5:3 geschlagen bekennen. Sn Anbetracht der ausgezeichneten Kräfte, die sowohl der Tunwerem 1860 Frankfurt, als auch der Turnverein Offenbach in seinen Reihen hat, und die in den ergangenen Sahren bei Kreismeisterschaften und deutschen Meisterschaften ein ernstes Wort mit- gesprochen haben, kann der Männerturnverein Diehen stolz auf diese neuen Erfolge sein.
Handball im Turnverein 1846 Gießen.
Die 1. Mannschaft spielt auf hiesigem Platze gegen die gleiche des Turn- und Sportvereins Butzbach. Die Gaste stellen eine sehr flinke Mcmn- schaft. Trotzdem sollte 1846 bei komplettem Antreten sicher gewinnen.
Die Sugend bestreitet vorher ein Treffen gegen Butzbachs Jugend. Ein Sieg der Siebener kommt kaum in Betracht.
Handballmannfchast der Universität.
Am SamStagnachmittag treffen sich die ersten Mannschaften der Landesuniversität und der Technischen Hochschule in einem Der- bandSspiel um die südwe ft deutsche Hochschulmeister s ch a f t. Der Ausgang des Spieles ist offen, falls sich die Llniversitätsmannschaft in guter Form befindet.
Fußballklub 1926 Sroßen-Buseck.
Am nächsten Sonntag empfängt die 1. Mannschaft des F. C. 26 Grohen-Buseck die gleiche von Laubach. Laubach konnte sich in dieser Der- bandSserie nicht so gut herausarbeiten wie in den letzten Jahren, hat aber in der Tabelle einen guten Mittelplah. Die Busecker, die an den letzten Sonntagen auswärts waren, zeigten sich am Sonntag von der besten Seite. Man must das Spiel völlig offen halten, da beide Mannschaften Siegesaussichten haben.
Vorher spielt die 2. Mannschaft gegen DieberS 1. Mannschaft im Verbandsspiel. Bieber ist eine junge und flinke Mannschaft, die Wohl Sieger bleiben wird, zumal einige Posten der Busecker Mannschaft schlecht besetzt sind.
Arbeiter-Turn- und Gporibund.
Am kommenden Sonntag stehen sich auf dem Wiesecker Sportplatz W i e s e ck I und Lollar! im Freundschaftsspiel gegenüber. Das Vorspiel in Lollar tonnte Lollar mit 5:1 Toren für sich entscheiden; allerdings trat Wieseck nur mit neun Mann an. Am kommenden Sonntag werden beide Mannschaften komplett antreten. Der Ausgang des Spiels ist offen zu lassen.
Vorher stehen sich Wieseck l.Sugend und Rödgen! gegenüber.
W i e s e ck I b fährt nach Waldgirmes, um gegen die dortige erste Mannschaft ein Rückspiel auszutragen.
Am Samstagabend trägt eine Bezirksmannschaft des 3. Bezirks gegen eine Mannschaft des 4. B e z i r k e s einen Gerätewettkampf in Kahl a. M. aus. Da sich zwei gleichwertige Mannschaften gegenüberstehen, dürfte der Punktunterschied kein großer und nur der Glücklichere Sieger werden.
Evanaelischer Bund.
Der Hessische Hauptverein des Evangelischen Bundes hielt am Mittwoch im Gemeindesaal der Markusgemeinde dahier seinen zweiten Studientag ab.
Der Vorsitzende, Pfarrer D e r ck (Roßdorf), begrüßte die Anwesenden, darunter die hiesigen älniversitätsprofefsoren D. Cordier und D. Bornlamm, und machte einige geschäftliche Mitteilungen.
Darauf folgte ein Vortrag von Pfarrer Eckhardt (Wahlen) über „Die Rechts erti- ?un g in Luthers Römerbriefvor- esun g“. Der einstündige Vortrag gab ein eingehendes Bild der tiefgehenden Gedanken Luthers über den Vorgang der Erlösung. Der zweite
Zer Traum vom EIN.
Roman von E. Lovett und M. v. Weißenthurm
Copyright by Marie Brügmann, München.
