Ausgabe 
17.2.1930
 
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Schäferschen Bilderbibel. Die Bild« gefielen all­gemein gut trotz ihrer Neuartigkeit gegenüber den herkömmlichen Bildern.

&. Lich, 13. Febr. Gin großes Verdienst er­warb sich der hiesige Volksbildungs­verein durch die Veranstaltung eines Volks­liederabends. Der Frauenchor, de'.sen Lei­terin, grL 2 äger. die Anregung zu dem Abend gegeben hatte, der Gesangverein .Cacilia" und der Arbeitergesangverein .Einigkeit" boten in ihren Gesängen schlichter deutscher Volkslieder vortreffliche Leistungen. Der Frauenchor hatte sich die Aufgabe gestellt, alte Volkslieder der Vergessenheit zu entreißen: .Ich fahr dahin", 15. Jahrhundert, .Der Kuckuck", 16. Jahrhundert; .Frau Nachtigall", 1753, u. a. m. Gerade ein Chor mit Frauenstimmen ist besonders geeignet, diese zarten Weisen des Volksliedes den Zu­hörern ins Herz zu singen. Aber auch die beiden Männerchöre verstanden es meisterhaft, Liebe für das Volkslied zu wecken; es seien nur ge­nannt: .Die drei Röselein" (Gesangverein Einig­keit) und .Der Schweizer Soldat" (Gesangverein Cäcilia), als zwei Chöre, dem Charakter des Abends völlig gerecht werdend. Auch die anderen Chöre waren beachtliche gesangliche Leistungen. Alles in allem darf gesagt werden, daß dieser Volksliederabend ein wohlgelungener Abend war und den mitwirkenden Vereinen und ihren Lei­tern herzlicher Dank gebührt. Desonderen Dank verdient aber der Vortrag des Herrn Direktor Schmidt, Friedberg, der sich die Aufgabe ge­stellt hatte, in einem Vortrag über das deut­sche Volkslied zu referieren. Er löste meisterlich diese Aufgabe. Mit großer wissenschaftlicher Gründlichkeit gab er ein übersichtliches Bild über Entstehung und Wesen des deutschen Volksliedes.

* Lich. 17. Febr. Am 28. und 29. Juni feiert der Radfahrer-VereinEdel­weiß" - L i ch sein zehnjähriges Bestehen. 3n Verbindung mit dieser Feier ist dem Verein das diesjährige Dundesradfahrerfest des Bundes Oberhessen übertragen worden. Aus diesem Anlaß fand vor einigen Tagen auf Einladung des festgebenden Vereins in der Gast­wirtschaft von Ludwig Vogt eine Besprechung der Vorsitzenden verschiedener Ortsvereine statt. Vach den Erläuterungen über die Art und den Umfang des in Aussicht genommenen Festes ist dem geschäftsführenden Ausschuß des sestgebenden Vereins die Bildung der einzelnen Ausschüsse übertragen worden. Es soll nun eine weitere Sitzung sämtlicher Auschußmitglieder folgen. Dem Vernehmen nach werden e:wa 1000 bis 1500 Rad­fahrer an dem Bundesfest teilnehmen.

s. Inheiden, 13. Febr. Dieser Tage fand in dem benachbarten Feldheimer Wald die Ver­steigerung einer großen Menge Brennholz statt. Da ein beträchtlicher Teil des Waldes abgeholzt wurde, um dort Eisen­erz zu gewinnen, gelangten etwa 500 Raum­meter Buchenscheitholz und 300 Raummeter Knüppel, sowie 1000 Raummeter Astreiser zum Verkauf. Es hatten sich infolgedessen Steigerer aus der ganzen nördlichen Wetterau bis Echzell, Wölfersheim und Gettenau eingefunden. Das Scheitholz kam auf 11 bis 12 Mk., Knüppel auf 7 Mk. und Stöcke auf 5 Mk. je Raummeter. Die Buchenastreiser wurden für 1 bis 1.20 Mk. gesteigert. Eichenscheitholz stellte sich auf 5 Mk. je Raummeter, Knüppel auf 4 bis 5 Mk. durch- fchnittlich, während Eichenstöcke der Raummeter für 4 Mk. zu haben war. Cichenreiser kamen aus 60 Pf. je 1 Meter. Wenn diese Preise teU- weise auch über den durchschnittlichen diesjähri­gen Holzpreisen liegen, so kommt doch in Be­tracht, daß das Holz im Feldheimer Wald, dem einzigen unserer Gegend, nahe zu holen ist, während für Fuhren nach den übrigen Waldun­gen fast ein ganzer Tag benötigt wird.

