Ausgabe 
17.1.1930
 
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berühren, regeln werden. Auf Drund dieser Versicherung wollen die Länder der Kleinen Entente ihrerseits sich dazu bereit finden, am Samstag ihre Unterschrift unter das Haa­ger Abkommen zu sehen. Roch nicht geklart ift die Frage, ob die osteuropäischen Reparationen in der folgenden Woche noch im Haag bereinigt werden, wozu die entsprechenden Dele­gationen hierbleiben würden, oder ob die Er­ledigung dieser Fragen auf später verscho­ben werden soll.

Günstige Aussichten für die Reparationsanleihe.

Amerika zum Haager Ergebnis.

Neuyork, 16. Jan. (TU.) Zu dem im Haag getroffenen Sanktionsabtommen liegen amerikanische Stimmen bisher nicht vor. Wie maß­gebende amerikanische Kreise dieses Abkommen be­urteilten dürften, geht jedoch zur Genüge daraus hervor, daß Amerika mit Deutschland ein Son­derabkommen getroffen hat. Die Stimmung Amerikas ist damit ausreichend gekennzeichnet. Im­merhin begrüßen die Bank- und Börfen- k reife das Haager Kompromiß, da es willkür­liche Gewaltakte doch bis zu einem gewissen Grade ausschalte. Das Hauptinteresse richtet sich jetzt auf die zu erwartende Reparationsanleihe. Die Aussichten für ihre Unterbringung bezeichnet man als n i ch t u n g ü n st i g, wobei darauf hingewiesen wird, daß der amerikanische Markt gegenwärtig sehr flüssig und aufnahmefähig ist. Konnte er doch in den letzten Tagen Anleihen im Betrage von rund 400 Millionen Dollar bei zum Teil vierfacher Ueberzeichnung glatt unterbringen. Auch die Kursbesserung der hier notierten deutschen Anleihen ist beachtlich.

Industrie und Finanznot der Reichsbahn.

Gegen die Pläne einer Tariferhöhung.

Düsseldorf, 16. Ian. (WB.) Der Verein zur Wahrung der gemein!amen wirtschaftlichen Interessen in Rheinland und Westfalen (L a n g - namverein) nimmt zu den bevorstehenden Verhandlungen zwischen Reichsbahn und Reichs­regierung auf Bewilligung einer Ta­riferhöhung oder einer geldlichen Erleich­terung durch Rücküberweisung aus dem Beförderungssteueraufkom m e n zu­gleich im Ramen der anderen Verbände der Schwerindustrie in längeren Ausführungen Stel­lung. Er erklärt u. a., daß eine Tariferhöhung einerseits die erforderlichen Mehrein­nahmen nicht erbringen könne, anderer­seits zu geradezu verhängnisvollen Fol­gen für Wirtschaft und Allgemein­heit führen mühte. Deswegen erscheine es drin­gend notwendig, die Deutsche Reichsbahngesell­schaft finanziell zu entlasten, indem ihr von dem bisher reparationspflichtigen Steueraufkommen bis auf weiteres jähr­lich 150 Millionen Reichsmark belassen wer­den. Darüber hinaus müsse die Reichsbahn in die Lage verseht werden, endlich den Kapital­bedarf zugunsten der Anlagezuwachsrechnung durch Anleihen unter erträglichen Bedin­gungen zu decken.

Landbund und Grüne Front.

Schieles staatsbürgerliche Sammelpolitik.

Berlin, 17. Ian. (Priv.-Tel.) In Berliner politischen Kreisen wird die Tatsache stark be­achtet, dah der Landbund in seiner kürzlich ver­öffentlichten Entschließung die einseitige Bindung an bestimmte politische Gruppen ablehnte und sich damit zu einer staatsbürgerlichen Sammel* Politik bekannte. Insbesondere wurde darauf aufmerksam gemacht, daß die maßgeblichen Ent­schließungen des Landbundes von der dazu be­rufenen Zentrale ausgingen und dah die poli­tischen Bindungen, die etwa einzelne Vertreter eingingen, die Politik der Eesamtorganisation nicht festlegen könnten. Die Politik des Landbun­des bewegt sich unter der Führung des Präsi­denten Schiele in der Richtung der Grünen Front, und es ist sehr bemerkenswert, dah der frühere Fraktionsvorsihende der deutschnatio­nalen Reichstagsfraktion, Graf Westarp, kürzlich in der Presse ein stark betontes Bekennt­nis in der gleichen Richtung ablegte. Man ist also offenbar trotz oder gerade wegen des teilweisen Mißerfolges, den die Grüne Front bei den letzten Zollverhandlungen erlitten hat, der Auffassung, diese Politik mit allen Kräf­ten fortsetzen zu müssen, um für die durch den Voungplan und durch die allgemeine Wirt­schaftskrisis bedrohte Landwirtschaft das Mögliche herauszuholen. Man darf erwarten, daß sich diese Stellungnahme auch bei den kommenden Wirt­schafts- und finanzpolitischen Auseinandersetzun­gen auswirken wird.