13 Fortsetzung. Raddruck verboten.
Während sie an einem Ende des Tisches beschäftigt war, stand Frau von Rechten am anderen Ende, in die Bereitung eines feinen Salats vertieft — einer Kunst, in der sie, nach ihrer eigenen Aussage, ganz unübertroffen dastand. Plötzlich stand Sabine neben Doris, die überrascht aufblickte, und flüsterte ihr hastig zu:
„Fräulein Horter, möchten Sie mir eine große Gefälligkeit erweisen? — Pst! Blicken Sie nicht auf — sagen Sie irgend etwas über das Frühstück!" UnD laut fügte sie hinzu: „Sind Sie bereits auf die Gabeln gestoßen? Sch kann sie nirgends finden!"
„Sie liegen in dem anderen Korbe," antwortete Doris mit vernehmlicher Stimme. Dann fragte sie leise: „Was kann ich für Sie tun?“
„Suchen Sie es zu verhindern daß Herr von Wildhofen allein mit mir ist. Bleiben Sie, bitte, soviel wie möglich an meiner Seite. Sch flehe Sie darum an!‘r
Doris blickte jetzt auf, und ihre und Sabines Augen begegneten sich.
„Sie können mich nicht verstehen, ich weih es!" fügte letztere In zitternder Erregung hinzu. „Sch beschwöre Sie aber, vertrauen Sie mir trotzdem!"
„Sch verstehe Sie vollkommen!“ antwortete Doris ruhig, und setzte hinzu: „Und ich achte Sie deshalb hoch.“
Sabine wurde glühend rot — So hat Sie der Rechtsanwalt also doch schon eingcweiht, denn sie scheint alles zu wissen, dachte sic mit klopfendem Herzen.
„Und Sie wollen mir also helfen — das Rechte zu tun?“ fragte sie leise.
„Sch will Shnen in jeder Weise helfen, Fräulein von Rechten.“
„Rennen Sie mich nicht so," bat Sabine, und trat an einen frischgeöffneten Korb. „Rennen Sie mich nur Sabine."
Doris ergriff schnell die ihr entgegengestreckte Hand und umschloß sie mit warmem Druck.
Mochten die Dinge gehen, wie sie wollten; sie hatte erkannt, daß das Mädchen gut war, mochte der Charakter der Mutter noch so zweifelhaft sein.
Schon im nächsten Augenblick wurde es in der Umgebung des Hauses lebendig. Frohe Zurufe ertönten und immer näher drangen Fuhgetrappel und munteres Hundegebell. Bald darauf betraten die Säger, von Herrn von WUdhofen geleitet, den grüngcschmückteu Raum.
Bei dem völlig unerwarteten Anblick der Damen mischte sich in die Ueberraschung des älteren Herrn unstreitig etwas wie Mißbehagen, während
Punkt der Tagesordnung war am Rachmittag ein Dortrag von Pfarrer Munt (Reichelsheim) Über Die Ethik Luthers in der Romerbriefvorlesung“. Der Redner zeigte, daß Luthers Ethik zwei Wurzeln entstammt, seiner Anthropologie und seiner Rechtfertigungslehre. Luthers Ethik bringt vollständig neue Gedanken gegenüber der alten Kirche, eine ganz neue Sittlichkeit. e %
An beide Dorträge schlossen sich eingehende Aussprachen, die das Verständnis der angeschnittenen Fragen noch weiterförderten.
Zuletzt sprach noch Prof. D. Bornkamm über „Einführung in das Studium der Augustana und des Reichstages von 1530".
Oberheffen.
Aus dem Laubacher Gemeinderai.
