Nr. 40 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Montag, 17. Februar 1930
Schobers JRomreife.
Außenpolitische Umschau.
Von Dr. Otto Hoehsch, 0.0. Prof, der Geschichte an der Universität Berlin, M. d.
„Sag Ende des großen Kampfes um die Friedensverträge", so hat de/ tschechoslowakische Außenminister St. Benesch das Ergebnis vom Haag bezeichnet, mit seiner Ordnung der Ostreparationen und oller damit zusammenhängenden Fragen. Don „einem neuen Zustande" hat dementsprechend auch der österreichische Bundeska n z l e r gesprochen, den er nun für sich nach jeder Richtung hin auch konkret herausbilden will. Oesterreich sind alle Reparationsschulden gestrichen; bis 1943 hat es nichts zu zahlen. Auch für die sogenannten Derwaltungs- schulden Hot es nichts aufzubringen. Lediglich den Zinsendienst für die Dölkerbundsanleihe und die sogenannte „Relief"-Anleihe muß es ficherstellen. Gewiß hat es damit seine Ansprüche auf die „biens cedds“, die Staatsgüter, aufgegeben, aber dafür ist es auch im ganzen das so lästige Generalpfandrecht losgeworden, ilebrig bleibt nur noch die Sonderregelung für die österreichischen Dorkriegsanleihen. Damit ist der CE&eg frei für eine neue internationale Anleihe. Dr. Schober will aber erst eine gewisse außenpolitische Orientierung vornehmen. Er ging deshalb nach Rom und wird Ende dieser Woche in Berlin erwartet.
Mit Recht hat sein Besuch in Rom, zumal er sich in sehr freundlichen Formen vollzog, Aufsehen erregt. Das praktische Ergebnis ist ein Freundschasts-, Dergleichs- und Schiedsgerichtsvertrag, wie ihn Italien sowohl wie Oesterreich schon mit einer ganzen Reihe ihrer Rachbam abgeschlossen haben. Das ist ein Schritt, der nicht besonders bedeutend ist. Daneben hat Schober über eine italienische „Relief"-Schuldforderung von 18 Millionen Lire verhandelt. Unb er hat Italien den Dank dafür abgestattet, daß es dem „Relief"-Abkommen beitrat und im Haag auch die österreichische Delegation unterstützt hat. Darüber hinaus haben die Trinksprüche Mussolinis und Schobers Oesterreich und Italien in einem freundschaftlichen Verhältnis zueinander betrachtet. Mussolini sprach davon, daß der österreichische Faktor in Europa immer von seiner Regierung verstanden worden sei und daß Italien mit großem Interesse die Konsolidierung in Oesterreich verfolge. Der Bundeskanzler antwortete in gleichem Sinne. Daran schließen sich in den Zeitungen leicht weitergehende Kombinationen. Man spricht von einer Wiedergeburt Oesterreichs oder gar Oesterreich-Ungams, unter dem Schutze Italiens, ober von einem faschistischen Dreieck: Wien-Buba- Pest-Rom, ober einem österreichisch-italienisch-bul- garischen Block. Das finb Utopien genau so, wie etwa legitimistische Kombinationen ähnlicher Art, bie sich baran knüpfen.
Zunächst bleibt ja noch bie Frage Südtirol. Wenn die faschistische „Alpenzeitung" in Bozen die Unterredung der beiden Staatsmänner nach der Richtung deutet, daß nun das Oberetschtal als Drücke die Beziehungen zwischen Italien und Oesterreich sanktioniere, so ist schon das Bild vergriffen. Denn Südtirol ist italienisch und Südtirol wird italianifiert. Vollends zu weiteren Kombinationen reicht ja die ganzePosition Oesterreichs nicht aus. Was würde es z. B. für die Beziehungen zwischen Rom und Belgrad, bie natürlich immer gespannt sind, bedeuten, wenn Italien mit Oesterreich im Bunde wäre, einem Oesterreich, das in solche Konflikte weder eingreifen könnte noch überhaupt wollte? Und wenn schließlich in dieser Kombination Wien und Budapest sich einander näherten, so wäre das im Lichte der Adriafragen für Italien keine Freude. Das sind alles Konstruktionen, die keine große Bedeutung haben. Von Italien wird Oesterreich auch weiterhin nicht besonders viel haben, und die oft wiederholte Formel von der Donausöderation hat keine innere Kraft. Daß Reibun-
Oberhessifcher Kunstverein.
