbesondere auch die gleiche Funktion des Milchtrinkens
„Fahre mit der Hand mal über ihren Rücken!" Walter tat es „Oh, wie weich!" sagte er.
Es war sicher nur eine Illusion. Denn er strich über dem Fell in der Luft entlang, getraute sich nicht, die Haare zu berühren.
Er erklärte sich auch bereit, ihr selbst das volle Räpfchen zu reichen, tat es mutig-zittemd. lieft es schließlich aber dennoch fallen, als Letizia auf seine Gabe zuschritt. Die nächsten Tage ahmte er die Art ihres Trinkens mit der leckenden Zunge und ohne Ansehen der Tasse an den Mund nach, mit mehr Eifer als Erfolg.
Letizia. Ich nannte sie so nach der berühmten Mutter der fünf Könige. Zwar stammte sie nicht, wie jene, von der Insel Korsika; aber ihr Stammbaum war im Dorfe sehr angesehen, da sie als gute Mäusefängerin galt. In der Rachbarschaft fand man viele ihrer Söhne, Töchter und Enkel. Sie war eine bejahrte Same. Peinlich sauber. Oder eitel. Das Grau des Pelzes mit fleckenlosen, samtenen Streifen Weiß durchsetzt.
Am Mittag brachte Letizia eine Maus. Sie konnte sehr genau ihre edlen Taten von den Vergehen unterscheiden. Bei Näschereien ergriff sie schleunigst die Flucht. Nun wußte sie. daß Lob und Ruhm ihrer warteten.
„Pfui Teufel, die könnt' ich nicht essen!" sagte Walter.
Dann hantierte er mit einem Seil herum. Drehte eine Schleife. Ich wußte nicht, wozu. Letizia sah zusammengekauert in der Sonne, träumte oder dachte über etwas nach. Er wollte ihr den Strick um den Hals werfen und sie hinter sich herziehen, wie zu Hause in der Stadt die hölzerne Ente, die auf vier Rädchen watschelnd rollte.
Letizia fauchte.
Er rannte entsetzt zu mir.
„Was ist denn los?"
„Letizia explodiert!"
Vor dem Gashahn und allen Dingen, vor denen ich ihn eindringlich zu warnen wünschte, sagte ich immer, „es explodiert". Er verband damit eine schreckliche Vorstellung.
Ein Rattenpintscher kam auf den Hof. Er ging in gemessener Distanz um sie herum. Sie war keine Ratte. Als ihm dennoch einmal diese Täuschung widerfuhr, fuhr sie ihm mit den Krallen derartig kräftig nach den Augen, daß er fortan allen Händeln mit ihr aus dem Wege ging. Dann kam ein großer Fleischerhund. Es war ein robuster. draufgängerischer Geselle. Letizia wußte,
mit dem ist nicht zu spaßen. Mit drei Sähen war sie aus einem Baum in Sicherheit.
Das gefiel Walter.
Beim Abendessen riefen wir: „Walter, wo steckst du denn?"
Er kam überhitzt, die Schürze total mit regennassen Baumflechten beschmiert. „Ich wollte auch auf den Baum klettern."
Nachts wurde ich jäh aus dem Schlafe geweckt. Ich eilte an sein Bett. Lettzia sah ich gerade noch durch die Türspalte huschen. An seiner Hand war ein kleines Blutgerinnsel.
Sie hatte sich mit dem Fell an ihm gerieben. Er bewegte die Hand; vielleicht hatte er ohnedies von ihr geträumt. Sie mißverstand das als Drohung und hackte in der Abwehr mit den Krallen nach ihm. Ich verbynd die leichte Wunde, ärgerlich, ob des gestörten Schlafes.
„Wir schaffen sie . fort!" sagte der Hausherr.