□ Laubach, 15. San. Heute nachmittag ver- sammelte sich zum erstenmal der neugewählte Stadtvorstand im Rathaussaale. Vor Einführung der vier neuen Gemeinderatsmitglieder wies Bürgermeister H ö g Y in einer längeren Ansprache u. a. auf die verantwortungsvolle Amtstätigkeit und den Aufgabenkreis des Stadt- Vorstandes hin und ermahnte zur fachlichen und gerechten Zusammenarbeit. Er hoffe, daß der Ge- meinderat in feiner neuen Besetzung — wie seither — keine parteipolitischen Ziele verfolge und diese gute Gesinnung auch für die Zukunft erhalten bleibe; denn Politik gehöre nicht in das Rathaus und insbesondere nicht in die Landstädte, deren Bevölkerung infolge des persönlichen Bekanntseins untereinander ein größeres gegenseitiges Vertrauen bedinge, als in den größeren Städten. Darum sei auch die erste Voraussetzung für eine gedeihliche Gemeindeverwaltung die Einigkeit, die unter dem Stadtvorstand und der Bevölkerung herrschen muß. Zum Schlüsse forderte der Bürgermeister jederzeitigeS Eintreten für das Wohl der Stadt Laubach und feiner Einwohner. Rach diesen Ausführungen wurde die Verpflichtung der vier Reu- gewählten vorgenommen: Oberbahnmeister Sakob Pülcher, Kaufmann Heinrich Wilhelm K r e i k- ler, Apotheker Dr. Friedrich Roßbach und Mehgermeister Adolf Reidt. Die übrigen seitherigen Mitglieder des Gemeinderats wurden auf ihre früher erfolgte Verpflichtung hingewiesen.
Sodann gab der Bürgermeister bekannt, daß mit Beginn der neuen Sitzungsperiode der derzeitige Beigeordnete Landwirt Wilhelm Pitz II. 25 Sahre dem Stadtvorstand angehört, und zwar von 1905 bis 1928 als Gemeinderatsmitglied und von dieser Zeit an als Beigeordneter. Der Bürgermeister dankte dem Subilar im Ramen der Stadt und sprach den Wunsch aus, daß Beigeordneter Pitz mit seinem reichen Wissen und Erfahrungen, die er im Laufe der Sahre auf dem Gebiete der Gemeindeverwaltung gesammelt habe, der Stadt Laubach noch recht lange erhalten bleibe.
Hierauf wurde die Bildung der Kommissionen vorgenommen, die bei dem guten Einvernehmen, das unter den Gemeinderatsmitgliedern herrschte, rasch ihre Erledigung fand.
Dann wurde die O r ts bürgerlifte nachgeprüft und für richtig befunden. Der Teil des Ortsbauplanes zwischen Schottener und S t i f t s st r a ß e wurde in der von dem Hochbauamt vorgeschlagenen Form angenommen. Sodann wurde über die von einigen Bürgern erhobenen Einwendungen gegen die Kanalgebühr beraten, die als unbegründet zurückgewiesen werden. Als letzter Punkt der Tagesordnung wurde über den Wieder- erwerb des seinerzeit an Dipl.-Sng. Fritz Schmidt verkauften Gemeindegeländes, des sog. „Froschlochs", verhandelt. Der Gemeinderat ist einstimmig für die Rückübertragung des Eigentums.
aus Kurts Augen helles Entzücken sprach. So schnell als möglich suchte er an Sabines Seite zu gelangen.
„Das ist wirklich eine großartige Ueberraschung!" rief er mit strahlendem Gesicht. „Welch ein glücklicher Einfall von Shnen, Fräulein von Rechten!"
„Cs war nicht meine, sondern meiner Mutter Sbec!“ antwortete sie in kühlem Ton, so daß Kurt sie ganz bestürzt anblickte.
„Die Sie aber doch sicherlich gutheißen," ergänzte er in fast vorwurfsvollem Ton.
„Sch hatte nicht den Wunsch, hierherzukommen,“ beharrte sie.
„DaS ist aber recht unfreundlich von Shnen, denn Sie mußten sich doch denken, waS für eine große Freude Sie mir durch Shre Anwesenheit bereiten würden."
„Lieber Kurt, möchtest du mir Wohl sagen, wie die Flaschen arrangiert werden sollen?“
Eingedenk ihres Versprechens, trat Doris mit diesen Worten an ihren Vetter heran, als sie Sabines brennende Wangen und ihre trostlos blickenden Augen gewahrte.
„Willst du mir auch das Tranchierbesteck von dem Seitentisch herüberreichen, bitte?"
„Mein liebes Kind, das geht wohl auch ohne mich!“ erwiderte ihr Kurt in ungeduldigem Ton. — „Sohann, hierher! Helfen Sie Fräulein Horter bei dem, was zu tun ist!" Dann wandte er sich sofort wieder Sabine zu und drehte Doris unfreundlich den Rücken zu. Wie gedemütigt kam sich die kleine Verbündete in diesem Augenblick vor.