Kreis Friedberg.

Pb. Butzbach, 16. Febr. Heute vormittag, kurz nach 11 llßr, stießen an der Kurve in der Vieder-Weiseler Straße zwei Autos zu-

Me blonde Sklavin.

Vornan von Hermann Weick.

8. Fortsetzung. Nachdruck verboten

IX.

Seit zwanzig Minuten wartete Felix Schul­hofs. Immer wieder sah er auf die Uhr. Um elf Uhr sollte Eva Witte da sein; aber noch immer zeigte sich keine Spur von ihr.

Eine starke Unruhe war in Schulhofs, während er hin und her ging. Warum kam Eva nicht?... War sie abgehalten worden? ... Würde sie heute überhaupt nicht mehr erscheinen?

" Sie hatte doch versprochen, zu kommen. Schon dreimal hatten sie sich, immer in Abständen von zwei Tagen, im Tiergarten getroffen. Die Stunde, die sie beisammen weilten, war ihnen wie im Fluge vorübergeeilt. Und traurig, als g:lte es eine Trennung fürs Leben, waren sie jedesmal voneinander gegangen.

Mieder waren zehn Minuten verstrichen, ohne daß die Erwartete erschien. Schulhofss bemäch­tigte sich eine große Viedergeschlagenheit. So sehr hatte er sich auf dieses Wiedersehen ge­freut, mit nie gekannter Sehnsucht dieser Stunde entgegengefiebert..., nun wartete er umsonst...

Plötzlich durchfuhr es ihn heiß.

In der Vähe hielt ein Mietauto, eine Dame flieg aus ...

Es war Eva Witte.

Echulhoff eilte auf sie zu.

Endlich! ... Ich habe schon gefürchtet, Sie kämen nicht!" sagte er und preßte ihre Hand.

Ich bin auf gehalten worden", antwortete sie hastig.Verzeihen Sie!"

Die Hauptsache ist, daß Die jetzt da sind! Ich habe mich unsagbar daraus gefreut!"

Sie gingen durch den Tiergarten. Andere Spaziergänger kamen ihnen entgegen. Sie sahen nichts von ihnen. Alles war ihnen versunken vor dem einen Gedanken: daß sie wieder bei­sammen waren.

Als seien sie aus einer einsamen Insel, los­gelöst von der übrigen Welt, war ihnen zumute. Durch ihre Worte schwang das jubelnde Glück, das sie beide erfüllte.

Manchmal kann ich es nicht begreifen, daß wir uns erst so kurze Zeit kennen," sagte Felix Schulhofs.Ich meine, wir seien schon immer so Seite an Seite gegangen, unser ganzes Leben lang!"

Eva Witte erwiderte nichts darauf, aber ihre Augen sahen in weichem, hingebungsvollem Glanz den Mann an. Da wußte er, daß sie dachte und fühlte wie er.

»Ich denke immer an Sie, Eva! Wenn ich bei

Starkenburg gegen die Sekoga-Verlräge.

-Weitere Verhandlungen mit der Ruhr auf anderer Basis.-

Darmstadt, 15.Febr. (WEN.) Heute vormit- tag trat der neugewählte Prooinzialtag der Provinz Starkenburg zu seiner ersten Sitzung zusammen. Provinzialdirektor Gebhardt begrüßte die Provinzialtagmitglieder und gab der Hoffnung Ausdruck, daß ein gedeihliches Zusammen­arbeiten möglich sein werde.