Die gestern eröffnete neue Ausstellung des Oberhesfischen Kun st Vereins umfaßt Oelgemülde von Carl Wons (Röllshausen), Radierungen, Holzschnitte und Lithographien von Karl Lhylmann-t (Darmstadt) und Gemälde von Ella Dieger-Iunckerstorff (Wies- baden).
Einen bedeutenden Raum nehmen bie Arbeiten bes im Kriege gefallenen jungen Darm- ftäbter Graphikers Karl Thylmann ein. Sie hier vorgeführte Kollektion vermittelt ein klares unb vielseitig-umfassendes Bild feiner Produk- tion unb der starken unb eigenwilligen Begabung, die mit Thylmanns Tode aus einer hoffnungsreichen Entwicklung gerissen wurde. Sein eigentliches Feld war die Graphik; er war also technisch, unter Verzicht auf Koloristik, die seiner Eigen- art entschieden bedeutende Möglichkeiten geboten hätte, auf linearen Ausdruck angewiesen, und er holte seine plastischen unb (sozusagen) malerischen Wirkungen aus ber Gegenüberstellung von Licht unb Schatten, Hell unb Dunkel, Schwarz unb Weih.
Es würbe bei ber Fülle des hier vorliegenden Materials zu weit führen unb die Aufnahmefähigkeit bes Beschauers zersplittern, wollte man auf Einzelheiten ausführlich eingehen. Die wesentlichen Elemente in Thylmanns künstlerischem Schaffen scheinen eine quellende Phantasie unb ein manchmal fast heftiger Ausbruckswillen gewesen zu sein, eine Energie ber umreihenben Konturen und gestaltenden Flächen, hinter der man oft noch etwas von der Unbedingtheit und der Gefühlsinbrunst der Expressionisten zu spuren meint.
Seine Phantasie und der tiefe Ernst seines gestaltenden Gefühls fanden einen Weiten und ihm innerlich sicher sehr vertrauten Themenkreis in religiösen Motiven, die ihm (das fühlt man aus den Blättern heraus) doch mehr bedeutet haben müssen als nur technisch ober gegenständlich reizvolle Anregungen.
Eine mehr ins Spielerisch-Heitere gewendete, schnörklig-barocke Phantasie ergeht sich in dem orientalischen Märchenzyklus „Gülistan", dessen Blätter oft wie Illustrationen zu den Erzählungen aus „Tausendundeiner Rächt" anmuten.
Schöne Zeugnisse feiner religiösen Inbrunst
gen und Spannungen zwischen Italien und Oesterreich so glatt beseitigt werden, ist natürlich ein für Oesterreich erfreulicher neuer Zustand. Der neue Zustand aber, der im Haag zustandege- kommen ist, ist die Befestigung des Versailler Friedenssystems, das seinerzeit die Bildung der drei Staaten: Tschechoslowakei, Jugoslawien und Großrumänien zur Folge hatte. Uns wäre es wahrhaftig auch lieber, Kombinationen zwischen Oesterreich und Italien gegenüber ber kleinen Entente führten bann auch zu Erwägungen eines gemeinsamen Verhältnisses zu Deutschland. Wir sehen leider einen real- politischen Weg dazu nicht!