Sm Verlauf des Frühstücks, bei dem Doris an der Seite des Rechtsanwalts Platz genommen hatte, kam dieser auf den unerwarteten Besuch der Damen bei dem Sagdfrühstück zu sprechen und. gab seiner Verwunderung Ausdruck, daß Doris mit Sabine in so vertrautem Verhältnis stehe, wie er zu beobachten Gelegenheit hatte.
Doris erzählte ihm von dem Verlangen Sabines und zeigte sich sehr befriedigt über deren Verhalten. Richt so Hagenau. Er äußerte fein Befremden ganz unverhohlen, worauf ihm Doris scherzhaft fein berufsmäßiges Mißtrauen vorhielt.
„Fräulein Horter, Sie beurteilen mich oder meinen Beruf doch alhu streng. Gewissen Menschen gegenüber bin ich allerdings sehr mißtrauisch, das gebe ich zu; und ich wundere mich, daß Sie mit Sbrem lauteren Herzen — bitte mir so viel Menschenkenntnis zuzutrauen — einem Mädchen wie Fräulein von Rechten Vertrauen schenken können.
..Sch vertraue ihr ganz und bin überzeugt, daß sie einen schweren Kampf durchzumachen hat. In dem aber das Gute siegen wird!“ lautete die warme Entgegnung deS jungen Mädchens.
Hagenau zog die Augenbrauen in die Höhe. „Sie beurteilen andere Frauen nach ihrem eige-
Oie Dürgermeisterfrage in Nidda.
O Ridda, 16. San. Gestern abend fand hier die erste diesjährige Gemeinderatssihung unter dem Vorsitz des Beigeordneten Rull- mann statt, die dadurch ganz besonderes Snter- esse bei der gesamten Einwohnerschaft weckte, daß über den Antrag der Sozialdemokratischen Partei, Ortsgruppe Ridda, einen Berufs- bürgermeister anzustellen, verhandelt werden sollte. Deshalb hatte sich eine sehr große Zahl von Zuhörern im Rathaussaale eingefunden. Rachdern der Vorsitzende sieben neu- gewählte Gemeinderatsmitglieder verpflichtet hatte, fand eine längere Aussprache über den Antrag statt. Da die sehr wichtige Frage der zukünftigen Stellung des Bürgermeisters und das Für und Wider bezüglich eines Berufsbürgermeisters noch nicht hinreichend geklärt sei, wurde die Beschlußfassung auf die nächste Gemeinderatssitzung vertagt. Vielleicht wird bis dahin den Wählern Gelegenheit gegeben, in öffentlichen Vers ammlungen über die Wahlfragen Auskunft zu erlangen. Die Evangelische Volksgemeinschaft hat für morgen zu einer solchen Versammlung eingeladen.
Moderne Hochzeit.
* Ridda, 16. San. Hier feierte kürzlich ein Brautpaar feine Hochzeit auf originelle Weise. Beide waren hier im vergangenen Sahr bedienstet und hatten schon im H e r b st das gesetzlich vorgeschriebene Aufgebot zur Eheschließung erwirkt, waren aber dann von hier verzogen. Sm neuen Sahr fiel es den Brautleuten plötzlich ein, in Ridda Hochzeit zu halten. Gedacht, getan. Man reifte hierher und begab sich auf das Standesamt. Der Standesbeamte findet die erforderlichen Papiere zur Trauung in Ordnung. Aber es fehlen die Trauzeugen. Doch schnell wußte der Bräutigam solche aufzutreiben. Auf feine Bitte erklärten sich ein anwesender Polizeibeamte und ein Bürgermeisterei-Sekretär bereit, als Zeugen dem Trauakte beizuwohnen, der nun auch ohne Hindernis ausgeführt wurde. Die Hochzeitsgesellschaft begab sich nun, wenn auch ohne hochzeitliche Kleidung, in ein nahes Gasthaus, um zur Feier des Tages auf Einladung deS Bräutigams einige Flaschen Wein zu trinken. Nachdem zwei bereits geleert waren, erklärte der junge Ehemann, daß er kaum noch Geld zur Heimreise für sich und seine Frau besitze und die Trauzeugen Ku der bereits erwiesenen Gefälligkeit nun auch noch den Wein bezahlen mochten. Sie machten gute Miene zum bösen Spiel und bezahlten die Zeche. Das junge Ehepaar reifte ab, froh und sorglos, wenn auch zur Zeit arbeitslos und ohne Wohnung.