Letizia war in der Nachbarschaft ohnedies verhaßt, seitdem ein kleiner Brand ausgebrochen, für den es keine richtige Aufklärung gab. Man munkelte, Letizia habe in ihrem Fell einen Funken verschleppt. Denn sie liebte es, nach dem Brot- backcn in den warmen Ofen zu kriechen. Ich glaubte nicht an diese unbewiesene Kombination.
Wenn Letizia über die Straße ging, schleuderten die Dorfjungen Steine nach ihr. Ich erwischte auch Walter dabei. Es war keine eigentliche Grausamkeit, mehr die Freude am Knalleffekt. Billiges Siegerglück, weil Letizia dann schleunigst in die unzugänglichen Winkel zwischen den Scheunen flüchtete.
Ein weiter Kartoffelsack wurde bereitgelegt, und als Letizia ahnungslos sich über die Milch im Näpfchen beugte, wurde er ihr über den Kops geworfen. Auf einem Pferdefuhrwerk, das in die nächsten Dörfer fuhr, wurde sie trotz ihres Miauens mitgeschleppt. Dann wurde der Sack vor einem Weiler geöffnet.
Ich erklärte es Walter: „Man hat ihr die Stelle gekündigt, wie einem Angestellten, mit dem der BrotArr unzufrieden ist. Sie muß sich nun nach einem neuen Hntertommen umsehen."
Aber nach drei Tagen war Letizia wieder zur Stelle. Ob chr die Dorfglocken oder eine andere Witterung den Weg gewiesen, weih ich nicht- Sie schlich sich scheu ins Haus hinein. Auch ihre jugendliche Nachfolgerin duldete sie. Als sie jedoch sah, daß sie wieder in Ehren aufgenommen wurde, biß sie jene Konkurrentin bald l entschlossen aus dem Hause.
Ein Jahr ist seitdem vergangen. Ich fragte gestern Walter: „Wo warst du bis jetzt?"
Er nannte fünf Städte und ein Dors.
„Wo hat es dir am besten gefallen?" Er nannte das Dorf.
„Warum?"
„Dort ist die Katze Lettzia."
Roro-Anekdoien.
Personen des kleinen Schauspiels:
Eine ältliche Dame — und Roda Roda.
Sie (lebhaft): Nein — dieses überraschende Wiedersehen nach so vielen Jahren! Erinnern Sie sich noch? In Wien! Sie haben mich damals glühend angebetet, lieber Freund; haben geschworen, sich zu töten, wenn ich Sie nicht erhöre."
Er (neugierig): „Nun, gnädige Frau? Lind Sie? Haben Sie mich erhört?"
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Man sprach vom Dichter S. und seinen beiden Söhnen: der eine sei Rellameanwalt geworden, der andere kopiere alte Bilder im Museum.
„Kurz, sie haben das Talent ihres Vaters geerbt,“ sagte Roda Roda.
Carl Röhler und Roda Roda saßen in einen Münchener Kneipe, als der bekannte Literat 2E. auftauchte und sie um je fünf Mark anpumpte.
Röhler zinste willig; Roda Roda weigerte sich.
Als T. gegangen war, sagte Röhler:
„Du hast unrecht getan, Roda. Er wird dir nun übel nachreden — dagegen wird er für lumpige fünf Mark mein Freund fein."
Roda darauf: „Als Feind ist er aber viel zuverlässiger."
*
Der Bankier C. in Frankfurt wollte von Roda Roda ein Autogramm; er sei Sammler.
„Ich auch," erwiderte RR. „Wissen Die was, Herr C.? Tauschen wir Schecks über hundert Mark."
*
Eine Zeitschrift hatte Roda Roda aufgefordert, ihr humoristisch „eine peinliche Situation" zu schildern, in der er sich befunden.
R. R. antwortete: „Sie verlangen von mir einen humoristischen Beitrag. Lind mir fällt nichts ein, nicht das mindeste. Das ist gewiß eine überaus peinliche Situation. Das Honorar für diese wahrheitsgemäße Schilderung erbitte ich auf mein Postscheckkonto."