Für die Anschlußfrage aber als solche sehen wir vollends weder in dieser Reise, noch in der Konsolidation Oesterreichs irgendeine Gefahr. Wir freuen uns, daß es seine innere Spannungen durch Schobers Geschick so gut hat überwinden können. Wir hoffen, daß seine Verhandlungen über die Auslandanleihe zum Ende führen: angeblich ist sie bereits gesichert, bei Morgan, dem Londoner Haus Henry Schröder unb dem Pariser Haus Rothschild. Aber dabei bleibt es, daß man vielleicht Oesterreich als Staat fest auf die Beine stellen kann, als Wirtschaftskörper ganz bestimmt nicht. Uns scheint ber Ausbruck von Otto Seih bei einer Besprechung der Arbeitslosigkeit als Gefahrenproblem für Oesterreich ganz gut: die Arbeitslosigkeit in Deutschland sei nur „konjunkturell", in Oesterreich aber sei sie „strukturell". Die Fremdworte sind fürchterlich, aber was Seih damit sagen will, ist klar, und nach unserer Ansicht auch völlig zutreffend. Die Arbeitslosigkeit ist geradezu mit Oesterreich als Wirtschaftskörper nach seiner Struktur verbunden, weil dieser Wirtschaftskörper an sich nicht lebensfähig ist unb sein kann.
Wir begrüßen ben österreichischen Dunbes- kanzler bei seinem Besuche in Deutschlanb. Auch damit wird die Anschlußfrage keine großen Schritte vorwärts machen, aber der Besuch ist, wie Schober selbst es auch gesagt hat, ein Ausdruck seiner Liebe zu Deutschland, ein Ausdruck seiner Ueberzeugung von ber Zusammengehörigkeit ber beiben ßänbet, die sich irgendwie unb trgenbtoann einmal bestimmt auch in der Form ausgestalten wird.
OberbeffetL
Bürgermeisterwahl in Nidda.
Qlibba, 17. Febr. (Eigener Drohtbericht des „Gieß. Anz.) Gestern fand hier unter außerordentlich starker Beteiligung der Wählerschaft die nach dem Hinscheiben des Bürgermeisters Ringshausen erforderliche Dürgermei st erwähl statt. Rachdem der Gemeinderat die Anstellung eines Derufsbürgermeisters im Einverständnis mit ber Mehrheit ber Bürgerschaft abgelehnt hatte, han- belte es sich gestern um bie Wahl eines ehrenamtlichen Bürgermeisters. Von 1520 Wahlberechtigten stimmten 1308 ab. Die Zahl ber gültigen Stimmen belief sich auf 1303, ungültig waren fünf Stimmen. Es wurden abgegeben für den Beigeordneten Rullmann 649, den Bürgermeistereigehilfen Zeih 457 und den Oberstadtsekretär E m r i ch 193 Stimmen. Vier andere Personen erhielten je eine Stimme. Da dem ersten Kandidaten, Beigeordneten R u 11 m a n n, nur drei Stimmen an der absoluten Mehrheit fehlen, findet Stichwahl zwischen R u 11 m a n n und Zeitz statt.
Landkreis Gießen.
* Leihgestern, 13. Febr. In der Volkshochschule sprach In einem zweiten Vortragsabend für Landwirte Landwirtschaftsassessor Dr. Lutz, Diplomlehrer an der hiesigen Berufsschule, über „Milchviehfütterung". Er führte dabei folgendes aus: Während die Erkenntnisse der Wissenschaft auf dem Gebiete der Bodenbearbeitung. Düngung und Saatgutfragen sich in den letzten Jahren erfreulicherweise in steigendem Maße Eingang in die breite Masse der prak- sind etwa die Blätter „Johannes der Täufer" unb „Adam und Eva". Die stärksten Eindrücke dieser Sammlung, auch technisch, gehen übrigens weniger von den zahlreich vorhandenen landschaftlichen Motiven als von den figürlichen Kompositionen und hier besonders von den Bildnissen aus (Selbstporträt, Hans Mühlestein, Mädchenkopf u. a.).