Landkreis Gießen.
ck. Heuchelheim, 15. San. Die Snhaber der Anteilscheine unseres Turnhallenbaues hielten dieser Tage ihre Hauptversammlung ab. Wie aus dem Geschäftsbericht hervorging, hat der Verwaltungsausschuh der Turnhalle auch ini verflossenen Geschäftsjahre gut gewirtschaftet. Reben den Abschreibungen an Mobiliar und Smmobilien konnte noch ein ansehnlicher Betrag an der Gemeinschuld abgedeckt werden. Dem Derwaltungsausschuß wurde einstimmig Entlastung erteilt, lieber die Frage der Auslosung der Antellscheine entspann sich eine lebhafte Aussprache, in deren Verlauf elf Mitglieder in großzügiger Weise auf je einen Anteilschein zugunsten des Turnvereins verzichteten. Mit großer Mehrheit wurde ein Antrag angenommen, nach dem in kurzer Zeit eine außerordentliche Versammlung der Anteilscheininhaber stattfinden spll, die über dieVerzichtleistung sämtlicher Anteilscheininhaber auf ihr Anteilscheinrecht beraten soll. Don den aus dem Verwaltungsausschuh satzungsgemäß aus- scheidenden drei Mitgliedern Karl Kreiling,
nen Charakter!" sagte er dann skeptisch. „Wenn ich auch so gut wie nichts von diesem Mädchen weih, muh ich doch gestehen, daß ich der Tochter einer solchen Mutter wenig Gutes zutrauen kann."
„Die ist tausendmal besser als ihre Mutter!"
„Sind Sie dessen so sicher? Woher sollen bei ihr die guten Eigenschaften kommen? Sch glaube an Vererbung, und wie Sie wissen, kommt hier leider nicht nur die Mutter in Betracht. Wenn Sie ihren Vater gesehen hätten ..."
„Sch habe ihn gesehen!" klang es von ihren Lippen. Schon im nächsten Augenblick bereute sie ihre vorschnelle Aeußerung.
Wie elektrisiert fuhr Hagenau zu ihr herum. „Fräulein Horter, Sie sind wirklich großartig — einzig in Shrer Art!" rief er, kaum seine Stimme dämpfend und mit einem durchdringenden Blick seiner klaren, grauen Augen. „Wo? Wann? Wie haben Sie ihn gesehen? Aber ich brauche gar nicht erst zu fragen? Der Erbärmliche wird sich hier, wo er seine Frau weiß, Herumgetrieben haben, um Geld von ihr zu erpressen. Das ist immer die Art solcher Sndividuen. Und wenn Shr Detter das Mädchen wirklich heiraten würde — nein, das ist und bleibt undenkbar! Ein solcher Schwiegervater! Habe ich nicht recht, wenn ich diese Heirat für eine Unmöglichkeit erkläre?"
Doris biß sich auf die Lippen und zeigte keine Lust, zu antworten. Bald darauf erhob man sich von der Tafel. Als einige Vorschlägen, einen kleinen Spaziergang mit den Damen zu machen, blickte Herr von Wildhofen der Aeltere auf seine Uhr.
„Meine Herren, ich gebe Shnen nur eine halbe Stunde Zeit, und zwar brechen wir wieder von hier aus auf!“ sagte er dann zu seinen Gästen. „Unterhalten Sie sich inzwischen, wie es Shnen beliebt.“
„Kommen Sie, Fräulein Horter, wir wollen einen kleinen Gang in den Wald machen!" forderte der Rechtsanwalt seine Tischnachbarin auf, an deren Seite er sich noch immer befand. Das junge Mädchen blickte sich verstohlen nach allen Seiten um.
„Sch kann leider nicht, ich —", versuchte sie einzulenken, „ich versprach Fräulein von Rechten ..."
Doch Fräulein von Rechten war verschwunden; sie konnte sie nirgends entdecken.