Wo sind die Gklareknnlltonen?

Ins Ausland verschoben?

Berlin, 17. Jan. (Priv.-Tel.) Die Untersuchung gegen die drei Brüder Willi, Max und Leo Sklarek ist jetzt so weit fortgeschritten, daß man den Tat­bestand der Bestechung, Urkundenfäl­schung und des Betruges als geklärt anneh- men kann. Insgesamt sind 19 Personen in der Vor­untersuchung dieser Affaire beschuldigt, gegen diese dürste das Hauptverfahren eröffnet werden. Mehr als 200 Aktenbände haben sich in­zwischen bei dem Untersuchungsrichter angesammelt, die lediglich die den Sklareks und ihren Mitbeschul­digten zur Last gelegten Straftaten behandeln. Es fehlt allerdings immer noch der Nachweis, wo von dem Gelds, das die Stadtbank an die Sklareks gezahlt hat, rund 10 Millionen Mark ge­olieben find. Die Nachforschungen der Unter­suchungsbehörden nach diesem Gelde sind deshalb wichtig, weil hiervon die Feststellung des Konkursverbrechens, das den Sklareks weiterhin zum Vorwurf gemocht wird, abhängt. Die Strafoerfolgungsbehörden glauben auch schon Spu­ren entdeckt zu haben, um den Nachweis dafür zu erbringen, daß das Gekd von den Sklareks tatsäch­lich ins Ausland verschoben worden ist. Es trifft zwar zu, daß die Brüder Sklarek g e g e n »artig in Deutschland ohne Mittel sind und daß ihre Familien auf Unterstützungen non be­freundeter Seite angewiesen sind. Diese Tatsache, di« im Widerspruch steht mit dem Vorwurf, 10 Mil­lionen Mark ins Ausland verschoben zu haben, glaubt man aber damit erklären zu können, daß

die Sklareks ihr Geld so sicher angelegt ha­ben und daß s e l b st i h r e F r a u e n d l e B a n k- verbindunge.n nicht kennen.

Versammlungsverbot für ganz Preußen.

Gegen die kommunistischen Straßen, dcmonstrationen.

Berlin, 16. 3 an. (Amtlich.) Der preußische Minister des Innern G r j f i n f t i Hal durch einen Runderlaß an alle Polizeibehörden Umzüge und Versammlungen unter freiem Himmel für ganz Preußen verboten. In dem Runderlah heißt es n. a.: Die verfassungsmäßig gc- währleislete Versammlungsfreiheit ist in den letzten Tagen und Wochen von radikalen Or gani- fationen z u schweren Störungen der öffentlichen Sicherheit mißbraucht worden. Die Vorgänge haben den Beweis geliefert, daß Versammlungen und Umzüge unter freiem Him­mel unter den bestehenden Verhältnissen eine un­mittelbare Gefahr für die öffentliche Sicherheit bedeuten. Aufgrund des Art. 123 Abf. 2 der Reichsversassung werden daher alle Ver­sammlungen unter freiem Himmel, einschließ­lich aller Umzüge, für das Gebiet des Frei­staates Preußen bis auf weiteres verboten. Aus­nahmen von dem Verbot behalte ich mir im Einzel- fnlte vor, soweit es sich um Veranstaltungen handelt, die nicht nur unbedenklich, sondern auch im öffent­lichen Interesse erwünscht sind.

Moskau-Worms.

Die Sowjeipresse zu den Wormser Kommnniftenunrnhen.