Sie Landschaften wirken, was allerdings zum Teil mit der Technik zusammenhängt, stellenweise zu unruhig, unklar unb verschwommen. Doch sei auch auf eine Reihe ganz zarter und feinliniger Radierungen hingewiesen, in kleinstem Format, die italienische Motive aus Rom, Padua unb Florenz behanbeln. Als Illustrator (Gogol-Serie z. B.) und in freien Erfinbungen („Dranb") erinnert Thylmann übrigens ein wenig an Kudin.
Der Maler Mons, ber mit einer großen unb guten Auswahl seiner Arbeiten hier ausgestellt hat, knüpft motivisch unb technisch vielfach an die berühmten Hessenbilder Carl Dantzers an unb scheint nach seiner Leistung burchaus dazu berufen, die Tradition zu wahren unb die Entwicklung dieser Heimatkunst fortzuführen. Obwohl er sich sachlich unb auch formal nicht selten mit den bekanntesten Werken Dantzers eng berührt, macht sich doch bei schärferer Betrachtung und gedächtnismäßiger Vergleichung der gewissermaßen generationsmäßig begründete Unterschied bemerkbar; vor allem etwa bei Mons in der meist ganz klaren, entschiedenen, sachlichen Malweise (z. B. in dem sehr guten Stück „Alte Frau im Dorf") ober andererseits im Temperament, in ber Energie unb bem rhythmischen Schwung der „Tanzskizze".
Motivisch werben bie Bilder von Mons — eben infolge ihrer Verwandtschaft mit Ban her und auf Grund des heimatlichen Charakters ihrer Figuren - hier in Gießen ein besonders interessiertes Publikum finden. Darüber hinaus würden sie allerdings auch in anderer Umgebung bei ihren malerischen Qualitäten immer ihren absoluten Eigenwert behalten.
Eine koloristisch und kompositionell sehr erfreuliche Leistung stellt die (üvrigens wohl mehr an Leibi geschulte als von Bantzer herkommende) Gruppe der drei Frauen in der Dorfkirche dar, ein kräftig rhythmisiertes Gegenstück dazu bildet der „Kirchgang". Hell, lebendig und charakteristisch, aber ohne Pedanterie im Einzelnen: die
tischen Landwirte verschaffen konnten, wird gerade auf dem Gebiete ber Fütterungslehre immer noch so sehr gefühlsmäßig gearbeitet, b. h. es werben aus falscher Sparsamkeit aus Grunb mangelnder Kenntnisse oft noch die größten Fehler gemacht. Dabei sorgt bie Milchwirtschaft für laufcnbe Einnahmen, also für flüssiges Gelb unb ist bei richtiger Hanbhabe noch am ersten in ber Lage, eine kleine Rente abzuwerfen. Es sotten daher alle Möglichkeiten, Die zu einer Produktionsverbilligung der Milch und damit zu einer Erhöhung der Einnahmen aus dem Milchviehstall führen, restlos erschöpft werden. So müssen vor allem Kuhzahl und vorhandenes Wirtschaftsfutter aufeinander abgestimmt fein. An Hand von Berechnungen über die Gestehungskosten von einem Liter Milch wurde nachgewiesen, daß bie Belastung mit allgemeine Kosten unb solchen des Erhaltungsfutters um so großer ist, je weniger Milch bie Tiere liefern. Deshalb müssen schlechte Futterverwerter rücksichtslos ausgemerzt werden. Dagegen muh das Leistungsvermögen der MilchMhe durch entsprechende eiweißreiche Kraftfutterzulagen, die aber nicht allein aus Getreideschrot oder Kleie bestehen dürfen, innerhalb der wirtschaftlichen Grenzen ausgenutzt werdeii, die Fütterung muß also ganz als Einzel- ober Gruppenfütterung ber Leistung angepaht fein. Natürlich muß auch auf angemessene Haltung unb Pflege, sowie sorgfältiges Melken geachtet werben. In biefem Zusammenhang würben benn noch im Lichtbilb auf bie Aufstellung von richtigen und falschen Futterrationen, die Preiswürdigkeit von Futtermitteln, sowie auf die Bedeutung ber Durchführung von Leistungsprüfungen eingegangen. Einen nachhaltigen Einbruck riefen bie Spitzen- und Dauerleistungen des deutschen Rekord mit 12 600 Kilo Milch bzw. 557 Kilo Milchfett Jahresleistung und 80 000 Kilo Lebensleistung hervor. Diesen Zahlen stehen die deutschen Durchschnittsleistungen von etwa 2100 Liter gegenüber. Im Anschluß an den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag folgte dann im Lichtbild ein Gang durch die Stickstoffwerke von Oppau, die zugehörige landwirtschaftliche Versuchsstation und das Mustergut „Limburger Hof", um die Eindrücke eines persönlichen Besuches der Werke durch viele Versammlungsteilnehmer im Vorjahre einer Klärung, Ergänzung unb Vertiefung zuzuführen.