Hagenau lachte ein wenig malitiös. „Sch glaube, es ist einerlei, was Sie ihr versprochen haben, Fräulein Horter, und ich wette, sie wird Sie kaum beim Wort nehmen. Sehen Sie dorthin, bitte!"
Doris folgte der angegebenen Richtung und sah noch gerade durch das Fenster, wie Sabine an Kurts Seite durch den Pächtergarten zum angrenzenden Waldsaum schritt. Shre ganze Haltung ließ nicht auf Widerstreben oder Abneigung gegen ihren Begleiter schließen, und bald waren die beiden ihren Blicken entschwunden.
Fabrikant Ludwig Rinn und Friedrich Rinn wurde Karl Kreiling wiedergewählt. Reugewählt wurden Adolf Gernandt und Theodor Kreiling. Eine in der Turnhalle ab 1. Februar freiwerdende Wohnung follbei der Wiedervermietung in erster Linie für Mitglieder des Turnvereins in Betracht kommen. — Zu dem kürzlichen Bericht über die Vergebung der Arbeiten und Lieferungen zur Erbauung unserer Wasserleitung und der Kanalisation ist noch mitzuteilen, daß die Firma Wilhelm RinnVIII., Baugeschäft und Zementwarenfabrik, an der Lieferung der der Firma Sack & Sughardt übertragenen Zement- und Tonrohre zur Hälfte beteiligt ist.
< Mainzlar, 15. San. Am Samstagabend hielt der hiesige Turnverein im Müllerschen Saale sein diesjähriges Wintervergnügen ab. Den Willkommengruß des Dorstandes entbot den sehr zahlreich erschienenen Mitgliedern und Turnsreunden der Ehrenvorsitzende des Derrins Hrch. Klingelhofer. Er dankte allen aktiven Turnern für die im vergangenen Sahre errungenen Siege und ermahnte gleichzeitig die jungen Turner, treu das Erbe SahnS als den schönsten deutschen Sport weiter zu pflegen und zu fördern. Ein von Turnern und Turnerinnen flott gespieltes Theaterstück fand gute Aufnahme. Für die turnerische Arbeit im Verein legten zwei Musterriegen an Barren und Pferd durch gut ausgeführte Hebungen glänzendes Zeugnis ab. Zwei weitere turnerische Theaterstücke, bei deren Aufführung die Mitwirkenden ihr Bestes gaben, ernteten wohlverdienten Beifall. Die musikalische Unterhaltung wurde von Mitgliedern des Vereins ausgeführt, während eine Tombolaverlosung in den Pausen unterhielt und auch die Dereinskasse auf ihre Rechnung kommen lieh. Tanz bildete den Abschluß der Veranstaltung. Dem Verein, der über 100 Mitglieder zählt, wurde vom „Lahn-Dünsberg-Gau" das diesjährige Gau-Dergfcst übertragen, mit dem er sein 25jähriges Bestehen zu feiern gedenkt. — Die Holzhauerarbeiten in unserem Gemeindewald sind nunmehr beendet. Geschlagen wurden ungefähr 750 Festmeter, wovon ein größeres Kontingent auf Cichenstämme entfällt.
t Treis a. d. Lda., 16. San. Am Dienstag konnte die älteste Einwohnerin unserer Gemeinde, Frau Adam Amend II. Witwe, Elisabetha, geb. Rühl, in ziemlicher körperlicher und vollkommen geistiger Frische im Kreise ihrer Angehörigen ihren 9 0.Geburtstag begehen. Das Landeskirchenamt in Darmstadt hatte ihr durch den Pfarrer eine künstlerisch ausgeführte Glückwunschurkunde überreichen lassen, worüber die Subilarin sehr erfreut war. Der Zweitälteste dahier ist Georg Denner II., der am 7.September des vergangenen Sahres 89 Sahre alt wurde.