Bei der Wahl der Prooinzialausschuß- niitgliebcr erhielten die Sozialdemokraten vier Sitze, die verbündete bürgerliche Liste (Deutsche Volkspartei und Deutschnationale, Landbund und Wirtschaftspartei, Zentrum und Demokraten) eben­falls vier Sitze, die Kommunisten einen Sitz.

Da man sich über die Festsetzung der Tage­gelder nicht einigen konnte, wurde der Punkt zu- rückaestellt, so daß es bei den bisherigen Sätzen von 12 Mark für Darmstädter und 18 Mark für aus- wärtige Mitglieder bleibt.

Zur Frage der Gasfernversorgung gab der Provinzialdirektor einen historischen Ueberblick über die seitherige Entwicklung der Angelegenheit,

woran sich eine sehr ausführliche Debatte anschloß. Unter Ablehnung eines volksparteilichen Antrages, der sich für das ausschließliche Zusammengehen mit Ruhr und Saar aussprach, fand ein sozial­demokratischer Antrag Zustimmung, der den ablehnenden Beschluß des Pro- oinzialausschusses vom 22.Januar bil­ligt, aber weitere Verhandlungen mit der Ruhr auf anderer Basis immer noch offen läßt.

Eine lange Debatte entspann sich über kommu­nistische Anträge über die R o t der Erwerbs­losen. Mil der Annahme eines sozialdemokrati­schen Antrages, daß die vorgesehenen Klein- Pflaster- und Schotterarbeiten im Straßenbau schon jetzt ausgeführt werden sollen, wurde der kommunistische Antrag für er­ledigt erklärt. Annahme fand schließlich noch ein volksparteilicher Antrag, der den Ausbau des Ostbahnhofs in Darmstadt vorfieht.

lammen. Das eine Auto VO.4803, Besitzer Dr. Köhler, Rodheim v. d. H., von Wagen­führer Wolf von Oppardhosen gelenkt, fuhr in der Richtung nach Rieder-Weisel. AbHessischen Hof" fuhr es nicht auf der rechten Seite weiter, sondern lenkte nach links herüber, um die Kurve zu schneiden, so daß es in der Kurve etwa 1,60 Meter von dem Bürgersteig entfernt war. Das andere Auto, VS. 17 <8Besitzer und Fahrer Rothenbach von Offenbach a. M, kam von Rieder-Weisel und fuhr vorschriftsmäßig auf der rechten Seite, der Fahrer konnte jedoch infolge der Kurve das entgegenkommende Auto erst im letzten Augenblick sehen, und fuhr, da er nach der rechten Seite nicht ausweichen konnte, da er sonst Passanten auf dem Bürgersteig in Gefahr gebracht hätte, im letzten Moment nach links herüber, während das entgegenkommende Auto nach rechts noch auszuweichen suchte. Dies gelang nicht und so fuhr das Offenbacher Auto auf den Vorderteil des Wagens VO. 4803 auf. Von den Insassen wurden zwei Damen leicht ver­letzt. An beiden Wagen wurden die Vorder­teile stark beschädigt, sie mußten abge- schleppt werden.

Kreis Büdingen.

7- Fauerbach beiRidda,12. Febr. Am Sonntag hielt der Veteranen - und Mili­tärverein Fauerbach seine diesjährige Generalversammlung in der Döckelschen Wirtschaft ab. Die Kleinkaliber-Schießabteilung war zu der Versammlung eingeladen. Der Vor­sitzende, Lehrer Baußmann, gedachte in üb­licher Weise der verstorbenen Mitglieder, be­sonders der Gefallenen und des im letzten Jahr plötzlich verstorbenen Kameraden Karl Scheuer­mann. Sodann verlas der Rechner Kamerad Kaschmieder die Rechnung, dieselbe wurde für richtig befunden, so daß dem Vorstand und dem Rechner Entlastung erteilt werden konnte. Da der Vorsitzende, Lehrer Bautz- mann, zum großen Bedauern des Vereins von seinem Posten zurücklrat, wurde an seiner Stelle der Rechner Kaschmieder durch Zuruf aus der Deriammlung gewählt. Als Rechner wurde Kamerad Adolf D e d m a n n neugewählt. Heftet die Einverleibung der Kleinkaliber-Schießabtei­lung in den Verein soll die Entscheidung bis zur nächsten Generalversammlung verbleiben. An dem Dezirkskriegerseft in Burkhards wird der Verein teilnehmen. Die Mitglieder Hch Weisel und Hch Hofmann!, wurden für 25jährige Mit­gliedschaft im Verein mit einem Diplom ausge­zeichnet. Rach Aufnahme von sechs neuen Mit­gliedern schloß der Vorsitzende die General­

versammlung, an die sich noch ein geselliges Zusammensein bei Musik und Gesang anfchloß.