Moskau, 16. Ian. (TU.) Wie aus Moskau gemeldet wird, nimmt die gesamte Sowjet- preffe heute zu den letzten Anruhen in Worms Stellung. Die ^Prawda" erklärt, diese Vorgänge liefern den Beweis dafür, daß sich der soziale Kamps in Deutschland verschärfe und daß die KPD. die Leitung des Kampfes gegen die Herrschaft des Bür­gertums in Händen habe. Die deutsche Kommu­nistische Partei besitze große Sympathie beim deutschen Proletariat und wisse, was sie wolle. Die letzten Zusammenstöße zwischen der Polizei und den Erwerbslosen könnten nicht nur als Zwischenfall, sondern als eine neue Pe­riode in dem Freiheitskampf des deutschen Proletariats gegen das Bür­gertum und die deutsche Sozialdemokratie an­gesehen werden. Die letzten Ereignisse hätten die Erweiterung des revolutionären Einflusses der KPD. auf das deutsche Proletariat wieder gezeigt.

Oer erste deutsch-russische Ftüchtlingstransport.

Abschied in Hamburg.

Hamburg, 16. 3an. (WB.) Rach den Erklä­rungen des Reichskommissars Stücklen befinden sich rund 6000 Flüchtlinge ^ruf deut­schem Boden, die sich auf die Lager Hammer­stein, Prenzlau und Mölln verteilen. Dem Reichs­kommissar liegen verschiedene Anerbieten für die Aufnahme der Deutsch-Russen von Kolonialgesell- schaften vor. Die Hanseatische Siedlungsgesell­schaft Hammonia bei Dlumenau in Brasilien hat sich bereit erklärt, 250 Familien aufzunehmen. Diejenigen Deutschrussen, die sich bisher für Bra­silien gemeldet haben, bilden den am Donnerstag abgefertigten ersten Transport von rund 190 Personen, lieber die nächsten Abtransporte nach Heberfee läßt sich bisher noch nichts sagen, jedoch dürfte zunächst noch eine weitere Anzahl DeutschrussendieAusreisenachDra- s i I i e n antreten. Der erste lleberseetransport der deutschrussischen Auswanderer traf kurz nach Mittag im lleberseeheim der Hamburg-Amerika- Linie ein. Reichskommissar Stücklen richtete an die Deutschrussen einige kurze Abschiedsworte. Die Auswanderer, die voll des Lobes über ihren Empfang in Deutschland sind und mit großen Hoffnungen die Reise nach llebersee antreten, begaben sich nach der ärztlichen Untersuchung im lleberseeheim an Bord eines Tenders, der sie nach derMonte Olivia" hinüberbrachte, welche am Rachmittag den Hamburger Hafen verläßt.

Oer Reichspräsident Ehrenbürger von München. München, 16. Jan. (WB.) Heute haben Ober­bürgermeister Dr. h. c. Scharnagl und zweiter Bürgermeister Dr. K ü f n e r im Auftrage des Stadt­rates München den Herrn Reichspräsidenten in seinem Palais in Berlin die Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt München überreicht. Die Urkunde hat folgenden Wortlaut:

Der Stadtrat München hat am 19. November 1929 beschlossen, Seine Exzellenz dem Herrn Reichspräsi­denten, Generalfeldmarschall Paul v. Benecken- d o r f und v. Hindenburg, dem verdienstvollen Schützer der deutschen Heimat, dem bewährten Heer­führer der deutschen Truppen, dem Vorbild treuer Pflichterfüllung in der Zeit der Not des Vaterlandes als Zeichen der Dankbarkeit und der aufrichtigen herzlichen Freude, die der all­jährliche Erholungsaufenthalt des Herrn Reichspräfi- deuten in der Schönheit der bayerischen Heimat in unserem. Lande auslöst, das Ehrenbürger- re ch t v o n M ü n ch e n, der Landeshauptstadt von Bayern, zu verleihen."

Der Herr Reichspräsident hat sich mit Dank für die ihm erwiesene Ehre zur Annahme die- ser Würde bereit erklärt. Im Anschluß an die Ucberreichung des Ehrenbürgerbriefes folgten die Münchener Bürgermeister einer Einladung des Herrn Reichspräsidenten zu einem F r ü h ft ü ck , an dem u. a. auch Reichspoftminifter Dr. Schätze! und der bayerische Gesandte in Berlin, Dr. v. P r e- g e r, teilnahmen.