V Mainzlar, 12. Febr. Dieser Tage fand bie biesjährige Brennholzversteigerung in unferm Gemeinbewalb statt. Es kosteten Bu- chen-Scheiter 32 bis 35 Mk., Eichen-Scheiter 18 bis 24 Mk., Buchen-Knüppel 24 bis 28 Mk., Eichen-Knüppel 12 bis 16 Mk. unb Fichten- Knüppel 10 bis 12 Mk. je zwei Raummeter. Buchen-Reiser kamen burchschnittlich auf 8 bis 15 Mk., Eichen-Reiser 4 bis 6 Mk. unb Kiefern- Reiser 1 bis 3 Mk. je fünf Raummeter. — Auf Veranlassung ber hiesigen Ortsgruppe bes Hessischen Lanbbundes sprach am ©onntag- abenb in ber Wirtschaft von Hrch. Vogel IV. der Reichstagsabgeordnete Dorsch, Wölfersheim, in gut besuchter Versammlung. Deine eindrucksvollen Ausführungen wurden von dem später erscheinenden Landtags-Abgeordneten Fenchel, Ober- Hörgem, noch unterstrichen und fanden starken Beifall.
§ Daubringen, 12. Febr. Der Verein Kleinkinderfreund hielt gestern abend in ber Wirtschaft „Zum blauen Hecht" seine biesjährige Generalversammlung ab, bie recht gut besucht war. Der Vorsitzende, Dekan G u h m a n n, begrüßte die Erschienenen unb erstattete bann zunächst ben Jahresbericht, aus bem das Wichtigste hier wiedergegeben sei: Die Zahl der Mitglieder des Vereins hat eine sehr starke Zunahme zu verzeichnen; sie stieg von 135 auf 236. Das liegt darin begründet, daß im vergangenen Geschäftsjahr dem Verein noch bie gemeindliche gemeinnützige Krankenpflege ungegliedert wurde, die für die Mitglieder unentgeltlich ist, dagegen von Richtmitgliedem bei Inanspruchnahme besondere Vergütung benötigt. Der Schulbesuch der Kleinkinderschule war gut
beiden Schwälmer Dauernburschen (Rückwand, Mitte).
Man kann, schon aus räumlichen Gründen, auch bei Mons nicht auf alles eingehen, was gezeigt wird; doch sei auf eine Anzahl feiner Bildnisse nachdrücklich hingewiesen, von denen uns das energische und technisch sehr klare Reiter- Porträt des Herrn v. D. eines der reifsten zu sein scheint.
Die Malerin Ella Dieger-Iunckerstorff ergänzt die neue Ausstellung mit einer Reihe von Dlumenstilleben (vorwiegend Oelbildem); wir möchten hier die locker und dekorativ gemalten „Helten“ und eine „Clematis" hervorheben; die „Tulpen" hingegen werden durch eine unausgeglichene lleberlabung der Palette beeinträchtigt. —
Die Gesamtausstellung ist zu den üblichen Zeiten geöffnet und wird bis zum Sonntag, 16. März, zugänglich fein. hth.