Kreis Schotten.

Laubach, 14. Febr. Bei der heute tm Laubacher Stadtwald in den Distrikten Senges und Zwillingssiife abgehaltenen dritten Brenn- holzvetsteigerung waren im Verhältnis zu den beiden ersteren die Preise wesentlich nied­riger. Für Buchenscheitholz wurden durchschnitt- lich 8 bis 9 Mk., für Stöcke und Knüppel 5 bis 6 Mk. pro Festmeter erzielt. Da nunmehr die meisten Steigerer ihren Bedarf an Holz ge­deckt haben, ist bei der letzten Versteigerung am kommenden Dienstag voraussichtlich mit einem weiteren Sinken der Preise zu rechnen.

Kreis Alsfeld.

--er. Homberg, 15. Febr. Gestern vormittag gegen 11 ilßr ereignete sich in dem Dauster - scheu Steinbruch ein schwerer lln- glücksf all. Der Arbeiter Decker wurde von herabstürzenden Erd- und Gesteinsmas- senverschütte t. Den Schwerverletzten brachte man zunächst in eine Hütte und holte einen Arzt, der aber leider nur den bevorstehenden Tod des Verunglückten feststellen konnte. Mitglieder der hiesigen Sanitätskolonne brachten dann den be­dauernswerten Mann mittelst fahrbarer Trage nach Hause, wo er gegen 5 Uhr unter den gräß­lichsten Schmerzen verstarb. Der fleißige, noch junge Arbeiter hinterläßt eine Frau und drei kleine Kinder.

Kreis Lauterbach.

£>. Lauterbach, 13.Febr. In der vergangenen Nacht brach in einer Schneiderwerk st att am Marktplatz ein Zimmerbrand aus, da man vergeßen hatte, das elektrische Bügeleisen a b z u st e l l e n. Zum Glück löste sich der Kontakt von selbst aus, als durch das glühend gewordene Eisen die Tischplatte, worauf es stand, durchgebrannt und dadurch das Bügeleisen auf die Erde gefallen war. Nur diesem Umstand ist es zu verdanken, daß nicht ein größerer Brand zum Ausbruch kam. Trotz alledem ist der entstandene Schaden beträchtlich.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

<> Hochelheim, 17. Febr. Im hiesigen Obdachlosenheim gerieten heute nacht zwei Obdachlose, die sich in betrunkenem Zustande befunden haben sollen, in Streit, wobei der eine Obdachlose dem anderen zwei Stiche mit einem Messer in den Rücken und das Schulterblatt fte i*

meiner Arbeit bin, ist mir oft zumute, als ständen Sie neben mir; dann werde ich unbe­greiflich froh! Ich habe meine Arbeit noch nie so geliebt wie jetzt!"

Cm feines Rot kam in ihre Wangen.

Sie müssen mir wieder von Ihrer Arbeit erzählen, Herr Schulhofs!" bat sie.

Gespannt lauschte sie Schulhofss Worten, der ihr von dem gigantischen Bauwerk draußen im Westen Berlins berichtete, das stetig voran- schritt. Sie fühlte das künstlerische Feuer, das chn durchglühte.

Wollen Sie mich einmal hin ausbegleiten ?" fragte er.

Wenn meine Zeit es gestattet, gerne ...

Sie brach ab und hemmte jäh den Schritt.

Mit schreckverzerrtem Gesicht starrte sie zur Tiergartenstraße hinüber.

Dort fuhr ein Auto, eine große, schwarze Limousine, in rascher Fahtt zog der Wagen die breite Allee hin ..., nun bog er in die Hohen» zollernstraße ein und entschwand Evas Blicken.