VoniSeparatistensührerMtfhes

München, 16. Ianuar. (WB) Im Ein - gaben-Ausschuß des bayerischen Landtages stand heute eine Eingabe des früher in Aschaffenburg und Passau als Redakteur tätigen, später als Separatisten- Führer bekannten und jetzt in Paris lebenden 3. S- Matthe« gegen die unterfränkische

Kreisregierung und den Aschaffenburger Ober­bürgermeister zur Beratung. Aus Vorschlag des Berichterstatters Abgeordneter Bernzott (Bahr. Volksp.) hat der Arrsschuh zu der Eingabe einstimmig folgende Stellung ge­nommen: Der Ausschuß hält es unter feiner Würde, die Eingabe des Matthes, Direktor eines Bureau international de Presse, zu behan­deln. Bei dem Beschwerdeführer handelt es sich um einen Mann, der nicht nur jahrelang d i e Eh re deutscher Bürger in den K o t zog, sondern auch als Führer der Sepa­ratisten die rheinischen Lande vorn deutschen Daterlande losreißen und sichselbst außer­halb des deutschen Gesetzes und des Rechtes stellte, auf das er sich bei seiner Be­schwerde beruft. Bei Matthes handelt es sich uni einen separatistischen Häuptling, der durch feine unheilvolle Tätigkeit großes Leid und unsägliches Elend über rheinisches treudeutsches Volk brachte und den Bestand des Reiches zu gefährden suchte.

Festsitzung des Völkerbundsrats.

Genf, 16. Jan. (WB.) Die heutige Schlußsitzung der 58. Ratstagung galt im wesentlichen nur der Feier der zehnten Wiederkehr der Eröff­nung der er st en Ratstagung. Der Rats­präsident Zaleski würdigte die politischen, wirt­schaftlichen und psychologischen Verdienste der Tätig­keit des Völkerbundes. Seit seinen Anfängen habe der Völkerbund die Zahl feiner Mitglieder wach­sen sehen und sei ein weitspannendes Un­ternehmen tätiger und universeller Zusammenarbeit geworden. Abgesehen von der direkten Regelung von Streitfragen, habe sich fein Einfluß in allen internationalen Beziehungen fühlbar gemacht. Das einzige Ratsmitglied, das an der ersten Ratstagung wie auch an der heutigen Ge­denkfeier teilnahm, Quinones de Leon (Spa­nien), unterstrich die Bedeutung der vor drei Jahren mit dem (Eintritt Deutschlands erfolgten Erweiterung des Völkerbundsrats als ein besonderes Zeichen der erzielten Fortschritte auf dem Wege zur Verwirklichung der internationalen Verständigung und des Friedens. Vor Abschluß der Tagung verlas Zaleski noch ein Telegramm von Reichskanzler Müller, in dem dieser für die warmherzige Kund­gebung des Völkerbundsrats zur Ehrung des Ge- dächtniffes des ersten deutschen Ratsmitgliedes, Dr. Stresemann, dankte.

Oie deutsch-polnischen Verhandlungen in Genf.

Genf, 16. Ian. (TU. Funkspruch.) Am Don­nerstagabend wurde folgende halbamtliche Mit­teilung Von der deutschen Abordnung über die deut s ch-polnischen L i q ui d a t i o ns- verhandl ungen herausgeg:ben:Anläßlich der Genfer Ratstagung haben Besprechungen zwischen dem polnischen Außenminister Za­leski und dem deutschen Staatssekretär von Schubert über eine Anzahl schwebender Fra­gen stattgefunden, wobei eine weitgehende Aebereinstimmung der beiden Auffassun­gen festgestellt wurde. Was den Handels­vertrag anbelangt, so haben beide Herren ihren Regierungen vorgeschlagen, in der näch­sten Woche die Abordnungen in Warschau wieder zusammentreten zu lassen."

Aus oller Welt.

Der Siegeszug der Frau in Norwegen.