Römische Straßenszene.
Volksauflauf auf der Piazza Barderini. Man hört mildes Gelächter, alles schaut aus die hohe Platane, die die Allee der Via Veneto eröffnet. Ein weidlich zerzauster Truthahn schaukelt in den Aesten. Wo kam er her, mitten in der Stadt an der größten Hotelstraße Roms? Ist er zahm oder wild? Keiner weiß es. Er ist plötzlich da, und weil er da ist, erregt er die Habgier der Menschen Die Jagd beginnt, und immer dichter drängt sich die Menge um den Baum Schon turnt ein Lehrling in den Aesten, bemüht, dem Tier vermittelst einer langen schwankenden Latte eine Schlinge um den Hals zu werfen Jeder mißlungene Versuch löst unten höhnisches Gelächter aus. „Forza, coraggio!" Wieder fährt die Latte durch die Luft. „Wird dem Huhn man nichts tun?" Jedoch der Truthahn hat die Ruhe weg. Don Ast zu Ast flattert er, sobald Gefahr im Verzüge ist. Vom Baum aus ist nichts mehr zu wollen, so schleppt man eine Leiter herbei. Der Erfolg einer Viertelstunde ist, daß das gepeinigte Tier eine Runde auf dem äußersten Aeste- kranz der Platane beschreibt und ein eifriger Zuschauer seinen Hut unter der nahen Fontäne wäscht. Der Truthahn bat die Lacher auf seiner Seite: „Hoffen wir es, sagen wir es laut, daß ihm unsere Sympathie gehört, selbst an dieser Stelle, wo es stört." Autos hupen verzweifelt, die breite Straße ist fast gesperrt. Da schreitet die Polizei schließlich
Der österreichische Dramatiker Anton W i l b g a n • wurde zum Direktor bei Wiener Burgtheater» ernannt.
Das Dchulgelb würbe von 20 Pfennig pro Woche auf 40 Pf. erhöht, woburch bem „Kleinkinber- freunb" recht beträchtliche Einnahmen erwuchsen. Wie alljährlich, so würben auch biesmal toteber bem Verein von einer Anzahl Gönner ansehnliche Unterstützungen zu teil, bie es ermöglichten, ohne Fehlbetrag ben "Betrieb ber Kleinkinderschule unb Krankenpflege burchzuführen. Es leisteten bie Gemeinde 200 Mk., die Firma Scheid- Hauer & Giebing (Bonn) 100 Mk., bie Buderus- schen Eisenwerk Wetzlar 80 Mk., bie in anerkennenswerter Weise ben Betrag bes Dr'm^res erhöht ta‘, ber ^andesvcrban) für Kle nkin erp lege in Darmstadt 125 Mark, bie Reichsbahndirektion Frankfurt (Main) 100 Mk., Ungenannt 53 Mark. Daneben würben noch Raturalspenben unmittelbar ber Kleinkinberschwester übergeben. Mit bem 1. Oktober v. I schieb bie langjährige Krankenschwester Elisabethe G r ö l z aus Mainzlar aus bem hiesigen Krankenpflegebienst aus. Bis zum Eintreffen einer neuen Krankenschwester, bie voraussichtlich erst Anfang April eintreten wirb, hat Sri. Gußmann biefen Dienst vertretungsweise, zur vollsten Zufriedenheit der ganzen Gemeinde, übernommen. Die Rechnungsablage, bie von bem langjährigen Rechner W. A l b a ch erstattet würbe, weist einen Kassenvorrat aus dem vorhergehenden Jahre von 95 Mk., an Gesamteinnahmen 1786, an Gesamtausgaben 1563 Mk. auf. Es verbleibt ein Kassenvorrat für 1930 von 223 Mark. Dem Rechner A l b a ch konnte nach vorgenommener Prüfung ber Rechnung Entlastung erteilt werden. Die Generalversammlung hielt es für notwendig, um bie finanziellen Verhältnisse bes Vereins auch weiterhin in georbne- ten Bahnen zu halten, eine Erhöhung ber Mit- gliebsbeiträge von 2 Mark auf 2,50 Mark pro Jahr vorzunehmen. Fast einstimmig wurde dieser Antrag angenommen. Den veränderten Verhältnissen Rechnung tragend, soll bis zur nächsten Generalversammlung ein neues Vereins statut ausgearbeitet werden. In seinem Schlußwort gab der Vorsitzende, Dekan G u h m a n n, bekannt, daß in drei Jahren der Verein „Klein- tinberfreunb" auf fein 25jähriges Bestehen zu- rückblicken kann.