War dies Peter Honneckers Wagen ge­wesen? ...

Hatte er in dem Wagen gesessen?

Die Gedanken jagten sich in Eva Witte.

Warum war Honnecker heute so lange zu Hause geblieben? Er fuhr doch sonst gewöhnlich schon frühzeitig zur Stadt. An diesem Morgen aber hatte es den Anschein, als wolle er über­haupt nicht fort. Langer als sonst sah er am Zrühstückstisch, dann verschwand er in seinem Arbeitszimmer.

In rasender Ungeduld wartete Eva darauf, daß er wegfahre. Aber die Zeit verstrich, die Stunde ihres Zusammentreffens mit Felix Schul- Hoff rückte näher und näher ... Eva hatte schon die Hoffnung auf gegeben, an diesem Morgen noch fortzukommen ..., endlich fuhr unten der Wagen vor.

Sie ging zum Fenster. Honnecker stieg ein, bas Auto eilte hinweg.

Roch wenige Minuten wartete Eva; dann ver­lieh auch sie das Haus ...

Die hatte sich bis jetzt über Honneckers unge­wöhnliches Verhalten an diesem Morgen weiter keine Gedanken gemacht. Als sie aber nun in der großen, schwarzen Limousine seinen Wagen zu ertemxen glaubte, stieg jäh eine Angst in ihr auf.

War Honnecker heute absichtlich so lange da­heimgeblieben? ... Wollte er sie beobachten .. kontrollieren? ... Hatte er einen Verdacht? ...

Vielleicht war er ihr nachgefahren ..., wenn der Wagen, der soeben an ihr vor beigefahren war, wirklich Honneckers Auto war, dann hatte er sie gesehen ..., sie und Felix Schulhofs ...

IWas ist Ihnen, Eva? Warum sind Sie plötz­

lich so ernst?" fragte Schulhofs und sah bestürzt die Veränderung in ihren Zügen.

Sie mühte sich, ein gleichgültiges Gesicht zu zeigen; es gelang ihr nur schlecht, und ihre Stimme zitterte vor Erregung, als sie hastig sagte: .

Ernst? ... Aber keine Spur!"

Sie begann, von anderem zu sprechen, rasch, überstürzt, während ihre Blicke immer wieder angstvoll umherirrten.

Unvermittelt äußerte sie die Absicht, nach Hause zu gehen. Schulhofs widersprach, er bat sie, noch eine Welle zu bleiben; aber sie beharrte bei ihrem Vorsatz.

In einem bangen Schweigen legten sie den Rest des Weges zurück. Als sie zu den ersten Häusern der Bellevuestrahe kamen, blieb Eva stehen.

Auf Wiedersehen, Herr Schulhofs!" sagte sie leise und reichte ihm die Hand hin.

In schmerzlichem Staunen sah er ihr in das bleiche, verstörte Gesicht.

Was ist Ihnen, Eva?"

Sie schüttelte den Kopf.

Richts ...

Er hielt ihre Hand fest und fragte:

Werden Sie übermorgen wiederkommen?"

Sie wich seinen Blicken aus.

Ich weiß es noch nicht ..., vielleicht ...

Ditte, kommen Sie doch! Sie wissen, wie sehr ich mich darauf freue!" sprach er flehend.

Etwas Ratloses war im Ausdruck ihres Ge­sichts.

Konnte sie denn versprechen, wiederzukom­men? ... Wußte sie, was ihr daheim bevor­stand? ... Wenn Honnecker sie wirklich In Felix Schulhofss Gesellschaft gesehen hatte, dann würde er dafür sorgen, daß sie den Wann, den sie liebte, nicht wiedersah! ...

Wenn es mir möglich ist, werde ich kommen," sagte sie gepreßt.

Und wenn nicht? ... Rein, Fräulein Eva, das ist mir zu ungewiß! Darf ich Ihnen einen Vor­schlag machen? ... Rufen Sie mich einfach zu Haufe oder in meinem Bureau an, sobald Sie wiederkommen können!"