+ ©rünberg, 15. San. Für den Hassia - bezirkGrünberg fandamSonntagnachmittag hier im .Rappen" eine gut besuchte Versammlung von Kriegsbeschädigten und -Hinterbliebenen statt. Oberleutnant a.D. Dohnhard sprach über die gesetzlichen Bestimmungen, die zum Bezüge einer Rente gelten, und über die Schritte, Die, um das Wiederaufnahmeverfahren einer Rente zu ermöglichen, zu unternehmen sind, da mit Ablauf des Sahres 1930 die nachträgliche Anmeldung von Rentenansprüchen ihr Ende erreicht. Eine ausgedehnte Aussprache, in der Der Vortragende auf die Fragen der Kriegsbeschädigten bereitwilligst Auskunft gab, schloß sich an. Mit einem Dankeswort des Dezirksvorfitzenden, Lehrer Roth, Grünberg, an den Vortragenden für seine lehrreichen Ausführungen schloß die Versammlung.
is. Steinbach, 16. San. Ein gut gekleideter junger Mann kam Dienstagabend als Gast in eine hiesige Wirtschaft. Rach dem Verlassen des Lokals wurde festgestellt, daß er nicht nach der Straße zu hinausgegangen war. Da die Sache dem Wirt und Den anderen Gästen verdächtig
„Sch glaube, daß Fräulein von Rechtens Worte zuwellen im Widerspruch mit ihren Handlungen stehen!" bemerkte Der Rechtsanwalt trocken. Als er aber sah, wieviel Bekümmernis und Enttäuschung in den großen, braunen Augen geschrieben stand, Die nur flüchtig zu ihm aufblickten. Da wuchs seine Sympathie für Den kleinen, treuen Anwalt Der Liebenden um ein Beträchtliches, und in herzlichem Mitgefühl suchte er seine Worte von vorhin zu mildem.
„Blicken Sie nicht so traurig Drein, Fräulein Horter! Oft geht eine Versuchung denn doch über Die menschlichen Kräfte. Kommen Sie, lassen Sie uns einmal von etwas anderem sprechen als immer nur von jenen beiden. Sch verspreche Shnen, sie auch mit keiner Silbe mehr zu er- wähnen. Wollen Sie mit mir gehen?"
• •
•
Fünf Minuten später, als die ganze Gesellschaft den Pachthof verlassen und sich gruppenweise in den anstoßenden Wald begeben hatte, trat Marie Heiß, die Pächterfrau, an den Fuß Der stellen, leiterartigen Treppe, die zu Den DoDenrämnen führte, und rief mit lauter Stimme hinauf: „Herr Scharf, wenn es Shnen beliebt, können Sie jetzt herunter kommen; das Haus ist leer!“
Herr Scharf hatte seit einigen Tagen das kleine, gerade unbenütjte Giebelstübchen der Familie Heiß auf unbestimmte Zeit'gemietet.
„Armer Mann!" sagte Frau Heiß jetzt zu dem Diener Sohann, der beschäftigt war, Weinflaschen und Gläser wieder in die Körbe zu packen. „Er ist krank und dabei so scheu, daß er förmlich Angst hat, jemand ins Gesicht zu sehen."
Der Fremde kam jetzt langsam, mit unsicheren Schritten die schmale Treppe herunter. Er war groß, mager und äußerst ärmlich angezogen —- so bot er das Bild eines gänzlich heruntergekommenen Menschen. Sm Vorbeigehen warf er einen scheuen, mißtrauischen Blick auf den wohlbeleibten, glattrasierten Diener, der neben Frau Heiß herumhantierte.
„Ein seltsamer Mieter, den Sie da haben, Frau Heiß!" bemerkte Sohann, als Der Fremde aufter Hörweite war. „Sieht ja fast wie ein Zuchthäusler aus."
-Wie unbarmherzig von Shnen!" rief Frau Heiß mit einem unwilligen Blick auf Den wohlgenährten Sprecher. „Einen ruhigeren und bescheideneren Mieter habe ich noch nie gehabt. Sr macht mir keine llngelegenheiten."
„Hat er Denn Die Miete schon bezahlt, Frau Heiß?" fragte Sohann.
„Olein, natürlich noch nicht! Er ist ja auch noch keine Woche im Hause, und Heiß ist nicht der Mann, einen Mieter in den ersten Tagen zu mahnen. Pfui, wer wird so mißtrauisch fein, So« bann!“ Kopfschüttelnd wandte sie ihm Den Rücken und ging an ihre Arbeit. (Fortsetzung folgt)
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