6 Reinharbshain, 16. Febr. Im ev an - fielisch-kirchlichen Frauenverein, ber eine wöchentlichen Abende im Schulsaal unter Leitung des Pfarrers abhält, wurden im neuen Jahre zwei Lichtbildfeier stunden von dem Leiter abgehalten. Der erste Abend war der neuen Bilderbibel Rudolf Schäfers gewidmet. Die zweite Bildreihe zeigte eine stattliche Anzahl Bilder über ben Seemannsberuf unb die Seemannsmission.
5 Saasen, 16. Febr. In unserem Frauen- verein, ber unter Leitung von Lehrer Herber unb Frau steht, hielt ber Pfarrer dieser Tage einen Lichtbildvortrag über ben Hellsweg Gottes mit Bilbern aus ber neuen
ein: der Truthahn bleibt allein auf hoher Warte... Heute mittag übersprang ich den „gekochten Truthahn", der die Speisekarte zierte — mit freundlichen Wünschen für „ihn" — und als ich heimging über den Platz der Barderini, saß der Gockel noch oben unb schaute gelassen auf bie Straßen von Rom...
Als ich abends zur Post ging, hatte das Abenteuer einen unerwarteten Ausgang. Einem Bengel gelang es, den schlafenden Truthahn zu greifen — er war zu nah an ben Stamm gerückt. Beifall lohnte den Erfolg. Wie ber Junge aber mit der Beute auf sein Rad sprang und im Straßengewühl untertauchte, gellte cs hinter ihm her: „Haltet den Dieb". Ich sah die Verfolger rechts um die Ecke biegen, während der Bengel links — im Schutze eines großen Autobus — zunächst enttarn... „Wird dem Huhn man nichts tun?"
Hochfchulnachnchien.
Es find ernannt worben: Professor Dr. Julius Wätjen in Berlin zum ordentlichen Professor der allgemeinen Pathologie und pathologischen Anatomie an der Universität Halle als Aachfolger von Prof. W. Ger- lach, der Pfarrer Professor Lic. Dr. Karl Aner in Halle zum ordentlichen Professor ber Kirchengeschichte an der Universität Kiel als Rachfolger des Geheimen Konsistorialrates Joh. Ficker, Professor Dr. Anton Baumstark in Bonn zum ordentlichen Professor der semitischen Philologie an der Universität Münster als Rachfolger von Pros. H. Grimme; Professor Dr. Paul Metzner in Tübingen zum ordentlichen Professor der Botanik an der Universität Greifswald als Rachfolger von Prof. Joh. Buder und Professor Dr. Karl Bonhoeffer in Berlin zum ordentlichen Professor ber physikalischen Chemie an ber Universität Frankfurt als Rachsolger von Prof. R. Lorenz. Ferner würbe ber 0. Professor ber klassischen Philologie Dr. Richard Harder in Königsberg in gleicher Eigenschaft an die Universität Kiel als Rachfolger von Prof. Eduard Fraenkel versetzt.
Ernannt wnrde ber orbentliche Professor Dr. Hans Heinrich Schaeber in Königsberg vom 1. April 1930 ab zum orbentlichen Professor ber orientalischen Philologie an der Universität Leipzig als Rachfolger von A. Fischer Schae- bers Arbeiten betreffen besonders orientalische Religionsgeschichte.