Ja .... ich werde Sie anrufen .. .

Aber lassen Sie mich nicht zu lange war­ten!"

Ein letzter weher Blick traf ihn, dann schritt Eva Witte rasch dem Potsdamer Platz zu.

Gedankenverloren sah Schulhoff chr nach.

So war es bisher jedesmal gewesen: Rach ihrem Spaziergang im Tiergarten begleitete er Eva bis zu dieser Stelle; weiter durste er nicht mit ihr gehen.

Von hier au- ging sie ihren Weg allein wohin? Er wußte es nicht.

brachte. Die Verletzung war derart schwer, bafr der Verletzte sofort nach der Chirurgischen Kli- nll in Gießen überführt werden mußte. Dee Täter ist noch in der Rächt dem Gerichtsgefäng« nis in Wetzlar eingeliefert worden. Die Polizei-, liche Untersuchung ist eingeleitet.

Kreis Biedenkopf.

ch Bischoffen, 12. Febr. Unser Dorf wurde gestern abend in große Aufregung verseht. Dee Pflegejunge Erich Fischbach, der sich bei dem Postagenten Albert schon einige Jahre in Pflege befindet, war nicht nach Hause gekommen. Gegen sechs Uhr hatten chn Kinder und Ort^ein- wohner noch im Dorfe gesehen. Aber bis neun Uhr abends war er noch nicht zuhause, auch im Hause und in den Stallungen des Herrn Albert nicht zu finden. Man alarmierte sofort die Ortseinwohner und ließ daZ Dorf und die nähere Umgebung absuchen. Bald fanden ihn zurückgebliebene Frauen in einem unbenutz­ten Gänse st all. in dem er sich erst dann versteckt haben will, als er merkte, daß man chn suchte.

Wirtschaft.

Der Großhandelsindex. Die auf den Stichtag des 12. Februar berechnete Großhan­delsindexziffer des Statistischen Reichsamtes ist gegenüber der Vorwoche von 130,1 auf 129,8 oder um 0,2 Prozent gesunken. Von den Haupt­gruppen ist die Indexziffer für Agrarstoffe auf 117,0 (Vorwoche 117,1) und die Indexziffer für industrielle Rohstoffe und Halbwaren auf 126,9 (127,2) zurückgegangen. Die Indexziffer für in­dustrielle Fertigwaren ist um 0,6 Prozent auf 154,7 (155,6) gesunken.

* Frankfurter Hypothekenbank. Frankfurt a. M. Das Jahr 1929 erbrachte einschließlich 68 877 (65 163) Mk. Vortrag 15,081 (11,710) Mill. Mk. Einnahmen, darunter 14,368 (10,870) Mill. Mk. an Zinsen. Demgegenüber er­forderten Pfandbriefzinsen unb Zinsen für baS Rentenbank-Darlehcn 11,769 (8,909), Derwal- tungskosten 0,829 (0,771), Steuern und Stempel 0,650 (0,513) Mill. Mk. Aus bem verbleibenden Reingewinn von 1,833 (1,513) Mill. Mk. sollen wieder 10 v. H. Dividende auf die Stammaktien und 6 v. H. auf die Vorzugsaktien verteilt wer­den. Den Reserven werden 500 000 (210 000) Mk. überwiesen, die damit auf 6 Mill. Mk. anwachsen. Rach Zuweisung von wieder 100 000 Mk. an bi« Pensionskasse verbleiben 75 000 Mk. zum Vortrag.

* FrankfurterGenossenschaftsbank e. G. m. b. H., Frankfurt a. M. Aus einem Reingewinn von 358 964 (332 063) Mark werben wieder 10 Prozent Dividende vorgeschlagen. Der Umsatz erhöhte sich 1929 auf 700 (666) Millionen Mark. Die Haftsumme der 4614 (4432) Mitglieder beträgt 4,51 (2,21) Mill. Mk. Die ßiquibitat ist auf 25 (32) Proz. zurückgegangen.