In der Thronrede zur Eröffnung des nor­wegischen Storthing, wurde ein Gesetz über die Zulassung der Frauen zu allen öf­fentlichen Aemtern angekündigt. Bereits jetzt werden die Frauen in Norwegen zu den meisten öffentlichen Aemtern zugelassen. Rach dem neuen Gesetz sollen sie alle Remter beklei­den dürfen, d. h. sie sollen Geistliche, Di­plomaten und jedenfalls theoretisch auch Offiziere werden können. Besonderen Wi­derspruch erweckt die Ankündigung, dah Frauen auch Geistliche werden können. Dor einiger Zeit hat die Regierung die Kirchenbehörden aufgefordert, sich über diese beiden Fragen zu äußern. Dabei sprach sich die überwiegende Mehr­zahl der Befragten gegen weibliche Geist­liche aus. Es wurde darauf hingewiesen, daß die Frauen bereits das Recht hätten, das theo­logische Abschluhexamen zu machen. Damit müsse es jedoch genug fein.

Zwei Millionen auf der Straße gefunden. 50 2Nk. Belohnung.

Ein Kassierer derReichsschuldenverwal- t u n g verlor auf dem Wege zur Reichsbank in Berlin eine Reichsschahanweisung über 2000000 Mark, die bald darauf von einem Arbeiter, dem Hilfsmeister Rudolf Hen­nig, an der Ecke der Linden- und Schühenstraße gesunden wurde. Hennig lieferte die Schatz­anweisung beim nächsten Polizeirevier ab, und die Polizei benachrichtigte sofort die Direktion der Reichsschuldenverwaltung. Hennig, der in ein­fachen Verhältnissen lebt, erwartete, dah ihm eine Belohn ung von mindestens 1 v. H. zustehe: bas würde in diesem Fall mehr als 20 000 Mark ausmachen. Die Direktion der Reichs­schuldenverwaltung steht jedoch auf dem Stand­punkt, dah eine Belohnung in dieser Höhe nicht in Frage komme, da die Schatzanweisung nie­mals hätte eingelöst werden können. Der Kassierer, der die Anweisung verloren hat, soll dem Finder 50 Mark an geboten haben.

Mitleidsvolle Einbrecher.

In Meißen, das wegen seiner schlechten Finanzlage bekanntlich unter Staatsauf­sicht gestellt werden mußte, brachen in der vergangenen Rächt Diebe in das Finanz- am t ein. Sie öffneten mit Gewalt den Tresor, in dem sie nur 6,55 Mark vorfanden. Die Diebe liehen das Geld zurück und stiegen durch das Fenster wieder aus dem Finanzamt hinaus.

Tragödie im Bergwerk.

Die Bergungsarbeiten auf der Beuthener Hei- nih-Grube, wo infolge Erdbebens Strecken zu Bruch gingen und Arbeiter verschüt- t e t wurden, gestalteten sich außerordentlich schwierig. Die Rettungskolonne hat die Arbeit von einer anderen Stelle aus in Angriff ge­nommen, um auf diese Weise schneller an die Cingeschlossenen heranzukommen. Einer von ihnen gab am Abend immer noch Lebens­zeichen von sich. Rach energisch durchgeführten Rettungsarbeiten ist es gelungen, ihn lebend und nur leicht verletzt, wenn auch infolge der Strapazen sehr entkräftet, zu bergen. Don den zwei noch unter den Trümmern befindlichen Opfern nimmt man an, daß sie wahrscheinlich nur noch al« Leichen zu bergen sein werden.

Ein Londoner Anwalt in Frankreich verschollen.

Erst jetzt wurde das geheimnisvolle Verschwin­den des Londoner Anwalts Phillips bekannt, der am 2 0. Dezember v. I. sich zu einer ge­schäftlichen Besprechung nach Paris begeben hatte. Beim Verlassen des von Folkestone in Boulogne-sur-Mer angekommenen Dnmpfers hatte er noch feine Fahrkarte abgegeben. Seitdem ist man ohne jegliche Rachricht von ihm. Seine Frau ist in Boulogne eingetroffen und hat der Polizei Anzeige .erstattet. Sowohl in den Häfen Rordfrankreichs, wie in Paris hat man mit den Rachforschungcn begonnen. Da der Vermißte keinerlei geschäftliche oder finan­zielle Schwierigkeiten gehabt haben soll, ver­mutet man einen Unfall oder ein Verbrechen. Eine Spur des verschollenen Fliegers Eielson.