* Die Verluste im Emelka-Konzern. Der im Zwifchengeschäftsjahr Ianuar/Iuni 1929 eingetretene Verlust der Münchener Lichtspiel­kunst AG. beträgt unter Berücksichtigung des Gewinnvortrages aus 1928 962 630 Mk. Dieser Verlust ist entftanben durch den FilmWaterloo" unb ist ferner eine Folge der vorsichtigen Bewer­tung des Filmbestandes, die mit Rücksicht auf den Uebergang vom stummen Film zum Tonfilm erforderlich schien. Die Emelka Theater AG. weist gleichfalls unter Berücksichtigung des Gewinn­vortrages eines Verlust von 367 954 Mk. aus. Der Verlust ist im wesentlichen daraus zurückzu- führen, daß es noch nicht gelungen ist, verschie­dene aus der Phöbus-Masse stammende unren­table Theater abzustoßen. Die Generalversamm­lungen finden am 10. März statt.

Keine Veränderungen tm Auf­sichtsrat der I. -G. -Farbenindustrie. Verschiedene Pressemeldungen über Veränderun­gen im Aufsichtsrat der I.-G.-Farbenindustri« A.-G. werden dem WTD.-Handelsdienst auf An­frage als unzutreffend bezeichnet.

Roch immer, wie zur ersten Stunde ihres Be­kanntseins, lag der Schleier des Geheimnisvollen über ihr. Er kannte nichts von ihrem Leben; nur ihren Ramen hatte sie ihm auf sein Drängen genannt, aber er hatte ihr sein Wort geben müs­sen, nicht weiter nach ihr zu forschen.

Schwerwiegende Gründe mußte sie für ihr Verhalten haben. Er wußte, daß sie nur in aller Heimlichkeit sich mit ihm traf. Vor wem mußte sie diese Begegnungen verheimlichen? ... Wer hatte ein Recht auf sie? ...

Eine Macht schien es zu sein, die sie fürchtete. Auch heute war plötzlich dieses Angstvolle, Ge­hetzte, wieder in ihr gewesen. Drohte ihr von irgendeiner Seite Gefahr?

In Schulhofs regte sich ein Widerstand. Dein« gerade, zielbewußte Ratur lehnte sich gegen dieses tatenlose Zuwarten auf. Er hätte lieber Klarheit geschaffen; aber die Hände waren ihm ja gebunden. Gegen EvaS Wlllen durfte er nichts unternehmen.

Was lag schließlich auch davon! ... Die Haupt­sache war, baß sie immer wieder zu ihm kam. Und daß sie, trotz aller Schwierigkeiten unb Hindernisse, dies tat..., war es nicht ein Zeichen, wie gerne sie bei ihm weilte ..vielleicht liebte sie ihn ...

Jubelndes Glücksgefühl rauschte in Felix Schul­hofs auf. Die Sorgen unb zweifelnben Gedanken zerstoben. Seine Liebe zu Eva Witte erfüllte ihn ganz und ließ chn frohgemut in die Zukunft schauen.

Lu Horwitz sah lange, mit kühlen, forschenden Blicken in den Spiegel. Sie war mit dem Bild, das ihr daraus entgegensah, zufrieden. Ein hell­grünes Abendkleid umschloß eng ihren schlanken, durchtrainierten Körper. Es ließ die gut ge­formten Arme frei und hob die Wirkung deS schönen Kopses mit den tiefschwarzen Haaren.

Die Zofe trat ein.

».Sind Sie fertig?" fragte Lu Horwitz.

Ja, soeben sind noch die Blumen gekommen." Geben Sie mir die Heine Perlenkette!" sprach Lu bann.

Sie legte die Kette um ihren Hals. Die Zofe betrachtete Lu mit bewundernden Blicken.

Gnädiges Fräulein sehen entzückend auS! Herr Schulhofs wird sich freuen, wenn er bas gnädige Fräulein sieht!"

Ein abweisender Zug kam In Lus Gesicht, so baß die Zofe verstummte.

Rachher ging Lu in das andere Zimmer. Wit prüfendem Blick übersah sie den blumengeschmück­ten Tisch, auf dem für zwei Personen gedeckt war.

Eine Falte trat aüf LuS Stirne.

(Fortsetzung folgt.)