Rach einer Meldung der russischen Regierungs­kommission für die Erforschung der Arktis von der Funkstation Pinkignej, ist der seit vielen Wochen verschollene amerikanische Flieger Eiel­son nach unbestätigten Berichten, die von den Einwohnern der Halbinsel Tschuktschen über­bracht wurden, in der Rähe des Flusses Qlguemi, 200 Kilometer vom Rordkap, nach ' längerem Fluge stromauswärts gelandet. Ein Schlit­ten, der von Swenson ausgesandt wurde, um Rachforschungen anzustellen, muhte infolge eines Schneesturmes u m k e h r e n , ohne sein Ziel er­reicht zu haben. Die Regierungskommission hat Mahnahmen getroffen, um die Meldung nach- zuprüsen. Der Kapitän des Sowjetdampfers Stawropol" und zwei Sowjetflieger, die in der Rähe des Rordkaps überwintern, sind angewie­sen worden, in der Gegend des Aguemh-Flusses Rachforschungen anzustellen.

Englands Interesse für deutsche Kunst.

Die RoyalAcademy im Burlington-House in London trägt sich mit der Absicht, im kom­menden Iahre eine große deutsche Kunst­ausstellung in London zu veranstalten, die das gesamte deutsche Kunstschaffen umfassen soll. Einzelheiten zur Durchführung dieser Ausstellung bilden zur Zeit Gegenstand von Verhandlungen mit den zuständigen deutschen Behörden, die ihre Geneigtheit zur Beteiligung bereits zum Aus­druck gebracht haben. Reben einer großzügigen staatlichen Beteiligung durch Beschickung der Ausstellung aus deutschen Museen und Galerien werden sich namhafte Privat- kreise an dem Unternehmen beteiligen. Die Royal Academy arrangiert fast jedes Iahr große nationale Ausstellungen in England. Erst vor einigen Iahren hat sie eine große Ausstellung der holländischen und flämischen Ma­lerei arrangiert, und augenblicklich wird eine um­fassende Ausstellung italienis cher Kunst veranstaltet.

Afghanistan bezahl Aman Allahs Schulden.

Der frühere König Aman Allah von Afghanistan hatte, als er seinerzeit in Deutschland war, hier Waren für mehrere Millionen Mark gekauft. Die Reichs­kreditgesellschaft gewährte ihm einen Kredit in der Höhe dieser Beträge. Ieht hat die neue afghanische Regierung mitgeteilt, dah sie d i e Waren übernehme und den Kredit refunöieren werde.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

lieber Deutschland ift seit gestern der Luftdruck stark angestiegen und hat somit das Hochdruckgebiet gekräftigt. In seinem Kern herrschen Barometer­stände von annähernd 780 mm. Der Hochdruckeinfluß hat die ozeanische Warmluftzufuhr abgeschnitten und die Bewölkung zurückgehen lassen, so daß in der letz­ten Nacht infolge der unbehinderten Ausstrahlung die Temperaturen fast in ganz Deutschland unter Null zu liegen kamen. Die bereits über den briti­schen Inseln erschienene Warmluftwelle, die auch dort schon Niederschläge verursacht, wird jedoch mehr nördlich abziehen und zunächst für unser Wetter un­schädlich sein. Der hohe Druck wird die Herrschaft behalten und das heitere Wetter vorläufig fort- besteben lassen; dabei werden nachts weiterhin Strahlungsfröste auftreten.

Wettervoraussage für Samstag: Meist heiter und klar, morgens stellenweise leichte Rebelbildung, trocken, Rachtfrost.

Lufttemperaturen am 16. Ianuar: mittags 7,9 ®rab Celsius, abends 4,1 Grad; am 17. Ianuar: morgens 0,8 Grad. Maximum 8,9 Grad, Mini­mum 1 Grad. Erdtcmperaturen in 10 cm Tiefe am 16. Ianuar: abends 4,8 Grad, am 17. Ianuar: morgens 1,8 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 4 V. Stunden.

Amtliche Mnterfportnachrlchten.

Schwarzwald. Feldberg: Heiter, minus 1^ Grad, 35 Zentimeter Schnee, Pulverschnee, Ski- und Rodelmöglichkeit gut.

Rlpen. Ber ch tesg aden: Heiter, 0 Grad, 1 bis 2 Zentimeter Schnee, fielt) mt Ski- imä RodelmöglichkÄ mäßig. _ . . <